Freitag, 24. Juni 2016

[Buchrezension] Einmal hin und für immer - Sarah Morgan

Die Medien befassten sich immer noch mit dem Flugzeugabsturz, bei dem Lana Fox und ihr sehr viel älterer Liebhaber ums Leben gekommen waren. Man hatte endlose Spekulationen über den Verbleib ihrer kleinen Tochter angestellt.
Ryan ergriff die Zeitung und betrachtete das Bild näher. Und in diesem Moment hatte er die Antwort, die er gesucht hatte. 
Er musste nicht länger überlegen, warum Emily fortgelaufen war. Er musste sich nicht fragen, warum sie ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte oder warum jemand, der nichts von Booten verstand, nach Puffin Island gekommen war.
Er wusste es.
Und er wusste, warum ihm das Kind so bekannt vorkam.

Einmal hin und für immerINHALT 
Emily hatte schon seit Jahren keinen Kontakt mehr mit ihrer Halbschwester Lana und kannte deren Gesicht - wie so viele - nur aus Klatschzeitungen und Filmen. Doch dann kommt der berühmte Hollywood-Star bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und Emily sieht sich damit konfrontiert, als Vormund ihrer Nichte eingesetzt zu sein. Um diese vor den Reportern zu schützen, flieht sie mit ihr nach Puffin Island - obwohl sie Wasser hasst. Auch die plötzliche Nähe zu dem kleinen Mädchen bereitet ihr furchtbare Angst. Und als sie dann dem gut aussehenden Ryan begegnet, der sich rührend um sie kümmert, gerät ihre Gefühlswelt endgültig aus den Fugen...

MEINE MEINUNG
Wenn jemand für romantische Sommer- und auch Winterromane bekannt ist, dann wohl Sarah Morgan. Die "Puffin Island"-Trilogie rund um Emily, Brittany und Skylar ist ihre neueste Reihe, die in jedem Band die Geschichte einer anderen Freundin behandelt. "Einmal hin und für immer" hat Emily als Protagonistin, die vielleicht schwierigste der drei, in die man sich durch den gefühlvollen Schreibstil aber dennoch schnell hineinversetzen kann. Abwechselnd mit ihr erzählt auch Love-Interest Ryan aus seiner Sicht, sodass man ihn ebenfalls sehr gut kennen lernt.

Emily ist mit ihrer Angst vor Nähe und Wasser durch ein Trauma in ihrer Kindheit durchaus kein ganz einfacher Charakter - anfangs sträubt sie sich sowohl gegen ihre Gefühle zu ihrer Nichte Juliet wie auch gegen die zu Ryan. Ihre Gedanken und ihre Furcht sind jedoch immer nachzuvollziehen und ihre Wandlung hin zu einer offeneren, fröhlicheren Frau ist toll zu beobachten. Ryan ist zwar stark von sich selbst überzeugt, mit seiner hilfsbereiten und charmanten Art verliebt man sich aber genau wie Emily sehr schnell in ihn. Und das, obwohl er eigentlich nie mehr für jemanden verantwortlich sein wollte. Neben den Hauptfiguren können aber auch die Nebencharaktere begeistern: Ryans schlagfertige Schwester Rachel, sein bester Freund Alec (den wir in Band 3 näher kennen lernen) und alle anderen liebenswürdigen Inselbewohner, die immer wieder auf die ein oder andere Weise helfen. Das ist natürlich alles ein bisschen Friede-Freude-Eierkuchen - aber man fühlt sich so einfach wohl.

Anfangs kam ich durch Emilys distanzierte Art nicht so ganz in die Geschichte rein - und befürchtete schon, dass die Autorin die Auflösung der verschiedenen Geheimnisse, die die Protagonisten mit sich herumtragen, bis zum Ende hinauszögern würde. Darum muss man sich aber zum Glück keine Sorgen machen - es wird gar nicht viel verschwiegen, sondern stattdessen intensiv über die Probleme geredet, was mir sehr gefallen hat. Dadurch bleibt viel Zeit für den Aufbau der Beziehungen und eine glaubwürdige Liebesgeschichte. Zudem kommt auch die Situation rund um Emily und ihre Nichte nicht zu kurz, die sehr schön dargestellt wird. Natürlich gibt es die ein oder anderen Klischees und der Ablauf ist sehr vorhersehbar, aber durch die tolle Atmosphäre und die mitreißende Erzählweise stört das kaum. Da freut man sich am Schluss nur darauf, bald wieder nach Puffin Island zurückzukehren.

FAZIT
Wie solche "Frauenromane" das an sich haben, ist auch "Einmal hin und für immer" vor Stereotypen nicht gefeit - und dennoch lässt einen das Buch durch die liebenswerten Figuren und die berührende Geschichte bald nicht mehr los. Zum Glück erscheint Band 2 rund um Brittany schon im August unter dem Titel "Für immer und ein Leben lang". Für Emily und Ryan gibt es von mir gute 4 Punkte!


Titel: Einmal hin und für immer
Originaltitel: First Time in Forever
Autor: Sarah Morgan
Übersetzer: Judith Heisig
Verlag: MIRA Taschenbuch
Seitenzahl: 400 Seiten
ISBN-13: 978-3956495670
Bereitgestellt durch


Dienstag, 21. Juni 2016

[ETC.] Eine Film-Hommage an Anton Yelchin

Sonntagabend wurde es bekannt gegeben: Schauspieler Anton Yelchin ist tot. Sohn russischer Eltern, als Kleinkind nach Amerika gekommen, seit seinem 12. Lebensjahr regelmäßig vor der Kamera - nun ist er mit nur 27 Jahren verstorben. Ein weiterer Zuwachs für den Club 27, könnte man sagen, wenn dieser nicht nur Musikern vorbehalten wäre. So spricht man eben nur davon, dass ein viel zu junges Nachwuchstalent nicht mehr unter uns weilt.

Die Trauer ist groß. Vor allem natürlich bei Familie und Freunden, aber auch in den Filmkreisen. Schauspieler, Kollegen und Regisseure haben berührend Abschied genommen. Und nicht nur mir stand da sicherlich die ein oder andere Träne im Auge.


Ich habe Sonntag und Montag viel darüber nachgedacht, ob und wie ich etwas dazu schreiben sollte. Ist das überhaupt richtig, wenn man den Menschen überhaupt nicht gekannt hat? Nur aus Interviews und Erzählungen ahnt, dass er ein ganz besonderer junger Mann war? Daher konzentriere ich mich darauf, was er mit seinem darstellerischen Vermögen geschafft hat: Wunderbare, sympathische Figuren in großartigen, mitreißenden Filmen. Und meine Lieblinge stelle ich euch heute vor.

Jacob in Like Crazy
Dieses Werk habe ich bereits in den Kurzspots vorgestellt und wann immer mich jemand nach einem guten Film fragt, ist dieser eine meiner ersten Antworten. Ein all time favorite, den ich mir immer wieder gern anschaue. Weil er so ehrlich ist, so ungeschönt und so berührend selbst in den wenig dramatischen Momenten. Das Spiel von Anton Yelchin und Felicity Jones ist unverbraucht und geht einem unfassbar nahe - und ebenso begeistert auch das Improvisationstalent beider, denn ein richtiges Skript gab es nicht.
Obwohl der Film Gewinner der Sundance Film Festivals ist, ist er deutlich zu unbekannt. Vielleicht, weil er sich auf die ruhigen Momente konzentriert und ohne viele Dialoge auskommt. Gerade dieses zwanglose ist es aber auch, was mir als erstes in den Sinn kommt, wenn ich an Anton Yelchin denke.

Charley in Fright Night
Dadurch, dass sich dieser Film so völlig von dem vorherigen abhebt, wird vor allem eines deutlich: Ein einziges Genre war ihm nicht genug. Genauso wie er gern zwischen Blockbustern und Indie-Perlen gewechselt hat, war er auch wandelbar in seinen verschiedenen Rollen und den verschiedenen Sparten. 
Die Mischung aus Komödie und Horror ist ein ziemliches Spektakel - und ein sehr witziges noch dazu. Ungewohnt, Anton Yelchin in einem solchen Streifen zu sehen, aber im positiven Sinne, denn das komödiantische Spiel lag ihm durchaus, wie man in so gut wie jedem seiner Filme erkennen konnte. Allein die Gesichtsausdrücke, die leise Ironie, hier gemixt mit einigem an Blut - herrlich.

Charlie Bartlett in Charlie Bartlett
Die Coming- of-Age-Geschichte des jungen Charlie wurde mir einmal von einem Leser des Blogs empfohlen - zum Glück. Dieser Film rund um das Erwachsenwerden ist einer, der zum Verlieben einlädt: Sowohl in die zuckersüße und gleichzeitig sehr individuelle Romanze zwischen Anton Yelchins Charlie und Kat Dennings' Susan, als auch in die Entwicklung, die diese wunderbaren Figuren durchmachen und die wir als Zuschauer mit ihnen erleben dürfen. Ein unaufgeregter und dennoch mitreißender Film, lebenslustig und tiefgehend, in jedem Moment perfekt getragen vom Hauptdarsteller.

Chekov in Star Trek, Star Trek Into Darkness, Stark Trek Beyond
Seine bekannteste Rolle - obwohl er, wie er selbst sagte, kein Fan von Remakes war. Dass sein Chekov so beliebt wurde, liegt vermutlich zum einen an seiner Ausstrahlung, die durch den herzerwärmenden dicken russischen Akzent noch verstärkt wird, zum anderen aber auch daran, dass er hier wieder sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen durfte. Seine Reaktionen auf Anweisungen von Kirk sind teilweise zum Schießen, sein "I can do it!" legendär. Die schönsten Szenen hat ein Youtuber in einem Video zusammen gefasst. Der nächsten Monat posthum startende 3. Teil der Reihe wird mehr oder weniger als sein Vermächtnis gelten - und ihn uns nochmal in einer seiner schönsten Rollen präsentieren. 



Weitere nennenswerte Filme: Green Room, Odd Thomas, Only Lovers Left Alive und vier posthum startende: Rememory, We Don't Belong Here, Porto, Thoroughbred

Rest in Piece, Anton.

Montag, 13. Juni 2016

[Buchrezension] Winterhonig - Daniela Ohms

Von weitem erhob sich schließlich das dumpfe Dröhnen der amerikanischen Bomber. Allein an diesem Geräusch konnte Mathilda hören, wie tief sie flogen, doch der Hochnebel versperrte jede Sicht. Nur vage konnte sie abschätzen, wie nah die Flieger bereits herangekommen waren, bevor sie die dunklen Schemen im Hochnebel ausmachte. Unter den Flugzeugen wackelte etwas, klobige Dinger, die mit einer eirigen Bewegung herunterfielen.
Bomben!
Noch bei diesem Gedanken folgte die erste Detonation.

9783426653975 INHALT
Es ist der Sommer 1938, als Mathilda und Karl sich ineinander verlieben, nachdem sie lange befreundet waren - und es ist ebenjener Sommer, in dem er sie verlässt. Karl meldet sich freiwillig für die Wehrmacht und lässt Mathilda mit den Schrecken und Entbehrungen des Krieges zuhause zurück.  Sie weiß nicht, dass es neben den fünf Jahren Altersunterschied noch etwas gibt, das ihre Liebe unmöglich macht - denn Karl hütet ein Geheimnis, das ihn zu Zeiten des Nationalsozialismus das Leben kosten könnte. So bangen beide umeinander, weit entfernt und nur verbunden durch verbotene Briefe, die sie sich schreiben. Und durch den Winterhonig, den er ihr einmal geschenkt hat und der sie immer an ihn erinnert.

MEINE MEINUNG
Eigentlich dachte ich immer, um einen Historie-Roman zu mögen, muss man ein Fan des Genres sein - und das bin ich definitiv nicht. Eher versuche ich, diese Sparte nach Kräften zu ignorieren. Nach "Winterhonig" weiß ich nun aber, dass das vielleicht gar nicht notwendig ist, denn es kommt auf das Gesamtpaket an und das stimmt hier definitiv. Daniela Ohms besitzt einen wunderbaren, einnehmenden und detailreichen Schreibstil, der einen nicht nur das bäuerliche Leben der 40er kennen lernen lässt, sondern einen auch erschreckend realistisch in den Krieg entführt. Erzählt wird die Geschichte sowohl aus der personalen Sicht der Protagonistin als auch des Protagonisten, durchsetzt von den Briefen, die sie sich schreiben. Auch von Briefen innerhalb von Romanen halte ich normal gar nichts - hier fügt sich das aber wunderbar passend ein.

Mathilda ist eine Hauptfigur, die man sehr schnell in sein Herz schließt und gern auf ihrem schwierigen, entbehrungsreichen Weg begleitet. Als jüngstes von 10 Kindern hat sie es nicht einfach, wird teilweise sogar schlecht behandelt - und ist trotzdem ein offenherziges, liebevolles junges Mädchen. Abgesehen davon, dass sie ein bisschen zu viel weint, kann man sich vollständig mit ihr identifizieren. Auch Karl ist ein Sympathieträger mit seiner ruhigen, nachdenklichen Art und seiner immer währenden Hilfsbereitschaft. Die Faszination aller Mädchen kann man durchaus nachvollziehen. Aber auch an unterschiedlichen Nebenfiguren mangelt es nicht: Mathildas etwas grober und überforderter Vater, ihr wunderbar sanfter Bruder Joseph oder auch die freundliche und unterstützende Gutsbesitzerin Viktoria, sie alle zeichnen sich durch ihre ganz besonderen Eigenschaften aus. Und auch historische Persönlichkeiten kommen vor: So lernt man zum Beispiel die Brüder Boeselager in Aktion kennen, die auch in Wirklichkeit am Widerstand beteiligt waren.

"Winterhonig" spielt zur Zeit des 2. Weltkrieges und hat diesen daher natürlich auch zu einem großen Teil zum Thema. Aber der Roman handelt nicht nur von den Soldaten, ihren Kämpfen und ihren Toten, sondern auch von den Menschen, die nicht aktiv im Krieg sind - und diesen dennoch auf die ein oder andere Weise miterleben. Die Autorin macht auf einfühlsame Weise sehr deutlich, was für eine schwere Zeit das für jeden Bürger ist, der nicht vollkommen in Hitlers Fantasien aufgeht - und es gelingt ihr auch ebenso sensibel, das Ganze aus der Sicht eines Soldaten zu beschreiben, der für sein Überleben töten musste. Die Geschehnisse sind grausam und auch das nationalsozialistische Gedankengut spielt selbstverständlich eine Rolle, wenn Mathildas Familie davon auch weitestgehend unberührt bleibt. Es gibt viele Tote und viel Leid - und gerade deshalb ist es wohl auch gut, dass sich die Autorin dafür entschieden hat, dem Ganzen mit einer Liebesgeschichte einen zentralen und schöneren Faden zu geben.

Die Romantik ist weder kitschig noch steht sie zu stark im Vordergrund. Stattdessen entwickelt sie sich sehr langsam und wird immer wieder durch Rückblicke in Mathildas Kindheit näher beleuchtet - denn Karl und Mathilda kennen sich schon lange und anfangs war das nur eine unschuldige Freundschaft zwischen einem Kind und einem Jugendlichen. Die Art und Weise, wie die beiden miteinander umgehen, ist berührend und mitreißend, sowohl in jungen Jahren als auch später in denen voller Liebe und Leidenschaft. Natürlich ahnt man Karls Geheimnis, das schon im Klappentext angedeutet wird, auch wenn es sich dann doch ein wenig von den Vermutungen abhebt. Letztendlich geht es auch viel weniger um das Rätsel als um das Leben und Überleben selbst und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft trotz der Schwierigkeiten. Bis zum Ende fesselt die Geschichte durchgehend und lässt auch danach noch eine Weile nicht los - denn nachdem man Mathilda und Karl über so eine lange Zeitspanne begleitet hat, mag man sie kaum noch loslassen. Und genau das macht ein gutes Buch aus.

FAZIT
"Winterhonig" ist ein historischer Roman und damit einer, um den ich normal einen Bogen gemacht hätte. Wem es ähnlich ergeht, der sollte sich das vielleicht noch einmal überlegen - denn Daniela Ohms erzählt die (teilweise wahre) Geschichte so lebendig, einfühlsam und mitreißend, dass man nur begeistert sein kann. Unbedingt ausprobieren! 4,5 Punkte.


9783426653975
Titel: Winterhonig
Originaltitel: -
Autor: Daniela Ohms
Übersetzer: -
Verlag: Droemer Knaur
Seitenzahl: 592 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-65397-5



Mittwoch, 8. Juni 2016

[Statistik] Monatsrückblick Mai

Da habe ich mich im letzten Monat schon wieder so dafür gefeiert, wie stark ich mich gebessert habe und dann das: Die letzten anderthalb Wochen des Mais hatte mich so eine fiese Leseflaute im Griff, dass ich nur noch ein einziges Buch beendet habe. Auch das Buch der lieben Blogger-Kollegin Katie ist dabei liegen geblieben (Herbst vormerken, da erscheint "Barfuß durch die Nacht" bei Amrun!) Jetzt heißt also: Endlich wieder was tun. Da bei uns ja permanent schönes Wetter ist, hoffe ich einfach, dass dieses ganz von selbst die Lese-Unlust beseitigt ;)

# Gelesen im Mai: 6 Bücher

von Sylvian Neuvel
von Jesse Andrews
27850092
Gute 4,5 Punkte
1 Punkt

von Ilka Tampke
von Melanie Sumner
Knappe 2 Punkte
3,5 Punkte

Nocturna
von Jenny-Mai Nuyen
von Alexey Pehov
1728361
28184845
Gute 4 Punkte
(nicht rezensiert)
Gute 3,5 Punkte

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 
ca. 419
Gelesene Seiten: 
2513
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 81
Durchschnittsbewertung: 3,08*
--
Neuzugänge: 5
Abgelesen:  6
Neuer SuB-Stand Juni: 75

# Geschaut im Mai: 1 Kinofilm

von Bryan Singer
Mein letzter Kinobesuch
3 Punkte

Durchschnittsbewertung: 3* 

Und ich dachte, der April war mies. Mein Highlight des Mais habe ich gleich zu Anfang mit "Sleeping Giants" gelesen, danach ging es dann zweimal ziemlich stark bergab - "Ich und Earl und das Mädchen" und "Skin" mag ich wirklich niemandem empfehlen. "Nocturna" habe ich danach dann aus lauter Verzweiflung rereadet und habe damit auch das zweitbeste Buch des Monats gelesen - es ging einfach nicht mehr anders. Als einzigen Kinofilm gab es "X-Men: Apocalypse" und auch der hätte deutlich besser sein können - aber er war immerhin nicht so schlecht wie erwartet.

Jetzt setze ich natürlich wieder alle Hoffnungen in den Juni - viele tolle Bücher stehen auf jeden Fall in den Startlöchern und obwohl es mir erst gar nicht so schien, hat auch das Kino einiges zu bieten. Fest geplant ist bisher aber nur eine bestimmte Buchverfilmung ;)

The Nice Guys FilmplakatWhiskey Tango Foxtrot FilmplakatSky - Der Himmel in mir FilmplakatStolz und Vorurteil und Zombies FilmplakatDemolition - Lieben und Leben FilmplakatBastille Day FilmplakatThe Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte FilmplakatThe Neon Demon FilmplakatEin ganzes halbes Jahr FilmplakatHigh Rise FilmplakatVäter und Töchter - Ein ganzes Leben Filmplakat

"Nice Guys""Sky" und "Stolz & Vorurteil & Zombies" werde ich wahrscheinlich alle nicht sehen. Ich bin kein großer Fan von Komödien, daher fällt ersteres schon mal weg. Der zweite Film klingt recht kitschig und beim dritten liegt's einmal an der Vorlage (die superschlecht sein soll) und dann an der Hauptdarstellerin - ich mag Lily James einfach nicht. Die hat so ein Gesicht, da möchte ich reinspucken. (Keine Ahnung, warum.)
Dafür finde ich aber die Kombination von Margot Robbie und Tina Fey in "Whiskey Tango Foxtrott" total interessant (und gewöhnungsbedürftig), wobei der es wohl eher auf DVD wird. Der Juni scheint ein bisschen der Monat der Dramen zu werden: "Demolition" mit Jake Gyllenhaal", "The Lobster" mit Colin Farrell und Rachel Weisz (ich verstehe das Plakat nicht, ehrlich gesagt) und "Vater & Töchter", das sehr berührend aussieht (vielleicht der erste Film mit Amanda Seyfried, den ich mag?!).
Fest geplant ist selbstverständlich "Ein ganzes halbes Jahr" und auch "High Rise" sieht toll aus. Eventuell wird's auch noch "Bastille Day", denn Idris Elba ist einfach cool. (Elba for Bond!)

Wie war euer Mai und plant ihr, im Juni einen der Filme zu sehen?

Freitag, 3. Juni 2016

[Buchrezension] Chroniken der Seelenfänger: Schwarzer Dolch - Alexey Pehov

"Rühr dich jetzt nicht vom Fleck", befahl sie.
Ich spürte ein Kribbeln, dann ein leichtes Frösteln. Eine weiße Welle kroch über meine Knöchel, kletterte die Waden hoch bis zu den Knien. Gertrude, an deren Beinen ich diese Bewegung ebenfalls beobachtete, zeigte sich völlig gelassen. Da ich ihr vorbehaltlos vertraute, blieb ich stocksteif stehen. Als dieser weiße Glibber ihren Scheitel erreichte, vermochte ich sie kaum noch zu erkennen.
"Luzifer soll mich holen!", schrie Apostel. "Wo zum Teufel steckt ihr?!"

28184845INHALT
Ludwig van Normayenn ist ein Seelenfänger und damit einer der wenigen, die fähig und befugt sind, dunkle Seelen ins Jenseits zu schicken, die die Menschheit malträtieren. Doch nicht alle Bürger der Länder stehen seinem Geschick vorbehaltlos gegenüber, und so muss er sich stets genau seine Schritte überlegen, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Nur kommt sich das, was er tun sollte, und das, was er für richtig hält, oftmals in die Quere. Und so macht er sich auf seinen Reisen so einige äußerst gefährliche Feinde...

MEINE MEINUNG
Alexey Pehov ist im Fantasy-Bereich wohl Russlands, bekanntester Export - "Schwarzer Dolch" ist der Auftakt der bereits dritten Reihe, die ins Deutsche übersetzt wird. Schnell wird klar, worauf die Beliebtheit zurückzuführen ist: Den angenehmen Schreibstil, der trotz des Settings in einem alten Europa wenig altertümlich wirkt und damit äußerst angenehm zu lesen ist. Und auch der düstere Humor tut sein Übriges. Erzählt wird das Ganze aus der Ich-Perspektive des Protagonisten, der schnell zum Sympathieträger wird.

Denn Ludwig hat seine Prinzipien und ist in diesen sehr standfest, was seine Taten immer nachvollziehbar macht. Selbst, wenn er ahnt, dass es ihm Schwierigkeiten bereiten könnte: Ist ein Menschenleben in Gefahr, setzt er sich garantiert dafür ein. Auch seine Gefährten Apostel und Scheuch können überzeugen: Ersterer unterhält einen mit seiner aufbrausenden, zeternden Art ungemein gut, letzterer fasziniert durch sein geheimnisvolles, dunkles Wesen. Immer wieder trifft Ludwig auf seinen Reisen auf die gleichen Nebenfiguren, die man so besser kennen lernt: Den Inquisitor Mart etwa, der überraschend hilfreich ist oder auch verschiedene Mitglieder des Ordens der Gerechtigkeit, geschickte und intelligente Gegenspieler der Seelenfänger. Sie alle können in ihren jeweiligen Facetten überzeugen und lassen die gesamte Handlung sehr lebendig wirken. Nur bei den Frauenfiguren wird es kritisch: Mit Gertrude gibt es zwar einen starken weiblichen Charakter, ansonsten aber sind sie alle entweder schön oder hässlich und erfüllen darüber hinaus keine wirkliche Funktion, was mich doch sehr gestört hat.

Insgesamt erinnerte mich die Reihe davon abgesehen in einigen Aspekten immer wieder an "Greatcoats" - im positiven Sinne. Auch hier streift der Protagonist mit zwei interessanten Wegbegleitern durch die Lande, versucht die Menschen zu retten und das Böse abzuwehren. Was "Schwarzer Dolch" allerdings fehlt, ist ein übergeordnetes Ziel. Im Laufe der Kapitel kristallisieren sich zwar ein paar Stränge und Bedrohungen heraus - etwa, indem sich Ludwig Feinde schafft oder versucht, herauszufinden, was es mit einer Prophezeiung auf sich hat -, aber es gibt kein großes Ganzes. Keine Bedrohung der Welt oder den Versuch, etwas zu erreichen. Das nimmt allem einiges an Spannung, da sich im Laufe der Zeit eine gewisse Gleichförmigkeit herausbildet, so unterschiedlich die Fälle auch sein mögen. Erst ganz am Schluss wird deutlich, dass in Band 2 wohl so einigen Fragen und offenen Strängen nachgegangen wird - denn das Buch endet mit einem ziemlich heftigen Cliffhanger, der noch einmal richtig aufrüttelt. Hoffnungen auf eine inhaltliche Steigerung kann man sich hier also definitiv machen.

FAZIT
Alexey Pehovs Auftakt zur neuen Reihe rund um die Seelenfänger ist toll geschrieben, keine Frage, und lebt insbesondere von den spannenden Charakteren. Doch weil der Protagonist kein großes Ziel hat, sondern die einzelnen Kapitel mehr abgeschlossene Aufträge behandeln, wirkt das Ganze weniger wie ein Buch als eine Sammlung von zusammenhängenden Kurzgeschichten. Da wäre bei der Welt definitiv mehr drin gewesen. So gibt es von mir gute 3,5 Punkte.


8268787
Titel: Schwarzer Dolch
Originaltitel: Страж
Autor: Alexey Pehov
Übersetzer: Christiane Pöhlmann
Verlag: Piper
Seitenzahl: 480 Seiten

ISBN-13: 978-3-492-70396-3



Dienstag, 31. Mai 2016

[Laberparade] Ich und Earl und das Mädchen - Jesse Andrews

Und das ist ein Teil der Hintergrundgeschichte von mir und Earl. Er wird später wahrscheinlich noch von Bedeutung sein, obwohl, wer weiß das schon so genau. Ich fasse es nicht, dass ihr immer noch dabei seid, das hier zu lesen. Am besten, ihr haut euch gleich mal selber ein paar rein, nur um die unsäglich bescheuerte Erfahrung, die dieses Buch darstellt, vollkommen zu machen.

INHALT
Greg ist ein relativ normaler 17-jähriger, wenn man mal davon absieht, dass er sich in panischen Momenten gern tot stellt und mit seinem besten Freund Earl absurd-schlechte Filme dreht. Doch im neuen Schuljahr, als er endlich denkt, dass alles gut und er als Oberstufenschüler anerkannt wird, kommt ihm seine Mutter dazwischen: Denn diese zwingt ihn dazu, etwas mit Rachel zu unternehmen, einer ehemaligen Freundin, die an Leukämie erkrankt ist. Greg wehrt sich mit Händen und Füßen, gibt sich dann aber doch geschlagen. Und so verbringt er mit ihr und Earl einige aberwitzige Wochen.

MEINE MEINUNG

SCHREIBSTIL
Ich weigere mich, Jesse Andrews hingerotzte Sätze als "Schreibstil" anzuerkennen. Das ist kein Stil, das ist keine Art und Weise, das ist einfach ein nervig-umgangssprachliches und völlig unglaubwürdiges Wirrwarr an sinnfreien Sätzen und endlosen Beschreibungen. Ab und zu wechselt der Autor in einigen keinem Muster folgenden Szenen in die Dialogform,  obwohl Greg die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, was sich einem folglich also nie erschließt. Hinzu kommt das ewige Ansprechen des Lesers, um ihm mitzuteilen, man möge doch das schreckliche Buch nun weglegen, was man darauffolgend dann auch des Öfteren tun möchte.

CHARAKTERE
Aber bei den Figuren wird es noch schlimmer: Greg ist wahrscheinlich der unausstehlichste Protagonist, der mir je untergekommen ist. Er hält sich selbst für sehr intelligent und gewitzt, denkt aber permanent in Schubladen, objektiviert jede heiße Frau als Sexobjekt und gibt nur Blödsinn von sich. Dass er das selbst merkt, macht es nicht besser. Earl kann nicht viel mehr punkten: Mit widerlichen Äußerungen und einer kranken Aggressivität bringt er einen schnell gegen sich auf - immerhin zeigt er Rachel gegenüber aber wenigstens einen Hauch des Mitgefühls. Diese selbst ist okay, ganz niedlich in ihrer Art, oft und viel zu lachen, aber was sie an den Kerlen findet, bleibt einem schleierhaft. Der Rest ist Beiwerk und besteht aus Stereotypen oder wird diskriminiert, ist also nicht weiter nennenswert.

STORY
Eine Geschichte ist im Grunde nicht vorhanden. Es geht irgendwie lose um Gregs und Earls Filme, um Gregs Masterplan, um in der Highschool nicht aufzufallen, und das sterbende Mädchen, natürlich. Aber das alles wird immer und immer wieder durchbrochen von Gregs schier endlosen Ausführungen zu a) den Cliquen seiner Schule und wie sehr er zu keiner gehören will b) seinem Kumpel Earl und wie sie sich die Zeit vertreiben c) den Brüsten irgendwelcher Mädchen d) seinen dämlichen Aussagen gegenüber Rachel/setze beliebigen Frauennamen ein. Man kann auch zusammenfassend sagen: Es geschieht die meiste Zeit über nichts. Und wenn doch, bekommt man davon im Halbschlaf dann auch nichts mehr mit. 

UMSETZUNG
Ich bin normal nicht so gemein, denn jedes Werk verdient seine Leser. Aber nicht, wenn meiner Meinung nach mit einem solchen Thema so unsäglich rücksichtslos umgegangen wird. Natürlich muss nicht jedes Buch über Krebs eine poetische Liebesgeschichte à la John Green sein, denn seien wir mal ehrlich, so metaphorisch spricht auch kein Jugendlicher. Aber ein Buch über Krebs muss meiner Meinung nach wenigstens auch ein bisschen sensibel sein, denn es ist ein hartes Thema, eine schwere Krankheit und ein entsetzlicher Leidensweg für die Betroffenen. Doch hier wirkt die Leukämie von Rachel nur wie Beiwerk, etwas, um dem Ganzen den Stempel "Für Fans von John Green" aufdrücken zu können, und das stimmt ganz einfach nicht. Wie Greg selbst schreibt, er lernt aus der Geschichte nichts - obwohl da ein Mädchen stirbt. Das Ganze sollte wohl ein Versuch sein, dem Ganzen die Ernsthaftigkeit zu nehmen, aber die achtlose Weise ist mir einfach unangenehm aufgestoßen.

FAZIT
"Ich und Earl und das Mädchen" kann ich gerade Fans von "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" auf keinen Fall empfehlen, denn Greg ist ein so mieser Protagonist, dass ihn das Schicksal des sterbenden Mädchens herzlich wenig interessiert. Unsensibel, unlustig und unglaublich langweilig haut Jesse Andrews da seine Geschichte raus. Dafür mag ich nicht mehr als 1 Punkt vergeben.



Titel: Ich und Earl und das Mädchen
Originaltitel: Me & Earl & the Dying Girl
Autor: Jesse Andrews
Übersetzer: Ruth Keen
Verlag: Heyne fliegt
Seitenzahl: 304 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-26784-8



Montag, 23. Mai 2016

[Filmrezension] X-Men: Apocalypse

"Alles, was sie erbaut haben, wird zusammenbrechen. Und aus der Asche ihrer Welt werden wir eine bessere erbauen!"

Mein letzter KinobesuchINHALT
10 Jahre nach den Ereignissen von "Zukunft ist Vergangenheit" werden die Mutanten größtenteils von den Menschen akzeptiert, ihre Geschichte sogar in Schulen gelehrt. Doch als eine uralte Grabstätte gefunden wird, scheinen die Mutanten erneut auf eine Katastrophe zuzusteuern: Denn nun ist En Sabah Nur, erwacht, nach alten Überlieferungen der erste Mutant überhaupt, der die Vernichtung der Menschheit plant. Gemeinsam mit vier Helfern - Angel, Psylocke, Storm und Magneto - will er eine neue Welt erschaffen. Professor X und seine Gefährten müssen nun alles daran setzen, um die Apokalypse zu verhindern.

MEINE MEINUNG
Nachdem ich von der ursprünglichen "X-Men"-Trilogie nur den 1. Teil gesehen und nicht gemocht habe, bin ich von den neuen Filmen doch sehr begeistert: Vereinen sie doch fantastische Jungschauspieler mit den interessantesten Comic-Storylines und tollen Effekten. "X-Men: Apocalypse" hat nun aber im Vorfeld harsche Kritiken erhalten, was den ein oder anderen durchaus abschrecken dürfte. Wie Jean Grey im Film selbst sagt: "Der dritte Teil ist eben immer der schlechteste." Das trifft auch hier zu, ist aber nicht ganz so gravierend wie erwartet.

Zu den Schauspielern muss man eigentlich nicht viel sagen: Diese sind durch die Bank weg sympathisch und gut gecastet. Ob nun James McAvoy als fürsorglicher Charles Xavier, Michael Fassbender als zerrissener Eric Lehnsherr oder Sophie Turner als junge, etwas unsichere Jean Grey, die zur ihrer echten Stärke findet - sie alle sind sehr überzeugend. Positiv hervorzuheben sind hier aber vor allem wieder Evan Peters als Quicksilver und Newcomer Kodi Smit-McPhee, der den Nightcrawler mit absolut herzerwärmender Unschuldigkeit spielt. Schade ist nur, dass viele der Nebenfiguren auch einfach nur verbraten werden: Angel und Psylocke sind nur Beiwerk und für die Darsteller keine großen Aufgaben und Apocalypse ist der wahrscheinlich langweiligste Bösewicht, den man je gesehen hat. Da kann auch Oscar Isaac nichts mehr retten.

Dem öden Gegenspieler geschuldet ist auch die Story nicht wirklich ausgefeilt - es gibt hier nichts Neues, alles arbeitet nach dem gleichen Schema: Die Welt steht auf dem Spiel, die Helden bekämpfen oder verbünden sich und der Bösewicht hält immer wieder enervierende Monologe. Das wird ausgeglichen mit ein bisschen zu viel Zerstörungswut, dafür aber auch tollen Effekten, einem gut passenden Soundtrack und vor allem: zwei wunderbaren Quicksilver-Szenen. Durch das gute Zusammenspiel der Figuren und Schauspieler wird man während des Schauens gut unterhalten und die Materialschlacht ist durchaus sehenswert. Nur eben nichts Besonderes. 

FAZIT
"X-Men: Apocalypse" ist kein so großer Reinfall wie im Voraus von vielen Kritikern verkündet - aber er schwächelt schon stark im Gegensatz zu den Vorgängern. Mit einem besseren Bösewicht und einer ausgeklügelteren Geschichte hätte der Film richtig gut werden können - so gibt es von mir nur gute 3 Punkte.




Donnerstag, 19. Mai 2016

[Buchrezension] Eine Therapie für Aristoteles - Melanie Sumner

Sie glauben vielleicht, es wäre ganz einfach, sich daran zu erinnern, warum man einen Roman schreibt, aber das ist es nicht. Diane sagt, es sei so ähnlich, wie sich daran zu erinnern, warum man seinen Partner geheiratet hat.
Zettel 1: Ich schreibe diesen Roman, um eine lästige und teure Therapie zu vermeiden.
Zettel 2: Ich schreibe diesen Roman, damit Diane in Rente gehen, Max ins Ferienlager fahren und ich chillen kann.
Zettel 3: Ich schreibe diesen Roman für den Fall, dass es mit Diane und Penn nicht klappt - vielleicht fällt sie einem anderen Mann auf. 

INHALT
Die zwölfjährige Aristoteles, genannt Aris, hat es nicht einfach: Ihr Vater ist tot, ihre Mutter völlig überfordert mit der Erziehung von ihr und ihrem hyperaktiven jüngeren Bruder Max und Freund Billy meldet sich nach seinem Umzug nicht mehr - Aris fühlt sich ziemlich allein und bräuchte dringend eine Therapie. Da diese aber teuer ist, beschließt sie stattdessen, mithilfe eines Ratgebers in 30 Tagen ein Buch zu schreiben. Denn sollte sie einen Bestseller landen, wären alle Probleme auf einen Schlag gelöst...

MEINE MEINUNG
Romane mit einem Kind als Erzähler scheinen seit einigen Jahren immer mehr im Trend zu liegen - sind sie in ihrer altklugen Art doch charmant und der naive Blick auf die Geschehnisse herrlich unverstellt. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Melanie Sumners "Eine Therapie für Aristoteles", in dem die Hauptfigur durch ein selbst geschriebenes Buch ihre Geschichte erzählt. Der Stil ist dafür sehr erwachsen und daher teilweise durchaus ein wenig überzogen, nimmt durch die intelligente und unterhaltsame Stimme des jungen Mädchens aber dennoch mit.

Aris ist selbstverständlich, wie sich das für einen solchen Roman gehört, etwas sehr Besonderes: Reif für ihr Alter und schnell erwachsen geworden, weiß sie ziemlich genau, was sie will und was sie braucht: Einen neuen Vater und Ruhe, um sich endlich entfalten zu können. Das strebt sie mit ihrem eigenen Buch an, stiftet damit aber selbst wieder Chaos, was sie sehr sympathisch macht. Doch auch die anderen Figuren sind toll angelegt: Der arbeitslose und ein wenig scheue Penn, der die PMB (Positive männliche Bezugsperson) darstellt und den Aris mit ihrer Mutter verkuppeln will; Mutter Diane mit ihrer Überforderung und ihrer Aufmüpfigkeit gegenüber den Eltern, aber auch einer liebevollen Sorge um ihre Lieben; oder auch Dianes Student Charles, unaufdringlich religiös und in der Gefahr, zu Unrecht ins Gefängnis zu müssen. Am unterhaltsamsten sind aber wahrscheinlich die Großeltern mit ihrer skurrilen, komplett unterschiedlichen Art, die immer wieder für Lacher sorgen.

Keine Frage, das Werk lebt von dem Situationswitz und Aris' übertrieben klugen Aussagen und Gedankengängen. Dafür ist das Ganze aber ansonsten auch ziemlich ruhig. Das Familienleben ist chaotisch, aber ansonsten passiert nicht viel, was leider für die ein oder andere Länge sorgt. Und immer wieder eingeschobene Aufsätze oder Kurzgeschichten, die andere Figuren geschrieben haben, erscheinen manchmal wenig zielführend und wirken eher wie Lückenfüller. Zum Glück wird das aber durch teilweise sehr berührende Gespräche, einige Lebensweisheiten und wunderbar absurde Situationen oft wieder wett gemacht. Nur das Ende wirkt dann gehetzt: Wenig, für meinen Geschmack zu wenig, wird aufgelöst, sodass man als Leser ziemlich in der Luft hängen gelassen wird. Natürlich spielt das Leben nicht immer, wie man sich das wünscht, aber trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass der Schluss hier irgendwie noch mehr hätte sein können.

FAZIT
"Eine Therapie für Aristoteles" besitzt durch die altkluge Erzählstimme einen eigenen Charme und überzeugt mit den vielen besondere Figuren, die man gern begleitet. Es geschieht allerdings auch nicht viel und teilweise übertreibt Melanie Sumner es ein wenig mit der Gewitztheit der doch sehr jungen Protagonistin. Insgesamt gibt es von mir dafür 3,5 Punkte.



Titel: Eine Therapie für Aristoteles
Originaltitel: How to Write a Novel
Autor: Melanie Sumner
Übersetzer: Eva Kemper
Verlag: DuMont
Seitenzahl: 345 Seiten
ISBN-13: 978-3-7645-3143-0
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