Back Down to Earth


[ETC.] Es ist World Poetry Day!


[Unbezahlte Werbung] Seit 1999 gibt es den "Welttag der Poesie", ausgerufen von der UNESCO, um die Liebe zur Lyrik in allen Formen zu porträtieren, um Reime und Gedichte und Ihre Schaffenden zu feiern. Deutschland ist das Land der Dichter und Denker, wie man so schön sagt, daher ist es mir eine Ehre, zum ersten Mal auch selbst diesen Tag zu feiern.

Viking hat nämlich schon 2017 einen #VikingWorldPoetryDay ins Leben gerufen und nachdem das damals so gut lief, startet das Projekt nun zwei Jahre später noch einmal. Dazu haben Blogger ein kleines Paket erhalten, mit dem sich ein paar lyrische Zeilen wunderbar in Szene setzen lassen: Ein Tintenfass mit Kalligraphie-Set, bunte Stifte, Pergamentpapier, ein Bilderrahmen, ein Holzalphabet, Tee zum Thema "Romeo und Julia" und buntes Papier. Zugegeben, ich habe keine unbedingt schöne Schrift, aber davon habe ich mich nicht abhalten lassen. Nur das mit der Kalligraphie, das hat wirklich so gar nicht funktioniert. Meine Tischdecke weist nun aber so einige Tintenflecken auf...

Die Aktion findet auf Twitter, Facebook, Blogs und Instagram statt. Auf dem Blog von Viking gibt es seit gestern einen Beitrag zum Thema. Und auf Instagram findet ihr auch einen weiteren Post zum Thema von mir, denn damit wollte ich mich auf der Plattform offiziell zurückmelden.

Das Gedicht stammt übrigens von mir selbst aus dem Jahr 2012. Damals habe ich viel geschrieben und hatte, wie man sieht, eine lyrische Phase. Ich wünschte, mir würden noch immer die Worte dazu einfallen. Aber so schwelge ich eben in den Zeilen anderer.

Das Gedicht im Wortlaut:

Hymne für dich

Nimm den Hammer, nimm den Meißel,
 hau' dein Abbild grob in Stein -
komm schon, tu es, mach dich besser,
denn dann wirst du auch so sein.

Hol dir Liebe, hol dir Glück,
denk nicht nach und drück auf's Gas -
ras' mit Vollgas durch die Straßen,
denn nur so macht Leben Spaß. 

Zeig Gefühle, zeig Gedanken,
leb' dein Leben wie du meinst -
komm schon, tu es, zeig den Leuten,
dass du mehr bist als du scheinst.

Lass dir Zeit und lass dich treiben,
wichtig, dass du's dir erlaubst -
gib Acht auf dich und lauf in's Ziel,
kannst alles schaffen, wenn du's glaubst.


Begleitet euch die Poesie auf eine besondere Weise?

[Buchrezension] Die Todeskönigin - Sarah Beth Durst

Mit einem gackernden Heulen stürzte sich der Feuergeist auf das Holzscheit. Flammen schossen aus dem Kamin, rasten durch den Raum und trafen das Bett. Eines der Seidenkissen fing Feuer. Naelin rannte los, schnappte sich einen Krug vom Waschbecken und goss seinen Inhalt auf das Bett. Das Wasser erstickte die Flammen, und Rauch wogte empor, schwärzte den Betthimmel. Kreischend ergriff der Geist die Flucht, stürzte durch den Türbogen auf den Balkon hinaus und schoss direkt in den Himmel hinauf, um mit den Sternen zu verschmelzen.
"Seh'n wir's mal positiv: Zumindest steht der Palast noch", bemerkte Ven milde.
Naelin schaute zur den Sternen empor. "Ich brauche vielleicht noch ein wenig Übung." 

INHALT
Wider Erwarten ist die junge Daleina vor einem halben Jahr aus der Krönungszeremonie als Königin hervor gegangen - zu einem hohen Preis. Nun muss sie allein über ein ganzes Land herrschen, obwohl sie immer die schwächste aller Thronanwärterinnen war. Sie könnte trotzdem eine gute Königin sein, wären da nicht die Ohnmachtsanfälle, die sie neuerdings gehäuft überkommen und zulassen, dass die Geister des Landes über die Menschen herfallen. Bald steht fest: Sie wird sterben. Und wenn das Land nicht ins Verderben stürzen soll, braucht sie so schnell wie möglich eine Nachfolgerin. Ihr ehemaliger Meister Ven entdeckt in einem Dorf die bereits erwachsene Naelin, die großes Potenzial sitzt. Allerdings ist sie nicht bereit, Königin zu werden...

MEINE MEINUNG
Wenn eine Autorin für originelle und außergewöhnliche Ideen steht, dann ist es Sarah Beth Durst - kein Thema wird von ihr recycelt, jedes Buch strotzt wieder vor Ideenreichtum. Und trotzdem wird sie als Autorin völlig unterschätzt. "Die Todeskönigin" ist Band 2 der Trilogie um die "Queens of Renthia", die viel bekannter sein sollte. Hauptsächlich dreht sich alles wie zuvor um Daleina, nun Königin, die erneut oft zu Wort kommt - meine Sorge, der Nachfolger hätte die Protagonistin vollständig gewechselt, war also unbegründet. Daneben kommen aber auch Naelin und Meister Ven regelmäßig zu Wort, und neu außerdem Daleinas Schwester Arin.

Diese ist eine sehr willkommene Ergänzung - sie ist nicht mehr das junge Mädchen, das man ganz zu Anfang des ersten Bandes kennen gelernt hat, und auch nicht die Nebenfigur des späteren Verlaufs. Stattdessen ist sie aktiv darin involviert, ein Heilmittel zu finden, und zeigt dabei nicht nur Intelligenz, sondern auch Willenskraft. Unterstützt wird sie dabei von Heiler Hamons Mutter Garnah, einer skrupellosen und nichtsdestoweniger interessanten Frau mit enormen Fähigkeiten. Daleina selbst hat sich verändert, seit sie Königin geworden ist, weil sie die Macht stemmen muss, die ihr übertragen wurde. Trotzdem ist sie noch immer authentisch und vor allem nicht perfekt. Und dann ist da Naelin, die sich so sehr dagegen wehrt, Thronanwärterin zu werden. Ihre Liebe zu ihrer Familie ist bewundernswert und ihr Wandel erfolgt langsam, nur ein wenig mehr vorausschauendes Handeln hat mir bei ihr gefehlt.

Nachdem im ersten Band eine böse Königin im Hintergrund die Strippen zog,  erscheint hier zu Beginn die Krankheit Daleinas als der Widersacher. Erst im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass erneut jemand nichts Gutes im Sinn zu haben scheint. Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten - positiv wie negativ gestimmten - und eine ganz dezente Liebesgeschichte, die wie schon im Vorgänger erfrischend wenig Raum einnimmt. Priorität hat hier die Sicherheit des Landes, nicht die Romantik. Mir war leider sehr früh klar, wer für Daleinas Krankheit verantwortlich ist, daher hatte dieser Band deutlich weniger Überraschungen für mich parat als der letzte. Das Ende weist aber sehr eindeutig auf den Abschluss hin und deutet einige interessante Entwicklungen an. Sicher sein kann man auf jeden Fall: Die Ideen werden der Autorin nicht ausgehen.

FAZIT
Die Reihe um die "Queens of Renthia" ist vielleicht nicht die spannendste, sondern legt viel Wert auf Charakterentwicklung und Worldbuilding. Autorin Sarah Beth Durst zeigt aber im 2. Band "Die Todeskönigin" erneut, dass sie vor Einfallsreichtum nur sprüht, und das macht schon einiges an Faszination aus. Originelle Fantasy findet man hier in jedem Fall. 4 verdiente Punkte!

https://www.randomhouse.de/Paperback/Die-Todeskoenigin/Sarah-Beth-Durst/Penhaligon/e524270.rhd

[Buchrezension] Monsters of Verity: Dieses wilde, wilde Lied - Victoria Schwab

"August." Emily legte ihm die Hand auf die Schulter und erst jetzt bemerkte er, dass er zitterte. "Es ist schon spät", meinte sie mit leiser, fester Stimme. Sie wischte ihm Blut von der Wange. Du gehst jetzt besser nach oben. Schließlich musst du morgen früh zur Schule."
Ein ersticktes Keuchen kämpfte sich durch seine Kehle.
Angesichts der Absurdität dieses Lebens, angesichts dieser Farce, hätte er am liebsten laut gelacht. Er wollte seine Geige nehmen und so lange spielen, bis sein Hunger verschwunden war, bis er aufhörte, sich wie ein Monster zu fühlen.

INHALT
Verity ist keine Stadt wie jede andere. Zuerst wurde sie nur von der Gewalt und den Taten der Menschen heim gesucht. Doch dann hat sie begonnen sich zu verändern - und seitdem bringt jedes Verbrechen ein leibhaftiges Monster hervor. Corsai, die sich von Knochen ernähren, Malchai, die Blut trinken und Sunai, die Seelen aufsaugen. Kate Harker lebt in dieser gefährlichen neuen Welt, privilegiert als die Tochter des Herrschers von North Verity. Sie will ihrem Vater endlich beweisen, dass sie eine Kämpferin und es wert ist, seine Nachfolge anzureten. Auf der anderen Seite, in South Verity, lebt August. Seine Familie herrscht ebenfalls, doch August selbst ist kein Mensch - sondern ein Sunai. Kate und August müssten sich hassen. Doch als sie plötzlich gejagt werden, bleibt ihnen keine andere Wahl, als sich zu verbünden.

MEINE MEINUNG
Victoria Schwab ist als Autorin im Genre der Fantasy zuhause, bleibt dort aber keiner Unterkategorie treu. Nach Hexen-Grusel und magischer High Fantasy ist "Dieses wilde, wilde Lied" der erste Band einer Urban Fantasy-Dilogie rund um echte und menschliche Monster. Im Gegensatz zu ihren anderen Werken hatte dieser Auftakt für mich keinerlei Längen - es geht rasant los und bleibt auch auf diesem Level. Abwechselnd erzählen Kate und August aus ihrer jeweiligen Sicht, beschränken sich dabei aber nicht auf komplette Kapitel, sondern wechseln sich, nachdem sie sich getroffen haben, auch mittendrin ab. Der Schreibstil ist knackig und prägnant, besitzt jedoch auch einige nachdenklich stimmende Passagen und vor allem sehr realistische Dialoge.

Obwohl August das tatsächliche Monster der beiden Protagonisten ist, ist er auch der ruhigere und sanftere der beiden. Vielleicht, weil er in einer liebevollen Umgebung aufgewachsen ist, in der er so angenommen wurde, wie er ist. Kate hingegen hat mehr den Drang sich zu beweisen, will tough wirken und so ihren Vater beeindrucken. Sie hat früh ihre Mutter verloren und seitdem kein wirkliches Familienleben mehr erlebt. Die beiden ergänzen sich in ihren jeweiligen Stärken und Schwächen sehr gut. Die Nebenfiguren sind dagegen nicht so stark ausgeprägt, dafür ist allerdings spätestens ab dem Moment der Flucht auch keine Zeit mehr. Die anderen beiden Sunais, mit denen August zusammenlebt, sind in ihrer Unterschiedlichkeit aber sehr spannend, während Kates Vater allerdings der typische Bösewicht ist.

Die Geschichte selbst ist nicht unbedingt die ausgeklügeltste und es werden durchaus einige Klischees bedient - wie etwa bei den Charakteren oder eben auch der unwahrscheinlichen Zusammenarbeit zwei solch arger Feinde -, aber die Umsetzung ist dafür durchweg fesselnd. Fast kein Kapitel endet ohne Cliffhanger, die beiden Charaktere sind beinahe kontinuierlich unterwegs und schlittern von einer gefährlichen Situation in die nächste. Ein bisschen lassen die Überraschungen zu wünschen übrig, von denen es nämlich nur wenige gibt, das macht die Autorin aber mit anderen Einfällen wieder wett. Besonders positiv ist auch, dass sich keine Liebesgeschichte in den Vordergrund drängt, sondern den wichtigen Ereignissen eindeutig Vorrang gegeben wird. So kommt bis zum Schluss keine Langeweile auf, und bei diesem werden dann noch einmal alle Register gezogen. Das Warten auf Band 2 fällt einem da schwer, aber zum Glück ist der ja schon erschienen. 

FAZIT
Victoria Schwab konnte mich bisher nie komplett überzeugen, aber mit dem ersten Band ihrer "Monsters of Verity"-Dilogie hat sie genau mein Tempo getroffen. Die Handlung ist rasant, die Protagonisten sind glaubwürdig, die Idee ist toll. Ein kurzweiliges Lesevergnügen insgesamt. 4 Punkte!

 

[Buchrezension] Die Licanius-Saga: Das Echo der Zukunft - James Islington

Erran wandte sich ihm zu. "Du bist nicht zu unserem Treffen erschienen."
Davian deutete zum Tol. "Ich war damit beschäftigt, nicht zu sterben. Tut mir leid."
"Trotzdem ein bisschen unhöflich." Erran grinste ihn matt an und richtete seine Aufmerksamkeit erneut auf Fessi, die sich aufrichtete. Davian brauchte den Kanstrang nicht eigens zu sehen, um zu wissen, dass sie miteinander kommunizierten.
Nach einigen Sekunden nickte Fessi zögerlich, und Erran wandte sich wieder Davian zu. "Also. Dann wollen wir mal dafür sorgen, dass dir das nicht noch mal passiert", sagte er leise.

INHALT
Die Schlacht gegen die Blinden hat der Augur Davian mithilfe seiner Freunde und vieler mutiger Kämpfer knapp gewonnen und so das Land Andarra vor dem frühzeitigen Untergang bewahrt. Doch die Gefahr ist nicht gebannt: Die Barriere, die die Monster der Dunklen Lande fernhalten soll, droht zusammen zu brechen. So macht sich Davian mit einigen Verbündeten dorthin auf, während sein Freund Werr versucht, sein Amt als Nordwächter zu verteidigen, und seine Freundin Asha, mehr über die sogenannte Shadraehin zu erfahren, die irgendetwas zwischen Freund und Feind zu sein scheint. Gleichzeitig macht sich Caeden daran, seine Erinnerungen wieder zu erlangen, um herauszufinden, was genau sein Plan ist - und auf welcher Seite er selbst überhaupt steht...

MEINE MEINUNG
Nachdem James Islington mit seinem Debüt 2014 gezeigt hat, dass er direkt auf Anhieb mit den ganz großen der High Fantasy mithalten kann, beweist er nun mit Band 2 seiner Saga, "Das Echo der Zukunft", dass er sogar fähig ist, diese Qualität zu halten. Nach großen, erschreckenden Enthüllungen zum Ende des ersten Teils startet dieser mit einer Zusammenfassung aller Ereignisse. Das ist ein erster großer Pluspunkt, denn seien wir mal ehrlich: Wer kann sich nach über einem Jahr noch an 700 Seiten Geschehen erinnern? So fehlt mir zwar noch immer eine Karte, um mich in den einzelnen Gebieten besser zurechtzufinden, zumindest kann ich mich aber wieder an die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander erinnern.

Protagonist Davian hat sich inzwischen daran gewöhnt, ein Augur zu sein, und trainiert nicht nur seine Fähigkeiten, sondern versucht auch mehr über die Barriere herauszufinden, und wie man ihren Zusammenbruch aufhalten kann. Allerdings sind seine Kapitel in diesem Teil deutlich seltener, weswegen er eine geringere Entwicklung erfährt als zuvor. Dafür kommt insbesondere Caeden zu Wort, dessen Abschnitte zu großen Teilen aus Erinnerungen bestehen. So erfährt man einiges über seine Vergangenheit, kommt seinem wahren Ich immer näher - allerdings ist das auch relativ verwirrend, wenn einzelne auftauchende Personen einem kaum bekannt sind. Werr und Asha, die besten Freunde von Davian, halten sich derweil größtenteils in der Hauptstadt in der Administration auf, gehen aber vollkommen unterschiedliche Wege. Dadurch erfahren sie auch getrennt von einander Dinge, und eventuell aufkeimende Langeweile wird umgangen.

Wie schon im ersten Teil braucht das Buch aber seine Zeit, um in Schwung zu kommen. Bei mir sind seit dem Lesen des Vorgängers fast anderthalb Jahre vergangen, weswegen ich die ersten 100-200 Seiten gebraucht habe, um mich in Andarra wieder wirklich heimisch zu fühlen. Erneut sind die Freunde in alle Winde zerstreut, was ein wenig schade ist, weil sie gemeinsam eine tolle Dynamik besitzen - dafür treffen sie alle auf weitere interessante Charaktere, die sie auf ihren Reisen unterstützen (oder behindern). Immer noch ist es schwierig, Gut von Böse zu unterscheiden, vor allem, weil es so viele Graustufen gibt. Das ist es auch, was die Reihe ausmacht: Dass jeder der Charaktere gezwungen ist, auch gegen die eigene Moral zu entscheiden, wenn es sein muss. Wie schon im Band zuvor werden die einzelnen Stränge zum Ende hin wieder logisch miteinander verwoben, und darüber hinaus kommt es nicht nur zu ein paar Überraschungen, sondern auch zu wirklich spannenden Actionszenen. Man fragt sich, wie der Autor das alles in einem letzten Teil zu einem würdigen Abschluss bringen will - aber spätestens jetzt habe ich keine Zweifel mehr daran, dass er das schafft.

FAZIT
James Islington ist ein noch relativ neuer Autor - aber das merkt man ihm kaum an. Nicht nur die Welt seiner "Licanius"-Trilogie ist komplex und faszinierend, auch seine Charaktere wissen zu begeistern. Mir fehlte etwas der Schwerpunkt auf Protagonist Davian, der meine liebste Figur ist, und es gibt durchaus ein paar Längen - aber der großartige Schluss entschädigt dafür. Für High Fantasy-Fans ist die Reihe definitiv einen Blick wert! 4 Punkte.

https://www.droemer-knaur.de/buch/9594788/das-echo-der-zukunft#

[Filmrezension] Polar


 

"Versuche, dich nicht zu fürchten."

STORY
Jahrzehnte lang hat Duncan Vizlar als Assassine gearbeitet und seinem Auftraggeber Reichtum und Ansehen beschert. Nun ist es Zeit für seinen Ruhestand und vor allem für die Millionen, die sein Chef ihm schuldet. Dieser sieht das aber gar nicht ein: Lieber setzt er andere Auftragskiller darauf an, Vizlar zu töten, als diesem auszuzahlen, was ihm zusteht. Doch nicht umsonst hat der Killer den Beinamen "Schwarzer Kaiser", und so beginnt eine brutale, blutige Hetzjagd...

MEINE MEINUNG
Mads Mikkelsen und Auftragskiller in einem Film, geht es noch besser? Das Netflix Original "Polar" basiert auf dem gleichnamigen Comic, ist also entgegen erster Vermutungen kein "John Wick"-Abklatsch, sondern die Verfilmung nutzt höchstens den Hype. Regisseur Jonas Åkerlund hat bisher vor allem Musikvideos gedreht und ist erst seit 2017 auch mit größeren Projekten beschäfigt - und man ahnt auch schnell wieso. Es mag vielleicht ebenfalls am Drehbuch liegen, aber bereits nach kürzester Zeit hat man das Gefühl, der Film bestehe aus vielen einzelnen Versatzstücken, die nicht recht zusammen passen.

Da ist zum einen nämlich Protagonist Duncan Vizlar, der sich in die Einöde einer Berglandschaft zurück zieht und erst einmal lange nicht ahnt, dass er überhaupt gesucht wird. Großartig düster und schmerzhaft gespielt von Mads Mikkelsen ist er - überraschenderweise - gemeinsam mit Vanessa Hudgens als seine ruhige und traumatisierte Nachbarin der einzige Lichtblick. Davon abgesehen ist der Zuschauer aber gezwungen, den anderen Auftragskillern durch quietschbunte Szenerien, nervtötende Dialoge und ein paar effekthascherische Morde zu folgen, was sich vollkommen vom anderen Erzählstrang unterscheidet. Vor allem haben diese Nebencharaktere absolut keine Eigenschaften, das Interesse an ihnen tendiert gegen Null. Und als wäre das nicht schlimm genug, scheinen die weiblichen Figuren nur vorzukommen, um extrem leicht bekleidet ihre jeweiligen Reize in die Kamera zu halten, und das immer und immer wieder. Auch ohne zu wissen, von wem der Film stammt, ist einem direkt klar, dass der Regisseur männlich ist.

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Vanessa Hudgens spielt die einzige Frau, die auch mal angezogen ist
Insgesamt scheint der Streifen vor allem darauf angelegt zu sein, beim Zuschauer Ekel oder Lust zu erzeugen, aber nichts dazwischen. Die Gewaltszenen sind exzessiv und brutal, die Dialoge dagegen banal und langwierig. Dazwischen immer wieder nackte Körperteile und in der Mitte des Filmes dann auch noch eine schon an einen Porno erinnernde Sexszene. Genug ist irgendwann genug, da rollten sich auch bei mir gefühlt die Fußnägel auf. Der Film will so verzweifelt bunt sein wie "Kingsman", actionreich wie "John Wick" und edgy wie "Pulp Fiction", dass einerseits nichts eigenes dabei herauskommt, und andererseits ein Potpourri der negativsten Art. Am Ende verfolgen einen vor allem Albträume darüber, dass es einen zweiten Teil geben könnte - und wenn man sich den Schluss anschaut, ist das eventuell tatsächlich geplant. Der dann aber ohne mich.

FAZIT 
"Polar" war meine heiß ersehnteste Neuerscheinung im Januar und selten wurde ich so enttäuscht. Mads Mikkelsen ist für mich üblicherweise ein Garant für unterhaltsame, teils auch wirklich tiefgehende Filme, aber hier hat gar nichts gepasst. Was diesen Schauspieler getrieben hat, für einen solch überdrehten und überladenen, teil schon widerwärtigen Streifen zu unterschrieben, ist mir komplett schleiferhaft. Man spare sich die Zeit! 1,5 Punkte nur für Mikkelsen und Hudgens.

 

[Statistik] Ein stark verspäteter Jahresrückblick 2018

Nicht zu fassen: 2018 ist vorbei und der Januar des neuen Jahrs ebenfalls. Lange habe ich mich rar gemacht, jetzt versuche ich mich langsam wieder in das Bloggergeschehen einzugliedern. Es kann sein, dass ich in den nächsten Monaten noch einmal eine längere Pause einlegen muss - momentan will ich aber eigentlich noch ganz viel erzählen. (Nur fehlt mir die Zeit.)

2018 war mein achtes(!) Jahr als Bloggerin von Back Down to Earth und gleichzeitig auch mein inaktivstes. Noch nie habe ich so wenige Bücher gelesen, noch nie so wenig gebloggt, noch nie war ich so selten im Kino. Es ist ganz einfach das Leben dazwischen gekommen: Im November habe ich meine Abschlussprüfung geschrieben, im Januar meine Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien mit der mündlichen Prüfung dann erfolgreich beendet. Zwischendurch war ich für drei Wochen in England und noch einmal für zwei Wochen in Irland und Schottland. Man kann also sagen: Ich hatte ein anstrengendes Jahr - aber privat auch ein sehr gutes.

Nur mit den Büchern, da lief es ganz einfach nicht so. Ich hatte nur wenige wirklich umwerfende Lektüren dabei, viel Mittelmaß und auch einige, an die ich nicht mal mehr denken mag. Das hat mir die Leselust so sehr genommen, dass ich mich nicht einmal mehr bei fesselnden Roman richtig motivieren kann - wie aktuell gerade. Oft entscheide ich mich da letztendlich lieber für eine Serie oder einen Film als mich in ein Buch zu vertiefen. Ich hoffe sehr, dass ich die Liebe bald wiederfinde, schließlich warten noch viele großartige Geschichten auf mich. 

Bis dahin lasse ich das Jahr 2018 aber erst einmal Revue passieren - und stelle meine schönsten Entdeckungen vor. Wie immer kann ich mich bei den Büchern nicht recht entscheiden, daher nutze ich zwei Kategorien. Da ich bei Filmen und Serien aber keine exorbitante Anzahl verzeichnen kann, reicht dort jeweils eine Top 3. Vorsicht, lang!

# Favoriten: Fantasy-Romane

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Was fällt einem hier als Erstes auf? Richtig: All meine Fantasy-Highlights stammen aus dem Knaur-Verlag. Ich bin ziemlich sicher, dass ich das auch noch nicht erlebt habe. Aber seit Start des Fantasy-Imprints konnten die dort erscheinenden Bücher mich immer wieder begeistern und fesseln. Leigh Bardugo ist sowieo eine der aufregendsten aktuellen Autorinnen, und "Zeitenfeuer", der zweite Teil der First Empire-Saga, begeistert erneut mit großartigen Figuren. Der dritte Band der Reihe erscheint übrigens im Frühjahr.

# Favoriten: Realistische Romane

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Auch in dieser Kategorie zeigt sich interessanterweise ein Muster: Geliebt habe ich im realistischen Bereich vor allem englischsprachige Bücher. "Simon vs. the Homo Sapiens Agenda" habe ich auch endlich gelesen und für zuckersüß befunden, "Exit, Pursued by a Bear" ist die bedrückende und gleichzeitig beeindruckende Geschichte einer Vergewaltigung und des Umgangs damit, und "The Last Time I Lied" hält wunderbar viele Plottwists für den Leser bereit.

# Favoriten: Filme

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Ja, es ist wahr: Im Kino wirklich umgehauen hat mich letztes Jahr nur "A Quiet Place" mit der großartigen Emily Blunt in der Hauptrolle. Der hat mich dafür aber auch tagelang nicht mehr losgelassen. Davon abgesehen haben mich 2018 zwei ältere Filme überzeugen können - "Schindlers Liste", natürlich, den ich viel zu lange ungeschaut gelassen hatte, und der ruhige und besondere Sci-Fi-Streifen "Arrival".

# Favoriten: Serien

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Ich weiß: Niemand redet so viel über "Sense8" wie ich. Aber da uns 2018 doch noch mal eine abschließende Final-Folge gegönnt wurde, darf ich das - und kann mit Fug und Recht behaupten, dass sie das Schönste war, was mir in dem Jahr auf dem Bildschirm begegnet ist. Aber auch "Maniac" hat mich auf seine absurde, farbenfrohe Weise begeistern können. Und vom Anfang des Jahres ist mir "Happy!" im Gedächtnis geblieben, die so abgedreht, blutig und witzig ist, dass ich sie Genre-Fans nur ans Herz legen kann. Honourable mention: Die 3. Staffel von "Daredevil" hat mir nach der qualitativ schwachen 2. wieder super gut gefallen - zu schade, dass Disney und Netflix anscheinend nicht übereingekommen sind.

# Ausblick auf 2019

Nun habe ich einen offiziellen festen Job, habe nach der Arbeit außer Haushalt nichts zu erledigen - man sollte also meinen, ich hätte mehr Zeit als zuvor. Bisher hat sich das leider noch nicht eingependelt, aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Für das Jahr sind viele großartige Neuerscheinungen im Buch-, Film- und Serienbereich angekündigt und meine größten Erwartungen muss ich einmal vorstellen.

# Neuerscheinungen im Buchbereich

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Knaur begeistert auch 2019 wieder mit toll ausgewählten deutschen Veröffentlichungen und, wie in diesem Falle, mit ersehnten Übersetzungen. "Der letzte Magier von Manhattan" klingt großartig und sieht auch noch so aus. Die anderen beiden Bücher sind Romane von Lieblingsautorinnen - inmitten ihrer "Bone Season"-Reihe veröffentlicht Samantha Shannon mit "The Priory of the Orange Tree" ein Standalone, und Robin LaFevers beginnt mit "Courting Darkness" eine neue Reihe. Ich bin gespannt!

# Neuerscheinungen im Filmbereich

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Ich kann und will mir nicht helfen: Auf keinen Film bin ich so gespannt wie auf den 3. Teil der "John Wick"-Reihe. Keanu Reeves dreht ja sonst viel Trash, aber die Reihe ist genial. Die Live-Action-Adaption von "Dumbo" sieht außerdem zauberhaft aus und als ob sie einen definitiv zu Tränen rühren würde, und Nicole Kidman nimmt in "Destroyer" mal eine ganz andere Rolle ein.

# Neuerscheinungen im Serienbereich

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Bisher ersehne ich dieses Jahr vor allem Fortsetzungen bereits laufender Serien, wie man unschwer erkennen kann. Vor allem freue ich mich auf die 3. Staffel "Stranger Things", deren Plakat schon einmal sehr stimmungsvoll aussieht. Die 1. Staffel der "Chilling Adventures of Sabrina" wurde geteilt, der nächste Part ist ab April zu sehen und nach dem spannenden Weihnachtsspecial bin ich sehr gespannt. Und dann ist da noch "The OA", bei dem jegliche Informationen noch immer unter Verschluss gehalten werden. Gerüchte besagen aber, dass es die 2. Staffel dieses Jahr endlich gibt. Honourable mention: Trailer und Plakat gibt es noch nicht, aber auch mit "Jessica Jones" soll es 2019 noch ein Wiedersehen geben. Die letzte Season war nicht so gut, also setze ich alle meine Hoffnungen in diese. 

Was hat euch 2018 begeistert - und worauf freut ihr euch 2019 am meisten?

[Filmrezension] Mary Poppins' Rückkehr

"Alles ist möglich. Selbst das Unmögliche."

STORY
Es ist das Jahr 1930: Jahrzehnte, nachdem sie das Kindermädchen der Banks-Zöglinge war, kehrt Mary Poppins zurück, um den Geschwistern erneut beizustehen und auch Michaels Kindern zu einer sorgenfreieren Kindheit zu verhelfen. Denn die Familie droht ihr Haus an die Bank zu verlieren und kann dem nur entgehen, indem wichtige Dokumente gefunden werden. Mary Poppins allerdings geht es hauptsächlich darum, sowohl den Geschwistern als auch den Kindern die Freude am Leben wieder näher zu bringen - und entführt letztere dazu in magische Welten und melodische Musical-Einlagen.

MEINE MEINUNG
Mary Poppins, eine Ikone der Filmgeschichte quasi - ein Kindermädchen, mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, das 1964 in jede Familie Einzug hielt. 54 Jahre hat es gedauert, bis mit "Mary Poppins' Rückkehr" nun ein Nachfolger auf der Leinwand flimmert, obwohl Disney schon damals Fortsetzungen geplant hatte. Der Autorin der Reihe allerdings missfiel die Adaption, weswegen das Vorhaben nie umgesetzt werden konnte. Was hätte sie wohl zu dieser Wiederkehr der Nanny gesagt, die sich nun deutlich mehr der Vorlage entsprechend verhält, ansonsten aber im Grunde ganz ähnliche Probleme lösen muss wie schon im Original? Ist das Ganze eigentlich wirklich ein zweiter Teil, oder doch eher ein Remake?

Obwohl Lieder, Farbenspiel und Einfachheit der Geschichte schon auf Kinder angelegt ist, hatte ich das Gefühl, hauptsächlich sei der Film doch für die Erwachsenen gedacht, die schon in den 70ern den Film gesehen haben. Oder Erwachsene wie mich, die später damit in Berührung kamen. Für die ganz junge Generation wird er wahrscheinlich wenig Interessantes zu bieten haben: Zu langsam schreitet die Geschichte voran, zu sehr werden einige Lieder in die Länge gezogen. Diese haben leider auch nicht den Wiedererkennungswert der alten. "The Royal Doulton Music Hall" hat mich ein wenig an "Supercalifragilistischexpialigetisch" erinnert und auch "Stellt euch das nur mal vor" ist eingängig, aber in der zweiten Hälfte zieht sich besonders das Lied der Laternenentzünder extrem, auch wenn die Kunststücke und Tanzeinlagen toll sind. 

Die großartige Emily Blunt rettet vieles. Diese Frau kann einfach alles spielen und als Mary Poppins begeistert sie einerseits mit einer gewissen Arroganz und Strenge, und andererseits einem bezaubernden Funkeln in den Augen, wenn es um ihre magischen Kunststücke geht. Lin-Manuel Miranda geht in seiner Rolle als Jack völlig auf, Ben Wishaw dagegen als schwacher erwachsener Michael eher unter. Toll sind die Gastauftritte einiger bekannter älterer Stars, allerdings wird die Geschichte zum Ende hin etwas konfus und das große Problem - der Familie zu helfen, das Haus zu behalten, auf einfachste Weise gelöst. Letztendlich ist das Ganze ein Feel-Good-Film, der durchaus zum Schmunzeln und (imaginären) Mitklatschen einlädt, der einem aber nicht sonderlich stark im Gedächtnis bleibt.

FAZIT 
Während des Schauens hat mich "Mary Poppins' Rückkehr" gut unterhalten können, besonders weil Emily Blunt eine großartige Protagonistin abgibt. Leider ist der Erinnerungswert geringer als man es erwartet und die Geschichte ist doch sehr auf Kinder zugeschnitten dafür, dass sich die meisten (Erwachsenen) den Film wahrscheinlich eher des Nostalgiefaktors wegen ansehen. Insgesamt sehenswert, aber nicht weltbewegend. 3,5 Punkte.

 

Die Bloggerin

Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, → klicke hier

2019 Reading Challenge

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Kittyzer has read 2 books toward her goal of 50 books.
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"Im Zeichen des Raben" von Ed McDonald [137/480]

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"Mary Poppins' Rückkehr" am 11.01.
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