Back Down to Earth

[Buchrezension] Heartware - Jenny-Mai Nuyen

Die Nacht neigte sich dem Ende zu. Sie kauerten auf dem Bett, und Wills Schluchzen ging in einen tiefen Schlafatem über. Eli aber blieb wach. Bis zu dem Augenblick hatte er das Gefühl gehabt, Will gleite ihm davon. Auf eine unbegreifliche Weise war sie ihm fern gewesen. Jetzt schien sie wieder da zu sein, so unmittelbar wie ihr träumender Körper. Das, was sich nun fern anfühlte, war er selbst.
Der nächste Tag war ihr letzter bei Senora Pudin. Sie mieteten ein Auto, kauften eine Leiter, Drähte und Schraubenzieher, eine Tragetasche und Isoliermaterial. Bevor sie losfuhren, versteckten sie zwei Löffel zwischen Bettgestell und Matratze.
"Damit unsere Liebe an einem Ort zurückleibt", sagte sie.
Wie oft er später daran denken musste. Wie sehr sich ihre Aussage mit der Zeit verfinsterte, leuchtendem Silber gleich, das altert.

INHALT
Vor Jahren wurde Adam Eli von seiner großen Liebe Willenya Curuvija verraten. Er ist für sie ins Gefängnis gegangen und versucht nun, seine Vergangenheit und auch sie zu vergessen, aber es will ihm nicht recht gelingen. Dann erhält er eines Tages eine Mail, die ihn aus der Bahn wirft, denn sie dreht sich um Will. Er soll sie suchen, weil sie etwas so Wichtiges gestohlen hat, dass sie damit die gesamte Welt verändern könnte. Doch sie wird auch von anderen gesucht, die daruch zwangsläufig auch auf seine Spur kommen. Und bald befindet sich Eli auf der Flucht, nur in Begleitung der undurchschaubaren und eventuell gegen ihn arbeitenden Detektivin Mariel...

MEINE MEINUNG
An Jenny-Mai Nuyens ganz frühe Fantasy-Werke denke ich gern zurück - auch wenn mich viele ihrer späteren Romane nicht mehr genauso mitreißen konnten. Mit "Heartware" wagt sie sich nun erstmals in das Genre der Thriller vor, was mir bei anderen Autoren oft gar nicht gefällt, hier aber wunderbar funktioniert. Die Themen rund um künstliche Intelligenzen, die Machenschaften der Wirtschaftsmächte und die Überwachung der Menschheit sind brandaktuell und werden erschreckend realistisch dargestellt, sodass sich schnell ein fulminanter Sog ergibt. Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Adam Eli, seiner unfreiwilligen Begleiterin Mariel Marigny und Y, die viele andere Sichten unter sich vereint, was durchaus Sinn ergibt.

Keine der Figuren des Romans ist so richtig glücklich. Das beginnt schon mit Adam Eli, der nach all den Jahren noch immer seiner Jugendliebe Will nachtrauert und keinen Frieden mit sich, mit ihr und mit ihrer verlorenen Beziehung geschlossen hat. Er ist sehr intelligent und findet für fast alles eine Lösung, aber weil er sich so sehr in seine Sehnsucht verrennt, denkt er oftmals nicht klar - was ihn nicht unbedingt unsympathisch macht, ihn jedoch manchmal ein bisschen zu sehr leiden lässt. Will selbst taucht größtenteils in Rückblicken auf und ist ganz klar ein gebrochenes, zerbrechliches Mädchen, das viele Ecken und Kanten hat, die sie nicht unbedingt zu einem guten Menschen machen. Das ist aber auch nicht notwendig, denn gerade durch ihre Undurchschaubarkeit gewinnt sie an Intensität. Nebenfiguren wie die manipulative und kokette Marigny oder auch die düsteren, skrupellosen Agenten Beckblum, Nakamoto und Dussardier tragen dazu bei, ein Gewirr aus Fragen und verschiedenen Handlungsfäden aufzuwerfen, die kunstvoll verwoben werden.

Nuyen gelingt es, wichtige, spannende Fragen aufzuwerfen, ohne die Antworten darauf dem Leser vorwegzunehmen: Wie weit sollte man für die Liebe gehen? Was ist man bereit, auf dem Weg zum eigenen Ziel zu opfern? Und darf man über das Schicksal der Welt entscheiden? Technische Details über Aktienmärkte, Computer und  Wirtschaft sind so gut und verständlich in die Handlung eingebaut, dass einem nichts entgeht - und trotzdem fügen sich die einzelnen Elemente erst zum Ende hin zu einem großen Ganzen zusammen. Zwischenzeitlich gibt es durchaus ein paar Längen, besonders im Mittelteil, der sich bei vielen Dialogen und nur wenig Handlungsfortschritt etwas zieht. Das jedoch machen die rasanten letzten 100 Seiten wieder wett. Die Charaktere und ihre Ambitionen sind kaum zu durchschauen, weshalb auch der Ausgang des Buches lange offen bleibt. Am Schluss wird nicht alles geklärt und nicht jeder findet seinen Seelenfrieden, was realistisch ist - aber die Hoffnung, dass es vielleicht, eines Tages, doch gut werden könnte, bleibt. 

FAZIT 
"Heartware" ist ein größtenteils rasanter Thriller, der aber auch dramatische Züge besitzt und insbesondere von den intensiven, sehr ambivalenten Charakteren lebt. Zwischenzeitlich haben sich ein paar Längen eingeschlichen und das ein oder andere Mal wurde mir der Leidensdruck der Figuren zu groß, gefesselt war ich aber fast durchgehend. 4 Punkte.

 

[Kurzrezension] Prager Fragmente - Roman Achmatow

Ein dunkel gekleideter, mit Kappe und Kapuze bedeckter Mann tritt an das Mikrofon und wiederholt zum Warmmachen einige Male den Ausruf "Mic check". Und gerade als ich schon denke, das bliebe seine einzige Zeile am heutigen Tage, unterlegt er die aus den Boxen schallende Melodie mit einem lockeren, dreiminütigen Freestyle. Die tanzende Menge applaudiert euphorisch.
Alter, Reichtum, Herkunft, Religion, Sex oder Aussehen scheinen in diesem Moment keine Kategorien von nennenswerter Bedeutung zu sein. Die Menschen sind anscheinend im Reinen mit sich. Und damit auch im Reinen mit der Welt.
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INHALT
Ein Auslandsjahr in einer fremden Stadt, fernab der Heimat, umgeben von fremden Menschen, Gerüchen und Sitten. In 12 Essays berichtet Roman Achmatow von seinem Aufbruch nach Prag, seinem Leben dort und den guten wie schlechten Momenten. 

"Mit Abstand das beste Buch, das Roman Achmatow je geschrieben hat." - Roman Achmatow (hat bisher noch nie ein Buch geschrieben)

MEINE MEINUNG
Ab und zu kommt es vor, da findet man eine kleine Perle, wo man sie nicht erwartet hätte. Eigentlich lese ich keine Kurzgeschichten und schon gar keine Essays - aber irgendetwas an Prag als Kulisse hat mich angezogen, zusätzlich zu dem schönen Cover, das ein Motiv der Postkartenreihe des Autors Roman Achmatow, bekannt von Essays Pics, zeigt. "Prager Fragmente" beginnt mit einem humorvollen, selbstironischen Vorwort und genau diese Spur Witz, gepaart mit lebendigen Beschreibungen, lässt einen Prag aus einem ganz besonderen Blickwinkel erleben.

Essays über das U-Bahn-System, das einem Labyrinth gleichkommt, oder auch den allmorgendlichen Kampf um einen Platz in einer dieser U-Bahnen, lassen sich hier ebenso finden wie eines über das unverhoffte Miterleben einer Demo des tschechischen Pegida-Ablegers - das dann gekonnt von einer Geschichte über die farbenfrohen und diversen Seiten  Prags abgelöst wird. Wie bei jeder Reise gibt es lichte und dunkle Momente, und diese einzufangen, gelingt dem Autor beeindruckend gut. Teilweise stören ein paar zu wenige Absätze den Lesefluss und insgesamt hätten es meiner Meinung nach ein paar mehr Anekdoten zum normalen Alltag der Prager Bevölkerung geben können, schließlich lebt es sich dort sicherlich anders als in Deutschland. Trotzdem wird die Stadt vor dem inneren Auge lebendig und immer wieder packt einen während des Lesens die Lust, sie selbst einmal zu besuchen - eventuell verspürt man sogar mit Roman Achmatow gemeinsam eine Spur des Fernwehs, und das ist wohl das größtmögliche Kompliment.

FAZIT
Obwohl ich kein großer Fan von Essays bin, hat mich "Prager Fragmente" mit der schönen Sprache und den Spitzen gegen konservatives Denken in ein Prag mitnehmen können, das sowohl gute als auch schlechte Seiten hat. Da das Buch ein Selfpublisher-Werk ist, ist es nur hier zu kaufen - es lohnt sich auf jeden Fall.

[Statistik] Monatsrückblick Juli

Der August ist da und auch wenn das Wetter weiterhin einen auf April macht, hat mich endlich wieder das Lesefieber gepackt. Es lief im Juli wirklich gut und das, obwohl ich nicht einmal Urlaub hatte. Bei der Lesechallenge bin ich zwar immer noch ein Buch hinterher, aber ich bin zuversichtlich, das auch noch aufzuholen. Abgesehen vom vielen Schmökern war ich auch zweimal im Kino - und habe für die beiden Hobbies ganz einfach mal die Serien liegen gelassen.

#Gelesen im Juli: 7 Bücher

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1. Nachtblumen von Carina Bartsch[4*]
2. Dunkles Omen von Kelley Armstrong [4*]
3. Die Dreizehnte Fee von Julia Adrian [3,5*] - Kurzspot folgt 
4. I'll Give You the Sun von Jandy Nelson [gute 4,5*]
5. Dunkle Wasser von Mary Jane Beaufran [knappe 2,5*]
6. Prager Fragmente von Roman Achmatow [4*] - Rezension folgt
7. The Hate U Give von Angie Thomas [sehr gute 4,5*]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 377
Gelesene Seiten: 2638
Gelesene Seiten pro Tag: 85
Durchschnittsbewertung: 3,86*
--
Neuzugänge: 5
Abgelesen: 7
Neuer SuB-Stand April: 71

# Geschaut im Juli: 2 Kinofilme

Mein letzter KinobesuchMein letzter Kinobesuch

  1. Begabt [gute 3,5*]
2. Dunkirk [5*] 

Durchschnittsbewertung: 4,25* 

# Gesuchtet im Juli: 1 Serie

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1. Mr. Robot: Staffel 1, Folge 1-7 [sehr gute 4*] - Rezension folgt

Bei sieben gelesenen Büchern eine Durchschnittsbewertung von fast 3,9* zu erreichen, ist ja fast schon utopisch - mir aber doch gelungen. Offensichtlich hatte ich im Juli ein gutes Auge dafür, was mir gefallen würde, und nur "Dunkle Wasser" hat mir nicht gefallen - das Buch stand aber nun auch schon mindestens fünf Jahre ungelesen im Regal. Monatshighlights sind definitiv das berührend-schöne "I'll Give You the Sun" und das brisant-ehrliche "The Hate U Give". (Ich sollte anscheinend öfter Bücher mit einem "give" im Titel lesen!)

Für "Begabt" hatte ich erfreulicherweise Kinokarten gewonnen und begeistern konnten mich hier insbesondere die beiden Hauptdarsteller, auch wenn die Geschichte selbst nichts Neues war. "Dunkirk" dann ist wieder ein Meisterwerk des Regisseurs Christopher Nolan, in das ich mich in kürzester Zeit mit Haut und Haar verliebt habe.

Bei all diesen Aktivitäten blieb nur noch Zeit für eine Serie. Da ich ja momentan kein Netflix-Abo habe, habe ich beschlossen, auf Amazon endlich mal das hochgelobte "Mr. Robot" anzufangen (auch wenn ich mit "Preacher", "Taboo" und "American Gods" eigentlich schon genug am Laufen habe). Bisher gefällt mir die Serie sehr gut und ich bin gespannt darauf, wie Elliott Evil Corp zu Fall bringen will.

Obwohl sommerliche Temperaturen ja eigentlich nicht perfekt sind, um ins Kino zu gehen, habe ich dies dennoch auch im August vor. So wie der Sommer bisher lief, glaube ich sowieso fest an ein paar Regentage, da bietet es sich ja quasi an.

 Planet der Affen - SurvivalEmoji - Der FilmDas Gesetz der FamilieDer Dunkle TurmThe Promise - Die Erinnerung bleibtTable 19 - Liebe ist fehl am PlatzTulpenfieberAtomic BlondeKiller’s BodyguardJugend ohne GottBullyparade - Der Film

Will ich auf jeden Fall sehen: "Der dunkle Turm" ist eine definitiv genial aussehende King-Verfilmung, die sich allerdings (relativ) stark von der Vorlage abheben soll - auf Matthew McConaughey als Bösewicht bin ich aber einfach zu gespannt. "Atomic Blonde" ist schon allein eingeplant, weil eventuell ein Crossover mit John Wick in Planung ist und "Jugend ohne Gott" sieht für einen deutschen Film echt gut aus UND Jannik Schümann dabei, ergo: sold. Zuletzt bin ich wahnsinnig gespannt darauf, ob die "Bullyparade" so gut wird, wie der Trailer es verspricht - dafür muss ich aber noch jemanden finden.
Will ich vielleicht sehen: "The Killer's Bodyguard" erinnert mich zwar sehr an "Safe House", der auch mit Ryan Reynolds war, aber den Mann mag ich nun mal einfach gern, da könnte der Film ganz witzig werden. "Table 19" hat Anna Kendrick aufzuweisen und sieht superniedlich aus und "Tulpenfieber" sieht sehr hübsch aus, ist aber vielleicht nicht recht meins.
Will ich auf keinen Fall sehen: Woraus die Studios nicht versuchen, Geld zu schlagen! Dass sich Sony entschieden hat, statt "Popeye" lieber "Emoji - Der Film" zu drehen, ist mir unbegreiflich. Und "The Promise" hat zwar einen tollen Cast, sieht aber irgendwie auch seltsam trashig aus, daher wird dieser es maximal bei einem Streaming-Anbieter.

Wie lief euer Juli und was habt ihr im August vor? 

Ich werde übrigens ab dem 06.08. für eine Woche nach Italien fahren und in dieser Zeit, je nach WLAN, wahrscheinlich maximal sporadisch posten. Pünktlich mit Ende der Sommerferien in Rheinland-Pfalz bin ich dann wieder zurück ;)

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