Sonntag, 24. Juli 2016

[Reisebericht + Verlosung] One belongs to New York instantly...

..., one belongs to it as much in five minutes as in five years.
- Tom Wolfe
Ich bin zurück aus meinem mehr oder minder kurzen Trip nach Amerika: 4 Tage in New York haben mich geschafft, mich ausgelaugt, mich fertig gemacht - und am liebsten würde ich das alles jetzt gleich noch einmal erleben. New York ist so eine Stadt, die man gesehen haben muss. Sie ist voll, sie ist schmutzig, sie ist laut und im Sommer ist sie unerträglich heiß und das alles trägt zu diesem rauen, ausgeflippten Charme bei. Es ist, wie Tom Wolfe es gesagt hat: Du bist da, du siehst die Stadt zum ersten Mal und du bist drin, wirst eingesaugt und nicht mehr losgelassen. 
Und heute möchte ich euch ein bisschen darüber erzählen.

Die Anreise 
Geflogen sind wir mit der Lufthansa von Frankfurt - der einzige Flughafen, an dem es einen Direktflug gibt. Meine Mutter ist eigentlich kein Fan der Gesellschaft, weil der Service früher ziemlich schlecht war, inzwischen scheint sich aber doch einiges geändert zu haben. Auf den achteinhalb Stunden gab es Mittag- und Abendessen und ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm - von den Filmen, die ich gesehen habe, werde ich auf jeden Fall noch in den Kurzspots berichten.


Eines sollte man bei der Reise nach Amerika aber auf jeden Fall mitbringen: Zeit. Denn durch die extrem strengen Sicherheitsvorkehrungen dauerte es geschlagene 2 Stunden, bis wir durch die Kontrollen beim Einreisen waren, danach anderthalb, um vom JFK nach Manhattan zu kommen, und im Hotel wiederum 1 Stunde, um einzuchecken. Man mache sich also keine Illusionen, bei einer Ankunft um 13:30 Uhr noch etwas von New York zu sehen - es war halb 7, bis wir endlich auf der Straße waren.

Die Unterkunft
Solltet ihr einmal nach New York fliegen: Ich rate euch, ein bisschen mehr Geld für die Unterkunft auszugeben. Natürlich, letztendlich ist man nur zum Schlafen da, aber trotzdem ist es schön, abends nicht in ein total verwohntes Hotelzimmer zu kommen. Das Hotel Pennsylvania war schon vor 12 Jahren alt, als meine Mutter allein dort war, und es ist seitdem nicht besser geworden. Hier sage ich: Finger weg!

Das Stadtleben
New York ist voll. Das ist keine Neuigkeit, schließlich leben dort 18,9 Millionen Menschen und jährlich kommen noch etwa 50 Millionen Touristen hinzu. Dementsprechend drängeln sich die Menschen auf den Straßen, die Geschäfte sind gut gefüllt und auf der Straße reiht sich eine Bude an die andere. Es ist ziemlich genau wie in den Filmen: Alle 5 Minuten ist eine Sirene zu überhören, die Fußgänger interessiert selten, was die Ampel vor ihnen anzeigt, und die Verkäufer sind charmant wie sonst was. Es ist nicht selten, bei einem Hutkauf Komplimente zu hören, dass man aussähe wie ein Filmstar. Was woanders plump wirken würde, ist hier nicht nur normal, es erscheint auch noch fast ernst gemeint.
Und nicht umsonst wird New York die "Stadt, die niemals schläft" genannt, denn es gibt nur von etwa 4-5 Uhr morgens ein kleines Zeitfenster, in dem es auf den Straßen ruhiger wird - außerhalb dessen ist es nachts fast so laut wie tagsüber...und auch fast so hell.

There is something in the New York air 
that makes sleep useless.
 Simone Beauvoir

Der 1. Tag
Unser Tag nach der Ankunft war der Kultur gewidmet: Erst morgens um 11 rüber nach Liberty Island, später waren dann noch Chinatown und das 9/11-Memorial geplant. Blöderweise unterlief uns gleich zu Anfang ein Fehler: Wir stiegen aus der Subway statt an der Fähre bereits am Battery Place aus und hatten daher einen etwa 45-minütigen Gewaltmarsch vor uns - bei 32° und knallender Sonne. Immerhin: Sport hatten wir damit schon. Und der Ausblick vom Schiff sowie die Insel selbst haben uns dann auch dafür entschädigt.


Bei der Hitze und noch ohne Sonnenhut ist uns allerdings leider die Lust auf Chinatown vergangen - und daher machten wir uns nur auf den Weg zum neuen World Trade Center. Auf dem Weg dahin zogen bereits dunkle Wolken auf und direkt, nachdem wir den Weg ins Gebäude gefunden hatten, ging ein Wolkenbruch nieder, der sich gewaschen hat. Von der Stimmung her hat das ziemlich gut zum 9/11-Memorial gepasst - und die Luft draußen hat sich auch noch abgekühlt.


Der 2. Tag
Nach dem anstrengenden vorherigen Tag, beschlossen wir, es am Dienstag ruhiger angehen zu lassen - und zu shoppen. Dass Macy's, das weltgrößte Kaufhaus, nebenan von unserem Hotel liegt, kam uns da sehr gelegen.  Man muss sich das mal vorstellen: Dieser Laden umfasst tatsächlich einen gesamten Block, 10 Stockwerke und beschäftigt allein etwa 3000 Mitarbeiter. Dementsprechend schwierig ist es auch, sich dort zurecht zu finden.
Tatsächlich sind die Klamotten und Beauty-Produkte aber deutlich teurer als man sich das vorstellen mag, denn es stellen ausschließlich Designer und hochpreisige Kosmetik-Unternehmen ihre Waren aus. Ich persönlich hätte ja niemals gedacht, dass mir solche Kleidung einmal gefallen würde - und doch sind es am Ende ein Kleid von Calvin Klein und Vince Gamato geworden. Ähem.

Danach musste erst einmal wieder etwas Kultur her - selbstverständlich mit dem Empire State Building, das mit rund 443 Metern bis 1972 das höchste Gebäude der Welt war und in nur etwas über einem Jahr erbaut wurde. Unvorstellbar fast, wenn man daran denkt, wie lange sie hier bei uns an einzelnen Gebäuden herumbauen...Wir sind bis zur Aussichtsplattform im 86. Stockwerk gelangt, was meiner Meinung nach auch reicht - in der 102. Etage sieht man, denke ich, nicht viel mehr. Der Ausblick ist aber definitiv großartig, die Investition lohnt sich also.


Spät am Nachmittag ging es für uns dann noch Queens und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: Als Ober-Nerd wollte ich unbedingt persönlich einen Hot Topic-Store von innen sehen - und zu meinem Glück hatten sie auch noch genau das vorrätig, was ich unbedingt haben wollte. Nun bin ich stolze Besitzerin einer Harley Quinn-Jacke (der aus dem Film)  und eines Alice im Wunderland-Kleides. 

Der 3. Tag
Nach einem sehr anstrengenden Anfang der Woche, wollten wir am Mittwoch einfach nur noch chillen. So ganz hat das nicht geklappt, da wir auf unseren Subway-MetroCards nur noch genug Geld für die Rückfahrt hatten und daher zwangsläufig zu Fuß zum Central Park mussten - wobei wir auf dem Weg natürlich von so einigen Geschäften und dem regen Times Square aufgehalten worden sind.


Eigentlich wollten wir uns auch noch Karten für den Broadway besorgen - aber meine Mutter war vor der Reise der FESTEN Überzeugung gewesen, es würde noch genug Karten an den Abendkassen geben und SELBSTVERSTÄNDLICH war dies nicht der Fall. Ein Musical fiel also flach. Da mein Traum-Stück mit Saiorse Ronan, "The Crucibles", aber sowieso nur bis zum 17. Juli lief, hält sich meine Enttäuschung noch in Grenzen.

Gegen 16 Uhr kamen wir letztendlich doch noch im Central Park an und, ja, der ist schön - sehr schön sogar. Nicht nur ist er riesig und toll angelegt, man kann auch Eichhörnchen beobachten, die teilweise so zutraulich sind, dass sie einem aus der Hand fressen.


Der letzte Tag
bestand tatsächlich nur aus Abreise, Nachtflug und Zugfahrt zurück nach Hause - inklusive totalem Jetlag, nachdem wir 24 Stunden auf den Beinen gewesen waren. Schlafkojen in Flugzeugen wären, finde ich, noch eine Erfindung wert.

Die Verlosung
Wow, okay. Hat überhaupt jemand so weit gelesen? Offensichtlich sind beim Schreiben ein wenig die Pferde mit mir durchgegangen. Kommen wir aber nun zu dem Teil, wegen dem ihr doch sowieso hier seid, wenn ihr denn hier seid: Dem kleinen Gewinnspiel ;)

Ich habe aus New York ein kleines Set bestehend aus einem Schlüsselanhänger, einem Lesezeichen und einem Bleistift mitgebracht. Zusätzlich dazu darf sich der Gewinner eine von den 3 folgenden DVDs aussuchen, wobei die Filme - natürlich - alle in New York spielen.



Was ihr dafür tun müsst? Verratet mir einfach, ob ihr auch gerne mal nach New York möchtet - oder sogar schon mal da wart? - und was ihr dann am liebsten erleben oder ansehen würdet.

Zeit dazu habt ihr bis einschließlich zum 10.08., auslosen werde ich hier im Post. Bitte gebt eine Kontaktmöglichkeit an, sofern ihr keinen Blog mit Impressum habt.

Ich hoffe, euch hat der Reisebericht gefallen - und wünsche euch viel Glück bei der Verlosung!

Samstag, 16. Juli 2016

[ETC.] Auf nach New York!


Ich melde mich nun offiziell ab, denn morgen fliege ich für einige Tage nach New York. Eine lange gewünschte und lange geplante Reise, die nun endlich, endlich Wirklichkeit wird! Man kann sich vorstellen, ich bin ziemlich aufgeregt, denn meine letzte Amerika-Reise war vor ziemlich genau 19 Jahren :D Leider kann ich genau das, was ich mir vorgenommen hatte (Die "Tonight Show Starring Jimmy Fallon", die NBC-Tour, das Broadway-Musical "The Crucibles" mit Saiorse Ronan) nicht anschauen, weil es keine Tickets mehr gibt bzw. vorher Schluss ist - aber ich bin sicher, dass ich trotzdem viel erleben werde.

Wiederkommen werde ich am 22. Juli mit einem hoffentlich interessanten Reisebericht im Gepäck - und mit Sicherheit ganz vielen Mitbringseln. Vielleicht finde ich sogar etwas zum Verlosen, also: stay tuned ;)

Ich wünsche euch eine wunderschöne Woche!

Mittwoch, 13. Juli 2016

[Buchrezension] Das verrückte Leben der Jessie Jefferson - Paige Toon

Er schluckt. "Und was hast du jetzt vor?"
"Was meinst du?", frage ich.
"Willst du...Willst du, dass wir mit ihm Kontakt aufnehmen?"
Ich werde beinahe ohnmächtig. Noch vor zehn Minuten wusste ich nicht einmal, wer mein richtiger Vater ist. Und jetzt bietet Stu mir an, mit ihm Kontakt aufzunehmen. "Das würdest du tun?"
"Ja."
Die kleine Stimme in meinem Kopf fragt: Will er mich etwa loswerden? Doch die Antwort auf diese Frage will ich lieber nicht wissen. Jedenfalls im Moment nicht. Im Moment möchte ich nur eins: meinen leiblichen Vater kennen lernen. Mit welchen Konsequenzen auch immer.

Das verrückte Leben der Jessie JeffersonINHALT
Jessie ist erst 15 Jahre alt und musste bereits einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Wenige Monate zuvor ist ihre Mutter gestorben und nun lebt sie mit ihrem Stiefvater Stu zusammen, weil sie ihren Erzeuger nie kennen gelernt hat. Frustriert und traurig flüchtet sie sich in Alkohol und lange Nächte - bis Stu es nicht mehr aushält und ihr sagt, wer ihr leiblicher Vater ist: Rockstar Johnny Jefferson! Jessie ist völlig von der Rolle und noch begeisterter, als sie auch noch eingeladen wird, eine Woche mit Johnny und seiner Familie zu verbringen. Doch der gemeinsame Start gestaltet sich holprig und Jessie ist sich gar nicht sicher, ob dieses Leben etwas für sie ist...

MEINE MEINUNG
Mit "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" hat Paige Toon, bekannt für ihre Frauenromane, ihr erstes Jugendbuch veröffentlicht - aufbauend jedoch auf ihrer Reihe um Johnny Jefferson selbst. Mit Jessie hat sie sich eine ausgesprochen junge Protagonistin ausgesucht, die sehr pubertär denkt und handelt. Die Dialoge sind von Umgangs- und Jugendsprache geprägt, die aber nicht sonderlich glaubwürdig ist; gleichzeitig wirkt der Stil ausgesprochen erwachsen, teilweise werden sogar Worte wie "ostentativ" verwendet - was einfach nicht zusammenpasst. Immerhin kann man sich durch die Ich-Perspektive gut in die Protagonistin hineinversetzen, auch wenn das nicht bedeutet, dass man sie versteht.

Jessie kann einem als Hauptcharakter ziemlich arg auf die Nerven gehen. Verständlich ist natürlich, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter vor ihrem Schmerz und ihren Schuldgefühlen flüchtet. Nicht verständlich ist aber, wie sehr ihr Alkoholkonsum verharmlost wird - er wird für ein solches Mädchen regelrecht als normal dargestellt. Ansonsten ist sie eine ziemliche Zicke und hat nur selten wirklich helle Momente. Zwar wird sie im Laufe der Handlung etwas erwachsener, von einer wirklich sympathischen Protagonistin ist sie aber auch dann weit entfernt. Ihre beiden Love-Interests Jack und Tom sind absolut austauschbar und hinterlassen kaum einen Eindruck, außer, dass beide Herzensbrecher sind - für mich kein Argument für auch nur einen der beiden. Johnny, seine Frau Meg und deren beide Kinder sind nette Nebenfiguren, die man über die 300 Seiten langsam besser kennen lernt. Am sympathischsten ist aber definitiv Jessies Stiefvater Stu, der sich rührend um sie kümmert und doch immer wieder von ihr zurück gestoßen wird.

Ich hatte beim Lesen des Romans oft das Gefühl, dass er ab einem gewissen Alter auch für Jugendbuch-Leser einfach nichts mehr ist - dafür ist das Ganze einfach zu pubertär. Hauptsächlich dreht sich alles um Jessies Wunsch, allen von ihrem berühmten Vater erzählen zu können und mit einem ihrer beiden heißen Kerle herumzuknutschen. Die sich anbahnende Dreiecks-Beziehung hätte meiner Meinung nach schon mal gar nicht sein müssen, und die Annäherung zwischen Jessie und ihrer "neuen" Familie geht viel zu schnell, um glaubwürdig zu sein. Es gibt ein paar wichtige Aussprachen und Streits, die die Handlung etwas voranbringen, ansonsten passiert aber einfach nicht viel außer immer neuer Besuche auf irgendwelchen kleinen oder großen Hollywood-Partys. Worauf die Trilogie hinauslaufen wird, ist auch spätestens klar, als Jessies großes Gesangstalent offenbart wird - Überraschungen sind also in den Folgebänden wohl ebenfalls nicht zu erwarten. Außer vielleicht dahingehend, für welchen der Jungen sie sich entscheidet...

FAZIT
Vielleicht bin ich mit 20 Jahren mittlerweile einfach zu alt für Bücher mit 15-jährigen Protagonisten. Vielleicht lag es hier aber auch einfach an der langweiligen Geschichte ohne große Überraschungen - auf jeden Fall sind "Das verrückte Leben der Jessie Jefferson" und ich nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Zu pubertär, zu viel Romantik, zu wenig Entwicklung. Daher leider nur 2 Punkte.


Titel: Das verrückte Leben der Jessie Jefferson
Originaltitel: The Accidental Life of Jessie Jefferson
Autor: Paige Toon
Übersetzer: Gisela Schmitt
Seitenzahl: 304 Seiten
ISBN-13: 978-3956495670
Bereitgestellt durch

Sonntag, 10. Juli 2016

[Statistik] Monatsrückblick Juni

Bei mir läuft's schlecht. Da ist nicht drum herum zu reden, und nicht mal die Ausrede, dass ich nächsten Monat umziehe, zieht so richtig - denn dafür habe ich zu wenig Stress. Nur an diesem Wochenende hatte ich keine Zeit, daher kommt der Rückblick auch so spät.
Momentan habe ich einfach keine Lust zum Lesen, was sich natürlich ebenso auf das Bloggen auswirkt. Und auch im Juli habe ich bisher noch keine einzige Lektüre geschafft. Dafür gab's letzten Monat immerhin richtig gute Bücher, das ist ja auch etwas. Und da ich in einer Woche nach New York fliege, habe ich immerhin davon wohl etwas zu erzählen ;)

# Gelesen im Juni: 5 Bücher

von Daniela Ohms
von Sarah Morgan
9783426653975
Einmal hin und für immer
4,5 Punkte
4 Punkte

Ihr Blut so sein
Hades
von Sharon Bolton
von Candice Fox
30072309
3,5 Punkte
[Kurzspot folgt]
Knappe 2 Punkte
[Rezension auf Amazon]

Sturmbogen
von Sebastien de Castell
25526056
4,5 Punkte
[Kurzspot folgt]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 
ca. 444
Gelesene Seiten: 
2222
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 74
Durchschnittsbewertung: 3,7*
--
Neuzugänge: 2
Abgelesen: 5
Neuer SuB-Stand Juni: 75

# Geschaut im Juni: 1 Kinofilm

von Thea Sharrock
Gute 4 Punkte

Durchschnittsbewertung: 4

Ich habe zwar sehr viel weniger gelesen, dafür hatte ich aber auch nur einen Ausfall - daher ist meine durchschnittliche Punktevergabe für meine Verhältnisse ziemlich hoch. "Winterhonig" und die Reihe um die "Greatcoats" kann ich nur definitiv empfehlen! Obwohl "Hades" definitiv das mieseste der Bücher war (ich hasse Kapitel aus der Sicht des Täters) war meine größte Enttäuschung wohl "Ihr Blut so rein" - nachdem ich allen Büchern der Autorin vorher 5* gab. Hoffentlich begeistert mich das nächste mehr. 
Im Kino habe ich mit "Ein ganzes halbes Jahr" wieder nur einen Film gesehen und der war gut, nicht mehr, nicht weniger. Empfehlenswert!
Für diesen Sommer besitze ich eine 5er-Kinokarte und habe erst einen Besuch weg - ich habe also bis September noch ein bisschen zu tun, vor allem, weil ich sie eigentlich nur bis zum 24. August nutzen kann, dann ist nämlich Umzug angesagt. Leider (oder zum Glück?) läuft im Juli gar nicht mal so viel, wie so oft in den Sommermonaten. Aber ein Film ist natürlich wie immer fest in Planung.

Verräter wie wir FilmplakatIndependence Day: Wiederkehr FilmplakatBFG - Big Friendly Giant FilmplakatStar Trek Beyond FilmplakatThe Girl King FilmplakatPets FilmplakatThe Legend of Tarzan Filmplakat

Definitiv werde ich "Star Trek Beyond" sehen und dabei noch einmal ausgiebig wegen Anton Yelchin weinen (an den ich letzten Monat übrigens auch eine Hommage gerichtet habe). Auch "Pets" ist so gut wie eingeplant, der sieht einfach zu witzig aus. "Legend of Tarzan" wird es nur vielleicht, interessiert mich ehrlich gesagt auch wenn nur wegen Margot Robbie.
Ansonsten ist die Ausbeute etwas mager. Der Rest wird es wohl maximal auf DVD. Hoffen wir mal auf den August!

Was habt ihr im Juli vor?

Freitag, 1. Juli 2016

[Filmrezension] Ein ganzes halbes Jahr

"Ich möchte noch nicht reingehen. Ich möchte einfach ein Mann sein, der mit einer Frau in einem roten Kleid in einem Konzert war."

INHALT
Louisa Clarke ist eine sehr eigenwillige, besondere Person: Mit ihrer herzlichen Persönlichkeit und ihren schrillen Klamotten zieht sie alle Blicke auf sich. Das hilft ihr allerdings nicht, einen neuen Job zu finden, denn sie ist auch schwer vermittelbar. Bis sie sich auf das Stellenangebot der Traynors meldet: Für ein halbes Jahr den querschnittsgelähmten Will zu pflegen. Wider Erwarten wird sie für diesen Job genommen, doch Will bringt ihr erst einmal nur Arroganz und Ablehnung entgegen. Erst mit der Zeit kommen sie sich näher - dann verbindet sie jedoch eine tiefe Zuneigung. Aber sein Zustand macht ihre gesamte Beziehung überaus kompliziert...

MEINE MEINUNG
Jojo Moyes' Bestseller "Ein ganzes halbes Jahr" dürfte wohl an so gut wie keinem Leser vorbei gegangen sein - auch an mir selbstverständlich nicht. Ich habe mich in die gefühlvolle, schöne und auch traurige Liebesgeschichte verguckt, da war es keine Frage, auch die Verfilmung zu sehen. Wo Adaptionen oft verflachen oder sehr bedeutende Details auslassen, hat man hier gut gearbeitet. Nicht alles stimmt, aber Regie-Neuling Thea Sharrock hat einen Film erschaffen, der viele Fans der Vorlage sicherlich erfreuen wird.

Emilia Clarke passt überraschenderweise sehr gut in die Rolle der aufgedrehten, flippigen und herzensguten Lou. Besonders ihre Augenbrauen-Performance ist großartig anzuschauen und ihr Lächeln bringt einen immer wieder dazu mitzustrahlen - auch wenn sie es manchmal durchaus etwas übertreibt. Da ihre Figur aber eben so quirlig ist, stört das selten. Sam Claflin spielt da, auch bedingt durch die Eingeschränktheit von Will, deutlich dezenter - und sieht sowohl in den hochnäsigen, als auch in den verletzlichen äußerst hübsch aus. Den Schmerz nimmt man ihm dennoch ab. Etwas blass bleiben seine Eltern, gespielt von Janet McTeer und Charles Dance, dafür sind Brendan Coyle als Lous Vater und Jenna Coleman als ihre Schwester toll anzusehen. Matthew Lewis spielt Louisas idiotischen Freund Patrick genauso wie man ihn aus der Vorlage kennt - allerdings wird er zum Ende hin etwas schnell übergangen.

Natürlich ist "Ein ganzes halbes Jahr" in erster Linie ein Frauen- bzw. Liebesfilm und zielt daher vordergründig auf die romantische Ader ab. Und das macht er ziemlich gut: Die Entwicklung der Freundschaft zwischen Will und Lou ist ebenso schön anzusehen wie ihre aufkeimende Liebe, auch wenn das alles auf den 500 Seiten der Vorlage selbstverständlich deutlich mehr ausgelotet wurde. Aber es geht auch darum, dass Lou sich selbst findet und ihre eigenen Stärken, sogar über sich hinaus wächst. Ihre Entwicklung ist toll zu beobachten und ihre Entscheidungen fast immer nachzuvollziehen. Wills Leid durch seine Lähmung wird immer wieder glaubwürdig porträtiert, kommt aber teilweise ein wenig zu kurz - überzeugt dafür jedoch insbesondere in den Momenten, in denen er gezwungen ist, unter anderen Menschen zu sein. Zum Ende hin wird natürlich ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt, aber durch die mitreißenden darstellerischen Leistungen und die emotionale Beziehung, die man zu den Charakteren aufgebaut hat, funktioniert das außerordentlich gut - und bricht einem das Herz. Der Schluss ist dafür ein wenig zu kitschig geraten, reißt allerdings nichtsdestotrotz mit - und lässt berührt zurück.

FAZIT
Die Verfilmung des Bestsellers "Ein ganzes halbes Jahr" kommt in den 2 Stunden natürlich nicht an die Tiefe des Buches heran. Davon abgesehen aber ist es eine schön-traurige Adaption mit Charakteren, in die man sich nur verlieben kann. Dafür sieht man auch über den Kitsch am Ende hinweg. Gute 4 Punkte!




Freitag, 24. Juni 2016

[Buchrezension] Einmal hin und für immer - Sarah Morgan

Die Medien befassten sich immer noch mit dem Flugzeugabsturz, bei dem Lana Fox und ihr sehr viel älterer Liebhaber ums Leben gekommen waren. Man hatte endlose Spekulationen über den Verbleib ihrer kleinen Tochter angestellt.
Ryan ergriff die Zeitung und betrachtete das Bild näher. Und in diesem Moment hatte er die Antwort, die er gesucht hatte. 
Er musste nicht länger überlegen, warum Emily fortgelaufen war. Er musste sich nicht fragen, warum sie ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte oder warum jemand, der nichts von Booten verstand, nach Puffin Island gekommen war.
Er wusste es.
Und er wusste, warum ihm das Kind so bekannt vorkam.

Einmal hin und für immerINHALT 
Emily hatte schon seit Jahren keinen Kontakt mehr mit ihrer Halbschwester Lana und kannte deren Gesicht - wie so viele - nur aus Klatschzeitungen und Filmen. Doch dann kommt der berühmte Hollywood-Star bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und Emily sieht sich damit konfrontiert, als Vormund ihrer Nichte eingesetzt zu sein. Um diese vor den Reportern zu schützen, flieht sie mit ihr nach Puffin Island - obwohl sie Wasser hasst. Auch die plötzliche Nähe zu dem kleinen Mädchen bereitet ihr furchtbare Angst. Und als sie dann dem gut aussehenden Ryan begegnet, der sich rührend um sie kümmert, gerät ihre Gefühlswelt endgültig aus den Fugen...

MEINE MEINUNG
Wenn jemand für romantische Sommer- und auch Winterromane bekannt ist, dann wohl Sarah Morgan. Die "Puffin Island"-Trilogie rund um Emily, Brittany und Skylar ist ihre neueste Reihe, die in jedem Band die Geschichte einer anderen Freundin behandelt. "Einmal hin und für immer" hat Emily als Protagonistin, die vielleicht schwierigste der drei, in die man sich durch den gefühlvollen Schreibstil aber dennoch schnell hineinversetzen kann. Abwechselnd mit ihr erzählt auch Love-Interest Ryan aus seiner Sicht, sodass man ihn ebenfalls sehr gut kennen lernt.

Emily ist mit ihrer Angst vor Nähe und Wasser durch ein Trauma in ihrer Kindheit durchaus kein ganz einfacher Charakter - anfangs sträubt sie sich sowohl gegen ihre Gefühle zu ihrer Nichte Juliet wie auch gegen die zu Ryan. Ihre Gedanken und ihre Furcht sind jedoch immer nachzuvollziehen und ihre Wandlung hin zu einer offeneren, fröhlicheren Frau ist toll zu beobachten. Ryan ist zwar stark von sich selbst überzeugt, mit seiner hilfsbereiten und charmanten Art verliebt man sich aber genau wie Emily sehr schnell in ihn. Und das, obwohl er eigentlich nie mehr für jemanden verantwortlich sein wollte. Neben den Hauptfiguren können aber auch die Nebencharaktere begeistern: Ryans schlagfertige Schwester Rachel, sein bester Freund Alec (den wir in Band 3 näher kennen lernen) und alle anderen liebenswürdigen Inselbewohner, die immer wieder auf die ein oder andere Weise helfen. Das ist natürlich alles ein bisschen Friede-Freude-Eierkuchen - aber man fühlt sich so einfach wohl.

Anfangs kam ich durch Emilys distanzierte Art nicht so ganz in die Geschichte rein - und befürchtete schon, dass die Autorin die Auflösung der verschiedenen Geheimnisse, die die Protagonisten mit sich herumtragen, bis zum Ende hinauszögern würde. Darum muss man sich aber zum Glück keine Sorgen machen - es wird gar nicht viel verschwiegen, sondern stattdessen intensiv über die Probleme geredet, was mir sehr gefallen hat. Dadurch bleibt viel Zeit für den Aufbau der Beziehungen und eine glaubwürdige Liebesgeschichte. Zudem kommt auch die Situation rund um Emily und ihre Nichte nicht zu kurz, die sehr schön dargestellt wird. Natürlich gibt es die ein oder anderen Klischees und der Ablauf ist sehr vorhersehbar, aber durch die tolle Atmosphäre und die mitreißende Erzählweise stört das kaum. Da freut man sich am Schluss nur darauf, bald wieder nach Puffin Island zurückzukehren.

FAZIT
Wie solche "Frauenromane" das an sich haben, ist auch "Einmal hin und für immer" vor Stereotypen nicht gefeit - und dennoch lässt einen das Buch durch die liebenswerten Figuren und die berührende Geschichte bald nicht mehr los. Zum Glück erscheint Band 2 rund um Brittany schon im August unter dem Titel "Für immer und ein Leben lang". Für Emily und Ryan gibt es von mir gute 4 Punkte!


Titel: Einmal hin und für immer
Originaltitel: First Time in Forever
Autor: Sarah Morgan
Übersetzer: Judith Heisig
Verlag: MIRA Taschenbuch
Seitenzahl: 400 Seiten
ISBN-13: 978-3956495670
Bereitgestellt durch


Dienstag, 21. Juni 2016

[ETC.] Eine Film-Hommage an Anton Yelchin

Sonntagabend wurde es bekannt gegeben: Schauspieler Anton Yelchin ist tot. Sohn russischer Eltern, als Kleinkind nach Amerika gekommen, seit seinem 12. Lebensjahr regelmäßig vor der Kamera - nun ist er mit nur 27 Jahren verstorben. Ein weiterer Zuwachs für den Club 27, könnte man sagen, wenn dieser nicht nur Musikern vorbehalten wäre. So spricht man eben nur davon, dass ein viel zu junges Nachwuchstalent nicht mehr unter uns weilt.

Die Trauer ist groß. Vor allem natürlich bei Familie und Freunden, aber auch in den Filmkreisen. Schauspieler, Kollegen und Regisseure haben berührend Abschied genommen. Und nicht nur mir stand da sicherlich die ein oder andere Träne im Auge.


Ich habe Sonntag und Montag viel darüber nachgedacht, ob und wie ich etwas dazu schreiben sollte. Ist das überhaupt richtig, wenn man den Menschen überhaupt nicht gekannt hat? Nur aus Interviews und Erzählungen ahnt, dass er ein ganz besonderer junger Mann war? Daher konzentriere ich mich darauf, was er mit seinem darstellerischen Vermögen geschafft hat: Wunderbare, sympathische Figuren in großartigen, mitreißenden Filmen. Und meine Lieblinge stelle ich euch heute vor.

Jacob in Like Crazy
Dieses Werk habe ich bereits in den Kurzspots vorgestellt und wann immer mich jemand nach einem guten Film fragt, ist dieser eine meiner ersten Antworten. Ein all time favorite, den ich mir immer wieder gern anschaue. Weil er so ehrlich ist, so ungeschönt und so berührend selbst in den wenig dramatischen Momenten. Das Spiel von Anton Yelchin und Felicity Jones ist unverbraucht und geht einem unfassbar nahe - und ebenso begeistert auch das Improvisationstalent beider, denn ein richtiges Skript gab es nicht.
Obwohl der Film Gewinner der Sundance Film Festivals ist, ist er deutlich zu unbekannt. Vielleicht, weil er sich auf die ruhigen Momente konzentriert und ohne viele Dialoge auskommt. Gerade dieses zwanglose ist es aber auch, was mir als erstes in den Sinn kommt, wenn ich an Anton Yelchin denke.

Charley in Fright Night
Dadurch, dass sich dieser Film so völlig von dem vorherigen abhebt, wird vor allem eines deutlich: Ein einziges Genre war ihm nicht genug. Genauso wie er gern zwischen Blockbustern und Indie-Perlen gewechselt hat, war er auch wandelbar in seinen verschiedenen Rollen und den verschiedenen Sparten. 
Die Mischung aus Komödie und Horror ist ein ziemliches Spektakel - und ein sehr witziges noch dazu. Ungewohnt, Anton Yelchin in einem solchen Streifen zu sehen, aber im positiven Sinne, denn das komödiantische Spiel lag ihm durchaus, wie man in so gut wie jedem seiner Filme erkennen konnte. Allein die Gesichtsausdrücke, die leise Ironie, hier gemixt mit einigem an Blut - herrlich.

Charlie Bartlett in Charlie Bartlett
Die Coming- of-Age-Geschichte des jungen Charlie wurde mir einmal von einem Leser des Blogs empfohlen - zum Glück. Dieser Film rund um das Erwachsenwerden ist einer, der zum Verlieben einlädt: Sowohl in die zuckersüße und gleichzeitig sehr individuelle Romanze zwischen Anton Yelchins Charlie und Kat Dennings' Susan, als auch in die Entwicklung, die diese wunderbaren Figuren durchmachen und die wir als Zuschauer mit ihnen erleben dürfen. Ein unaufgeregter und dennoch mitreißender Film, lebenslustig und tiefgehend, in jedem Moment perfekt getragen vom Hauptdarsteller.

Chekov in Star Trek, Star Trek Into Darkness, Stark Trek Beyond
Seine bekannteste Rolle - obwohl er, wie er selbst sagte, kein Fan von Remakes war. Dass sein Chekov so beliebt wurde, liegt vermutlich zum einen an seiner Ausstrahlung, die durch den herzerwärmenden dicken russischen Akzent noch verstärkt wird, zum anderen aber auch daran, dass er hier wieder sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen durfte. Seine Reaktionen auf Anweisungen von Kirk sind teilweise zum Schießen, sein "I can do it!" legendär. Die schönsten Szenen hat ein Youtuber in einem Video zusammen gefasst. Der nächsten Monat posthum startende 3. Teil der Reihe wird mehr oder weniger als sein Vermächtnis gelten - und ihn uns nochmal in einer seiner schönsten Rollen präsentieren. 



Weitere nennenswerte Filme: Green Room, Odd Thomas, Only Lovers Left Alive und vier posthum startende: Rememory, We Don't Belong Here, Porto, Thoroughbred

Rest in Piece, Anton.

Montag, 13. Juni 2016

[Buchrezension] Winterhonig - Daniela Ohms

Von weitem erhob sich schließlich das dumpfe Dröhnen der amerikanischen Bomber. Allein an diesem Geräusch konnte Mathilda hören, wie tief sie flogen, doch der Hochnebel versperrte jede Sicht. Nur vage konnte sie abschätzen, wie nah die Flieger bereits herangekommen waren, bevor sie die dunklen Schemen im Hochnebel ausmachte. Unter den Flugzeugen wackelte etwas, klobige Dinger, die mit einer eirigen Bewegung herunterfielen.
Bomben!
Noch bei diesem Gedanken folgte die erste Detonation.

9783426653975 INHALT
Es ist der Sommer 1938, als Mathilda und Karl sich ineinander verlieben, nachdem sie lange befreundet waren - und es ist ebenjener Sommer, in dem er sie verlässt. Karl meldet sich freiwillig für die Wehrmacht und lässt Mathilda mit den Schrecken und Entbehrungen des Krieges zuhause zurück.  Sie weiß nicht, dass es neben den fünf Jahren Altersunterschied noch etwas gibt, das ihre Liebe unmöglich macht - denn Karl hütet ein Geheimnis, das ihn zu Zeiten des Nationalsozialismus das Leben kosten könnte. So bangen beide umeinander, weit entfernt und nur verbunden durch verbotene Briefe, die sie sich schreiben. Und durch den Winterhonig, den er ihr einmal geschenkt hat und der sie immer an ihn erinnert.

MEINE MEINUNG
Eigentlich dachte ich immer, um einen Historie-Roman zu mögen, muss man ein Fan des Genres sein - und das bin ich definitiv nicht. Eher versuche ich, diese Sparte nach Kräften zu ignorieren. Nach "Winterhonig" weiß ich nun aber, dass das vielleicht gar nicht notwendig ist, denn es kommt auf das Gesamtpaket an und das stimmt hier definitiv. Daniela Ohms besitzt einen wunderbaren, einnehmenden und detailreichen Schreibstil, der einen nicht nur das bäuerliche Leben der 40er kennen lernen lässt, sondern einen auch erschreckend realistisch in den Krieg entführt. Erzählt wird die Geschichte sowohl aus der personalen Sicht der Protagonistin als auch des Protagonisten, durchsetzt von den Briefen, die sie sich schreiben. Auch von Briefen innerhalb von Romanen halte ich normal gar nichts - hier fügt sich das aber wunderbar passend ein.

Mathilda ist eine Hauptfigur, die man sehr schnell in sein Herz schließt und gern auf ihrem schwierigen, entbehrungsreichen Weg begleitet. Als jüngstes von 10 Kindern hat sie es nicht einfach, wird teilweise sogar schlecht behandelt - und ist trotzdem ein offenherziges, liebevolles junges Mädchen. Abgesehen davon, dass sie ein bisschen zu viel weint, kann man sich vollständig mit ihr identifizieren. Auch Karl ist ein Sympathieträger mit seiner ruhigen, nachdenklichen Art und seiner immer währenden Hilfsbereitschaft. Die Faszination aller Mädchen kann man durchaus nachvollziehen. Aber auch an unterschiedlichen Nebenfiguren mangelt es nicht: Mathildas etwas grober und überforderter Vater, ihr wunderbar sanfter Bruder Joseph oder auch die freundliche und unterstützende Gutsbesitzerin Viktoria, sie alle zeichnen sich durch ihre ganz besonderen Eigenschaften aus. Und auch historische Persönlichkeiten kommen vor: So lernt man zum Beispiel die Brüder Boeselager in Aktion kennen, die auch in Wirklichkeit am Widerstand beteiligt waren.

"Winterhonig" spielt zur Zeit des 2. Weltkrieges und hat diesen daher natürlich auch zu einem großen Teil zum Thema. Aber der Roman handelt nicht nur von den Soldaten, ihren Kämpfen und ihren Toten, sondern auch von den Menschen, die nicht aktiv im Krieg sind - und diesen dennoch auf die ein oder andere Weise miterleben. Die Autorin macht auf einfühlsame Weise sehr deutlich, was für eine schwere Zeit das für jeden Bürger ist, der nicht vollkommen in Hitlers Fantasien aufgeht - und es gelingt ihr auch ebenso sensibel, das Ganze aus der Sicht eines Soldaten zu beschreiben, der für sein Überleben töten musste. Die Geschehnisse sind grausam und auch das nationalsozialistische Gedankengut spielt selbstverständlich eine Rolle, wenn Mathildas Familie davon auch weitestgehend unberührt bleibt. Es gibt viele Tote und viel Leid - und gerade deshalb ist es wohl auch gut, dass sich die Autorin dafür entschieden hat, dem Ganzen mit einer Liebesgeschichte einen zentralen und schöneren Faden zu geben.

Die Romantik ist weder kitschig noch steht sie zu stark im Vordergrund. Stattdessen entwickelt sie sich sehr langsam und wird immer wieder durch Rückblicke in Mathildas Kindheit näher beleuchtet - denn Karl und Mathilda kennen sich schon lange und anfangs war das nur eine unschuldige Freundschaft zwischen einem Kind und einem Jugendlichen. Die Art und Weise, wie die beiden miteinander umgehen, ist berührend und mitreißend, sowohl in jungen Jahren als auch später in denen voller Liebe und Leidenschaft. Natürlich ahnt man Karls Geheimnis, das schon im Klappentext angedeutet wird, auch wenn es sich dann doch ein wenig von den Vermutungen abhebt. Letztendlich geht es auch viel weniger um das Rätsel als um das Leben und Überleben selbst und die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft trotz der Schwierigkeiten. Bis zum Ende fesselt die Geschichte durchgehend und lässt auch danach noch eine Weile nicht los - denn nachdem man Mathilda und Karl über so eine lange Zeitspanne begleitet hat, mag man sie kaum noch loslassen. Und genau das macht ein gutes Buch aus.

FAZIT
"Winterhonig" ist ein historischer Roman und damit einer, um den ich normal einen Bogen gemacht hätte. Wem es ähnlich ergeht, der sollte sich das vielleicht noch einmal überlegen - denn Daniela Ohms erzählt die (teilweise wahre) Geschichte so lebendig, einfühlsam und mitreißend, dass man nur begeistert sein kann. Unbedingt ausprobieren! 4,5 Punkte.


9783426653975
Titel: Winterhonig
Originaltitel: -
Autor: Daniela Ohms
Übersetzer: -
Verlag: Droemer Knaur
Seitenzahl: 592 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-65397-5