Back Down to Earth

[Buchrezension] Die Spiegel von Kettlewood Hall - Maja Ilisch

"Versteh mich doch." Jetzt war Victors Stimme kaum mehr als ein Krächzen. "Dir geht es nur um ein paar Kleider und Schuhe, und ja, auch darum, dass man dir die Wahrheit sagt. Aber was für uns auf dem Spiel steht - das ahnst du nicht."
"Dann sag es mir!", rief ich. "Sag es mir endlich! Worum geht es bei dem Schachspiel?"
Victor atmete durch. "Um unsere Zukunft", sagte er dann. "Und unsere Gegenwart. Und unsere Vergangenheit."
"Das ist keine Antwort! Wenn ich euch helfen soll, will ich die Wahrheit wissen."
Victor antwortete nicht. Er drehte sich nur um und verließ das Zimmer. Er machte nicht einmal mehr die Tür hinter sich zu. Und er brauchte gar nicht erst wiederzukommen.


INHALT
Im England des 19. Jahrhunderts ist Kinderarbeit üblich, und so muss auch die 14jährige Iris ihren Teil zum Lebensunterhalt mit Fabrikarbeit beitragen. Nach dem Tod ihrer Mutter ist es aber nun an ihr, allein für ihre Großmutter und sich zu sorgen, was sie an ihre Grenzen bringt. Bis sie eines Tages ein schwarzes Pferd entdeckt, das ihre Mutter versteckt hatte - einen Springer, der zu einem Schachspiel gehört. Einem Schachspiel, das sich auf dem Anwesen Kettlewood Hall befindet, zu dem sich Iris auf den Weg macht. Unerwartet freundlich wird sie dort aufgenommen. Doch das hat einen Grund: Eine Partie Schach wartet auf sie, und sie ist unfreiwillige Teilnehmerin. Womit sie mit ihrer Seele spielt...
 
MEINE MEINUNG
Maja Ilisch hat ein Händchen für düstere, leicht schaurige Stoffe - das hat sie in ihrem Debüt gezeigt und das zeigt sie auch in "Die Spiegel von Kettlewood Hall" erneut. Wieder geht es um ein junges Mädchen, das ein Geheimnis lüften will und dabei mit allerlei seltsamen und gefährlichen Geschehnissen in Berührung kommt. Der Schreibstil ist sehr angenehm, trotz des Jahrhunderts, in dem die Geschichte spielt, und die Ich-Perspektive lädt dazu ein, der Protagonistin in den Kopf zu schauen. Doch wie schon im Erstling um das "Puppenzimmer" lässt die zweite Hälfte wieder stark in der Qualität nach und verläuft sich letztendlich irgendwo im Mittelmaß.

Iris ist für ihre 14 Jahre sehr reif, was sicherlich der Zeit geschuldet ist. Sie muss arbeiten und Geld verdienen, wünscht sich aber eigentlich so viel mehr: Sie möchte etwas lernen und sie möchte nicht so früh sterben wie es ihrer Mutter passiert ist. Ihr Mut ist bewundernswert und sie steht auch für sich selbst ein, lässt sich aber fast genauso oft auch an der Nase herumführen, was sie viel zu schnell verzeiht. Neben ihr lernt man noch Mr. Whitham kennen, ihren Lehrer, der ihr das Schachspiel beibringt, sowie die illustre Gemeinschaft, die im Anwesen Kettlewood Hall lebt: Da ist der gutaussehende Victor, der natürlich relativ schnell der Angebetete wird, der sich nie so recht entscheiden kann, ob er nun geheimnisvoll tun oder helfen will; da ist der junge Toby, der einige Fehler hat, ihr aber auch aktiv zur Seite steht; oder die zwei jüngeren Mädchen, Schwestern, die sich beide viel älter verhalten als sie aussehen. Die übrigen Charaktere bleiben leider sehr schemenhaft, was aber auch damit zusammen hängt, dass sie deutlich weniger Platz einnehmen.

Die erste Hälfte des Romans ist wunderbar: Hier lernt man Iris' Lebensumstände kennen, ihren Wunsch nach mehr, und erste Prinzipien des Schachspiels, für das sie eine Leidenschaft entwickelt. Nach ihrer Ankunft im Anwesen wird es durchaus schaurig mit den Spiegeln, in denen Bewegungen auszumachen sind, oder Menschen, die mal Geister sind und mal nicht. Enttäuschend ist aber, dass Iris entgegen meiner Erwartung keines der Geheimnisse selbst aufdecken muss - alle Bewohner geben sich zwar immer übertrieben geheimnisvoll und erklären des Öfteren, dass sie nichts verraten dürfen, aber wenn es mal Erklärungen gibt, dann grundsätzlich nur durch diese Menschen selbst. Iris bleibt dabei fast schon passiv, läuft nur von einem Raum in den nächsten, spielt ab und zu Schach und träumt von Victor, stolpert in die Lösungen aber eher rein. Dafür ist der Schluss überzeugend, der zwar keine Spannung zum Nägelkauen mit sich bringt, aber durchaus interessant ist und auch zum Rest passt. Nur Überraschungen bleiben aus, weswegen die Gefühle über leichte Zufriedenheiten nicht hinausgehen.
 
FAZIT 
"Die Spiegel von Kettlewood Hall" überzeugt mit einer spannungsreichen ersten Hälfte, die schaurig und atmosphärisch anmutet. Danach allerdings tritt die Handlung relativ lange auf der Stelle, weil auch die Protagonistin relativ wenige Geheimnisse selbst lösen muss. Da fehlte mir irgendwie das Feuer, das ich erwartet hatte. So bleibt es bei 3 Punkten.

  
https://www.droemer-knaur.de/buch/9558806/die-spiegel-von-kettlewood-hall

[Statistik] Monatsrückblick April

Nach dem sehr schlechten März hatte ich im April einiges aufzuholen - und ich habe mein Bestes getan. Das war zwar noch nicht genug, um beim Leseziel wieder on track zu sein, aber ich komme dem wieder näher. Durch die vielen Feiertage im Mai könnte dieser Wunsch sogar Wirklichkeit werden - allerdings habe ich auch wieder so viel vor...

#Gelesen im April: 7 Bücher

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1. Artemis von Andy Weir [2,5*]
2. Die letzte Reise der Meerjungfrau von Imogen Hermes Gowar [3,5*]
3. Die Klinge des Schicksals von Markus Heitz [4*] 
4. Palace of Glass von C. E. Bernard [gute 2*] - Rezension folgt
5. Exit, Pursued by a Bear von E. K. Johnston [5*]
6. Die Spiegel von Kettlewood Hall von Maja Ilisch [3*] - Rezension folgt
7. Crooked Kingdom von Leigh Bardugo [4,5*]  

Gelesene Seiten: 3210
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: ca. 459
 Gelesene Seiten pro Tag: etwa 107
Durchschnittsbewertung: 3,5*

Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal in einem einzigen Monat so viel gelesen habe. Irgendwie hatte mich nach dem Desaster im März doch der Ehrgeiz gepackt, und damit lief es wirklich erstaunlich gut. Viel erstaunlicher ist aber, dass ich in diesen 30 Tagen endlich mal zwei richtig gute Bücher gelesen habe, während ich die vier Monate zuvor kein Einziges dabei hatte. "Exit, Pursued by a Bear" und "Crooked Kingdom" sind großartige Romane, die ich beide nur empfehlen kann. "Palace of Glass" kann man sich dagegen eher sparen.

 # Geschaut im April: 2 Kinofilme

Bildergebnis für gringo plakatMein letzter Kinobesuch 

1. Gringo [2*] - Kurzspot folgt
2. A Quiet Place  [5*]

Durchschnittsbewertung: 3,5*

Im April war ich mal wieder öfter im Kino als zuvor und wie man sieht, nein, war ich noch nicht im neuen "Avengers" - da mein Mainzer Freundeskreis irgendwie von Banausen bevölkert ist, wird das auch nichts vor Mitte des Monats in meiner Heimat. Stattdessen habe ich "Gringo" gesehen, was ich wirklich bereue (vor allem dem Geld trauere ich nach). "A Quiet Place" war dafür genial und ist absolut sehenswert.


# Gesuchtet im April: 7 Serien

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1. Santa Clarita Diet: Staffel 2 [knappe 4,5*] - Rezension folgt
2. Unbreakable Kimmy Schmidt: Staffel 1, Folgen 1-5 [knappe 4*]
3. Lost in Space: Staffel 1, Folgen 1 - 4 [3*]
4. The Punisher: Staffel 1, Folgen 8 & 9 [3,5*]
5. Happy!: Staffel 1 [sehr gute 4,5*] - Rezension folgt
6. The Alienist: Staffel 1 [gute 4*] - Rezension folgt 
7. The Good Place: Staffel 2, Folgen 1-8 [sehr gute 4*] - Rezension folgt  


Wie habe ich eigentlich letzten Monat so viel schaffen können? Ich weiß es auch nicht - meine Tage müssen 48 Stunden gehabt haben. Die 2. Staffel von "Santa Clarita Diet" hat mir noch besser gefallen als die 1. und ist richtig gute Unterhaltung. Als zweite Comedy-Serie habe ich noch "Unbreakable Kimmy Schmidt" begonnen, die oft echt unrealistisch ist, aber Herz beweist. "Lost in Space" war ziemlich mittelmäßig, da habe ich irgendwann das Interesse verloren, und auch den "Punisher" finde ich immer noch unfassbar langweilig - so viel Gerede, so wenig Action. "Happy!" ist dafür mal etwas richtig, richtig anderes, "The Alienist" kann mit dem Setting überzeugen, und "The Good Place" zieht bei den letzten Folgen der 2. Staffel jetzt noch einmal richtig an.
  
# Neuzugänge im April: 9 Bücher


Neuer SuB-Stand Mai: 82

"Zu viele", damit könnte man die Neuzugänge des Aprils ganz gut umschreiben. Bisher sieht es mit dem Ziel, den SuB bis Jahresende auf 50 zu reduzieren wirklich denkbar schlecht aus. Aber es erscheinen auf einfach zu viele schöne Bücher! 

Immerhin habe ich den Großteil meiner Neuzugänge auch schon gelesen. "Die letzte Reise der Meerjungfrau" ist ein bisschen hübscher anzusehen als zu lesen, und ähnlich verhält es sich mit "Die Spiegel von Kettlewood Hall". "Only Human" ist ein nicht perfekter, aber würdiger Abschluss der Themis Files-Trilogie, und "Crooked Kingdom" hat mit schrecklich zum Weinen gebracht. "Fallende Stadt" ist meine aktuelle Lektüre und wird bald beendet.

"Blackfish City" war ein Spontankauf, nachdem ich als Konsumopfer wieder einmal dem 20%-Gutschein von Thalia nicht widerstehen konnte. Dabei habe ich dann auch direkt Band 3 der "Bone Season"-Reihe erstanden (die leider nicht weiter übersetzt wird) und "Circe", das einfach wunderschön ist. Zuletzt ist "Zeitenfeuer" bei mir eingezogen, auf das ich nach dem tollen 1. Teil schon wahnsinnig gespannt bin.
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Zwar muss ich im April nun noch mindestens einen Film des Vormonats nachholen (die "Avengers" natürlich) - aber davon abgesehen läuft auch genug Frisches, das richtig gut klingt. Und dabei hat der Kinosommer noch gar nicht angefangen...

No Way Out - Gegen die Flammen7 Tage in EntebbeEleanor & ColetteGutlandRampage - Big Meets BiggerIsle of Dogs - Ataris ReiseI Feel PrettyWas werden die Leute sagenDeadpool 2Nach einer wahren GeschichteSolo - A Star Wars StoryEuphoriaThe Happy PrinceLetztendlich sind wir dem Universum egalFeinde - HostilesTully

Will ich auf jeden Fall sehen: "Deadpool 2" ist selbstverständlich schon fest eingeplant - den merc with a mouth werde ich mir ganz sicher nicht entgehen lassen. Mit Eva Green kann man mir auch praktisch alles verkaufen, weswegen sowohl "Nach einer wahren Geschichte" als auch "Euphoria" sehr weit oben auf meiner Liste stehen. Und "Was werden dei Leute sagen" klingt nach einer tollen Coming-of-Age-Geschichte einer Pakistanerin, die ich gern sehen würde.

Will ich vielleicht sehen: Vieles würde ich gern anschauen, aber klappen wird es wahrscheinlich nicht. "Eleanor & Colette" klingt berührend, und "No Way Out" hat richtig gute Kritiken eingefahren. Den Frederick Lau mag ich sehr gern, daher interessiert mich auch "Gutland" und sowohl "Hostiles" als auch "Tully" warten mit tollem Cast auf.

Will ich nicht (im Kino) sehen: Der Rest reicht wahrscheinlich auch im Free-TV oder als DVD. Insbesondere "Letztendlich sind wir dem Universum egal" muss ich nicht sehen, da war nämlich schon das Buch so schlecht. "I Feel Pretty" habe ich gefühlt schon hundertmal gesehen und da ich kein Star Wars-Fan bin, ist auch "Solo" wohl eher nichts für mich.

 
Wie lief euer April?

[Buchrezension] Palace of Glass - C.E. Bernard

Heute hat auch der Prinz mich angesehen. Er hat mich angesehen, als wäre ich schön. Und so wage ich es für einen kurzen Moment, mich im Spiegel zu betrachten. Ein schneller, faszinierter Blick, bevor ich mir das Nachthemd über den Kopf ziehe. Glühende Scham brennt in mir, aber da ist auch dieses Gefühl der Verzauberung, das mich heute überfallen hat. Ich habe ein Märchenschloss gefunden. Und in dem Märchenschloss wohnt sogar ein Prinz.
Zu schade, dass er mich hinrichten lassen würde, wenn er wüsste, was ich bin.

INHALT
Seit Jahren werden die Magdalenen verfolgt: Menschen, die durch bloße Berührungen Gedanken lesen und andere dadurch theoretisch kontrollieren und manipulieren können. Die junge Rea gehört zu ihnen und muss ihre Gabe um jeden Preis verbergen - wenn nicht, würde sie gefangen und wahrscheinlich getötet. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Schneiderin, doch nachts kämpft sie mit bloßen Händen im Untergrund, um ihr Bedürfnis nach Berührungen zu stillen. Bei einem dieser Kämpfe wird sie beobachtet - und gegen ihren Willen in den Palast des Königs gebracht. Mit ihren Fähigkeiten soll sie eine neue Leibwache für den Prinzen werden. Einen Prinzen, der ungeahnte Gefühle in ihr auslöst. Und der sie hassen würde, wüsste er, was sie für Fähigkeiten besitzt...

MEINE MEINUNG
Gut geschriebene Klappentexte haben eine magische Wirkung auf mich: Obwohl Romantasy meistens nicht (mehr) mein Genre ist, versuche ich es bei tollen Ideen doch immer wieder, jedes Mal auf der Suche nach einer Perle. "Palace of Glass: Die Wächterin" klang nach einer eben solchen: Eine Welt, die mit den Schleppen und Outfits an "A Handmaid's Tale" erinnert und ebenso in einer Zukunft spielt, die in Sachen Gesellschaft wie das 19. Jahrhundert wirkt - solche Settings haben es mir einfach angetan. Leider macht das Buch aber genau damit relativ wenig und verstrickt sich lieber in den üblichen Klischees.

Protagonistin Rea ist, wie könnte es anders sein, natürlich mal wieder etwas ganz Besonderes. Sie ist eine Magdalena, die die Gedanken anderer durch Berührungen in Erfahrung bringen kann, was sie zu einer guten Untergrundkämpferin macht - aber nur ohne Handschuhe natürlich, was eigentlich verboten ist. Ihre Fähigkeiten sind eigentlich relativ interessant, nur hat sie ansonsten keinerlei Eigenschaften, die beeindrucken. Genauso verhält es sich auch mit Love-Interest Robin, dem Prinzen, der eine außerordentlich schwache Person ist und sich von Mutter und Vater alles vorschreiben lässt - unter anderem auch, Rea auszupeitschen, was diese aber gar nicht schlimm findet. Was ein Glück. Die Nebenfiguren wissen da schon ein wenig mehr zu überzeugen, insbesondere die geheimnisvolle und offene Comtess Ninon, aber da diese deutlich weniger Platz einnehmen als die Hauptfiguren, macht das nicht viel wett.

Während der Beginn mit Reas Geheimnis und ihrer Einführung in den Palast und ihre Arbeit noch ganz interessant ist, wird der Fantasyroman bald zu einer einfachen Liebesgeschichte. Rea und Robin schmachten sich gegenseitig an, wobei ich diese Anziehung so gar nicht nachvollziehen konnte - da ist keinerlei Chemie, erst recht nicht nach der Auspeitschung (nach der Rea ihre Schmerzen übrigens nur einfallen, wenn sie nicht gerade vom Prinzen berührt wird). Es werden immer wieder einige Dinge über Magdalenen erklärt und das Prinzip der Haut- und Seelengier, die diese Menschen nach Berührungen lechzen lässt, fand ich ich interessant. In diesem Zusammenhang taucht aber auch immer wieder eine "Kreatur" auf, die wohl Reas Wunsch nach Nähe ausdrücken soll, allerdings einfach permanent da ist und das auch in Momenten, in denen sie tatsächlich berührt wird. Ich bin hier nicht sicher, ob die Autorin eigentlich selbst weiß, was sie damit sagen möchte. Zum Schluss hin wird es wieder etwas spannender, dramatisch fast schon, aber die Geschichte hätte hier gut enden können. Band 2 und 3, in denen - geht man vom Klappentext aus - hauptsächlich die Liebesgeschichte künstlich verlängert wird, wären wohl prinzipiell keine Notwendigkeit gewesen.

FAZIT 
Das Romantasy-Genre ist überlaufen von Büchern, die irgendwie immer die gleiche Geschichte erzählen, und auch "Palace of Glass: Die Wächterin" bildet da leider keine Ausnahme. Blasse Figuren, eine langweilige Liebesgeschichte und wenig Spannung wissen nicht wirklich zu begeistern. 2 Punkte. 

 
https://www.randomhouse.de/Paperback/Palace-of-Glass-Die-Waechterin/C.-E.-Bernard/Penhaligon/e520263.rhd

[Buchrezension] Exit, Pursued by a Bear - E. K. Johnston

He's just standing there, looking at me.
I return his stare, confused, until he looks away. And then I know. He's afraid. He's afraid that if he touches me, I'll forget that he's my dad. That he's the one who dug the pit for my trampoline and installed all the mats after all those safety reports got released. That he's the first person who ever threw me up into the air and caught me. That he's the one wo thaught me to drive and do cartwheel and catch a football and stand on my head. 
He's afraid that if he touches me, I'll forget that he's my dad, not my rapist.
So he doesn't hug me. He just stands there, looking at the new carpet. And finally, finally, I really start to cry.

INHALT
Hermione Winters ist erfolgreiche Cheerleaderin und eines der beliebtesten Mädchen ihrer Schule. Nichts scheint dieses letzte Jahr an ihrer Highschool verderben zu können, alles sieht danach aus, Geschichte zu schreiben. Bis das Undenkbare geschieht: Im Cheerleading-Camp wird ihr eines Abends etwas ins Getränk gemischt und am nächsten Tag erwacht sie ohne jegliche Erinnerungen. Klar ist: Sie wurde vergewaltigt. Von nun an ist alles anders, angsterfüllt. Aber zum Glück hat Hermione Freunde und Familie, die fest zu ihr halten und ihre bei jedem Schritt helfen.

MEINE MEINUNG
Es gibt so viele Bücher über das Thema Vergewaltigung, aber das macht das Thema weder weniger wichtig noch weniger schwer. So oft wird von Mädchen - oder Jungen - erzählt, die in eine Abwärtsspirale gelangen und keinen Ausweg mehr sehen. Und viel zu oft ist das leider auch die tragische Realität. "Exit, Pursued by a Bear" beschönigt ebenfalls nichts. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Romanen hat die Protagonistin hier ein Sicherheitsnetz, ein sehr gutes sogar, sie wird geliebt und unterstützt. Das hilft einem durch die bedrückendsten Szenen, denn man weiß: Es gibt Menschen, die sich kümmern. Der Schreibstil ist jugendlich, aber nicht umgangssprachlich, und besonders die Gedankengänge der jungen Hauptfigur sind so realistisch, dass man sich darin wiederfindet, auch wenn einem selbst so etwas nie passiert ist.

Auf den ersten 40 Seiten lernt man Protagonistin Hermione und ihren Freundeskreis kennen und ziemlich schnell lieben - weswegen einen das Ereignis dann nur um so mehr mitnimmt. Was passiert, geht ans Herz, erschreckt und macht wütend - und hat mich sehr schnell Tränen vergießen lassen. Explizit wird hier nichts beschrieben, aber die Auswirkungen reichen. Und trotzdem ist es wunderschön zu sehen, wie nicht nur Hermione selbst damit umgeht, nämlich indem sie beschließt zu kämpfen, sondern auch, was sie für Rückhalt aus ihrer Umgebung erhält. Ihre beste Freundin Polly ist ein Schatz, den man jedem Menschen nur wünschen kann, und auch ihre Cheerleader-Truppe stärkt ihr (größtenteils) den Rücken. Natürlich gibt es Victim Shaming, das wird hier nicht verheimlicht, und auch schwere Entscheidungen sind zu treffen. Aber genau dabei helfen Familie, Freunde und ein Therapeut, und es tut gut zu sehen, wie die Liebe der Menschen Mut macht. Es ist vielleicht das positivste Buch zum Thema, aber komplett ohne Sensibilität vermissen zu lassen, und so ist es keine bedrückende Lektüre, sondern im Gegenteil eine, die Hoffnung schenkt.

FAZIT 
"Exit, Pursued by a Bear" befasst sich mit dem Thema Vergewaltigung, und das auf sensible, berührende, authentische Weise - die größte Besonderheit ist aber, dass es hier so viel Hoffnung gibt: Hoffnung darauf, dass es ein funktionierendes Sicherheitsnetz geben kann, und Hoffnung darauf, dass das Leben lebenswert bleibt. Ein wichtiges Buch, das ich nur empfehlen kann. 5 Punkte.

 
https://www.goodreads.com/book/show/25528801-exit-pursued-by-a-bear

[ETC] Bücher, Filme, Hörbücher: Muss man sich entscheiden?

[WERBUNG] Bekanntermaßen - sonst hätte ich ja den Blog nicht - liebe ich Bücher und Filme. Könnte mich quasi den ganzen Tag damit beschäftigen: Empfehlungen aussprechen, leidenschaftlich debattieren, in Neuerscheinungen wühlen. Und darüber schreiben natürlich. Daher verbinde ich diese beiden Medien heute in einem einzigen Post - und lasse selbstverständlich auch die Hörbücher nicht einfach so stehen. 

Drei Medien - drei Arten der Erzählung - drei Vorteile


Bücher und ihre Welten

Die Geschichte des Buchdrucks dürfte bekannt sein: Früher noch wurden Bücher handschriftlich von wenigen Spezialisten verfasst und waren daher nur in sehr kleiner Auflage zu haben. Revolutioniert wurde das Prinzip mit der Erfindung der Druckerpresse im 15. Jahrhundert durch Johannes Gutenberg, und zwar in Mainz, wo ich seit 2016 lebe. Ein Zufall, aber dafür ein schöner.

Bücher waren und sind ein Medium, um Wissen zu vermitteln, und mit der Druckerpresse konnten sie auch endlich in größerer Menge unter die Menschen gebracht werden. Aber abseits von Wissen und Informationen schätzen Leser wie ich - wie wir - ja vor allem eines: In fremde Welten entführt zu werden. Menschen kennen lernen zu können, ohne dafür überhaupt das Haus zu verlassen; Abenteuer zu erleben, ohne die Jogginghose auszuziehen; Magie zu erleben, ohne die Fähigkeit zu besitzen (und ohne einen Gedanken an die Unmöglichkeit zu verschwenden). Wo man steht, geht, liegt: Plötzlich ist man an einem anderen Ort, vielleicht zu einer anderen Zeit. Der schönste (oder schlimmste?) Moment ist immer noch der, wenn man nach Stunden des Lesens wieder aus einer Geschichte auftaucht und feststellt, dass es schon viel zu spät ist...und dann entscheiden muss, ob einem nun der Schlaf wichtiger ist, oder zu erfahren, wie es weitergeht.

Und weil es sie in jedem Format gibt, hat man auch für jede Gelegenheit das richtige Buch zur Hand: Wunderschöne, gut in der Hand liegende Hardcover vor dem Kamin oder kleine, leichte Taschenbücher im Zug - alles ist möglich. Und selbst wenn es dann mal das falsche Buch zum falschen Zeitpunkt ist...der Geruch entschädigt doch für alles.
 
Filme und ihre Bilder

Wer dann aber mal keine Lust darauf hat, sich Szenerien und Charaktere selbst vorstellen zu müssen, kann immer noch auf Filme zurückgreifen. Erste bewegte Bilder wurden 1888 gedreht, von 1895 bis 1927 gab es die Stummfilme - jeder wird sicherlich schon einmal von Charlie Chaplin und seinen Slapstick-Komödien gehört haben. Danach ging die Entwicklung rasant weiter - erst kam der Ton, dann die Farbe, wie wir sie heute kennen, und schließlich wurde die Technik immer ausgefeilter. So sind heute CGI und 3D keine Seltenheit mehr. Und damit wird auch die Bandbreite an Themen größer, die verfilmt werden können.

Ob nun romantische Komödien für ein gefühlvolles Publikum, Science-Fiction für Zuschauer, die fremde Planeten erleben wollen, oder Action-Spektakel, die uns richtig durchschütteln - Filmen gelingt es, uns für wenige Stunden komplett zu entführen, uns eine Geschichte zu erzählen und dann wieder zu entlassen...zumindest soweit es unser Kopf zulässt. Und das Praktischste ist: Selbst müssen wir nichts dafür tun. Uns nur zurücklehnen, einfach nur zuschauen, das reicht völlig. Regisseure, Schauspieler und Crew haben für alles gesorgt (außer für Popcorn vielleicht) und wir dürfen genießen.

Wer noch nicht auf der Kante eines Platzes gesessen hat, unfähig, den Blick zu lösen, der hat noch nicht "Dunkirk" geschaut. Wer noch nicht die halbe Nacht wachgelegen hat, um über einen Schluss nachzudenken, hat sich bisher "Brokeback Mountain" entgehen lassen. Aber man sei gewarnt: Hat man das alles einmal erlebt, möchte man das Gefühl nicht mehr missen.


Hörbücher und ihre Stimmen

1920 gab es erste Schallplatten von Dichterlesungen und Kabarettisten, nach dem 2. Weltkrieg entstanden dann auch die ersten Hörbücher. Der Name geht auf eine 1954 gegründete Blindenhörbücherei zurück, und im selben Jahr erschien Goethes Faust erstmalig in der Hörfassung. Aber erst in den 90ern entstanden Hörbuchverlage, wie wir sie heute kennen - und mittlerweile sind Hörbücher besonders als Downloads auf dem Vormarsch. Das bekannteste Portal für gelesene Werke zum Herunterladen ist wohl Audible, das mittlerweile auch eigene Podcasts aufzeichnet und auch ein audible magazin betreibt, in dem die besten Neuerscheinungen, Genre-Tips und Interviews mit Autoren erscheinen - und das sich auch selbst der Thematik der Unterschiede zwischen Büchern, Hörbüchern und Filmen angenommen hat.

Hörbücher vereinen in gewisser Weise das Medium Buch und das Medium Film. Auf der einen Seite kann der Fantasie freien Lauf gelassen werden, der eigenen Vorstellung sind keine Grenzen gesetzt - und auf der anderen Seite hört man die Dinge, den Figuren wird also eine Stimme verliehen, die über das eigene Lesen hinaus geht. Nicht umsonst sind die beliebtesten Hörbücher diejenigen, die von bekannten Persönlichkeiten wie Schauspielern gelesen werden - oder auch von Synchronsprechern unserer liebsten ausländischen Darsteller. David Nathan, Sprecher von Johnny Depp und Christian Baleliest zum Beispiel "Ready Player One" und viele Bücher von Stephen King. Marius Clarén, der unter anderem Jake Gyllenhaal die Stimme leiht, liest auch die gesamte "Percy Jackson"-Reihe. Und Klassiker wie "Macbeth" werden von Schauspielerin Katharina Thalbach gesprochen. Wer möchte sich nicht von den Stimmen seiner liebsten Stars in fremde Welten entführen lassen?

Der größte Vorteil ist aber, dass man sie überall mit hinnehmen kann, in jeder Tasche, an jeden Ort (sofern man ein elektronisches Gerät dabei hat). Das ist auch der Aspekt, der mich immer wieder reizt - warum drei Bücher im Handgepäck nehmen, wenn ich doch nur mein Handy mit in den Zug nehmen muss, um zu erfahren, wer der Mörder ist? Für Vielreisende und Autofahrer sind Hörbücher wohl das Allzweckmittel schlechthin.

Muss man sich entscheiden?

Fakt ist: Alle drei Medien erzählen auf ihre Art Geschichten, sie alle haben ihreganz eigenen Nutzen und sprechen uns in verschiedensten Situationen an. Daher ist es auch unmöglich zu sagen, mit welchem Medium eine Erzählung am besten verwirklicht wird. Nicht umsonst wird immer wieder versucht, Bücher auch auf die große Leinwand zu bringen - und wenn es funktioniert, ist es ein tolles Gefühl. Genauso verhält es sich, wenn ein viel geliebtes Buch noch einmal zum Leben erwacht, indem man es hört. Für jeden Topf gibt es den passenden Deckel, wie man so schön sagt - aber manchmal sind es vielleicht auch drei. Warum soll eine Erzählung nicht als Buch genauso toll sein wie als Hörbuch oder als Film? 

Was liebt ihr so an Büchern, Hörbüchern und Filmen?

- Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Audible Magazin entstanden, wurde aber von mir selbst verfasst -

Meine aktuelle Lektüre

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"Zeitenfeuer" von Michael J. Sullivan [231/624]

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"Avengers: Infinity War" am 17.05.

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