Back Down to Earth


[Buchrezension] Simon vs. the Homo Sapiens Agenda - Becky Albertalli

I wonder how it's going for Blue. I wonder if Blue is feeling the same flutter in his stomach that I feel right now. Actually, he's probably feeling more than a flutter. He's probably so nauseated he can hardly choke the words out.
My Blue.
It's weird. I almost think I did this for him.
"What are you going to do?" Abby asks. "Are you going to tell people?"
I pause. "I don't know," I say. I haven't really thought about it. "I mean, eventually, yeah."
"Okay, well, I love you," she says.
She pokes me in the cheek. And then we go home.

INHALT
Simon ist schwul - aber bisher hat er davon niemandem erzählt. Niemandem bis auf Blue, mit dem er seit einigen Monaten Mails austauscht und mit dem er sich tief verbunden fühlt. Bis eben jene Mails einem Schulkameraden von ihm in die Hände fallen, der ihn damit erpresst. Nun muss Simon sich entscheiden: Geht er auf die Erpressungen ein und tut, was von ihm verlangt wird? Outet er sich? Er hat keine Ahnung, was letzteres für ihn und Blue bedeuten würde - und ob dieser überhaupt genauso wie Simon fühlt.

MEINE MEINUNG
An Simon Spier und seinen Freunden kommt man seit zwei Jahren schon quasi nicht mehr vorbei - und jetzt, wo die Verfilmung im Kino läuft, sowieso nicht mehr. Und das ist gut so, denn eventuell entgeht einem ansonsten eine wunderbar liebenswerte, witzige und zuckersüße Geschichte rund um Freundschaft, die erste Liebe und das eigene Coming-Out. Erzählt wird "Simon vs. the Homo Sapiens Agenda" aus der Ich-Perspektive des Protagonisten, nur unterbrochen vom E-Mail-Austausch zwischen ihm und seiner Online-Bekanntschaft Blue. Und obwohl ich Brief- und Mail-Romane nicht mag, war das hier kein Problem.

Das liegt wahrscheinlich größtenteils an diesen wunderbar lebendigen und vielfältigen Figuren, die man sehr schnell ins Herz schließt. Allen voran natürlich Simon selbst, der auch großes Identifikationsptenzial für all jene bietet, die kein Coming-Out vor sich haben: Manchmal ist er, wie jeder Teenager, ein bisschen egoistisch, aber das gleichen sein Witz und Charme schnell wieder aus. Blue lernt der Leser erst einmal lange nur über seine Mails kennen, dafür entwickelt er aber schon hier einiges an Charakter. Bei den Nebenfiguren entfaltet sich jedoch das gesamte Potenzial: Der musikalisch-nachdenkliche Nick und die liebevolle Abby sind für die eher leichten Momente zuständig, während Leah mit ihrer eher zynischen Art dafür sorgt, dass Simon nach einigen Handlungen auch mal nachdenkt - kein Wunder also, dass gerade sie ein eigenes Buch erhalten hat.

Natürlich ist der ganze Roman ein bisschen kitschig und verarbeitet das Thema des Sich-Outens relativ leicht und mit einer Portion Zauber, den sicherlich in der Realität nicht jeder erlebt. Gleichzeitig zeigt er so aber auch, dass Homosexualität erstens selbstverständlich nichts Schlechtes ist, dass es zweitens Familien und Freunde gibt, die volle Akzeptanz zeigen und dass die erste Liebe drittens grundsätzlich etwas Wunderbares sein kann. Zudem spricht Becky Albertalli durchaus auch Mobbing und Missverständnisse an - es ist also nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Und nachdem man 300 Seiten mit Simon und Blue mitgefiebert hat und im Kopf durchgegangen ist, wer denn nun dieser geheimnisvolle Junge sein könnte, kann man am Ende gar nicht anders, als tief und glücklich zu seufzen. Was will man mehr von einem Buch?

FAZIT 
Nicht umsonst gelten die Bücher von Becky Albertalli seit einiger Zeit als das Nonplusultra der Jugend-Literatur. "Simon vs the Homo Sapiens Agenda" ist ein Buch, das schon einen Insider im Titel trägt und einem viele weitere auf den Weg gibt. Es ist witzig, herzerwärmend und ein bisschen kitschig - aber das hält sich im Rahmen. Ich freue mich jedenfalls auf das Spin-Off "Leah on the Offbeat". 4,5 Punkte!

  1 Kommentar:

  1. Kia ora, Sonne.
    "Mich verwundert stetig, dass Homophobie gern den "kulturellen Niedergang" heraufdräuen sieht & zwischen allen Zeilen das "Aussterben der Menschheit" anklagt. Dabei ist befeuerter Hass, die Ausgrenzung anderer, schlussendlich die Verfolgung, der tatsächliche Niedergang jeder Kultur. Nicht zu übersehen bleibt zu alle dem, dass bei 7 Mrd Menschen eine Menschheit nicht Gefahr läuft plötzlich weg zu sein..."
    (Myrelle Minotier)
    Die Zeilen kamen mir in den Sinn, als ich von dem schäbigen Erpresser in der Handlung lass. Jemanden zu erpressen scheint demnach auch eine Säule der in "Bedrohung stehenden Kultur" zu sein - süffisant erwähnt.
    Ich denke Stories über das Leben können auch larger than life erzählt sein; einfach weil sie in ein wenig Hoffnung wärmen.

    Dein Selbstportrait oben ist im übrigen tres charmant gelungen; es charakterisiert (Dich wie den Blog) trefflich.

    bonté

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