Back Down to Earth

[Buchrezension] Rat der Neun: Gezeichnet - Veronica Roth

"Ergreift ihn", rief der Mann namens Vas, woraufhin sich der Kleinste sofort auf Aoseh stürzte. Cisi und Akos wichen zurück, als ihr Vater und der Shotet-Soldat miteinander rangen. Aoseh knirschte mit den Zähnen. Der Spiegel im Wohnzimmer zersprang, die Splitter flogen in alle Richtungen. Dann zerbrach der Rahmen auf dem Kaminsims mit dem Bild vom Hochzeitstag ihrer Eltern. Der Shotet hatte Aoseh inzwischen fest im Griff. Er schleifte ihn ins Wohnzimmer und ließ die drei Kinder allein zurück. Dann zwang er ihren Vater auf die Knie und drückte die Stromklinge an seine Kehle.

INHALT
Der junge Akos lebt auf Thuve, einem der neun vom Hohen Rat anerkannten Planeten seiner Galaxie. Für ihn sind die Grenzen klar: Auf der einen Seite lebt er mit seinem friedliebenden Volk, und hinter dem Federgras lauern die brutalen Shotet, die rauben und morden. Einige von ihnen greifen eines Tages auf Geheiß ihres Herrschers Rysek seine Familie an und entführen ihn und seinen älteren Bruder.Von nun an sind sie Gefangene, denn ihre Lebensgaben - Fähigkeiten, die jeder Bewohner der Galaxie erhält - sind sehr wertvoll für die Shotet. In Gefangenschaft begegnet Akos Cyra, Schwester von Rysek und dafür bekannt, Schmerz zu verbreiten. Doch der Preis dafür ist hoch: Sie fühlt genau diese Schmerzen ebenso stark. Nur Akos hat die Möglichkeit, ihr Leid zu lindern. Und zwischen den Beiden entsteht ein ungeahntes Bündnis...

MEINE MEINUNG
Nach ihrer Debüt-Trilogie hat Veronica Roth dem Dystopien-Genre den Rücken gekehrt und stattdessen eine eigene Science Fiction-Welt erschaffen. "Gezeichnet" ist Band 1 ihrer neuen Reihe um den "Rat der Neun" und lebt insbesondere durch den originellen und überraschenden Weltentwurf. Man sollte wahrscheinlich ein Fan des Genres sein, um sich bei den Beschreibungen der Planeten und ihrer Eigenarten so richtig wohl zu fühlen. Der Stil ist voller wunderschöner Beschreibungen, und er beschwört schnell eine dichte und packende Atmosphäre herauf. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Cyra und der personalen Sicht von Akos, wobei diese teilweise ins Auktoriale abdriftet. Die beiden berichten jedoch nicht immer abwechselnd, sondern haben anfangs ganze Teile für sich allein, wodurch man sie für sich kennen lernen kann.

Cyra ist in einer sehr brutalen Familie aufgewachsen und hat deren Wesenszüge teilweise übernommen. Trotzdem hat sie im Gegensatz zu ihrem Bruder ihr Gewissen bewahrt - was zum Teil wohl auch damit zusammenhängt, dass sie den Schmerz, den sie anderen zufügt, selbst auch fühlt. Ihre eher sarkastische und spröde Art weiß zu gefallen und macht sie in Verbindung mit ihren Schuldgefühlen sehr menschlich. Akos ist der ruhigere der beiden, der mit seiner gutmütigen, aber trotzdem mutigen Art schnell Sympathien sammelt. Manchmal agiert er etwas kopflos, was in seiner Verzweiflung aber verständlich ist. Und auch die Nebenfiguren sind großartig ausgearbeitet: Der brutale Rysek, geformt durch die Taten seines Vaters, früher liebevoll und heute voller Angst vor seinem Schicksal. Oder der schwache Jorek, der wie fehl am Platz wirkt zwischen den oft eher verschlagenen Shotet. Es gibt hier kein Schwarz oder Weiß, alle Charaktere zeigen gute wie schlechte Seiten.

Prinzipiell hat sich Veronica Roth einem bekannten Thema gewidmet: Dem Krieg zwischen zwei verfeindeten Völkern, in diesem Fall den Bewohnern von Thuve und von Shotet. Einige Elemente dieser Handlung kommen einem auch durchaus bekannt vor: Ein sich auflehnendes Familienmitglied, eine Liebe über alle Grenzen hinweg und ein Trupp von Rebellen, die den Herrscher stürzen wollen. Doch durch viele besondere Details und Ideen kommt es trotzdem immer wieder zu außergewöhnlichen Momenten. Die Art, wie Cyras grauenhafte Schmerzen und ihre zerrüttete Familie beschrieben werden, die vielen Pflanzen, Orte und Tiere, oder auch das spannende System dieser Planeten inklusive der Lebensgaben und Schicksale, das alles fesselt, lässt man sich darauf ein.

Die Autorin hatte nach Veröffentlichung des Romans stark mit Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen, die ich absolut nicht nachvollziehen kann - obwohl ich eine absolute Gegnerin von Diskriminierung jeglicher Art bin. Äußerlichkeiten werden größtenteils eher vage beschrieben, aber es wird deutlich gemacht, dass zum Beispiel das Volk der Shotet nicht einheitlich aussieht, weil es aus so vielen  Ethnizitäten besteht. Zu behaupten, hier würden dunkelhäutige Personengruppen als gefährlich dargestellt, ist damit schlichtweg falsch, vor allem, weil die Personen oft eher ambivalent und selten ausnahmslos böse dargestellt werden. Hätte ich nicht von den Problemen gewusst - niemals wäre mir in den Sinn gekommen, hier Rassismus zu suchen. In jedem der Völker gibt es gute wie schlechte Menschen, ganz so wie in Wirklichkeit. Damit sind die Charaktere undurchschaubar und wissen immer wieder zu überraschend, die Motive sind deswegen aber nicht weniger glaubwürdig. Bis zum Ende ist der Roman eine spannende Mischung aus fulminanter Action, mitreißenden Dialogen und einer sich sehr langsam und realistisch entwickelnden Liebesgeschichte. Da kann Band 2 gar nicht schnell genug kommen.

FAZIT
Lässt man sich auf Veronicas originelle und spannende Science Fiction-Welt ein, könnte "Gezeichnet" zu einem Highlight werden. Ambivalente, undurchschaubare Charaktere, eine fesselnde Liebesgeschichte und spannende Ereignisse lassen einen kaum Luft holen. Der Nachfolger erscheint im Original zum Glück schon nächstes Jahr. Verdiente 4,5 Punkte!


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Titel: Gezeichnet
Originaltitel: Carve the Mark
Reihe: Rat der Neun/Carve the Mark
Autor: Veronica Roth
Übersetzer: Petra Koob-Pawis, Michaela Link
Verlag: cbt
Seitenzahl: 608 Seiten
ISBN-13: 978-3-570-16498-3

[Filmrezension] John Wick: Chapter 2

"Wir alle haben die Geschichten über ihn gehört. Und die meisten davon sind wahrscheinlich noch heillos untertrieben."

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Die russischen Gangster, die seinen Hund getötet und sein Auto geklaut haben, sind besiegt - doch in den Ruhestand zurückkehren kann John Wick noch lange nicht. Ein alter Weggefährte sucht ihn auf und fordert einen Gefallen ein. Weigert er sich, wird er sterben, also willigt John letztendlich ein. Er macht sich auf nach Italien, um den Auftrag zu erledigen, doch dabei bleibt es nicht. Bald sind so gut wie alle agierenden Auftragskiller hinter ihm her und er muss hilflos dabei zusehen, wie alles, wofür er gekämpft hatte, in sich zusammenfällt.

MEINE MEINUNG
"John Wick" war 2015 einer der Überraschungshits schlechthin, auch für mich. Das Comeback von Keanu Reeves: Brutal, fesselnd und unglaublich gut choreographiert. In "Chapter 2" darf er nun auf einen erneuten Rachefeldzug gehen, der - ungewöhnlich für einen zweiten Teil - tatsächlich das Niveau des Vorgängers halten kann, obwohl er auf alles noch eine Schippe drauf setzt. Regie führt erneut Stuntman Chad Stahelski, der sich treu bleibt: Von Wackelkameras wird abgesehen, stattdessen setzt er auf elegante Kamerafahrten, die perfekt zum Stil des Filmes passen.

Keanu Reeves altert irgendwie nicht wie normale Menschen, "John Wick" ist dafür das beste Beispiel. So gut wie alle Stunts hat er selbst durchgeführt - mit immerhin schon 52 Jahren. Er spielt den grimmigen, entschlossenen, zu allem bereiten John absolut glaubwürdig und trotz der Brutalität auch seltsam sympathisch. Die beste Nebenrolle hat erneut Ian McShane inne, dessen Winston ein undurchschaubarer Manager ist, der zwar tut, was er tun muss, dabei aber nie eine gewisse Prise Empathie vermissen lässt. Großartig sind Claudia Gerini als undurchschaubare Gianna D'Antonio und ganz überraschend auch Ruby Rose als stumme Ares, die mir bisher nie wirklich zusagen konnte. Verschenkt wurde leider Laurence Fishburne, dessen Bowery King zu wenig zu tun hat. Dieser könnte aber im sicherlich folgenden dritten Teil noch ausgebaut werden.

Während Teil 1 noch für Jugendliche freigegeben war, ist der Nachfolger ganz sicher nicht umsonst erst ab 18. Das Kunstblut wurde deutlich erhöht und während der Body Count vorher bei 72 lag, wird er sich hier irgendwo um die 100 befinden. John Wick ist nicht weniger brutal geworden, und das ist gut so, denn die Kampfszenen machen einfach richtig Spaß. Die großartig choreographierte Mischung aus Martial Arts, Judo, typischem "Gun Fu" und anderen Techniken ist toll anzusehen und überrascht immer wieder. Hinzu kommt, dass die bisher sehr mysteriös gehaltene Gemeinschaft der Auftragskiller ein wenig mehr Hintergrund bekommt, inklusive wichtiger Regeln und Personen. Insgesamt ist die Storyline ein bisschen mau, was aufgrund der konstant hoch gehaltenen Spannung aber kaum auffällt. Und nach diesem nichts Gutes verheißenden Ende ist so vieles offen, dass Teil 3 an vielen Ecken überraschen könnte.

FAZIT
Mit "John Wick: Chapter 2" wird Liebhabern des Action-Genres nach dem ersten Teil endlich mal wieder ein richtig guter, brutaler und spannender Film geliefert - und damit entwickelt sich die Reihe so langsam zu absolutem Kult. Keanu Reeves ist einfach cool in dieser Rolle, und die herrlichen Kämpfe mit der perfekten Kameraarbeit tun ihr übriges. Dieser Nachfolger kann sich sehen lassen! Knappe 4,5 Punkte.


[Buchrezension] Eleanor - Jason Gurley

Agnes schließt die Augen. Ein Leben voller regnerischer Morgen wie diesem. Auf ihre eigene, kalte Weise sind sie wunderschön, doch sie wühlen auf und verwandeln sie in jemand anderes. Eine wütende Mutter, ein verlorenes Kind. Alles erinnert sie an ihre Mutter.
Wie wenig sie noch von ihr weiß.
"Es ist alles nur Wasser", murmelt sie leise. "Verdammtes Wasser."

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Das Leben der jungen Eleanor ist vor acht Jahren vollkommen aus den Fugen geraten: Bei einem schweren Autounfall wurde ihre Zwillingsschwester Esmeralda getötet und seitdem ist nichts mehr, wie es war. Ihr Vater hat die Familie verlassen, ihre Mutter trinkt sich langsam zu Tode und Eleanor fühlt sich unsagbar allein. Einzig ihr bester Freund Jack gibt ihr noch Kraft. Dann geschieht eines Tages etwas Unfassbares: Als sie durch eine Tür tritt, verschwindet sie einfach - und taucht an einem anderen Ort wieder auf, wo man sie weder sieht noch hört. Dieses erste Mal dauert nur wenige Stunden, bis sie wieder in der Realität ist, doch als es das zweite Mal geschieht, ist sie für zwei Wochen wie vom Erdboden verschluckt. Eleanor versucht herauszufinden, was mit ihr vorgeht. Und stellt bald fest, dass es etwas mit ihrer Familie zu tun hat.

MEINE MEINUNG
Jason Gurley hat an seinem Debüt-Roman "Eleanor" 12 Jahre geschrieben - eine ungewöhnliche Dauer für einen Roman, doch man merkt ihm diese Zeit und das Herzblut auch an. Hier sollte etwas Besonderes, etwas Tiefgreifendes entstehen, und das ist absolut gelungen. Dazu trägt vor allem der wunderschöne, melancholische Schreibstil bei, der einen schnell in die Geschichte zieht und lange nicht mehr loslässt. Das Augenmerk der Erzählung liegt zwar auf der 14-jährigen Eleanor, fast alle anderen Familienmitglieder kommen aber ebenfalls zu Wort, was die Zusammenhänge unterstreicht. Der Beginn, indem die Perspektive der gleichnamigen Großmutter geschildert wird, ist zwar zuerst etwas verwirrend, fügt sich schließlich aber wunderbar in den Rest ein.

Eleanor ist abgesehen von typischer Unvernunft und zeitweiligem Trotz alles andere als eine normale Teenagerin. Mit dem Tod ihrer Schwester musste sie schlagartig erwachsen werden, und nachdem der Vater die Familie verlassen hat, kümmert sie sich um die alkoholkranke Mutter. Sie beweist schnell ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen, weswegen man ihre Wut und ihre Trauer sehr gut nachvollziehen kann. Ihre Mutter war schon vor dem Unfall ein schwieriger Charakter und entwickelt sich danach nur zum Schlechten. Sie gibt der überlebenden Tochter die Schuld und strahlt permanenten Hass aus. Dass dies etwas mit ihrer eigenen Mutter zu tun hat, wird jedoch bald deutlich. Ein Lichtblick ist Eleanors bester Freund Jack, der immer für sie da ist und nie auch nur einen Moment an ihr zweifelt. Obwohl sie sein romantisches Interesse lange nicht erwidert, wendet er sich nicht von ihr ab. Er ist fast schon etwas zu idealisiert, was einen aber nicht davon abhält, ihn sehr zu mögen.

Die Geschichte von Eleanors Familie ist tragisch, erschütternd und emotional sehr mitnehmend. Die ersten knapp 100 Seiten dreht sich das Ganze darum, wie eines zum anderen kam und wie das junge Mädchen noch immer mit den Auswirkungen und auch mit den eigenen Gefühlen zu kämpfen hat. Als sie dann das erste Mal in einer anderen Welt landet, wird es magisch. Nicht nur gelangt Eleanor in verschiedene Traumwelten - mal voller Leben, mal gezeichnet von Tod und Zerstörung -, sie trifft auch auf ein Wesen, das auf geheimnisvolle Weise mit ihr verbunden ist. Diese Art der Geschichte muss man mögen, denn es wird weniger der Konflikt zwischen den Familienmitgliedern gesucht, als dass die Probleme durch die Vergangenheit gelöst werden sollen. Die letzten 100 Seiten hätten außerdem ein wenig kürzer und etwas weniger unvorstellbar ablaufen können. Nichtsdestotrotz reißt die Handlung permanent mit und lässt die Augen durchaus an einigen Stellen feucht werden. Der offene Schluss mit Hoffnungsschimmer rundet perfekt ab - gibt aber nicht auf jede Frage eine Antwort.

FAZIT
"Eleanor" beschäftigt sich mit dem Zerbrechen einer Familie am Tod eines Kindes ganz anders als andere Romane dieser Art. Die phantastischen Elemente sind sensibel und wunderschön eingebunden, dennoch sollte man sich darauf einstellen, dass die eigentlichen Probleme dadurch weniger angesprochen werden. Trotzdem war ich von Jason Gurleys Stil und den wundervollen Ideen so gefesselt, dass ich die zweite Hälfte in einem Rutsch durchgelesen habe. Ein emotionaler, traurig-schöner Geheimtipp. Knappe 4,5 Punkte.

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Titel: Eleanor
Originaltitel: Eleanor
Reihe: Nein
Autor: Jason Gurley
Übersetzer: Sabine Thiele
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-31737-6

[Buchrezension] Young Elites: Die Gemeinschaft der Dolche - Marie Lu

Er streift den Handschuh wieder über und der verstörende Anblick weicht dem von schwarzem, blutbeflecktem Leder. Von Macht.
"Trage deine Makel mit Stolz", sagt er sanft. "Es sind Zeichen - dafür, dass du etwas Besonderes bist. Und wenn du eine von uns wirst, werde ich dich lehren, sie einzusetzen wie ein Mörder sein Messer." Seine Augen werden schmal. Sein dünnes Lächeln wirkt plötzlich gefährlich. "So. Und nun sag mir, kleine Wölfin. Willst du all jene, die dich gequält haben, bestrafen oder nicht?" 

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Vor einigen Jahren ging das sogenannte Blutfieber unter den Menschen um - und während es die erkrankten Erwachsenen tötete, ließ es Kinder meistens entstellt zurück. Diese werden nun "Malfettos" genannt, gefürchtet und gehasst. Die junge Adelina ist eine von ihnen, was ihr Vater sie jeden Tag wieder spüren lässt. Als er sie eines Tages verkaufen will, flieht sie und gerät der Inquisition in die Hände. Vor dem sicheren Tod rettet sie eine Gruppe junger Malfettos, die mit besonderen Gaben ausgestattet sind und sich "die Dolche" nennen. Sie haben vor, auch ihre Fähigkeiten hervorzubringen. Doch in Adelina schwelt der Hass auf alles und jeden, und so bringt sie nicht nur sich in Gefahr, sondern auch die anderen...

MEINE MEINUNG
Marie Lu konnte sich mit ihrer "Legend"-Trilogie eine große Fanbase aufbauen, hatte mich damals aber bereits mit dem 1. Band verloren. Ihre neue Reihe um die "Young Elites" geht nun jedoch in eine völlig andere Richtung: Angesiedelt in einer düsteren und brutalen Welt wartet sie mit einer schwierigen Protagonistin auf - und einem schwachen Worldbuilding, das mir einiges an Lesefreude genommen hat. Da kommt auch der bildliche, oft etwas abgehackte Schreibstil nicht wirklich gegen an - vor allem, weil dieser auch noch durch die erste recht langweilige und ergebnislose Hälfte untergraben wird.

Adelina ist eine Protagonistin, die man so selten in Jugendbüchern finden. Sie ist schon keine Antiheldin mehr, denn eigentlich ist sie nur "anti". Voller Hass und Angst zieht sie ihre Kräfte aus den düstersten Winkeln ihrer Seele, misstraut jedem, schwelgt immer wieder in ihrer Wut. Sie will durchaus Gutes tun, doch ihr Inneres liegt in Scherben, die sie nicht wieder zusammensetzen kann. Leider überrascht sie zwischenzeitlich mit einer absurden Naivität und Dummheit, die so gar nicht zu ihrem sonstigen Wesen passen. Die Dolche, bei denen sie Unterschlupf findet und die sie ihre Gabe lehren wollen, heben sich allerdings gar nicht mal so sehr ab. Auch sie begehen Morde und verbreiten Schrecken, sehen sich selbst aber als Friedensbringer und verurteilen Adelina doch für ihre Art. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch. Besonders Love-Interest Enzo fand ich überraschend langweilig in seiner klischeehaften Zwiespältigkeit.

Inhaltlich geht es mindestens so düster zu wie in Adelinas Gedankenwelt, was dem geneigten Leser gefallen kann. Teilweise erinnern die Zustände in dieser italienisch angehauchten High Fantasy-Welt an die im Dritten Reich: Die Ausgrenzungen und Beschimpfungen der Malfettos sind an der Tagesordnung und sogar vor Verbrennungen wird nicht zurückgeschreckt. Die Autorin zeichnet hier ein erschreckendes und bedrückendes Bild. Und auch die Fähigkeiten der Begabten sind gut ausgearbeitet - insbesondere Adelinas Gabe der Illusion ist etwas Besonderes und ihr Lernen, das mit einem Abdriften in noch dunkleres Gefilde verbunden ist, ist toll zu beobachten. Nur leider wirkt der Rest nicht richtig ausgearbeitet, insbesondere die ominösen Schauplätze mit ihren Eigenheiten erscheinen wie hingeworfen. Warum fliegen riesige Rochen am Himmel? Und weshalb in aller Welt gibt es drei Monde? Erklärungen dafür gibt es keine, was ernüchtert. Dafür reißt der Schluss ziemlich vieles wieder raus: Erschreckend, überraschend und erbarmungslos werden hier viele Fortschritte wieder zunichte gemacht, sodass Band 2 spannend beginnen dürfte.

FAZIT
Ich scheine kein großer Fan mehr von Marie Lus Geschichten zu werden - auch ihre neue Reihe konnte mich beim ersten Band nicht vollständig von sich überzeugen. Die düstere Protagonistin und der geringere Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte haben allerdings dazu geführt, dass mir "Die Gemeinschaft der Dolche" besser gefallen hat als "Legend". Eventuell wird da ja im 2. Band auch noch eins draufgesetzt. Knappe 3,5 Punkte.
 

Titel: Die Gemeinschaft der Dolche
Originaltitel: The Young Elites
Reihe: The Young Elites
Autor: Marie Lu
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Verlag: Loewe
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-7855-8353-1

[Statistik] Monatsrückblick Januar

Kaum hat das neue Jahr begonnen, läuft es endlich wieder viel besser mit dem Lesen - und auch mit den Filmen. Ich bin begeistert! Vielleicht brauchte es tatsächlich nur diese 10 Tage Urlaub während der Feiertage, um zur alten Stärke zurückzufinden. Zwar war ich in den letzten Tagen des Januars auf einer anstrengenden Produktion und damit immer 12 Stunden weg, was mir keine Zeit für irgendwas ließ - aber trotzdem kann sich das Ergebnis, finde ich, durchaus sehen lassen.

# Gelesen im Januar: 6 Bücher

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1. Die Magier Seiner Majestät von Zen Cho [sehr knappe 4*]
2. Alleine bist du nie von Claire Mackintosh [gute 4*] - Rezension folgt
3. Tage zwischen Ebbe und Flut von Carin Müller [3*]
4. Dämonen des Lichts von L. A. Weatherly [knappe 2,5*] - Kurzspot folgt
5. Es beginnt am siebten Tag von Alex Lake [2*]
6. Angstmädchen von Jenny Milewski [4*]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: etwa 414
Gelesene Seiten: 2485
Gelesene Seiten pro Tag: 80
Durchschnittsbewertung: 3,25*
--
Neuzugänge: 4
Abgelesen: 6
Neuer SuB-Stand Februar: 72

# Geschaut im Januar: 2 Filme

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1. La La Land [4,5*]
2. Verborgene Schönheit [3*] - Kurzspot folgt

Durchschnittsbewertung: 3,75* 

Da ich wohl immer nur eine Sache gleichzeitig verbessern kann, hat meine Bewertungen mal wieder ein wenig unter der Anzahl der Bücher gelitten. Diesem Thema werde ich mich dann wohl im Februar widmen - für den Januar habe ich so leider kein Highlight zu küren. Dafür war ich aber wieder mehr im Kino und kann euch allen "La La Land" nur ans Herz legen.

Serien habe ich letzten Monat eher weniger schaut (wohl im direkten Zusammenhang mit den Büchern). Im Februar wird sich das nun aber mit Sicherheit wieder ändern, schließlich läuft ab morgen auf Netflix "Santa Clarita Diet" und auf Amazon muss ich noch die 3. Staffel von "Mozart in the Jungle" beenden. 

Und zum Glück wird es auch im Kino nicht langweilig. Viele spannende Filme laufen an - zu viele schon fast. Da kann man sich ja kaum entscheiden.


Hidden Figures - Unerkannte HeldinnenLive by NightThe LEGO Batman MovieThe Girl with All the GiftsEmpörungFencesJohn Wick - Kapitel 2A Cure for WellnessLion - Der lange Weg nach HauseLoving

Ich habe mich hier übrigens nur auf die Filme beschränkt, die ich wirklich gern sehen würde. Haha, ja. Das schaffe ich natürlich nicht (und wenn doch, bin ich pleite). Daher beschränke ich mich wohl oder übel auf etwa 3-4 Kinobesuche.

"Live by Night" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane und da ich die Werke des Autors LIEBE, muss ich den Film natürlich schauen - Ben Affleck mag ich in Thrillern auch durchaus mal ganz gerne. Auch "The Girl with all the Gifts" ist eine Buchadaption und muss daher geschaut werden.
Ganz fest eingeplant ist auf jeden Fall "John Wick 2", auch wenn ich nicht weiß, wie dieser an Teil 1 herankommen soll.
Und zuletzt würde ich noch gerne "A Cure for Wellness" sehen, da sich da aber momentan alle Freunde beharrlich weigern, wird es vielleicht doch "Lion", einfach wegen Dev Patel.

Seid ihr mit eurem Januar zufrieden? Und wie stellt ihr euch den Februar vor?

[Filmrezension] La La Land

"Sie sind gefeuert." - "Aber es ist Weihnachten!" - "Ja. Ich habe die Dekoration gesehen."

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Mia hat den großen Traum, eine Schauspielerin zu werden - arbeitet aber momentan nur als Barista auf dem Warner Bros.-Gelände. Sebastian spart dafür, seinen eigenen Club zu eröffnen - und hält sich mit Jobs in Bands und Restaurants über Wasser. Beim ersten Treffen der Beiden beleidigen sie sich mit Gesten, das zweite läuft nicht besser. Erst als sie sich ein drittes Mal über den Weg laufen, funkt es. Ab da verbindet sie eine große Liebesgeschichte, die allerdings von ihren Probleme und Sorgen immer wieder überschattet wird...

MEINE MEINUNG
"La La Land" ist wahrscheinlich der gehypteste Film der letzten Monate - für mich eigentlich immer ein schlechtes Zeichen. Und dann auch noch ein Musical, obwohl ich Musicals doch hasse. Aber um wirklich mitreden zu können, muss man es probiert haben, also habe ich es gewagt. Zum Glück! Denn die Kritiken und auch die begeisterten Stimmen der Kinogänger haben nicht zu viel versprochen. Der Film ist eine wundersame Reise und eine bewegende Hommage, zeigt aber gleichzeitig auch die Schattenseiten Hollywoods.

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das Ganze mit der ursprünglichen Besetzung, bestehend aus Emma Watson und Miles Teller, genauso gut funktioniert hätte. Emma Stone und Ryan Gosling verbindet einfach eine mitreißende Chemie, die sie schon in zwei vorherigen gemeinsamen Filmen beweisen durften. Stones Mia ist eine Träumerin mit all ihren Schwächen, aber sie ist auch eine starke, gefühlvolle Frau, die alles für ihren großen Wunsch tut. Goslings Seb ist manchmal ein wenig arrogant, aber auch einfühlsam und liebevoll. Seine Leidenschaft für Jazz beeindruckt nicht nur Mia, sondern auch den Zuschauer. Vieles dreht sich nur um die Beiden, Auftritte von Nebenfiguren sind mehr Gastauftritte - trotzdem passen sowohl J. K. Simmons als auch John Legend in ihren kurzen Szenen überraschend gut.

Damien Chazelle hat offensichtlich ein Händchen für Musikfilme (wenn er nicht grade im Genre Horror unterwegs ist, interessante Mischung). Wie schon "Whiplash" reißt auch "La La Land" schnell mit und lässt einen völlig in die Musik eintauchen. Ob man nun Jazz mag oder nicht, zumindest für diese 2 Stunden lernt man ihn lieben - den Rythmus, den Tanz. Einige der Musikstücke sind auch eher an alte Hollywood-Streifen angelehnt und etwas poppiger. "City of Stars" und "Fools Who Dream" sind natürlich die Ohrwürmer schlechthin und zurecht für Oscars nominiert. Die Tanzszenen sind großartig choreografiert, die Kulissen traumhaft schön und die Dialoge dazwischen berühren einen immer wieder. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass der Film sich vor allem um Sebastians und Mias Träume dreht, nicht um die Suche nach der Liebe - und dass im Leben nicht alles so verläuft wie man es sich vielleicht vorgestellt halt. Das realistische Ende, das doch noch einen Bruch zum harmonischen Klischee der Hollywood-Streifen vollzieht, passt da ziemlich gut rein, wird aber nicht jedem gefallen.  

FAZIT 
Manchmal wird ein Film von allen Seiten gelobt und als Zuschauer kann man den Hype tatsächlich zustimmen. Genau das ist bei "La La Land" für mich der Fall gewesen. Die wunderbar harmonierenden Darsteller, die locker-leichte und trotzdem berührende Geschichte, die wunderschönen Tänze und Songs - das alles hat mich ziemlich stark verzaubert. Ich kann nur empfehlen, es auszuprobieren. 4,5 Punkte!



2017 Reading Challenge

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