Back Down to Earth

[Buchrezension] Das Finkenmädchen - Nicole Trope

Es macht mir nichts aus, Fettkloß genannt zu werden. Ein Fettkloß ist da, das weiß man. Man kann nicht so tun, als wäre er nicht da. Als ich leicht und klein war, gab es viele Dinge, die mir Angst machten. Jetzt bin ich ein Fettkloß, und manchmal haben die Leute Angst vor mir. 
Ich frage mich, wovor sie wohl Angst hatte. Ich frage mich, ob sie vor ihm Angst hatte. Ich frage mich, ob sie Angst hat, hierherzukommen. 
Es ist sowieso nicht wichtig. Es interessiert mich nicht, was sie denkt und fühlt. Es interessiert mich nicht, was sie getan hat oder nicht. 
Das Einzige, was mich interessiert, ist, was ich ihr antun werde.

INHALT
Felicity hätte nicht gedacht, dass sie ihre ehemalige Nachbarin Rose noch einmal wiedersehen würde - erst recht nicht, seit sie eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Doch dann begeht eben jene Rose, Ehefrau eines bekannten Moderators, selbst eine unverzeihliche Tat und  landet am selben Ort wie Felicity. Diese kann ihr Glück kaum fassen, denn endlich ist sie ihrer Rache näher. Rache, weil Rose damals, in ihrer Kindheit, einfach weggeschaut hat. Weil sie ihr nicht geholfen hat. Und weil sie zugelassen hat, dass Felicitys Leben zerstört wird...

MEINE MEINUNG
Die australische Autorin Nicole Trope ist auf ihrem Heimatkontinent sehr bekannt - bekannt vor allem für ihre Familiendramen, die wichtige und oftmals aktuelle Themen ansprechen. Trotzdem wäre beim "Finkenmädchen" wohl angebracht, im Vorhinein zu sagen, worum es genau geht: Um Kindesmissbrauch nämlich. Damit wird nicht groß gespoilert, weil diese Information recht früh Einfluss findet, aber um Leser nicht zu triggern, wäre hier eigentlich prinzipiell der Verlag in der Pflicht, dies deutlich zu machen. Erzählt wird der Roman aus den zwei Perspektiven von Rose und Felicity. Diese werden nicht mit Namen abgegrenzt, wechseln sich aber ab, und weil die Autorin auf beeindruckende Weise mit Sprachmustern und Beschreibungen arbeitet, ist immer direkt klar, wer von beiden gerade zu Wort kommt.

Rose ist die Ehefrau eines bekannten Moderators des australischen Fernsehens und lebt seit Jahren in Reichtum und ohne Sorgen. Doch etwas ist passiert. Etwas, das zum Tod ihres Mannes geführt hat und dazu, dass sie nun eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzen muss. Es wird schon nach wenigen Seiten klar, dass sie etwas zu verbergen hat - dass sie vor allem ein Geheimnis ihres Mannes zu verbergen hat -, aber es braucht lange, bis sie sich ihre Fehler, ihre Zweifel und Ängste endlich eingesteht. Bis dahin gibt sie einen Einblick in ihr Leben, das sie komplett ihrer Familie gewidmet hat, und ihre Persönlichkeit, die sich nie richtig entwickeln konnte. Felicity ist etwa 30 Jahre jünger und hat als Kind neben Rose und ihrer Familie gelebt. Sie ist schon von Geburt an langsamer als andere ihres Alters, ist dafür aber eine ruhige Zuhörerin und seit einigen Jahren auch liebende und hingebungsvolle Mutter. Nur ihre Vergangenheit lässt sie nicht los. Einerseits will sie für ihre Tochter da sein, andererseits ist sie getrieben von Hass und den Verletzungen frühen Missbrauchs - was sie auf einen gefährlichen Pfad führt.

Beide Erzählerinnen haben denselben Bekanntenkreis, weshalb man durch ihre Augen die Nebenfiguren gut kennen lernt. Insbesondere Roses Mann - den sie anfangs vor allem als perfekt darstellt. Schnell jedoch wird klar, dass sie, die diesen Mann mit 16 Jahren geheiratet hat, nie die Chance bekam, sich zu einer eigenständigen Person zu entwickeln. Durch die schiere Abneigung, die man ihm bald entgegen bringt, versteht man auch Felicity immer besser. Die ganze Handlung hat wenige große Überraschungen und besteht größtenteils aus Rückblicken auf die letzen 20 bis 30 Jahre für beide Frauen, in denen sich insbesondere Rose des Öfteren wiederholt. Die Ereignisse sind jedoch erschreckend und bedrückend, trotz fehlender wirklich detailreicher Beschreibungen auch definitiv nichts für schwache Nerven. Nachdem sich die Autorin viel Zeit gelassen hat, um Situation und Figuren zu etablieren und den Leser in den Bann zu ziehen, wird die Handlung am Ende leider etwas zu schnell, etwas zu einfach abgehandelt. Davon abgesehen ist der Schluss jedoch passend gewählt, um beiden Protagonisten einen gebührenden Abschluss zu geben.

FAZIT 
Nicole Trope greift in "Das Finkenmädchen" ein wichtiges, leider immer aktuelles und betroffen machendes Thema auf - eine Triggerwarnung wäre bei Kindesmissbrauch aber wohl angebracht. Teilweise hat das Ganze ein paar zu viele Längen, um dann zum Schluss gehetzt zu wirken, davon abgesehen wird das Ganze aber sensibel und authentisch angegangen. Gute 3,5 Punkte.

 
https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/frauenromane/das-finkenmaedchen/id_5684476

[Statistik] Monatsrückblick Mai

Da habe ich mich im April so damit gerühmt, eine Menge gelesen und geschaut zu haben - und dann ging das alles im Mai schon wieder den Bach hinunter. Ich hatte einfach zu viel zu tun und bin ganz oft zu nichts gekommen. Außerdem musste ich mich auf das diesjährige Rock am Ring vorbereiten (ein Bericht wird folgen!), da war meine Konzentration sowieso dahin.

#Gelesen im Mai: 4 Bücher

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1. Only Human von Sylvain Neuvel [gute 4*]
2. Fallende Stadt von Lauren DeStefano [gute 3,5*]
3. Das Finkenmädchen von Nicole Trope [knappe 4*] - Rezension folgt
4. Zeitenfeuer von Michael J. Sullivan [4,5*

Gelesene Seiten: 1743
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: ca. 436
 Gelesene Seiten pro Tag: etwa 56
Durchschnittsbewertung: 4*

Die Anzahl der Bücher ist also wieder gesunken - dafür kann ich die beste Durchschnittsbewertung des Jahres verzeichnen. Da ich mit "Only Human" und "Zeitenfeuer" aber auch zwei Reihen weitergelesen habe, die ich bereits großartig fand, kommt das nicht sonderlich überraschend. Beide kann ich nur empfehlen!

 # Geschaut im Mai: 2 Kinofilme

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1. Avengers: Infinity War [knappe 3,5*] - Kurzspot folgt
2. Deadpool 2  [4*] - Rezension folgt

Durchschnittsbewertung: 3,75*

Großes Entsetzen überall: Im Gegensatz zu so ungefähr ALLEN anderen fand ich "Infinity War" jetzt nicht so großartig. Ich hatte das Gefühl, den ganzen Film hätte man sich sparen können, der nächste hätte wahrscheinlich gereicht - es bleibt ja eh nichts permanent. Da hat mir "Deadpool 2" schon besser gefallen, auch wenn der dafür das "Women in Refrigerators"-Problem hat. Immerhin legt er den Grundstein für die X-Force, auf die ich mich schon freue.

# Gesuchtet im Mai: 4 Serien

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1. Preacher: Staffel 1, Folgen 7-10 & Staffel 2, Folgen 1-2 [4*]
2. Tote Mädchen lügen nicht: Staffel 1, Folgen 1-6 [knappe 3,5*]
3. Avatar: Staffel 1 & 2 [4,5*]
4. The Rain: Staffel 1, Folge 1 [2*] 

Ebenso wie mit den Büchern bin ich auch mit den Serien nicht so wirklich voran gekommen. Sowieso bin ich grade anscheinend in einer Phase, in der ich alte Serien lieber noch einmal schaue, als mich neuen zu widmen - siehe "Avatar", die immer noch so toll ist wie beim ersten Mal. "Preacher" schaue ich endlich weiter (und weiß jedes Mal wieder nicht, warum ich zwischendurch so lange Pausen mache), ebenso wie "Tote Mädchen lügen nicht", wo mich Clay aber mal wieder so aufregt, dass ich momentan nicht weiterschauen kann. Außerdem hatte ich Anfang des Monats "The Rain" angefangen und dann direkt wieder abgebrochen - hätte ich noch einmal "Vati" hören müssen, ich hätte irgendetwas nach dem Fernseher geworfen.
  
# Neuzugänge im Mai: 0 Bücher

HELL YES! Wenigstens ein Ziel, das geklappt hat...

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Wie gut, dass im Juni fast nichts anläuft, das mich wirklich interessiert, denn ich werde bei dem schönen Wetter wahrscheinlich sowieso nicht großartig Zeit dafür haben. Einen oder zwei davon würde ich aber ganz gern anschauen.

Jurassic World 2 - Das gefallene KönigreichGoodbye Christopher RobinHereditary - Das VermächtnisAm StrandOcean’s 8Love, Simon

Will ich auf jeden Fall sehen: "Love, Simon" ist die Verfilmung von "Wir in drei Worten", das ich leider noch nicht gelesen habe (Asche auf mein Haupt). Habe ich aber noch vor! Außerdem sieht "Ocean's 8" wirklich klasse aus, da bin ich sehr gespannt.

Will ich vielleicht sehen: Den ersten "Jurassic World" mochte ich ziemlich gern, weil sehr kurzweilig, mal sehen, ob es die Fortsetzung im Kino oder zuhause wird. Außerdem sehe ich mir ja gern die Saiorse Ronan an, von daher interessiert mich auch "Am Strand".

Will ich nicht (im Kino) sehen: Ich bin ein Schisser, daher wird "Hereditary" natürlich never, ever im Kino gesehen. Aber die Story interessiert mich. Wahrscheinlich lese ich im Endeffekt die Zusammenfassung auf Wikipedia. "Goodbye Christopher Robin" ist einer von zwei Winnie the Pooh-Filmen des Jahres (wenn es hier auch mehr um den Autor geht), was ich super schön finde - DVD reicht aber wahrscheinlich.

Was erwartet ihr euch vom Juni?


[Buchrezension] The First Empire: Zeitenfeuer - Michael J. Sullivan

"Warum sind wir hier?", fragte Flut. "Was sollen wir tun?"
"Bleibt einfach da stehen."
Das Geräusch war nun so laut, dass Persephone es spüren konnte wie das Kreischen eines Schleifsteins. Über ihnen begannen die Stalaktiten zu zittern und wie ein Windspiel zu klirren. Einer fiel herab und zersplitterte auf dem Pfad vor ihnen. Zwei weitere lösten sich und krachten mit solcher Wucht herab, dass Persephone und die anderen hastig zur Seite sprangen.
Dann explodierte der hintere Teil der Höhle.

INHALT
Die Menschen haben herausgefunden, dass die Fhrey, die sie immer als Götter verehrt haben, gar keine Götter sind - sie können es nicht sein, denn ein einfacher Mann hat einen von ihnen getötet. Nun plant Stammesführerin Persephone einen Aufstand, denn sie weiß aus sicherer Quelle, dass die Fhrey vorhaben, alle Menschen zu töten. Doch wie soll das gehen, in den Krieg zu ziehen gegen ein so viel stärkeres, mächtigeres Volk, das auch noch viel länger lebt? Das Ganze scheint aussichtslos, bis sie von den Dherg, einem anderen Volk, Waffen versprochen bekommen. Dafür müssen sie allerdings einen überaus gefährlichen Dämon besiegen...

MEINE MEINUNG
Band 1 der Reihe um das "First Empire" konnte mich letztes Jahr mit seinen starken Frauenfiguren und den vielen originellen Ideen begeistern. Die Geschichte um den Kampf der Menschen gegen die Fhrey ist aber noch lange nicht vorbei, geht gerade erst in die zweite Runde. "Zeitenfeuer" knüpft nun also an den Vorgänger an und zwar relativ kurze Zeit später - trotzdem muss man sich erst einmal daran erinnern, was alles geschehen ist. Michael J. Sullivan bietet seinen Lesern aber nicht nur eine Zusammenfassung auf der eigenen Internetseite, sondern wiederholt wichtige Punkte auch noch einmal in der Geschichte und lässt diese ganz natürlich einfließen. Damit könnte man wohl sogar mit diesem Teil in die Reihe einsteigen - das macht aber natürlich nur halb so viel Spaß.

Erneut begleiten wir Persephone vom Dahl Rhen, eine mutige Frau, die alles für ihren Clan tun würde - aber auch alles, um die Zukunft der Menschen, also der sogenannten Rhunes, zu sichern. Sie hat selbstverständlich ihre unsicheren Momente und weiß nicht alles, aber sie versucht immer eine Möglichkeit zu finden und zeigt in ihrer Unabhängigkeit und ihrem unbändigen Willen zu kämpfen ihre ganze Stärke. Göttertöter Raithe hat in diesem Band eine etwas kleinere Rolle, muss sich erst einmal seiner eigenen Identität und seiner Rolle im Stamm bewusst werden, aber noch immer legt er eine unabänderliche Loyalität an den Tag. So verhält es sich auch mit vielen der Nebenfiguren, die einem schon zuvor ans Herz gewachsen sind und ihre Stellung nun festigen: Die kämpferische, spitzzüngige Moya etwa; die junge naturverbundene Suri; oder neu die drei Dherg, die sich ständig auf wunderbare Weise streiten. Die Kapitel aus der Sicht von Mawyndulë, fand ich zeitweilig sehr anstrengend, weil er nur wenig dazu lernt, allerdings tragen sie zum Ende hin ganz entschieden zum Fortgang der Geschichte bei.

Michael J. Sullivans Reihe ist, das schreibt er selbst, so aufgebaut, dass jeder Band eine abgeschlossene Geschichte enthält, es aber einige Fäden gibt, die sich durch alle Teile ziehen. Statt eines gefährlichen Bärs und Problemen innerhalb des Stamms, lernt man dieses Mal also das Volk der Dherg und einen schrecklichen Dämon kennen. Für einen High Fantasy-Roman wird dieses Mal aber relativ wenig gereist, wodurch das Spannungslevel konstant hoch gehalten wird - an welchem Ort auch immer man sich im Kapitel befindet, es brodeln Konflikte, es lauert Gefahr, und es drohen Kämpfe. Von diesen gibt es zur Genüge, allerdings immer wieder aufgelockert durch herrliche Wortgefechte, schlaue Pläne und die technischen Entwicklungen der Rhune Roan, die wir aaus der realen Welt natürlich schon kennen, die die Menschen im Buch aber in Sachen Wissen ungeahnt nach vorn katapultieren. Einige Charaktere, die im 1. Teil eine große Rolle gespielt haben, kamen mir dieses Mal ein wenig zu kurz, davon abgesehen war ich aber durchgehend gefesselt - besonders am Schluss, der noch einmal mit allen Qualitäten aufwartet, die sich zuvor angesammelt haben. Dem Lesevergnügen mit Band 3 steht damit nichts mehr im Wege. 

FAZIT
Wer genug von außerordentlich düsterer High Fantasy mit lauter grimmigen Gestalten hat, ist bei der "First Empire"-Saga genau richtig. Auch hier gibt es zwar Gefahren, Krieg und Tod - aber auch viele liebenswerte Figuren und einiges an Witz und Intelligenz. "Zeitenfeuer" übertrifft Band 1 sogar noch und macht richtig Lust auf den nächsten Teil. Für Fans des Genres ein Muss! 4,5 Punkte.


[Buchliebenetz] Der Stranger Things-Tag



#buchliebenetz ist eine Gruppenaktion verschiedener Blogger, die sich um das so ziemlich schönste Hobby der Welt dreht: Das Lesen natürlich.

Heute gibt es mal wieder einen Tag - und zwar einen, der sich auf die auch von mir sehr geliebte Serie "Stranger Things" bezieht. Spoiler wurden weitestgehend vermieden - aber um Fragen und Antworten verstehen zu können, ist es gut, die beiden Staffeln zu kennen. (Und sie sind es ja definitiv auch wert.) Da es verschiedene Tags zum selben Thema gibt, haben wir Teilnehmer uns jeder einfach die Fragen ausgesucht, die wir am besten beantworten können.


1. Hopper: Ein Charakter mit einer tragischen Hintergrundgeschichte

Hopper ist (zumindest zu Beginn) ein chaotischer Polizist, der zu viel trinkt und sich nicht sonderlich für die Menschen seiner Stadt, geschweige denn seine Arbeit interessiert. So verhält es sich allerdings erst, seit er seine geliebte Tochter an eine Krankheit verloren hat. Ein einschneidendes Ereignisse kann einen Menschen verändern - und so ergeht es auch den beiden Protagonistinnen meines aktuellen Buches, "Das Finkenmädchen". Eine Frau, die nicht bemerkt hat, was ihr Ehemann hinter ihrem Rücken tut, und ein junges Mädchen, das darunter zu leiden hatte - und nun auf Rache sinnt. Geht es tragischer?

2. Mike, Will, Dustin und Lucas: Beste fiktionale Freundschaft

Da sich die Serie ja sowieso viel von Stephen King abschaut, wird die Antwort nicht wirklich überraschen: Der Club der Loser ist wohl der Inbegriff einer guten Freundschaft - die Kinder stehen füreinander ein, nehmen ihre Eigenarten und Probleme an und lassen sich nie im Stich. Das geht so weit, dass sie füreinander und miteinander ein Ungeheuer bekämpfen. Geht es noch besser?


3. Steve: Eine Beziehung, die gar nicht ging

Ich mag Steve total gerne und Mann, was hat er mir in der 2. Staffel leid getan - aber seine Beziehung zu Nancy, die in der Anfangszeit von Eifersucht und ihrer Schwärmerei geprägt war, war echt seltsam. Allerdings war sie nichts im Gegensatz zu der zwischen Gale und Katniss in der Hunger Games-Trilogie. Okay, die beiden waren nie wirklich zusammen, aber ich habe den Jungen ja einfach so gehasst, da hat mir schon das kleinste Bisschen gereicht.

4. Nancy: Beste Charakter-Entwicklung

Während Nancy anfangs vor allem an sich selbst denkt und den genervten, zickigen Teenager gibt, wächst sie im Laufe der zwei Staffeln über sich hinaus und gibt alles, um ihren Bruder und dessen Freunde zu beschützen. In Sachen Buch gehe ich bei diesem Thema heute mal auf Comics ein - und zwar die rund um den "Avatar" (wobei man natürlich als Erstes an die Serie denkt). Prinz Zuko, ein Feuerbändiger, macht dabei eine solche Wandlung durch, dass er am Ende beinahe wie ein neuer Mensch erscheint, aber ohne die Eigenschaften verloren zu haben, die ihn ausmachen. Wenn man eine Figur erst hasst, um sie schlussendlich zu lieben, wurde definitiv etwas richtig gemacht.

5. Jonathan/Joyce: Figur mit absoluter Entschlossenheit

Jonathan und Joyce geben alles, um sowohl in Staffel 1 als auch in Staffel 2 den jungen Will zu retten - und sie lassen sich von nichts und niemandem aufhalten. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Stammesführerin Persephone in der "First Empire"-Saga von Michael J. Sullivan, von der ich gerade Band 2 lese. Sie ist eine willensstarke und durchsetzungsfähige Protagonistin, die alles für ihre Lieben geben würde, auch ihr Leben. Selten gibt es im Genre der High Fantasy so beeindruckende weibliche Hauptfiguren.

6. Papa: Schrecklichster Charakter

Keine Frage: Was Papa Eleven antut, wie er sie ausnutzt und quält, das lässt wohl kein Herz unberührt - und sein unbändiger Glaube, auch noch das richtige zu tun, widert an. An wen erinnert einen das ominös? Genau, an Dolores Umbridge aus "Harry Potter" natürlich, im Grunde der größte Bösewicht der gesamten Reihe, mit ihrer hohen Stimme, ihren rosafarbenen Kleidern und ihren Foltermethoden...da brodelt schon wieder der Hass.

Wie kann man dieses Gesicht nicht hassen?
  7. Department of Energy: Korrupte fiktionale Regierung oder Firma

Das Hawkins National Labratory und seine kruden Machenschaften sind schon ein exzellentes Beispiel für ein Unternehmen, das komplett am Menschen vorbei und für den eigenen Profit arbeitet. Ähnlich verhält es sich auch mit der Regierung in der Trilogie um die "Auserwählten" von James Dashner, die Kinder durch allerlei Tests quält, um ein angebliches Heilmittel zu finden. (Zugegeben, das wird alles irgendwann sehr abstrus, sehr wirr und sehr langweilig, aber das ist ja nicht der Punkt.)


8. Upside Down: Eine furchterregende nicht-reale Welt

Ich war erst einmal gar nicht sicher, ob es eigentlich etwas ähnlich Schlimmes gibt wie das Upside Down, diese düstere, tote Welt voller Wesen, denen man nicht begegnen möchte. Und dann dachte ich an Nevermore, die Parallelwelt in Kelly Creaghs "Nevermore"-Trilogie, inspiriert von den düsteren Geschichten und dem Leben Edgar Allen Poes, in der ebenfalls Dämonen umherstreifen, und die den Protagonisten Varen ebenso in den Bann zieht. Wenn ich so darüber nachdenke, ist die Ähnlichkeit wirklich gravierend...

9. Hawkins, Indiana: Ein seltsamer fiktionaler Ort  

Bildergebnis für willkommen in night valeAm liebsten hätte ich hier ja Winden aus der deutschen Netflix-Serie "Dark" genommen, die ebenso voller Geheimnisse und Korruption steckt, aber wir sind ja bei Büchern. Da Hawkins selbst eigentlich ein beschauliches Städtchen ist, nur eben unterwandert von einem fiesen Unternehmen, ist mir vor allem Night Vale aus den gleichnamigen Podcasts und zwei Büchern eingefallen. Die Ereignisse und Menschen dort sind noch weitaus skurriler (man denke nur an Engel, die alle Erika heißen), aber seltsam sind sie beide allemal. 


 
10. Barb: Tod eines Charakters, den du nie verkraftet hast

Oh ja, Spoiler. Aber ich hoffe ja, dass mittlerweile jeder die Serie geschaut hat, es gibt sie schließlich schon lange genug. Und muss ich jetzt nicht auch noch spoilern, was ein Buch angeht? Wer also Band 2 der "Darkest Minds"-Trilogie von Alexandra Bracken noch nicht gelesen hat: Stop! Der Tod von Jude am Ende des Teils hat mich nämlich so umgehauen, dass ich ziemlich sicher eine halbe Stunde nur vor mich hingestarrt habe. Jude war einer der liebenswürdigsten Charaktere, die uns je von Autoren geschenkt wurden und ich werde seinen Tod einfach weiter ignorieren und so tun, als wäre es nie geschehen.
 
11. Eleven: Lieblingsfigur mit übernatürlichen Kräften   

Eleven ist in ihrem jungen Alter nicht nur ungewöhnlich stark, zu ihren besonderen (wenn auch nicht übernatürlichen) Kräften gehört aber auch ihr Mut und ihr Drang danach, diejenigen unbedingt zu beschützen, die ihr wichtig sind. (Womit man sie auch Jonathan und Joyce zuordnen könnte). Ihr sehr ähnlich, wenn auch deutlich älter, ist Nevliin aus Sabrina Qunajs Elfen-Reihe, ein großer Magier, der sich von anfänglicher Arroganz und Unnahbarkeit zu einer großen Stütze wandelt. 
 

Wie würdet ihr die Fragen beantworten?

Mit dabei sind dieses Mal:
Smalltown Adventure 

[Buchrezension] Internment-Chronicles: Fallende Stadt - Lauren DeStefano

"Was ist denn, Dad?", sagt Lex. "Du verbreitest Panik."
"Morgan muss sofort nach unten kommen. Der König hat befohlen, dass sich heute Nacht jeder in seiner Wohnung aufzuhalten hat. Auf den Gleisen lag eine Leiche."
Ein entrückter Teil von mir nimmt die Worte kaum wahr, aber ein anderer muss die Frage stellen. "Hat es einen Unfall gegeben?"
"Nein, mein Herz", sagt er. "Die anderen Wachmänner und ich untersuchen die Sache. Ein Mädchen wurde ermordet."

INHALT
Internment ist eine Stadt in den Wolken, die sich selbst versorgt und dem Paradies gleicht: Sie ist sicher, es gibt keine Armut und das Leben ist genau geregelt - von der Geburt über den Ehepartner bis zum Tod. Das alles kennt die 16-jährige Morgan, und bisher hat sie sich kaum daran gestört. Die Umstände ihrer Familie sind zwar alles andere als einfach, aber ihre Freunde und ihr Verlobter haben ihr immer Halt gegeben. Bis plötzlich eine Schulkameradin tot auf den Gleisen gefunden wird: ermordet. Auf einmal stellt sich Morgan alle Fragen, die sie immer unterdrückt hat. Und bald schon fragt sie sich, ob Internment wirklich so gut ist, wie sie immer geglaubt hat.

MEINE MEINUNG
Lauren DeStefano liebt Dystopien, so scheint es jedenfalls, denn nach ihrer "Land ohne Lilien"-Trilogie spielen auch die Internment Chronicles in einer Welt, die von einem totalitären Staat (bzw. erneut einem König) regiert wird. "Fallende Stadt" spielt aber im Himmel - ein ungewöhnlicher Ort für solch einen Roman. Begeistern kann wieder der wunderschöne Schreibstil der Autorin, der ihr erschaffenes System und die Menschen vor den Augen des Lesers lebendig werden lässt. Allerdings hat sich auch die ein oder andere Länge eingeschlichen.

Morgan ist mit ihren jungen 16 Jahren eine überraschend starke Protagonistin, die man gern begleitet. Natürlich ist sie nicht vor Naivität und schlechten Entscheidungen gefeit, aber sie besitzt auch einiges an Mut und traut sich, die richtigen Fragen zu stellen. Ihr Verlobter Basil kann ebenso überzeugen: Er ist eher der ruhige, beschützerische Typ, aber ohne dabei je über sie zu bestimmen. Allgemein können besonders die Nebenfiguren begeistern: Morgans beste Freundin Pen etwa, eine starke junge Frau, die allerdings voll in ihrer Liebe zu Internment aufgeht; oder auch ihr Bruder Lex, der vor Jahren versucht hat, vom Rand der Stadt zu springen, und der seitdem blind ist. In der Charakterisierung dieser Figuren zeigt DeStefano ihre ganze Stärke und fesselt mit den unterschiedlichen Ansichten.

Auch der Weltentwurf ist interessantE eine Stadt im Himmel, deren strikte Gesetze ein gutes Zusammenleben sichern sollen. Es gibt Listen darüber, wer sterben und wer ein Kind bekommen darf; spätere Ehepaare werden schon im Kindesalter zusammengeführt - aber eine Möglichkeit, die Stadt zu verlassen, gibt es nicht. Morgans wachsendes Gefühl, eingesperrt zu sein, überträgt sich auch auf den Leser, wodurch eine intensive Atmosphäre geschaffen wird, und besonders ihre Träume danach, selbst zu springen, oder zumindest etwas Neues zu sehen, sind nachvollziehbar. Allerdings hat das Buch in der Mitte einiges an Leerlauf, wo nur wenig passiert, Morgan selbst nicht recht von der Stelle kommt und die Überraschungen fehlen. Dafür wird dann am Schluss noch einmal alles aufgefahren und der Grundstein für die kommenden zwei Bände gelegt. Teil 2 ist im Mai auf Deutsch erschienen, Teil 3 folgt im Juni.

FAZIT 
Lauren DeStefano hat einen ganz besonderen Schreibstil, der auch in "Fallende Stadt" wieder in seinen Bann zieht. Die Idee ist neu, die Charaktere bieten viel Potenzial zur Identifikation - nur die Spannung lässt teilweise etwas zu wünschen übrig. Gute 3,5 Punkte.

[Buchrezension] Die Spiegel von Kettlewood Hall - Maja Ilisch

"Versteh mich doch." Jetzt war Victors Stimme kaum mehr als ein Krächzen. "Dir geht es nur um ein paar Kleider und Schuhe, und ja, auch darum, dass man dir die Wahrheit sagt. Aber was für uns auf dem Spiel steht - das ahnst du nicht."
"Dann sag es mir!", rief ich. "Sag es mir endlich! Worum geht es bei dem Schachspiel?"
Victor atmete durch. "Um unsere Zukunft", sagte er dann. "Und unsere Gegenwart. Und unsere Vergangenheit."
"Das ist keine Antwort! Wenn ich euch helfen soll, will ich die Wahrheit wissen."
Victor antwortete nicht. Er drehte sich nur um und verließ das Zimmer. Er machte nicht einmal mehr die Tür hinter sich zu. Und er brauchte gar nicht erst wiederzukommen.


INHALT
Im England des 19. Jahrhunderts ist Kinderarbeit üblich, und so muss auch die 14jährige Iris ihren Teil zum Lebensunterhalt mit Fabrikarbeit beitragen. Nach dem Tod ihrer Mutter ist es aber nun an ihr, allein für ihre Großmutter und sich zu sorgen, was sie an ihre Grenzen bringt. Bis sie eines Tages ein schwarzes Pferd entdeckt, das ihre Mutter versteckt hatte - einen Springer, der zu einem Schachspiel gehört. Einem Schachspiel, das sich auf dem Anwesen Kettlewood Hall befindet, zu dem sich Iris auf den Weg macht. Unerwartet freundlich wird sie dort aufgenommen. Doch das hat einen Grund: Eine Partie Schach wartet auf sie, und sie ist unfreiwillige Teilnehmerin. Womit sie mit ihrer Seele spielt...
 
MEINE MEINUNG
Maja Ilisch hat ein Händchen für düstere, leicht schaurige Stoffe - das hat sie in ihrem Debüt gezeigt und das zeigt sie auch in "Die Spiegel von Kettlewood Hall" erneut. Wieder geht es um ein junges Mädchen, das ein Geheimnis lüften will und dabei mit allerlei seltsamen und gefährlichen Geschehnissen in Berührung kommt. Der Schreibstil ist sehr angenehm, trotz des Jahrhunderts, in dem die Geschichte spielt, und die Ich-Perspektive lädt dazu ein, der Protagonistin in den Kopf zu schauen. Doch wie schon im Erstling um das "Puppenzimmer" lässt die zweite Hälfte wieder stark in der Qualität nach und verläuft sich letztendlich irgendwo im Mittelmaß.

Iris ist für ihre 14 Jahre sehr reif, was sicherlich der Zeit geschuldet ist. Sie muss arbeiten und Geld verdienen, wünscht sich aber eigentlich so viel mehr: Sie möchte etwas lernen und sie möchte nicht so früh sterben wie es ihrer Mutter passiert ist. Ihr Mut ist bewundernswert und sie steht auch für sich selbst ein, lässt sich aber fast genauso oft auch an der Nase herumführen, was sie viel zu schnell verzeiht. Neben ihr lernt man noch Mr. Whitham kennen, ihren Lehrer, der ihr das Schachspiel beibringt, sowie die illustre Gemeinschaft, die im Anwesen Kettlewood Hall lebt: Da ist der gutaussehende Victor, der natürlich relativ schnell der Angebetete wird, der sich nie so recht entscheiden kann, ob er nun geheimnisvoll tun oder helfen will; da ist der junge Toby, der einige Fehler hat, ihr aber auch aktiv zur Seite steht; oder die zwei jüngeren Mädchen, Schwestern, die sich beide viel älter verhalten als sie aussehen. Die übrigen Charaktere bleiben leider sehr schemenhaft, was aber auch damit zusammen hängt, dass sie deutlich weniger Platz einnehmen.

Die erste Hälfte des Romans ist wunderbar: Hier lernt man Iris' Lebensumstände kennen, ihren Wunsch nach mehr, und erste Prinzipien des Schachspiels, für das sie eine Leidenschaft entwickelt. Nach ihrer Ankunft im Anwesen wird es durchaus schaurig mit den Spiegeln, in denen Bewegungen auszumachen sind, oder Menschen, die mal Geister sind und mal nicht. Enttäuschend ist aber, dass Iris entgegen meiner Erwartung keines der Geheimnisse selbst aufdecken muss - alle Bewohner geben sich zwar immer übertrieben geheimnisvoll und erklären des Öfteren, dass sie nichts verraten dürfen, aber wenn es mal Erklärungen gibt, dann grundsätzlich nur durch diese Menschen selbst. Iris bleibt dabei fast schon passiv, läuft nur von einem Raum in den nächsten, spielt ab und zu Schach und träumt von Victor, stolpert in die Lösungen aber eher rein. Dafür ist der Schluss überzeugend, der zwar keine Spannung zum Nägelkauen mit sich bringt, aber durchaus interessant ist und auch zum Rest passt. Nur Überraschungen bleiben aus, weswegen die Gefühle über leichte Zufriedenheiten nicht hinausgehen.
 
FAZIT 
"Die Spiegel von Kettlewood Hall" überzeugt mit einer spannungsreichen ersten Hälfte, die schaurig und atmosphärisch anmutet. Danach allerdings tritt die Handlung relativ lange auf der Stelle, weil auch die Protagonistin relativ wenige Geheimnisse selbst lösen muss. Da fehlte mir irgendwie das Feuer, das ich erwartet hatte. So bleibt es bei 3 Punkten.

  
https://www.droemer-knaur.de/buch/9558806/die-spiegel-von-kettlewood-hall

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