Montag, 23. Mai 2016

[Filmrezension] X-Men: Apocalypse

"Alles, was sie erbaut haben, wird zusammenbrechen. Und aus der Asche ihrer Welt werden wir eine bessere erbauen!"

Mein letzter KinobesuchINHALT
10 Jahre nach den Ereignissen von "Zukunft ist Vergangenheit" werden die Mutanten größtenteils von den Menschen akzeptiert, ihre Geschichte sogar in Schulen gelehrt. Doch als eine uralte Grabstätte gefunden wird, scheinen die Mutanten erneut auf eine Katastrophe zuzusteuern: Denn nun ist En Sabah Nur, erwacht, nach alten Überlieferungen der erste Mutant überhaupt, der die Vernichtung der Menschheit plant. Gemeinsam mit vier Helfern - Angel, Psylocke, Storm und Magneto - will er eine neue Welt erschaffen. Professor X und seine Gefährten müssen nun alles daran setzen, um die Apokalypse zu verhindern.

MEINE MEINUNG
Nachdem ich von der ursprünglichen "X-Men"-Trilogie nur den 1. Teil gesehen und nicht gemocht habe, bin ich von den neuen Filmen doch sehr begeistert: Vereinen sie doch fantastische Jungschauspieler mit den interessantesten Comic-Storylines und tollen Effekten. "X-Men: Apocalypse" hat nun aber im Vorfeld harsche Kritiken erhalten, was den ein oder anderen durchaus abschrecken dürfte. Wie Jean Grey im Film selbst sagt: "Der dritte Teil ist eben immer der schlechteste." Das trifft auch hier zu, ist aber nicht ganz so gravierend wie erwartet.

Zu den Schauspielern muss man eigentlich nicht viel sagen: Diese sind durch die Bank weg sympathisch und gut gecastet. Ob nun James McAvoy als fürsorglicher Charles Xavier, Michael Fassbender als zerrissener Eric Lehnsherr oder Sophie Turner als junge, etwas unsichere Jean Grey, die zur ihrer echten Stärke findet - sie alle sind sehr überzeugend. Positiv hervorzuheben sind hier aber vor allem wieder Evan Peters als Quicksilver und Newcomer Kodi Smit-McPhee, der den Nightcrawler mit absolut herzerwärmender Unschuldigkeit spielt. Schade ist nur, dass viele der Nebenfiguren auch einfach nur verbraten werden: Angel und Psylocke sind nur Beiwerk und für die Darsteller keine großen Aufgaben und Apocalypse ist der wahrscheinlich langweiligste Bösewicht, den man je gesehen hat. Da kann auch Oscar Isaac nichts mehr retten.

Dem öden Gegenspieler geschuldet ist auch die Story nicht wirklich ausgefeilt - es gibt hier nichts Neues, alles arbeitet nach dem gleichen Schema: Die Welt steht auf dem Spiel, die Helden bekämpfen oder verbünden sich und der Bösewicht hält immer wieder enervierende Monologe. Das wird ausgeglichen mit ein bisschen zu viel Zerstörungswut, dafür aber auch tollen Effekten, einem gut passenden Soundtrack und vor allem: zwei wunderbaren Quicksilver-Szenen. Durch das gute Zusammenspiel der Figuren und Schauspieler wird man während des Schauens gut unterhalten und die Materialschlacht ist durchaus sehenswert. Nur eben nichts Besonderes. 

FAZIT
"X-Men: Apocalypse" ist kein so großer Reinfall wie im Voraus von vielen Kritikern verkündet - aber er schwächelt schon stark im Gegensatz zu den Vorgängern. Mit einem besseren Bösewicht und einer ausgeklügelteren Geschichte hätte der Film richtig gut werden können - so gibt es von mir nur gute 3 Punkte.




Donnerstag, 19. Mai 2016

[Buchrezension] Eine Therapie für Aristoteles - Melanie Sumner

Sie glauben vielleicht, es wäre ganz einfach, sich daran zu erinnern, warum man einen Roman schreibt, aber das ist es nicht. Diane sagt, es sei so ähnlich, wie sich daran zu erinnern, warum man seinen Partner geheiratet hat.
Zettel 1: Ich schreibe diesen Roman, um eine lästige und teure Therapie zu vermeiden.
Zettel 2: Ich schreibe diesen Roman, damit Diane in Rente gehen, Max ins Ferienlager fahren und ich chillen kann.
Zettel 3: Ich schreibe diesen Roman für den Fall, dass es mit Diane und Penn nicht klappt - vielleicht fällt sie einem anderen Mann auf. 

INHALT
Die zwölfjährige Aristoteles, genannt Aris, hat es nicht einfach: Ihr Vater ist tot, ihre Mutter völlig überfordert mit der Erziehung von ihr und ihrem hyperaktiven jüngeren Bruder Max und Freund Billy meldet sich nach seinem Umzug nicht mehr - Aris fühlt sich ziemlich allein und bräuchte dringend eine Therapie. Da diese aber teuer ist, beschließt sie stattdessen, mithilfe eines Ratgebers in 30 Tagen ein Buch zu schreiben. Denn sollte sie einen Bestseller landen, wären alle Probleme auf einen Schlag gelöst...

MEINE MEINUNG
Romane mit einem Kind als Erzähler scheinen seit einigen Jahren immer mehr im Trend zu liegen - sind sie in ihrer altklugen Art doch charmant und der naive Blick auf die Geschehnisse herrlich unverstellt. Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Melanie Sumners "Eine Therapie für Aristoteles", in dem die Hauptfigur durch ein selbst geschriebenes Buch ihre Geschichte erzählt. Der Stil ist dafür sehr erwachsen und daher teilweise durchaus ein wenig überzogen, nimmt durch die intelligente und unterhaltsame Stimme des jungen Mädchens aber dennoch mit.

Aris ist selbstverständlich, wie sich das für einen solchen Roman gehört, etwas sehr Besonderes: Reif für ihr Alter und schnell erwachsen geworden, weiß sie ziemlich genau, was sie will und was sie braucht: Einen neuen Vater und Ruhe, um sich endlich entfalten zu können. Das strebt sie mit ihrem eigenen Buch an, stiftet damit aber selbst wieder Chaos, was sie sehr sympathisch macht. Doch auch die anderen Figuren sind toll angelegt: Der arbeitslose und ein wenig scheue Penn, der die PMB (Positive männliche Bezugsperson) darstellt und den Aris mit ihrer Mutter verkuppeln will; Mutter Diane mit ihrer Überforderung und ihrer Aufmüpfigkeit gegenüber den Eltern, aber auch einer liebevollen Sorge um ihre Lieben; oder auch Dianes Student Charles, unaufdringlich religiös und in der Gefahr, zu Unrecht ins Gefängnis zu müssen. Am unterhaltsamsten sind aber wahrscheinlich die Großeltern mit ihrer skurrilen, komplett unterschiedlichen Art, die immer wieder für Lacher sorgen.

Keine Frage, das Werk lebt von dem Situationswitz und Aris' übertrieben klugen Aussagen und Gedankengängen. Dafür ist das Ganze aber ansonsten auch ziemlich ruhig. Das Familienleben ist chaotisch, aber ansonsten passiert nicht viel, was leider für die ein oder andere Länge sorgt. Und immer wieder eingeschobene Aufsätze oder Kurzgeschichten, die andere Figuren geschrieben haben, erscheinen manchmal wenig zielführend und wirken eher wie Lückenfüller. Zum Glück wird das aber durch teilweise sehr berührende Gespräche, einige Lebensweisheiten und wunderbar absurde Situationen oft wieder wett gemacht. Nur das Ende wirkt dann gehetzt: Wenig, für meinen Geschmack zu wenig, wird aufgelöst, sodass man als Leser ziemlich in der Luft hängen gelassen wird. Natürlich spielt das Leben nicht immer, wie man sich das wünscht, aber trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass der Schluss hier irgendwie noch mehr hätte sein können.

FAZIT
"Eine Therapie für Aristoteles" besitzt durch die altkluge Erzählstimme einen eigenen Charme und überzeugt mit den vielen besondere Figuren, die man gern begleitet. Es geschieht allerdings auch nicht viel und teilweise übertreibt Melanie Sumner es ein wenig mit der Gewitztheit der doch sehr jungen Protagonistin. Insgesamt gibt es von mir dafür 3,5 Punkte.



Titel: Eine Therapie für Aristoteles
Originaltitel: How to Write a Novel
Autor: Melanie Sumner
Übersetzer: Eva Kemper
Verlag: DuMont
Seitenzahl: 345 Seiten
ISBN-13: 978-3-7645-3143-0
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Freitag, 13. Mai 2016

[Buchrezension] Skin: Das Lied der Kendra - Ilka Tampke

Ein dunkles Gewicht senkte sich auf mich herab, und ich sackte am Tisch in mich zusammen. Anscheinend war ich mit Wissen begabt, besaß aber nicht genug Verstand und Intuition, um es gut zu nutzen.

INHALT
Britannien im Jahre 43 n. Chr.: Die junge Ailia ist als Säugling auf der Türschwelle der Stammesküche gefunden und seitdem von der Kochmutter großgezogen worden. Dadurch kann sie ein behütetes Leben führen - doch das Unwissen über ihre Herkunft nagt an ihr. Denn in Caer Cad, wo sie lebt, erhält man von der Mutter ein Tier-Totem, eine Haut, und da Ailia diese nicht kennt, werden ihr Wissen und Anerkennung verwehrt. Aber dann trifft sie eines Tages am Fluss den faszinierenden Taliesin und erkennt durch die Treffen mit ihm, dass besondere Fähigkeiten in ihr schlummern. Und dass sie eventuell die einzige Rettung für ihren Stamm ist, jetzt, wo die Armee der Römer näher rückt - bereit, all ihre Landsleute auszulöschen...

MEINE MEINUNG
Das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung, eine düstere, wenig zivilisierte und völlig andere Zeit. Faszinierend, von einem so alten Britannien zu lesen, den Sitten und Bräuchen der Menschen. Zwar entstammen diese natürlich einem Fantasy-Roman rund um Stämme, die den "Müttern" (ergo Göttern) huldigen, doch die Lebensweise und insbesondere die Bedrohung durch die Römer ist historisch akkurat und damit sehr spannend. Leider macht der ziemlich dröge Stil, der keine Atmosphäre oder Nähe schafft, vieles zunichte und lässt es selten zu, dass man von den Geschehnissen wirklich gefesselt ist.

Hinzu kommt eine furchtbare Protagonistin. Ailia ist nicht perfekt und prinzipiell ist das positiv - denn wer will schon lesen, wie jemand alles richtig macht? Doch Ailia ist leider der Egoismus in Person: Sie hat trotz ihrer Hautlosigkeit so viele Privilegien und will doch immer noch mehr, sie vernachlässigt kranke oder im Sterben liegende Personen, um bei ihrem Liebsten zu sein und hält sich äußerst selten an wichtige Anweisungen. Ihre Selbstzweifel sind zwar teilweise verständlich, nerven aber irgendwann, und das Schlimmste: Sie lernt nicht aus ihren Fehlern, was sie unerträglich macht. Ihr Love-Interest Taliesin verhält sich oft ebenso egoistisch wie sie, bleibt ansonsten aber vollkommen blass und austauschbar, ohne besondere Eigenschaften. Die Nebenfiguren sind da überzeugender: Die gutmütige, schützende Kochmutter, die weise Stammesführerin Fraid oder der Gereiste Llywd, sie alle wecken einzeln mehr Gefühle in einem als die Protagonisten zusammen.

Die Geschichte selbst hätte so gut sein können: Die Bedrohung durch die Römer und Ailia als die einzige Rettung, obwohl sie keine Haut und damit auch keine Identität hat. Ihr Weg zu den Müttern, ihre Berufung, ihr Wissenserwerb - so viele tolle Ideen, die so schlecht umgesetzt werden. Das Ganze beginnt schon mit der sofortigen Liebe zwischen Ailia und Taliesin, die nicht nachvollziehen ist, für Ailia aber der gesamte Lebensinhalt. Sie vergisst bei ihm grundsätzlich alles um sich herum und er ist ihr einziger wirklicher Antrieb. Denn Frauen können ja nicht ohne Mann. Ansonsten passiert auf den ersten 200 Seiten sehr, sehr wenig: Immer wieder Diskussionen über das Verhalten den Römern gegenüber, Ailias Hin- und Hergerissenheit zwischen ihrer Liebe zu Taliesin und ihrem Verlangen nach dem schönen Ruther (ein Dreieck, wer hätte das gedacht) und ihre vielen, vielen Missgeschicke. Inhaltlich ist das Ganze also äußerst mau.

Für einen solchen Roman hat die Protagonistin auch relativ viel Sex - prinzipiell ja nicht schlimm, aber nach einer recht verstörenden solchen Szene mit einem Fisch, war es zumindest für mich mit der Glaubwürdigkeit vorbei. Weder als Ailia ihre Bestimmung findet, noch als etwaige Bedrohungen immer näher rücken, konnte ich dem Ganzen noch etwas abgewinnen. Einzig dezent fesselnd ist der schwelende Hass zwischen Ailia und einer anderen Frau, die ein Geheimnis über das Mädchen kennt und es nicht preisgeben will, weil - natürlich, Ailia sie schlecht behandelt hat. Erst zum Ende hin entfaltet das Buch dann endlich sein Potenzial und überrascht mit brutaler, unnachgiebiger Gewalt als Konsequenz der vorherigen Geschehnisse. Ob das reicht, um den Folgeband lesen zu wollen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

FAZIT
"Skin: Das Lied der Kendra" hätte so genial sein können: Eine tolle Idee und ein großartiges Setting sprachen sehr dafür. Aber die Umsetzung ist langweilig und die Protagonistin so egoistisch wie die Liebesgeschichte öde. Ilka Tampke hat hier leider keine gute Arbeit geleistet. Von mir gibt es dafür ganz knappe 2 Punkte.



Titel: Das Lied der Kendra
Originaltitel: Skin
Autor: Ilka Tampke
Übersetzer: Barbara Ostrop
Verlag: Penhaligon
Seitenzahl: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3-7645-3143-0



Sonntag, 8. Mai 2016

[Buchrezension] The Themis Files: Sleeping Giants - Sylvian Neuvel

- He has a file?
- Your hairdresser has a file and you see him once a month. Vincent Couture is a foreign national on US soil, with direct access to top-secret-level information on a daily basis. He has several files, very large ones.
- You have a file on my hairdresser?
- Yes. He really needs to file his taxes.

27850092INHALT
Die junge Rose stiehlt sich eines Abends aus dem Haus, um ihr neues Fahrrad zu fahren - als sich unter ihr die Erde auftut und sie in diesem eine riesige Hand aus verschiedenen seltenen Materialen entdeckt. Das Artefakt wird ein paar Jahre ohne wirkliche Erkenntnisse untersucht und dann in einem Lagerhaus vergessen. Doch nun, 17 Jahre später, leitet dieselbe Rose, nun promovierte Doktorin, ein Team von Wissenschaftlern, um Herkunft und Zweck der Hand zu erforschen. Es wird schnell klar, dass das Körperteil nicht das einzige sein kann, das irgendwo unter der Erde liegt - und dass die Fundstücke nicht von Menschen geschaffen wurden. Doch welche Motivation könnten mögliche Außerirdische haben?

MEINE MEINUNG
Romane, die als Stilmittel dokumentarisch angehauchte Stilmittel wie Interviews oder Logbuch-Einträge nutzen, sind gerade im Kommen und erfreuen sich großer Beliebtheit. "Sleeping Giants" nutzt dabei vor allem Gespräche, in denen der Fragensteller immer der gleiche bleibt und einen so durch jeden der Dialoge führt. Durch diese Art der Erzählung ist man während der Geschehnisse zwar nicht direkt dabei, durch die eindrücklichen Wiedergaben der einzelnen Befragten hat man jedoch nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Dass die Identität des Interviewers nicht gelüftet wird, befeuert die Fantasie außerdem noch zusätzlich.

Überraschenderweise gelingt es Sylvian Neuvels trotz dieser gewählten Romanform äußerst gut, seine Charaktere lebendig zu gestalten. Da ist Dr. Rose Franklin, eine engagierte und begeisterungsfähige Wissenschaftlerin, die sich zwar mit moralischen Fragen konfrontiert sieht, aber immer weiß, wie wichtig es ist, die Geheimnisse zu lüften. Kara, vorher Pilotin des Militärs und nun im Team der Wissenschaftler, wird einem mit ihrer sarkastischen und willensstarken Art sofort sympathisch, ebenso wie der liebevolle, aber stark eifersüchtige Ryan. Und auch der Linguist Vincent kann überzeugen, nachdem man sich an sein anfänglich übergroßes Ego gewöhnt hat. Am interessantesten ist aber definitiv der Interviewer, der die ganze Zeit über sehr geheimnisvoll bleibt und mit seiner skrupellosen Art fasziniert - über den man aber immer wieder kleinere Details erfährt und dem man so im Laufe der Handlung immer näher kommt.

Die ganze Geschichte ist nicht nur originell und neuartig, sondern auch außerordentlich spannungsreich umgesetzt. Es vergeht kaum ein Kapitel, in dem man nicht gebannt den Erzählungen folgt und der Enthüllung entgegenfiebert, was es mit den Körperteilen und den Symbolen darauf auf sich hat. Unterteilt in 5 Parts endet jeder davon mit einem Cliffhanger, der einem keine Ruhe lässt und sofort weiterlesen lässt - und auch dazwischen gibt es immer wieder große Überraschungen und Wendungen. Abgesehen davon sind auch die wissenschaftlichen Fakten großartig eingewoben, ohne einen zu überfordern oder zu langweilen, und der trockene Humor sorgt immer wieder für ein wenig Auflockerung. Letztendlich werden in diesem 1. Band noch nicht viele Fragen beantwortet, eher stellen sich sogar noch mehr. Gerade das ist es aber auch, was die unbändige Neugier auf den Nachfolger weckt, die einen mit Sicherheit überkommt.

FAZIT
Sylvian Neuvels "Sleeping Giants" ist fantastische Science Fiction mit einer interessanten, gut umgesetzten Erzählweise und so gut wie nie abnehmender Spannung. Auf die Enthüllungen des 2. Teils darf man gespannt sein! Gute 4,5 Punkte.


27850092
Titel: Sleeping Giants
Originaltitel: -
Autor: Sylvian Neuvel
Übersetzer: -
Verlag: Penguin Random House
Seitenzahl: 320 Seiten
ISBN-13: 9780718181680



Mittwoch, 4. Mai 2016

[Statistik] Monatsrückblick April

Keine Ahnung, was mit mir los ist, aber für meine Verhältnisse läuft es gerade wieder - endlich komme ich wieder dazu, zu lesen und ins Kino zu gehen. Meinen Rückstand in der Goodreads-Lesechallenge habe ich bis auf ein Buch aufgeholt, yay! Jetzt klopfen wir mir alle mal ganz feierlich auf die Schulter und dann erzähle ich euch, was ich im April so gemacht habe.

# Gelesen im April: 7 Bücher

von Isabel Abedi
von Tabitha Suzuma
4 Punkte
2,5 Punkte

von Renée Ahdieh
von Joseph Fink & Jeffrey Crandor
Meine aktuelle Lektüre
Knappe 3 Punkte
3,5 Punkte

von Brittany Cavallaro
von Jenny Downham
Gute 3 Punkte
3,5 Punkte

von Nova Weetman
knappe 3 Punkte

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 
ca. 375
Gelesene Seiten: 
2624
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 87
Durchschnittsbewertung: 3,21*
--
Neuzugänge: 8
Abgelesen:  7
Neuer SuB-Stand Juni: 76

# Geschaut im April: 3 Kinofilme

The Huntsman & the Ice Queen
Zoomania
von Cedric Nicolas-Troyan
von Bryan Howard & Rich Moore
3,5 Punkte
[rezensiert in den Kurzspots]
gute 3,5 Punkte
[Kurzspot folgt eventuell]

von Anthony & Joe Russo
Knappe 4,5 Punkte

Durchschnittsbewertung: 3,83* 

Das war ein sehr trauriger Monat. Dass ich mich bei so viel mittelmäßigem Kram überhaupt noch zum Lesen aufraffen konnte, grenzt eigentlich an ein Wunder. Nichts konnte mich so recht begeistern, da war mein Highlight noch Isabel Abedis neuer Roman "Die längste Nacht". Bei den Filmen hat diesen Platz natürlich "Civil War" verdient. Von "Zoomania" hatte ich mir ehrlich gesagt noch ein wenig mehr versprochen - er ist sehr süß, toll animiert und besitzt eine gute Botschaft, aber er ist nicht besonders witzig. 

Mal sehen, ob ich es im Mai auch wieder so oft ins Kino schaffe - wahrscheinlich aber nicht, denn es hat gar nicht mal so vieles Priorität bei mir. Nur ein Film ist bereits fest geplant.

Bad Neighbors 2 FilmplakatTriple 9 FilmplakatDie Poesie des Unendlichen FilmplakatVictor Frankenstein - Genie und Wahnsinn FilmplakatMoney Monster FilmplakatVor ihren Augen FilmplakatX-Men: Apocalypse FilmplakatWarcraft: The Beginning FilmplakatAlice im Wunderland: Hinter den Spiegeln Filmplakat

"Warcraft""Bad Neighbors 2" und "Alice im Wunderland 2" habe ich alle nur der Vollständigkeit halber aufgenommen, denn sehen möchte ich davon keinen. Von letzteren mochte ich die ersten Teile schon nicht und ersterer sieht, finde ich, einfach nur doof aus. Dafür gibt es im Mai aber auch einige sehr interessant klingende Thriller - allen voran "Triple 9", der mit einigen unkonventionell besetzten Bösewichten (Anthony Mackie!) punkten kann. Auch Julia Roberts ist in zweien zu sehen, und die mag ich ja immer gern. Geschaut wird natürlich auf jeden Fall "X-Men: Apocalypse", da freue ich mich schon riesig drauf. Und auch "Die Poesie des Unendlichen" sieht toll aus - schon allein wegen Dev Patel, den ich seit "Best Exotic Margold Hotel" total in mein Herz geschlossen habe.

Wie lief der April bei euch?

Dienstag, 3. Mai 2016

[Buchrezension] Lily Frost: Fluch aus dem Jenseits - Nova Weetman

Im Haus ist es ganz still, bis auf den rasselnden Atem neben mir.
Dann huscht etwas über den Boden und springt auf mein Bett. Es faucht, und mir wird klar, dass es Jasper ist. Ich streichle ihn in der Dunkelheit, aber er faucht weiter. Er hört auch, dass jemand atmet.
"Jasper - ist schon gut."
Er springt auf mein Kopfkissen, landet auf meinem Gesicht und ich bin so froh über seine Gesellschaft. Ich packe ihn und drücke ihn an mich. Da hört das Atmen auf und ich höre nur noch sein Miauen an meiner Brust. Mein ganzer Körper ist so verkrampft, dass mir schlecht wird. Vielleicht muss ich Jasper im Arm halten, damit mich das, was da geatmet hat, in Ruhe lässt.

INHALT
Lilys Eltern haben ein Haus auf dem Land gekauft, und so zieht die Familie in das unscheinbare Städtchen Gideon. Lily ist darüber gar nicht begeistert: Nicht nur muss sie ihre Heimat verlassen, auch ist sie ohne ihre beste Freundin Ruby schrecklich einsam. Das Ganze wird nicht besser, als im neuen Anwesen auch noch seltsame Dinge passieren - Lily sieht Schatten, Pfützen bilden sich auf dem Boden und in ihrem Zimmer ist es immer schrecklich kalt. Bald ahnt sie, dass das etwas mit den Vorbewohnern zu tun haben muss. Ist dem Mädchen, das in ihrem Raum gelebt hat, etwas passiert?

MEINE MEINUNG
"Lily Frost" ist ein schauriger Jugendroman über ein altes, gruseliges Haus und das Verschwinden eines Mädchens, das nie aufgeklärt wurde. Nova Weetman hat einen angenehmen, atmosphärischen Stil, der einem genau wie der Protagonistin durchaus den ein oder anderen Schauer über den Rücken jagt. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Lily, deren Gedanken, Gefühle und Ängste so sehr deutlich werden.

Leider hadert es durch die gerade einmal 235 Seiten ansonsten aber stark an der Figurenentwicklung. Die einzige, die man wirklich glaubt zu kennen, ist die sozial etwas unbeholfene, aber mutige Lily, der Rest ist komplett Beiwerk: Ihr liebevoller Vater und ihre irgendwie lieblose Mutter, der hübsche Danny und die Mädchen-Clique ohne Persönlichkeit - sie alle bestehen nur aus Klischees und wecken keinerlei Gefühle in einem. Ganz schade ist dies insbesondere bei dem Mädchen, das vorher im Haus der Familie gelebt hat, und deren Art und Motive nie klar werden.

Die Geschichte selbst ist durchaus spannend, wenn auch weder besonders originell noch wendungsreich. Aber einige Begebenheiten sind durchaus schön schaurig und wecken so immer wieder Interesse - schließlich wollen ja die Hintergründe geklärt werden. Doch auch wenn die Art, auf die Lily letztendlich die Wahrheit erfährt, durchaus fesselt, ist die Auflösung dann doch ziemlich enttäuschend. Es gibt keine rechte Erklärung, einzelne Stränge werden einfach offen gelassen. Der Schluss wirkt einfach ein wenig lustlos und so nicht besonders befriedigend - da hätten dem Ganzen ein paar Seiten mehr durchaus gut getan.

FAZIT
"Lily Frost" ist keine großartig neue Geistergeschichte, aber durch die Atmosphäre hat mich das Buch durchaus gepackt. Leider wirken die Figuren blass und am Ende wird zu wenig aufgelöst, um wirklich zufrieden zu stellen. So gibt es leider nur knappe 3 Punkte.



Titel: Lily Frost
Originaltitel: The Haunting of Lily Frost
Autor: Nova Weetman
Übersetzer: Friederike Levin
Verlag: Gulliver [Beltz]
Seitenzahl: 235 Seiten
ISBN-13: 978-3-407-74654-2



Samstag, 30. April 2016

[Filmrezension] Captain America: Civil War

"Tut mir Leid, Tony. Wenn ich sehe, dass etwas falsch läuft, kann ich das nicht ignorieren. Manchmal wünschte ich, ich könnte es." - "Manchmal möchte ich dir deine perfekten Zähne rausschlagen."

STORY
Nachdem die Avengers bei ihren Kämpfen gegen das Böse New York verwüstet und Sokovia komplett zerstört haben, beginnt die Bevölkerung an ihren Taten zu zweifeln. Ein Fehler von Scarlet Witch, der in Nigeria einige Menschenleben kostet, bringt das Fass endgültig zum Überlaufen: Die Vereinten Nationen verlangen von den Superhelden, die sogenannten "Sokovia Accords" zu unterschreiben und sich fortan von der Regierung kontrollieren zu lassen. Doch Captain America glaubt nicht an die Sinnhaftigkeit und weigert sich zu unterschreiben. Als bei einem Kongress zum Thema der König von Wakanda getötet und Steves alter Freund Bucky Barnes dafür verantwortlich gemacht wird, weiß er, dass er handeln muss. Und löst damit einen Krieg zwischen den Avengers aus...

MEINE MEINUNG
Der dritte "Captain America" ist weniger ein Solo-Abenteuer als ein Ensemble-Film, das sagt ja schon der Titel "Civil War" - wenn er sich auch zentral auf Steve Rogers und seine Beweggründe konzentriert. Ähnlich wie schon im richtig guten "Winter Soldier" hat das Ganze teilweise Züge eines Politthrillers und wie schon im Vorgänger funktioniert das ziemlich gut. Kein Wunder, es haben ja schließlich wieder Anthony und Joe Russo Regie geführt. Der Film ist der Comic-Vorlage schon recht ähnlich, wird der Fülle des Originals (immerhin 6 Comics) aber natürlich nicht komplett gerecht. Wer das nicht erwartet, wird nicht enttäuscht werden.

Chris Evans ist und bleibt für mich der Captain America und ich kann mir da ehrlich gesagt auch keinen gut gelingenden Wechsel vorstellen. Er stellt diese Willenskraft und bedingungslose Loyalität zu seinen Lieben einfach richtig gut dar. Robert Downey jrs Iron Man ist immer noch der arrogante Playboy wie wir ihn kennen und lieben - insbesondere in den verletzlichen Momenten kann er aber richtig überzeugen. Und selbstverständlich sind auch fast alle anderen Avengers mit dabei, von Scarlet Witch und Black Widow über Vision und War Machine bis zu relativen Neulingen wie Ant-Man und Black Panther. Bis auf letzteren kennt man (sofern man alle Filme gesehen hat) die einzelnen Figuren schon recht gut und wird daher nicht überrascht sein, dass die Darsteller ihre Rollen noch immer sehr gut ausfüllen. Einzig enttäuscht hat mich der neue Spiderman - Tom Holland ist einfach nicht ansatzweise so cool wie Andrew Garfield, sondern im Gegenteil eine recht nervige Labertasche. Besonders enttäuschend ist hier auch, dass der Spinnenmann eine weit weniger zentrale Rolle spielt als man das gedacht hätte. Dagegen freut es, Daniel Brühl in der doch recht großen Rolle als Baron Zemo zu sehen, wenn seine Beweggründe auch wenig überraschen.

Bei der Prämisse eines Kampfes zwischen verschiedenen Superhelden drängen sich einem natürlich unwillkürlich Vergleiche zum gerade einmal einen Monat vorher gestarteten "Batman v Superman" auf - und diese fallen für den DC-Film äußerst schlecht aus. Nicht nur sind die einzelnen Figuren durch die rechtzeitige Etablierung des MCUs schon hinlängs bekannt und lassen einen so auch deutlich mehr mitfiebern, auch die Motive und Hintergründe des "Civil Wars" sind um einiges sinnvoller, ebenso wie der letztendliche Ausgang, der um Längen nicht so überstürzt und albern wirkt. Die Handlung ist durchgehend spannungsgeladen, die Kämpfe wie immer großartig choreografiert und insbesondere die Beziehung zwischen Bucky und Steve wird noch einmal vertieft. Obwohl es durchaus auch emotional und dramatisch wird, wird gleichzeitig auch die Geschichte vorangetrieben, besonders im Hinblick auf die kommenden "Avengers"-Filme. Zwar ist der Schluss nicht so radikal, wie man das erwartet hatte und Marvel scheint sich nicht ganz zu den entscheidenden Schritten zu trauen - Lust auf die nächsten Superhelden-Abenteuer macht er nichtsdestotrotz.

FAZIT
"Captain America: Civil War" ist nicht ganz so gut wie das vorherige Solo-Abenteuer von Steve Rogers, aber immer noch einer der besten Marvel-Filme. Mitreißend, actiongeladen und durchaus emotional überzeugt das Ganze auf beinahe ganzer Linie. Knappe 4,5 Punkte.