Back Down to Earth

[Buchrezension] Vier Farben der Magie - V.E. Schwab

Kell setzte die Schneide auf die Außenseite seines Unterarms. Einen Schnitt hatte er sich heute bereits zugefügt, um die Tür zu öffnen, durch die er vorher getreten war. Nun zog er die Klinge ein zweites Mal über den Arm, woraufhin rubinrotes Blut aus der Wunde quoll. Er steckte das Messer zurück in die Scheide, berührte den Schnitt mit den Fingern und erneuerte den Kreis und die Linie. Anschließend zog Kell den Ärmel über die Wunde - er würde die Schnitte behandeln, sobald er wieder zu Hause war - und warf einen letzten Blick auf den vor sich hinbrabbelnden König; erst dann legte er seine Hand auf das Zeichen an der Wand.
Ein magisches Summen erklang.
"As Tascen", sagte Kell. Durschreite.
Ein Beben durchlief die gemusterte Tapete, dann gab sie unter seiner Berührung nach. Kell machte einen Schritt und trat durch die Wand.

Vier Farben der MagieINHALT
Der junge Magier Kell kennt vier verschiedene Welten, die eines gemeinsam haben: Eine Stadt namens London. Doch jedes London ist ganz unterschiedlich. Das, aus dem er stammt, das rote, pulsiert vor Magie und Leben. Das graue London besitzt im Gegensatz dazu beinahe gar keine Magie mehr. Im weißen London herrschen Grausamkeit und Unterdrückung. Und im schwarzen London wurde alles Leben von der Magie vernichtet. Als Antari kann Kell von einer Welt in die andere springen und ist damit einer von wenigen, die die Verbindung zwischen den Städten aufrecht erhalten können. Dann fällt ihm eines Tages ein Gegenstand aus dem schwarzen London in die Hände, und ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, nimmt er ihn mit ins rote London. Und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die seinen Heimatort ins Verderben zu stürzen droht...

MEINE MEINUNG
Victoria Schwabs hochgelobte Trilogie um die vier verschiedenen magischen Londons ist mit "Vier Farben der Magie" nun auch in Deutschland angekommen. Ihre geschaffenen Welten sind besonders, keine Frage, und die Idee weiß von Anfang an zu faszinieren. Es dauert jedoch seine Zeit, bevor die eigentliche Geschichte Fahrt aufnimmt. Bis dahin ist Kell mit lauter kleinen Botengängen beschäftigt, die einem wohl die verschiedenen Londons vorstellen sollen, sich aber auch ziemlich in die Länge ziehen. Der Schreibstil ist bildlich, wirkt aber auch teilweise sehr distanziert, wenn es um die Emotionen der Figuren geht.

Kell ist abgesehen von seinen magischen Fähigkeiten kein allzu spannender Protagonist. Er ist von sich selbst überzeugt, aber oft unvorsichtig, und seine Motivation sind hauptsächlich seine Vergangenheit und sein Ziehbruder Rhy. Die junge Diebin Lila, von der er eines Tages im Grauen London bestohlen wird, besitzt da schon mehr Charakter, auch wenn ihre Handlungen nicht immer komplett nachzuvollziehen sind. Sie ist verständlicherweise neugierig auf die Welt der Magie und stößt andere Menschen, geprägt von ihrem Leben auf der Straße, oft zurück. Mit der Zeit beginnt sie aber auch teilweise sich zu öffnen. Leider hat die Autorin die Angewohnheit, die spannendsten Nebenfiguren mit großem Potenzial zu töten, sodass das Spektrum an Charakteren bald sehr ausgedünnt erscheint.

Obwohl die Geschichte an vielen Stellen außergewöhnlich ist und die neuartigen Ideen zu begeistern wissen, hat mich das Ganze doch nicht mitgenommen und ich kann nicht einmal den Finger darauf legen, was genau an der Atmosphäre das Problem war. Inhaltlich jedenfalls hatte ich mehr erwartet. Die Storyline ist, schaut man hinter den Schleier, letztendlich doch eher altbekannt und vor allem schnell durchschaut. Die Strippenzieher sind durch und durch böse, der andere, extrem undurchschaubare Antari kommt viel zu wenig vor. Die Kämpfe, die Kell und Lila bestreiten müssen, sind spannend, blutig und großartig geschrieben, aber sie täuschen nicht über die teilweise doch schwache Story hinweg. Zum Ende hin wird es allerdings dafür richtig fesselnd und einige wichtige Fragen werden beantwortet. Zwar bleiben noch einige für den Folgeband ungeklärt, dennoch scheint die Reihe fast schon episodisch aufgebaut zu sein, weil sich in Teil 2 offensichtlich ein neues Problem heraus kristallisieren muss. Wie das funktionieren kann, wird sich zeigen.

FAZIT
"Vier Farben der Magie" hat mich leider nicht so begeistert wie viele andere Leser. Irgendwie konnten mich die Figuren nicht recht mitnehmen auf ihre Reise, die originell wirkte, aber an vielen Stellen nicht wirklich überraschen konnte. Eventuell versuche ich in Band 2 noch einmal, den Zauber zu finden. 3 Punkte.

Originaltitel: A Darker Shade of Magic
Reihe: Shades of Magic
Autor: V. E. Schwab
Übersetzer: Petra Huber
Verlag: Fischer Tor
Seitenzahl: 496 Seiten
ISBN-13: 978-3-596-29632-3

[Buchliebenetz] Das Bücher-ABC

Seit letztem Monat bin ich Teil der Aktion #buchliebenetz und ganz begeistert davon. Mit anderen Leseverrückten, Bücherfans und Bloggern gibt es ungefähr im Monatsrythmus eine gemeinsame Aktion - im Mai nun also "Das Bücher-ABC". Von A-Z stellen wir euch dabei alles vor, was uns zum Thema Literatur so beschäftigt. 

Bild könnte enthalten: Blume und Text

Author You've Read The Most Books From (Autor, von dem ich meisten Bücher gelesen habe)

Gleich zu Beginn eine äußerst unspektakuläre Antwort: J.K. Rowling. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan von ewig langen Reihen, daher sind diese sieben Bände tatsächlich mein "Rekord". Ansonsten lese ich so gut wie nur Trilogien.

Best Sequel Ever (Beste Fortsetzung)

Schwere Frage, denn es gibt tatsächlich doch einige Reihen, bei denen ich Band 2 geliebt habe. (Und viele, bei denen er echt mies war.) Ich entscheide mich aber nun spontan für "Die Denkerfürsten", Band 2 der Reihe um die "Bone Season" von Samantha Shannon. Diese Fortsetzung hat mich nach dem ersten noch sehr Info-lastigen Band schlicht umgehauen und ich hoffe, hoffe, dass auch Band 3 übersetzt wird.

Currently Reading (Momentane Lektüre)

Wie rechts zu sehen lese ich momentan "Magonia" von Maria D. Headley. Und nachdem ich bereits auf den ersten 100 Seiten geweint habe, bin ich guter Dinge.

Drink of Choice While Reading (Getränkewahl während des Lesens)

Schocker: Ich mag keine warmen Getränke. Dementsprechend fällt Tee, die Wahl aller Leseratten, schon mal weg. (Trinke ich Tee, bin ich sterbenskrank.) Ich bleibe tatsächlich am liebsten beim guten alten Wasser, mein Getränk erster Wahl in jeder Situation. 

E-Reader or physical book? (E-Book oder Buch)

Prinzipiell finde ich den Gedanken an E-Books super und besonders daran, dass keine Bäume mehr sterben müssen. Aber irgendwie fehlt mir mit diesem Gerät in der Hand komplett die Geduld und ich kann mich nicht lange konzentrieren. Daher bleibe ich doch beim Buch, das nach dem Auspacken so wunderbar duftet.

Fictional Character You Probably Would Date (Buchfigur, die ich wahrscheinlich daten würde)

Erneut eine schwere Frage, denn da gibt es auch so einige. Vor allem, weil diese Buchfiguren oft auch einen Gegenpart haben, der wunderbar zu ihnen passt (wie sich das gehört). Das mag ich ja kaum kaputt machen. Aber zu einem Jase wie dem aus Huntley Fitzpatricks "Mein Sommer nebenan" würde ich nicht Nein sagen. Er ist liebevoll, witzig und schlau - wie man sieht, ist mein Typ definitiv nicht der Bad Boy ;)

Glad You Gave This Book a Chance (Ein Buch, dem ich zum Glück eine Chance gegeben habe)

Ich lese selten Bücher, die so gar nicht meinem Beuteschema entsprechen. Dazu gehören auch historische Romane. Aber als mir letztes Jahr "Winterhonig" von Daniela Ohms ins Haus flatterte, ein Roman über den 2. Weltkrieg, habe ich es dennoch probiert - und war begeistert. Gefühlvoll und lebendig wird hier eine Geschichte erzählt, die irgendwie bekannt scheint und doch auch wieder nicht. Es lohnt sich manchmal, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Hidden Gem Book (Geheimtipp)

Leider von viel zu wenigen gelesen und auch immer wieder gekonnt ignoriert: Christina Meldrums "Bittere Wunder". Eine schmerzhafte, traurige und unfassbar mitreißende Geschichte über ein Mädchen, das viel Schmerz erleiden muss und doch immer noch auf Wunder hofft. Auch nach vielen Jahren liebe ich das Buch noch immer.


Important Moment in Your Reading Life (Wichtiger Moment in meinem Bücherleben)

Ich dachte früher, ich wolle Buchhändlerin werden - bis ich ein Praktikum in einer Buchhandlung machte. Irgendwie eine traurige Geschichte, aber stattdessen bin ich nun beim Fernsehen gelandet, was mir viel mehr liegt, und kann mich in meiner Freizeit meiner Leidenschaft widmen. Und genau so scheint es richtig zu sein.

Just Finished (Gerade beendet)

Als letztes Buch habe ich "Vier Farben der Magie" von Victoria Schwab gelesen und leider, leider hat es mir nicht so gut gefallen wie so vielen anderen. Die schon im Titel so präsente Magie ist nicht auf mich übergesprungen, da war keine Verbindung, kein Gefühl. Irgendwie war es leider nicht mein Buch.

Kinds of Books You Won't Read (Genre, das ich nicht lese)

Ich versuche mich so gut es geht von Young bzw. New Adult fernzuhalten, damit ich mich nicht noch mehr aufregen muss als sowieso schon. In diesem Genre findet man - meiner Meinung nach - wenig, was nicht auf Sexismus und Fremdgehen beruht und ständig unnötiges Drama mit sich bringt. Da lasse ich es lieber gleich.

Longest Book You've Read (Längste Lektüre)

Nächste Überraschung: "Der Orden des Phönix" von J.K. Rowling mit seinen 1121 Seiten, natürlich. Ich habe allerdings Stephen Kings "ES" auf dem SuB, das es voraussichtlich irgendwann einmal ablösen wird.

Major Book Hangover Because of... (Eine Leseflaute aufgrund von...)

Nachdem ich Ka Hancocks "Tanz auf Glas" gelesen hatte, ging es mir tagelang mies. Weil ich erstens furchtbar leer und zweitens schrecklich traurig war, aber auch, weil das Ende mir so viel Hoffnung mitgegeben hat, das ich ständig an das hoffentlich glückliche Weiterleben denken musste. Ein Buch, das mir immer noch oft im Kopf herumspukt - zum re-Readen müsste ich mir aber wahrscheinlich eine Woche frei nehmen :D


Number of Bookcases You Own (Anzahl meiner Bücherregale)

Als ich von unserem Haus in der Heimat in eine 47qm kleine Wohnung in Mainz umgezogen bin, konnte ich natürlich grade mal ein Drittel aller meiner Bücher mitnehmen. Daher besitze ich hier nur vier Bücherregale (und zu Hause endlose Stapel weiterer Romane).

One Book You Have Read Multiple Times (Ein mehrmals gelesenes Buch)

Und die dritte Überraschung in diesem ABC: Mehrmals gelesen habe ich selbstverständlich "Harry Potter und der Stein der Weisen", bis heute mein Lieblingsband (weil alle noch so unschuldig und süß sind). Bestimmt fünf Mal habe ich diesen ersten Teil gelesen und ich habe #noregrets.

Preferred Place To Read (Lieblingsplatz zum Lesen)

Dieses Mal ein wenig ungewöhnlich: Am liebsten lese ich im Zug. Da ich vier Stunden in die Heimat fahre, habe ich in dieser Zeit mal so richtig die Gelegenheit, lange und ungestört zu lesen. Und durch die recht gut gepolsterten Sitze wird es kaum unbequem, während ich auf dem Sofa ständig die Position wechseln muss.

Quote That Inspires You (Ein Zitat, das mich inspiriert)

Statt eines Zitats, das mich inspiriert (da habe ich nämlich keines), nehme ich nun frech eines, das mich berührt und mich aus der Schulzeit heraus begleitet hat: “Unser Wissen vom Leben beschränkt sich auf den Tod.” ("Im Westen nichts Neues", Erich Maria Remarque). Eines der wichtigsten je geschriebenen Bücher, ein Zitat, das mich nicht mehr losgelassen hat. Was wissen wir schon, was können wir schon wissen? Die jungen Soldaten im 1. Weltkrieg jedenfalls hatten nichts anderes, als dem Tode ins Auge zu blicken. Sind da nicht unsere Probleme viel kleiner?

Reading Regret (Ein Buch, das ich bereue gelesen zu haben)

Ganz schlimm habe ich meine Zeit mit Band 1 der "Addicted to you"-Reihe vergeudet. Womit wir wieder beim Thema New Adult wären, ähem. Mit drei Worten würde ich das Buch als sinnfrei, dämlich und lächerlich beschreiben. Aber immerhin kann man gut drüber lästern.

Series You Started And Need to Finish (Eine Serie, die ich beenden muss)

Da könnte ich jetzt mein halbes SuB-Regal aufzählen! Ich cheate jetzt mal und nenne zwei Reihen, die ich komplett besitze und endlich mal beenden muss: "Red Rising" und "Penryn & the End of Days". Get it together, Sonja! Ich werde mein Bestes geben...

Three of Your Alltime Favorite Books (Drei meiner absoluten Lieblingsbücher)

Das ist gar nicht mal so schwer, wenn ich dazu sage, dass da aber noch einige mehr lauern ;) "Blutrecht" von Sebastien de Castell, "Die Seelen der Nacht" von Deborah Harkness und "Nevermore" von Kelly Creagh gehören auf jeden Fall ganz dringend dazu.


Unapologetic Fangirl For... (Ich bin ein Fangirl von...)

Ich bin ein riesiger Fan der Bücher von Sarah Dessen. Auch sie arbeitet als Autorin von Liebesromanen nach einem gewissen Schema, aber ihre wunderbaren, lebendigen und liebenswerten Charaktere machen das absolut wett. #sorrynotsorry

Very Excited For This Release More Than All The Others (Neuerscheinung, auf die ich mich am meisten freue)
Im September erscheint ein neuer Roman von Kristin Cashore, "Jane Unlimited", und hrgjfisdhr, I can not even. Ich habe ihre Reihe um das "Graceling Realm" geliebt und freue mich auf den neuen Roman wie ein Schnitzel. Das Buch klingt zauberhaft, ungewöhnlich und ganz und gar wunderbar. Ich bin mir zu 99% sicher, dass ich es lieben werde.

Worst Bookish Habit (Schlechteste Lese-Angewohnheit)

Hab ich nicht, ganz ehrlich. Früher, als ich jung und dumm war, habe ich auf besonders schönen Seiten ein Eselsohr gemacht. Steinigt mich! Ihr könnt euch vorstellen, wie meine Harry Potter-Bücher aussehen. Mach ich aber zum Glück nicht mehr. Meine einzige seltsame Angewohnheit ist mittlerweile, die Danksagung zuerst zu lesen (und mich so manchmal spoilern zu lassen).

X Marks the Spot: Start at the top left of your shelf and pick the 27th book (Das 27. Buch oben links im Regal)

Ich habe verschiedene Regale, die nach Genre/Funktion sortiert sind (ja, wirklich). Für diesen Buchstaben habe ich mein Fantasy/Science Fiction-Regal genommen und herausgekommen ist: "Der letzte Engel" von Zoran Drvenkar. Ein wunderbares Buch, kann ich nur empfehlen.


Your Latest Book Purchase (Letzter Buchkauf)

Als Letztes habe ich spontan in einem Buchladen am Mainzer Bahnhof Patrick Ness' "Zwölf Minuten nach Mitternacht" gekauft, als ich auf meinen Bus warten musste. Ich muss das Buch dringend vor dem Film lesen, daher hoffe ich, es bald zu tun.

ZZZ-Snatcher Book that kept you up way too late (Ein Buch, das mich lange wach gehalten hat)

Zuletzt war das "Wenn nachts der Ozean erzählt" von Zana Fraillon. Auf den letzten Seiten überschlagen sich die Ereignisse und es wird dramatisch, berührend und mitreißend. Da musste ich bis ein Uhr nachts lesen, das war ja nicht zu vermeiden.

Wie würdet ihr diese Fragen beantworten?

Weitere Beiträge könnt ihr hier lesen: Smalltown Adventure |
The Fantastic World of Mine | Carolinart | Lifetime-hours

[Statistik] Monatsrückblick April

Letzten Monat war ich mit meiner Statistik so spät dran, dass nun schon wieder eine folgt. Aber nun im Mai habe ich beschlossen, wieder pünktlicher zu werden und damit starte ich gleich heute. Da bei mir auf der Arbeit nun die Saison beginnt, komme ich deutlich weniger zum Lesen, was sich auch intensiv im Rückblick nieder schlägt. Wenn das so weitergeht, wird es wohl erst im Oktober wieder besser.

# Gelesen im April: 3 Bücher

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1. Wenn nachts der Ozean erzählt von Zana Fraillon [knappe 4,5*]
2. Dark Side von Anthony O'Neill [knappe 3,5*]
3. Caraval von Stephanie Garber [sehr gute 4*]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 370
Gelesene Seiten: 1111
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 37
Durchschnittsbewertung: 4*
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Neuzugänge: 3
Abgelesen: 3
Neuer SuB-Stand April: 75

# Geschaut im April: 3 Serien

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1. Tote Mädchen lügen nicht: Staffel 1 [gute 4*]
2. The Mentalist: Staffel 4 & 5 [4*]
3. House of Cards: Staffel 1, Folgen 1-4 [bisher 4,5*] - Serienrezension folgt irgendwann

Ich habe wieder weniger gelesen, dafür aber auch bessere Bücher erwischt. Epische Durchschnittsbewertung, würde ich sogar sagen! Kein Ausfall, nur ganz gute bis sehr gute Lektüren. Bei den 3 traurigen Büchern aber auch keine Überraschung. "Wenn der Ozean erzählt" ist ein besonders wichtiges, berührendes Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Beschäftigt haben mich letzten Monat auch die überhand nehmenden Romantisierungen in (Liebes-)Romanen, über die ich hier auch geschrieben habe.

Man sieht aber auch, wo meine Zeit hin ist, wenn ich grade nicht gearbeitet habe und weswegen ich auch nicht zum Lesen gekommen bin: Ich habe wieder mehr Serien geschaut. "Tote Mädchen lügen nicht" habe ich schnell geschafft und auch rezensiert, bei "The Mentalist" geht es langsam, aber sicher auf das Ende zu, noch ist es aber sehr spannend. "House of Cards" habe ich spontan auf einer Zugfahrt begonnen und auch wenn ich davon nicht viel am Stück schauen kann, bin ich von den Intrigen und Spaceys genialem Spiel bisher sehr angetan. Diese Serie wird mich diesen Monat sicherlich weiter begleiten - aber erst, wenn ich die 2. Staffel von "Sense8" durchgeschaut habe. (Also ab morgen.)


Ich bin auch bereits gespannt, ob ich endlich mal wieder ins Kino komme. Richtig viel Spannendes läuft meiner Meinung nach nicht, aber ich habe auch viel aussortiert. Übrig blieben nur diese fünf Kandidaten (von denen ich auch nicht alle sehen will):

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"Alle Farben des Lebens" behandelt endlich einmal das Thema Transgender und ich bin sehr gespannt auf die Umsetzung. Wahrscheinlich Hollywood-typisch frei von schwerwiegenden Konflikten, aber sicherlich ein Ansatz. "Unlocked" hatte mich bei Noomi Rapace, "Baywatch" will ich ausschließlich aufgrund von Priyanka Chopra sehen (wobei der Trailer zugegeben ganz lustig ist.) "Du neben mir" werde ich wahrscheinlich nicht sehen, obwohl ich Amandla Stenberg sehr mag - das Buch hat mir nur mittelmäßig gefallen und der "Plot Twist" ist einfach nur doof. "Berlin Syndrome" ist dann dafür ein echtes Muss, schon allein wegen Max Riemelt. Ich bin begeistert, dass er durch "Sense8" endlich auf dem internationalen Markt angekommen ist.

Ich hoffe, ihr habt im April mehr geschafft als ich?

[Buchrezension] Die Legenden von Astray: Tote Helden - Michael Peinkofer

Er watete in die Fluten, wollte sich ein letztes Mal umwenden - als ihn ein Stein am Kopf traf. Er war faustgroß und kantig und mit aller Kraft geworfen, und er erwischte ihn an der rechten Schläfe.
Ikéron kam es vor, als wollte sein Schädel zerspringen. Sein Bewusstsein flackerte wie eine Kerze im Wind, während er niederging und bäuchlings ins Wasser klatschte.
Und während die Strömung ihn erfasste und davontrug, verlosch es ganz, und es wurde dunkel.

INHALT
Vor 37 Jahren haben die Legenden von Astray das tyrannische Kaiserreich zerschlagen, dabei jedoch einen tiefen Riss zwischen den dem Osten und dem Westen des Landes hinterlassen, den sogenannten Abyss. Doch der Spalt zieht sich nicht nur durch das Land, sondern auch durch die Völker: Sie alle ringen um die Herrschaft, Kriege sind nicht mehr fern und die Ereignisse vor fast vier Jahrzehnten wurden so gut wie vergessen. Doch der Sänger Rayan, der durch seine Lieder Visionen erhält, ahnt, dass dies nicht mehr lange so bleiben wird. Denn im Abyss lauert eine unbekannte Bedrohung, und die Legenden sind wahrscheinlich die einzige Rettung der Menschheit.

MEINE MEINUNG
Der Auftakt zu Michael Peinkofers neuer Reihe um "Die Legenden von Astray" ist klassische High Fantasy: Es gibt ein großes durch Neid, Missgunst und Machtgier gespaltenes Reich, eine bedeutende Vergangenheit und eine Handvoll Figuren, die im Laufe der Handlung zusammenfinden, um ein unbekanntes Unheil abzuwenden. "Tote Helden" wirkt wie eine lange Einführung in die Zusammenhänge und konzentriert sich insbesondere auf die Figurengestaltung und das Worldbuilding, ohne dabei jedoch die wichtigsten Fragen - etwa nach den genauen Geschehnissen vor 37 Jahren - zu beantworten. Der Schreibstil ist bildlich, teilweise auch zu detailreich, aber nichtsdestotrotz lebendig. Leider stören so einige Rechtschreibfehler und Sprachwunder wie "würde sie eine andere geworden sein" immer wieder den Lesefluss.

Wie oft zu Beginn einer solch komplexen Reihe ist es auch hier anfangs schwierig, die vielen Hauptfiguren auseinander zu halten - was zum Teil aber auch daran liegt, dass sich die Erzählstimmen stark ähneln. Außer der Prinzessin Nyasha und ganz selten der Diebin Bray oder der Bordellbesitzerin Jenaya kommen nur Männer zu Wort, die alle sehr egoistisch handeln und größtenteils an sich selbst denken. Der Zwerg Lorymar, der ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit herumträgt, besitzt noch am meisten Witz, Sympathien sammelt er allerdings kaum. Sänger Rayan ist leider sehr langweilig und kann in seinen Kapiteln so gut wie gar nicht fesseln, trotz seiner für ihn bedrohlichen Gabe. Bray und Nyasha erscheinen einem in ihren wenigen Kapiteln deutlich stärker als jeder der Männer, aber die beiden unterschiedlichen Frauen erhalten deutlich zu wenig Rampenlicht. Hier hätten die Perspektiven deutlich stärker ausgebaut werden müssen.

Über die erste Hälfte des Romans fühlte ich mich fast permanent an andere Fantasy-Reihen erinnert. Besonders Vergleiche mit "The Witcher" und "Das Lied von Feuer und Eis" drängen sich des Öfteren auf: In beiden kommt ebenfalls ein kleinwüchsiger Mensch vor, der eine mehr oder minder zentrale Rolle spielt, es lauern Gefahren, bisweilen auch Monster, in den Wäldern, und sowohl bei Martin als auch bei Peinkofer gibt es einen im Hintergrund die Fäden ziehenden Eunuchen. Zum Glück lassen diese starken Ähnlichkeiten irgendwann nach und Astray beginnt ein Eigenleben zu entwickeln. Insbesondere der Aufbau von Skaradag, der Stadt des Salzes und der Diebe, weiß zu faszinieren. Was mir jedoch arg fehlte, war ganz einfach der Witz. Während im Klappentext noch ein wenig Humor angedeutet wurde, war davon im Roman selbst wenig zu finden. So fehlte mir irgendwo die Leichtigkeit zwischen all den schwerwiegenden und oft brutalen Ereignissen.

Auch weist das Buch so einige Längen auf, weil es viele hunderte Seiten dauert, bis die Protagonisten überhaupt in der gleichen Stadt ankommen. Bis dahin erfährt man von einigen Intrigen, von den Verhältnissen in den unterschiedlichen Reichen und von den Reisen, die die einzelnen Figuren unternehmen - aber wirklich in die Tiefe wird nicht gegangen, und viele Ereignisse, die die Geschichte weiterführen, basieren auf Zufällen. Es wird weder aufgelöst, was genau vor fast vier Jahrzehnten geschehen ist, noch was nun eigentlich im Abyss lauert. Nur bruchstückhaft gibt es ein paar Informationen, die Zusammenhänge muss man sich bis dahin erst einmal selbst zusammen reimen. Erst zum Ende hin, als die einzelnen Stränge endlich zusammen laufen, wird es richtig spannend und actionreich, sodass man sich kaum losreißen kann. Nur endet genau das in einem sehr offenen Ende. Natürlich sollen in einem Auftaktband nicht alle Fragen beantwortet werden, aber ein wenig Klarheit wäre dennoch schön gewesen. Da es für Band 2 noch keinen Erscheinungstermin gibt, heißt es nun also: Warten.

FAZIT
Wie man es von klassischer Fantasy gewohnt ist, ist "Tote Helden" als Auftakt einer Saga so etwas wie eine lange Einführung. Verschiedene Handlungsstränge werden einzeln erzählt und verbinden sich schließlich. Dies dauert hier allerdings sehr lang, und leider bietet die erste Hälfte auch nicht viel Neues. Mit dem spannenden, mutigen, wenn auch sehr offenen Schluss, hat Michael Peinkofer jedoch die perfekte Ausgangslage für den Nachfolger geschaffen. 3 Punkte.


Titel: Tote Helden
Originaltitel: -
Reihe: Die Legenden von Astray
Autor: Michael Peinkofer
Übersetzer: -
Verlag: Piper
Seitenzahl: 528 Seiten
ISBN-13: 978-3-492-70342-0

[Buchrezension] Caraval - Stephanie Garber

Scarlett versuchte, Julian auf sich aufmerksam zu machen, ihm zu verstehen zu geben, dass er einen Fehler machte, aber sie sah die Entschlossenheit im Gesicht des Seemanns, als er antwortete : "Es war Scarlett."
Dummer Junge. Er glaubte zweifellos, dass er Tella einen Gefallen tat, doch genau das Gegenteil war der Fall.
Der Governor ließ Julian los und streifte sich die Handschuhe ab. "Ich habe dich gewarnt", sagte er zu Scarlett. "Du weißt, was passiert, wenn du dich mir widersetzt."
"Vater, bitte, es war nur ein ganz kurzer Kuss." Scarlett versuchte, sich vor Tella zu stellen, aber eine der Wachen zog sie zurück, packte ihre Ellbogen und drückte ihr grob die Arme auf den Rücken, während sie darum kämpfte, ihre Schwester zu beschützen.

INHALT
Scarlett und ihre jüngere Schwester Donatella haben die Insel, auf der sie aufgewachsen sind, noch nie verlassen. Unter der Herrschaft ihres grausamen Vaters haben die beiden keine Rechte und kaum Grund zur Freude. Daher fiebert Scarlett ihrer Hochzeit mit einem unbekannten Grafen entgegen, um dem Ort gemeinsam mit ihrer Schwester endlich entfliehen zu können. Doch plötzlich kommt alles anders als gedacht: Als sie drei Eintrittskarten für das legendäre Spiel "Caraval" erreichen, beginnt sie zwar zu zweifeln, doch es ist Donatella, die sie beide und einen Begleiter zu dem geheimen Ort bringt, an dem das Spiel statt findet. Dort ist nichts wie es scheint und trotz ihrer Faszination verspürt Scarlett auch Angst. Als dann ihre Schwester verschwindet, scheint sich die magische Welt in etwas Böses zu verwandeln...

MEINE MEINUNG
Stephanie Garbers Debüt-Roman "Caraval" ist schon seit Wochen in aller Munde - und das zu Recht. Eine großartige Idee mit einer kleinen Portion Magie und vielen Illusionen, die sowohl der Protagonistin als auch dem Leser die Möglichkeit nehmen, zwischen Realität und Täuschung zu unterscheiden. Die Geschichte schreitet über die erste Hälfte zwar nur langsam voran, aber der ruhige, detailreiche und farbenfrohe Stil erzeugt seine ganz eigene Atmosphäre, die unaufhaltsam in die Geschichte hinein zieht.

Scarlett ist die meiste Zeit über eine sehr angenehme Protagonistin. Ihre Angst davor, jemandem zu vertrauen, ist aufgrund ihrer Familiengeschichte verständlich und ihre Vorsichtigkeit eine erfrischende Abwechslung zu sonst oft blauäugigen und naiven Hauptfiguren. Im Laufe der Handlung gewinnt sie auch an Stärke und kann einen mit der Zeit immer mehr von ihrem Mut überzeugen. Donatella ist das genaue Gegenteil ihrer Schwester: Wild und leidenschaftlich lässt sie sich kaum zähmen und riskiert alles für ihr Glück. Über weite Strecken habe ich sie als sehr egoistisch und rücksichtslos empfunden, auch wenn ihre Liebe zu Scarlett offensichtlich ist und sie meistens gute Absichten verfolgt. Die übrigen Figuren sind größtenteils undurchschaubar und man weiß nie, woran man bei ihnen ist: Der mysteriöse, grausam erscheinende Legend, dessen Ziele man nicht kennt; der charmante und arrogante Julian, der Scarlett mal wegstößt und sich mal um sie kümmert. Zwar lernt man sie auf diese Weise nicht wirklich kennen, dies hat aber auch seinen Grund, den man am Schluss erfährt.

Viele Leser erinnert der Roman an Erin Morgensterns "Nachtzirkus" und die Stimmung, sogar das Tempo, sind teilweise durchaus zu vergleichen. Garbers Geschichte hat mir jedoch deutlich besser gefallen, weil die Figuren viel mehr Identifikationspotenzial bieten. Zwar gestaltet sich das eigentliche Spiel ganz anders als erwartet, die einzelnen Hinweise lassen sich auch überraschend einfach finden - dennoch zieht diese Welt mit den vielen fabelhaften Details in den Bann. Ob Scarlett nun Apfelmost trinkt, der sie nur noch das Wichtigste in Farbe sehen lässt, oder sie sich von einem Wahrsager anhand von Tattoos ihre Zukunft vorhersagen lässt, auf jeder Seite lernt man neue skurrile Figuren kennen und erlebt weitere eigenartige Dinge.

Die sich entwickelnde Romanze habe ich persönlich so am Anfang nicht erwartet und ich war durchaus positiv überrascht. Die Gefühle hätten etwas tiefer gehen und sich auch langsamer entwickeln können, trotzdem kam die Chemie zwischen den beiden Liebenden bei mir zumindest größtenteils an. Viel wichtiger ist aber das Band zwischen den beiden Schwestern und dieses ist durchgehend spürbar. Nichts wünschen sich Scarlett und Donatella mehr, als die jeweils andere in Sicherheit zu wissen, und das ist auch die treibende Kraft hinter all ihren Taten. Zum Ende fährt die Autorin in dieser Hinsicht auch noch so einige Überraschungen auf, die einen bis zur letzten Seite in Atem halten. Da der Epilog aber neue Fragen aufwirft, ist trotz Scarletts einigermaßen abgeschlossener Geschichte Band 2 definitiv ein Muss.

FAZIT
Stephanie Garber erzählt in "Caraval" eine faszinierende, wunderbar atmosphärische Geschichte von zwei Schwestern, die alles füreinander tun würden, verwoben mit einem magischen Spiel, das immer wieder für unvorhergesehene Wendungen sorgt. Ich freue mich auf den Nachfolger, der irgendwann 2018 erscheinen soll. Sehr gute 4 Punkte!


Bildergebnis für caraval stephanie Titel: Caraval
Originaltitel: Caraval
Reihe: Caraval
Autor: Stephanie Garber
Übersetzer: Diana Bürgel
Verlag: Piper
Seitenzahl: 400 Seiten
ISBN-13: 978-3-492-70416-8

[Mein Ärger über] Gefährliche Romantisierungen in Büchern

Ich merke in letzter Zeit, dass dieses Thema immer wieder die Gemüter erhitzt. Nicht wenige ungläubige Beiträge und Kommentare habe ich in letzter Zeit dazu gelesen, was da tatsächlich so in der Erwachsenenliteratur, aber leider auch im Jugend- und YA-Bereich veröffentlicht wird. Mit überraschender und schon besorgniserregender Leichtigkeit gelingt es Autoren immer wieder, die unglaublichsten Dinge zu romantisieren. Dieser Trend geistert mir schon länger im Kopf herum und ich muss dazu jetzt einmal etwas sagen. Denn gerade dass solche Bücher trotz dieser nur allzu offensichtlichen, teilweise sogar angesprochenen, Probleme von Bloggern weiterempfohlen werden, bereitet mir mittlerweile ein wenig Sorgen.

WARNUNG!
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(mit Spoilern und viel Text)

Hey, ich bin echt verliebt in dich, aber irgendwie kann ich meine momentane Beziehung nicht beenden. Ich nehme einfach euch beide. Sind wir cool?

Es war ja schon schlimm genug, als die Dreiecksbeziehungen in  Romanen überhand nehmen und sich kein Protagonist mehr zwischen potenziellen Kandidaten entscheiden konnte, aber jetzt gehen die Autoren noch ein Stück weiter: Hauptcharaktere, die sich bereits in einer Beziehung befinden, dürfen jetzt auch fremd knutschen, so viel sie wollen, weil sie so arme schwache Dinger sind, die a) sich nicht entscheiden können b) Angst vor Liebe haben c) einfach nicht den richtigen Moment finden. Schlimm. Was hab ich Mitleid.

Das alles wäre ja noch zu verkraften, gäbe es letztendlich ein Umdenken. So was wie "Das war echt falsch von mir und du hattest das nicht verdient". Nur mal so als Idee. Aber Pustekuchen. Stattdessen wird einfach so lange gewartet, bis sich der bisherige Partner als schlechter Mensch entpuppt. Weil er beispielsweise Hunde vergiftet. Kein Scherz! Wer darauf steht, braucht nur Zwischen uns nur der Himmel von Laura Johnston lesen.

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Und auch im aktuellen Roman von Anne Freytag wird fremdgegangen. Abgesehen von der miesen Repräsentation der LGBT-Bewegung ist das ein weiterer Grund, das Buch nicht zu lesen. Herr Booknerd hat das hier sehr gut zusammen gefasst.

Was zur Hölle, ehrlich jetzt. Ich kann mir das nicht erklären. Wie kann es so hingestellt werden, als sei es vollkommen in Ordnung, fremdzugehen? Und noch wichtiger: Wie kann das nicht bei den meisten einen Wutanfall auslösen? Wie kann man das für eine romantische, schöne Liebesgeschichte halten bei solch einem Inhalt?

Du hast mich da gerade sexuell objektiviert und ich wollte das nicht. Aber du bist heiß, also kein Ding.

Aktuellstes Beispiel, natürlich: "Paper Princess" von Erin Watts. In aller Munde momentan, aber fast nur positiv besprochen. Außer auf dem Blog "Bücher verschlingen" hier.
Ich habe das Buch nicht gelesen, aber wenn ich das richtig verstanden habe, läuft es folgendermaßen ab: Ella wird in diesem Haus aufgenommen, kennt dort niemanden und wird gegen ihren Willen von den Typen sexuell belästigt, abgesehen natürlich von den sonstigen Beleidigungen und Demütigungen. Alle sind sie Arschlöcher, aber der eine verliebt sich in sie. Und im Namen der Liebe, dann haben wir das vorher auch gefälligst alles zu vergessen und das alles ganz süüüüüüß zu finden!

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Nein, einfach nein. Ob nun ein Mann eine Frau belästigt oder andersrum, ist mir gleich, es ist und bleibt falsch. Niemand hat das Recht, jemanden unsittlich zu berühren oder sexuell explizite Bemerkungen zu machen, wenn kein Einverständnis vorliegt. Niemand. Auch kein reicher Bad Boy.

Du hast mich berührt, obwohl ich es nicht wollte, obwohl ich deutlich "Nein" gesagt habe. Du hast mich gestalkt. Aber das war alles, weil du mich liebst, also verzeihe ich dir.

Ahnt jemand, von welchem Buch ich spreche? Ich werde mir wohl Feinde machen, aber es muss dringend gesagt werden: "Nächstes Jahr am selben Tag" bzw. "November 9" von Colleen Hoover ist ein gewaltiger Rückschritt für alle Frauen. In diesem Buch passiert so viel, was absolut nicht in Ordnung ist, was an sexuelle Belästigung, Stalking und sogar Rape Culture erinnnert, dass es einen schüttelt. Vor allem sagt es aus, dass eine Frau einen Mann braucht, um richtig leben zu können. Lieblingszitat: “Why would a girl care to find herself when she’ll never be able to make herself feel as good as a guy can?”

Es geht um ein Mädchen mit deutlich sichtbaren Narben im Gesicht, entstanden aufgrund eines Autounfalls. Das unter den Blicken, den Bemerkungen, ihrem miesen Selbstwertgefühl leidet. Und das vom männlichen Protagonisten Ben komplett ausgenutzt wird. Kurz nach ihrem ersten Treffen möchte er sie gern aus Neugier entkleiden, um zu sehen, ob sie auch Narben auf den Brüsten hat. Als sie sich wieder treffen, setzt er sich über ihre eigene Entscheidung hinweg, ein Kleid nicht zu tragen, indem er ihr - während sie weint - die Klamotten aus- und das Kleid anzieht. Weil er "für das Essen bezahlt und daher entscheiden kann, was er dabei anschaut". Er berührt sie, wenn sie es nicht will. Er folgt ihr zu einem Date und belästigt sie und den anderen Kerl. Als sie knutschen und sie ihm deutlich "Nein" sagt, macht er weiter und sagt ihr, sie solle noch einmal fragen. Und das alles nimmt er sich heraus, obwohl (Vorsicht, übler Spoiler, markieren zum Weiterlesen) ER DIE NARBEN VERURSACHT HAT? Obwohl er der Unfallfahrer war, der ihr Leben zerstörte?

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WAS. Zugegeben, Colleen Hoover hat zu der Szene, in der er sie trotz Weigerung mehr oder minder nötigt, eine öffentliche Entschuldigung gepostet und in kommenden amerikanischen Auflagen wird diese Szene geändert. Der Rest bleibt aber drin. Bens manipulative Art, sein dominantes Verhalten, sein Hinwegsetzen über Wünsche und Gefühle. Was ist das für ein Bild für jugendliche Leser? Dass Männer sich alles herausnehmen dürfen, dass sie einer Frau vorschreiben können, was sie zu tragen hat und dass sie ihre voyeuristische Ader ausleben dürfen, weil das neuerdings so romantisch ist? Einen (ziemlich bösen, aber auch ziemlich wahren) Rant dazu gibt es hier auf Goodreads, ebenso wie eine ebenso negative, aber freundlichere Review. Dass Blogger so etwas empfehlen können, ist mir ganz ernsthaft absolut schleierhaft.

Du kontrollierst mich, behandelst mich schlecht, willst mich besitzen. Aber bei dem Gedanken daran, dich zu einem besseren Menschen zu machen, kriege ich gleich Herzchenaugen!

Und alle Jahre der Emanzipation sind dahin. Diesen Aspekt der Romantisierung gibt es normalerweise nur im Rollenklischee Mann unterdrückt Frau. Andersrum habe ich es jedenfalls noch nie gelesen und ich will es auch genauso wenig.
Den Reiz des Verbotenen kann ich ja gerade noch verstehen, ganz ehrlich. Und dass die Protagonistinnen bei einem heißen Kerl ganz wuschig werden im Ansatz auch. Aber muss man deswegen denn das gesamte Ich, alle eigenen Wünsche und jeglichen Stolz aufgeben? Muss sich eine Frau denn so von einem Mann behandeln lassen, nur weil er sie liebt?

Christian Grey will Anastasie Steele in "Shades of Grey" besitzen. Oft wollen die Männer in Nalini Singhs Gestaltwandler-Romanen  die Protagonistinnen besitzen. Unpopular Opinion: Ein Mensch ist kein Eigentum. Ich finde es gruselig, wenn einem in einer Beziehung vorgeschrieben wird, was man zu tun und zu lassen hat. Wenn der Mann die Frau mehr oder weniger kauft und wenn er ihre eigenen Wünsche ignoriert (wie es Christian Grey tut). Oder wenn sie klipp und klar "Nein" sagt und der Mann sie trotzdem nötigt. Bei Nalini Singh gibt es keinen Zwang zum Sex oder ähnlichem, aber zum Teil eindeutige Verstöße gegen die eigene Meinung der Frauen.

Jeder Mensch darf selbstbestimmt handeln. Eine Beziehung, die von Unterdrückung und Kontrolle lebt, ist keine gesunde Beziehung. Und solchen Männern kann ganz ehrlich auch echt nicht mehr geholfen werden.

Natürlich ist es in Ordnung, sich auch einfach mal unterhalten zu lassen, abzuschalten und die problematischen Dinge auszublenden. Wer tut das nicht? Aber wir haben auch Verantwortung, wie schon im als erstes verlinkten Post steht. Ein Disclaimer wäre daher bei solchen Büchern meiner Meinung nach durchaus angebracht.

Was sagt ihr zu diesem Thema? Findet ihr diese Romantisierungen ebenso gefährlich - oder stören sie euch eher weniger?

[Buchrezension] Dark Side - Anthony O'Neill

Der Reporter mit dem unwahrscheinlichen Namen Nat U. Rally trägt einen zerknitterten Hut und eine fadenscheinige Jacke mit Flicken an den Ellbogen. Er kaut Kaugummi und macht sich mit einem Stift Notizen auf einem winzigen Schreibblock. Aber immerhin hat er genug Anstand, so zu tun, als sei er befangen.
"So ist das hier in Purgatory", sagt er. "Alles ziemlich Retro."
"Das habe ich bemerkt."
"Wir arbeiten beim Tablet immer noch mit Druckwalzen, wussten Sie das?"
"Es überrascht mich nicht mehr", sagt Justus.

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Auf der dunklen Seite des Mondes befindet sich Purgatory, eine vom Millionär und Verbrecher Fletcher Brass gegründete Kolonie. An diesem Ort tummeln sich die schlimmsten Verbrecher, denn die Gesetze der Erde gelten dort nicht. Ehrbare, vertrauenswürdige Menschen sind schwer zu finden, bis Polizist Damien Justus auf den Mond flüchtet, um seine Familie zu beschützen. Direkt nach seiner Ankunft geschieht ein Attentat und er scheint der einzige zu sein, der wirklich an der Lösung des Falles interessiert ist. Doch dass sich ihm die Behörden und Obrigkeiten in den Weg stellen, ist nicht sein einziges Problem: Hunderte Kilometer entfernt startet ein Androide einen mörderischen Feldzug und sein Ziel ist Purgatory...

MEINE MEINUNG
"Dark Side" ist, ganz wie der Titel vermuten lässt, Science Fiction der düsteren Sorte. In der Zukunft, in einem nicht näher benannten Jahr, wurde der Mond kolonisiert und ist mittlerweile bewohnt. Er ist aber auch unterteilt ins zwei Seiten: Die der erdnahen Umlaufbahn, die zum Urlaub einlädt - und die dunkle Seite, die Purgatory beherbergt. Anthony O'Neills Grundidee rund um die Erschließung des Mondes ist prinzipiell nicht neu, die vielen wissenschaftlichen und technischen Details lassen die Geschichte aber sehr real wirken. Da nie eine aktuelle Jahreszahl erwähnt und stattdessen des Öfteren auf Ereignisse aus dem 19. und 20. Jahrhundert Bezug genommen wird, muss man sich allerdings fragen, ob der Autor hier eine alternative Realität geschaffen hat, was ein wenig verwirrend ist.

Alle agierenden Figuren sind stark überzogen und verhalten sich selten gemäßigt: Der machthungrige, vor nichts zurückschreckende Herrscher Fletcher Brass; seine intrigante Tochter QT; der permanent essende und dementsprechend stark übergewichtige Chief der Polizei - sie alle besitzen schlechte Eigenschaften in so ausgeprägter Art, dass sie teilweise wie Karikaturen wirken, gleichzeitig sind sie aber auch schwer zu durchschauen. Auch Damien Justus, Protagonist und Polizist, macht da keine wirkliche Ausnahme. Er ist so rechtschaffen und über alle Korruption erhaben, dass es schon wieder unrealistisch ist. Erst zum Ende hin verliert er auch mal die Beherrschung, bis dahin hat er sich aber schon fast als Übermensch etabliert. Die vielen unterschiedlichen, fast ausnahmslos ziemlich irren Personen sind interessant, aber weil viele für ein Kapitel ausführlich eingeführt werden, um dann ziemlich plötzlich zu sterben, wirkt diese Art der Erzählung auch teilweise ziellos. Am spannendsten ist zumindest zu Anfang der durchgedrehte Androide, der, getrieben von einem gefährlichen Kodex, jeden niedermetzelt, der sich ihm in den Weg stellt. Da er als Roboter aber logischerweise keine Entwicklung durchmacht, hätte durchaus auch etwas weniger Augenmerk auf seinen Taten liegen können.

Obwohl sich die Action in Grenzen hält, wird es durch die vielen Ideen des Autors und die brutale Welt, in der sich die Figuren befinden, dennoch nur selten langweilig. Intrigen, Verrat und kriminelle Aktionen stehen auf der Tagesordnung, sind Normalität - eine Tatsache, an die man sich als Leser erst gewöhnen muss. Weil Purgatory eine Brutstätte des Bösen ist, sogar stolz mit dem eigenen Ruf wirbt, begleitet man größtenteils unausstehliche, selbstsüchtige Figuren - die allerdings, so wirkt es, zumeist dazu da sind, dem Androiden zufällig und ungewollt auf seiner Reise zu helfen (was sie nicht selten mit dem Tod bezahlen). Nachdem der Handlungsstrang um Justus' Ermittlungen und der um den mordenden Androiden beinahe die ganze Zeit getrennt voneinander verlaufen, werden sie letztendlich gut und sinnvoll, wenn auch nicht sonderlich überraschend, miteinander verbunden. Mit dem abgeschlossenen Ende wird der Roman wohl ein Einzelband bleiben, was gefällt - auch wenn der Mond sicherlich noch die ein oder andere dunkle Ecke bieten könnte, ist die Geschichte von Damien Justus doch erzählt.

FAZIT
Auch wenn die Idee selbst erst einmal konventionell erscheint, bringt Anthony O'Neill in "Dark Side" so viele böse, makabre und originelle Ideen unter, dass einem das bekannte Grundgerüst kaum noch auffällt. Die Figuren sind aber an vielen Stellen so überzeichnet, dass sie teilweise an Glaubwürdigkeit verlieren, und Überraschungen gibt es weniger als erwartet. Aufgrund der spannenden Herangehensweise an die Abgründe der Menschheit aber definitiv einen Blick wert. 3,5 Punkte!


Bildergebnis für the dark side anthony Titel: Dark Side
Originaltitel: The Dark Side
Reihe: Nein
Autor: Anthony O'Neill
Übersetzer: Susanne Gerold, Gerd Rottenecker
Verlag: cbt
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-51865-6

Empfohlener Beitrag

[Mein Ärger über] Gefährliche Romantisierungen in Büchern

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