Back Down to Earth

[Buchrezension] Murder Park - Jonas Winner

"Wir haben auch Erkenntnisse über Verätzungen am Kopf, am Gesicht, innerhalb der Mundhöhle..."
Paul setzte die Brille wieder auf. Sein Blick tastete sich zum neuen Bild auf der Anzeigetafel. Er fühlte, wie sich sein Bauch nach innen wölbte.
"...wichtig gewesen zu sein, dass die Opfer noch lebten, deshalb das Adrenalin", fuhr die Frau fort. "Zugleich aber hatte er es offenbar darauf abgesehen, seine Opfer sozusagen dicht an die Grenze zum Tod heranführen. Zum einen mit den Verätzungen und Injektionen, zum anderen aber auch, indem er Flüssigkeiten aus Tierkadavern entnommen und ihnen verabreicht hat. Und dies offenbar aus keinem anderen Grund, als um sie...in gewisser Weise krank zu machen."

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Winner_JMurder_Park_176532.jpgINHALT
Vor 20 Jahren sind im Vergnügungspark Zodiac Island drei junge, alleinerziehende Mütter getötet worden. Als Mörder wurde Jeff Bohner verhaftet und hingerichtet. Nun soll aus der Insel der Murder Park werden - voller Ausstellungsstücke früherer Serienkiller und verbunden mit einem Spiel rund um den mörderischen Nervenkitzel. Der Blogger Paul Greenblatt ist als einer von zwölf Pressevertretern zur ersten Runde des Spiels eingeladen. Doch als bereits nach kurzer Zeit Menschen zu sterben beginnen, scheint es sich in tödlichen Ernst zu verwandeln...

MEINE MEINUNG
Jonas Winners letzten Roman, "Die Zelle", habe ich als intensiven, verstörenden und spannenden Thriller empfunden, der mich lange nicht losgelassen hat. "Murder Park" war dementsprechend natürlich ein Muss - und Geschichten, in denen nach und nach die Anzahl der Personen dezimiert wird, bergen oftmals ein besonderes Spannungspotenzial. Was allerdings nicht aus dem Klappentext hervorgeht, ist, dass der Murder Park sozusagen als Partnerbörse fungieren soll und der gesamte Inhalt daher sehr stark sexualisiert ist - so stark, dass es mir schon bald auf die Nerven ging. Was im letzten Roman noch eine Funktion hatte, wirkt hier nur noch wie ein Mittel zum Zweck.

Paul Greenblatt ist leider außerdem kein besonders sympathischer Protagonist. Er hat eine schwerwiegende Vergangenheit, die ihn verständlicherweise nicht loslässt, dennoch benimmt er sich anderen Personen gegenüber aber sehr seltsam. Gerade bei den Erlebnissen seiner Kindheit ist es verstörend, wie versessen er auf jede Intimität ist und in welch absurden Situationen er an Sex denkt. Die anderen Figuren besitzen dafür allerdings so gut wie gar keine Persönlichkeit und erscheinen regelrecht austauschbar. Es kam nicht selten vor, dass ich nicht mehr wusste, wer nun wer ist und welche Aufgabe wer übernimmt. Die Frauen scheinen sowieso mehr zum Zwecke der sexuellen Erregung dabei zu sein (und sie bieten sich auch bereitwillig an), die Männer sind dafür fast alle extrem aggressiv, was sehr eindimensional wirkt.

Nachdem der Roman relativ langsam beginnt und erst einmal die Ausgangssituation schafft, nimmt er nach circa 100 Seiten stark an Fahrt auf. Die Charaktere sterben wie die Fliegen, wobei allerdings weniger eine bedrohliche Atmosphäre geschaffen als eher ein Gefühl des Ekels hervorgerufen wird. Interessant sind die zwischengeschobenen Interviews mit jeder der Figuren, wobei es mir jedoch sehr unglaubwürdig erschien, wie bereitwillig diese ihre intimsten Geheimnisse offen legen - insbesondere auch hier wieder, was ihr Sexualleben angeht.  Zum Ende hin ergeben einige vorherigen Details im Zuge der Auflösung durchaus Sinn, das Motiv des wahren Mörders auf der Insel ist aber eher an den Haaren herbeigezogen, da er sich durch seine Taten nur selbst in Gefahr bringt. Der Schluss ging mir viel zu schnell und hatte auch weniger mit Ermittlung und Hinweisen zu tun, als viel mehr mit Zufällen, sodass das Ganze nie wirklich realistisch wirkt.

FAZIT
Wo der letzte Roman von Jonas Winner mich fesseln und schockieren konnte, hat mich "Murder Park" leider ziemlich enttäuscht. Die Geschichte ist viel zu stark und unnötig sexualisiert, und die Entwicklungen sind eher unrealistisch. Besonders zum Ende hin wurde es mir leider deutlich zu abstrus. Eher nicht mein Buch. 2 Punkte.

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Winner_JMurder_Park_176532.jpg
Titel: Murder Park
Originaltitel: -
Reihe: Nein
Autor: Jonas Winner
Übersetzer: -
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-42176-9

[Mein Ärger über] Netflix (und warum ich mein Abo gekündigt habe)


Bildergebnis für netflix

Es war einmal...

...ein Netflix, das als sicherer Hafen angesehen wurde, das sich vom herkömmlichen Fernsehen abhob, sogar alte und noch immer geliebte Serien zurückholte (auch wenn das meiner Meinung nach bei den "Gilmore Girls" ein ziemlicher Schuss in den Ofen war).

...ein Netflix, das sich nicht nur um Zahlen zu kümmern schien, sondern auch um die Konsumenten.

...ein Netflix, dessen Originals vor Originalität und Diversität nur so strotzten.

Und jetzt will Netflix "mehr Experimente wagen", aber auch "mehr absetzen". Den Anfang machte das Portal letztes Jahr mit "Marco Polo" nach zwei Staffeln. Dieses Jahr legte es mit "The Get Down" und "Sense8" nach und besonders letzteres lässt mich nicht nur ratlos, sondern auch wütend zurück.

Bildergebnis für sense8 season 2Mit Sicherheit hatte "Sense8" so seine Schwächen (zu langsames Storytelling, durchaus zu viel Sex) und vielleicht kamen die Zuschauerzahlen auch nicht an die Erwartungen heran. Bei der geringen Promotion, die die Serie im Gegensatz zu anderen Originals erfahren hat, aber auch kaum ein Wunder. Immerhin wird sie weltweit geschaut - nicht nur, weil auf allen Kontinenten gedreht wurde.

"Sense8" ist das momentan Diverseste, was in Film und Serie zu finden ist mit Charakteren jeglicher Hautfarbe und sexuellen Ausrichtung, die ein utopisch angehauchtes Bild von Akzeptanz und Solidarität zeigen, aber auch der Dunkelheit begegnen. Transgender oder Homosexuelle können sich mit den Geschehnissen ebenso identifizieren wie Heterosexuelle. Sobald man sich auf die Handlung und diese wunderschöne Idee von acht miteinander verbundenen Menschen eingelassen hat, lässt sie einen nicht mehr los.

Und gerade diese Serie, deren 2. Staffel mit einem üblen Cliffhanger endet, der so vielversprechend ist, wurde nun - ausgerechnet im Pride Month Juni! - abgesetzt. Ohne den Fans einen Abschluss zu gönnen, wenigstens eine letzte Folge. Und, noch schlimmer, ohne den Machern selbst diese mögliche Entscheidung vorher zu kommunizieren und so eine Verdichtung der Handlung zu ermöglichen, womit das Ganze noch hätte abgeschlossen werden können.

Über 500.000 Menschen haben die größte Petition für ein Renewal der Serie unterzeichnet, und viele (auch ich) machen fast täglich ihrem Unmut über die Absetzung Luft - über Twitter oder Facebook, unter beinahe jedem Post sind Kommentare zu "Sense 8" zu finden. Die Fangemeinde ist riesig und sie kämpft.


Mehr als ein offizielles "Wir wollten ja, aber es ist nicht möglich" bekommen sie allerdings nicht zu hören. Auch ein Abschlussfilm steht wohl nicht zur Debatte, Netflix scheint auf eine Wiedergutmachung keinen Wert zu legen. Sieht so Kundenorientiertheit aus?

Netflix spielt hier ganz offen mit seinen Zuschauern und geht nicht auf die Wünsche ein. Natürlich muss das Unternehmen wirtschaftlich denken, keine Frage, und 100 Millionen Dollar für eine Staffel sind eine ganze Menge Geld. Denjenigen, die ihre Zeit und auch ihre Gefühle investiert haben, allerdings kein Ende zu bieten, egal, ob es eventuell noch einmal Verlust eingefahren hätte, könnte so auf lange Sicht aber noch mehr Probleme mit sich bringen: Die Verärgerung der Kunden nämlich und damit die Abwanderung.


So wie auch ich abgewandert bin. Zum 26.06.2017 ist mein Abo offiziell gekündigt, danach erhält Netflix keinen Cent mehr von mir. Ob diese fehlenden 10€ ihnen weh tun werden? Wahrscheinlich nicht. Aber mir selbst gibt es ein gutes Gefühl, ein Zeichen gesetzt zu haben. Das Geld stecke ich lieber in Amazon, das bisher noch keine Serien abgesägt hat.

Was haltet ihr von den neuen Praktiken von Netflix?

[Filmrezension] Wonder Woman

"Wie kann eine Frau denn in so etwas kämpfen?" - "Kämpfen? Wir wenden unsere Gesetze an. Obgleich ich nicht abgeneigt bin, ein paar Fausthiebe auszuteilen, wenn sich die Gelegenheit bietet."

Mein letzter KinobesuchSTORY
Vor Hunderten oder Tausenden von Jahren wurden die Amazonen geschaffen, um die Menschheit, Schöpfung des Gottes Zeus, vor dessen Sohn Ares zu beschützen. Lange Zeit ist nichts geschehen, wofür sie hätten kämpfen müssen. Doch dann landet eines Tages der englische Soldat Steve Trevor auf ihrer geheimen Insel und mit ihm Dutzende Deutsche, die besiegt werden müssen. So erfahren die Frauen vom Weltkrieg, der hinter den Grenzen ihres Reiches herrscht. Die junge Tochter der Königin, Diana, entschließt sich, mit Steve zu gehen und den Krieg zu beenden. Denn sie ist sich sicher, dass nur einer dahinter stecken kann: Ares. Und allein sie kann ihn besiegen.

MEINE MEINUNG
Obwohl ich ein großer DC-Fan bin, hat mir seit 2012 - wie so vielen anderen - kein Film des DCUs wirklich gefallen. Warner versucht in viel zu kurzer Zeit viel zu viel aufzuholen, weshalb die Endprodukte übereilt und unausgereift wirken. Mit "Wonder Woman" ändert sich zum Glück endlich alles: DC hat damit noch vor Marvel den ersten Solo-Film einer weiblichen Superheldin veröffentlicht, bei dem mit Patty Jenkins auch noch eine Frau Regie führte. Das könnte man fast als revolutionär bezeichnen. Und nicht nur das Einspielergebnis spricht für sich: Auch qualitativ ist der Film großartig.

Gal Gadot war die perfekte Wahl als Diana bzw. Wonder Woman. Sie stellt die Mischung aus naivem Idealismus und kämpferischer Entschlossenheit wunderbar sympathisch dar und wird zu einer Protagonistin, mit der man sich trotz ihrer übermenschlichen Fähigkeiten komplett identifizieren kann. Chris Pine, der einzige Chris des Superhelden-Genres, der bei DC unter Vertrag ist, ist als Steve Trevor ein liebenswürdiger, für die damalige Zeit sehr fortschrittlicher Love-Interest, der der eigentlichen Heldin niemals die Show stiehlt. Wunderbar sind aber vor allem die anderen großartigen Frauenrollen: Die gewitzte und urkomische Sekretärin Etta Candy oder auch die Amazonen von Dianas Insel, unter anderem ihre Tante Antiope oder ihre Mutter Hippolyta.

Ich mag meine Superhelden-Filme gerne düster, aber eine gewisse Portion Humor sollte ebenso wie die Logik nicht fehlen. Genau daran hat es sowohl in "Man of Steel" als auch "Batman v Superman" gekrankt und "Suicide Suqad" wurde sogar teilweise nachgedreht, um nachträglich diesem Anspruch gerecht zu werden - was den Film nur zerstückelt hat. "Wonder Woman" verbindet Ernsthaftigkeit und Witz nun von Anfang an gekonnt und zeigt mit Dianas fast schon kindlicher Neugierde eine neue Sicht auf die Dinge. Sie lernt neue Gegebenheiten, Menschen und Gräueltaten kennen, weshalb neben natürlich wirkenden Dialogen selbstverständlich auch die Kämpfe nicht zu kurz kommen. Wonder Woman ist eine Eine-Frau-Armee, was genial inszeniert wird. Die Action-Szenen sind atemberaubend choreografiert und Gal Gadot ist so badass, dass es eine wahre Freude ist. Sogar der Gegenspieler Ares ist recht interessant, wenn man ihn in voller Montur auch erst am Ende erlebt (und ich recht früh wusste, wer es ist). Zwar erzählt der Film die Geschichte der Justice League nicht weiter, gibt aber einen wunderbaren Einblick in die spannenden Anfänge von Wonder Woman. Da kann man Hoffnung haben, dass sie die "Justice League" Ende des Jahres entscheidend aufwertet. 

FAZIT 
Lange mussten wir auf einen guten DCU-Film warten und jetzt haben wir ihn tatsächlich mit dem Solofilm einer weiblichen Superheldin bekommen. "Wonder Woman" ist großartig gespielt, perfekt choreografiert und vereint Humor und Action so, wie man es sich schon von den anderen Filmen des Universums gewünscht hätte. Besonders weil Frauen hier endlich einmal ihr Schicksal in die Hand nehmen, kann ich nicht anders, als wahrhaftig ganze 5 Punkte zu vergeben. Unbedingt sehenswert! 
 


SPIELZEITEN
Wann der Film bei euch läuft, könnt ihr ganz einfach auf cinesearch.com herausfinden. Wählt eure Stadt aus, dann den gewünschten Film, und schon werden euch die Uhrzeiten für jedes Kino angezeigt.

[Buchrezension] The First Empire: Rebellion - Michael J. Sullivan

Der ausgedünnte Kreis, in dem Raithe und Malcolm gefangen waren, löste sich schlagartig auf, als die Männer jegliches Interesse an ihnen verloren. Ein Mann, der nur einen Schritt von Raithe entfernt stand, schrie auf und ging zu Boden. Danach gab es kein Halten mehr. In der sie umgebenden Dunkelheit konnte Raithe nichts sehen, aber er konnte die verstörenden Geräusche von knackenden Ästen, gefolgt von Schreien, sehr gut hören.
"Es ist, als würde der Wald sie essen", flüsterte Raithe und drängte sich an Malcolm. Dies war sein schlimmster Alptraum. Der Wald war zum Leben erwacht. Er schaute angestrengt in die Dunkelheit, die nur vom vereinzelt schillernden Mondlicht durchbrochen wurde. Was würde er als Nächstes erblicken - riesige Bäume mit blutverschmierten Mündern? Hungrige Monster? "Ich habe dir doch gesagt, die Götter haben es auf mich abgesehen."

https://www.droemer-knaur.de/fm/48/978-3-426-52033-8_Druck.jpgINHALT
Raithe ist einer der sogenannten Rhunes - ein Mensch ohne besondere Fähigkeiten, verarmt und in einem Land, in dem die Götter, die Fhrey, regieren, ohne Wert. Bis er auf der Jagd mit seinem Vater einem solchen Gott begegnet und ihn tötet. Fhrey können also sterben und die Kunde darüber verbreitet sich rasend schnell. Raithe wird als Gottestöter entweder gefürchtet oder bewundert. Doch die Fhrey wollen ein Aufbegehren der Menschheit nicht zulassen und schicken Soldaten aus. Die Rhunes sind in Gefahr, aber nicht jeder will das sehen. Nur Persephone, ehemalige Frau des Stammesführers in ihrem Clan, fasst sich ein Herz und steht für sich und andere ein. Der dunklen Bedrohung, die sich unaufhaltsam nähert, kann auch sie allein allerdings nicht trotzen...

MEINE MEINUNG
Als Fan des High Fantasy-Genres hat man von Michael J. Sullivan natürlich schon einmal gehört. "The First Empire" ist aber meine erste Reihe von ihm und ich bereue es bereits, nicht früher mit seinen Büchern begonnen zu haben. "Rebellion" ist ein Auftakt, wie man ihn sich wünscht: Beginnend als Einführung, aber schnell an Fahrt aufnehmend, fesselt er mit der in vielen Aspekten originellen Geschichte und dem einnehmenden Schreibstil. Mir sind ein bisschen Wortwitz und pfeilschnelle Oneliner in Fantasy-Romanen wichtig, damit die sonst oft düstere Stimmung etwas aufgelockert wird, und genau das findet sich hier. Unterhaltsame Stunden sind damit garantiert.

Raithe ist die erste Hauptfigur, die man kennen lernt, und seine ruhige, meistens sehr bedachte Art macht ihn direkt sympathisch. Er ist kein Freund vieler Worte und lässt eher Taten sprechen. Er ist ein guter Kämpfer, aber lange nicht der Beste, wodurch er nicht zu perfekt wird. Sein baldiger Weggefährte Malcolm ist sein ziemliches Gegenteil: Eine Plaudertasche, die Wert aufs Aussehen legt und immer einen Spruch auf den Lippen hat. Ebenso oft wie Raithe kommen aber auch die beiden Protagonistinnen Persephone und Arion zu Wort. Erstere war einmal Frau des Clanführers und muss sich nun damit arrangieren, nicht mehr für ihren Stamm entscheiden zu können - besonders jetzt, wo ein Idiot auf dem Stuhl des Herrschers sitzt. Sie ist gewitzt und überaus mutig, kick-ass, ohne je zu kämpfen. Arion dagegen ist eine Fhrey, eine, die die sogenannte Kunst (also Magie) beherrscht und damit sehr gefährlich ist. Genau wie alle anderen Fhrey ist sie arrogant und hält sich für etwas Besseres. Natürlich ist klar, welche Rolle sie spielen wird, aber auch, wenn ihre Wandlung etwas schnell geht, begleitet man sie dennoch gern. Es gibt einige mehr oder minder gut ausgearbeite Gegenspieler, das richtig Böse werden wir aber wohl erst im nächsten Band kennen lernen.

Natürlich ist einem die Geschichte zum Teil bekannt: Wie immer zu Beginn einer High Fantasy-Reihe gibt es verschiedene Handlungsstränge verschiedener Protagonisten, die langsam ineinander verwoben werden. Zum Glück sind die einzelnen Geschichten so interessant, dass das nicht weiter stört, und die Begegnungen werden auch nicht bis zur letzten Seite hinausgezögert. Sullivans Welt, in der ein Krieg vor Jahrhunderten vieles verändert hat und in der gottgleiche Wesen über alles herrschen, ist gut zu verstehen. Der grundlegende Aufbau ist nicht neu, dafür aber detailreich und überzeugend umgesetzt. Zwischendurch gibt es immer wieder fesselnde Kämpfe, aber auch die Dialoge wissen zu begeistern - schon allein, weil sich Männer und Frauen in vielem ebenbürtig sind und es daher zu tollen Gesprächen kommt. Der Schluss wartet mit dem ersten großen Kampf der Reihe auf, der allerdings nur der Grundstein für das noch Folgende ist. Den Fortgang der Geschichte kann ich jedenfalls kaum erwarten.

FAZIT 
Michael J. Sullivans neueste Reihe um das "First Empire" bedient sich bekannten Elementen - es gibt schließlich nur so viele Möglichkeiten in der High Fantasy -, verwebt diese aber mit vielen eigenen und vor allem spannenden Ideen. Besonders begeistern aber die großartig ausgearbeiteten Figuren, bei denen auch viele starke Frauen dabei sind. Ich freue mich nach der "Rebellion" auf das "Zeitenfeuer" im März nächsten Jahres. Sehr gute 4 Punkte.
 

Bildergebnis für age of myth sullivan Titel: Rebellion
Originaltitel: Age of Myth
Reihe: The First Empire
Autor: Michael J. Sullivan
Übersetzer: Marcel Aubron-Bülles
Verlag: Droemer Knaur
Seitenzahl: 528 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-52033-8

{Statistik] Monatsrückblick Mai

Was für ein - für meine bescheidenen Verhältnisse - episch erfolgreicher Monat! Fünf gelesene Bücher und davon auch noch drei gute. Dafür habe ich wieder nicht wirklich viel gebloggt, was schade ist. Aber wie in der BILD herrscht auch bei mir bereits das Sommerloch. Sehr wahrscheinlich wird es die Tage aber noch einen Ärger-Post geben, weil ERNEUT meine Lieblingsserie abgesetzt wurde.
 
# Gelesen im Mai: 5 Bücher

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1. Die Legenden von Astray: Tote Helden von Michael Peinkofer [3*]
2. Vier Farben der Magie von V.E. Schwab [3*]
3. Magonia von Stephanie Garber [knappe 3,5*]
3. Anything for Love von Stephanie Garber [gute 4*]
3. The First Empire: Rebellion von Michael J. Sullivan [sehr gute 4*] 

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 478
Gelesene Seiten: 2392
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 77
Durchschnittsbewertung: 3,5*
--
Neuzugänge: 3
Abgelesen: 5
Neuer SuB-Stand April: 73

# Geschaut im Mai: 2 Serien

Bildergebnis für sense 8 staffel 2Bildergebnis für the mentalist plakat 

1. Sense8: Staffel 2 [5*] - Rezension folgt eventuell
2. The Mentalist: 6 & 7 [knappe 4*] - Kurzspot folgt 

Die letzten beiden Bücher des Monats waren tolle Werke, die mich ziemlich begeistern konnten (auch wenn noch Luft nach oben war). Insbesondere bei "The First Empire" freue ich mich schon auf Band 2. "Vier Farben der Magie" hat mich entgegen meiner Erwartungen leider nicht so mitreißen können wie gedacht.

Anfang des Monats wurde auf Netflix endlich, nach langen Monaten des Wartens, die 2. Staffel von "Sense8" veröffentlicht, die genial ist und die ich direkt durchgesuchtet habe. Die Diversität, die Komplexität, die unterschiedlichen Figuren und diese Bilder sind einfach herrlich. Leider hat sich Netflix, für mich völlig unverständlich, gegen eine Verlängerung entschieden - grade jetzt, wo alle Figuren an einem Ort sind. Ich bin unfassbar wütend und überlege ganz ernsthaft, meinen Account zu canceln, weil man uns Fans nicht einmal einen Abschluss geben konnte.

Im Juni werde ich mich nun also eher auf die Kinofilme und Bücher konzentrieren. So vieles, das mich umhaut, läuft leider gar nicht, aber zeitlich muss ich ja schließlich auch schauen, was ich überhaupt schaffe.

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"Wenn du stirbst..." habe ich damals gelesen und ich war ziemlich gelangweilt. Ich bin nicht sicher, ob das in der Filmversion nun besser werden kann, vor allem, weil man die Geschichte ja durchaus kennt, aber man könnte es ja ausprobieren.  "Die Mumie" werde ich schon allein wegen Tom Cruise nicht gucken, aber die neue Darstellerin sieht immerhin ganz cool aus. "Wonder Woman" wird ganz klar ein Muss - eventuell der erste gute DC-Film seit "The Dark Knight Rises"? und "Die Verführten" ist ein Coppola-Film, also kann er ja eigentlich nur gut sein.

Wie habt ihr den Mai verbracht?

[Buchrezension] Anything for Love - Sarah Dessen

"Wenn du ihn nicht besuchen gehen willst, dann lass es bleiben", sagte sie. "Sag deiner Mutter einfach, du bist noch nicht so weit."
"Ich weiß nicht, ob ich das jemals sein werde. Ich habe meinen Bruder immer geliebt, weißt du", sagte ich. "Aber im Moment hasse ich ihn richtig."
Irgendwo auf dem Schulhof lachte jemand. Zwei Mädchen in Hockeytrikots schlenderten an uns vorbei, die eine hatte ihr Telefon am Ohr, die andere wickelte einen Kaugummi aus. Glückliche, normale Menschen, die ein glückliches, normales Leben führten in einer Welt, die alles andere war als glücklich und normal. Hatte man dies einmal begriffen, hatte man einmal etwas erlebt, das einem das klarmachte, konnte man es nicht mehr vergessen. Wie ein Gesicht. Oder einen Namen. Und egal, wie man zu dieser Erkenntnis gelangt: Ist sie einem erstmal bewusst, dann wird man sie nie wieder los.

Coverbild Anything for Love von Sarah Dessen, ISBN-978-3-423-71722-9INHALT
Sydney stand schon immer im Schatten ihres Bruders: In der Kindheit aufgrund seiner einnehmenden Art, mit der er jeden um den Finger wickeln konnte. Und in der Jugend, als seine Probleme und Vergehen immer mehr in den Vordergrund rückten - bis er schließlich betrunken einen Jungen anfuhr und dafür ins Gefängnis musste. Jetzt ist zwar nur noch Sydney ihren Eltern geblieben, aber trotzdem dreht sich alles nur um ihren Bruder und sie fühlt sich mehr und mehr wie unsichtbar. Bis sie nach dem ersten Tag an der neuen Schule eine Pizzeria betritt und dort auf Layla und Mac trifft, die sie fast sofort in ihre Gruppe aufnehmen. Layla wird schnell zu ihrer engsten Vertrauten. Und Mac scheint sie als Erster wirklich zu sehen. Doch im Hintergrund brodeln die Probleme und Sydney ist sich nicht sicher, ob sie ihr neues Leben mit dem alten vereinbaren kann...

MEINE MEINUNG
Sarah Dessen ist ein Garant für Bücher zum Wohlfühlen, zum Eintauchen in eine wunderbare Liebesgeschichte, gespickt mit ein bisschen Drama, aber vor allem ganz viel Realismus. Genau so verhält es sich auch mit "Anything for Love", dessen Originaltitel "Saint Anything" allerdings einen deutlich besseren Bezug zum Inhalt herstellt. Wie immer ist der Schreibstil ruhig und ganz und gar unaufgeregt - trotzdem schafft er jedoch eine Atmosphäre, die einen sehr schnell an die Seiten fesselt. Die übliche Ich-Perspektive wird auch hier eingesetzt und verschafft einem einen perfekten Einblick in die Gedankenwelt der Protagonistin.

Man kann Sydneys Gefühle und ihren Wunsch, es allen Recht zu machen, durchaus nachvollziehen. Sie steht klar an zweiter Stelle und zeigt dafür im Anbetracht der Lage auch Verständnis - wenn auch etwas zu viel. Oft schluckt sie ihren Ärger nur hinunter und bleibt weiter passiv, tut selbst kaum etwas, um ihrem Glück näher zu kommen. Dass sie immer wieder einsteckt und nicht einmal wirklich der Auslöser für die Veränderungen zum Ende hin ist, ist manchmal doch schwer zu verstehen. Die Charakterstärke, die ihr fehlt, zeigt dagegen ihre neue Freundin Layla. Sie ist zwar etwas naiv, aber ihre quierlige, wunderbar fröhliche Art macht sie zu einer echten Sympathieträgerin. Love-Interest Mac ist, wie immer in den Büchern der Autorin und dennoch absolut erfrischend bei den vielen Bad Boys, ein ganz normaler Kerl. Er sieht gut aus, ja, aber er ist auch höflich, zärtlich und vor allem immer auf das Wohl anderer bedacht. Er ist allerdings schon etwas zu langweilig geraten, was auch daran liegen mag, dass er über die erste Hälfte des Buches relativ wenig sagt.

Besonders schön an Dessens neuestem Roman ist, wie stark die Freundschaft im Vordergrund steht. Zwar entwickelt Sidney im Laufe der ersten 200 Seiten zarte Gefühle für Mac, aber erst nach über der Hälfte nimmt die Romanze Fahrt auf. Bis dahin haben die Figuren die Chance, eine eigene Dynamik untereinander zu entwickeln, was perfekt gelingt. Besonders Lylas ganz unterschiedliche Freunde bilden eine geniale Truppe, die oft zum Lachen bringt. Der Handlungsstrang rund um Sydneys übervorsichtige Mutter, die die Schuld ihres Sohnes einfach verdrängt, wird derweil ein bisschen zu stark ausgewalzt und hätte wohl auch ein wenig gekürzt werden können. So verliert die Geschichte zwischenzeitlich ein wenig an Schwung. Nichtsdestotrotz begleitet einen durchgehend ein Gefühl von sommerlicher Leichtigkeit, das einen auch am Schluss zufrieden seufzen lässt. Für mich das ultimative Dessen-Geräusch, das zwingend auf jeden ihrer Romane folgt.

FAZIT
Man kann sagen was man will über Sarah Dessens Bücher, schreiben kann die Frau. Im Genre der Liebesromane sind Innovationen nur begrenzt möglich und so kennt man auch hier das Schema zum Teil - was aber nicht heißt, dass es langweilig wird. Der Schreibstil reißt von Beginn an mit und die Charaktere schließt man wieder einmal direkt ins Herz. Meine Sommer-Empfehlung! Gute 4 Punkte.


Originaltitel: Saint Anything
Reihe: Nein
Autor: Sarah Dessen
Übersetzer: Michaela Kolodziejcok
Verlag: dtv
Seitenzahl: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-71722-9

[Buchrezension] Magonia - Maria D. Headley

Der Kopf der Eule dreht sich einmal komplett nach hinten und dann wieder zurück, wie der Globus im Geschichtsunterricht, ein verbeultes Ding aus den Siebzigern voller Bleistiftspuren. Sie hat schwarze Flecken in weißen Haaren. Ihr Gesicht ist von Sommersprossen übersät, und ihre Haut ist blass und irgendwie silbrig.
Ihre Finger sind gelb und schuppig mit schwarzen Nägeln. An jedem steckt ein Goldring, die wiederum alle miteinander verbunden sind. Die Ringe sind an etwas anderem befestigt, unter ihren Kleidern. Ich kann Ketten entlang ihrer Arme sehen.
Eine Art Geschirr? Ist sie eine Gefangene?
Bin ich eine Gefangene?
In welchem Land? Im Himmel? Moment mal, was für ein Himmel? Ich glaube nicht an den Himmel.
"HILFE!", rufe ich wieder.

INHALT
Seit sie denken kann, bekommt die junge Aza nicht genug Luft, scheint regelrecht an der Luft zu ertrinken und niemand kann sich erklären, was sie hat. Ihre Familie und ihr bester Freund Jason versuchen ihr so gut es geht zu helfen, aber langsam scheint der Kampf verloren. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag hat Aza dann einen so schlimmen Anfall, dass sogar ein Rettungshubschrauber gerufen wird - doch es ist bereits zu spät, sie stirbt. Und erwacht kurz darauf wieder, allerdings an einem anderen Ort: Magonia. Einem Himmelreich, bewohnt von seltsamen Vogelwesen und blauhäutigen Magoniern. Aza scheint eine von ihnen zu sein, aber diese Erkenntnis ist extrem befremdlich und angsteinflößend. Trotzdem scheint sie im Kampf der Magonier um Selbstbestimmung und Freiheit eine entscheidende Rolle zu spielen...

MEINE MEINUNG
Maria D. Headleys Debüt "Magonia" ist gleichermaßen ganz besonders und altbekannt. Es ist die übliche Geschichte eines eigentlich ganz normalen Mädchens, das übermenschliche Kräfte entwickelt und damit diejenigen retten muss, die ihr lieb sind. Mit diesem Grundgerüst verwebt die Autorin aber außergewöhnliche Ideen, halb Fakt und halb Fiktion. Mit ihrer von Stilmitteln durchsetzten Schreibweise schafft Headley eine wunderbare Atmosphäre, die einen einsaugt und insbesondere auf den ersten 100 Seiten erst sehr mitgenommen wieder ausspuckt. Die meiste Zeit erzählt Aza selbst aus der Ich-Perspektive, zwischenzeitlich kommt jedoch auch ihr bester Freund Jason zu Wort.

Das erste Viertel über hat mir Aza am Besten gefallen - trotz ihrer Krankheit und der Aussicht bald sterben zu müssen, ist sie stark, gewitzt und mutig. Eine oft so nervige Blauäugigkeit besitzt sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht...entwickelt sie aber, sobald sie in Magonia ankommt. Sie beginnt sehr schnell, offensichtlich ominösen Personen zu vertrauen und agiert viele Seiten über extrem passiv. Erst zum Schluss findet sie zu alter Stärke zurück. Ihr bester Freund Jason dagegen ist durchweg ein besonderer Kerl, der sie mit seiner ebenfalls exzentrischen Art perfekt ergänzt. Er ist gutherzig und übertrieben intelligent, ohne einen damit aber zu nerven. Bei den Nebenfiguren können vor allem die Magonier mit ihrer schrillen Unterschiedlichkeit überzeugen - von helfenden Vogelmenschen über misstrauische blaue Magonier bis hin zu gruseligen Breaths ist alles dabei, was dafür sorgt, dass es nicht langweilig wird.

Ich hätte tatsächlich nichts dagegen gehabt, meine Lesezeit nur mit der kranken Aza zu verbringen, die trotz ihrer Schwäche so viel Charakter zeigt. Die 100 Seiten bis zu ihrem Eintreffen in Magonia sind tieftraurig und doch wunderschön, herzergreifend und mitreißend - sodass ich mir einige Tränen nicht verkneifen konnte. Mit dem Wechsel in den Himmel als Schauplatz und den vielen Veränderungen inklusive Azas Fähigkeiten muss man danach erst einmal klar kommen. Dass Magonier mit ihrem Gesang die Elemente beeinflussen können, dass Sturmwale mit Gewittern ihre Anwesenheit verdecken, dass Vögel zu Menschen werden, das alles ist so besonders wie auch verwirrend. Leider fand ich den Fortgang der Geschichte an einigen Stellen zu vorhersehbar, insbesondere die Motive einiger der agierenden Figuren habe ich schnell durchschaut. Zum Glück nimmt das Ganze zum Ende hin noch einmal richtig Fahrt auf, wird spannend und überraschend, ohne übertrieben zu wirken. Einiges wird gelöst, aber noch mehr bleibt offen, weswegen einer Steigerung in Band 2 nichts im Wege stehen dürfte.

FAZIT
"Magonia" hat zwar das bekannte Grundgerüst des normalen Mädchens, das unglaubliche Fähigkeiten entdeckt, kann aber mit den besonderen Details faszinieren. Zwischenzeitlich fand ich den Verlauf zu vorhersehbar, der Schluss macht dafür jedoch richtig Lust auf den Nachfolger. Knappe 3,5 Punkte.


Bildergebnis für magonia headley Titel: Magonia
Originaltitel: Magonia
Reihe: Magonia
Autor: Maria D. Headley
Übersetzer: Julia Walther
Verlag: Heyne fliegt
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-27017-6

[Buchrezension] Vier Farben der Magie - V.E. Schwab

Kell setzte die Schneide auf die Außenseite seines Unterarms. Einen Schnitt hatte er sich heute bereits zugefügt, um die Tür zu öffnen, durch die er vorher getreten war. Nun zog er die Klinge ein zweites Mal über den Arm, woraufhin rubinrotes Blut aus der Wunde quoll. Er steckte das Messer zurück in die Scheide, berührte den Schnitt mit den Fingern und erneuerte den Kreis und die Linie. Anschließend zog Kell den Ärmel über die Wunde - er würde die Schnitte behandeln, sobald er wieder zu Hause war - und warf einen letzten Blick auf den vor sich hinbrabbelnden König; erst dann legte er seine Hand auf das Zeichen an der Wand.
Ein magisches Summen erklang.
"As Tascen", sagte Kell. Durschreite.
Ein Beben durchlief die gemusterte Tapete, dann gab sie unter seiner Berührung nach. Kell machte einen Schritt und trat durch die Wand.

Vier Farben der MagieINHALT
Der junge Magier Kell kennt vier verschiedene Welten, die eines gemeinsam haben: Eine Stadt namens London. Doch jedes London ist ganz unterschiedlich. Das, aus dem er stammt, das rote, pulsiert vor Magie und Leben. Das graue London besitzt im Gegensatz dazu beinahe gar keine Magie mehr. Im weißen London herrschen Grausamkeit und Unterdrückung. Und im schwarzen London wurde alles Leben von der Magie vernichtet. Als Antari kann Kell von einer Welt in die andere springen und ist damit einer von wenigen, die die Verbindung zwischen den Städten aufrecht erhalten können. Dann fällt ihm eines Tages ein Gegenstand aus dem schwarzen London in die Hände, und ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, nimmt er ihn mit ins rote London. Und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die seinen Heimatort ins Verderben zu stürzen droht...

MEINE MEINUNG
Victoria Schwabs hochgelobte Trilogie um die vier verschiedenen magischen Londons ist mit "Vier Farben der Magie" nun auch in Deutschland angekommen. Ihre geschaffenen Welten sind besonders, keine Frage, und die Idee weiß von Anfang an zu faszinieren. Es dauert jedoch seine Zeit, bevor die eigentliche Geschichte Fahrt aufnimmt. Bis dahin ist Kell mit lauter kleinen Botengängen beschäftigt, die einem wohl die verschiedenen Londons vorstellen sollen, sich aber auch ziemlich in die Länge ziehen. Der Schreibstil ist bildlich, wirkt aber auch teilweise sehr distanziert, wenn es um die Emotionen der Figuren geht.

Kell ist abgesehen von seinen magischen Fähigkeiten kein allzu spannender Protagonist. Er ist von sich selbst überzeugt, aber oft unvorsichtig, und seine Motivation sind hauptsächlich seine Vergangenheit und sein Ziehbruder Rhy. Die junge Diebin Lila, von der er eines Tages im Grauen London bestohlen wird, besitzt da schon mehr Charakter, auch wenn ihre Handlungen nicht immer komplett nachzuvollziehen sind. Sie ist verständlicherweise neugierig auf die Welt der Magie und stößt andere Menschen, geprägt von ihrem Leben auf der Straße, oft zurück. Mit der Zeit beginnt sie aber auch teilweise sich zu öffnen. Leider hat die Autorin die Angewohnheit, die spannendsten Nebenfiguren mit großem Potenzial zu töten, sodass das Spektrum an Charakteren bald sehr ausgedünnt erscheint.

Obwohl die Geschichte an vielen Stellen außergewöhnlich ist und die neuartigen Ideen zu begeistern wissen, hat mich das Ganze doch nicht mitgenommen und ich kann nicht einmal den Finger darauf legen, was genau an der Atmosphäre das Problem war. Inhaltlich jedenfalls hatte ich mehr erwartet. Die Storyline ist, schaut man hinter den Schleier, letztendlich doch eher altbekannt und vor allem schnell durchschaut. Die Strippenzieher sind durch und durch böse, der andere, extrem undurchschaubare Antari kommt viel zu wenig vor. Die Kämpfe, die Kell und Lila bestreiten müssen, sind spannend, blutig und großartig geschrieben, aber sie täuschen nicht über die teilweise doch schwache Story hinweg. Zum Ende hin wird es allerdings dafür richtig fesselnd und einige wichtige Fragen werden beantwortet. Zwar bleiben noch einige für den Folgeband ungeklärt, dennoch scheint die Reihe fast schon episodisch aufgebaut zu sein, weil sich in Teil 2 offensichtlich ein neues Problem heraus kristallisieren muss. Wie das funktionieren kann, wird sich zeigen.

FAZIT
"Vier Farben der Magie" hat mich leider nicht so begeistert wie viele andere Leser. Irgendwie konnten mich die Figuren nicht recht mitnehmen auf ihre Reise, die originell wirkte, aber an vielen Stellen nicht wirklich überraschen konnte. Eventuell versuche ich in Band 2 noch einmal, den Zauber zu finden. 3 Punkte.

Originaltitel: A Darker Shade of Magic
Reihe: Shades of Magic
Autor: V. E. Schwab
Übersetzer: Petra Huber
Verlag: Fischer Tor
Seitenzahl: 496 Seiten
ISBN-13: 978-3-596-29632-3

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