Back Down to Earth

[Mein Ärger über] Den Umgang mit rechten Gruppierungen



Ich war nicht auf der Buchmesse, weil ich stattdessen meine Familie in der Heimat besuchen wollte - und das, wo ich doch nur 45 Minuten von Frankfurt entfernt lebe. Im Nachhinein bin ich nun aber froh, nicht dagewesen zu sein, und die meisten werden auch wissen, warum. Ich war also nicht live dabei, habe nicht mit eigenen Augen die Ausschreitungen zwischen den rechten und linken Gruppen miterlebt und erlaube mir dennoch, etwas dazu zu sagen. Warum? Weil es nicht allein um die Frankfurter Buchmesse geht, sondern die Geschehnisse dort nur ein Symptom unserer sich verändernden Gesellschaft sind. Einer sich verändernden Gesellschaft, die immer weiter nach rechts zu rücken scheint - 12,6% für die AfD bei der Bundestagswahl in Deutschland und der 2. Platz für die rechtspopulistische FPÖ bei der Nationalratswahl in Österreich sprechen eine deutliche Sprache.

Und ich kann es nicht verstehen, auch wenn es noch so viele Analysen und Erklärungen und Motive gibt. Aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Post, den jedoch viel mehr Leute schon viel besser geschrieben haben als ich, und deswegen lasse ich es lieber gleich und widme mich etwas anderem.

Denn ich kann auch nicht verstehen, wieso mit den Rechten so umgegangen wird wie momentan. Lassen wir dabei die außen vor, die die Populisten, Neue Rechte und Nazis verteidigen, denn denen ist sowieso nicht zu helfen, um es böse auszudrücken. Konzentrieren wir uns lieber darauf, dass die 12,6% Wähler der AfD so verdammt ernst genommen werden; dass rechte Verlage auf eine Buchmesse eingeladen und mehr geschützt werden als Gegendemonstranten; und dass die Antifa und kleinere, weniger radikale linke Gruppierungen (oder Einzelpersonen) immer wieder den gleichen Fehler begehen: Die Rechten zu Opfern zu machen.

# 12,6% sind nicht das Volk


Ja, dass eine rechtspopulistische Partei wie die AfD so viele Stimmen erhalten hat und noch vor FDP, Linken und Grünen als drittstärkste Kraft in den Bundestag eingezogen ist, ist erschreckend. Aber, und damit packe ich das Klischee aus, auf dem auch alle anderen herumreiten, 87,4% der Wähler wollten diese Partei nicht an dieser Stelle sehen. Die größte Mehrheit hat nicht rechts gewählt, hat sich nicht von Lügen, Verleumdungen und dem Ausnutzen des Leids der anderen verführen lassen. Warum also tut die Politik so, als wäre es das allerwichtigste, diese Wähler zurück zu gewinnen? Wer will denn diese Wähler?

Schon vor der Wahl haben Parteien wie auch Medien von früh bis spät über die AfD berichtet oder geschimpft und sie damit immer und immer wieder in die Köpfe der Menschen zurück geholt. Es ging weniger um Inhalte als um "Wir machen das anders". Dass das nicht funktionieren würde, war jedem klar, nur den Politikern und Journalisten nicht. (Und jetzt tue ich es auch! Na toll.)

Nun ist es aber passiert. Damit wäre es an der Zeit, sich anderen Dingen zuzuwenden. Nicht nur, wie Seehofer, darüber zu sinnieren, man müsste wohl seine "rechte Flanke schließen" und was denn die Unzufriedenheit der Menschen bewogen haben könnte, sondern etwas zu tun - und zwar nicht nur für die rechten Wähler, sondern auch für die anderen. Eine Obergrenze einzuführen, weil 12,6% das so wollen, kann nicht die Lösung sein. Burkas zu verbieten, weil 12,6% das so wollen, kann ebenfalls keine Lösung sein. Denn diese Wähler sind nicht der Nabel der Welt, ganz einfach.

# Kommen drei rechte Verlage zur Buchmesse...

Toller Beginn eines Witzes - wenn es ein Witz wäre. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut in Deutschland und jeder sollte dieses nutzen dürfen - auch Bürger mit eher rechter Gesinnung, ganz sicher, so ungern wir auch zuhören mögen. Dass Verlage des rechten Spektrums naturgemäß aber auch Nazis anziehen und diese nicht unbedingt das friedfertigste Volk sind, ist ja wohl jedem klar. Jedem, außer den Veranstaltern der Frankfurter Buchmesse 2017. Unsere Demokratie muss es aushalten können, dass auch die Neue Rechte, wie etwa der Antaios-Verlag, sich präsentieren darf, aber in solch einer Umgebung auf einen ruhigen Diskurs zu hoffen, war wohl eher ein Wunschtraum. Vor allem aber wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels selbst zur "aktiven Auseinandersetzung" aufgerufen - was hat das anderes zu bedeuten, als Proteste geradezu herauszufordern, nur um sich dann aus der Verantwortung zu ziehen, wenn es tatsächlich zu Tumulten kommt - und die Security bzw. Polizei sogar so harsch vorgeht, dass es zu Schlägereien kommt?
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Davon abgesehen ist mein größter Kritikpunkt aber definitiv die Einladung an Bernd* Höcke. Es ist - meiner Meinung nach - etwas anderes, einen Verlag seine Bücher vorstellen zu lassen, als einen politisch aktiven, sich dem Nazi-Jargon bedienenden, seine eindeutig rechte Ideologie verbreitenden Redner zuzulassen. Die Demokratie muss vieles aushälten und hält auch vieles aus, aber einen Hetzer bei der Buchmesse auftreten zu lassen, gehört für mich nicht dazu. Dass es daraufhin zu linken Protesten kam, kann ich verstehen - und dennoch führt es uns zum dritten und größten Problem im Umgang mit rechts.

# Hast du das in der Schule gelernt oder warst du auf der Akademimimi?

Rechtspopulistische Parteien wie deren Anhänger stellen sich gern als Opfer dar - verbreiten selbst falsche Informationen und schimpfen doch ständig über "Fake News", reden absichtlich eine Welle der Empörung herbei, um dann zu behaupten, das sei alles aus dem Kontext gerissen und sowieso und überhaupt ganz anders gewesen. Wir kennen das schon und wir belächeln es.

Gefährlich wird es aber, wenn man diesen Menschen immer und immer wieder die Möglichkeit gibt, sich als genau das Opfer hinzustellen, als das sie gern gesehen werden wollen. Indem etwa die radikale Antifa bzw. einfache laute Protestler an Parteiständen/Buchständen/Veranstaltungsorten aufmarschieren, für Unruhe sorgen, eventuell Vandalismus betreiben und damit möglich machen, dass gesagt wird: Die Meinungsfreiheit gilt wohl nur, wenn es euch passt. Und das ist der einzige Punkt, in dem die Anhänger rechter Gruppierungen Recht haben. Man stelle sich vor, es wäre einfach niemand zum Antaios-Stand gegangen oder die, die dort gewesen wären, hätten friedlich protestiert, mit Plakaten in der Hand, Statement genug. Hätte sich da nicht wunderbar mit den schwachsinnigen Argumenten der Rechten auseinander gesetzt werden können? Wäre da nicht vielleicht sogar dem eigenen Klientel langweilig geworden? Hätten nicht genau diese Meinungen, gegen die demonstriert wurde, viel weniger Aufmerksamkeit bekommen? Moritz Neumeier von funk fasst das in seinem Video wunderbar zusammen:

  
Um das festzuhalten: Ich würde mich zwar ganz offen eher im linken politischen Spektrum einordnen, aber ich bin weder für rechte noch für linke Gewalt. Stattdessen wünsche ich mir einen geordneten und argumentativen Diskurs, denn nur dieser bringt uns weiter und nur dieser zeigt, dass beispielsweise die AfD gar nicht vor hat, Probleme zu lösen, weil sie eben von genau diesen Problemen lebt. Jeder darf wählen und sagen, was er will (solange es nicht gegen die Würde anderer Menschen geht), und das möchte ich auch niemandem verbieten. Heute wollte ich mir einfach nur mal den Frust von der Seele reden.

Was haltet ihr von diesem Thema? 

* oder wie heißt der noch gleich?

[Buchrezension] Cainsville: Zeit der Schatten - Kelley Armstrong

Ich hielt mich ein paar Schritte hinter ihm und bereitete mich auf den Anblick vor. Auf keinen Fall wollte ich vor seiner Nase zusammenzucken.
Er erreichte die Fahrerseite. Blieb stehen. Runzelte die Stirn. Hob die Sonnenbrille. Senkte sie wieder. Schaute mich an.
"Haben Sie...?" Seine Stimme verlor sich, und er schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht."
Ich ging um den Wagen herum zu der Stelle gleich neben der Fahrertür, an der er sich aufgebaut hatte. Die Leiche...
Die Leiche war verschwunden.

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Armstrong_KCainsville-Zeit_dSchatten2_182114.jpgINHALT
Seit die wohlhabende und angesehene Olivia Taylor-Jones erfahren hat, dass sie mit Nachnamen eigentlich Larsen heißt und die Tochter zweier berüchtigter Serienmörder ist, ist nichts mehr wie es war. Dass sie vor Kurzem herausgefunden hat, dass eines der ermordeten Pärchen nicht auf das Konto ihrer leiblichen Eltern geht, gibt ihr Hoffnung - aber wie wahrscheinlich ist es, dass sie auch die anderen Fälle aufklären kann? Als sie eines Tages die Leiche einer jungen Frau in ihrem Auto entdeckt, die kurz darauf wieder verschwunden ist, wird ihr klar, dass sie erneut in großer Gefahr schwebt. Und wieder ist sie auf die Hilfe ihres Anwalts Gabriel angewiesen, bei dem sie nie weiß, wann er sie erneut verraten wird...

MEINE MEINUNG
Der erste Band aus Kelley Armstrongs "Cainsville"-Reihe hat richtig viel Spaß gemacht und auch "Zeit der Schatten" steht dem in nichts nach. Mysteriöse Vorkommnisse, geheimnisvolle Figuren und bedeutungsschwangere Omen sind große Bestandteile dieser Romane, die sich um das ehemalige High Society-Girl Olivia drehen, die nun auf der Suche nach der Wahrheit ist. Erzählt wird die Geschichte weiterhin aus ihrer Ich-Perspektive und ab und zu kommen auch ein paar Dorfbewohner zu Wort, diese Kapitel wurden hier aber gegenüber dem Vorgänger stark reduziert, was ich ein wenig schade fand. Der Schreibstil aber ist genauso fesselnd wie zuvor: Flüssig, allerdings nicht flapsig, und gespickt von sehr amüsanten und glaubwürdigen Dialogen.

Wer die Charaktere in Band 1 mochte, dem wird es hier genauso ergehen. Denn an dieser Front ändert sich kaum etwas, außer dass der junge Rocker Ricky nun einen offiziellen Part in der Dreiecks-Liebesgeschichte einnimmt, die allerdings bisher nur Indizien für Gefühle zwischen Gabriel und Olivia aufweist (was sehr erfrischend und gleichzeitig unendlich nervtötend ist). Die Bewohner Cainsvilles verhalten sich hier noch ungewöhnlicher als zuvor und es wird bald deutlich, dass diese nicht nur die friedfertigen älteren Personen sind, die sie vorgeben zu sein. Olivia trifft zwar immer noch ab und an dumme Entscheidungen, bietet aber mit ihrer sympathischen Dickköpfigkeit und ihrer Intelligenz auch starkes Identifikationspotenzial, sodass man sie gern bei den Nachforschungen begleitet. 

"Zeit der Schatten" ist Band 2 von 5 und bietet damit erstmals auch ein paar Antworten - nicht viele und kryptische noch dazu, aber wir kommen dem Kernpunkt näher. Obwohl ein großer Gegenspieler fehlt und die Autorin sich teilweise ein wenig zu stark darauf konzentriert, die Romantik zu etablieren, lernt man auch bald, dass beides durchaus einen Zweck hat. Zwischenzeitlich war mir insbesondere das Hin und Her zwischen Olivia und Gabriel zu viel, aber davon abgesehen reißt der Roman auch dann mit, wenn es seitenlang nur Dialoge gibt. Action sollte man nicht unbedingt erwarten, aber die geheimnisvolle Atmosphäre fesselt dennoch. Nur der Schluss driftet an der ein oder anderen Stelle zu sehr ins Abstruse ab und die Auflösung konnte man sich bereits vorher denken. Das ändert aber nichts daran, dass erneut genug Fragen aufgeworfen wurden, um einem den Nachfolger so richtig schmackhaft zu machen. 

FAZIT 
"Cainsville" ist eine Reihe der mysteriösen Geschehnisse und unterhaltsamen Gespräche - Überraschungen gibt es zwar einige, Action oder gar Kämpfe braucht man aber weiterhin nicht erwarten. Das ist jedoch nicht schlimm, denn Kelley Armstrong zieht mit Schreibstil und Charakteren total in den Bann. "Zeit der Schatten" bereitet auf Großes vor, das hoffentlich in Band 3 passiert. Gute 4 Punkte! 
 
Meine Empfehlung für Leser, die Geheimnisse und Rätselraten ebenso lieben wie mysteriöse und unterhaltsame Charaktere.

https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Cainsville-Zeit-der-Schatten/Kelley-Armstrong/Heyne/e518231.rhd

[Gewinnspiel] Herbstlektüren

Der Sommer ist offiziell vorbei (wenn man das überhaupt Sommer nennen konnte, selbst nachdem ich in den Süden gezogen bin) und der Herbst da, so sehr wir uns auch dagegen wehren mögen. Zwar besteht nun Hoffnung auf ein wenig goldenen Herbst - der Gedanke daran, mit einem Buch und eingekuschelt in eine Decke auf dem Sofa zu liegen, neben sich eine dampfende Tasse Kakao, wird so langsam aber tatsächlich trotzdem verlockender. Wie praktisch, dass ich euch in genau diesem Punkt weiterhelfen kann, denn bei mir könnt ihr ab heute ein paar kleine, feine Lektüren gewinnen. Und da sich diese aus verschiedenen Genres zusammen würfeln, dürfte für jeden etwas dabei sein.

Und das gibt es zu gewinnen:


Die Anwältin Charlie gerät unversehens mitten in einen Amoklauf an einer Schule. Selbstverständlich kann sie es nicht lassen, selbst zu ermitteln und der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Dabei wird sie auch mit ihrer eigenen gewalttätigen Vergangenheit konfrontiert.

Die 16-jährige Prinzessin des Königreichs Shalingar, Amrita, ist dem Tyrannen Sikander versprochen, doch sie weiß, dass sie ihn nicht heiraten kann. Daher flieht sie und macht sich mit der Sklavin Thala auf die Suche nach der geheimnisvollen "Bibliothek aller Dinge", um ihr Schicksal um zu schreiben.

Ein Hacker setzt mit einem Computervirus versehentlich eine Reihe von Störfällen in Gang - und dann scheint sich eine Künstliche Intelligenz der Netze zu bemächtigen, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen will endlich für sich sein und zieht daher nur mit seinem Hund als Begleitung in die dänischen Wälder. Doch als er seiner Neugier nachgibt und nachts ein Schloss besucht, macht er sich mit seinen hinterlassenen Spuren zu einem Hauptverdächtigen in einem Mordfall: Denn der Besitzer des Schlosses wurde in derselben Nacht getötet und er war als einziger anwesend. (Ungelesenes Rezensionsexemplar)

In der Zukunft ist der Mond ein beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel. Mit seinem gerade erhaltenen Erbe beschließt der Webdesigner Darian, für drei Wochen eine Reise dort hin zu unternehmen - und er erlebt Unglaubliches.

Zum ersten Mal verliebt sich der Teenager Henry, und zwar in die ungewöhnliche und zerbrechliche Grace. Sie hütet ein Geheimnis, aber Henry denkt gar nicht daran, sie aufzugeben.

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Um zu gewinnen, müsst ihr nur das folgende Formular ausfüllen und mir eure Gewinnwünsche angeben - gern auch mehrere. Zeit dafür habt ihr bis einschließlich dem 23.10.2017, also genau 10 Tage. Auslosen werde ich am folgenden Tag. Ich freue mich über Leser und Follower, dies ist aber natürlich kein Muss. Teilnehmer unter 16 Jahren müssen im Gewinnfall die Einverständniserklärung der Eltern vorweisen können. Automatisierte Teilnehmer sind vom Gewinnspiel ausgeschlossen, eine mehrfache Teilnahme führt ebenfalls zum Ausschluss. Die E-Mail-Adressen werden nur zur Gewinnbenachrichtigung genutzt und gemeinsam mit der Postadresse nach Versand gelöscht. Dieser erfolgt sowohl innerhalb Deutschlands als auch nach Österreich und in die Schweiz.

Viel Glück!

[Buchrezension] Wie der Wind und das Meer - Lilli Beck

Rosalie schaute ihn unsicher an. »Und wenn jemand fragt, wo unsere Eltern sind?« »Dann behaupten wir einfach, die stehen in einer anderen Schlange für Brot an«, antwortete Paul. »Und wenn niemand die Marken will?« Rosalie schien sich nicht so einfach überzeugen zu lassen.
Paul hatte sich aufgerappelt, legte sich den Tragegurt über die Schulter und griff nach dem Kochtopf. »Wir durchsuchen jetzt erst mal die Ruinen. Wirst sehen, wir finden was. Irgend- was finden wir bestimmt.« Das Mädchen rührte sich nicht von der Stelle. »Komm mit, Rosalie«, drängte Paul. »Ich bin nicht deine Schwester!« Trotzig warf sie ihm die Puppe vor die Füße. »Ich heiße Sarah, merk dir das, und ich will zu meiner Mutti.« 

Bildergebnis für wie der wind und das meerINHALT
Im April 1945 neigt sich der 2. Weltkrieg seinem Ende zu. Die Alliierten bekämpfen die Nationalsozialisten und zerbomben deutsche Städte. Bei einem dieser Fliegerangriffe kommt die gesamte Familie des jungen Paul um. Verwirrt und voller Schmerz irrt er durch München - und trifft dabei auf die Jüdin Sarah, die sein Schicksal teilt. Sie ist fast genauso alt wie er - und sieht seiner toten Schwester Rosalie sehr ähnlich. Die beiden beschließen, sich als Geschwister auszugeben, um die gefährliche Herkunft des Mädchens zu verbergen. Nicht von anderen Menschen, nicht vom Waisenhaus und auch nicht von einer möglichen neuen Familie lassen sich die beiden trennen, halten immer zusammen. Im Jugendalter schließlich werden sie von einem fürsorglichen Ehepaar gemeinsam adoptiert und die Zeit der Entbehrungen scheint endlich vorbei. Doch als die beiden Gefühle für einander entwickeln, ahnen sie bereits die Ausweglosigkeit ihrer Lage. Denn sie gelten als Geschwister und daher ist ihre Liebe verboten...

MEINE MEINUNG
Unmögliche Liebesgeschichten voller Sehnsucht und Leidenschaft üben auch auf mich ihren Reiz aus, wenn sie gut gemacht sind. Lilli Becks "Wie der Wind und das Meer" schien da die richtige Wahl - mit einem als Kinder geschmiedeten Bündnis, das die Liebe verwehrt, ist hier nicht nur ein glaubwürdiges Hindernis geschaffen worden, auch ist die Kriegs- und Nachkriegszeit ein Szenario, das ebenso bekannt wie immer noch wichtig ist. Das Buch umfasst insgesamt circa 40 Jahre und begleitet die beiden Protagonisten nicht nur beim Aufwachsen, sondern auch bei ihrem Werdegang und den vielen ungewollten Trennungen. Erzählt wird das Ganze personal aus beiden Sichten, wobei ganz selten auch Wegbegleiter zu Wort kommen.

Es ist seltsam, von Sarah zu sprechen, denn die meiste Zeit über wird sie im Roman Rosalie genannt - sie nimmt die Identität von Pauls Schwester komplett an, auch wenn sie sich, verständlicherweise, danach sehnt, so gesehen zu werden, wie sie eigentlich ist. Prinzipiell ist sie ein sympathisches Mädchen mit großen Träumen und einem starken Willen, aber sie neigt auch zu unverhältnismäßiger Eifersucht und macht es sich und Paul oft unnötig schwer. Paul dagegen ist als Junge und junger Mann eindeutig der Sympathieträger mit seiner fürsorglichen und liebevollen Art. Im Laufe der Zeit entwickelt er aber immer mehr negative Eigenschaften: Verbittert und abweisend kümmert er sich nicht um seine Familie, begeht Fehler um Fehler und kann sich nicht mehr wirklich aus diesem Sumpf herausziehen. Dafür gibt es andere Figuren, die man sehr ins Herz schließt: Agathe etwa, die die Kinder noch vor der Adoption für einige Zeit bei sich aufnimmt und so etwas wie die Ersatz-Oma ist, oder auch Sarahs Wohngemeinschaft in Berlin, die aus lauter skurrilen, tollen Persönlichkeiten besteht.

Die ersten 100 Seiten sind mitreißend, berührend und vergehen, logisch bei einem Roman, der um die Kriegszeit herum spielt, nicht ohne Schicksalsschläge. Nachdem die Kinder jedoch adoptiert worden sind, passiert lange Zeit erst einmal nichts mehr. Die jungen Liebenden fügen sich in den Alltagstrott und stehlen sich ab und zu gemeinsame Stunden, aber die Gefühle kommen gar nicht wirklich an - Szenen wie der erste Kuss werden viel zu schnell abgehandelt, um etwas in einem zu wecken. Natürlich sind die beiden in einer schwierigen Situation gefangen, die einen selbst ebenfalls zum Nachdenken anregt, aber diese hätte auch deutlich gekürzt werden können. Hunderte Seiten erfährt man, wie sie ihr Leben getrennt voneinander verbringen, was irgendwann nur noch ermüdend ist. Das ist schade, wenn man bedenkt, wie atmosphärisch die Autorin sowohl von den Schrecken des Krieges als auch vom Mauerbau bzw. der DDR erzählt. Bis zum Ende konnte ich mich nicht mehr wirklich in die Geschichte einfinden, und zudem ist der Schluss auch noch äußerst melodramatisch geraten. Auf weniger Seiten hätte das Ganze eventuell besser funktioniert.

FAZIT 
Bücher, die im und um den 2. Weltkrieg spielen, gibt es einige, aber man findet unter ihnen auch oft besondere Perlen. Anfangs hatte ich dieses Gefühl auch bei "Wie der Wind und das Meer", weil Lilli Beck gefühlvoll und gut recherchiert diese Zeiten der Schrecken und Entbehrungen, der Sehnsucht und Hoffnung beschreibt. Die verbotene Liebesgeschichte konnte mich aber nur wenig fesseln und insgesamt hatte das Ganze einfach zu viele Längen. Sehr knappe 3 Punkte.

Meine Empfehlung für Liebhaber von Liebesgeschichten voller Hindernisse, die auch jahrelange Trennungen beinhalten.



[Statistik] Monatsrückblick September

Nachdem ich die letzten drei Tage für das Marketing des ZDF beim Tag der Deutschen Einheit in Mainz - meiner neuen Heimat seit einem Jahr - gearbeitet habe, schaffe ich es erst heute, auf den letzten Monat zurück zu blicken - der leider nicht so erfolgreich verlief, wie ich mir das erhofft hatte. Da ich aber für meine Zwischenprüfung lernen musste und außerdem noch das 1500 Seiten-starke King-Werk "ES" begonnen habe, ist das nicht sonderlich verwunderlich. Ob es mit dem Lesen im Oktober besser wird, ist fraglich, aber zumindest einen Kinobesuch habe ich geplant.

#Gelesen im September: 4 Bücher

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1. Am Abgrund des Himmels von Sue-Ellen Parrish [2*]
2. Die Endlichkeit des Augenblicks von Jessica Koch [1*]
3. Der Lügenbaum von Frances Hardinge [sehr gute 4*] 
4. Cainsville: Zeit der Schatten von Kelley Armstrong [gute 4*] - Rezension folgt
 
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 416
Gelesene Seiten: 1666
Gelesene Seiten pro Tag: 55
Durchschnittsbewertung: 2,75*
--
Neuzugänge: 6
Abgelesen: 4
Neuer SuB-Stand April: 75

# Geschaut im September: 1 Kinofilm

Mein letzter Kinobesuch


# Gesuchtet im September: 3 Serien

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1. Penny Dreadful: Staffel 3, Folgen 4-9 [4*] - Rezension folgt 
2. The Expanse: Staffel 1 & Staffel 2, Folgen 1-5 [sehr gute 4*] - Rezension folgt
3. Star Trek Discovery: Staffel 1, Folge 1 [bisher 3*]   

Schon letzten Monat war ich von meiner Durchschnittsbewertung enttäuscht, aber der September hat tatsächlich alles unterboten. Für die kitschige Liebesgeschichte in "Am Abgrund des Himmels" war ich eindeutig zu alt und "Die Endlichkeit des Augeblicks" ist problematisch, meiner Meinung nach moralisch verwerflich und für niemanden zu empfehlen. Dafür konnten mich die beiden letzten Bücher beide überzeugen, eine Rezension folgt hier noch.

Im Kino war ich nur einmal und "Jugend ohne Gott" war gut gespielt, storytechnisch aber eher mäßig. Dafür habe ich endlich "Penny Dreadful" zuende geschaut und auch, wenn mich der Schluss sehr enttäuscht hat, ist es insgesamt eine gute Serie. Auch bei "The Expanse" bin ich weiter gekommen - nachdem mich die Charaktere zuerst so gar nicht berühren konnten, bin ich jetzt voll drin und begeistert von Aufmachung und Inhalt. Zuletzt habe ich noch "Star Trek Discovery" begonnen, bin über die erste eher schwache Folge aber noch nicht hinaus gekommen. Hier hoffe ich, dass noch ein wenig Originalität ins Spiel kommt.

Mit dem Oktober beginnt nun endlich so richtig der Kino-Herbst und man kann sich kaum entscheiden, welchen der Filme man zuerst sehen möchte. Tatsächlich interessieren mich aber nur drei Filme so wirklich, das ist also theoretisch zu schaffen.

Blade Runner 2049Unter deutschen BettenWhat Happened to Monday?American AssassinGeostormSchneemannDie Unsichtbaren - Wir wollen lebenFack ju Göhte 3Thor 3 - Tag der Entscheidung

Will ich auf jeden Fall sehen: "What Happened to Monday" klingt nach richtig spannender und actionreicher Science-Fiction und Noomi Rapace sehe ich sowieso immer gerne (auch in siebenfacher Ausführung). "American Assassin" ist mal wieder eine Buchverfilmung, die nach mächtig Explosionen und guter Action-Unterhaltung aussieht. Und auch wenn ich das Original nicht gesehen habe, die Kritiken zu "Blade Runner 2049" sind so umwerfend gut, dass ich es gern probieren würde.
Will ich vielleicht sehen: "Die Unsichtbaren" klingt nach einer berührenden Geschichte rund um die unsichtbaren Juden während des 2. Weltkriegs. Das Plakat zu "Thor 3" sieht ansonsten echt trashig aus und ich finde den Gott auch echt öde, aber Cate Blanchett als Bösewicht fixt mich selbstverständlich an. "Geostorm" und "Schneemann" sind beide eher DVD-Kandidaten - insbesondere ersterer könnte auch ziemlicher Müll sein.
Will ich auf keinen Fall sehen: "Unter deutschen Betten" ist so eine typische deutsche Komödie, die ich mir nicht antun werde. Und nachdem der erste "Fack ju Göhte" echt gut war, hat der zweite Teil schon stark nachgelassen und der Abschluss der Reihe sieht nun ganz schlimm aus, das lasse ich lieber sein.

Was habt ihr im Oktober vor?

[Buchrezension] Der Lügenbaum - Frances Hardinge

Auf halbem Weg die nächste Klippe hinauf hing ein schwarzes Etwas über einem Baum. Es sah aus wie ein riesiges Hufeisen, dessen Enden nach unten wiesen, sodass das Glück herauslaufen konnte.
Es war eine Silhouette, nichts weiter, aber Faith wusste auf den ersten Blick, was es war. Menschen halten immer Ausschau nach anderen Menschen, und menschliche Augen haben das Talent, eine menschliche Form sofort zu erkennen. Mit grausiger Klarheit wusste sie, dass das, was sie sah, zwei baumelnde Beine waren, zwei schlaffe, nach unten hängende Arme und ein gebogener Rücken.
Es war ein Mann, der da über dem Baum hing. Die kalte Luft schnitt wie ein Messer in Faiths Kehle, als sie zum Haus zurückrannte.

Der LügenbaumINHALT
Die 14-jährige Faith muss mit ihrer Familie überstürzt ihren Heimatort Kent verlassen und nun auf der kleinen, kalten Insel Vane leben. Ihr ist nicht klar, was der Grund für diese Veränderung ist, bis sie in all ihrer Neugier ein Gespräch belauscht und erfährt, dass ihrem Vater unterstellt wird, ein Betrüger zu sein, seine als Naturforscher entdecken Relikte und Fossilien gefälscht zu haben. Faith kann diesen Anschuldigungen keinen Glauben schenken, aber die Bevölkerung von Vane tut es umso mehr. Die Menschen beginnten, die Familie zu schneiden, ihr Hass entgegen zu bringen - bis ihr Vater eines Tages tot aufgefunden wird. Ein Unfall? Gar Selbstmord? Faith fallen Ungereimtheiten auf. Sie weiß, dass ihr Vater besessen war von einer Pflanze, dem sogenannten "Lügenbaum" - hat dieser etwas damit zu tun? Bald ist sie sich sicher, dass ihr Vater ermordet wurde, nur von wem und wie soll sie das beweisen?

MEINE MEINUNG
"Der Lügenbaum" spielt irgendwann um das Jahr 1860, zu einer Zeit, die für uns heute vollkommen unverständlich ist: Frauen durften nicht zur Schule gehen, geschweige denn arbeiten, Männer hatten vollends das Sagen, Linkshänder zu sein galt als Krankheit und weibliche Nachkommen waren nichts wert. In dieser Welt wächst die Protagonistin auf und trotz dieser Umstände gelingt es Autorin Frances Hardinge ganz wunderbar, starke Frauen in einer ebenso starken Geschichte zu etablieren. Der Schreibstil passt zum 19. Jahrhundert, ist aber trotzdem nicht altbacken, sondern im Gegenteil fließend und ungeahnt wortgewaltig. Die ersten 150 Seiten weisen einige Längen auf, weil diese wie eine Einführung in das Familienleben und die Zeit wirken, danach jedoch zieht das Tempo rasant an.

Faith ist eine wunderbare Hauptfigur, die man gerne auf der Suche nach dem Mörder und auch auf der Suche nach sich selbst begleitet. Sie ist neugierig und intelligent, auch wenn die Männer ihr letzteres immer wieder ausreden wollen. Es kommt vor, dass sie in alte Muster zurückfällt und versucht, sich zu verstellen, aber letztendlich findet sie ihren Mut immer wieder und begeistert mit ihrer Schlagfertigkeit. Ihre Eltern sind Personen, die man über lange Zeit nicht leiden kann. Das ändert sich bei ihrem Vater, einem unnahbaren und arroganten Menschen, auch nicht, aber die Art ihre Mutter, aus so gut wie allem Profit schlagen zu wollen, erklärt sich damit, dass einer Frau damals kaum andere Waffen blieben. Die Nebenfiguren bestechen ebenso durch ihre Ambivalenz: Der junge Paul, ewig desinteressiert und doch unwirsch bereit, Faith zu helfen; der gutmütige Onkel Miles, der seine eigenen Pläne verfolgt; oder auch die Bedienstete Jeanne, die von Angst getrieben zu so manch gemeiner Tat fähig ist - man muss die Charaktere nicht mögen, aber überzeugen können sie allemal.

Nachdem das erste Drittel leider eher vor sich hin dümpelt und Faith nur wenige Fragen stellt und daher auch nur wenige Antworten bekommt, wird es auf den letzten knapp 300 Seiten richtig mitreißend. Auf wahnsinnig unterhaltsame und geniale Weise gelingt es Faith, Schrecken unter den Inselbewohnern zu erzeugen, um Hinweise auf das eigentliche Geschehen am Todestag ihres Vaters zu erhalten. Die Dialoge sind manchmal witzig in ihrer Skurrilität, manchmal erschreckend, wenn es um die geringe Wertschätzung von Frauen geht, und manchmal hochemotional in Familienangelegenheiten. Faiths Suche nach der Wahrheit kommt nicht ohne Schwierigkeiten und Rückschläge aus, aber der mysteriöse Lügenbaum, das einzige leicht phantastisch angehauchte Element des Buches, hilft ihr dabei - für eine Gegenleistung, die sich schon bald verselbstständigt. Sensibel und doch ehrlich werden hier die Themen Familie, Zusammenhalt, Verrat und Lügen miteinander verwoben, sodass sie ein großes Ganzes ergeben. Bis zum Ende bleibt es spannend, und die Auflösung ist so wenig offensichtlich, dass es zur ein oder anderen Überraschung kommt. Zurück bleibt man mit dem Eindruck, etwas gelernt zu haben - und das, ohne irgendwie belehrt zu werden.

FAZIT
Frances Hardinge versteht es auf besondere Weise, ihre Leser in ihre originellen und faszinierenden Geschichten hinein zu ziehen. "Der Lügenbaum" hat anfangs ziemliche Längen, wird danach aber richtig, richtig gut - inklusive wichtiger Themen und einer spannenden Suche nach dem Mörder. Ich vergebe 4 sehr gute Punkte und rate zum Ausprobieren!

Meine Empfehlung für Leser auf der Suche nach starken (Frauen-)Figuren, originellen Einfällen und einer spannenden Mörder-Suche.


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