Back Down to Earth

[Buchrezension] Eleanor - Jason Gurley

Agnes schließt die Augen. Ein Leben voller regnerischer Morgen wie diesem. Auf ihre eigene, kalte Weise sind sie wunderschön, doch sie wühlen auf und verwandeln sie in jemand anderes. Eine wütende Mutter, ein verlorenes Kind. Alles erinnert sie an ihre Mutter.
Wie wenig sie noch von ihr weiß.
"Es ist alles nur Wasser", murmelt sie leise. "Verdammtes Wasser."

Bildergebnis für eleanor jasonINHALT
Das Leben der jungen Eleanor ist vor acht Jahren vollkommen aus den Fugen geraten: Bei einem schweren Autounfall wurde ihre Zwillingsschwester Esmeralda getötet und seitdem ist nichts mehr, wie es war. Ihr Vater hat die Familie verlassen, ihre Mutter trinkt sich langsam zu Tode und Eleanor fühlt sich unsagbar allein. Einzig ihr bester Freund Jack gibt ihr noch Kraft. Dann geschieht eines Tages etwas Unfassbares: Als sie durch eine Tür tritt, verschwindet sie einfach - und taucht an einem anderen Ort wieder auf, wo man sie weder sieht noch hört. Dieses erste Mal dauert nur wenige Stunden, bis sie wieder in der Realität ist, doch als es das zweite Mal geschieht, ist sie für zwei Wochen wie vom Erdboden verschluckt. Eleanor versucht herauszufinden, was mit ihr vorgeht. Und stellt bald fest, dass es etwas mit ihrer Familie zu tun hat.

MEINE MEINUNG
Jason Gurley hat an seinem Debüt-Roman "Eleanor" 12 Jahre geschrieben - eine ungewöhnliche Dauer für einen Roman, doch man merkt ihm diese Zeit und das Herzblut auch an. Hier sollte etwas Besonderes, etwas Tiefgreifendes entstehen, und das ist absolut gelungen. Dazu trägt vor allem der wunderschöne, melancholische Schreibstil bei, der einen schnell in die Geschichte zieht und lange nicht mehr loslässt. Das Augenmerk der Erzählung liegt zwar auf der 14-jährigen Eleanor, fast alle anderen Familienmitglieder kommen aber ebenfalls zu Wort, was die Zusammenhänge unterstreicht. Der Beginn, indem die Perspektive der gleichnamigen Großmutter geschildert wird, ist zwar zuerst etwas verwirrend, fügt sich schließlich aber wunderbar in den Rest ein.

Eleanor ist abgesehen von typischer Unvernunft und zeitweiligem Trotz alles andere als eine normale Teenagerin. Mit dem Tod ihrer Schwester musste sie schlagartig erwachsen werden, und nachdem der Vater die Familie verlassen hat, kümmert sie sich um die alkoholkranke Mutter. Sie beweist schnell ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen, weswegen man ihre Wut und ihre Trauer sehr gut nachvollziehen kann. Ihre Mutter war schon vor dem Unfall ein schwieriger Charakter und entwickelt sich danach nur zum Schlechten. Sie gibt der überlebenden Tochter die Schuld und strahlt permanenten Hass aus. Dass dies etwas mit ihrer eigenen Mutter zu tun hat, wird jedoch bald deutlich. Ein Lichtblick ist Eleanors bester Freund Jack, der immer für sie da ist und nie auch nur einen Moment an ihr zweifelt. Obwohl sie sein romantisches Interesse lange nicht erwidert, wendet er sich nicht von ihr ab. Er ist fast schon etwas zu idealisiert, was einen aber nicht davon abhält, ihn sehr zu mögen.

Die Geschichte von Eleanors Familie ist tragisch, erschütternd und emotional sehr mitnehmend. Die ersten knapp 100 Seiten dreht sich das Ganze darum, wie eines zum anderen kam und wie das junge Mädchen noch immer mit den Auswirkungen und auch mit den eigenen Gefühlen zu kämpfen hat. Als sie dann das erste Mal in einer anderen Welt landet, wird es magisch. Nicht nur gelangt Eleanor in verschiedene Traumwelten - mal voller Leben, mal gezeichnet von Tod und Zerstörung -, sie trifft auch auf ein Wesen, das auf geheimnisvolle Weise mit ihr verbunden ist. Diese Art der Geschichte muss man mögen, denn es wird weniger der Konflikt zwischen den Familienmitgliedern gesucht, als dass die Probleme durch die Vergangenheit gelöst werden sollen. Die letzten 100 Seiten hätten außerdem ein wenig kürzer und etwas weniger unvorstellbar ablaufen können. Nichtsdestotrotz reißt die Handlung permanent mit und lässt die Augen durchaus an einigen Stellen feucht werden. Der offene Schluss mit Hoffnungsschimmer rundet perfekt ab - gibt aber nicht auf jede Frage eine Antwort.

FAZIT
"Eleanor" beschäftigt sich mit dem Zerbrechen einer Familie am Tod eines Kindes ganz anders als andere Romane dieser Art. Die phantastischen Elemente sind sensibel und wunderschön eingebunden, dennoch sollte man sich darauf einstellen, dass die eigentlichen Probleme dadurch weniger angesprochen werden. Trotzdem war ich von Jason Gurleys Stil und den wundervollen Ideen so gefesselt, dass ich die zweite Hälfte in einem Rutsch durchgelesen habe. Ein emotionaler, traurig-schöner Geheimtipp. Knappe 4,5 Punkte.

Bildergebnis für eleanor jason
Titel: Eleanor
Originaltitel: Eleanor
Reihe: Nein
Autor: Jason Gurley
Übersetzer: Sabine Thiele
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-31737-6

[Buchrezension] Young Elites: Die Gemeinschaft der Dolche - Marie Lu

Er streift den Handschuh wieder über und der verstörende Anblick weicht dem von schwarzem, blutbeflecktem Leder. Von Macht.
"Trage deine Makel mit Stolz", sagt er sanft. "Es sind Zeichen - dafür, dass du etwas Besonderes bist. Und wenn du eine von uns wirst, werde ich dich lehren, sie einzusetzen wie ein Mörder sein Messer." Seine Augen werden schmal. Sein dünnes Lächeln wirkt plötzlich gefährlich. "So. Und nun sag mir, kleine Wölfin. Willst du all jene, die dich gequält haben, bestrafen oder nicht?" 

Bildergebnis für young elites deutschINHALT
Vor einigen Jahren ging das sogenannte Blutfieber unter den Menschen um - und während es die erkrankten Erwachsenen tötete, ließ es Kinder meistens entstellt zurück. Diese werden nun "Malfettos" genannt, gefürchtet und gehasst. Die junge Adelina ist eine von ihnen, was ihr Vater sie jeden Tag wieder spüren lässt. Als er sie eines Tages verkaufen will, flieht sie und gerät der Inquisition in die Hände. Vor dem sicheren Tod rettet sie eine Gruppe junger Malfettos, die mit besonderen Gaben ausgestattet sind und sich "die Dolche" nennen. Sie haben vor, auch ihre Fähigkeiten hervorzubringen. Doch in Adelina schwelt der Hass auf alles und jeden, und so bringt sie nicht nur sich in Gefahr, sondern auch die anderen...

MEINE MEINUNG
Marie Lu konnte sich mit ihrer "Legend"-Trilogie eine große Fanbase aufbauen, hatte mich damals aber bereits mit dem 1. Band verloren. Ihre neue Reihe um die "Young Elites" geht nun jedoch in eine völlig andere Richtung: Angesiedelt in einer düsteren und brutalen Welt wartet sie mit einer schwierigen Protagonistin auf - und einem schwachen Worldbuilding, das mir einiges an Lesefreude genommen hat. Da kommt auch der bildliche, oft etwas abgehackte Schreibstil nicht wirklich gegen an - vor allem, weil dieser auch noch durch die erste recht langweilige und ergebnislose Hälfte untergraben wird.

Adelina ist eine Protagonistin, die man so selten in Jugendbüchern finden. Sie ist schon keine Antiheldin mehr, denn eigentlich ist sie nur "anti". Voller Hass und Angst zieht sie ihre Kräfte aus den düstersten Winkeln ihrer Seele, misstraut jedem, schwelgt immer wieder in ihrer Wut. Sie will durchaus Gutes tun, doch ihr Inneres liegt in Scherben, die sie nicht wieder zusammensetzen kann. Leider überrascht sie zwischenzeitlich mit einer absurden Naivität und Dummheit, die so gar nicht zu ihrem sonstigen Wesen passen. Die Dolche, bei denen sie Unterschlupf findet und die sie ihre Gabe lehren wollen, heben sich allerdings gar nicht mal so sehr ab. Auch sie begehen Morde und verbreiten Schrecken, sehen sich selbst aber als Friedensbringer und verurteilen Adelina doch für ihre Art. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch. Besonders Love-Interest Enzo fand ich überraschend langweilig in seiner klischeehaften Zwiespältigkeit.

Inhaltlich geht es mindestens so düster zu wie in Adelinas Gedankenwelt, was dem geneigten Leser gefallen kann. Teilweise erinnern die Zustände in dieser italienisch angehauchten High Fantasy-Welt an die im Dritten Reich: Die Ausgrenzungen und Beschimpfungen der Malfettos sind an der Tagesordnung und sogar vor Verbrennungen wird nicht zurückgeschreckt. Die Autorin zeichnet hier ein erschreckendes und bedrückendes Bild. Und auch die Fähigkeiten der Begabten sind gut ausgearbeitet - insbesondere Adelinas Gabe der Illusion ist etwas Besonderes und ihr Lernen, das mit einem Abdriften in noch dunkleres Gefilde verbunden ist, ist toll zu beobachten. Nur leider wirkt der Rest nicht richtig ausgearbeitet, insbesondere die ominösen Schauplätze mit ihren Eigenheiten erscheinen wie hingeworfen. Warum fliegen riesige Rochen am Himmel? Und weshalb in aller Welt gibt es drei Monde? Erklärungen dafür gibt es keine, was ernüchtert. Dafür reißt der Schluss ziemlich vieles wieder raus: Erschreckend, überraschend und erbarmungslos werden hier viele Fortschritte wieder zunichte gemacht, sodass Band 2 spannend beginnen dürfte.

FAZIT
Ich scheine kein großer Fan mehr von Marie Lus Geschichten zu werden - auch ihre neue Reihe konnte mich beim ersten Band nicht vollständig von sich überzeugen. Die düstere Protagonistin und der geringere Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte haben allerdings dazu geführt, dass mir "Die Gemeinschaft der Dolche" besser gefallen hat als "Legend". Eventuell wird da ja im 2. Band auch noch eins draufgesetzt. Knappe 3,5 Punkte.
 

Titel: Die Gemeinschaft der Dolche
Originaltitel: The Young Elites
Reihe: The Young Elites
Autor: Marie Lu
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Verlag: Loewe
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-7855-8353-1

[Statistik] Monatsrückblick Januar

Kaum hat das neue Jahr begonnen, läuft es endlich wieder viel besser mit dem Lesen - und auch mit den Filmen. Ich bin begeistert! Vielleicht brauchte es tatsächlich nur diese 10 Tage Urlaub während der Feiertage, um zur alten Stärke zurückzufinden. Zwar war ich in den letzten Tagen des Januars auf einer anstrengenden Produktion und damit immer 12 Stunden weg, was mir keine Zeit für irgendwas ließ - aber trotzdem kann sich das Ergebnis, finde ich, durchaus sehen lassen.

# Gelesen im Januar: 6 Bücher

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1. Die Magier Seiner Majestät von Zen Cho [sehr knappe 4*]
2. Alleine bist du nie von Claire Mackintosh [gute 4*] - Rezension folgt
3. Tage zwischen Ebbe und Flut von Carin Müller [3*]
4. Dämonen des Lichts von L. A. Weatherly [knappe 2,5*] - Kurzspot folgt
5. Es beginnt am siebten Tag von Alex Lake [2*]
6. Angstmädchen von Jenny Milewski [4*]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: etwa 414
Gelesene Seiten: 2485
Gelesene Seiten pro Tag: 80
Durchschnittsbewertung: 3,25*
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Neuzugänge: 4
Abgelesen: 6
Neuer SuB-Stand Februar: 72

# Geschaut im Januar: 2 Filme

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1. La La Land [4,5*]
2. Verborgene Schönheit [3*] - Kurzspot folgt

Durchschnittsbewertung: 3,75* 

Da ich wohl immer nur eine Sache gleichzeitig verbessern kann, hat meine Bewertungen mal wieder ein wenig unter der Anzahl der Bücher gelitten. Diesem Thema werde ich mich dann wohl im Februar widmen - für den Januar habe ich so leider kein Highlight zu küren. Dafür war ich aber wieder mehr im Kino und kann euch allen "La La Land" nur ans Herz legen.

Serien habe ich letzten Monat eher weniger schaut (wohl im direkten Zusammenhang mit den Büchern). Im Februar wird sich das nun aber mit Sicherheit wieder ändern, schließlich läuft ab morgen auf Netflix "Santa Clarita Diet" und auf Amazon muss ich noch die 3. Staffel von "Mozart in the Jungle" beenden. 

Und zum Glück wird es auch im Kino nicht langweilig. Viele spannende Filme laufen an - zu viele schon fast. Da kann man sich ja kaum entscheiden.


Hidden Figures - Unerkannte HeldinnenLive by NightThe LEGO Batman MovieThe Girl with All the GiftsEmpörungFencesJohn Wick - Kapitel 2A Cure for WellnessLion - Der lange Weg nach HauseLoving

Ich habe mich hier übrigens nur auf die Filme beschränkt, die ich wirklich gern sehen würde. Haha, ja. Das schaffe ich natürlich nicht (und wenn doch, bin ich pleite). Daher beschränke ich mich wohl oder übel auf etwa 3-4 Kinobesuche.

"Live by Night" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane und da ich die Werke des Autors LIEBE, muss ich den Film natürlich schauen - Ben Affleck mag ich in Thrillern auch durchaus mal ganz gerne. Auch "The Girl with all the Gifts" ist eine Buchadaption und muss daher geschaut werden.
Ganz fest eingeplant ist auf jeden Fall "John Wick 2", auch wenn ich nicht weiß, wie dieser an Teil 1 herankommen soll.
Und zuletzt würde ich noch gerne "A Cure for Wellness" sehen, da sich da aber momentan alle Freunde beharrlich weigern, wird es vielleicht doch "Lion", einfach wegen Dev Patel.

Seid ihr mit eurem Januar zufrieden? Und wie stellt ihr euch den Februar vor?

[Filmrezension] La La Land

"Sie sind gefeuert." - "Aber es ist Weihnachten!" - "Ja. Ich habe die Dekoration gesehen."

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Mia hat den großen Traum, eine Schauspielerin zu werden - arbeitet aber momentan nur als Barista auf dem Warner Bros.-Gelände. Sebastian spart dafür, seinen eigenen Club zu eröffnen - und hält sich mit Jobs in Bands und Restaurants über Wasser. Beim ersten Treffen der Beiden beleidigen sie sich mit Gesten, das zweite läuft nicht besser. Erst als sie sich ein drittes Mal über den Weg laufen, funkt es. Ab da verbindet sie eine große Liebesgeschichte, die allerdings von ihren Probleme und Sorgen immer wieder überschattet wird...

MEINE MEINUNG
"La La Land" ist wahrscheinlich der gehypteste Film der letzten Monate - für mich eigentlich immer ein schlechtes Zeichen. Und dann auch noch ein Musical, obwohl ich Musicals doch hasse. Aber um wirklich mitreden zu können, muss man es probiert haben, also habe ich es gewagt. Zum Glück! Denn die Kritiken und auch die begeisterten Stimmen der Kinogänger haben nicht zu viel versprochen. Der Film ist eine wundersame Reise und eine bewegende Hommage, zeigt aber gleichzeitig auch die Schattenseiten Hollywoods.

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das Ganze mit der ursprünglichen Besetzung, bestehend aus Emma Watson und Miles Teller, genauso gut funktioniert hätte. Emma Stone und Ryan Gosling verbindet einfach eine mitreißende Chemie, die sie schon in zwei vorherigen gemeinsamen Filmen beweisen durften. Stones Mia ist eine Träumerin mit all ihren Schwächen, aber sie ist auch eine starke, gefühlvolle Frau, die alles für ihren großen Wunsch tut. Goslings Seb ist manchmal ein wenig arrogant, aber auch einfühlsam und liebevoll. Seine Leidenschaft für Jazz beeindruckt nicht nur Mia, sondern auch den Zuschauer. Vieles dreht sich nur um die Beiden, Auftritte von Nebenfiguren sind mehr Gastauftritte - trotzdem passen sowohl J. K. Simmons als auch John Legend in ihren kurzen Szenen überraschend gut.

Damien Chazelle hat offensichtlich ein Händchen für Musikfilme (wenn er nicht grade im Genre Horror unterwegs ist, interessante Mischung). Wie schon "Whiplash" reißt auch "La La Land" schnell mit und lässt einen völlig in die Musik eintauchen. Ob man nun Jazz mag oder nicht, zumindest für diese 2 Stunden lernt man ihn lieben - den Rythmus, den Tanz. Einige der Musikstücke sind auch eher an alte Hollywood-Streifen angelehnt und etwas poppiger. "City of Stars" und "Fools Who Dream" sind natürlich die Ohrwürmer schlechthin und zurecht für Oscars nominiert. Die Tanzszenen sind großartig choreografiert, die Kulissen traumhaft schön und die Dialoge dazwischen berühren einen immer wieder. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass der Film sich vor allem um Sebastians und Mias Träume dreht, nicht um die Suche nach der Liebe - und dass im Leben nicht alles so verläuft wie man es sich vielleicht vorgestellt halt. Das realistische Ende, das doch noch einen Bruch zum harmonischen Klischee der Hollywood-Streifen vollzieht, passt da ziemlich gut rein, wird aber nicht jedem gefallen.  

FAZIT 
Manchmal wird ein Film von allen Seiten gelobt und als Zuschauer kann man den Hype tatsächlich zustimmen. Genau das ist bei "La La Land" für mich der Fall gewesen. Die wunderbar harmonierenden Darsteller, die locker-leichte und trotzdem berührende Geschichte, die wunderschönen Tänze und Songs - das alles hat mich ziemlich stark verzaubert. Ich kann nur empfehlen, es auszuprobieren. 4,5 Punkte!



[Buchrezension] Angstmädchen - Jenny Milewski

Ich hatte den Lappen aus den Putzsachen in dem Schrank geholt und gerade wieder einen Schritt in Richtung Bad gemacht, als ich eine plötzliche Bewegung wahrnahm, aufschrie und den Lappen fallen ließ. Gleich hinter der Badezimmertür war der Spiegel zu sehen, er glitzerte schwach in dem matten Schein der Straßenlaterne vor dem Fenster. Und genau als ich mich umdrehte, hatte ich gesehen, wie sich drinnen im Spiegel etwas bewegte. Oder besser gesagt jemand.
Es hatte nur einen Augenblick gedauert, und durch die Dunkelheit im Raum war das Bild verschwommen, aber ich war dennoch sicher, etwas gesehen zu haben. Eine schemenhafte Gestalt in Weiß, die hastig von einer Seite des Spiegels zur anderen gehuscht war, gebückt und mit abgewandtem Gesicht.

INHALT
Malin erhält endlich ein Zimmer in einem Studentenwohnheim - ihr eigenes kleines Reich und damit keine Untermiete mehr bei der griesgrämigen Frau, bei der sie vorher wohnte. Die Freundin, die ihr beim Umzug hilft, ist begeistert vom Zimmer, insbesondere von dem angrenzenden Bad mit Badewanne. Doch Malin überkommt schnell ein ungutes Gefühl, das sich bestätigt, als sie etwas Schreckliches erfährt: Dass sich in dieser Badewanne ihre Vormieterin Yuko die Pulsadern aufgeschnitten und damit umgebracht hat. Bald geschehen seltsame Dinge - sie findet überall schwarze Haarbüschel, Wasserpfützen tauchen aus dem Nichts auf, der Fernseher schaltet von selbst um. Und als sie auch noch eine Gestalt in Weiß zu sehen beginnt, ahnt sie Böses. Yuko ist noch immer da. Doch was will sie?

MEINE MEINUNG
Jenny Milewski vereint in "Angstmädchen" Thriller und Horror zu einem packenden und schaurigen Roman - auch wenn sie dabei kaum ein Klischee auslässt. Ein totes Mädchen? Check. Seltsame Vorkommnisse? Check. Unwissende Protagonistin? Check. Eine gruselige Gestalt mit langen schwarzen Haaren? Aber sowas von Check. Da ich jedoch ein furchtbarer Angsthase bin, hat mich das eher weniger gestört - vor allem, weil die Autorin das auf gelungene Weise mit japanischen Geistergeschichten verbindet, die einem nicht wenige Schauer über den Rücken jagen.

Malin ist eine zumeist glaubwürdige und sympathische Protagonistin, deren Gefühle nachvollziehbar sind - ihr Wunsch, akzeptiert und angenommen zu werden, ihre leise mitschwingende Einsamkeit, ihre schüchterne Art. Manchmal geht sie zu wenig aus sich heraus, sodass sie Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lässt, aber es gibt auch immer wieder tolle Momente, in denen sie Verantwortung übernimmt. Ihre Mitbewohner sind leider eher Klischees, und auch, wenn sie einen manchmal zu überraschen wissen, hat man vom Nerd, vom Besserwisser oder von der Zicke schon oft genug gelesen. Yuko ist wohl die interessanteste und wichtigste Figur des Romans, aber man erfährt nur wenig über sie und ihre Hintergründe. Letztendlich ist das aber auch nicht so schlimm - denn wirkliche Antworten hätte das sowieso nicht gegeben.

Der Autorin gelingt es sehr schnell, eine bedrohliche und bedrückende Atmosphäre aufzubauen. Das geht schon damit los, wie erschrocken die Studenten beim Anblick von Malin sind, weil sie Yuko so ähnlich sieht. Die Vorkommnisse beginnen klein und unbedeutend, werden aber schnell immer heftiger und gruseliger. Ich gebe zu, ich hatte mindestens eine schlaflose Nacht, weil die Stimmung so intensiv war - obwohl man all das eigentlich aus jedem 08/15-Horrorfilm kennt, war es als Buch doch noch mal etwas anderes. Man darf aber nicht damit rechnen, zum Schluss komplett aufgeklärt zu werden. Es geht um Onryō, um japanisches Volkstum, das im Gegensatz zu modernen oder westlichen Geistergeschichten keinen Sinn hinter Erscheinungen sieht - sondern diese mehr hinnimmt. Das muss man mögen, sonst ist die Enttäuschung wohl unausweichlich. Ich finde den Gedanken interessant wie fürchterlich, weswegen der Schluss meiner Meinung nach perfekt zum Rest passt.

FAZIT
Jenny Milewski erzählt eine schaurige, faszinierende Geistergeschichte, inspiriert von japanischer Folklore und ungemein spannend - auch wenn sie dabei so ungefähr jedes Stereotyp mitnimmt. Trotzdem konnte ich mich nicht losreißen und schlafen sowieso nicht. Wer auf der Suche nach Nervenkitzel ist, sollte es hiermit probieren. 4 Punkte!


Titel: Angstmädchen
Originaltitel: Yuko
Reihe: Nein
Autor: Jenny Milewski
Übersetzer: Maximilian Stadler
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 336 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-43880-4

[Buchrezension] Es beginnt am siebten Tag - Alex Lake

Es ging leichter als gedacht. Das Mädchen ist mitgekommen, ohne dir Probleme zu machen. Du hast sie entdeckt, als sie gerade aus der Schule kam, ganz allein. Suchend blickte sie sich um, aber da war niemand - weit und breit keine Spur von ihren Eltern. wer tut sowas? Welcher verantwortlungslose Mensch setzt ein fünfjähriges Kind einer so gefährlichen Situation aus? Es ist erschütternd. Das ist es wirklich.
Aber es ist gut für dich.
Nicht so gut für die Kleine. Und ganz sicher nicht so gut für ihre armen Eltern, die Trauer und Selbsthass schon bald zerfressen werden.
Aber gut für dich. 

33001261INHALT
Julia ist eine vielbeschäftigte Rechtsanwältin, die Familie und Karriere nicht ganz unter einen Hut bekommt. Das wird erneut deutlich, als sie ihre fünfjährige Tochter Anna von der Schule abholen soll, aus einem Meeting aber nicht rechtzeitig herauskommt - und daher eine halbe Stunde zu spät da ist. Und in dieser halben Stunde ist Anna verschwunden. Eine fieberhafte Suche beginnt, in deren Verlauf die Ehe zwischen Julia und ihrem Mann noch mehr zu bröckeln beginnt als sowieso schon, und die Presse eine Hetzjagd auf die "Rabenmutter" startet. Was niemand weiß: Die Entführung des kleinen Mädchens ist erst der Anfang...

MEINE MEINUNG
Alex Lake zieht ihren vom Inhalt her prinzipiell recht konventionellen Thriller durchaus einmal anders auf: Es dreht sich zwar vieles um die Entführung der Tochter und die Suche nach ihr - Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist jedoch, dass der Entführer es eigentlich nicht auf das Mädchen abgesehen hat, sondern auf die Mutter. Neben deren Perspektive gibt es so noch Kapitel aus der Sicht des Täters, die langsam den Plan enthüllen. Das Problem an der Sache ist nur, dass der Verlag im Klappentext die wichtigste Wendung bereits spoilert und so von der Spannung nur noch wenig übrig bleibt.

Die Mutter Julia ist eine ziemlich unausstehliche Protagonistin. Zwar liebt sie ihr Kind aufrichtig und ihre Schuldgefühle sind nachvollziehbar - ansonsten aber ist sie egoistisch und verwöhnt, was sich auch nicht ändert. Sie will immer nur das Beste, ein einfaches Leben reicht ihr nicht, sie muss höher und weiter, sowohl in der Karriere als auch in der Ehe. Kein Wunder also, dass sich ihr Mann Brian ihr gegenüber äußerst unfreundlich verhält. Er ist im Gegensatz zu ihr jemand ohne Ehrgeiz - was permanent wiederholt wird -, der sich vollkommen in seinem Elend suhlt. Eine so verblüffend schwache Männerfigur ist zwar interessant, führt aber leider nicht zur Identifikation. Sonstige Figuren sind austauschbar und wirken meistens wie Randfiguren: Die nicht wirklich tatkräftige Polizistin in dem Fall, Brians nur kurz auftauchender Bruder, seine kalte und besserwisserische Mutter. Niemand entlockt einem auch nur den Hauch von Sympathie - was ich bei einer Geschichte, bei der man mitfiebern soll, problematisch finde.

Möglicherweise liegt das aber auch am endlosen Gerede und der Handlung, die über die ersten 200 Seiten einfach nicht voran kommt. Wer den Klappentext kennt, für den geschieht hier nichts Neues, weswegen schlicht Langeweile aufkommt. Ohne wirkliche neue Erkenntnisse ist ein Thriller kein Thriller, sondern maximal ein Drama, und darauf war ich nicht eingestellt. Als dann die versprochene Wendung allerdings kommt, wird es tatsächlich auch nicht besser - weil sich der versierte Leser bereits zusammen gereimt hat, wer hinter allem steckt. Motiv und Ziel wirken komplett an den Haaren herbei gezogen, ja, ich fand das "wahre Gesicht" der Person geradezu lächerlich. Das ist schade im Anbetracht dessen, dass eine Entführungsgeschichte hier einmal ein ganz anderes Prinzip verfolgt. Nur hat dieses eben überhaupt nicht funktioniert.

FAZIT 
"Es beginnt am siebten Tag" könnte einem besser gefallen, wenn man den Klappentext nicht kennt - denn dieser nimmt die Hälfte der Geschichte vornweg. So war ich jedenfalls permanent gelangweilt, was durch die anstrengenden Charaktere nur noch verstärkt wurde. Dass ich außerdem den relativ unlogisch handelnden Täter sehr früh erraten habe, hat dann auch den letzten Rest Interesse erstickt. Da mag ich nicht mehr als 2 Punkte vergeben.

25801299Titel: Es beginnt am siebten Tag
Originaltitel: After Anna
Autor: Alex Lake
Übersetzer: Stefanie Kruschandl
Verlag: HarperCollins
Seitenzahl: 472 Seiten
ISBN-13: 978-3959670555
Bereitgestellt durch

[Gewinnspiel] Schneegestöber-Auslosung

Es ist soweit, die Woche ist um und damit lose ich heute auch schon die Glücklichen beim Schneegestöber-Gewinnspiel aus. Zugegeben, hier in Rheinlandpfalz gab es nur ungefähr drei Flocken, aber wie ich gehört habe, konnte man in anderen Teilen der Republik ja durchaus Schlitten fahren ;)



Tatsächlich haben ganze 65 Personen teilgenommen - eine ziemlich überraschende Zahl für mich. Hauptsächlich lag das aber wohl daran, dass der Link in einem Forum gepostet wurde, woraufhin es teilweise ein bisschen dreist wurde. In das Fragen/Anregungen-Feld "nö" oder "ich will gewinnen" zu schreiben, ist tatsächlich gar nicht mal so die nette Art :) Viele haben leider auch nicht verstanden, dass ein "warum" in einer Frage bedeutet, die Antwort doch bitte zu erklären. Daher haben natürlich auch nur die eine Chance auf einen Gewinn, die mehr als zwei Worte dazu geschrieben haben, wer ihre Lebensgeschichte verfassen sollte.

Nun aber genug davon: Vielen Dank für die rege Teilnahme! Ich habe ausgelost, indem ich den einzelnen Gewinnen die Nummern der Teilnehmer in der Reihenfolge ihrer Teilnahme zugeordnet habe. Mit random.org habe ich dann die Gewinner gezogen. Und diese sind:

"Schwestern der Wahrheit" hat gewonnen:



Das ist Matthias Kruse, der gerne Orson Welles ein Buch über ihn schreiben lassen würde.

"Rebell" geht an:



Mit der Nummer 6 ist die Gewinnerin Katja, die J.K. Rowlings Werdegang spannend findet und daher auch ein Buch von ihr über sich.


Über "Tage zwischen Ebbe und Flut" kann sich freuen...



Melanie Neundorfer, die sich für Charlotte Link entschieden hat.


Und den Cineplex-Gutschein erhält:


Die Nummer 34 und damit Liliane, die wie viele andere übrigens auch, Terry Pratchett am liebsten als Schriftsteller der Wahl hätte. 

Die Mails werdet ihr gleich von mir erhalten. Euch und allen anderen wünsche ich noch ein schönes Rest-Wochenende!

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
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