Back Down to Earth

[Buchrezension] Forever 21: Zwischen uns die Zeit - Lilly Crow

"Ihre Vergangenheit lastet auf Ihnen. Daran werden Sie heute unter Saturn-Einfluss erinnert, wenn Sie auf die Zeichen achten. Eine selbstlose Tat im Dienste der Liebe ermöglicht Ihnen einen Wachstumsprozess. Sorgen Sie dafür, dass die Dornenhecke des schlafenden Bewusstseins durchbrochen wird."
Ava ließ die Zeitung sinken und eine Gänsehaut überzog ihre Arme. Jedes Mal, wenn sie bisher gesprungen war, hatte sie kurz darauf irgendwo ihr Horoskop entdeckt. Stets hatte der erste Satz für ihr Sternzeichen den gleichen Wortlaut: Ihre Vergangenheit lastet auf Ihnen. Beim ersten Mal hatte Ava weder dem Horoskop noch den schicksalsschweren Zeilen eine Bedeutung zugemessen. Ein Fehler, wie sich herausgestellt hatte. Ein sehr schmerzhafter Fehler.

Bildergebnis für forever 21 lübbeINHALT
Seit die 21-jährige Ava etwas Schreckliches getan hat, wird sie vom Universum - oder etwas anderem Übernatürlichen - dafür bestraft: Sie springt durch die Zeit in die Körper anderer Menschen, um zwei Liebende zusammen zu bringen. Gelingt ihr das nicht schnell genug, verwandelt sich das Blut in ihren Adern in ätzende Säuren, die ihr schlimme Schmerzen bereitet. Als sie schon fürchtet, nie wieder ein normales Leben führen zu können, trifft sie auf Kyran. Dieser lindert nicht nur ihr Leid - er erkennt auch sie selbst und nicht nur den Körper, in dem sie steckt. Doch ihre Liebe scheint unmöglich, schließlich muss sie immer wieder weiterziehen...

MEINE MEINUNG
Die Reise durch Raum und Zeit - ein Thema, das die Menschheit seit langem fasziniert. Was, wenn man die Vergangenheit ändern könnte? Ava hat genau diese Fähigkeit und gleichzeitig ist diese ein schmerzhafter Fluch. Eine interessante Idee. Aber es gibt eben gute Zeitreise-Romane und dann gibt es da "Forever 21". Auf 288 Seiten wird hier gefühlt jede Idee in die Handlung geworfen, die Lilly Crow je hatte, ob das nun Sinn ergibt oder nicht. Der Schreibstil ist bildlich und teilweise durchaus schön zu lesen, aber viel zu detailreich in den unnötigsten Szenen, während Hintergründe so gut wie gar nicht beleuchtet werden.

Ava ist eine unausstehliche Protagonistin. Sie beschreibt sich selbst als schöne junge Frau, der immer alles zugeflogen ist und die deswegen gemein und arrogant war. Schade nur, dass sich das entgegen ihrer Aussagen kein bisschen verändert hat. Sie ist die wahrscheinlich oberflächliste Hauptfigur, die mir je untergekommen ist, und beurteilt andere Leute grundsätzlich nach ihrer Kleidung und ihrem Aussehen. Ihr Love-Interest Kyran erscheint dagegen zu Anfang wie ein intelligentes Kerlchen und ist mit seiner nerdigen Art durchaus ganz nett. Dann jedoch entwickelt er plötzlich gruselige Stalker-Tendenzen, indem er allen Ernstes eine Spy-App auf ihrem Handy installiert. In dem Moment hatte er alle meine Sympathien verloren. Hinzu kommt, dass er sich, nachdem er Ava für wenige Stunden kennt, in einen kompletten Volltrottel verwandelt, der im Grunde sein gesamtes Leben für sie wegwirft. Nennenswerte Nebenfiguren gibt es nicht, da man keine von ihnen für mehr als 50 Seiten kennenlernt - Ausarbeitung ist da natürlich nicht möglich.

Wer erwartet, dass ein Band der Reihe ein Paar von Liebenden behandelt, das Ava zusammenbringen muss, liegt weit daneben - so wie ich. Tatsächlich werden in diesen nicht mal 300 Seiten ganze vier Zeitsprünge unternommen, wodurch es einem unmöglich gemacht wird, sich an die Situation zu gewöhnen. Der fertige Roman wirkt wie eine Idee, grob skizziert und mit Szenen gefüllt, aber noch ohne das entscheidende Grundgerüst. Vor allem bildet sich schnell ein Schema heraus: Ava gelangt in den neuen Körper, liest ein wenig aussagekräftiges Horoskop, trifft sofort auf die Liebenden und jammert über ihre Situation. Dann schreit sie die Turteltauben einmal kräftig an und schon fallen sie sich in die Arme. Ende der Szene, weiter geht es. Die einzelnen Sprünge sind viel zu kurz, selten länger als einen Tag, wodurch die Handlung schnell sehr gehetzt wirkt. Ava löst ihre Fälle grundsätzlich nur durch Zufall - landet aus Versehen im richtigen Cafè, trifft die entscheidende Person, findet ein Paket mit der Adresse. Sie selbst tut eigentlich nichts außer sich permanent in ihrem Leid zu suhlen.

Den roten Faden muss man schon bald mit der Lupe suchen. Es geht grob darum, dass Ava durch ihre Sprünge bestraft werden soll, aber die gesamten Hintergründe werden absichtlich extrem kryptisch behandelt, Fragen werden keine beantwortet. Als sie Kyran trifft, ist es natürlich eine Verbindung auf den ersten Blick, die für den Leser überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Die beiden treffen sich für ein paar Stunden, dann zieht Ava weiter und geboren ist die große Liebe. Die einzelnen Sprünge haben keinen Zusammenhang, außer dass ein Medaillon mehrmals auftaucht, und einen Schmetterlingseffekt durch ihre Taten gibt es schon gar nicht. Warum ein Zeitreiseroman, wenn diese Zeitreisen doch nur loses Beiwerk sind? Das kann wohl nur die Autorin beantworten, für den Leser ergibt das alles nämlich keinen Sinn. Bis zum Schluss erfährt man nichts Tiefgehendes, stattdessen verstricken sich die Hauptfiguren einfach weiter in blödsinnige Aktionen. Dass das Buch dann auch noch abrupt endet, macht es nur noch schlimmer und lässt mit einem unzufriedenen Gefühl zurück. 15€ für ein Buch, das so offensichtlich unfertig ist, sind definitiv zu viel.

FAZIT
"Forever 21" ist definitiv kein Glanzstück des Zeitreise-Genres. Die Idee ist spannend, aber die Umsetzung furchtbar. Viel zu viel wurde in die wenigen Seiten gepresst, weswegen die gesamte Handlung gehetzt und undurchdacht wirkt. Das Ganze lebt nur von Zufällen und aberwitzigen Dialogen. Hier konnte ich nichts Positives erkennen. 1 Punkt.

Originaltitel: -
Reihe: Forever 21
Autor: Lilly Crow
Übersetzer: -
Verlag: Lübbe One
Seitenzahl: 288 Seiten
ISBN-13: 978-3-8466-0044-3

[Buchrezension] Empire of Storms: Pakt der Diebe - Jon Skovron

"Unglaublich, oder?" Seine roten Augen glänzten im dämmrigen Licht des Mondes, das durch das Fenster fiel. "Die Mittel und der Einfallsreichtum, die die Leute darauf verwenden, etwas Neues zu finden, das sie verdummen lässt."
Sie musste tatsächlich kurz lachen.
"Ich bin übrigens Red", sagte er und hielt ihr die Hand hin.
"Mein Name ist Bleak Hope", sagte sie und ergriff sie. "Obwohl die meisten mich nur Hope nennen."
Sein Lächeln kehrte zurück. "Hope und Red. Das klingt gut zusammen, findest du nicht?"

INHALT
Als er mit acht Jahren ein Waisenkind wird, findet sich der junge Red in der Paradieskehre wieder - der Unterstadt von New Laven, wo es schmutzig ist und vor Verbrechern wimmelt. Zum Glück findet er in der Bewohnerin Sadie eine Mentorin, die ihn alles lehrt, was er wissen muss, um zu überleben. Und bald hat er ein Ziel: Der größte Dieb von allen zu werden. Währenddessen ergeht es Hope auf den Südlichen Inseln ganz ähnlich: Nachdem Biomanten des Imperiums alle Bewohner ihres Dorfes getötet haben, wird auch sie zur Waisin. Sie hat das Glück, bei den Vinchen, fähigen Mönchskriegern, aufgenommen zu werden - und verbotenerweise unterweist sie einer davon in der Kunst des Kampfes. Jahre später ist sie eine wahre Kriegerin. Als sie von Rache getrieben in New Laven auf Red trifft, schließen die beiden einen Pakt: Nicht eher zu ruhen, als dass sie die Biomanten gestürzt haben...

MEINE MEINUNG
Angefangen hat er im Young Adult-Fantasy-Bereich, nun ist er bei der Adult Fantasy angekommen: Jon Skovrons Auftakt der "Empire of Storms"-Trilogie ist ein Schmuckstück des Genres. Natürlich gibt es einige altbekannte Storyelemente, wie etwa das grausame und  unterdrückendes Imperium, die strikte Unterteilung in Arm und Reich und die beginnende Rebellion. Aber das sind gleichzeitig auch die Punkte, die High Fantasy ausmachen, und hier werden sie wunderbar mit einer ganz eigenen Geschichte verwoben. Erzählt wird "Pakt der Diebe" aus der personalen Sicht von Red und Hope, später kommt auch noch eine gewisse Brigga Linn zu Wort. Der Schreibstil ist wortgewaltig, einnehmend und detailreich, besonders in den Dialogen in der Kehre aber auch ziemlich vulgär, woran man sich erst gewöhnen muss.

Red ist ein charmanter Protagonist, den man mit seiner vorlauten Klappe und seinem jugendlichen Übermut schnell ins Herz schließt. Wie es sich für einen Jungen in seinem Alter gehört, will er sich natürlich ständig beweisen - aber über seine Intelligenz und sein gutes Herz kann er damit nicht hinweg täuschen. Hope ist das ziemliche Gegenteil von ihm: Ihr halbes Leben hat sie bei Mönchen verbracht, keuschen, aber teilweise grausamen Männern. Zuneigung hat sie nur durch ihren Meister Hurlo und später durch den Kapitän Carmichael erfahren, doch wen sie liebt, den verliert sie auch. Da ist es nicht verwunderlich, dass ihr Vertrauen eher schwer fällt. Trotzdem ist sie jemand, der sich für andere einsetzt, und auch wenn sie ein wenig zu perfekt ist, ist sie durchaus sympathisch. Seine große Stärke zeigt der Autor aber mit seinen Nebenfiguren. Sadie die Ziege, Reds raue und gleichzeitig gutmütige Mentorin; sein treuer bester Freund Filler und seine freiheitsliebende Kumpanin Nessel, sie alle lassen das Buch hinreißend lebendig werden.

Tatsächlich dauert es eine ganze Weile bis zum ersten Aufeinandertreffen der Protagonisten und in diese Phase haben sich ehrlich gesagt auch ein paar Längen eingeschlichen - vor allem, weil es seine Zeit dauert, mit den Formulierungen und der Welt warm zu werden. Nachdem man aber hinein gefunden hat, lassen die Geschehnisse einen bald nicht mehr los. Red schlägt sich auf den Straßen herum, während Hope erst trainiert wird und dann auf Seefahrt geht - in beiden Welten ist das Leben auf jeden Fall nicht einfach. Eine Prise Piraterie und eine ganze Handvoll Action tun ihr Übriges, um bei Laune zu halten. So richtig hatte mich das Buch dann aber erst, als die beiden sich endlich begegnen, denn gemeinsam sind sie ein großartiges Gespann, das sich perfekt ergänzt. Ab der Hälfte gibt es kaum noch eine ruhige Minute, ein Kampf folgt auf den nächsten, ohne dabei auf ein gutes Maß Witz zu verzichten. Natürlich wird es zum Ende hin dramatisch - und die Ausgangslage für den nächsten Band ist eine gänzlich andere. Aber das macht es nur umso spannender.

FAZIT
Ich habe meine Zeit gebraucht, um völlig in diese gewalttätige, schmutzige und vulgäre Welt einzutauchen, die Jon Skovron in "Pakt der Diebe" erschaffen hat. Nachdem ich jedoch die Charaktere lieb gewonnen hatte, gab es kein Entkommen mehr. Eine wendungsreiche, spannende Geschichte, auf die in Band 2 wahrscheinlich noch eine Schippe drauf gelegt wird. Sehr gute 4 Punkte!


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Originaltitel: Hope and Red
Reihe: Empire of Storms
Autor: Jon Skovron
Übersetzer: Michelle Gyo
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 592 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-31785-7

[Laberparade] Delirium - Lauren Oliver

Manchmal, wenn man Dinge einfach betrachtet, wenn man einfach still dasitzt und die Welt existieren lässt - dann, ich schwöre es, bleibt die Zeit manchmal für einen winzigen Augenblick stehen und die Welt hält in ihrer Drehung inne. Nur einen Augenblick lang. Und wenn es irgendeine Möglichkeit gäbe, in diesem Augenblick zu leben, würde man ewig leben.

INHALT
Die junge Lena lebt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Liebe als Krankheit identifiziert wurde und deren Heilung für das Land daher oberste Priorität hat. Kurz nach dem 18. Geburtstag erhalten alle Bürger einen Eingriff, der sie für das Gefühl unempfänglich macht. Auf diesen Eingriff fiebert Lena schon lange hin und in wenigen Wochen wird es so weit sein. Doch dann begegnet sie Alex - zum ersten Mal spricht sie bewusst mit einem Vertreter des anderen Geschlechts und trotz ihrer Angst muss sie sich eingestehen, dass er ihr gefällt. Sie scheint krank zu werden. Aber kann etwas, das sich so gut anfühlt, denn schlecht sein?

MEINE MEINUNG

SCHREIBSTIL
Lauren Oliver hat einen sehr einnehmenden, angenehmen Stil, das hat sie schon in ihrem Debüt unter Beweis gestellt. Ihre Dialoge sind glaubwürdig und regen zum Nachdenken an, die Beschreibungen von Lenas Angst vor einer Ansteckung sind manchmal klar und nüchtern, manchmal poetisch und bedrückend. Wo sie jedoch auf Gefühle intensiv eingeht, fehlt der Rest, insbesondere Umgebung und dystopisches System werden einem kaum näher gebracht.

CHARAKTERE
Lena ist über weite Strecken eine überaus passive Protagonistin. Obwohl sie als Kind die Liebe einer Mutter erfahren durfte - etwas, das es seit dem Heilmittel nicht mehr gibt -, klammert sie sich verzweifelt an das System und fürchtet sich schon davor, überhaupt in eine andere Richtung zu denken. Sie sträubt sich intensiv gegen Regelverstöße und macht ihrer besten Freundin Hana, die sich ausprobieren will, immer wieder Vorwürfe. Da wirkt es sehr inkonsistent, dass sie bereits nach der zweiten Begegnung mit Alex alles über den Haufen wirft und mehr oder weniger ihren Charakter ändert, regelrecht rebellisch wird. Es braucht also mal wieder einen Mann, damit die Frau über sich hinaus wächst. Na sowas! Alex ist durchaus ein netter Kerl: Einfühlsam und gefühlvoll weicht er vom Klischee des Bad Boys ab. Herzklopfen löst er aber keines aus.

STORY
Die Idee, dass die Liebe in der Zukunft als Krankheit und Wurzel allen Übels angesehen wird, folglich also geheilt werden muss, ist durchaus originell und interessant. Sie erfordert aber auch plausible Erklärungen, und an denen hakt es hier besonders. Dass die Menschen bei Einführung des Eingriffes in Scharen zu den Krankenhäuser geströmt sind, muss doch einen Auslöser haben - der nie genannt wird. Kein großes weltbewegendes Ereignis oder schreckliches Geschehnis, das auf das Gefühl zurückzuführen ist. Nur die Aussage: Die Liebe ist eine Krankheit. Ende, mehr Erklärungen gibt es nicht. Menschen werden getötet oder inhaftiert, wenn sie sich weigern oder fliehen, was keinerlei Sinn ergibt, wo die Krankheit doch gar nicht ansteckend ist - genauso benehmen sich jedoch alle. Die Bibel wurde umgeschrieben und der neuen Wahrheit angepasst und jeder glaubt dieser neuen Geschichte - wie lange muss die Veränderung dann her sein? Der Weltentwurf ist löchrig und voller Ungereimtheiten, weshalb er einfach nicht überzeugen kann.
 
UMSETZUNG
Besonders problematisch finde ich aber, dass nur angerissen wird, was für Konsequenzen eine so lieblose Erziehung haben muss, wie sie die Kinder hier erfahren. Durch Lenas junge Nichten, die sich beide nicht ihres Alters entsprechend verhalten - die eine zynisch und grausam, die andere stumm -, wird deutlich, dass so ein Leben Folgen hat. Trotzdem geht dieser Aspekt in dem großen Freiheitsgedanken unter. Selbstbestimmung ist wichtig, ja, aber sie ist hier die einzige treibende Kraft. Nicht einmal denkt Lena an ihre Nichten und was dieses Leben für sie bedeuten muss oder daran, die kleine Grace davor zu beschützen. Letztendlich ist das Ganze doch wieder nur die Suche nach der wahren Liebe, keinesfalls eine Gesellschaftskritik. Das ist schade, denn so bleibt das Ganze immer nur an der Oberfläche.

FAZIT
Lauren Oliver ist eine überaus beliebte Autorin, aber mein Fall sind ihre Bücher wohl nicht. Nach ihrem Debüt hat mir der Auftakt ihrer Dystopien-Trilogie sogar noch weniger gefallen. "Delirium" ist mir nicht durchdacht und plausibel genug, es kommt über weite Teile keine Spannung und kein Verständnis für die Figuren auf, und auch Tiefe lässt es vermissen. Diese Reihe werde ich nicht weiterverfolgen. Knappe 2 Punkte.

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Titel: Delirium
Originaltitel: Delirium
Reihe: Delirium
Autor: Lauren Oliver
Übersetzer: Katharina Diestelmeier
Verlag: Carlsen
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-551-31301-0

[Statistik] Monatsrückblick Februar

Wie man sieht, bin ich diesen Monat mit meinem Rückblick überaus spät dran. Momentan fällt es mir überaus leicht, den Laptop einfach tagelang ausgeschaltet zu lassen, weil ich auf der Arbeit schon so viel mit dem Computer zu tun habe. Ich muss schauen, dass ich mich in Zukunft wieder öfter überwinden kann :D
Nachdem es im Januar so gut lief, habe ich im Februar ein wenig nachgelassen (und jetzt im März läuft es so gar nicht). Aber dafür hatte ich unfassbares Glück sowohl mit den Filmen als auch mit den Büchern. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in einem Monat so gute Bewertungen hatte. So darf das gern weitergehen!

# Gelesen im Februar: 5 Bücher

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1. Young Elites: Die Gemeinschaft der Dolche von Marie Lu [knappe 3,5*]
2. Eleanor von Jason Gurley [knappe 4,5*]
3. Rat der Neun: Gezeichnet von Veronica Roth [4,5*]
5. The False Prince von Jennifer A. Nielsen [gute 3,5*]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: etwa 4468
Gelesene Seiten: 2343
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 63
Durchschnittsbewertung: 3,6*
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Neuzugänge: 4
Abgelesen: 5
Neuer SuB-Stand Februar: 70

# Geschaut im Februar: 2 Filme

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1. Split [gute 3,5*] - Kurzspot oder Rezension folgt
2. John Wick: Chapter 2 [knappe 4,5*]

Durchschnittsbewertung: 4* 

# Geschaut im Februar: 4 Serien

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1. Santa Clarita Diet: Staffel 1 [3,5*] - Rezension folgt
2. Daredevil: Staffel 2, Folgen 9-13 [gute 3,5*]
3. The Mentalist: Staffel 1-3 [4*]
4. Quantico: Staffel 2, Folgen 7-10 [3*]

Man sieht, es lief im Februar recht gut. Über den einen Ausfall mit "Der Kuss der Lüge", das wirklich absurd schlecht war, kann ich durch die zwei Highlights gut hinweg sehen. "Gezeichnet" ist wahrscheinlich jetzt schon eines der Bücher des Jahres.

Bei den Filmen hat mich zum Glück keiner von beiden enttäuscht. Dass es einen überraschenden Plottwist geben würde war bei "Split" nicht zu viel versprochen. Und "John Wick 2" wartet mit noch härterer Action auf als der Vorgänger.

Serien hielten für mich keine großen Überraschungen bereit - aber diesen Monat gibt es ja mit "Tote Mädchen lügen nicht" und "Iron Fist" zwei neue Netflix-Eigenproduktionen, die das Potenzial dazu haben. "Santa Clarita Diet" ist recht witzig und kann durchaus in Staffel 2 noch besser werden. "Quantico" hat in der 2. Staffel leider arg nachgelassen und ergibt zur Zeit überhaupt keinen Sinn mehr. "The Mentalist" will ich nun, nachdem ich in der 2. Staffel mal eine Pause von etwa drei Jahren eingelegt hatte (von der ich nicht sagen könnte warum), endlich zu Ende sehen. Und "Daredevil" wurde zum Ende hin immer blutiger und spannender, war aber auch geprägt von einer Unmenge schlechter Entscheidungen.

Im Kino läuft für meinen Geschmack gar nicht mal so viel, muss ich sagen (entsetztes Luftschnappen von allen Seiten). Oder um es anders zu formulieren: Die meisten der Filme werde ich wohl eher auf DVD ansehen.


Logan - The Wolverine FilmplakatSilence FilmplakatKong: Skull Island FilmplakatMoonlight FilmplakatDie Schöne und das Biest FilmplakatLife FilmplakatA United Kingdom FilmplakatGhost in the Shell FilmplakatThe Boss Baby FilmplakatUna und Ray Filmplakat

"Logan" soll ja nach den beiden eher mäßigen Wolverine-Solo-Filmen nun ein echter Knaller sein - mal sehen, ob ich es da diesen Monat noch reinschaffe. "Silence" ist von Scorsese und daher eigentlich ein Muss, aber das Religions-Thema schreckt mich total ab. "Kong: Skull Island" will ich eigentlich nur wegen Brie Larson und dem kommenden Crossover mit Godzilla sehen (was ein Spaß!), "Moonlight" muss es dafür unbedingt sein.
Ich bin, im Gegensatz zu ganz Facebook, überhaupt nicht beim Hype zu "Die Schöne und das Biest" dabei - ich habe das Gefühl, den gesamten Film schon gesehen zu haben. Dafür muss ich glaube ich in "The Boss Baby", weil der Trailer einfach zu komisch war. "Life" und "Ghost in the Shell" sind Wackelkandidaten, für die sich vielleicht die Möglichkeit ergibt.


Wie war euer Februar?

[Buchrezension] Die Chroniken der Verbliebenen: Der Kuss der Lüge - Mary E. Pearson

"Was soll ich ausrichten..."
Ich hörte nicht mehr, was er danach noch sagte, denn die trappelnden Pferdehufe stampften alle ausgesprochenen und unausgesprochenen Argumente in Grund und Boden. Einer Entscheidung folgend, die nie mehr ungeschehen zu machen war, die tausend Träume beendete und einen einzigen gebar, galoppierte ich mit Pauline an meiner Seite auf die Deckung des Waldes zu. Ich sah nicht ein einziges Mal zurück. 

Bildergebnis für der kuss der lüge lübbeINHALT
Um den Frieden zwischen ihrem und dem angrenzenden Königreich zu sichern, soll die junge Lia einen ihr vollkommen unbekannten Mann heiraten - was ihr gar nicht gefällt. Kurzentschlossen flieht sie daher in ein Hafenstädtchen weit entfernt von ihrer Heimat, wo sie von nun an als Aushilfe in einem Gasthaus arbeitet. Sie ist das harte Leben nicht gewöhnt, aber alles ist ihr lieber als diese Hochzeit aus Pflicht statt aus Liebe. Eines Tages kehren in der Gaststätte zwei Männer ein: Gutaussehend, hilfsbereit, einer düster, einer freundlich. Lia fühlt sich zu beiden hingezogen. Was sie nicht weiß: Einer ist der Prinz, den sie nicht heiraten wollte. Und der andere ein Attentäter, gekommen, um sie zu töten...

MEINE MEINUNG
Mit dem von der Autorin erschaffenen Königreich Morrighan ist "Der Kuss der Liebe" eigentlich High Fantasy: Länder, die miteinander im Clinch liegen, Reisen zu weit entfernten Orten, eine epische Liebe - das alles sind Markenzeichen des Genres. Im Deutschen wird das Ganze allerdings als Romantasy angepriesen. Hätte ich das mal vorher gewusst! Erzählt wird die Geschichte größtenteils aus der Ich-Perspektive von Lia, ab und zu kommen auch der Prinz und der Attentäter zu Wort. Die Autorin versucht sich hier in einem Verwirrspiel, welcher der Männer nun wer ist, das manchen nerven könnte. Der Schreibstil ist vor allem in den Dialogen oft plump, die Beschreibungen sind zu Anfang sehr poetisch, später eher eintönig. Einzig die Hintergründe des Königreichs sind interessant zu lesen.

Es gibt 17-jährige, die ein gewisses Verantwortungsbewusstsein haben und es gibt andere völlig ohne ein Gefühl dafür. Lia gehört zu Letzteren. Natürlich ist sie jung und will sich nicht bevormunden lassen, weshalb sie durch ihre Flucht in gewisser Weise für sich einsteht - trotzdem hätte ihr klar sein können, was für Konsequenzen ihr Handeln haben wird. Sie verhält sich oft sehr unbedacht und kopflos, denn obwohl sie nicht gefunden werden will, posaunt sie ihre Stellung mehr oder weniger offen heraus. Sie ist mutig, aber leider nicht besonders schlau. Das zeigt sich auch ein wenig in ihrer Männerwahl. Dadurch, dass man von den beiden Kerlen lange nicht weiß, wer wer ist, ist es schwer, sie zu charakterisieren. Um ehrlich zu sein, waren mir die Unterschiede nicht einmal besonders klar, außer dass Rafe geheimnisvoller zu sein scheint. Die Grenzen zwischen ihnen verschwimmen, für niemanden habe ich wirklich Sympathien gehegt. Die einzigen wirklich überzeugenden Figuren sind die Gasthof-Besitzerin Berdi und die Vagabundin Dihara, beide wirklich starke Frauen voller Wissen und Hilfsbereitschaft.

Wer wie ich den Fehler begeht High Fantasy zu erwarten, wird wahrscheinlich ebenso enttäuscht werden. Von einem Roman dieses Genres erwarte ich vor allem eines: Fantasy. Tatsächlich ist aber auf 550 von 560 Seiten keine Spur von Magie oder auch nur irgendetwas Phantastischem zu finden. Es passiert einen Großteil des Buches über einfach nichts. Lia flieht auf unglaubwürdig problemlose Weise und verbringt dann ein Drittel des Romans damit zu kellnern und mal mit dem einen Mann zu flirten, mal mit dem anderen. Die Liebesgeschichte drängt sich damit so stark in den Vordergrund, dass alles andere untergeht. Es geht nichts voran, es werden keine Fragen beantwortet und Action kann man schon gar nicht erwarten. Erst auf den letzten 150 Seiten geschieht etwas und Lia scheint sogar ein leichtes Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, aber selbst in dieser gefährlichen Situation lässt es sich die Autorin nicht nehmen, das Liebes-Dreieck weiter anzuheizen. Bis zum Schluss gibt es keine Antworten, stattdessen endet dieser Band mit einem Cliffhanger. Das lässt zwar Spannung aufkommen - befriedigt aber in keinster Weise.

FAZIT
"Der Kuss der Lüge" ist Romantasy in seiner liebestollsten Ausführung. Das Drumherum mit dem Königreich und der ominösen Gabe der sogenannten Ersten Tochter hätte nicht sein müssen, denn Mary E. Pearson führt diese Ideen sowieso nicht weiter aus, sondern konzentriert sich auf die Liebesgeschichte. Ich hatte mir wenigstens einen Hauch Fantasy versprochen, wurde aber bitter enttäuscht. Sehr, sehr knappe 2 Punkte.

Originaltitel: Kiss of Deception
Reihe: Die Chroniken der Verbliebenen/The Remnant Chronicles
Autor: Mary E. Pearson
Übersetzer: Barbara Imgrund
Verlag: ONE (Lübbe)
Seitenzahl: 559 Seiten
ISBN-13: 978-3-8466-0036-8

[Kurzspots] iZombie, Phantastische Tierwesen, The OA, Verborgene Schönheit, Mozart in the Jungle

Es gibt so Filme und Serien, zu denen möchte ich gerne etwas los werden, obwohl ich gar nicht mal so viel dazu zu sagen habe. Heute habe ich davon mal wieder fünf im Gepäck. Und das ohne eine einzige richtige Enttäuschung! Verrückt.
Mit dabei heute: Ein Zombie im Mensch-Modus, ein Zauberer in New York, ein Mädchen mit Nahtod-Erfahrungen, eine Geschichte voller Verlust, und ein exzentrischer Dirigent.

iZombie (Staffel 1)
mit Rose McIver, Rahul Kohli, Malcolm Goodwin
Bildergebnis für izombieBei einer Bootsparty lässt eine neue Droge die Menschen zu blutrünstigen Monstern mutieren und sich gegenseitig auffressen. Die junge Liv ist ebenfalls auf dieser Party - und wird gekratzt. Von nun an ist sie selbst ein Zombie und muss mit ihren Gelüsten sowie dem Verlust ihres Verlobten fertig werden.

Ich mag Zombies, aber ich mag "The Walking Dead" nicht - unverständlich, ich weiß. Stattdessen wollte ich es nun einmal mit "iZombie" probieren, das eine erfrischend andere Sicht auf die schlurfenden Gestalten hat. Die Untoten verhalten sich überwiegend wie ganz normale Menschen - sieht man mal von ihrer ungesunden Hautfarbe und den Gelüsten nach Hirn ab - entwickeln aber in Ausnahmesituationen oder bei extremem Hunger übermenschliche Kräfte. Liv ist eine sympathische Protagonistin, die mit ihrem Dasein kämpft und sich, um niemanden zu verletzen, von allen zurückzieht. Dass sie die Menschen damit nur noch mehr verletzt, kommt ihr kaum in den Sinn. Ihr Boss in der Gerichtsmedizin, Ravi, ist so ungefähr der herzallerliebste Nebencharakter, der in der Serienlandschaft momentan zu finden ist. Aber auch die restlichen Schauspieler, allen voran David Anders als Gegenspieler Blaine, wissen zu überzeugen. Der Plot hält so einige famose Überraschungen bereit - und auch wenn ich den Autoren für eine bestimmte Sache in der Hälfte der 1. Staffel wahrscheinlich nie vergeben werde, war ich ansonsten permanent begeistert. Wer nach einer Mischung aus Humor, Blut und Zombies sucht, wird hier fündig. 4,5 Punkte!

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
mit Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Ezra Miller
Bildergebnis für phantastische tierwesen und wo sie zu finden sind plakatDer Zauberer Newt Scamander hat sich der Suche und der Rettung verschiedenster Tierwesen verschrieben. Um einen zuletzt entdeckten Donnervogel zurück nach Arizona bringen zu können, reist er nach Amerika. In New York angekommen, entflieht ihm jedoch eines seiner Tiere. Und damit beginnt eine abenteuerliche Suche...

Mit "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" wird eine neue Reihe rund um die magische Welt, die wir schon aus "Harry Potter" kennen, eingeläutet. Geschrieben wurde das Drehbuch von Autorin Joanne K. Rowling und die Handlung basiert lose auf ihrem gleichnamigen Buch. Tatsächlich bemerkt man die Zusammenhänge aber fast nur an den gleichen Zaubersprüchen und der Erwähnung von Hogwarts. Die Welt ist magisch, die Tierwesen sind detailreich ausgearbeitet und wunderschön animiert und es gibt ein paar Hinweise auf die viel später folgende Geschichte um Harry Potter - zum Beispiel durch die Obscuri, die etwas mit Dumbledores Schwester gemein haben könnten. Leider wirkt aber die Story selbst teilweise recht planlos und sie scheint selten den roten Faden wiederzufinden. Die meiste Zeit sind Newt und seine neuen Freunde nur auf der Suche nach seinen entlaufenen Tieren, der Handlungsstrang um Grindelwald wird viel zu kurz angerissen - und endet auch noch äußerst unbefriedigend. Und ganz ehrlich: Johnny Depp?! So eine Fehlbesetzung habe ich ja selten gesehen. Immerhin kann Eddie Redmayne mit seiner unbefangenen, naiven Art überzeugen und vor allem Alison Sudols verträumte Queenie hat mir sehr gefallen. Hoffentlich hat Teil 2 einen besseren Plot aufzuweisen. Knappe 3,5 Punkte.

The OA (Staffel 1)
mit Brit Marling, Jason Isaacs, Emory Cohen
Bildergebnis für the oaVor sieben Jahren ist die blinde Prairie verschwunden. Niemand hat sie danach wieder gesehen. Doch als eine verwirrte Frau auf einer Brücke auftaucht und droht zu springen, wird bald klar, dass sie es sein muss - auch wenn diese Prairie plötzlich sehen kann. Mit niemandem will sie über die Geschehnisse der vergangenen Jahre sprechen - außer mit fünf ganz unterschiedlichen Personen. Denn diese braucht sie für eine besondere Mission...

Mit jeder Serie mehr werde ich ein größerer Fan der Eigenproduktionen von Netflix. Der Streaming-Dienst wagt sich in seinen Formaten an neue, besondere Ideen heran, die auf gängigen Sendern wahrscheinlich nicht funktionieren würden. "The OA" ist erneut so ein fesselndes, anderes Stück Kunst, zwischendurch vielleicht ein bisschen zu meta, ein bisschen zu esoterisch - davon abgesehen aber Binge-Material vom Feinsten. Brit Marling verkörpert die verwirrte OA, früher Prairie, so glaubhaft und verletzlich, dass es einem fast wehtut, und Jason Isaacs glänzt einmal mehr in der Rolle des Bösewichts. Er ist zwar nicht sonderlich charismatisch, aber er hat seine eigenen, wenn auch verqueren, Gründe. OA zieht sich nach ihren schlimmen Erlebnissen von ihrer Familie zurück und man erfährt erst, was ihr geschehen ist, als sie sich diese fünf völlig unterschiedlichen Personen zusammengesucht hat, die  nun ungeplant  eine Gemeinschaft bilden. Die Bilder sind wunderschön, die Art der Erzählung ist spannend und aufregend. Es geht um den Tod, um das was danach kommt, und um Parallelwelten, aber auch um Freundschaft und Verlust. Tatsächlich sind mir in der letzten Folge auch die Tränen gekommen, weil mich die Kraft der Geschichte so mitgerissen hat. Sicherlich nicht für jeden etwas. Aber ausprobieren kann nicht schaden. Sehr gute 4 Punkte!

Verborgene Schönheit
mit Will Smith, Kate Winslet, Keira Knightley
Bildergebnis für verborgene schönheitVor zwei Jahren ist die Tochter des Werbefachmanns Howard gestorben, was ihn in ein tiefes Loch hat stürzen lassen. Auf der Arbeit baut er nur noch Kunstwerke aus Dominosteinen, ansonsten spricht er mit kaum jemandem. Sein Unternehmen droht pleite zu gehen. Doch dann begegnen ihm Liebe, Zeit und Tod in Menschengestalt und versuchen ihm neuen Lebensmut zu geben...

Passend zur Jahreszeit kommt mit "Verborgene Schönheit" ein emotionales Drama daher, das inhaltlich an die Weihnachtsgeschichte von Dickens angelehnt ist. Auch hier wird ein Mann von drei Personen besucht, die ihn auf die rechte Spur lenken wollen. Das ist zwar in diesem Film deutlich weniger phantastisch angehaucht, wird aber durchaus ganz gut in die Moderne übertragen. Leider werden aber in die anderthalb Stunden Laufzeit viel zu viele Stränge gepresst. Zusätzlich dazu, dass Liebe, Zeit und Tod Howard helfen sollen, werden sie jeweils auch mit einem seiner Arbeitskollegen gepaart, sodass sie ebenfalls noch bei deren Problemen helfen können. Obwohl es ums Schicksal geht und die damit verbundenen Geschehnisse, wirkt es etwas seltsam, dass da trotzdem nachgeholfen werden muss. Und der Plot Twist wird einem ab der Hälfte eigentlich regelrecht ins Gesicht geschrien. Trotzdem war ich durchaus an einigen Stellen berührt, was wohl vor allem an Keira Knightleys ausdrucksstarken Augen und Helen Mirrens frechem Spiel lag. Der Film ist keinesfalls schlecht - aber er hätte auch sehr viel mehr sein können. 3 Punkte.

Mozart in the Jungle (Staffel 1-3)
mit Gael Garcia Bernal, Lola Kirke, Bernadette Peters
Bildergebnis für mozart in the jungle
Um den New Yorker Symphonikern neues Leben einzuhauchen, wird Stardirigent Rodrigo de Souza engagiert, ein exzentrischer Mann voller verrückter Einfälle. Er ist es, der die junge Oboistin Hailey ins Orchester holt, weil er in ihr Potenzial sieht. Doch die Arbeit ist nicht einfach: Zwischen Geldgebern, Kritikern und Streitereien drohen die Künstler immer wieder, ihre Musik aus den Augen zu verlieren.

Mittlerweile verlängert um eine vierte Staffel konnte sich "Mozart in the Jungle" in den ersten dreien eine treue Fanbase aufbauen - zu der ich definitiv gehöre. Angefixt von Katie habe ich letztes Jahr Staffel 1 und 2 innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet - obwohl ich so gar kein Fan von klassischer Musik bin. Hier wird sie wunderschön eingebunden, die Konzerte sind großartig und werden immer wieder modern aufgepeppt. Lola Kirke ist eine wunderbar mutige, wenn auch manchmal zickige Hailey, Bernadette Peters begeistert als herrlich leicht zu empörende Präsidentin des Orchesters. Herz des Ganzen ist aber definitiv Gael Garcia Bernal, der letztes Jahr zurecht einen Golden Globe dafür erhalten hat. Seine kindisches, verrücktes Wesen und seine Liebe zur Musik reißen absolut mit, und allein die Art wie er in der deutschen Synchronisation (die wirklich gut ist) "Hailey" ausspricht, bringt mich jedes Mal zum Kichern. Zugegeben schwächelt die 3. Staffel meiner Meinung nach ein wenig in Sachen Spannungsbogen. Nichtdestotrotz freue ich mich riesig darauf, wenn die Geschichte des Orchesters weitergeht und Rodrigo wieder ungemein komische Fragen stellen darf wie "Willst du ein Kind mit mir machen?", wenn es am wenigsten passt. Knappe 4,5 Punkte.

[Buchrezension] Rat der Neun: Gezeichnet - Veronica Roth

"Ergreift ihn", rief der Mann namens Vas, woraufhin sich der Kleinste sofort auf Aoseh stürzte. Cisi und Akos wichen zurück, als ihr Vater und der Shotet-Soldat miteinander rangen. Aoseh knirschte mit den Zähnen. Der Spiegel im Wohnzimmer zersprang, die Splitter flogen in alle Richtungen. Dann zerbrach der Rahmen auf dem Kaminsims mit dem Bild vom Hochzeitstag ihrer Eltern. Der Shotet hatte Aoseh inzwischen fest im Griff. Er schleifte ihn ins Wohnzimmer und ließ die drei Kinder allein zurück. Dann zwang er ihren Vater auf die Knie und drückte die Stromklinge an seine Kehle.

INHALT
Der junge Akos lebt auf Thuve, einem der neun vom Hohen Rat anerkannten Planeten seiner Galaxie. Für ihn sind die Grenzen klar: Auf der einen Seite lebt er mit seinem friedliebenden Volk, und hinter dem Federgras lauern die brutalen Shotet, die rauben und morden. Einige von ihnen greifen eines Tages auf Geheiß ihres Herrschers Rysek seine Familie an und entführen ihn und seinen älteren Bruder.Von nun an sind sie Gefangene, denn ihre Lebensgaben - Fähigkeiten, die jeder Bewohner der Galaxie erhält - sind sehr wertvoll für die Shotet. In Gefangenschaft begegnet Akos Cyra, Schwester von Rysek und dafür bekannt, Schmerz zu verbreiten. Doch der Preis dafür ist hoch: Sie fühlt genau diese Schmerzen ebenso stark. Nur Akos hat die Möglichkeit, ihr Leid zu lindern. Und zwischen den Beiden entsteht ein ungeahntes Bündnis...

MEINE MEINUNG
Nach ihrer Debüt-Trilogie hat Veronica Roth dem Dystopien-Genre den Rücken gekehrt und stattdessen eine eigene Science Fiction-Welt erschaffen. "Gezeichnet" ist Band 1 ihrer neuen Reihe um den "Rat der Neun" und lebt insbesondere durch den originellen und überraschenden Weltentwurf. Man sollte wahrscheinlich ein Fan des Genres sein, um sich bei den Beschreibungen der Planeten und ihrer Eigenarten so richtig wohl zu fühlen. Der Stil ist voller wunderschöner Beschreibungen, und er beschwört schnell eine dichte und packende Atmosphäre herauf. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Cyra und der personalen Sicht von Akos, wobei diese teilweise ins Auktoriale abdriftet. Die beiden berichten jedoch nicht immer abwechselnd, sondern haben anfangs ganze Teile für sich allein, wodurch man sie für sich kennen lernen kann.

Cyra ist in einer sehr brutalen Familie aufgewachsen und hat deren Wesenszüge teilweise übernommen. Trotzdem hat sie im Gegensatz zu ihrem Bruder ihr Gewissen bewahrt - was zum Teil wohl auch damit zusammenhängt, dass sie den Schmerz, den sie anderen zufügt, selbst auch fühlt. Ihre eher sarkastische und spröde Art weiß zu gefallen und macht sie in Verbindung mit ihren Schuldgefühlen sehr menschlich. Akos ist der ruhigere der beiden, der mit seiner gutmütigen, aber trotzdem mutigen Art schnell Sympathien sammelt. Manchmal agiert er etwas kopflos, was in seiner Verzweiflung aber verständlich ist. Und auch die Nebenfiguren sind großartig ausgearbeitet: Der brutale Rysek, geformt durch die Taten seines Vaters, früher liebevoll und heute voller Angst vor seinem Schicksal. Oder der schwache Jorek, der wie fehl am Platz wirkt zwischen den oft eher verschlagenen Shotet. Es gibt hier kein Schwarz oder Weiß, alle Charaktere zeigen gute wie schlechte Seiten.

Prinzipiell hat sich Veronica Roth einem bekannten Thema gewidmet: Dem Krieg zwischen zwei verfeindeten Völkern, in diesem Fall den Bewohnern von Thuve und von Shotet. Einige Elemente dieser Handlung kommen einem auch durchaus bekannt vor: Ein sich auflehnendes Familienmitglied, eine Liebe über alle Grenzen hinweg und ein Trupp von Rebellen, die den Herrscher stürzen wollen. Doch durch viele besondere Details und Ideen kommt es trotzdem immer wieder zu außergewöhnlichen Momenten. Die Art, wie Cyras grauenhafte Schmerzen und ihre zerrüttete Familie beschrieben werden, die vielen Pflanzen, Orte und Tiere, oder auch das spannende System dieser Planeten inklusive der Lebensgaben und Schicksale, das alles fesselt, lässt man sich darauf ein.

Die Autorin hatte nach Veröffentlichung des Romans stark mit Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen, die ich absolut nicht nachvollziehen kann - obwohl ich eine absolute Gegnerin von Diskriminierung jeglicher Art bin. Äußerlichkeiten werden größtenteils eher vage beschrieben, aber es wird deutlich gemacht, dass zum Beispiel das Volk der Shotet nicht einheitlich aussieht, weil es aus so vielen  Ethnizitäten besteht. Zu behaupten, hier würden dunkelhäutige Personengruppen als gefährlich dargestellt, ist damit schlichtweg falsch, vor allem, weil die Personen oft eher ambivalent und selten ausnahmslos böse dargestellt werden. Hätte ich nicht von den Problemen gewusst - niemals wäre mir in den Sinn gekommen, hier Rassismus zu suchen. In jedem der Völker gibt es gute wie schlechte Menschen, ganz so wie in Wirklichkeit. Damit sind die Charaktere undurchschaubar und wissen immer wieder zu überraschend, die Motive sind deswegen aber nicht weniger glaubwürdig. Bis zum Ende ist der Roman eine spannende Mischung aus fulminanter Action, mitreißenden Dialogen und einer sich sehr langsam und realistisch entwickelnden Liebesgeschichte. Da kann Band 2 gar nicht schnell genug kommen.

FAZIT
Lässt man sich auf Veronicas originelle und spannende Science Fiction-Welt ein, könnte "Gezeichnet" zu einem Highlight werden. Ambivalente, undurchschaubare Charaktere, eine fesselnde Liebesgeschichte und spannende Ereignisse lassen einen kaum Luft holen. Der Nachfolger erscheint im Original zum Glück schon nächstes Jahr. Verdiente 4,5 Punkte!


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Titel: Gezeichnet
Originaltitel: Carve the Mark
Reihe: Rat der Neun/Carve the Mark
Autor: Veronica Roth
Übersetzer: Petra Koob-Pawis, Michaela Link
Verlag: cbt
Seitenzahl: 608 Seiten
ISBN-13: 978-3-570-16498-3

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