Back Down to Earth


[Filmrezension] Polar


 

"Versuche, dich nicht zu fürchten."

STORY
Jahrzehnte lang hat Duncan Vizlar als Assassine gearbeitet und seinem Auftraggeber Reichtum und Ansehen beschert. Nun ist es Zeit für seinen Ruhestand und vor allem für die Millionen, die sein Chef ihm schuldet. Dieser sieht das aber gar nicht ein: Lieber setzt er andere Auftragskiller darauf an, Vizlar zu töten, als diesem auszuzahlen, was ihm zusteht. Doch nicht umsonst hat der Killer den Beinamen "Schwarzer Kaiser", und so beginnt eine brutale, blutige Hetzjagd...

MEINE MEINUNG
Mads Mikkelsen und Auftragskiller in einem Film, geht es noch besser? Das Netflix Original "Polar" basiert auf dem gleichnamigen Comic, ist also entgegen erster Vermutungen kein "John Wick"-Abklatsch, sondern die Verfilmung nutzt höchstens den Hype. Regisseur Jonas Åkerlund hat bisher vor allem Musikvideos gedreht und ist erst seit 2017 auch mit größeren Projekten beschäfigt - und man ahnt auch schnell wieso. Es mag vielleicht ebenfalls am Drehbuch liegen, aber bereits nach kürzester Zeit hat man das Gefühl, der Film bestehe aus vielen einzelnen Versatzstücken, die nicht recht zusammen passen.

Da ist zum einen nämlich Protagonist Duncan Vizlar, der sich in die Einöde einer Berglandschaft zurück zieht und erst einmal lange nicht ahnt, dass er überhaupt gesucht wird. Großartig düster und schmerzhaft gespielt von Mads Mikkelsen ist er - überraschenderweise - gemeinsam mit Vanessa Hudgens als seine ruhige und traumatisierte Nachbarin der einzige Lichtblick. Davon abgesehen ist der Zuschauer aber gezwungen, den anderen Auftragskillern durch quietschbunte Szenerien, nervtötende Dialoge und ein paar effekthascherische Morde zu folgen, was sich vollkommen vom anderen Erzählstrang unterscheidet. Vor allem haben diese Nebencharaktere absolut keine Eigenschaften, das Interesse an ihnen tendiert gegen Null. Und als wäre das nicht schlimm genug, scheinen die weiblichen Figuren nur vorzukommen, um extrem leicht bekleidet ihre jeweiligen Reize in die Kamera zu halten, und das immer und immer wieder. Auch ohne zu wissen, von wem der Film stammt, ist einem direkt klar, dass der Regisseur männlich ist.

Bildergebnis für polar netflix scene
Vanessa Hudgens spielt die einzige Frau, die auch mal angezogen ist
Insgesamt scheint der Streifen vor allem darauf angelegt zu sein, beim Zuschauer Ekel oder Lust zu erzeugen, aber nichts dazwischen. Die Gewaltszenen sind exzessiv und brutal, die Dialoge dagegen banal und langwierig. Dazwischen immer wieder nackte Körperteile und in der Mitte des Filmes dann auch noch eine schon an einen Porno erinnernde Sexszene. Genug ist irgendwann genug, da rollten sich auch bei mir gefühlt die Fußnägel auf. Der Film will so verzweifelt bunt sein wie "Kingsman", actionreich wie "John Wick" und edgy wie "Pulp Fiction", dass einerseits nichts eigenes dabei herauskommt, und andererseits ein Potpourri der negativsten Art. Am Ende verfolgen einen vor allem Albträume darüber, dass es einen zweiten Teil geben könnte - und wenn man sich den Schluss anschaut, ist das eventuell tatsächlich geplant. Der dann aber ohne mich.

FAZIT 
"Polar" war meine heiß ersehnteste Neuerscheinung im Januar und selten wurde ich so enttäuscht. Mads Mikkelsen ist für mich üblicherweise ein Garant für unterhaltsame, teils auch wirklich tiefgehende Filme, aber hier hat gar nichts gepasst. Was diesen Schauspieler getrieben hat, für einen solch überdrehten und überladenen, teil schon widerwärtigen Streifen zu unterschrieben, ist mir komplett schleiferhaft. Man spare sich die Zeit! 1,5 Punkte nur für Mikkelsen und Hudgens.

 

   Kommentare:

  1. Also ich stehe ja echt auf abgedrehte Filme, aber der war wirklich grenzwertig. Besonders schlimm fand ich die (ja man muss es sagen) pornografischen Szenen. Ich verstehe wirklich nicht, wie Ruby O. Fee sich für diese schrecklich dumme Rolle entscheiden konnte. Es ist nicht so, dass ich sie sonst als Schauspielerin toll finde, aber das war richtig unangenehm anzuschauen.

    Fast genauso schlimm war nur das "dramatische" Ende, was gar nicht wirken konnte, weil der Film vorher so lächerlich war. Ich kann ihn auch schlecht in ein Genre einordnen. Nicht jugendfreie Killerkomödie wahrscheinlich xD

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  2. Ist halt auch nicht alles Gold, was bei Netflix so über den Bildschirm flimmert. Da hilft dann auch kein Mads Mikkelsen mehr.

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  3. Ich habe leider bisher nur negatives über Polar gehört, sodass ich mir den trotz Mads Mikkelsen wohl sparen werde. Leider habe ich bei Netflix filmen schon mehrfach einen Fehlgriff gemacht, sodass mich das jetzt gar nicht so überrascht. Richtig schlecht fand ich da Apostle und How It Ends. Die kann ich auch beide überhaupt nicht empfehlen, weil es da auch keinerlei Handlung gibt und erster dann sowas von Brutal wird, nachder er erstmal nur vor sich hindümpelt. Da hat Netflix also echt Aufholbedarf und ich habe gerade im Filmbereich immer mehr das Gefühhl das man da auf Masse anstatt auf wirkliche Qualität setzt. Gefallen haben mir da bisher nur die Rom-Coms und da sind die Erwartungen halt auch nicht so hoch und "Outlaw King", der ist echt nicht schlecht.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar ;). Das kann ich aber nachvollziehen und die Auszeit sollte man sich auch nehmen.

    Ja angenehm war das echt nicht, aber Weihnachten ist ja zum Glück jedes Jahr, ich genieße das nun 2019 umso mehr. Hast du Glass denn schon gesehen? Ich habe auch gemischtes gehört und werde mir den deshalb auch auf der Couch anschauen. Wie Joseph Gordon-Levy schauspielert nicht mehr? Gibt es da nen bestimmten Grund für?

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Die Bloggerin

Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, → klicke hier

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