Back Down to Earth


[Statistik] Monatsrückblick September

Schon ist er wieder vorbei, der September, und es geht mit großen Schritten auf die Kälte und Dunkelheit zu. Ehrlich gesagt: Ich bin jetzt schon ein bisschen deprimiert. Meine Sommerbräune verabschiedet sich, ich kann nicht mehr gemütlich draußen sitzen, weil ich einfach zu spät nach Hause komme, und ständig ist es dunkel. Ein Herbst- und Wintertyp bin ich definitiv nicht. Also muss ich mich ablenken mit Büchern, und das zumindest lief im September erstaunlich gut. Im Oktober hatten wir zwar bisher Glück - aber das wird auch nicht mehr ewig hold bleiben...

#Gelesen im September: 6 Bücher


1. White Maze von June Perry [3*]
2. Zerrissene Erde von N.K. Jemisin [4*]
3. Hazel Wood von Melissa Albrecht [knappe 3,5*]
4. Beale Street Blues von James Baldwin [4*]
5. Das Gold der Krähen von Samantha Hayes [5*] - Hörbuch
6. Moxie von Jennifer Mathieu [3,5*]

Gelesene Seiten: 2312
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: ca. 385
 Gelesene Seiten pro Tag: etwa 77
Durchschnittsbewertung: 3,83*

Na, geht doch! Mit mehr Büchern steigt auch direkt die Durchschnittsbewertung, welch ein Glück. Kann ich auch nicht immer sagen. Highlight war (natürlich) definitiv "Das Gold der Krähen", ein großartiger zweiter Teil, nach dem ich richtig Lust habe, mich auch auf Bardugos Erstlings-Trilogie zu stürzen. Auch "Zerrissene Erde" und "Beale Street Blues" haben mir gut gefallen, wenn auch beide keine wirklich einfachen Bücher waren.


# Gesuchtet im September: 4 Serien


1. Jack Ryan: Staffel 1, Folgen 1 & 2 [3,5*] 
2. The Bold Type: Staffel 2, Folge 1 [4*] 
3. Die Nanny: Staffel 2 & 3 [4*]  
4. Brooklyn Nine-Nine: Staffel 4, Folgen 1-4 [4,5*]  

Wie man sieht: Vieles war dabei, aber bei keiner Serie bin ich sonderlich weit gekommen. Im Oktober sieht das bisher auch nicht großartig besser aus. Nachdem ich die Hälfte von "Die Nanny" durch habe, habe ich aktuell etwas die Lust verloren, und da mir das Drama in "The Bold Type" etwas zu viel war (obwohl ich die Mädels liebe!), bin ich lieber wieder auf "Brooklyn Nine-Nine" umgestiegen und werde dort wohl auch wieder ziemlich schnell mit durch sein...

# Neuzugänge im September: 3 Bücher

Heute habe ich leider kein Foto für dich! (Es tut mir leid, ich war zu faul.)

Endlich: Ich habe meine Disziplin wiedergefunden und für den September fast komplett den Neuzugängen abgeschworen. Jetzt muss das nur noch so weitergehen!
 
# Kino im September

Jetzt bin ich ungeplant erneut so spät dran, dass es sich bereits nicht mehr lohnt, eine komplette Aufstellung zu machen. Daher bleibe ich einfach mal bei zwei Favoriten, die ich noch schaffen könnte und definitiv gern sehen würde.

Bad Times at the El RoyaleBohemian Rhapsody

"Bad Times at the El Royale" kann nicht nur ein großartiges Cast vorweisen, sondern klingt auch noch gut  - und hat durchaus gute Kritiken erhalten. "Bohemian Rhapsody" sieht außerdem total genial aus, Rami Malek scheint einfach Freddie Mercury zu sein.

Seid ihr gut in den Herbst gekommen?

[Buchrezension] Moxie - Jennifer Mathieu

Nachdem meine Mutter die Tür geschlossen hat, rutsche ich tiefer unter die Decke und spüre, dass es mich beim Gedanken an die Kopien in meinem Rucksack vor Vorfreude am ganzen Körper kribbelt. Außer mir weiß niemand auf der Welt davon. Naja, bis auf Frank von U COPY IT. Aber der kennt ja den nächsten Schritt in meinem Plan nicht.
Nach ein paar Minuten spüre ich endlich, wie ich allmählich eindöse. In dieser Nacht träume ich, dass ich mit Frank durch den Copyshop marschiere. Wir tragen beide die gleichen Runaways-T-Shirts und deponieren auf jedem Kopirer ein Exemplar meiner Schöpfung.

INHALT
Die 16-jährige Vivian besucht eine Highschool in einer Kleinstadt und ist es gewohnt, dass die Mädchen dort gegen die Jungen einzustecken haben. Bis sie eines Tages auf dem Schrank ihrer Mutter alte Magazine entdeckt, die vor 20 Jahren von weiblichen Rebellinnen verfasst wurden. Und plötzlich fragt sie sich: Warum lassen sie und die anderen sich diese Ungerechtigkeiten eigentlich gefallen? Also beschließt sie, eine eigene Zeitschrift zu gestalten: Moxie. Nach kurzer Zeit nimmt ihre Aktion bereits ordentlich an Fahrt auf. Doch ihr Kampf zieht auch Konsequenzen nach sich...

MEINE MEINUNG
So traurig es auch ist: Wir schreiben das Jahr 2018, und doch scheint das Thema Feminismus so aktuell, vielleicht so wichtig wie lange nicht. Daher sind auch Bücher wie jenes von Jennifer Mathieu ein Muss - Bücher, in denen das Thema Gleichberechtigung auch für ein jüngeres Publikum aufbereitet wird. Dafür nutzt sie nicht nur eine Protagonistin im Teenager-Alter, sondern auch eine jugendliche Sprache und eine Romanze als Spannungselement. Letztere hätte für mich nicht unbedingt sein müssen, da die Geschichte auch so genug hergibt.

Vivian ist erst 16 und das merkt man ihr teilweise auch an - sie ist manchmal etwas naiv, klammert sich an ein bestimmtes Bild ihrer Mutter, ohne Rücksicht auf deren Gefühle, und denkt oft nicht über Konsequenzen nach. Andererseits wird sie von einem starken Gerechtigkeitsgefühl getrieben, das ihr hilft, Veränderungen zu bewirken, indem sie über sich hinauswächst. Ihre Freundinnen sind wunderbar unterschiedlich - die eine kämpferisch und wütend, eine andere eher zurückhaltend, viele Ethnien sind vertreten -, am meisten begeistert jedoch, dass sich keine Mädchen gegenseitig fertig machen, egal wie verschieden sie auch alle sein mögen - das gibt es in der Literatur leider viel zu selten.

Teilweise erschienen mir Vivians Aktionen etwas kindisch, und ihre Magazine enthalten für den Erfolg, den sie einfährt, relativ wenige Informationen - die Botschaft wird schon sehr offensichtlich präsentiert. Davon abgesehen gelingt es dem Buch aber trotzdem, einem die Missstände aufzuzeigen, einen wütend zu machen über Ungerechtigkeiten, über Belästigungen, über Vertuschungen. Besonders zum Ende hin nimmt die Geschichte in der Hinsicht stark an Fahrt auf und löst zum Glück auch wieder die Liebesgeschichte ab, die sich zwischenzeitlich zu stark in den Vordergrund drängt. Schade nur, dass am Schluss ein ziemlich wichtiger Abschnitt einfach übersprungen und nur nacherzählt wird, an dieser Stelle hatte ich mir noch mehr Schlagkraft gewünscht - die schließlich immer wieder durchschimmerte.

FAZIT
"Moxie" ist für ein etwas jüngeres Publikum geschrieben, dem ich nicht mehr angehöre - dementsprechend ist die Botschaft eher einfach und wird sehr offensichtlich transportiert. Die Geschichte schafft es aber trotzdem immer wieder, wütend zu machen und zum Nachdenken anzuregen, nicht zuletzt durch unterschiedliche, oft realistische und sich entwickelnde Charaktere. Nicht perfekt, aber zum Einstieg ins Thema durchaus geeignet. 3,5 Punkte.

https://www.w1-media.de/produkte/moxie-1246

[Buchrezension] Das Gold der Krähen - Leigh Bardugo

Wylan erhob sich, plötzlich begierig darauf, in die Stadt zurückzukehren, um Kaz dabei zu helfen, den Plan durchzuführen. Er war nur widerwillig zum Eistribunal gegangen, hatte Kaz nur widerwillig geholfen. Währenddessen hatte er immer geglaubt, dass er seines Vaters Verachtung verdiente, und jetzt endlich konnte er zugeben, dass er irgendwo, an einem verborgenen Ort in seinem Inneren, immer noch darauf gehofft hatte, die Gunst seines Vaters zurückzuerlangen. Nun, was ihn betraf, sollte sein Vater seine Gunst behalten und sehen, was die ihm nützte, wenn Kaz Brekker mit ihm fertig war. 
"Na los", sagte er. "Wir werden meinem Vater sein gesamtes Geld stehlen."

INHALT
Kaz und seine Krähen hatten den Coup aller Coups geplant - und dann sie sind übel hintergangen worden. Dabei wurde Inej, eines der Mitglieder, entführt, und die gesamte Situation erscheint aussichtslos. Aber Kaz Brekker wäre nicht Kaz Brekker, wenn er nicht bereits neue Pläne schmieden würde: Nicht nur will er das Geld, das ihm versprochen wurde, vor allem will er Inej um jeden Preis zurück. Aber dieses Mal müssen die übrigen Fünf auf's Ganze gehen. Denn abgesehen von dem Leben, das auf dem Spiel steht, haben sie sich noch einige weitere mächtige Feinde gemacht, die ihr Blut sehen wollen...

MEINE MEINUNG
Da ist sie, die Übersetzung des Abschlusses von Leigh Bardugos viel gelobter Dilogie um eine diebische Bande, "Das Gold der Krähen" im Deutschen. Ohne die originale Trilogie aus dem "Grischaverse" gelesen zu haben, hatte ich mich 2017 in dieses Abenteuer gestürzt - und war nicht enttäuscht worden. Die Autorin hat hier eine Welt geschaffen, in der gefährliche und gefürchtete Magie so perfekt in die ansonsten von Banden und Verbrechern bevölkerten Straßen eingebettet ist, dass es wahre Wonne bereitet, mit den Charakteren durch eben diese zu streifen. Nach dem Vorgänger ist man mit den Gegebenheiten schon vertraut und hat Ketterdam als dreckigen, ruchlosen Ort kennen - und lieben - gelernt. Und trotzdem wird das Erlebnis hier noch gesteigert.

Alle Protagonisten aus dem ersten Teil sind wieder dabei und dieses Mal wird der Leser zu meiner großen Freude auch mit der Perspektive von Wylan belohnt, diesem sanften Jungen aus gutem Hause, der sich überwinden muss, etwas gegen seinen Vater zu unternehmen. Jesper mit seiner großen Klappe und Nina und Matthias, die, obwohl sie sich gefunden haben, ihre Diskussionen nicht sein lassen können, sorgen für einiges an Spaß. Und trotzdem hat jede Figur weiterhin ihr Päckchen zu tragen: Kaz, traumatisiert seit dem Tod einer geliebten Person; Inej, die sich verkaufen musste; Matthias, der sich von seiner Gemeinschaft losgesagt hat. Diese Personen sind meistens alles andere als das, was man "gut" nennen würde, und trotzdem stehen sie füreinander ein, haben ihre eigenen Moralvorstellungen - und sorgen so für große Figurenliebe.

Aber das ist eben nicht alles, was der Autorin so gut gelingt. Dieses Buch hat in der deutschen Übersetzung beinahe 600 Seiten - und nicht auf einer einzigen kommt Langeweile auf. Immer wieder werden ihnen Steine in den Weg gelegt, immer wieder müssen sie neue Pläne schmieden oder einfach improvisieren. Es wird gelogen, betrogen...aber auch geliebt. Sechs Charaktere, drei komplett unterschiedliche Liebesgeschichten, und das funktioniert auch noch. Es wird intensiv, es wird zärtlich, aber niemals drängen sich die romantischen Gefühle in den Vordergrund, immer geht es noch um so viel mehr. Bis zum Ende bleibt die Erzählung auf einem durchgehend hohen Niveau, lässt den Leser die Geschehnisse hautnah miterleben - um ihm dann am Schluss das Herz herauszureißen. Gegen diese Achterbahn der Gefühle war der erste Band quasi eine ruhige Seefahrt. Es ist nicht möglich, sich gegen die Emotionen zu wehren, die ausgelöst werden - und man will es auch gar nicht. Nicht umsonst ist der Leitsatz der Krähen: Keine Klageweiber, keine Beerdigungen. 

FAZIT
Den ersten Band der "Glory or Grave"-Dilogie mochte ich. Aber "Das Gold der Krähen" habe ich geliebt. Schon vertraut mit den unterschiedlichen Charakteren und ihren Eigenarten, fällt es leichter, sich direkt auf diese Welt, ihre Magie und ihre Banden einzulassen. Leigh Bardugo versteht es meisterhaft, ihre Figuren zum Leben zu erwecken, und ebenso, den Leser immer wieder zu schockieren und zu überraschen. 5 Punkte!

https://www.droemer-knaur.de/buch/9558678/das-gold-der-kraehen

[Buchrezension] Beale Street Blues - James Baldwin

Sharon hatte die ganze Zeit über nichts gesagt. Ernestine hatte mich ihr übergeben, aber Sharon hatte mich gar nicht angefasst. Sie hatte was viel Verrückteres gemacht, nämlich mich gehalten und beruhigt - ohne mich zu berühren.
"Na denn", sagte sie, "die Männer sind wohl eine Weile weg, und Tish braucht Ruhe. Gehen wir schlafen."
Aber ich wusste, dass sie mich ins Bett schickten, damit sie noch ein bisschen aufbleiben konnten, ohne mich, ohne die Männer, ohne irgendwen, um damit fertigzuwerden, dass Fonnys Familie sich einen Dreck um ihn scherte und keinen Finger rühren würde, um ihm zu helfen. Wir waren jetzt seine Familie, die einzige Familie, die er hatte: Jetzt hing alles von uns ab.

INHALT
Seit ihrer Kindheit waren Tish und Fonny bereits befreundet, bevor sie ihre Liebe zueinander entdeckten. Nun ist Tish schwanger. Alles könnte so gut sein, säße Fonny nicht im Gefängnis für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Denn beide sind schwarz - und der Rassismus in Amerika ist so tief verankert, dass allein die Hautfarbe ausreicht, um angeklagt zu werden. Tishs Familie unternimmt alles, um den jungen Mann aus dem Gefängnis zu holen, doch mit unzuverlässigen Zeugen und der Aussage eines Polizisten scheint das Unterfangen beinahe aussichtslos...

MEINE MEINUNG
"Beale Street Blues", das vorletzte Werk des afroamerikanischen Autors James Baldwin, erzählt die Geschichte einer Liebe, die unter keinem guten Stern steht - allein, weil die Liebenden nicht weiß sind. Es erzählt die Geschichte eines Justizsystems, das so von Vorurteilen und Rassismus durchdrungen ist, dass Gerechtigkeit unmöglich scheint. Und vor allem stammt es aus dem Jahre 1974, spielt also auch vor über 40 Jahren - und trotzdem habe ich das während des Lesens immer wieder vergessen. Das verdeutlicht nicht nur die Zeitlosigkeit der Erzählung, sondern, viel schlimmer, dass sich seitdem zu wenig geändert hat. Und das ist erschreckend.

Tish und Fonny kennen sich seit ihrer Kindheit, sind gemeinsam aufgewachsen und haben nun auch tiefere Gefühle füreinander entdeckt. Doch kaum sind sie miteinander glücklich, werden sie schon wieder auseinander gerissen. Es lohnt sich, nicht den Klappentext zu lesen, weil im Roman selbst erst sehr spät angesprochen wird, weshalb genau Fonny nun eigentlich im Gefängnis sitzt. Denn Erzählerin Tish - beeindruckend glaubwürdig von einem Mann geschrieben - geht viel auf die gemeinsame Geschichte ein, auf die Zusammengehörigkeit, die die schwarzen Bürger miteinander empfinden, auf die Familien und ihre Zukunft. Alle Figuren zeichnet eine große Ambivalenz aus: Einerseits fühlen sie den Rassismus der weißen Mitbürger, andererseits handeln sie umgekehrt mittlerweile auch so; einerseits  sind die meisten Figuren Frauen, andererseits behandeln sie andere ihres Geschlechtes mit wenig Mitgefühl. Tish als Protagonistin ist dagegen eine sehr sanfte Erzählerin, die trotzdem mit ihrem Mut begeistert.

Schwierig ist aber, sich darüber klar zu werden - und vor allem in Worte zu fassen -, was man da beim Lesen eigentlich fühlt und erlebt. Da ist zum einen dieses Leben, das sich nicht nur von dem der jetzigen Zeit unterscheidet, sondern differenzierter auch von dem, das "wir Weißen", zu denen ich nun einmal gehöre, führen. White Privilege ist kein Mythos, sondern Fakt, und das merken die Protagonisten hier ganz deutlich: Ein weißer Polizist ist es, der ihnen das größte Leid zufügt, das sie sich hätten ausmalen können. Das resultiert in gegenseitigem Hass, obwohl ein weißer Anwalt versucht, ihnen zu helfen. Zum anderen ist es schwierig, herauszulesen, welche Ansichten der Autor selbst hier eigentlich vertritt: Die Frauen werden geschlagen, sie ziehen sich gegenseitig in den Schmutz, das Opfer der Vergewaltigung wird ohne Nachsicht behandelt - sind Frauen also weniger wert? Oder bietet das Ganze nur eine Sicht darauf, wie sehr Menschen verrohen, wenn sie immer nur schlecht behandelt werden? In diesem Zusammenhang ist das Nachwort von Daniel Schreiber sehr wichtig, das tiefere Einblicke bietet und hilft, die Geschehnisse einzuordnen. Und über diese nachzudenken, was nach der Lektüre unvermeidlich ist.

FAZIT 
"Beale Street Blues" ist kein einfacher Roman: Schwer einzuordnen, mit komplexen Charakteren, die abgesehen von der Hautfarbe nicht in Schwarz und Weiß unterteilt werden können. Er ist auch keine Liebesgeschichte, wie man vielleicht durch den Trailer zur neuesten Verfilmung glauben könnte. Aber er ist wichtig. Er zeigt auf, wie essentiell es ist, sich gegen Rassismus zu stellen, gegen die schlechte Behandlung von Frauen, gegen Vorurteile. Es hat sich bisher zu wenig geändert, das wird während des Lesens immer wieder klar. Dringend lesenswert! 4 Punkte.


[Buchrezension] The Broken Earth: Zerrissene Erde - N. K. Jemisin

"Ich möchte diese Leute treffen", sagst du. Es besteht die kleine Chance, dass Jija oder Nassun vorgeben, jemand anders zu sein. Oder dass jemand anders sie gesehen hat, auf der Straße. Oder dass...nun ja. Es ist wahrlich nur eine kleine Chance. Du ergreifst sie trotzdem. Sie ist deine Tochter. Du wirst alles tun, um sie zu finden.
"Gut." Ykka dreht sich um und winkt. "Kommt, ich zeige euch ein oder drei Wunder." Als hätte sie das nicht bereits getan.
Du folgst ihr, denn weder Mythen noch Mysterien können einem noch so winzigen Hoffnungsfunken das Wasser reichen.

INHALT
Es ist eine Welt, wie sie schrecklicher kaum sein könnte: Alle paar Jahrhunderte kommt eine schreckliche Zeit des Leidens und Verderbens, die auf dem ein oder anderen Wege viele Menschenleben fordert. Schon lange legt die Bevölkerung deshalb Vorräte an, um zu überleben. Doch als sich ein Riss mitten im Land Sansia auftut, der nicht nur Asche in den Himmel spuckt, sondern auch jegliche Lebewesen verrückt werden lässt, scheinen alle Schutzmaßnahmen hinfällig: Diese sogenannte Fünfzeit könnte länger dauern als alle zuvor. Essun, eine Mutter aus einem kleinen Dorf mit Fähigkeiten, von denen niemand wissen darf, macht sich trotz dieser Gefahren auf eine Reise. Denn ihr Ehemann hat ihren kleinen Sohn getötet und ihre Tochter mitgenommen. Um jeden Preis will sie die beiden finden. Doch das Grauen hat noch gar nicht richtig angefangen. 

MEINE MEINUNG
"Zerrissene Erde" hat 2016 den HUGO Award erhalten, den Preis schlechthin für Sciene Fiction-Romane. Science Fiction? Das ist eigentlich nicht das Genre, das einem bei dem Inhalt als Erstes in den Sinn kommt. Wahrscheinlich nicht einmal als Letztes. N. K. Jemisin erschafft in ihrer Trilogie um die "Broken Earth" eine Welt, die man als Leser nur langsam durchschaut, und dieser erste Teil ist gewissermaßen eine Einführung in Charaktere und Aufbau. Es gibt nur wenige Antworten - ganz einfach, weil auch die Protagonisten die meiste Zeit im Dunkeln tappen und erst herausfinden müssen, was es mit all dem auf sich hat. Wir begleiten drei Frauen, deren einzelne Handlungsstränge lange vollkommen autark verlaufen, um dann zum Ende hin teilweise überraschend, vor allem aber sehr überzeugend zusammenzulaufen.

Gewöhnungsbedürftig ist die Art der Erzählung: Während die junge Damaya und die begabte Syenit aus der personalen Sicht erzählen, wird Essun mit "Du" angesprochen - warum, wird schließlich sogar erklärt. So ist es trotzdem erst einmal schwierig, zu Essun, dieser Mutter, die so verzweifelt ihr Kind sucht, eine Bindung aufzubauen, aber das bessert sich nach einer Gewöhnungsphase. Beeindruckend ist allerdings vor allem die Diversität, die die Autorin in ihrer Geschichte unterbringt, ohne dass es erzwungen wirkt - selten habe ich erlebt, wie auf so vollkommen natürliche Art Menschen jeder ethnischen Zugehörigkeit oder auch Transgender miteinbezogen werden. Außerdem begeistern die starken Frauenfiguren, die nicht nur mit ihren Fähigkeiten, der sogenannten Orogenie, beeindrucken, sondern auch mit ihrem eisernen Willen. Schon allein dafür lohnt sich das Lesen!

Dennoch sorgt die erste Hälfte vor allem für eines: Verwirrung. Während Damaya sich in einer Ausbildung befindet, um ihre Kräfte kontrollieren zu können, sind Essun und Syenit auf zwei sehr unterschiedlichen Reisen mit vollkommen unterschiedlichen Zielen. Die Welt, die wir erleben ist eine düstere, brutale, deren wenige lichte Momente immer wieder zerstört werden. Kein Wunder also, dass Essun ohne Rücksicht auf Verluste handelt; dass Syenit jeden hasst; dass Damaya bald alles Vertrauen verliert. Die gesamte Geschichte ist keine leichte Kost, so viel ist sicher. Aber sie ist gleichzeitig auch absolut spannend: Nicht nur gibt es unzählige Gefahren, auch viele offene Fragen müssen geklärt werden - Fragen, auf die nicht einmal die Protagonisten eine Antwort wissen und die man als Leser also mit diesen gemeinsam suchen muss. Der erste Band schließt dann mit einer Enthüllung, die wohl erst im Nachfolger ihre volle Wirkung entfalten wird. Gespannt sein darf man auf jeden Fall.

FAZIT 
"Zerrissene Erde" ist kein einfaches Buch, und es ist auch keine typische Science Fiction. Für die erste Hälfte muss man Geduld mitbringen, um sich in dieser seltsamen, düsteren Welt zurechtzufinden und nicht verloren zu gehen. Toll ausgearbeitete Charaktere, viel Diversität und unglaubliche Ideen helfen dabei. 4 Punkte!

[Statistik] Monatsrückblick August

Was war denn bitte im August los? Ich dachte ja, der Juli wäre nicht gut gelaufen, klar, Urlaub und so - aber der Wonnemonat August mit seinen heißen Tagen hat wirklich alles übertroffen. Ich war jedes Wochenende unterwegs, auf zwei Konzerten und viel arbeiten. Da blieben weder Zeit zum Lesen noch zum Bloggen. Daher gab es zwischen dem letzten Rückblick und diesem auch nur drei Posts zu lesen. Es tut mir Leid! Ich gelobe Besserung, aber verspreche lieber nichts. Mittlerweile ist es außerdem schon so spät, dass ich der Rückblick kaum noch lohnt. Aber was soll es - es gibt ihn einfach trotzdem.

#Gelesen/Gehört im August: 3 Bücher


1. This Is How It Always Is von Laurie Frankel [knappe 4,5*] - Rezension folgt
2. Tell me a Secret von Samantha Hayes [1,5*] - Hörbuch
3. The House von Simon Lelic [2*]

Gelesene Seiten: 1013
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: ca. 338
 Gelesene Seiten pro Tag: etwa 32
Durchschnittsbewertung: 2,67*

Ein Satz mit X: Das war wohl nix! Über die 3,2* hätte ich mich im Juli richtig freuen sollen, denn im August ging das Ganze steil bergab. Allgemein war das glaube ich mein bisher schlechtester Monat. Nun gut. Dann fällt einem eine Steigerung auch leichter. Immerhin Laurie Frankels "This Is How It Always Is" ist ein wunderbar gefühlvolles, witziges und echtes Buch, das ich jedem nur empfehlen kann.

# Gesuchtet im August: 3 Serien


1. Cloak & Dagger: Staffel 1 [4*] 
2. Die Nanny: Staffel 1 [4*]  
3. Punisher: Staffel 1, Folge 11 [3*]  

Nicht mehr alle Marvel-Serien sind auf Netflix zu finden: Auch Amazon hat nun eine im Programm, und dort kurzerhand die Lebensumstände der beiden Protagonisten vertauscht. Die erste Staffel  von "Cloak & Dagger" ist durchaus sehenswert. Von einer Freundin wurde ich dazu gebracht, mal wieder "Die Nanny" anzuschauen, die zwar ein zweifelhaftes Frauenbild präsentiert, aber eben auch oft zu komisch ist. Zuletzt habe ich mal wieder eine Folge vom "Punisher" gesehen, aber ich glaube, wir werden keine Freunde mehr...

#Neuzugänge im August: IMMER NOCH ZU VIELE!


Mittlerweile zähle ich vorsichtshalber schon gar nicht mehr - es ist einfach zu gruselig, wie sehr ich momentan die Kontrolle verliere...
 
# Kino im September

Im neuen Monat war ich nun schon einmal im Kino - das bedeutet, meine Quote ist quasi schon übererfüllt :D Nach dem August läuft im September auch gar nicht so viel wie man hätte erwarten können - ein Glück. Dann komme ich ja vielleicht mal zum Lesen. Daher lasse ich die Vorschau einfach komplett ausfallen - ich bin sowieso schon viel zu spät dran. Und mache das Ganze einfach im Oktober wieder.

Lief euer August besser?

[Buchrezension] White Maze - June Perry

"Nein!", kreische ich. "Bist du jetzt total bekloppt?" Da wirbelt er mich herum und ich folge seinem Blick, sehe, wie hinter uns die Tür aufgedrückt wird, durch die ich vorhin aufs Dach gekommen bin. Eine schwarze Anzugschulter und...Was um alles in der Welt! Ist das eine Pistole?
Ich bin so geschockt, dass ich keinen Widerstand mehr leiste. Hand in Hand renne ich mit Tom auf den Abgrund zu - wir springen ab - ich schließe die Augen, fühle den Wind, seine Hand. Und wie fest er mich hält.
Wir fliegen.

INHALT
Die 16-jährige Vivian ist von Reichtum und Luxus umgeben: Ihre Mutter ihr Chefentwicklern einer Technologie-Firma, die auf Virtual und Augmented Reality spezialisiert ist und dazu Games und Linsen erfindet. Vivian erhält natürlich immer als Erste neue Produkte - so auch die neuen Lucent-Linsen, die es sogar ermöglichen, zu schmecken, zu riechen und zu fühlen. Doch noch bevor sie sie das erste Mal ausprobieren kann, glaubt ihre Mutter plötzlich, eine Bedrohung entdeckt zu haben, und zerstört ihre Innovationen. Und am nächsten Tag ist sie tot. Vivian ahnt schnell, dass etwas Größeres dahinter stecken muss und bittet den Hacker Tom um Hilfe. Gemeinsam mit drei seiner Freunde kommen sie sehr bald einer großen Gefahr auf die Spur. Einer Gefahr, die auch sie das Leben kosten könnte...

MEINE MEINUNG
Die Technologie ist auf dem Vormarsch - das ist kein Geheimnis. Die Grafik wird immer besser, das Erleben immer realistischer, und spätestens seit Pokémon Go wird man aktiv ins Spielgeschehen eingebunden. Samsung hat sich 2016 Linsen patentieren lassen, Apple hat erst dieses Jahr ein neues optisches System entwickelt. Die Zukunft, die June Perry in "White Maze" zeichnet, ist also gar nicht mehr so weit entfernt - ein gruseliger Gedanke. Wer sind wir, wenn wir uns nicht mehr in der Realität befinden, sondern nur noch in erdachten Welten? Auch dieser Frage wird hier nachgegangen, denn viele Teile des Romans spielen tatsächlich in solch "Erweiterten Realitäten", bei denen die wahre Umgebung um computergestützte, nicht-echte Details erweitert wird. Erzählt wird der Roman größtenteils aus der Ich-Perspektive der Protagonistin, zwischenzeitlich kommen aber auch ihre Weggefährten und der Strippenzieher zu Wort.

Vivian ist zu Beginn eines dieser typischen Girlies: Sie hat alles und will doch noch mehr, sie meint, sich alles erlauben zu können und wenn etwas nicht nach ihrer Nase läuft, reagiert sie aufbrausend und zickig. Vor allem aber kann sie nicht ohne die Technologie - fühlt sich allein und unfähig ohne. Dies ist wichtig, damit sie eine Entwicklung durchmachen kann, eine Entwicklung, nach der sie erkennt, dass die Realität immer die bessere Wahl ist. Leider ist sie trotzdem in vielen Belangen so begriffsstutzig, dass es schon anstrengend ist. Weil sie einen Hacker benötigt, lernt sie Tom und seine Freunde kennen, die zum Teil sehr stark den bekannten Klischees entsprechen: Der Eine ist in seinem Alter der Könner überhaupt, der Andere hat eine schwere Vergangenheit, und das einzige Mädchen im Bunde ist quirlig und hat "keinen Stil". Sie sind alle sympathisch, aber auch nur Beiwerk, inklusive Love-Interest Tom, der keinen eigenen Charakter entwickelt. Genau das ist leider auch beim Gegenspieler, dem "Prepender" der Fall: Dessen Motive werden einmal kurz angedeutet, dann aber fallen gelassen und nie erklärt - sehr schade.

Davon abgesehen hat die Autorin allerdings viele interessante und neuartige Ideen in ihrem Buch verbaut, die für einiges an Unterhaltung sorgen: Kryptische Botschaften der Mutter, erweiterte Realitäten, die nur schwer von der Wirklichkeit zu unterscheiden sind, und auch die Heimtücke, mit der der Prepender Vivian und den anderen immer wieder zuvor kommt. Leider wiederholen sich aber insbesondere die Gedankengänge der Erzähler immer und immer wieder, und viele Wortdoppelungen und Satzbau-Fehler stören den Lesefluss. Zum Ende hin wird Bezug genommen auf den Titel des Buches, und das auf sehr originelle und spannende Weise - es werden die Gefahren einer Welt, wie sie hier im Entstehen ist, noch einmal sehr deutlich gemacht. Allerdings fehlen ganz einfach die Erklärungen und Hintergründe, der Leser wird mit vielen Fragen komplett allein gelassen. Der Schluss deutet auf einen eventuellen zweiten Teil hin - dann immerhin könnten diese geklärt werden.

FAZIT 
June Perry zeichnet in "White Maze" eine Zukunftsvision, die quasi schon morgen eintreten könnte - und vielleicht gerade deswegen umso gruseliger ist. Sie erweckt diese Welt mit vielen Details und Ideen zum Leben, dafür mangelt es aber an der Charakterentwicklung und insbesondere an Erklärungen und Antworten. Besonders am Ende fehlte mir hier die nötige Tiefe. Insgesamt also 3 Punkte.

https://www.arena-verlag.de/artikel/white-maze-978-3-401-60372-8

Die Bloggerin

About Me
Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, klicke hier →

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