Back Down to Earth

[Filmrezension] Jugend ohne Gott

„Wenn ich die Augen schließe, sehe ich eine Welt, in der alle Menschen gleich sind. Eine Welt ohne Sektoren, es gibt keine Missgunst und keinen Neid. Niemand muss kämpfen, nicht um sein Leben, nicht um Besitz, nicht um Gerechtigkeit. Aber wenn ich meine Augen öffne, dann sehe ich die Welt, wie sie ist: verlogen und kalt.“

Bildergebnis für jugend ohne gott plakatSTORY
In der Zukunft ist die Gesellschaft unterteilt in verschiedene Sektoren, es wird unterschieden zwischen Leistungsträgern und Leistungsempfängern. Der junge Zach gehört zu Ersteren, geht auf eine Eliteschule und fährt nun mit seinen Klassenkameraden in ein Camp, um dort um einen der begehrten Plätze einer Eliteuniversität zu kämpfen. Doch er hat eigentlich gar kein Interesse an dieser ewigen Konkurrenz, und als er Ewa begegnet, die durch das Verlassen ihres Sektors als Illegale gilt, kommen ihm noch mehr Zweifel am System. Er lässt sich auf eine Liebesbeziehung ein. Aber dann gibt es einen Todesfall, und plötzlich steht für beide alles auf dem Spiel...

MEINE MEINUNG
"Jugend ohne Gott" ist die sehr freie Verfilmung des gleichnamigen Romans aus dem Jahre 1937. Es ergibt Sinn, dass die Handlung in die nahe Zukunft verlegt wurde, schließlich kann man sich heutzutage kaum noch mit der Jugend der NS-Zeit identifizieren. Der Grundgedanke bleibt jedoch gleich: Die jungen Menschen verlieren Anstand und Gefühl, sie verrohen, die Gesellschaft verkommt zu einer Leistungsgesellschaft, in der das Zwischenmenschliche nicht mehr zählt. Das ist so aktuell wie erschreckend realistisch, allerdings wird diese Botschaft zu schwach durchgesetzt und die Erzählweise ist definitiv gewöhnungsbedürftig.

Insgesamt gibt es nämlich vier Perspektiven: Die von der Schülerin Nadesh, von Protagonist Zach, vom Lehrer und die von Schüler Titus. Die einzelnen Sichten ergeben gemeinsam ein Ganzes, sie füllen die Lücken der anderen, aber das hat auch gleichzeitig zur Folge, dass einem kein Charakter wirklich nahe kommt, weil man sie alle nur so knapp kennen lernt. Jannis Niewöhner und Emilia Schüle scheinen das neue deutsche Shooting-Paar zu sein und so geben sie auch hier die Verliebten - diese Gefühle kommen beim Zuschauer allerdings nicht an. Das mag auch daran liegen, dass sie innerhalb von wenigen Szenen alles füreinander aufgeben wollen. Alicia von Rittberg stellt die ehrgeizige und anstrengende Nadesh sehr realistisch dar und Fahri Yardim hat als Lehrer leider nicht so wirklich viel zu tun. Aber wie immer stellt Jannik Schümann alle anderen in den Schatten: Als kalter, immerzu arrogant lächelnder junger Mann, der vom Erfolg verwöhnt versucht, jeden auszustechen, ist er so glaubwürdig, dass man ihm nahezu alles zutrauen würde.

So sinnvoll und prinzipiell spannend es auch ist, dass die Handlung hier in einer dystopischen Zukunft spielt, die die Menschen in zwei Klassen teilt und sie dazu zwingt, für ihre Zukunft zu kämpfen - bei solch einer gewagten Änderung sollte das System dann auch ein wenig erklärt, sollten Hintergrundinfos geliefert werden. Das passiert hier allerdings nur mangelhaft, wodurch das Ganze sehr schwammig bleibt und wie eine Kulisse wirkt. Die Liebesgeschichte geht viel zu schnell und anders als im Trailer ist das Spannungslevel sehr viel niedriger als erwartet - so müssen die Schüler nicht aufs Blut miteinander kämpfen, und es dauert gar nicht lange, bis der Schauplatz vom Camp an andere Orte verlegt wird. Der Schluss passt durchaus, insbesondere im Hinblick auf die Botschaft rund um die gefühlskalte neue Elite, aber so richtig zufrieden lässt er einen nicht zurück. Es bleibt der Eindruck, dass mehr drin gewesen wäre.

FAZIT 
Mit einem tollen deutschen Cast und einer interessant angepassten Story verspricht die Buchverfilmung "Jugend ohne Gott" fesselnde, aufgrund der Thematik auch zum Nachdenken anregende, Stunden. Vieles wird aber zu knapp angerissen und Verständnis für die Liebenden, die so viel riskieren, kommt nur wenig auf. Insbesondere für den Ausbau der Charaktere und der neuen Welt hätte sich mehr Zeit gelassen werden sollen. So bleibt es nur bei mittelmäßigen 3 Punkten.

Meine Empfehlung für Fans deutscher Schauspieler, die sich an dem eher blassen Weltentwurf nicht stören.

 

 

[Buchrezension + Warnung] Die Endlichkeit des Augenblicks - Jessica Koch

Er versuchte, die lauter werdenden Rufe um sich herum zu ignorieren, die ihn einen Feigling nannten und damit so lange anspornten, bis er schließlich nachgab und sich erhob, um allen das Gegenteil zu beweisen.
Ein stechender Schmerz brachte ihn zurück in die Gegenwart. Wie ein glühender Draht bohrte er sich von seinem Kopf durch die Wirbelsäule hinunter und endete erst in Höhe der Hüfte. Aus den Augenwinkeln sah er, wie die Trage, auf der er mittlerweile lag, mithilfe eines Seils in die Luft gezogen wurde.
In Gedanken verabschiedete er sich von der Erde unter ihm und von einem lang gehegten Traum, der sich nun niemals erfüllen würde.

INHALT
In einem Biergarten lernt die junge Samantha zwei Männer kennen: Den fröhlichen und schönen Basti, der im Rollstuhl sitzt, und seinen besten Freund Josh - körperlich gesund, aber zerfressen von Schuldgefühlen. Samantha und Basti verlieben sich und werden bald ein Paar, doch Joshs Depressionen machen ihnen beiden zu schaffen. Als Sam auch für ihn da sein will, entwickeln sich auch zwischen ihnen Gefühle. Doch bald wird ihr klar, dass sie damit die Freundschaft der beiden Männer gefährdet...

MEINE MEINUNG
Jessica Koch hat sich in den letzten Jahren mit ihrer "Danny"-Trilogie in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Liebesromane mit Tiefgang scheinen ihr Steckenpferd zu sein, und genau das habe ich mir auch von "Die Endlichkeit des Augenblicks" erhofft: Schließlich ist einer der Protagonisten hier ein Rollstuhlfahrer, was man nur sehr selten in der Literatur oder anderen Medien erleben darf. Der Schreibstil ist aber überraschend emotionslos - und dadurch, dass jede der Hauptfiguren immer nur für ein kurzes Kapitel zu Wort kommt, bevor die Perspektive wechselt, kommt einem keine wirklich nahe. Das größte Problem, das ich mit dem Buch hatte, kommt aber erst nach zwei Dritteln - und hat es in sich. Daher ist diese Besprechung auch gleichzeitig eine Warnung.

Samantha habe ich als Protagonistin als extrem anstrengend empfunden. Einer ihrer ersten Gedanken beim Anblick von Bastis Rollstuhl ist, dass sie nicht für so jemanden sorgen möchte - nachdem sich die beiden noch nicht einmal für ein zweites Date verabredet haben. Sie ist unnötig eifersüchtig und macht aus allem ein Drama, obwohl gerade sie mit einer autistischen Schwester es besser wissen müsste. Basti ist eigentlich ein sehr netter Zeitgenosse, der einem mit seiner Fröhlichkeit immer wieder Hoffnung gibt, auch wenn diese verständlich und realistisch des Öfteren mit Zweifeln und Trauer über seine verlorenen Träume verbunden ist. Seine Lähmung und der Umgang damit werden zumeist realistisch dargestellt, was ein Pluspunkt ist. Josh dagegen konnte ich von Anfang bis Ende nicht leiden - er suhlt sich förmlich in seinen Schuldgefühlen und auch wenn diese teilweise nachvollziehbar erscheinen, so sind es seine Taten nicht. Er benimmt sich jedem gegenüber komplett unmöglich und das ändert sich auch nicht.

Alles in diesem Roman entwickelt sich viel zu schnell, wodurch keinerlei Gefühle bei einem ankommen. Sehr schnell sind Basti und Samantha verliebt, ohne dass man dies wirklich miterlebt hätte, denn die einzelnen Treffen werden immer wieder mittendrin mit einem Sprung von Stunden oder gar Tagen unterbrochen. Viele der Geschehnisse sind extrem überspitzt - dass sie ihm etwa unterstellt, sich nicht um sie zu kümmern, obwohl er ihr sogar aus dem Urlaub hunderte Nachrichten am Tag schickt. Samanthas und Joshs romantische Gefühle sind nach der anfänglichen Abneigung viel zu plötzlich da und nicht glaubwürdig, und dass sie ihm sogar hilft, nicht in die Psychiatrie eingewiesen zu werden, obwohl das meiner Meinung nach seine einzige Hilfe wäre, fand ich schon ein wenig problematisch.

Das alles wäre für mich aber noch kein Grund gewesen, eine so schlechte Bewertung zu vergeben, wie ich es nun tue. Auf Seite 243 jedoch geschieht etwas, das ich nicht verschweigen kann, ein Ereignis, das ich spoilern muss, um davor warnen zu können: Josh und Samantha haben nämlich Sex - und ohne ihr Wissen entfernt er währenddessen das Kondom, um sie schwängern zu können. Im Amerikanischen gibt es einen Begriff dafür: "Stealthing", und dies kann strafrechtlich geahndet werden, kommt meiner Meinung nach sogar einer Vergewaltigung gleich. Samantha hat sich ja immer ein Kind gewünscht und kann dieses nicht mit Basti haben - so wird sich die Situation hier zurechtgebogen, so wird Josh zum Helden gemacht. Aber nicht nur, dass durch das Entfernen eines Kondoms eine Schwangerschaft entstehen kann, auch Krankheiten werden genau so übertragen! Gerade, dass hier in keinster Weise das Verhalten von Josh kritisiert, sondern er im Gegenteil noch dafür bewundert wird, finde ich absolut gruselig und wirklich gefährlich. An dieser Stelle sehe ich mich in der Pflicht, eine Warnung auszusprechen, denn so eine Tat als Normalität anzusehen, geht in einem Roman einfach gar nicht.

FAZIT 
"Die Endlichkeit des Augenblicks" wäre aufgrund der überdramatischen Handlung und der unlogisch handelnden Protagonisten wahrscheinlich sowieso nicht mein Buch gewesen - aber dass der männliche Hauptcharakter Josh ohne das Einverständnis von Samantha während des Geschlechtsverkehrs das Kondom entfernt, hat mich mit komplettem Unverständnis zurückgelassen. Ich habe darüber nachgedacht, das Buch einfach nicht zu rezensieren, aber eine Warnung war mir wichtiger. Daher gehe ich in meiner Wortwahl auch so drastisch vor - und vergebe nicht mehr als 1 Punkt.


 

[Buchrezension] Am Abgrund des Himmels - Sue-Ellen Pashley

Ich war nie der rührselige, romantische Typ. Eher das Gegenteil. Schmonzetten, in denen sich ein Junge und ein Mädchen mögen, dann passiert irgendwas, das sie auseinanderbringt, dann lieben sie sich wieder, bla, bla, bla, lassen mich total kalt, und ich kann mit Stolz von mir behaupten, dass ich noch nie Valentinstag gefeiert habe – echt jetzt, was für ein Quatsch. Ich hatte zwar in den letzten Jahren einige Freundinnen, aber keine der Beziehungen war auch nur ansatzweise ernst.
Doch in dem Augenblick, als die Autotür aufgeht und ein Mädchen aussteigt – ein Mädchen mit langen knallroten Haaren, die in der Nachmittagssonne förmlich zu brennen scheinen –, bleibt mein Herz stehen, als wisse es nicht mehr, wie es schlagen muss, Adrenalin flutet durch meinen Körper, und es ist derselbe Kick wie damals, als ich zum ersten Mal geflogen bin.
Und so bescheuert es klingt, ich glaube, so fühlt sich Liebe auf den ersten Blick an.

Bildergebnis für am abgrund des himmelsINHALT
Um ihrem gewalttätigen Exfreund zu entfliehen, zieht die junge Grace mit ihrer Großmutter auf die kleine Insel Bruny. Sie will endlich alles vergessen und möglichst erst einmal für sich sein, um ihr gerade erst gebrochenes Herz zu schonen. Doch bereits nach kurzer Zeit trifft sie auf Nick - und für die beiden ist es schnell die große Liebe, auch wenn zumindest Grace sich anfangs entschieden dagegen wehrt. Nur taucht bald ihr Exfreund wieder auf und bedroht die Beziehung. Und als wäre das nicht genug, hat Nick auch noch ein Geheimnis, das ihre Liebe unmöglich macht...

MEINE MEINUNG
Ich bin dem Romantasy-Genre zwar mittlerweile ein bisschen entwachsen, aber ab und zu versuche ich es doch noch einmal - immer hoffend auf die eine Perle. Wunderhübsche Aufmachungen wie die von "Am Abgrund des Himmels" tun da natürlich ihr Übriges. Sue-Ellen Pashleys Debüt aber war genau das Gegenteil von dem, was ich mir erhofft hatte, denn die Autorin scheint von "weniger ist mehr" noch nie gehört zu haben. Schnell wird mit Liebesschwüren um sich geworfen - das obrige Zitat stammt von Seite 14 - und so ist bald auch klar, dass das Buch mehr Romantik als Fantasy beinhaltet.

Die Figuren sind eher Abziehbilder realer und vor allem interessanter Charaktere. Zwar hat Grace durch die toxische Beziehung in ihrer Vergangenheit ein paar verständliche Macken mitgenommen - aber ihre weinerliche und furchtbar unsichere Art ändert sich leider im Verlaufe des Buches so gut wie gar nicht, sodass sie mir bald extrem auf die Nerven ging. Nick ist immerhin das Gegenteil des Bad Boys und würde alles für Grace tun, aber er ist einfach zu kitschig, zu gut, um noch in irgendeiner Weise glaubwürdig zu sein. Die restlichen Charaktere gehen dagegen ziemlich unter, auch wenn Grace' Großmutter mit ihrer liebevollen Sorge sympathisch ist. Exfreund Ben ist das Klischee eines gewalttätigen Mannes und schafft es grundsätzlich, auf die Minute genau an den Orten aufzutauchen, an denen Grace sich gerade aufhält, und Nicks Vater Henry erhält zwar einzelne Kapitel aus seiner Sicht, diese wirken aber komplett deplatziert und unglaubwürdig.

Genau dieser Makel trifft auch auf die Dialoge und viele Geschehnisse innerhalb des Buches zu. Alles wirkt so gestelzt, so krampfhaft bemüht, wodurch stark an Originalität eingebüßt wird. Die Autorin versucht, gleichzeitig den Tod von Familienmitgliedern, eine phantastische Gabe und einen misshandelnden Exfreund in ihrem Buch unterzubringen, was alles nicht wirklich zusammenpasst. Insbesondere Nicks Fähigkeit, seine Gestalt zu wandeln, wirkt wie Beiwerk, wird nicht mit Hintergründen beleuchtet und besitzt dementsprechend überhaupt keinen Mehrwert. Vor allem wird nicht deutlich, warum es so wichtig ist, diese Fähigkeit weiter zu vererben, wenn sie letztendlich keinen Zweck hat, außer dass ab und zu mal "spazieren gefolgen" wird.  Der eigentlich recht wichtige Strang um Grace und ihren Exfreund, der ihr nun weiterhin auflauert, geht immer wieder unter in der furchtbar kitschigen Liebesgeschichte und wirkt wie ein Element, um die Spannung zu erhalten, nicht um eine von Gewalt geprägte Beziehung realistisch darzustellen. Und auch am Ende wird es nicht besser: Überzogen dramatisch werden Verlustängste geschürt, obwohl sich jeder denken kann, wie das Ganze ausgeht. Ein paar Überraschungen hätten dem Ganzen hier eventuell gut getan.

FAZIT 
"Am Abgrund des Himmels" aus dem Hause Beltz habe ich so oder so ähnlich schon viel zu oft gelesen. Prinzipiell hätte das nicht schlimm sein müssen, aber die kitschige Liebesgeschichte nimmt leider viel zu viel Raum ein und die Fantasy-Elemente wirken eher wie Beiwerk. Möglicherweise eher für Leser, die in diesem Genre unerfahren sind. Von mir daher nur 2 Punkte.

Meine Empfehlung für Fans von Liebe auf den ersten Blick, die ruhig ein bisschen kitschiger sein darf und von phantastischen Elementen nur aufgelockert wird.  


https://www.beltz.de/kinder_jugendbuch/produkte/produkt_produktdetails/34883-am_abgrund_des_himmels.html
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[Buchrezension] Das Haus der gebrochenen Schwingen - Aliette de Bodard

"Wir könnten das Blut aufsammeln", schlug er vor und zwang seine Stimme aus ferner Vergangenheit zurück. "Die alten Parfumflaschen benutzen, um selbst Elixire zu mixen."
Ninon sah nicht zu ihm auf, aber er hörte sie schnauben. "Blut ist Pillepalle", hob eine schlaffe, halb abgetrennte Hand hoch und musterte sie abschätzend. "Du weißt, dass man damit kein Geld verdienen kann."
"Ja, aber..."
"Was ist los? Hast du etwa loyale Regungen gegenüber deinen eigenen Leuten?"
Sie brauchte die Drohung nicht auszusprechen, brauchte ihn nicht darauf hinzuweisen, dass er eine nicht weniger ergiebige magische Quelle war [als] die Gefallene neben ihr.
"Komm, hilf mir", sagte sie und hob das Messer mit vor Gier leuchtenden Augen.

https://www.droemer-knaur.de/fm/48/978-3-426-51986-8_Druck.jpgINHALT
Nach dem großen magischen Krieg vor einigen Jahren liegt Paris in Trümmern, genauso wie das restliche Europa. Die verschiedenen Häuser, die gefallene Engel und mit Magie vertraute Menschen unter ihren Dächern versammeln, bekämpfen sich zwar nicht mehr bis aufs Blut, hassen sich aber noch immer. Als das Bandenmitglied Philippe von Haus Silberspitzen gefangen genommen wird, ist er bereit, alles für seine Freiheit zu tun - doch als ein gefährlicher und tödlicher Fluch entfesselt wird, muss er sich plötzlich mit anderen Mitgliedern des Hauses zusammen tun, wenn er überleben will. Aber niemand weiß, ob sie sich dem wahrhaft Bösen entgegen stellen können...

MEINE MEINUNG
Ein apokalyptisch angehauchtes, düsteres Paris voller Magie und Abgründe - kann es ein besseres Setting für einen Fantasy-Roman geben? In Aliette de Bodards "Haus der gebrochenenen Schwingen" kämpfen verschiedene Häuser um die Macht, ohne sich dabei der Gefahr eines alles verschlingenden Fluches bewusst zu sein. Mutig ist, dass sich hier der Zeit nach einem die Vergangenheit wie auch die Zukunft bestimmenden Krieg gewidmet wird, anstatt diesen selbst als Plot zu etablieren, was leider nicht immer funktioniert - zu oft hat man einfach das Gefühl, einiges verpasst zu haben. Hinzu kommt noch eine teilweise sehr holprige Übersetzung (oder ein holpriger Stil?), wobei Antworten nicht auf Fragen passen oder Sätze mittendrin ihren Sinn verlieren.

Die Charaktere sind, wie bei einer solch zerstörten und unwirtlichen Welt nicht anders zu erwarten, sehr ambivalent, schwer zu durchschauen und selbst eher düster angelegt. Sie alle verfolgen ihre eigenen Ziele, nehmen selten auf andere Rücksicht - ganz besonders nicht auf die Mitglieder anderer Häuser. Philippe hängt seiner verlorenen Vergangenheit nach und will nur in Freiheit leben, die doch auch keine Freiheit ist. Die junge Gefallene Isabelle sucht den Schutz ihres Hauses und zugleich die Nähe von Philippe, obwohl er sich gegen alles sträubt, was ihr wichtig ist. Und die Alchemistin Madeleine ist abhängig von einer tödlichen Substanz, geplagt vom Tod eines geliebten Menschen. Insbesondere Madeleines Zeit in einem der anderen Häuser hätte ich so viel spannender gefunden als ihren jetzigen Handlungsstrang, denn sie trägt wenig bei und hätte doch so viel mehr sein können. So erging es mir mit vielen Charakteren, vor allem aber mit der Person, die letztendlich hinter dem Fluch steckt und nicht viel klischeehafter hätte sein können in ihrer Rachlust.

Obwohl dieses Paris eine so düstere, schmutzige und kaputte Atmosphäre verströmt, dass es einem zeitweilig wohlige Schauer versetzt, fühlt man sich beim Lesen nicht wirklich involviert. Zu fern wirken die Charaktere, zu oft ergehen diese sich in seitenlangen Dialogen, die letztendlich zu keinem Ziel führen. Teilweise scheinen sie sich regelrecht im Kreis zu drehen, was die dazwischengestreuten action- und spannungsreichen Szenen immer wieder untergräbt. Besonders enttäuscht hat mich aber einfach die Auflösung des Fluches. Zwar müssen die Figuren dann endlich zusammenarbeiten und dies funktioniert auch nicht ohne Verluste - aber nachdem so viele Elemente tatsächlich schon einem Krimi zu entstammen schienen, gab es in dieser Hinsicht leider keinerlei Überraschungen, weil einfach jemand aus dem Hut gezaubert wurde. Das Ende ist trotzdem rasant und weiß durch die schonungslose Brutalität, die zu dieser zerstörten Stadt passt, zu überzeugen. Ob einem das aber letztendlich reicht, muss wohl jeder selbst entscheiden.

FAZIT 
"Das Haus der gebrochenen Schwingen" lebt von dem absolut atmosphärischen und originellen Setting, verschenkt aber vieles bei den eher kühlen Figuren und beim oft einbrechenden Spannungsbogen. Für Leser düsterer Fantasy-Romane mit frischen Ideen und einer ganz eigenen Stimmung aber einen Blick wert. 3 Punkte. 

Meine Empfehlung für Leser opulenter Urban Fantasy ohne Romantik, die vor allem auf Atmosphäre und Ideen setzt.



[Statistik] Monatsrückblick August

Da war ich im August schon im Urlaub, und trotzdem habe ich weniger geschafft als im Monat zuvor. Ich war einfach zu viel auf Achse, um zum Lesen zu kommen, weswegen die Anzahl der Bücher leider wieder leicht gesunken ist - und auch im Kino war ich nicht. Letzteres wird sich nun im September aber auf jeden Fall ändern und wer weiß, vielleicht finde ich zwischendurch sogar Zeit für die ein oder andere Lektüre...

#Gelesen im August: 6 Bücher

33855577https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Dionne_KDie_Moortochter_178362.jpg358190883486638735681252Bildergebnis für das haus der gebrochenen schwingen

1. Heartware von Jenny-Mai Nuyen[4*]
2. Die Moortochter von Karen Dionne [gute 3*]
3. Kieselsommer von Anika Beer [sehr knappe 2*] 
4. Die gute Tochter von Karin Slaughter [4,5*] - Rezension folgt
5. Amrita von Aditi Khorana [knappe 2,5*] - Rezension folgt
6. Das Haus der gebrochenen Schwingen von Aliette de Bodard [3*] - Rezension folgt
 
Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 416
Gelesene Seiten: 2497
Gelesene Seiten pro Tag: 80
Durchschnittsbewertung: 3,16*

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Neuzugänge: 8
Abgelesen: 6
Neuer SuB-Stand April: 73


# Gesuchtet im August: 3 Serien

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1. Penny Dreadful: Staffel 3, Folgen 1-3 [gute 4*] - Rezension folgt 
1. Defenders: Staffel 1 [sehr gute 4*] - Rezension folgt
1. Der Nebel: Staffel 1, Folgen 1-6 [bisher 2,5*] - Rezension folgt  

Nach der unfassbar guten Durchschnittsbewertung von 3,9* letzten Monat war eine Enttäuschung natürlich vorprogrammiert - und tatsächlich habe ich zwar mit zwei guten, zwei mittelmäßigen und zwei schlechten Büchern eine Mischung gehabt, 3,16* sind aber trotzdem nicht wirklich toll. Großartig war definitiv Karin Slaughters neuer Thriller "Die gute Tochter", den ich jedem Fan des Genres nur empfehlen kann. Besonders enttäuscht haben mich dagegen "Kieselsommer" von Anika Beer mit den unausstehlichen Charakteren und Aditi Khoranas origineller, aber sehr gehetzter Fantasy-Roman "Amrita".

Nachdem ich die Serien im Juli habe schleifen lassen, ging es im August nun wieder ein bisschen voran. Durchgeschaut habe ich jedoch nur die "Defenders" - die mir nach "Iron Fist" und "Luke Cage" zum Glück wieder gut gefallen haben. "Der Nebel" ist eine ziemliche Trash-Serie (warum nur gibt es in Stephen King-Adaptionen grundsätzliche nur nervtötende Charaktere?) und "Penny Dreadful" bleibt weiter spannend, aber der Erzählstrang von Dorian Gray und Lily stört mich einfach total.

Die Filme, die Ende August angelaufen sind, werde ich nun im September anschauen. Ein bis zwei sind auf jeden Fall fest geplant. Eventuell wird es auch der ein oder andere spontan - genug Auswahl gibt es jedenfalls.

The CircleMeine Cousine RachelImmer noch eine unbequeme Wahrheit - Unsere Zeit läuftLogan Luckymother!Stephen Kings EsThe Book of HenryKingsman 2 - The Golden CircleSchloss aus GlasVictoria & Abdul

Will ich auf jeden Fall sehen: Ich bin zwar mittlerweile kein großer Fan mehr von Jennifer Lawrence, "mother!" sieht aber dennoch mysteriös-schaurig und damit sehr interessant aus. "The Book of Henry" behandelt ein schwieriges Thema und Jacob Tremblay finde ich sowieso schon seit "Raum" zuckersüß. Und "Immer noch eine unbequeme Wahrheit" ist einfach zu wichtig, um ignoriert zu werden.
Will ich vielleicht sehen: "ES" soll richtig gut sein, aber auch noch gruseliger als das Original - ob ich das aushalte, ist fraglich. "Schloss aus Glas" hat ein großartiges Cast aufzuweisen, reicht allerdings vielleicht auch auf DVD. "The Circle" dann hat zwar Emma Watson und Tom Hanks vorzuweisen, soll aber leider gar nicht mal so gut sein.
Will ich auf keinen Fall sehen: Keiner der Filme schreckt mich total ab - der Rest würde es jedoch wenn bei Streaming-Diensten oder als DVD.

Seid ihr zufrieden mit eurem August?

[Buchrezension] Die gute Tochter - Karin Slaughter

Sie packte eine Handvoll Erde, dann noch eine, und machte immer weiter, bis sie ihren Bauchmuskeln eine letzte Anstrengung abverlangen und sich hochstemmen konnte.
Der plötzliche Schwall frischer Luft brachte Sam zum Würgen. Sie spuckte Blut und Erde aus. Ihr Haar war verfilzt. Sie betastete ihren Kopf. Ihr kleiner Finger glitt in ein winziges Loch. Der Knochen fühlte sich glatt an innerhalb der kreisrunden Öffnung. Dort war die Kugel eingedrungen. Sie hatten ihr in den Kopf geschossen.
Sie hatten ihr in den Kopf geschossen.

Bildergebnis für die gute tochter harperINHALT
28 Jahre ist es her, dass zwei Männer in der Küche von Familie Quinn standen, Mutter Gamma töteten und den Töchtern unaussprechliche Dinge antaten. Die ältere Schwester, Sam, flehte die junge Charlotte an zu fliehen - und das tat sie. Seitdem plagen sie Schuldgefühle, und wirklich aufgehört wegzulaufen hat sie nie. All die Schrecken ihrer Vergangenheit kommen wieder hoch, als sie zufällig die Erste am Schauplatz eines Amoklaufs ist. Täter und Waffe sind schnell identifiziert, aber es ist alles nicht so einfach, wie es den Anschein hat. Und so macht sich Charlie auf die Suche nach der Wahrheit, was es auch kostet.

MEINE MEINUNG
Karin Slaughter ist sicherlich eine der bekanntesten Thriller-Autorinnen und doch ist ihr neuester Roman erst der zweite, den ich von ihr lese. In diesem Genre mag ich lieber Einzelbände - und genau solch einer ist "Die gute Tochter". Die Geschichte lebt vom atmosphärischen, ungeschönten und dialoglastigen Schreibstil, der nie langweilt, sondern im Gegenteil so sehr fesselt, dass es schwierig ist, sich von den Seiten zu lösen. Unterteilt ist das Buch in drei Teile, die perfekt aufeinander aufbauen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die vorangestellten Prologe des ersten und zweiten Teils besser getauscht worden wären - das hätte mehr Sinn ergeben.

Charlie ist eine ziemlich unperfekte Protagonistin, die gerade dadurch Identifikationspotenzial bietet: Impulsiv und mutig bahnt sich sich als Anwältin einen Weg durch eine von Männern dominierte Welt und fällt dabei nicht nur einmal auf die Nase. Sie ist so lebendig und glaubwürdig in ihren Ängsten und Zweifeln, dass man sie schnell ins Herz schließt. Zu ihrer Schwester Sam hatte sie immer ein eher schwieriges Verhältnis, weil diese ungleich rauer ist, mehr der Mutter ähnelt und doch genauso ein Kämpferherz in sich trägt wie auch Charlie - Reibungen vorprogrammiert. Großartig fand ich die gute Seele der Familie, Lenore, deren spannendste und überraschendste Eigenschaft erst spät enthüllt wird und die ich hier nicht bereits offenbaren will. Und weil auch die Nebencharaktere so lebendig gezeichnet sind, kommt es einem bald so vor, als würde man sie alle persönlich kennen.

Obwohl es eigentlich - vergleichsweise - überraschend wenig um die Tätersuche und auch um das Gerichtsverfahren geht, kommt nie Langeweile auf. Die Autorin hat ein fast schon unheimliches Gespür für realistische, oft schmerzhaft in die Tiefe gehende Dialoge und für menschliche Schicksale, die einem die Kehle zuschnüren. Es gelingt ihr fabelhaft, die Ängste über das Grauen der Vergangenheit mit dem Amoklauf in einer Grundschule zu verbinden, ohne dass dies konstruiert wirkt. Zwar konnte ich mir die Wahrheit hinter den Morden relativ früh denken und auch das Motiv war nicht schwer zu erraten - das ist der Spannung aber kaum abträglich. Der Showdown ist eventuell ein bisschen zu dramatisch, aber das hält sich noch in Grenzen - und mit dem letzten Kapitel wird dem Leser ein sehr guter und runder Abschluss geboten, der nach all dem Schrecken endlich Hoffnung verspricht.

FAZIT 
"Die gute Tochter" ist Karin Slaughters neuester Thriller und zugleich ein Einzelband, was ich sehr begrüße. Ihre Figuren sind so gut charakterisiert, dass es begeistert, und die Geschichte packt sowohl in den emotionalen als auch den brutalen Momenten. Ein Lesevergnügen, das keine Abstriche in Sachen Tiefe und Glaubwürdigkeit macht. 4,5 Punkte. 

 

[Buchrezension] Kieselsommer - Anika Beer

Mats schüttelte sich. Er hatte keine Zeit, zu lange darüber nachzudenken. Es fiel ihm bemerkenswert schwer, seinen Körper zur Mitarbeit zu überreden. Aber wenn er jetzt nicht versuchte, ins Haus zu gelangen - wer wusste schon, wann sich die nächste Gelegenheit bieten würde? Also huschte er auf raschen Sohlen hinüber zur Veranda.
Wahrscheinlich hätte er überrascht sein sollen, als er den schmalen Spalt sah, wo die Tür nicht ganz ins Schloss geschoben worden war. Vielleicht auch erleichtert, ein zweites Mal so unverschämtes Glück zu haben. Aber nach dem Blick des Mädchens nur Sekunden zuvor gelang ihm nichts von beidem. Im Gegenteil, er war sich jetzt ganz sicher: Sie hatte ihn tatsächlich bemerkt. 
Und sie hatte die Tür für ihn offen gelassen.

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Beer_AKieselsommer_178675.jpgINHALT
Ella und Tilda sind seit drei Jahren beste Freundinnen und nun steht ihr erster gemeinsamer Urlaub an. Selten haben sich beide auf etwas so sehr gefreut wie auf diese zwei Wochen allein. Doch dann kommt alles anders: An ihrem ersten gemeinsamen Abend wünscht sich Ella, endlich ihrer großen Liebe zu begegnen - und am nächsten Tag treffen die beiden Mädchen auf Mats. Sofort besteht eine Verbindung zwischen ihm und Ella. Eine Verbindung, von der sich Tilda bald nach außen gedrängt fühlt. Das sollte doch ein Mädels-Urlaub werden? Beide Freundinnen versuchen, es einander recht zu machen, doch ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse kommen ihnen dabei immer wieder in die Quere...

MEINE MEINUNG
Anika Beers Debüt vor fünf Jahren habe ich wahnsinnig gern gelesen und seitdem ihren Werdegang zumindest verfolgt. Mit "Kieselsommer" ist nun ein sommerlicher Jugendroman erschienen, der eine Geschichte rund um Freundschaft und die erste Liebe verspricht. Genau das wird auch geboten, allerdings gänzlich anders als ich das erwartet hatte. Der Konflikt zwischen den Mädchen wird zwar im Klappentext benannt, dass sich insbesondere die eine aber so absurd daneben benehmen würde, hätte ich nicht vermutet. Da macht auch der locker-leichte Schreibstil nicht viel wett, ebenso wenig wie der stetige Wechsel der Perspektive, durch den man zwar Einblick ins das Innenleben jeder der Figuren bekommt, der sie aber auch nicht sympathischer macht.

Tilda ist durchaus noch eine Protagonistin, mit der man sich einigermaßen identifizieren kann: Sie ist fröhlich, willensstark und würde so gut wie alles für ihre Freundin tun. Dass in ihr als drittes Rad am Wagen immer mal wieder Eifersucht aufkeimt, ist zu verstehen. Nicht zu verstehen ist Ellas unmögliches Verhalten. Dadurch, dass sie früher gemobbt wurde - was nie in mehr als einem Halbsatz erwähnt wird -, ist sie sehr unsicher und schüchtern, traut sich selbst nichts zu. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, ihre beste Freundin, die ihr so sehr geholfen hat, einfach sofort links liegen zu lassen, sobald ein Kerl in ihrem Leben auftaucht. Sie heult ständig und wird unangebracht eifersüchtig in den unwahrscheinlichsten Momenten - mit diesem Mädchen konnte ich einfach gar nichts anfangen. Und auch Mats war mir nicht sonderlich sympathisch. Zwar versucht er den Freundinnen ab und zu ein wenig Freiraum zu geben, aber er drängt sich dennoch ungefragt zwischen sie und reißt alles an sich. Er scheint als charmant und witzig angelegt zu sein, kam bei mir aber nur als großspurig und selbstverliebt an.

Ich hasse Insta-Love und "Kieselsommer" ist das perfekte Beispiel dafür, warum. Ella lässt einfach, ohne nachzudenken, einen fremden Jungen in ihr Ferienhaus einsteigen, weil seine Zeichnungen sie so berührt haben - und nachdem sie sich zum ersten Mal getroffen haben, sind sie nicht mehr zu halten. Nach wenigen Seiten spricht Ella bereits davon, er sei der Eine und sie hätte immer auf ihn gewartet - wer soll denn das glauben? Natürlich verhält sich auch Tilda nicht ganz richtig, indem sie sich so intensiv gegen die Beziehung wehrt, aber es ist schließlich ihr Urlaub, nicht der von Mats und Ella. Das Verhalten der Figuren und die kitschige, nervtötende Liebesgeschichte haben mich über weite Strecken nur wütend gemacht. Natürlich entsteht aus dem Ganzen ein Lerneffekt - aber aufgrund der Kürze kommt auch dieser nicht wirklich beim Leser an, sodass ich am Ende nur enttäuscht zurückblieb. 

FAZIT 
Auf der Suche nach einer sommerlich-leichten Geschichte über Freundschaft und die erste Liebe habe ich mit "Kieselsommer" leider daneben gegriffen. Während sich die Charaktere fast ausschließlich total schlecht benehmen, kam bei mir einfach keine Freude, kein Wohlgefühl auf. Hinzu kommt ein übler Fall von "Liebe auf den ersten Blick", der auch den Rest zunichte macht. Vielleicht eher für jüngere Leser geeignet. Sehr knappe 2 Punkte. 

 

[Kurzspots] Guardians of the Galaxy Vol. 2, The False Prince, Brooklyn Nine-Nine, The Imitation Game, Okja

Ab und zu schaue ich mal einen Film. Das kommt in letzter Zeit seltener vor (wann auch, neben all den Serien?), aber es geschieht. In den letzten Monaten waren es sogar drei. Und um ein bisschen Abwechslung reinzubringen, stelle ich auch noch ein Buch und eine Serie vor.
Mit dabei heute: Eine wilde Gruppe Superhelden, ein falscher Prinz, eine wilde Truppe Polizisten, ein Nazi-Code und ein Super-Schwein.

Guardians of the Galaxy Vol. 2
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Karen Gillan
Bildergebnis für guardians of the galaxy 2 plakatNachdem sie erst vor Kurzem zum ersten Mal die Galaxie retten mussten, sind die Guardians ein eingespieltes Team. Doch es nähert sich eine neue Bedrohung, und diese hat mit Peter zu tun. Das Team wird getrennt, was sie alle in Gefahr bringt...

Drei Jahre mussten wir darauf warten, dass die Guardians wieder in Erscheinung treten und dazu gezwungen werden, die Galaxie erneut vor dem Bösen zu retten. Dieses Mal ist dieses Böse keine ominöse, unbekannte Gestalt, sondern jemand, der eine Verbindung zu Peter Quill selbst hat. Hier wurde anscheinend ein Plot Twist versucht, der leider ziemlich schnell ziemlich offensichtlich war - aber aufgrund der Motivation des Bösewichts trotzdem recht gut funktioniert hat. Eine weitere Bedrohung nähert sich mit Nebula, die sich immer noch an Gamora rächen will. Insbesondere die Beziehung zwischen den Schwestern ist total spannend anzusehen, weil sie beide so starke und trotzdem so verletzliche Frauen sind, auch wenn sie dies nicht wahrhaben wollen. Die Dynamik zwischen den Guardians zeigt sich erneut von der besten Seite - allerdings werden die Fünf zwischenzeitlich zu lange getrennt, wodurch zwar keine Längen aufkommen, die Chemie aber dennoch fehlt. Gestört hat mich, dass wieder einmal eine zuvor eher ambivalent angelegte Figur rehabilitiert wird, indem sie alles opfert - das hätte durchaus subtiler gelöst werden können. Nichtsdestotrotz einer der unterhaltsamsten Superhelden-Filme. Knappe 4 Punkte.

The False Prince
von Jennifer A. Nielsen
TheFalsePrince_largeDer Waisenjunge Sage wird eines Tages vom Edelmann Connor entdeckt und mit in sein Haus genommen. Denn Connor hat einen Plan: Er will einen Imitator des vor Jahren verschollenen Prinzen auf den Thron bringen. Und Sage ist ein Anwärter auf diesen Platz, aber er weiß, dass der Mann nichts Gutes im Schilde führen kann...

Als ich mit dem Lesen begann, wusste ich plötzlich gar nicht mehr, was mich eigentlich zum Kauf des Buches getrieben hatte - ich bin eigentlich kein Fan von Middle Grade-Büchern und auch nicht davon, wenn Figuren um eine bestimmte Position (in diesem Falle den Thron) buhlen müssen. Schnell wurde aber klar: "The False Prince" ist alles andere als Middle Grade, dafür ist es in vielen Szenen zu düster. Protagonist Sage ist aufmüpfig und dreist, aber auch gewitzt und so klug, dass es ihm immer wieder gelingt, sowohl seine Konkurrenten, als auch den Edelmann Connor auszutricksen. Die Figuren sind oft undurchschaubar und verfolgen ihre eigenen Ziele, was sie besonders spannend macht. Und im letzten Drittel weiß die Autorin mit einer so genialen Wendung zu begeistern, dass alle vorhergegangenen Geschehnisse in völlig anderem Licht erscheinen. Ob Nielsen das in den folgenden zwei Bänden noch einmal schafft, ist die Frage, Potenzial dafür gibt es aber auf jeden Fall. Gute 4 Punkte!

Brooklyn Nine-Nine
mit Andy Samberg, Melissa Fumero, Stephanie Beatriz
Brooklyn Nine-Nine PosterDetective Jake Peralta arbeitet im 99. Revier des NYPD und zeichnet sich insbesondere durch seine dreckigen Witze und albernen Späße aus. Damit reibt er sich nicht nur mit seinen Kollegen, sondern auch mit seinem Boss. In den wichtigsten Momenten zeigt sich jedoch immer, wie sehr die unterschiedlichen Detective trotzdem zusammen halten.

Ich bin kein übermäßig großer Fan von Sitcoms und habe nach "Scrubs" auch nie wieder eine beendet. "Brooklyn Nine-Nine" ist aber in seiner Albernheit und den so gut wie gar nicht aufeinander aufbauenden Episoden eine echte Abwechslung. Ab und zu eine Folge mit total blödsinnigen Gags, und gute Laune ist garantiert. Andy Semberg ist perfekt als von sich selbst eingenommener und nicht ernst zu nehmender Jake Peralta, der seine Kollegen in den Wahnsinn treibt. Stephanie Beatriz als nie eine Miene verziehende, aggressive Rosa erinnert einen auf positive Weise an Aubrey Plaza in "Parks & Recreation" und besonders unterhaltsam ist Chelsea Peretti, wenn ihre Regina jemandem mit ihrer trockenen Art mitteilt, dass es sie einfach überhaupt nicht interessiert. Die Geschichten der einzelnen Folgen wirken oft ein bisschen wild zusammengeschustert und entwickeln dadurch ihren ganz eigenen Charme. Spannung kommt durch die wenig gefährlichen Fälle eher weniger auf, aber das Zusammenspiel der Figuren macht das eindeutig wett. 4 Punkte.

The Imitation Game
mit Benedict Cumberbatch, Matthew Goode, Keira Knightley
Bildergebnis für the imitation game plakatDie Nazis scheinen den 2. Weltkrieg zu gewinnen. Ihre Nachrichten sind so gut verschlüsselt, dass kein ausländischer Geheimdienst sie versteht, und jeden Tag wird der Schlüssel geändert. Daher beschließt der Mathematiker Alan Turing, eine kryptanalytische Maschine zu bauen. Doch seine Idee wird hauptsächlich belächelt...

Dass ein Film über einen schwulen Mathematiker einmal so hochkarätig besetzt und einen Oscar gewinnen würde - das hätte Alan Turing selbst, als er lebte, wohl nicht für möglich gehalten. "The Imitation Game" ist gleichermaßen ein Stück Weltgeschichte und ein Stück Lebensgeschichte. In drei Zeitebenen wird über Alan Turings Leben berichtet: 1927, in seiner Kindheit, erlebt er einen ersten Verlust; 1938-41 baut er an der Maschine, mit der der 2. Weltkrieg gewonnen werden soll; und 1951 wird er von der Polizei verdächtigt, ein Spion zu sein. Diese verschiedenen Stränge werden überraschend gut miteinander verwoben, aber richtig erreichen konnte mich insbesondere der letzte oftmals nicht und ich kann nicht genau sagen, warum. Vielleicht, weil mir dieser aus zu vielen sich im Kreis drehenden Dialogen mit dem Polizisten bestand. Der Cast aber ist großartig und Benedict Cumberbatch stellt den arroganten, vor allem aber gebrochenen und sich in die Mathematik flüchtenden Alan glaubwürdig und mitreißend dar, so wie auch Keira Knightley, Matthew Goode und Mark Strong den Film bereichern. Das Ende ist natürlich bekannt, dadurch aber nicht weniger erschreckend - auch wenn ich nicht sicher bin, wie nah besonders der letzte Dialog an der Wahrheit ist. Ein wichtiger Film, für den man sich aber Zeit nehmen muss. Gute 3,5 Punkte.

Okja
mit Ahn Seo-hyeon, Tilda Swinton, Paul Dano
Bildergebnis für okja plakatDie Mirando Corporation will die Fleischgewinnung erhöhen und setzt daher auf in ihren Laboren auf Genmanipulation. Um die Zweifel der Bevölkerung zu zerstreuen, vermarkten sie die Tiere als Züchtungen und starten einen Wettbewerb um ihre Superschweine, von denen 26 Stück bei 26 verschiedenen Bauern auf allen Kontinenten aufwachsen. Eines dieser Schweine ist Okja, die in Südkorea bei Mija und ihrem Großvater lebt. Als sie zur Gewinnerin gekührt und nach Amerika mitgenommen wird, kann Mija das nicht akzeptieren und macht sich auf die Suche. Dabei begegnet sie nicht nur Aktivisten, die auf ihrer Seite stehen, sondern auch den gierigen Unternehmensvertretern.

"Okja" wurde in Cannes ausgebuht, an der Qualität des hochkarätig besetzten Netflix-Streifens hat das jedoch nicht gelegen. Denn auch wenn eine Geschichte über ein Super-Schwein, das wie eine Mischung aus Schwein, Nilpferd und Hund aussieht, erst einmal komisch anmutet, funktioniert sie doch erstaulich gut. Zu Beginn, als Okja noch mit der jungen Mija in Südkorea lebt, ist das Ganze etwas langatmig, auch wenn das Tier schon zu diesem Zeitpunkt toll animiert ist - sodass es nicht lange dauert, bis man sich selbst eine Okja wünscht. An Fahrt nimmt der Film auf, als das Schwein als Gewinner des Wettbewerbs ausgerufen und mitgenommen wird - um es zu schlachten. Genauso wie es für uns unvorstellbar ist, unsere Katzen und Hunde zu essen, ist auch Mija entsetzt von dem Gedanken und macht sich auf zur Rettung ihrer Freundin. Dabei begegnet sie nicht nur einer Gruppe Aktivisten, die unter anderem aus Paul Dano und Steven Yeun besteht, sondern auch dem durchgedrehten Tierforscher Wilcox (ganz anders: Jake Gyllenhaal) und der rücksichtslosen Lucy Mirando, wie immer fabelhaft gespielt von der wandelbaren Tilda Swinton. Die junge Ahn Seo-hyeon als mutige, verzweifelte und absolut liebenswerte Mija ist jedoch definitiv das Herzstück des Films, ebenso wie die ungeschönten Bilder der Fleischgewinnung. Es würde mich nicht wundern, würden einige der Zuschauer hinterher zu Vegetariern, was ich absolut nicht als negativ empfinde. Mich jedenfalls hat der Film sehr berührt - 4,5 Punkte dafür.

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[Beutezug] Neuzugänge Januar - Juli 2017

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