Back Down to Earth

[Buchrezension] Das blutende Land - Klaus N. Frick

"Ein anderer Wolf", sagte Corvis andächtig. "Mit dem habe ich nicht gerechnet. Wahrscheinlich die Gefährtin. Wir haben Glück, dass sie gleich abgezogen ist. Das wäre sonst ein harter Kampf geworden." Er sah seinen Sohn an. "Was ist mit dir? Frierst du?"
"Nur die Erleichterung", log Sardev. "Es ist nichts, nur die Erleichterung nach dem Kampf. Ich bin froh, dass es vorüber ist."
Sein Vater musterte ihn, sagte aber kein Wort. Stumm ging er in die Knie und betastete den Kopf des toten Wolfs, griff mit den Fingern nach den Ohren. Sardev merkte, dass sein Vater ahnte, dass er ihn anlog. Und er wusste darüber hinaus, dass er auf einmal Angst hatte. Angst vor etwas, das er nicht erspüren konnte, von dem er aber glaubte, dass es irgendwie hinter den Hügeln auf ihn lauerte, in einer zottig-grauen Gestalt, die auf vier Pfoten lief und jetzt vor Verzweiflung und Wut die Monde anheulte.

https://www.droemer-knaur.de/fm/48/978-3-426-52106-9_Druck.jpgINHALT
Patloren wird vom Imperium der Eskoher beherrscht. Der neue Verwalter Nesh-Tilan möchte die geltenden Gesetze noch härter anwenden und sich dabei selbst in eine gute Ausgangslage für den Aufstieg bringen - doch dafür braucht er einen Sündenbock. Der junge Sardev ist eigentlich ein ganz normaler Bauernsohn. Aber als er auf einem öffentlichen Marktplatz den Fehler begeht, einem unschuldigen Mann helfen zu wollen, wird er gefangen genommen und für ein Experiment benutzt: Sein Geist soll mit dem eines Wolfes verschmolzen werden, damit er den Eskohern als Waffe dienen kann. Doch der Magier, der diese Verwandlung durchführt, hat nicht den Frieden im Land im Sinne. Und er muss mit allen Mitteln bekämpft werden.

MEINE MEINUNG
"Das blutende Land" ist Dark Fantasy, die dem Genre-Namen alle Ehre macht: Von Anfang an düster, schmutzig und ungeschönt wird eine Geschichte erzählt, die so humorlos wie episch daher kommt. Autor Klaus N. Frick, bekannt als Chefredakteur der Perry Rhodan-Serie, hat altbekannte wie spannende neue Ideen verarbeitet - sein Schreibstil ist für meinen Geschmack trotz anschaulicher Beschreibungen aber viel zu ausschweifend und langatmig. Erzählt wird die Geschichte aus vier Sichten, wobei aber insbesondere die des eigentlichen Protagonisten Sardev viel zu kurz kommt.

Dieser ist nämlich - als einziger der Charaktere - durchaus einigermaßen sympathisch, weil er für sich selbst und für andere einsteht und nicht auf den Kopf gefallen ist. So richtig in den Vordergrund tritt er aber erst nach über der Hälfte des Romans und dann ist er bereits vom Wolf besessen, es ist also schwierig, seinen eigentlichen Charakter auszumachen. Die restlichen Figuren sind alle durchweg unsympathisch und auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Das ist prinzipiell sehr interessant, weil man bei ihrem ambivalenten Verhalten selten sicher sein kann, was sie als nächstes vorhaben. Gleichzeitig wird einem aber auch niemand zur Indentifikation geboten. Sie alle ziehen ihr Ding durch, befolgen oder geben Befehle und versuchen ihre Ziele zu erreichen. Insbesondere die Kämpferin Zarg-Nolesa - eigentlich eine starke Frau - wird sehr darauf reduziert, die Anweisungen des Hohen Rates zu befolgen, eigene Ambitionen hat sie eher keine. Das ist schade und führt nicht dazu, dass man die Charaktere gern begleitet.

Eventuell liegt es daran, dass man nach dem stimmungsvollen Prolog erst einmal für mehr als 200 Seiten das Gefühl hat, dass nichts passiert. Erst nach fast der Hälfte des Romans kommt es überhaupt zu dem im Klappentext erwähnten Experiment - davor folgt man den Figuren hauptsächlich dabei, wie sie von einem Ort zum anderen reisen und Befehle ausführen. Sardev kommt viel seltener zu Wort als die restlichen Figuren und das wird erst besser, nachdem seine Seele mit der des Wolfes verschmolzen wurde. Danach ist sein Kampf um die Vorherrschaft über seinen Körper interessant anzusehen und auch die actionreichen Szenen nehmen wieder zu. Trotzdem fehlte mir das gewisse Etwas - und sei es auch nur ein wenig Humor zur Auflockerung der düsteren Szenerie und deren sehr oft erwähnten unangenehmen Gerüche. In der Zwischenzeit hatte mich die langatmige Erzählweise schon zu sehr verloren, als dass mich die Geschichte im Finale noch richtig hätte packen können. Immerhin werden alle offenen Stränge noch knapp zusammen geführt, sodass der Roman - für das Genre ungewöhnlich - einen runden Einzelband abgibt. Ob einem das reicht, muss jeder für sich entscheiden.

FAZIT 
High Fantasy ist eines meiner liebsten Genres - hier noch etwas Neues zu finden, wird da mitunter schon schwierig. Klaus N. Frick wartet in "Das blutende Land" tatsächlich mit frischen Ideen auf, mit seinem ausschweifendem Schreibstil und den sehr ambivalenten Figuren konnte ich aber nur wenig anfangen. So sprang der Funke leider nie auf mich über. Knappe 2,5 Punkte.

Meine Empfehlung für Leser, die gern undurchschaubaren und nicht unbedingt von Grund auf guten Figuren folgen.


 

[Statistik] Monatsrückblick November

Einen fröhlichen Dezember wünsche ich! Ich hoffe, ihr habt das Schnee-Chaos der letzten Tage gut überstanden - Zugfahren fand ich ein bisschen schwierig, aber das ist ja nichts Neues gewesen.
Im November scheine ich mich mit meinen ganzen Plänen ein wenig übernommen zu haben. Ich habe deutlich mehr Serien und Filme geschaut als ich Bücher gelesen habe, aber trotzdem wieder neue Lektüren gekauft (ich werde es wohl nie lernen). Dazu kommt die Tage auch endlich mal wieder ein Neuzugänge-Post. Besonders in den letzten Tagen des Monats habe ich außer der Aktion zum #Buchliebenetz nichts mehr geschafft. Im Dezember habe ich viel Urlaub, bin aber auch viel unterwegs - ich bin nicht sicher, ob eine Besserung in Sicht ist.

#Gelesen im November: 4 Bücher

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1. Turtles All the Way Down von John Green [4*]
2. Und wenn die Welt verbrennt von Ulla Scheler [3*]
3. Iskari: Der Sturm naht von Kristen Ciccarelli [sehr gute 4*] 
4. ES von Stephen King [sehr gute 4*] - Kurzspot folgt
 
Gelesene Seiten: 2666
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 666
 Gelesene Seiten pro Tag: etwa 89
Durchschnittsbewertung: 3,75*
--
Neuzugänge: 3
Abgelesen: 4
Neuer SuB-Stand Dezember: 73

# Geschaut im November: 1 Kinofilm

Mein letzter Kinobesuch

1. Paddington [4*] - Rezension folgt

# Gesuchtet im November: 7 Serien

 Bildergebnis für brooklyn 99 staffel 1Bildergebnis für the expanse plakat netflixBildergebnis für alias grace serie netflixBildergebnis für the sinner serie plakatBildergebnis für mindhunter serie plakatBildergebnis für punisher serie plakatBildergebnis für black mirror serie plakat

1. Brooklyn Nine-Nine: Staffel 2 & Staffel 3, Folgen 1-10 [knappe 4,5*]
2. The Expanse: Staffel 2  [sehr gute 4,5*] - Rezension folgt
3. Alias Grace: Staffel 1 [sehr gute 4*] - Kurzspot folgt
4. The Sinner: Staffel 1 [4,5*] - Rezension folgt
5. Mindhunter: Staffel 1 [3,5*] - Kurzspot folgt
6. Punisher: Staffel 1, Folgen 1-3 [bisher 4*] 
7. Black Mirror: Staffel 1, Folge 3 & Staffel 2, Folge 1 [3,5*]
  
Vier gute Bücher und ein mittelmäßiges - was will man mehr? Für "ES" habe ich sehr, sehr lange gebraucht (angefangen hatte ich Ende September), was aber eher an mangelnder Zeit lag. "Iskari" ist eine tolle neue Fantasy-Reihe, die ich definitiv weiter verfolgen werde, und John Green konnte mich auch mit seinem neuesten Roman wieder erfreuen.

Im Kino war ich nur einmal, dafür aber immerhin im lang erwarteten "Paddington 2", der ähnlich zuckersüß war wie Teil 1. Weniger lustig vielleicht, aber dafür zwischenzeitlich sehr berührend.

Wenn man sich dann die Liste meiner Serien anschaut, weiß man ganz genau, warum ich nichts anderes geschafft habe. Im November gab es bei Netflix sehr viel Neues, das ich sofort schauen musste, daher waren insbesondere durch "Alias Grace" und "The Sinner" ganze Abende weg. "Brooklyn Nine-Nine" hat mich endlich komplett gefangen genommen und ist für mich die momentan beste Sitcom-Serie und die 2. Staffel von "The Expanse" hat so genial aufgehört wie sie gestartet hat. Den "Punisher" schaue ich aktuell mit einer Freundin, weswegen es ein bisschen länger dauert, aber bisher bin ich trotz einiger Längen noch interessiert.

Wie schon erwähnt, habe ich im Dezember viel vor, daher sieht es für einen Kinobesuch eher schlecht aus. Zum Glück gibt es aber sowieso nicht die Wahnsinns-Auswahl.

Zwischen zwei Leben - The Mountain Between UsA Ghost StoryFerdinand - Geht STIERisch ab!Star Wars - Die letzten JediJumanji - Willkommen im DschungelPitch Perfect 3Dieses bescheuerte HerzThe Killing of a Sacred Deer

Will ich auf jeden Fall sehen: "A Ghost Story" ist, entgegen des Titels, kein Horrorfilm, sondern erzählt mehr eine Liebesgeschichte aus der Sicht eines Geistes - eine tolle Idee. "The Killing of a Sacred Deer" sieht ebenfalls großartig aus, düster und packend. Das könnte endlich mal wieder ein richtig guter Thriller werden.
Will ich vielleicht sehen: Nachdem ich beide Vorgänger im Kino gesehen habe, müsste ich mir auch "Pitch Perfect 3" ansehen - aber mich nervt immer noch, dass die Treblemakers einfach rausgeschrieben wurden. "Ferdinand" sieht nach einem sehr niedlichen Animationsfilm aus, hat mich aber nicht komplett überzeugen können.
Will ich nicht (im Kino) sehen: Insbesondere "Dieses bescheuerte Herz" werde ich trotz Elyas M'Barek ganz bestimmt nicht ansehen. "Zwischen zwei Leben" wartet ansonsten mit zwei echten Größen auf, soll aber unfassbar schmalzig und unglaubwürdig geraten sein.

Was habt ihr an den Weihnachtsfeiertagen vor?

[Buchliebenetz] Tag: Gegensätzliche Bücher

Es ist mal wieder Zeit für das #buchliebenetz, bei dem verschiedene buchbegeisterte Blogger gemeinsame Aktionen durchführen, die sich - wie der Name schon sagt - um das schönste Hobby der Welt drehen: Das Lesen. Heute ist mal wieder ein Tag dran, bei dem wir euch Bücher aus unseren Regalen vorstellen, die gegensätzlicher kaum sein könnten.

Bild könnte enthalten: Text

Ein vor langem gelesenes Buch / Ein frisch gekauftes Buch

Ich bin nicht sicher, in welchen Untiefen verschiedener Bücherkisten es verschwunden ist (weswegen es auch leider kein Foto gibt), aber die Lektüre, an die ich mich aus meiner Kindheit noch am meisten erinnere, ist definitiv "Der Wunschpunsch" von Michael Ende. Gelesen habe ich es in einem Bayern-Urlaub als ich etwa acht Jahre alt war und ich kann mich noch daran erinnern, dass mir ein älterer Herr beigebracht hat "satanarchäolügenialkohöllisch" auszusprechen.
Ganz neu in meinem Regal findet sich mal wieder eine englische Lektüre - bei Gutscheinen kann ich mich meistens nicht zügeln. Schauspielerin Krysten Ritter hat einen Thriller geschrieben und normal hasse ich Bücher von Schauspielern (das geht selten gut), aber bei Ritters "Bonfire" bin ich einfach zu gespannt.

Ein günstiges Buch / Ein teures Buch


Ein Grund, weswegen ich so oft und gerne englische Bücher kaufe: Sie sind so günstig! "Sleeping Giants", von dem ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit erzähle, bietet immerhin 300 Seiten für gerade einmal 6,99€! (Und die lohnen sich.)
Eines meiner teuersten Bücher ist dagegen "Die Knochenuhren" von David Mitchell. Zum Glück habe ich es dieses Jahr zu Ostern bekommen, 25€ sind nämlich durchaus kein Schnäppchen.

Eine Lektüre mit männlicher Hauptfigur / Eine Lektüre mit weiblicher Hauptfigur


Da ich relativ viel High Fantasy lese, habe ich gar nicht mal so wenige Bücher mit einem männlichen Protagonisten. Entschieden habe ich mich (und ich cheate mal wieder) für die "Greatcoats"-Reihe von Sebastien de Castell, deren Erzähler Falcio ich einfach abgöttisch liebe.
Eine großartige weibliche Protagonistin hat dagegen "Nevermore" (das eigentlich auch Teil 1 einer Trilogie ist). Isobel ist trotz blonder Haare und Tätigkeit als Cheerleaderin alles andere als stereotyp. I like! 

Ein Pageturner / Ein Buch, für das ich lange gebraucht habe


Dass ich Dennis Lehanes "Shutter Island" zuletzt gelesen habe, ist schon eine Weile her, aber ich erinnere mich noch klar daran, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte - genauso wie man bei Scorseses Verfilmung gebannt am Bildschirm klebt.
Für "ES" habe ich sehr, sehr lange gebraucht - über zwei Monate tatsächlich. Das lag nicht nur an den 1530 Seiten, sondern auch daran, dass mir immer wieder etwas dazwischen kam. Gestern aber habe ich es beendet und die Zeit habe ich gut investiert!

Ein hässliches Buchcover / Ein schönes Buchcover


Viele werden das sicherlich anders sehen, aber passend zum miesen Inhalt finde ich das Cover von "Die Endlichkeit des Augenblicks" einfach nur hässlich. Dieses viele Rosa und dann noch die unnatürlich wirkenden Schatten...ne.
Stattdessen liebe ich es, mir "Walk on Earth a Stranger" anzuschauen und das Cover zu Band 2 ist sogar noch schöner. Allgemein sehen alle Bücher von Rae Carson großartig aus.

Ein nationales Buch / Ein internationales Buch


Ich habe so einige deutsche Autoren im Regal, aber ich entscheide mich für meine liebe Bloggerkollegin Katie, deren Buch "Barfuß durch die Nacht" dieses Jahr im kleinen, aber feinen Amrun-Verlag erschienen ist. Das Werk durfte ich relativ früh testlesen und ich kann es Fans von Liebesgeschichten wirklich nur ans Herz legen.
Und was würde sich bei internationalen Büchern besser eignen, als mal wieder eine englische Lektüre? Ich cheate jetzt mal ein bisschen und nenne eine ganze Reihe: "The Darkest Minds" von Alexandra Bracken nämlich. Ich habe alle drei Bände im Original gelesen und finde die Aufmachung hier viel schöner als bei der Übersetzung. Die Verfilmung kommt übrigens 2018 ins Kino!

Eine dünne Lektüre / Eine dicke Lektüre


Ich bin kein besonders großer Fan von Büchern, die unter 300 Seiten haben - meistens reicht es dann nämlich nicht für eine besonders gute Charakterentwicklung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich da gar nicht mal so viel Auswahl hatte.
Das dünnste Werk in meinen aktuellen Regalen ist wohl John Greens neuester Roman, "Turtles All the Way Down", der hat nämlich nur 286 Seiten (ist aber die Ausnahme von der Regel).
Eines meiner dicksten Bücher ist dagegen "Kernstaub" von Maire Graßhoff, das leider noch ungelesen im Regal steht. Mit fast 1000 Seiten ein echter Wälzer - aber ich bin sicher, dass eine wunderbare Geschichte darin steckt.

Ein fiktives Buch / Ein non-fiktives Buch


Nun, fiktiv sind beinahe alle meine Bücher. Als Beispiel eignet sich aber natürlich ein Fantasy-Roman, daher wähle ich dafür den ersten Band der "All Souls"-Trilogie von Deborah Harkness, die sich um Hexen, Vampire und allerlei andere phantastische Gestalten dreht. Und die momentan als Serie mit Matthew Goode (hach) und Teresa Palmer verfilmt wird.
Non-fiktiv lese ich so gut wie gar nicht (ich weiß, eine Schande), aber auf meinem SUB befindet sich "Ich bin Malala" und ich hoffe sehr, die Geschichte dieser starken jungen Frau bald lesen zu können.

Ein romantisches Buch / Ein actionreiches Buch


Als sonderlich romantisch kann man mich nicht bezeichnen und daher besitze ich auch nur wenige Liebesromane - und wenn, haben sie normal noch ein zweites, tiefer gehendes Thema. Der einzige pur romantische Roman in meinem Regal ist "Einmal hin und für immer" von Sarah Morgan, das mir in der Tat überraschend gut gefallen hat.
Actionreich wird es bei mir schon häufiger. Kaum eine ruhige Minute lässt einem "Red Rising" von Pierce Brown, ein Sci-Fi-Kracher erster Güte. Ich muss unbedingt mal weiterlesen!

Ein Buch, das mich glücklich gemacht hat / Ein Buch, das mich traurig gemacht hat


Nach dem Lesen von "I'll Give You the Sun" habe ich, glaube ich, stundenlang gegrinst wie ein Honigkuchenpferd. Der wunderbare Schluss lässt einem das Herz trotz vieler schwermütiger Momente zuvor vor Glück fast übergehen.
Sehr, sehr traurig war ich nach der Lektüre von "Ein Tanz auf Glas" - auf eine gute Art, irgendwie, wenn das möglich ist. Selten war ich emotional so ausgelaugt nach dem Lesen und dennoch halte ich das Buch so ungefähr jedem unter die Nase. Der Schmerz lohnt sich!

Habt ihr eines dieser Bücher gelesen?

Weitere Beiträge könnt ihr hier finden: Smalltown Adventure |
The Fantastic World of Mine | Be happy 

[Buchrezension] Iskari: Der Sturm naht - Kristen Ciccarelli

Abrupt wandte sie sich von dem Ausblick ab und hob die Säbel auf. Sie spürte den Blick ihrer Cousine im Rücken. Dieses Mal sprach Safira die Frage, die ihr auf der Zunge lag, nicht aus. Das hieß jedoch nicht, dass Asha sie nicht hörte.
"Sobald es vorbei ist, erzähle ich dir alles", sagte sie deshalb. "Versprochen."
Safira würde ihr Geheimnis nicht verraten. Daran hegte sie nicht den geringsten Zweifel. Aber wenn der Drachenkönig herausfand, dass Safira von den verbotenen Handlungen seiner Tochter gewusst hatte, wäre das ihr Ende. Asha durfte ihre Cousine nicht in eine Lage bringen, die noch mehr Gnade vom König erforderte - denn mehr Gnade konnte er ihr einfach nicht gewähren.
Je weniger Safira wusste, desto besser war sie geschützt.

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Ciccarelli_KIskari_Sturm_1_180641.jpgINHALT
Asha, Tochter des Königs, leidet unter schrecklichen Schuldgefühlen: Als Kind hat sie mit verbotenen Geschichten den gefährlichsten aller Drachen, Kozu, herbei gelockt, der mit seinen Flammen viele Menschen getötet und ihren eigenen Körper zu einem Drittel verbrannt hat. Von den Bewohnern des Königreichs wird sie daher gefürchtet und gehasst. Um ihre Tat wieder gut zu machen hat sie sich einer großen Aufgabe verschrieben: Alle noch übrigen Drachen zu töten und die Gefahr damit zu bannen. Sie ist auf dem besten Wege, ihr Ziel zu erreichen, aber immer wieder kommen ihr ihre Sorgen über die bevorstehende Vermählung mit dem grausamen Jarek in die Quere. Doch dann bietet ihr Vater ihr einen Ausweg: Wenn sie Kozu tötet, sagt er die Hochzeit ab. Asha weiß, dass dies ihre einzige Chance ist. Aber nachdem sie sich mit dem Sklaven Torwin verbündet hat, kommen ihr Zweifel an der Mission und an allem, was sie geglaubt hat zu wissen...

MEINE MEINUNG
High Fantasy ist auch im Jugendbuchbereich immer mehr auf dem Vormarsch, enttäuscht aber oft durch unausgereiftes Worldbuilding und ein zu großes Augenmerk auf die Liebesgeschichte. Nicht so "Der Sturm naht", Band 1 der "Iskari"-Trilogie von Kristen Ciccarelli, deren von Drachen bevölkerte und von alten Geschichten und Bräuchen bestimmte Welt einen schnell in den Bann zieht. Und das, obwohl ich persönlich Drachen normal sterbenslangweilig finde. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, voller wunderbarer Details, und insbesondere die eingewobenen alten Sagen, die die Welt ein wenig erklären, wissen zu begeistern.

Asha ist nicht unbedingt eine einfache Protagonistin. Aufgewachsen unter dem Einfluss ihres Vaters, der alle alten Bräuche auslöschen will, und überzeugt von ihrer Schuld, sträubt sich sich gegen jeden aufkommenden Zweifel. Das wird zwischenzeitlich anstrengend, ist aber nichtsdestotrotz verständlich und vor allem macht sie auf diese Weise eine sehr glaubwürdige Entwicklung durch. Love-Interest Torwin, Sklave ihres Verlobten, erscheint dagegen erst einmal blass und lange ohne eigene Ambitionen und Wünsche. Auch zum Ende hin hat er noch Merkmale des typischen Manic Pixie Dream Boys, aber aufgrund seiner liebevollen Art und weil er sich nicht alles gefallen lässt, schließt man ihn dennoch ins Herz. Während Kommandant Jarek ein relativ klischeehafter Fiesling ist, können Nebencharaktere wie Ashas starke und kämpferische Cousine oder ihr zart wirkender, aber Pläne schmiedender Bruder punkten, sodass der Roman von einer Riege lebendiger und fast durchweg gut charakterisierter Figuren bevölkert wird.

Nach einem starken Beginn, der Asha in Aktion während eines Kampfes mit einem Drachen zeigt, wird der Leser erst einmal in die Welt und ihre Eigenheiten eingeführt. Bis sich die Protagonistin tatsächlich mit dem Sklaven Torwin verbündet und einigen Geheimnissen auf die Spur kommt, dauert es so seine Zeit, aber spätestens ab der Hälfte zieht das Tempo richtig an. Die Charaktere sind eigentlich permanent unterwegs und schmieden Pläne oder geraten in Gefahr, sodass keine Langeweile aufkommt. Romantik ist vorhanden, entwickelt sich aber wunderbar langsam, wodurch sie die Geschichte perfekt unterschützt, anstatt sie zu verdrängen. Einige Entwicklungen konnte man schon früh vorhersagen, aber Schreibstil und Dialoge machen das wieder wett. Das Ende ist in sich recht geschlossen, lässt aber noch Stränge für die folgenden Bände offen - die sicherlich erneut einiges zu bieten haben.

FAZIT 
Ich bin kein Fan von Drachen und trotzdem mochte ich den ersten Band der "Iskari"-Trilogie sehr gerne - das sagt einiges aus. Kristen Ciccarelli hat keine völlig neue, aber dafür eine schöne und mitreißende Geschichte erschaffen. Ich freue mich schon darauf, im September kommenden Jahres wieder mit Asha auf die Reise gehen zu können. Sehr gute 4 Punkte!

https://www.randomhouse.de/Buch/Iskari-Der-Sturm-naht/Kristen-Ciccarelli/Heyne-fliegt/e509526.rhd
 

[Buchrezension] Turtles All the Way Down - John Green

She told me she wanted to see me in ten days. You can kind of measure how crazy you are based on how soon they want to see you back. Last year, for a while, I'd been at eight weeks. Now, less than two.
On the walk from her office to Harold, I looked up the case report. That woman, she did have a fever. I told myself to feel relieved, and maybe I did for a little while, but by the time I got home, I could hear the whisper starting up again, that something was definitely wrong with my stomach since the gnawing ache wouldn't go away.
I think, You will never be free from this.
I think, You don't pick your thoughts.
I think, You are dying, and there are bugs inside of you that will eat through your skin.
I think and I think and I think.

INHALT
Die junge Aza ist eigentlich viel zu sehr mit sich selbst und ihren Zwangsstörungen beschäftigt, um sich Gedanken um den verschwundenen Milliardärr Russell Pickett zu machen. Doch ihre beste Freundin Daisy möchte unbedingt die Belohnung von hunderttausend Dollar einstreichen, und da sie weiß, dass Aza einmal mit Picketts Sohn Davis befreundet war, überredet sie sie zu einem Ausflug. Tatsächlich entdecken die beiden auch eine kleine Spur - vor allem aber entdeckt Aza alte Gefühle für Davis wieder. Aber als ihre Angstzustände schlimmer werden, fragt sie sich, ob sie für solch eine Beziehung überhaupt bereit ist...

MEINE MEINUNG
Lange mussten wir auf John Greens neuen Roman warten - fünf Jahre, um genau zu sein. Es ist schwierig, nach einem solchen Erfolg wie es der letzte einer war, wieder anzuknüpfen, aber mit "Turtles All the Way Down" ist ihm das durchaus gut gelungen. Erneut erzählt er eine Geschichte aus der Sicht eines jungen Mädchens und erneut funktioniert das überraschend gut. Fans seines metaphorischen, lyrischen und manchmal etwas geschwollenen Stils kommen auch hier wieder auf ihre Kosten; wer ihn nicht mag, lässt besser die Finger davon. Die Dialoge sind gewohnt spritzig, ein bisschen abstrus und mal berührend, mal urkomisch - ganz John Green also.

Aza ist eine Protagonistin, die sich stark von anderen abhebt. Sie ist kein liebenswürdiges junges Mädchen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Stattdessen hat sie viel schwerwiegendere Probleme, denn ihre Angstzustände und Zwangsstörungen bestimmen einen Großteil ihres Lebens - weswegen sie unbewusst und ungewollt egoistisch handelt, da sie ihre Sorgen ganz einfach nicht abstellen kann. Sie ist trotzdem sympathisch und versucht sich zu ändern, auch wenn das nicht so einfach funktioniert. Ihre beste Freundin Daisy ist diejenige, die mit ihrer frischen und wilden Art nicht nur für die witzigsten Momente sorgt, sondern sie ist auch Azas Stützpfeiler. Sie ist immer für ihre Freundin da, nimmt aber auch nicht alles einfach so hin. Und dann ist da noch Davis: Deutlich weniger ein Manic Pixie Dream Boy ohne eigene Ambitionen als es noch Augustus war (so sehr ich ihn auch mochte). Er kümmert sich um seinen Bruder und möchte nur einmal nicht wegen seines Geldes, sondern wegen seiner Persönlichkeit gesehen werden, weswegen man ihn sehr schnell sehr gut leiden kann.

Das Buch beginnt und endet großartig - wir begleiten Aza auf ihrer Reise durch ihre Gedanken, bei dem Versuch, eine normale Beziehung zu führen und den richtigen Weg für sich zu finden. Aufhänger für all das ist das Verschwinden des Milliardärs und das ist auch das größte Problem: Es ist eben nur ein Aufhänger. Es gibt eigentlich keine wirklichen Versuche, Davis' Vater überhaupt zu finden. Das ist prinzipiell nicht schlimm, weil es genug andere Themen gibt, die auch gut behandelt werden - nur wird dadurch dieser kleine Kriminalfall sehr in den Hintergrund gedrängt und erschien mir vor allem am Schluss nur noch wenig plausibel. Dafür merkt man deutlich, wie viel Ahnung der Autor vom Thema Zwangsstörungen hat, denn Azas Probleme werden sehr sensibel und vor allem erschreckend  realistisch geschildert. Es passiert gar nicht so viel, aber durch die wunderschöne Erzählweise - inklusive, natürlich, einer Menge toller Zitate - vergehen die Seiten wie im Fluge. Ein für den Autor typisches Ende rundet das Ganze ab, und auch, wenn das Ganze nicht perfekt war, hat es sich für die Reise mit Aza doch auf jeden Fall gelohnt.

FAZIT 
Die Wartezeit auf John Greens neuen Roman hat sich gelohnt. "Turtles All the Way Down" beschäftigt sich nicht nur mit der ersten Liebe, sondern dem wichtigen und bisher nur selten repräsentierten Thema der Zwangsstörungen. Allerdings wird die Ausgangssituation für alle Ereignisse nur geringfügig behandelt, was ich schade fand. 4 Punkte! 

 

[Buchrezension] Und wenn die Welt verbrennt - Ulla Scheler

Er ordnet die Kreide vor sich neu und schiebt einige Farben ein Stück nach vorne. Sind das meine Farben? Die Aufregung sammelt sich in meinem Magen, und ich wünsche mir ein Stück Plopp-Folie, um mich beim Zerdrücken der Blasen zu beruhigen. 
Dann schaut er auf, und er sieht nicht mein Gesicht an, sondern mich
Das Gefühl ist sofort da: Wie ein Gummiband um meine Brust, das sich spannt, je länger er den Blick hält. Ich schaue zurück, solange ich kann, dann blicke ich weg. 
 "Das war schon richtig", sagt er. "Schau einfach zu mir." 
Also sehe ich wieder zu den blauen Augen.

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Scheler_UUnd_wenn_die_Welt_verbrennt_179928.jpgINHALT
Auf der Flucht vor den Schrecken ihrer Vergangenheit ist Alisa in München gelandet, aber wirklich eingelebt hat sie sich nicht - was vor allem daran liegt, dass sie anderen Menschen nach Möglichkeit aus dem Weg geht. Bis sie auf Felix trifft, der mit Kreide Bilder auf dem Asphalt entstehen lässt. Schnell finden sie eine Verbindung zueinander, denn sie beide haben das Gefühl, endlich einmal wirklich gesehen zu werden. Doch es dauert nicht lange und Alisa wird von ihren vergangenen Handlungen und ihren Schuldgefühlen eingeholt. In dem Versuch, Felix vor der Wahrheit zu bewahren, macht sie alles nur noch schlimmer...

MEINE MEINUNG
Auch wenn mich Ulla Scheler mit ihrem Debüt Anfang des Jahres (bzw. hauptsächlich mit dessen Ende) nicht vollends überzeugen konnte, ist mir ihr beeindruckend wortgewandter Schreibstil in Erinnerung geblieben. "Und wenn die Welt verbrennt" beeindruckt mit einer ebenso lebendigen Sprache, die inbesondere in den Szenen, die sich um Kunst drehen, wunderbar zur Geltung kommt. Die beiden Protagonisten erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive von ihren Erlebnissen, wobei Felix' Kapitel im Präteritum und Alisas im Präsens verfasst sind, was sich mir leider nicht ganz erschlossen hat. Sie spricht auch immer wieder eine Person, "Kleiner Käfer", mit Du an, was was zwar im Prinzip Sinn ergibt, aber meistens wie ein überflüssiges Stilmittel wirkt.

Wie so oft in Büchern wie diesem hat einer der Hauptcharaktere ein schwerwiegendes Geheimnis - in diesem Falle ist das Alisa. Aus Angst davor, dass ihre Vergangenheit ans Licht kommen könnte, hält sie sich so gut es geht von anderen Menschen fern und stößt diese im Extremfall auch von sich. Sie lernt im Laufe der Handlung, langsam wieder mehr Vertrauen zu fassen, aber ihre ewige Geheimniskrämerei, die sich noch bis kurz zu Schluss zieht, ging mir irgendwann auf die Nerven. Felix ist das genaue Gegenteil von Alisa: Er hat keine Schwierigkeiten, sich an andere Menschen zu binden, und so ist er größtenteils die treibende Kraft hinter der Beziehung. Allerdings ist er sehr schnell eingeschnappt und eifersüchtig, und er trifft besonders auf den letzten 100 Seiten so einige Entscheidungen, die nicht nachzuvollziehen sind. Seine beste Freundin Olli und "Kleiner Käfer" sind die wohl interessantesten Figuren, gehen aber in der Dramatik der Protagonisten einfach zu oft unter.

Sieht man von den Schwächen der Figuren ab, werden die Sorgen beider Protagonisten durchaus gut beleuchtet - insbesondere Felix' Angst, einfach nicht gut genug im Zeichnen zu sein und niemals gegen seinen erfolgreichen Bruder anzukommen, weswegen er sich immer wieder in Zweifel flüchtet. Ebenso dreht sich vieles um häusliche Gewalt und Verlust, Themen, die größtenteils sensibel angesprochen werden. Stück für Stück wird Alisas Vergangenheit offenbart, wodurch sich eine gewisse Spannung hält - aber da man sich irgendwann das Puzzle selbst zusammen setzen kann, hätten die Details auch früher offenbart werden können. Vor allem aber hatte ich meine Schwierigkeiten damit, Alisas frühere Taten und Erlebnisse einfach so hinzunehmen, ohne mir über das moralische Dilemma Gedanken zu machen - was Felix ganz eindeutig nicht tut. Das Ende wirkt sehr gehetzt, ohne rechten Abschluss, was sich erklärt, wenn man in der Danksagung liest, welche Schwierigkeiten die Autorin mit dem Buch hatte. Am Schluss fehlt die erforderliche Auseinandersetzung mit einer Straftat, die eigentlich die gesamte Handlung prägt; stattdessen wird das Problem einfach übergangen - und das ist weder wirklich realistisch noch sinnvoll. 

FAZIT
Ulla Scheler hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich immer wieder beeindruckt - aber ihren Geschichten fehlte es für mich bisher jedes Mal an einem guten Ende, das offensichtliche Probleme nicht einfach als gegeben hinstellt. "Und wenn die Welt verbrennt" spricht wichtige Themen an, setzt diese aber nicht konsequent genug um. 3 Punkte.

https://www.randomhouse.de/Paperback/Und-wenn-die-Welt-verbrennt/Ulla-Scheler/Heyne-fliegt/e523370.rhd

Meine aktuelle Lektüre

Meine aktuelle Lektüre
"Die Blutkönigin" von Sarah Beth Durst [31/544]

Mein letzter Kinobesuch

Mein letzter Kinobesuch
"Paddington 2" am 02.12.

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
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