Back Down to Earth


[Buchrezension] Legacy of Orïsha: Children of Blood and Bone

I push through the crowd with a new fervor, desperate to escape. I'm almost past the textiles when someone graps my wrist.
What in gods' names?
I whip out my compacted staff, expecting to meet the arm of a royal guard or a petty thief. But when I turn, it's neither a guard nor a crook who's grabbed me.
It's a cloaked amber-eyed girl.
She pulls me into a hidden opening between two stalls with a grip so tight I can't fight my way free.
"Please", she begs, "you have to get me out of here!"

INHALT
Einst war Orïsha ein Land, das von magisch begabten sogenannten Maji und normalen Menschen gleichermaßen bevölkert wurde. Doch dann kam es zu dieser einen Nacht, in der die Kräfte verschwanden und alle Magier von den Schergen des Königs getötet wurden. Darunter war auch Zélies Mutter, die sich seitdem gemeinsam mit ihrem Bruder um ihren trauernden Vater kümmern muss. Zélie selbst ist ein Divîner, gekennzeichnet durch weißes Haar, und würde auch zur Maji werden, gäbe es die Magie noch. Doch der Gedanke daran scheint aussichtslos. Bis sie Amari begegnet, die ein geheimnisvolles Artefakt gestohlen hat. Ein Artefakt, das die Fähigkeiten zurückbringen könnte...

MEINE MEINUNG
Momentan ist es nicht möglich, an Tomi Adeyemis "Children of Blood and Bone" vorbeizukommen. In Zeiten der Rufe nach Gerechtigkeit und mehr Diversität musste ein Fantasyroman, der so auf die afrikanische Kultur setzt, ja einschlagen wie nichts. Und tatsächlich gelingt es dem Roman sehr gut, einerseits eine phantastische Geschichte zu erzählen, und andererseits einen Bogen zum Rassismus und Hass zu schlagen, wie wir ihn leider viel zu oft in der Realität entdecken. Allerdings ist der Inhalt selbst davon abgesehen nichts großartig besonders - es gibt originelle Details und manch interessante Wendungen, vieles ist einem jedoch schon aus anderen Büchern des Genres bekannt.

Zelié ist eine sehr impulsive Protagonistin, an die man sich gewöhnen muss. Sie spricht oft frei heraus, auch wenn es unangebracht ist, und bringt mit ihren voreiligen Taten schon einmal andere in Gefahr. Gleichzeitig hat sie aber das Herz am rechten Fleck und steht für andere ein. Ihr Bruder Tzain bildet mehr oder weniger den Gegenpol zu ihr und ist der Einzige der Protagonisten, der nicht selbst zu Wort kommt. Er reagiert oft ruhiger und nachdenklicher auf Geschehnisse,  lässt sich aber teilweise ebenfalls von seiner Wut treiben. Amari und Inan, die beiden Kinder des Königs, machen von allen Figuren die größte und beste Entwicklung durch. Vor allem Amari bemerkt durch den Tod einer geliebten Person schnell, dass die Herrschaft ihres Vaters nicht richtig sein kann - und entwickelt sich im Laufe der Reise zu einer echten Kämpferin. Inan dagegen wehrt sich lange gegen all das, was er sieht und was ihm falsch erscheint. Auch er bemerkt die Ungerechtigkeit, kann sich aber nicht so recht lösen von seiner Erziehung - und begeht damit so einige Fehler.

Das Prinzip der Divîner, die in ihrer Jugend zu Maji werden und dann eine von zehn Kräften erhalten, ist interessant und meistens neuartig - so können die Tider Wasser wirken, die Burner Feuer entstehen lassen, und Reaper wie Zelié die Geister Verstorbener zu ihren Zwecken nutzen. Magie wird außerdem gewirkt, indem in einer afrikanischen Sprache gesungen wird - hier fließt die Kultur wunderbar mit ein. Allerdings kommt einem auch vieles bekannt vor: Wie in fast jedem High Fantasy-Roman müssen die Protagonisten eine lange und beschwerliche Reise unter Zeitdruck auf sich nehmen, um ein Ritual zu vollziehen, das nur innerhalb des nächsten Monats möglich ist (was mich sehr stark an die Avatar-Serie erinnert hat). Es gibt einen brutalen König - dessen Motiv ich sogar nachvollziehen konnte - und eine Liebesgeschichte zwischen zwei eigentlichen Feinden. Gerade diese ging mir aber leider viel zu schnell, nachdem die Beziehung zwei Drittel der Handlung über aus gegenseitigem Hass bestanden hatte, und führte so zu einigen Längen. Erst auf den letzten knapp 100 Seiten zieht das Ganze wieder an und wartet noch einmal mit einigem an Spektakel und Kampf auf. Zwar endet der Roman zum Glück nicht mit einem übergroßen Cliffhanger, aber da die Reise der Charaktere ganz eindeutig noch nicht vorbei ist, ist der Nachfolger quasi ein Muss.

FAZIT 
"Children of Blood and Bone" ist wunderbar divers, geprägt von afrikanischer Kultur und lauter interessanten Details - insofern kann ich die allgemeine Begeisterung durchaus verstehen. Handlungstechnisch ist einem das Ganze aber sehr bekannt, denn viele Stränge und Ereignisse bringen nichts großartig Neues mit sich. Vor allem die Liebesgeschichte, die sehr plötzlich entsteht und nicht wirklich glaubwürdig ist, hat mich gestört. Die offenen Fragen lassen mich aber trotzdem dran bleiben - und "Children of Virtue and Vengeance" erscheint ja bereits nächstes Jahr im März. Gute 3 Punkte.

[Statistik] Monatsrückblick Juni

Schon ist er wieder vorbei, der Juni, und damit ist offiziell auch die Hälfte des Jahres 2018 um. Was bedeutet das für mich? Das Erreichen meines Leseziels ist in weite, weite Ferne gerückt. Und da ich im Juli für 10 Tage nach Großbritannien fliege, wird sich das wohl auch nicht mehr bessern. Aber alles Gejammer nützt ja nichts, denn es geht definitiv schlechter - auch von der Qualität her.

#Gelesen/Gehört im Juni: 6 Bücher


A Darkness Absolute: A Novel, Kelley Armstrong

1. Heart-Shaped Hack von Tracey Garvis-Graves [knappe 2*]
2. Najaden von Heike Knauber [3*]
3. Simon vs. the Homo Sapiens Agenda von Becky Albertalli [4,5*]
4. City of the Lost von Kelley Armstrong [gute 4*]
5. Salz für die See von Ruta Sepetys [4*]
6. A Darkness Absolute von Kelley Armstrong [4*] 

Gelesene Seiten: 2479
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: ca. 413
 Gelesene Seiten pro Tag: etwa 80
Durchschnittsbewertung: 3,58*

Wie man sieht, habe ich im Juni wenig Physisches gelesen und bin stattdessen irgendwie auf die Hörbücher gekommen. Was ist da los, bin ich krank? Ich kann es nicht genau sagen, aber mir ist tatsächlich aufgegangen, dass sich Hausarbeit und Wege viel besser bewältigen lassen, wenn einem dabei vorgelesen wird - zumindest bei guten Hörbüchern. Das erste war direkt ein Reinfall, danach habe ich jedoch mit der Casey Duncan-Reihe angefangen, die mir sehr gefällt. Außerdem habe ich mit "Simon vs. the Homo Sapiens Agenda" endlich dieses knuffige Buch gelesen, über das alle sprechen, und auch ich wurde überzeugt.

# Gesuchtet im Juni: 1 Serie

Bildergebnis für sense8 finale plakat

1. Sense8: Komplette Serie [5*] - Wahrscheinlich erneute Rezension

Anfang Juni gab es endlich das Serienfinale und Special zu "Sense8" und natürlich musste ich davor noch einmal alle beiden Staffeln schauen. Die ganze Story ist immer noch so genial wie beim ersten Mal und ich liebe jede einzelne dieser Figuren - meine dringende Empfehlung also erneut! Davon abgesehen war mir das Wetter jedoch ganz einfach zu schön, um den Fernseher anzuschalten - daher blieb es auch bei der einen Serie.
 
# Kino im Juli

Nun ist es schon wieder sehr spät im Monat und ich habe einen 10-tägigen Urlaub geplant - mit Kino sieht das also mal wieder schlecht aus. Dabei läuft eigentlich ziemlich viel an - nur eben auch vieles, das zuhause auf dem Bildschirm wohl reicht.

How to Party with MomDie Frau, die vorausgehtEin Kind zur Zeit - The Child in TimeThe First PurgeLOMO - The Language of Many OthersDie Farbe des HorizontsSkyscraperSicario 2Mamma Mia! Here We Go AgainEin Lied in Gottes OhrCatch Me!Ant-Man and the WaspHotel ArtemisPapillon

Will ich auf jeden Fall sehen: "Hotel Artemis" wirkt ganz wie ein Film für mich - Killer, Verbrecher und Jodie Foster, besser kann es ja kaum werden. Auch "Papillon" klingt toll und wartet mit zwei guten Hauptdarstellern auf, ebenso wie "Ant-Man and the Wasp", Marvels erster Film mit weiblicher Hauptrolle. Zuletzt klingt "Catch me", das auf wahren Begebenheiten beruht, endlich mal wieder nach einer wirklich witzigen Komödie. 

Will ich vielleicht sehen: "Lomo" ist ein deutscher Jugendfilm, vielleicht auch Jugendthriller, der eventuell überraschen kann. "Die Farbe des Horizonts" soll sich statt auf den Überlebenskampf doch ein wenig mehr auf die Liebesgeschichte konzentrieren - Sam Claflin und Shailene Woodley sind es aber wahrscheinlich wert. Und "Ein Lied in Gottes Ohr" sieht mal wieder nach einer frischen französischen Komödie aus.

Will ich nicht (im Kino) sehen: Bisher habe ich noch keinen der "Purge"-Filme gesehen und das wird sich hier wohl auch nicht ändern - aber vielleicht schaue ich ihn auf Amazon mal. Musicals mag ich nicht, daher werde ich mir "Mamma Mia 2" definitiv nicht ansehen und auch die anderen Filme scheinen eher welche zu sein, die man sich in der Primetime im Free-TV ansieht.

Wie lief euer Juni?

[Buchrezension] Simon vs. the Homo Sapiens Agenda - Becky Albertalli

I wonder how it's going for Blue. I wonder if Blue is feeling the same flutter in his stomach that I feel right now. Actually, he's probably feeling more than a flutter. He's probably so nauseated he can hardly choke the words out.
My Blue.
It's weird. I almost think I did this for him.
"What are you going to do?" Abby asks. "Are you going to tell people?"
I pause. "I don't know," I say. I haven't really thought about it. "I mean, eventually, yeah."
"Okay, well, I love you," she says.
She pokes me in the cheek. And then we go home.

INHALT
Simon ist schwul - aber bisher hat er davon niemandem erzählt. Niemandem bis auf Blue, mit dem er seit einigen Monaten Mails austauscht und mit dem er sich tief verbunden fühlt. Bis eben jene Mails einem Schulkameraden von ihm in die Hände fallen, der ihn damit erpresst. Nun muss Simon sich entscheiden: Geht er auf die Erpressungen ein und tut, was von ihm verlangt wird? Outet er sich? Er hat keine Ahnung, was letzteres für ihn und Blue bedeuten würde - und ob dieser überhaupt genauso wie Simon fühlt.

MEINE MEINUNG
An Simon Spier und seinen Freunden kommt man seit zwei Jahren schon quasi nicht mehr vorbei - und jetzt, wo die Verfilmung im Kino läuft, sowieso nicht mehr. Und das ist gut so, denn eventuell entgeht einem ansonsten eine wunderbar liebenswerte, witzige und zuckersüße Geschichte rund um Freundschaft, die erste Liebe und das eigene Coming-Out. Erzählt wird "Simon vs. the Homo Sapiens Agenda" aus der Ich-Perspektive des Protagonisten, nur unterbrochen vom E-Mail-Austausch zwischen ihm und seiner Online-Bekanntschaft Blue. Und obwohl ich Brief- und Mail-Romane nicht mag, war das hier kein Problem.

Das liegt wahrscheinlich größtenteils an diesen wunderbar lebendigen und vielfältigen Figuren, die man sehr schnell ins Herz schließt. Allen voran natürlich Simon selbst, der auch großes Identifikationsptenzial für all jene bietet, die kein Coming-Out vor sich haben: Manchmal ist er, wie jeder Teenager, ein bisschen egoistisch, aber das gleichen sein Witz und Charme schnell wieder aus. Blue lernt der Leser erst einmal lange nur über seine Mails kennen, dafür entwickelt er aber schon hier einiges an Charakter. Bei den Nebenfiguren entfaltet sich jedoch das gesamte Potenzial: Der musikalisch-nachdenkliche Nick und die liebevolle Abby sind für die eher leichten Momente zuständig, während Leah mit ihrer eher zynischen Art dafür sorgt, dass Simon nach einigen Handlungen auch mal nachdenkt - kein Wunder also, dass gerade sie ein eigenes Buch erhalten hat.

Natürlich ist der ganze Roman ein bisschen kitschig und verarbeitet das Thema des Sich-Outens relativ leicht und mit einer Portion Zauber, den sicherlich in der Realität nicht jeder erlebt. Gleichzeitig zeigt er so aber auch, dass Homosexualität erstens selbstverständlich nichts Schlechtes ist, dass es zweitens Familien und Freunde gibt, die volle Akzeptanz zeigen und dass die erste Liebe drittens grundsätzlich etwas Wunderbares sein kann. Zudem spricht Becky Albertalli durchaus auch Mobbing und Missverständnisse an - es ist also nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Und nachdem man 300 Seiten mit Simon und Blue mitgefiebert hat und im Kopf durchgegangen ist, wer denn nun dieser geheimnisvolle Junge sein könnte, kann man am Ende gar nicht anders, als tief und glücklich zu seufzen. Was will man mehr von einem Buch?

FAZIT 
Nicht umsonst gelten die Bücher von Becky Albertalli seit einiger Zeit als das Nonplusultra der Jugend-Literatur. "Simon vs the Homo Sapiens Agenda" ist ein Buch, das schon einen Insider im Titel trägt und einem viele weitere auf den Weg gibt. Es ist witzig, herzerwärmend und ein bisschen kitschig - aber das hält sich im Rahmen. Ich freue mich jedenfalls auf das Spin-Off "Leah on the Offbeat". 4,5 Punkte!

[Buchrezension] Najaden: Das Siegel des Meeres - Heike Knauber

Vor Schmerz stockte Sayaf der Atem. Die Fingerspitze, mit der sie an seinem Arm aufwärtsstrich, hinterließ ein Sengen, als triebe sie glühenden Stahl durch sein Fleisch.
"Ihr habt keine Ahnung, mit welchen Mächten ich im Bunde stehe."
Doch, die hatte er. Sie gab ihm gerade eine Kostprobe davon. Mit zusammengebissenen Zähnen sah er auf die dünne Brandspur, die sie mit ihrem Finger auf seiner Haut hinterließ.
Unerwartet packte sie ihn am Arm, und er musste sich zwingen, sie nicht von sich zu stoßen, sondern ihr gelassen in die jadegrünen Schlangenaugen zu sehen. "Wenn meiner Tochter bei Eurem Bruder ein Leid erfährt, wird ganz Aššu dafür brennen. Vergesst nicht, Eurem Vater das von mir auszurichten."

INHALT
Die junge Meliaé muss mit ansehen, wie vor ihren Augen ihre Mutter getötet wird - auf Befehl des Heeresfürsten Khayam, Erbe des Sultans, der gemeinsam mit seinem Bruder Abu Sayaf  nach dem Siegel des Meeres sucht. Denn dieses soll ihr Land Aššu vor prophezeiten dem Untergang bewahrenl. Was die beiden noch nicht ahnen: Meliaé selbst ist dieses Siegel. Und bevor sie ihrer habhaft werden können, entschwindet sie in das sagenumwobene Land der Najaden, wo sie ihre Fähigkeiten erlernen soll. Aber Sayaf ist weiter auf der Suche nach ihr - denn nicht nur trägt sie die Rettung seines Reiches in sich, er hat sich auch mit Haut und Haar in sie verliebt.

MEINE MEINUNG
Mythen und Sagen - faszinierende Geschichten, die uns in fremde Länder mit fremden Sitten entführen. Genau davon hat sich Heike Knauber für "Najaden" inspirieren lassen und eine orientalisch angehauchte Welt voller Magie und Zauber, aber auch voller Ungerechtigkeit und Gewalt geschaffen. Tatsächlich lernt man von den Reichen aber nur relativ wenig kennen - einmal Najadís, eine Feuerinsel, und dann noch Aššu selbst, die Heimat der beiden Heeresfürsten. Dazwischen befinden sich die Hauptfiguren meistens auf Schiffen und bekommen relativ wenig von der Außenwelt mit, was schade ist. Erzählt wird die ganze Geschichte größtenteils aus der personalen Sicht der Protagonistin, aber auch Gegenspieler und Wegbegleiter kommen teilweise zu Wort.

Meliaés Familie wurde zerstört und sie selbst von Abu Sayaf entführt, einem Sohn des Sultans, der für ihr Schicksal verantwortlich ist. Ihren Hass kann man daher sehr gut nachvollziehen, ebenso wie ihre Weigerung, irgendetwas für diesen Mann zu tun. Allerdings bleibt sie sich selbst und ihrer Abneigung nur dann treu, wenn es gerade in die Geschichte passt. Mal fühlt sie sich zu Sayaf hingezogen, dann unternimmt sie alles, um sich an ihm und seiner Familie zu rächen - ihre Sprunghaftigkeit hat mich doch sehr irritiert. Nicht so sehr allerdings wie der Aspekt, dass sie sich im Laufe der Handlung zweimal zu äußerst brutalen, mörderischen und teilweise vergewaltigenden Männern hingezogen fühlt, was so gar nicht zu ihrer sonstigen Kratzbürstigkeit passt. Abu Sayaf ist für mich jedenfalls kein Traummann - es wird zwar versucht, ihm Hintergrund und Motiv für seine Taten zu geben, das lässt aber nicht vergessen, dass er Meliaé entführt, gegen ihren Willen küsst und tatsächlich auch schlägt. Mich interessiert in dieser Hinsicht auch nicht, dass das andere Sitten und Bräuche sind, in denen Frauen weniger Wert haben. Ein gewalttätiger Mann ist kein guter Mann. 

Davon abgesehen weiß die Idee durchaus zu gefallen: Meliaé ist also, ohne ihr Wissen, das Siegel des Meeres und eine Najade, sie kann sich demnach in eine Schlange verwandeln. Ihre Veränderung vom Unglauben über ihre Herkunft zum mühelosen Gebieten über ihre Fähigkeiten bekommt man allerdings gar nicht mit, weil hier einfach 4 Jahre in die Zukunft gesprungen wird. Das fand ich sehr schade, weil doch vor allem die Feuerinsel mit ihren Bewohnern und Wäldern ein faszinierendes Setting ist. Stattdessen verbringen die Charaktere also weiter viel Zeit auf Schiffen und dann in staubigen Wüsten - aber für solche Umgebungen sind die Menschen alle...seltsam hellhäutig. Zudem fehlten mir so einige Erklärungen: Welchen Sinn etwa hat es, dass einige Bewohner von Aššu sich zu Schakalen mit aufrechtem Gang verwandeln können? Welche Vorteile hat dies und woher kommt die Fähigkeit? Auf solche Fragen gibt es leider nie Antworten. Dafür sind die letzten 200 Seiten ausnehmend spannend - es treten weitere magische Wesen auf, es kommt zu Kämpfen und überraschenden Wendungen. Und auch wenn der Schluss zu erwarten war, bildet er einen runden Abschluss, trotz der vorherigen Mängel. 

FAZIT 
Heike Knaubers "Najaden: Das Siegel des Meeres" lebt von einer tollen Idee und faszinierenden Schauplätzen, die allerdings teilweise zu wenig genutzt werden. Der Liebesgeschichte und den beiden Protagonisten konnte ich leider wenig abgewinnen, und insbesondere die manchmal fehlenden Erklärungen stören. Dafür kommt am Ende immerhin richtig Spannung auf. 3 Punkte.

https://www.randomhouse.de/Paperback/Najaden-Das-Siegel-des-Meeres/Heike-Knauber/Blanvalet-Taschenbuch/e522804.rhd#biblios

[ETC] Rock am Ring 2018: Was war das bitte für ein saugeiles Wetter?

Ich glaube nicht, dass ich es hier irgendwann schon einmal erwähnt habe (vermutlich gab es keinen Anlass), aber ich hasse es zu zelten. Ich hasse es wirklich. Keine sanitären Anlagen in unmittelbarer Nähe, Duschen ist größtenteils ein Wunschtraum und das Essen ist einseitig und meistens eher fad.

Trotzdem war ich Anfang Juni auf meinem ersten Festival überhaupt. Was wird das hier also? Der Bericht einer Rockmusik-liebenden und Zelten-hassenden Person, die mit ihren 1,60m in den meisten Fällen zu klein ist, etwas zu sehen, wenn andere Menschen vor ihr stehen. Rate ich euch also davon ab, ein Festival zu besuchen? Natürlich nicht.

Die Anreise 

Ein Tipp: Leiht euch kein Auto, von dem ihr nicht wisst, in welchem Zustand es ist. Logisch eigentlich - kann man trotzdem erwähnen. Die Freundin, die den Wagen bekommen hat, musste leider noch Freitagmorgen in die Werkstatt, um das Abblendlicht austauschen zu lassen - und so haben wir uns erst mit zwei Stunden Verspätung in Köln getroffen. Ankunft auf dem Gelände also: Um 17 Uhr. Die erste Band, die ich sehen wollte - The Night Game - spielte da schon.

Man rate, welches unser Auto war...
Also haben wir erst einmal unsere Bändchen geholt, uns durch die Menge gekämpft und umgeschaut, bevor wir unseren ganzen Kladderadatsch vom Parkhaus zum Green Camping schleppten. Aufbau des Zeltes: Um 21:30 Uhr. Genial. Einen Vorteil hatte es: Bis dahin hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten die restlichen (zwei) Bands wunderbar genießen.

Das Line-Up

 
Dieses Jahr haben viele gemotzt. Erstaunlicherweise waren für mich aber so einige Künstler dabei, die ich schon immer live sehen wollte. Shinedown, Avenged Sevenfold, Marylin Manson, Muse, Rise Against - eine ziemlich gesunde Mischung, bei der für jeden etwas dabei ist. Außerdem ist es natürlich immer möglich, von einer Stage zur nächsten zu wandern und so Unbekanntes zu entdecken - das ist uns jedenfalls mehrmals so gegangen. Und wenn Leerlauf ist, hat man immerhin Zeit, mal ein paar Nüsse zu essen.

Das Zelten

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Zelten hasse? Ich denke, ich kann es nicht oft genug wiederholen. Nachts ist es unangenehm kühl, aber sobald am Morgen die Sonne auf den Stoff scheint, verwandelt sich die Behausung in eine Sauna - das ist doch Mist. Wer das freiwillig macht, ist mir schon mal von grundauf suspekt. Da wir jede Nacht erst gegen 03:30 am Zelt waren, blieben uns also nicht mehr als 4 Stunden Schlaf, bevor uns Lautstärke und Hitze aus dem Schlaf rissen. Aber Müdigkeit gehört bei Festivals dazu.

Nur eine mobile Dusche, die würde ich mir persönlich wünschen, dann wäre das Ganze auch direkt angenehmer. 3 Euro für eine Dusche ohne Vorhang (aber immerhin mit Spiegeln und Föhns) sind ein Luxus, den wir uns auch nur einmal gegönnt haben. Ansonsten muss mit Katzenwäsche vorlieb genommen werden - die anderen riechen schließlich auch nicht besser. 

Hinzu kommen natürlich die endlos langen Fußmärsche. Eine halbe Stunde zum Festivalgelände, eine halbe Stunde zurück zum Zeltplatz...Mein tägliches Ziel von 10.000 Schritten habe ich jeden Tag weit übertroffen. Da musste man sich zwischenzeitlich irgendwann einfach mal irgendwo auf den Boden setzen, um ausruhen zu können. Zum Glück war ja wenigstens das Wetter der Wahnsinn mit lauschigen 20 Grad, sodass man es sich gut gehen lassen konnte.


Der Freitag

An diesem Tag (bzw. eher Abend, wenn man unsere Ankunft bedenkt) war das Programm für mich eher schwach, mit wenig hartem Rock und 30 Seconds to Mars, die ich sehr langweilig finde. Eins muss man Jared Leto aber lassen: Entertainen kann er. Musikalisch war das Ganze allerdings eher mäßig. So richtig gut wurde es dementsprechend also erst um 01:15 in der Nacht auf Samstag, als Marylin Manson auf der Crater Stage auftrat und zwar weniger skurril war als erwartet, dafür aber genau die richtigen Songs gespielt hat. Da wir nicht so früh da waren wie geplant, sind wir in der Nacht noch dem Moshpit entgangen - was man von den folgenden Tagen nicht sagen kann.

Der Samstag

An diesem Tag waren wir deutlich erfolgreicher. Bei Nothing More und The Maine waren wir jeweils zufällig und glücklicherweise an den Stages und haben die Programme mitgenommen - was sich sehr gelohnt hat. Die ersten wichtigen Bands war aber Black Stone Cherry, gefolgt von, natürlich, Shinedown, die eine richtig gute Show abgeliefert haben - bei der wir im ersten Moshpit des Tages gelandet sind. Mit meiner bescheidenen Größe traue ich mich nicht dort hinein, um nicht nieder getrampelt zu werden, aber ich liebe es, der wilden Menge zuzuschauen. Abgesehen von den vielen Crowdsurfern - irgendwann nervt es einfach, ständig aufzupassen, dass einem niemand auf den Kopf fällt -, war es ein geniales Erlebnis, die Band live zu sehen.



Nach einem Snack haben wir uns dann das Ende von Snow Patrol angeschaut, um rechtzeitig bei Muse sein zu können, und das war eine gute Entscheidung: Matt hat zwar ausnehmend wenig mit den Fans gesprochen, muss man leider sagen, dafür hat die Band aber eine großartige Show abgeliefert mit vielen rockigen Liedern, aber auch zwei Akustik-Versionen. 


Das Highlight des Abends hat jedoch erneut auf der Crater Stage stattgefunden, an der wir sowieso den Großteil der Tage verbracht haben. Heavy Metal-Band Avenged Sevenfold durfte ich dort nämlich zum ersten Mal live erleben und es war der W-A-H-N-S-I-N-N. Wir haben natürlich den Fehler begangen, uns in die 7. Reihe vorzuarbeiten, nicht ahnend, dass es dort keinen Moshpit geben, sondern dass einfach alles ein Moshpit sein würde. Dementsprechend mussten wir leider von einem netten Festival-Besucher gerettet werden, als meine Freundin zum zweiten Mal drohte unterzugehen. Glück für uns: Etwas weiter hinten durften wir dann ein komplettes Lied auf den Schultern erleben und der Ausblick war großartig. 



Der Sonntag

Am Sonntag ging es später als am vorherigen Tag so richtig für uns los. Ursprünglich wollten wir uns noch PVRIS anschauen, aber da wir Probleme mit dem Auto hatten, waren wir erst zu Good Charlotte richtig dabei, die uns allerdings nicht großartig umgehauen haben. Wichtiger war uns natürlich sowieso Rise Angainst danach, wo es erneut ziemlich heftig zu ging - sodass wir uns innerhalb der ersten 10 Minuten in der Masse verloren. 



Und uns erst drei Stunden später, nach den Foo Fighters, wiederfanden. Die Band habe ich also allein erlebt - und auch so war es ein tolles Gefühl. Trotz von einer Erkältung angegriffener Stimme hat Dave Grohl über 2 Stunden durchgehalten, die Jungs haben improvisiert, gescherzt und Erinnerungen geteilt - genau so fühlt man sich als Zuschauer ernst genommen.

Zum Abschluss konnten wir dann noch - wieder vereint - die Gorillaz genießen, die auch mit vielen unbekannten Songs mitreißen konnten - und als dann endlich Feel Good kam, war sowieso niemand mehr zu halten.

Das Fazit

Es lässt sich nicht leugnen: Rock am Ring ist ziemlich teuer geworden, vor allem durch das viele Allerlei, für das man zahlen muss. Andererseits muss man auch sagen, dass für die 180 € für das Festival-Ticket (2. Preisstufe) und die 50€ für das Camping-Ticket 5 Übernachtungen und knapp 80 Bands drin sind. Wer die Musikrichtungen mag, wird seinen Spaß haben. Vor allem erlebt man größtenteils ein Gefühl der Einheit: In der Schlange für die Toiletten entstehen tiefschürfende Gespräche, auf dem Zeltplatz lauscht man den Kommentaren der Mitcamper und Free Hugs gibt es immer und überall. Und schon für das Feeling lohnt es sich dann eigentlich doch. 

Habt ihr schon ein Festival besucht?
  

[Buchrezension] Das Finkenmädchen - Nicole Trope

Es macht mir nichts aus, Fettkloß genannt zu werden. Ein Fettkloß ist da, das weiß man. Man kann nicht so tun, als wäre er nicht da. Als ich leicht und klein war, gab es viele Dinge, die mir Angst machten. Jetzt bin ich ein Fettkloß, und manchmal haben die Leute Angst vor mir. 
Ich frage mich, wovor sie wohl Angst hatte. Ich frage mich, ob sie vor ihm Angst hatte. Ich frage mich, ob sie Angst hat, hierherzukommen. 
Es ist sowieso nicht wichtig. Es interessiert mich nicht, was sie denkt und fühlt. Es interessiert mich nicht, was sie getan hat oder nicht. 
Das Einzige, was mich interessiert, ist, was ich ihr antun werde.

INHALT
Felicity hätte nicht gedacht, dass sie ihre ehemalige Nachbarin Rose noch einmal wiedersehen würde - erst recht nicht, seit sie eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Doch dann begeht eben jene Rose, Ehefrau eines bekannten Moderators, selbst eine unverzeihliche Tat und  landet am selben Ort wie Felicity. Diese kann ihr Glück kaum fassen, denn endlich ist sie ihrer Rache näher. Rache, weil Rose damals, in ihrer Kindheit, einfach weggeschaut hat. Weil sie ihr nicht geholfen hat. Und weil sie zugelassen hat, dass Felicitys Leben zerstört wird...

MEINE MEINUNG
Die australische Autorin Nicole Trope ist auf ihrem Heimatkontinent sehr bekannt - bekannt vor allem für ihre Familiendramen, die wichtige und oftmals aktuelle Themen ansprechen. Trotzdem wäre beim "Finkenmädchen" wohl angebracht, im Vorhinein zu sagen, worum es genau geht: Um Kindesmissbrauch nämlich. Damit wird nicht groß gespoilert, weil diese Information recht früh Einfluss findet, aber um Leser nicht zu triggern, wäre hier eigentlich prinzipiell der Verlag in der Pflicht, dies deutlich zu machen. Erzählt wird der Roman aus den zwei Perspektiven von Rose und Felicity. Diese werden nicht mit Namen abgegrenzt, wechseln sich aber ab, und weil die Autorin auf beeindruckende Weise mit Sprachmustern und Beschreibungen arbeitet, ist immer direkt klar, wer von beiden gerade zu Wort kommt.

Rose ist die Ehefrau eines bekannten Moderators des australischen Fernsehens und lebt seit Jahren in Reichtum und ohne Sorgen. Doch etwas ist passiert. Etwas, das zum Tod ihres Mannes geführt hat und dazu, dass sie nun eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzen muss. Es wird schon nach wenigen Seiten klar, dass sie etwas zu verbergen hat - dass sie vor allem ein Geheimnis ihres Mannes zu verbergen hat -, aber es braucht lange, bis sie sich ihre Fehler, ihre Zweifel und Ängste endlich eingesteht. Bis dahin gibt sie einen Einblick in ihr Leben, das sie komplett ihrer Familie gewidmet hat, und ihre Persönlichkeit, die sich nie richtig entwickeln konnte. Felicity ist etwa 30 Jahre jünger und hat als Kind neben Rose und ihrer Familie gelebt. Sie ist schon von Geburt an langsamer als andere ihres Alters, ist dafür aber eine ruhige Zuhörerin und seit einigen Jahren auch liebende und hingebungsvolle Mutter. Nur ihre Vergangenheit lässt sie nicht los. Einerseits will sie für ihre Tochter da sein, andererseits ist sie getrieben von Hass und den Verletzungen frühen Missbrauchs - was sie auf einen gefährlichen Pfad führt.

Beide Erzählerinnen haben denselben Bekanntenkreis, weshalb man durch ihre Augen die Nebenfiguren gut kennen lernt. Insbesondere Roses Mann - den sie anfangs vor allem als perfekt darstellt. Schnell jedoch wird klar, dass sie, die diesen Mann mit 16 Jahren geheiratet hat, nie die Chance bekam, sich zu einer eigenständigen Person zu entwickeln. Durch die schiere Abneigung, die man ihm bald entgegen bringt, versteht man auch Felicity immer besser. Die ganze Handlung hat wenige große Überraschungen und besteht größtenteils aus Rückblicken auf die letzen 20 bis 30 Jahre für beide Frauen, in denen sich insbesondere Rose des Öfteren wiederholt. Die Ereignisse sind jedoch erschreckend und bedrückend, trotz fehlender wirklich detailreicher Beschreibungen auch definitiv nichts für schwache Nerven. Nachdem sich die Autorin viel Zeit gelassen hat, um Situation und Figuren zu etablieren und den Leser in den Bann zu ziehen, wird die Handlung am Ende leider etwas zu schnell, etwas zu einfach abgehandelt. Davon abgesehen ist der Schluss jedoch passend gewählt, um beiden Protagonisten einen gebührenden Abschluss zu geben.

FAZIT 
Nicole Trope greift in "Das Finkenmädchen" ein wichtiges, leider immer aktuelles und betroffen machendes Thema auf - eine Triggerwarnung wäre bei Kindesmissbrauch aber wohl angebracht. Teilweise hat das Ganze ein paar zu viele Längen, um dann zum Schluss gehetzt zu wirken, davon abgesehen wird das Ganze aber sensibel und authentisch angegangen. Gute 3,5 Punkte.

 
https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/frauenromane/das-finkenmaedchen/id_5684476

Die Bloggerin

About Me
Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, klicke hier →

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