Back Down to Earth


[Buchrezension] Monsters of Verity: Dieses wilde, wilde Lied - Victoria Schwab

"August." Emily legte ihm die Hand auf die Schulter und erst jetzt bemerkte er, dass er zitterte. "Es ist schon spät", meinte sie mit leiser, fester Stimme. Sie wischte ihm Blut von der Wange. Du gehst jetzt besser nach oben. Schließlich musst du morgen früh zur Schule."
Ein ersticktes Keuchen kämpfte sich durch seine Kehle.
Angesichts der Absurdität dieses Lebens, angesichts dieser Farce, hätte er am liebsten laut gelacht. Er wollte seine Geige nehmen und so lange spielen, bis sein Hunger verschwunden war, bis er aufhörte, sich wie ein Monster zu fühlen.

INHALT
Verity ist keine Stadt wie jede andere. Zuerst wurde sie nur von der Gewalt und den Taten der Menschen heim gesucht. Doch dann hat sie begonnen sich zu verändern - und seitdem bringt jedes Verbrechen ein leibhaftiges Monster hervor. Corsai, die sich von Knochen ernähren, Malchai, die Blut trinken und Sunai, die Seelen aufsaugen. Kate Harker lebt in dieser gefährlichen neuen Welt, privilegiert als die Tochter des Herrschers von North Verity. Sie will ihrem Vater endlich beweisen, dass sie eine Kämpferin und es wert ist, seine Nachfolge anzureten. Auf der anderen Seite, in South Verity, lebt August. Seine Familie herrscht ebenfalls, doch August selbst ist kein Mensch - sondern ein Sunai. Kate und August müssten sich hassen. Doch als sie plötzlich gejagt werden, bleibt ihnen keine andere Wahl, als sich zu verbünden.

MEINE MEINUNG
Victoria Schwab ist als Autorin im Genre der Fantasy zuhause, bleibt dort aber keiner Unterkategorie treu. Nach Hexen-Grusel und magischer High Fantasy ist "Dieses wilde, wilde Lied" der erste Band einer Urban Fantasy-Dilogie rund um echte und menschliche Monster. Im Gegensatz zu ihren anderen Werken hatte dieser Auftakt für mich keinerlei Längen - es geht rasant los und bleibt auch auf diesem Level. Abwechselnd erzählen Kate und August aus ihrer jeweiligen Sicht, beschränken sich dabei aber nicht auf komplette Kapitel, sondern wechseln sich, nachdem sie sich getroffen haben, auch mittendrin ab. Der Schreibstil ist knackig und prägnant, besitzt jedoch auch einige nachdenklich stimmende Passagen und vor allem sehr realistische Dialoge.

Obwohl August das tatsächliche Monster der beiden Protagonisten ist, ist er auch der ruhigere und sanftere der beiden. Vielleicht, weil er in einer liebevollen Umgebung aufgewachsen ist, in der er so angenommen wurde, wie er ist. Kate hingegen hat mehr den Drang sich zu beweisen, will tough wirken und so ihren Vater beeindrucken. Sie hat früh ihre Mutter verloren und seitdem kein wirkliches Familienleben mehr erlebt. Die beiden ergänzen sich in ihren jeweiligen Stärken und Schwächen sehr gut. Die Nebenfiguren sind dagegen nicht so stark ausgeprägt, dafür ist allerdings spätestens ab dem Moment der Flucht auch keine Zeit mehr. Die anderen beiden Sunais, mit denen August zusammenlebt, sind in ihrer Unterschiedlichkeit aber sehr spannend, während Kates Vater allerdings der typische Bösewicht ist.

Die Geschichte selbst ist nicht unbedingt die ausgeklügeltste und es werden durchaus einige Klischees bedient - wie etwa bei den Charakteren oder eben auch der unwahrscheinlichen Zusammenarbeit zwei solch arger Feinde -, aber die Umsetzung ist dafür durchweg fesselnd. Fast kein Kapitel endet ohne Cliffhanger, die beiden Charaktere sind beinahe kontinuierlich unterwegs und schlittern von einer gefährlichen Situation in die nächste. Ein bisschen lassen die Überraschungen zu wünschen übrig, von denen es nämlich nur wenige gibt, das macht die Autorin aber mit anderen Einfällen wieder wett. Besonders positiv ist auch, dass sich keine Liebesgeschichte in den Vordergrund drängt, sondern den wichtigen Ereignissen eindeutig Vorrang gegeben wird. So kommt bis zum Schluss keine Langeweile auf, und bei diesem werden dann noch einmal alle Register gezogen. Das Warten auf Band 2 fällt einem da schwer, aber zum Glück ist der ja schon erschienen. 

FAZIT
Victoria Schwab konnte mich bisher nie komplett überzeugen, aber mit dem ersten Band ihrer "Monsters of Verity"-Dilogie hat sie genau mein Tempo getroffen. Die Handlung ist rasant, die Protagonisten sind glaubwürdig, die Idee ist toll. Ein kurzweiliges Lesevergnügen insgesamt. 4 Punkte!

 

  1 Kommentar:

  1. Das Buch steht bei mir auch auf der Wunschliste und wenn ich deine Kritik so lese, dann steht es da auch zurecht. Klar, dass Klischees bedient werden ist schade, aber großer Pluspunkt ist für mich, wenn die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht. Das stört mich in vielen Young Adult Romanen. Ich habe nichts gegen eine süße Lovestory, aber bitte als Nebenhandlung. Der Fokus muss für mich einfach auf der Handlung liegen.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Sonne,
    das Datum stammt aus dem Promo für die kommende Staffel ;). Finde es aber auch komisch, dass Netflix da so wenig Promotion gemacht hat, denn The OA kam ja bei den Zuschauern doch an. Ich habe die erste Staffel noch nicht gesehen, da hat mir bisher die Zeit gefehlt. Ich werde auf jeden Fall mein Fazit zu "The Order" teile, lege damit auch in den kommenden Tagen schon los. Ich liebe ja das Genre und stimmt, viele der Elemente sind bekannt, aber mir gefällt schonmal das die Figuren nicht mehr in der High School, sondern am College sind. Und gerade von Magie bekomme ich nie genug :D. Bin aber mal gespannt was du zu "After Life" sagst, da bin ich mir nämlich unsicher, ob das was für mich ist.

    Mir macht auch die lange Pause ziemlich Sorgen, denn persönlch bin ich da doch etwas raus. Mal schauen, wie flott ich da wieder reinfinde und wie sich der Stil der Serie durch den Showrunner-Wechsel verändert hat. Vielleicht ist das ja auch positiv, denn die erste Staffel hatte schon so ihre Längen. Etwas mehr Pepp würde dem ganzen stellenweise gut tun.

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Die Bloggerin

Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, → klicke hier

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