Back Down to Earth

[Buchrezension] Caraval - Stephanie Garber

Scarlett versuchte, Julian auf sich aufmerksam zu machen, ihm zu verstehen zu geben, dass er einen Fehler machte, aber sie sah die Entschlossenheit im Gesicht des Seemanns, als er antwortete : "Es war Scarlett."
Dummer Junge. Er glaubte zweifellos, dass er Tella einen Gefallen tat, doch genau das Gegenteil war der Fall.
Der Governor ließ Julian los und streifte sich die Handschuhe ab. "Ich habe dich gewarnt", sagte er zu Scarlett. "Du weißt, was passiert, wenn du dich mir widersetzt."
"Vater, bitte, es war nur ein ganz kurzer Kuss." Scarlett versuchte, sich vor Tella zu stellen, aber eine der Wachen zog sie zurück, packte ihre Ellbogen und drückte ihr grob die Arme auf den Rücken, während sie darum kämpfte, ihre Schwester zu beschützen.

INHALT
Scarlett und ihre jüngere Schwester Donatella haben die Insel, auf der sie aufgewachsen sind, noch nie verlassen. Unter der Herrschaft ihres grausamen Vaters haben die beiden keine Rechte und kaum Grund zur Freude. Daher fiebert Scarlett ihrer Hochzeit mit einem unbekannten Grafen entgegen, um dem Ort gemeinsam mit ihrer Schwester endlich entfliehen zu können. Doch plötzlich kommt alles anders als gedacht: Als sie drei Eintrittskarten für das legendäre Spiel "Caraval" erreichen, beginnt sie zwar zu zweifeln, doch es ist Donatella, die sie beide und einen Begleiter zu dem geheimen Ort bringt, an dem das Spiel statt findet. Dort ist nichts wie es scheint und trotz ihrer Faszination verspürt Scarlett auch Angst. Als dann ihre Schwester verschwindet, scheint sich die magische Welt in etwas Böses zu verwandeln...

MEINE MEINUNG
Stephanie Garbers Debüt-Roman "Caraval" ist schon seit Wochen in aller Munde - und das zu Recht. Eine großartige Idee mit einer kleinen Portion Magie und vielen Illusionen, die sowohl der Protagonistin als auch dem Leser die Möglichkeit nehmen, zwischen Realität und Täuschung zu unterscheiden. Die Geschichte schreitet über die erste Hälfte zwar nur langsam voran, aber der ruhige, detailreiche und farbenfrohe Stil erzeugt seine ganz eigene Atmosphäre, die unaufhaltsam in die Geschichte hinein zieht.

Scarlett ist die meiste Zeit über eine sehr angenehme Protagonistin. Ihre Angst davor, jemandem zu vertrauen, ist aufgrund ihrer Familiengeschichte verständlich und ihre Vorsichtigkeit eine erfrischende Abwechslung zu sonst oft blauäugigen und naiven Hauptfiguren. Im Laufe der Handlung gewinnt sie auch an Stärke und kann einen mit der Zeit immer mehr von ihrem Mut überzeugen. Donatella ist das genaue Gegenteil ihrer Schwester: Wild und leidenschaftlich lässt sie sich kaum zähmen und riskiert alles für ihr Glück. Über weite Strecken habe ich sie als sehr egoistisch und rücksichtslos empfunden, auch wenn ihre Liebe zu Scarlett offensichtlich ist und sie meistens gute Absichten verfolgt. Die übrigen Figuren sind größtenteils undurchschaubar und man weiß nie, woran man bei ihnen ist: Der mysteriöse, grausam erscheinende Legend, dessen Ziele man nicht kennt; der charmante und arrogante Julian, der Scarlett mal wegstößt und sich mal um sie kümmert. Zwar lernt man sie auf diese Weise nicht wirklich kennen, dies hat aber auch seinen Grund, den man am Schluss erfährt.

Viele Leser erinnert der Roman an Erin Morgensterns "Nachtzirkus" und die Stimmung, sogar das Tempo, sind teilweise durchaus zu vergleichen. Garbers Geschichte hat mir jedoch deutlich besser gefallen, weil die Figuren viel mehr Identifikationspotenzial bieten. Zwar gestaltet sich das eigentliche Spiel ganz anders als erwartet, die einzelnen Hinweise lassen sich auch überraschend einfach finden - dennoch zieht diese Welt mit den vielen fabelhaften Details in den Bann. Ob Scarlett nun Apfelmost trinkt, der sie nur noch das Wichtigste in Farbe sehen lässt, oder sie sich von einem Wahrsager anhand von Tattoos ihre Zukunft vorhersagen lässt, auf jeder Seite lernt man neue skurrile Figuren kennen und erlebt weitere eigenartige Dinge.

Die sich entwickelnde Romanze habe ich persönlich so am Anfang nicht erwartet und ich war durchaus positiv überrascht. Die Gefühle hätten etwas tiefer gehen und sich auch langsamer entwickeln können, trotzdem kam die Chemie zwischen den beiden Liebenden bei mir zumindest größtenteils an. Viel wichtiger ist aber das Band zwischen den beiden Schwestern und dieses ist durchgehend spürbar. Nichts wünschen sich Scarlett und Donatella mehr, als die jeweils andere in Sicherheit zu wissen, und das ist auch die treibende Kraft hinter all ihren Taten. Zum Ende fährt die Autorin in dieser Hinsicht auch noch so einige Überraschungen auf, die einen bis zur letzten Seite in Atem halten. Da der Epilog aber neue Fragen aufwirft, ist trotz Scarletts einigermaßen abgeschlossener Geschichte Band 2 definitiv ein Muss.

FAZIT
Stephanie Garber erzählt in "Caraval" eine faszinierende, wunderbar atmosphärische Geschichte von zwei Schwestern, die alles füreinander tun würden, verwoben mit einem magischen Spiel, das immer wieder für unvorhergesehene Wendungen sorgt. Ich freue mich auf den Nachfolger, der irgendwann 2018 erscheinen soll. Sehr gute 4 Punkte!


Bildergebnis für caraval stephanie Titel: Caraval
Originaltitel: Caraval
Reihe: Caraval
Autor: Stephanie Garber
Übersetzer: Diana Bürgel
Verlag: Piper
Seitenzahl: 400 Seiten
ISBN-13: 978-3-492-70416-8

[Mein Ärger über] Gefährliche Romantisierungen in Büchern

Ich merke in letzter Zeit, dass dieses Thema immer wieder die Gemüter erhitzt. Nicht wenige ungläubige Beiträge und Kommentare habe ich in letzter Zeit dazu gelesen, was da tatsächlich so in der Erwachsenenliteratur, aber leider auch im Jugend- und YA-Bereich veröffentlicht wird. Mit überraschender und schon besorgniserregender Leichtigkeit gelingt es Autoren immer wieder, die unglaublichsten Dinge zu romantisieren. Dieser Trend geistert mir schon länger im Kopf herum und ich muss dazu jetzt einmal etwas sagen. Denn gerade dass solche Bücher trotz dieser nur allzu offensichtlichen, teilweise sogar angesprochenen, Probleme von Bloggern weiterempfohlen werden, bereitet mir mittlerweile ein wenig Sorgen.

WARNUNG!
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(mit Spoilern und viel Text)

Hey, ich bin echt verliebt in dich, aber irgendwie kann ich meine momentane Beziehung nicht beenden. Ich nehme einfach euch beide. Sind wir cool?

Es war ja schon schlimm genug, als die Dreiecksbeziehungen in  Romanen überhand nehmen und sich kein Protagonist mehr zwischen potenziellen Kandidaten entscheiden konnte, aber jetzt gehen die Autoren noch ein Stück weiter: Hauptcharaktere, die sich bereits in einer Beziehung befinden, dürfen jetzt auch fremd knutschen, so viel sie wollen, weil sie so arme schwache Dinger sind, die a) sich nicht entscheiden können b) Angst vor Liebe haben c) einfach nicht den richtigen Moment finden. Schlimm. Was hab ich Mitleid.

Das alles wäre ja noch zu verkraften, gäbe es letztendlich ein Umdenken. So was wie "Das war echt falsch von mir und du hattest das nicht verdient". Nur mal so als Idee. Aber Pustekuchen. Stattdessen wird einfach so lange gewartet, bis sich der bisherige Partner als schlechter Mensch entpuppt. Weil er beispielsweise Hunde vergiftet. Kein Scherz! Wer darauf steht, braucht nur Zwischen uns nur der Himmel von Laura Johnston lesen.

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Und auch im aktuellen Roman von Anne Freytag wird fremdgegangen. Abgesehen von der miesen Repräsentation der LGBT-Bewegung ist das ein weiterer Grund, das Buch nicht zu lesen. Herr Booknerd hat das hier sehr gut zusammen gefasst.

Was zur Hölle, ehrlich jetzt. Ich kann mir das nicht erklären. Wie kann es so hingestellt werden, als sei es vollkommen in Ordnung, fremdzugehen? Und noch wichtiger: Wie kann das nicht bei den meisten einen Wutanfall auslösen? Wie kann man das für eine romantische, schöne Liebesgeschichte halten bei solch einem Inhalt?

Du hast mich da gerade sexuell objektiviert und ich wollte das nicht. Aber du bist heiß, also kein Ding.

Aktuellstes Beispiel, natürlich: "Paper Princess" von Erin Watts. In aller Munde momentan, aber fast nur positiv besprochen. Außer auf dem Blog "Bücher verschlingen" hier.
Ich habe das Buch nicht gelesen, aber wenn ich das richtig verstanden habe, läuft es folgendermaßen ab: Ella wird in diesem Haus aufgenommen, kennt dort niemanden und wird gegen ihren Willen von den Typen sexuell belästigt, abgesehen natürlich von den sonstigen Beleidigungen und Demütigungen. Alle sind sie Arschlöcher, aber der eine verliebt sich in sie. Und im Namen der Liebe, dann haben wir das vorher auch gefälligst alles zu vergessen und das alles ganz süüüüüüß zu finden!

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Nein, einfach nein. Ob nun ein Mann eine Frau belästigt oder andersrum, ist mir gleich, es ist und bleibt falsch. Niemand hat das Recht, jemanden unsittlich zu berühren oder sexuell explizite Bemerkungen zu machen, wenn kein Einverständnis vorliegt. Niemand. Auch kein reicher Bad Boy.

Du hast mich berührt, obwohl ich es nicht wollte, obwohl ich deutlich "Nein" gesagt habe. Du hast mich gestalkt. Aber das war alles, weil du mich liebst, also verzeihe ich dir.

Ahnt jemand, von welchem Buch ich spreche? Ich werde mir wohl Feinde machen, aber es muss dringend gesagt werden: "Nächstes Jahr am selben Tag" bzw. "November 9" von Colleen Hoover ist ein gewaltiger Rückschritt für alle Frauen. In diesem Buch passiert so viel, was absolut nicht in Ordnung ist, was an sexuelle Belästigung, Stalking und sogar Rape Culture erinnnert, dass es einen schüttelt. Vor allem sagt es aus, dass eine Frau einen Mann braucht, um richtig leben zu können. Lieblingszitat: “Why would a girl care to find herself when she’ll never be able to make herself feel as good as a guy can?”

Es geht um ein Mädchen mit deutlich sichtbaren Narben im Gesicht, entstanden aufgrund eines Autounfalls. Das unter den Blicken, den Bemerkungen, ihrem miesen Selbstwertgefühl leidet. Und das vom männlichen Protagonisten Ben komplett ausgenutzt wird. Kurz nach ihrem ersten Treffen möchte er sie gern aus Neugier entkleiden, um zu sehen, ob sie auch Narben auf den Brüsten hat. Als sie sich wieder treffen, setzt er sich über ihre eigene Entscheidung hinweg, ein Kleid nicht zu tragen, indem er ihr - während sie weint - die Klamotten aus- und das Kleid anzieht. Weil er "für das Essen bezahlt und daher entscheiden kann, was er dabei anschaut". Er berührt sie, wenn sie es nicht will. Er folgt ihr zu einem Date und belästigt sie und den anderen Kerl. Als sie knutschen und sie ihm deutlich "Nein" sagt, macht er weiter und sagt ihr, sie solle noch einmal fragen. Und das alles nimmt er sich heraus, obwohl (Vorsicht, übler Spoiler, markieren zum Weiterlesen) ER DIE NARBEN VERURSACHT HAT? Obwohl er der Unfallfahrer war, der ihr Leben zerstörte?

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WAS. Zugegeben, Colleen Hoover hat zu der Szene, in der er sie trotz Weigerung mehr oder minder nötigt, eine öffentliche Entschuldigung gepostet und in kommenden amerikanischen Auflagen wird diese Szene geändert. Der Rest bleibt aber drin. Bens manipulative Art, sein dominantes Verhalten, sein Hinwegsetzen über Wünsche und Gefühle. Was ist das für ein Bild für jugendliche Leser? Dass Männer sich alles herausnehmen dürfen, dass sie einer Frau vorschreiben können, was sie zu tragen hat und dass sie ihre voyeuristische Ader ausleben dürfen, weil das neuerdings so romantisch ist? Einen (ziemlich bösen, aber auch ziemlich wahren) Rant dazu gibt es hier auf Goodreads, ebenso wie eine ebenso negative, aber freundlichere Review. Dass Blogger so etwas empfehlen können, ist mir ganz ernsthaft absolut schleierhaft.

Du kontrollierst mich, behandelst mich schlecht, willst mich besitzen. Aber bei dem Gedanken daran, dich zu einem besseren Menschen zu machen, kriege ich gleich Herzchenaugen!

Und alle Jahre der Emanzipation sind dahin. Diesen Aspekt der Romantisierung gibt es normalerweise nur im Rollenklischee Mann unterdrückt Frau. Andersrum habe ich es jedenfalls noch nie gelesen und ich will es auch genauso wenig.
Den Reiz des Verbotenen kann ich ja gerade noch verstehen, ganz ehrlich. Und dass die Protagonistinnen bei einem heißen Kerl ganz wuschig werden im Ansatz auch. Aber muss man deswegen denn das gesamte Ich, alle eigenen Wünsche und jeglichen Stolz aufgeben? Muss sich eine Frau denn so von einem Mann behandeln lassen, nur weil er sie liebt?

Christian Grey will Anastasie Steele in "Shades of Grey" besitzen. Oft wollen die Männer in Nalini Singhs Gestaltwandler-Romanen  die Protagonistinnen besitzen. Unpopular Opinion: Ein Mensch ist kein Eigentum. Ich finde es gruselig, wenn einem in einer Beziehung vorgeschrieben wird, was man zu tun und zu lassen hat. Wenn der Mann die Frau mehr oder weniger kauft und wenn er ihre eigenen Wünsche ignoriert (wie es Christian Grey tut). Oder wenn sie klipp und klar "Nein" sagt und der Mann sie trotzdem nötigt. Bei Nalini Singh gibt es keinen Zwang zum Sex oder ähnlichem, aber zum Teil eindeutige Verstöße gegen die eigene Meinung der Frauen.

Jeder Mensch darf selbstbestimmt handeln. Eine Beziehung, die von Unterdrückung und Kontrolle lebt, ist keine gesunde Beziehung. Und solchen Männern kann ganz ehrlich auch echt nicht mehr geholfen werden.

Natürlich ist es in Ordnung, sich auch einfach mal unterhalten zu lassen, abzuschalten und die problematischen Dinge auszublenden. Wer tut das nicht? Aber wir haben auch Verantwortung, wie schon im als erstes verlinkten Post steht. Ein Disclaimer wäre daher bei solchen Büchern meiner Meinung nach durchaus angebracht.

Was sagt ihr zu diesem Thema? Findet ihr diese Romantisierungen ebenso gefährlich - oder stören sie euch eher weniger?

[Buchrezension] Dark Side - Anthony O'Neill

Der Reporter mit dem unwahrscheinlichen Namen Nat U. Rally trägt einen zerknitterten Hut und eine fadenscheinige Jacke mit Flicken an den Ellbogen. Er kaut Kaugummi und macht sich mit einem Stift Notizen auf einem winzigen Schreibblock. Aber immerhin hat er genug Anstand, so zu tun, als sei er befangen.
"So ist das hier in Purgatory", sagt er. "Alles ziemlich Retro."
"Das habe ich bemerkt."
"Wir arbeiten beim Tablet immer noch mit Druckwalzen, wussten Sie das?"
"Es überrascht mich nicht mehr", sagt Justus.

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Auf der dunklen Seite des Mondes befindet sich Purgatory, eine vom Millionär und Verbrecher Fletcher Brass gegründete Kolonie. An diesem Ort tummeln sich die schlimmsten Verbrecher, denn die Gesetze der Erde gelten dort nicht. Ehrbare, vertrauenswürdige Menschen sind schwer zu finden, bis Polizist Damien Justus auf den Mond flüchtet, um seine Familie zu beschützen. Direkt nach seiner Ankunft geschieht ein Attentat und er scheint der einzige zu sein, der wirklich an der Lösung des Falles interessiert ist. Doch dass sich ihm die Behörden und Obrigkeiten in den Weg stellen, ist nicht sein einziges Problem: Hunderte Kilometer entfernt startet ein Androide einen mörderischen Feldzug und sein Ziel ist Purgatory...

MEINE MEINUNG
"Dark Side" ist, ganz wie der Titel vermuten lässt, Science Fiction der düsteren Sorte. In der Zukunft, in einem nicht näher benannten Jahr, wurde der Mond kolonisiert und ist mittlerweile bewohnt. Er ist aber auch unterteilt ins zwei Seiten: Die der erdnahen Umlaufbahn, die zum Urlaub einlädt - und die dunkle Seite, die Purgatory beherbergt. Anthony O'Neills Grundidee rund um die Erschließung des Mondes ist prinzipiell nicht neu, die vielen wissenschaftlichen und technischen Details lassen die Geschichte aber sehr real wirken. Da nie eine aktuelle Jahreszahl erwähnt und stattdessen des Öfteren auf Ereignisse aus dem 19. und 20. Jahrhundert Bezug genommen wird, muss man sich allerdings fragen, ob der Autor hier eine alternative Realität geschaffen hat, was ein wenig verwirrend ist.

Alle agierenden Figuren sind stark überzogen und verhalten sich selten gemäßigt: Der machthungrige, vor nichts zurückschreckende Herrscher Fletcher Brass; seine intrigante Tochter QT; der permanent essende und dementsprechend stark übergewichtige Chief der Polizei - sie alle besitzen schlechte Eigenschaften in so ausgeprägter Art, dass sie teilweise wie Karikaturen wirken, gleichzeitig sind sie aber auch schwer zu durchschauen. Auch Damien Justus, Protagonist und Polizist, macht da keine wirkliche Ausnahme. Er ist so rechtschaffen und über alle Korruption erhaben, dass es schon wieder unrealistisch ist. Erst zum Ende hin verliert er auch mal die Beherrschung, bis dahin hat er sich aber schon fast als Übermensch etabliert. Die vielen unterschiedlichen, fast ausnahmslos ziemlich irren Personen sind interessant, aber weil viele für ein Kapitel ausführlich eingeführt werden, um dann ziemlich plötzlich zu sterben, wirkt diese Art der Erzählung auch teilweise ziellos. Am spannendsten ist zumindest zu Anfang der durchgedrehte Androide, der, getrieben von einem gefährlichen Kodex, jeden niedermetzelt, der sich ihm in den Weg stellt. Da er als Roboter aber logischerweise keine Entwicklung durchmacht, hätte durchaus auch etwas weniger Augenmerk auf seinen Taten liegen können.

Obwohl sich die Action in Grenzen hält, wird es durch die vielen Ideen des Autors und die brutale Welt, in der sich die Figuren befinden, dennoch nur selten langweilig. Intrigen, Verrat und kriminelle Aktionen stehen auf der Tagesordnung, sind Normalität - eine Tatsache, an die man sich als Leser erst gewöhnen muss. Weil Purgatory eine Brutstätte des Bösen ist, sogar stolz mit dem eigenen Ruf wirbt, begleitet man größtenteils unausstehliche, selbstsüchtige Figuren - die allerdings, so wirkt es, zumeist dazu da sind, dem Androiden zufällig und ungewollt auf seiner Reise zu helfen (was sie nicht selten mit dem Tod bezahlen). Nachdem der Handlungsstrang um Justus' Ermittlungen und der um den mordenden Androiden beinahe die ganze Zeit getrennt voneinander verlaufen, werden sie letztendlich gut und sinnvoll, wenn auch nicht sonderlich überraschend, miteinander verbunden. Mit dem abgeschlossenen Ende wird der Roman wohl ein Einzelband bleiben, was gefällt - auch wenn der Mond sicherlich noch die ein oder andere dunkle Ecke bieten könnte, ist die Geschichte von Damien Justus doch erzählt.

FAZIT
Auch wenn die Idee selbst erst einmal konventionell erscheint, bringt Anthony O'Neill in "Dark Side" so viele böse, makabre und originelle Ideen unter, dass einem das bekannte Grundgerüst kaum noch auffällt. Die Figuren sind aber an vielen Stellen so überzeichnet, dass sie teilweise an Glaubwürdigkeit verlieren, und Überraschungen gibt es weniger als erwartet. Aufgrund der spannenden Herangehensweise an die Abgründe der Menschheit aber definitiv einen Blick wert. 3,5 Punkte!


Bildergebnis für the dark side anthony Titel: Dark Side
Originaltitel: The Dark Side
Reihe: Nein
Autor: Anthony O'Neill
Übersetzer: Susanne Gerold, Gerd Rottenecker
Verlag: cbt
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-51865-6

[Statistik] Monatsrückblick März


Es wird schon wieder schlimmer mit mir. So spät wie diesen Monat war ich mit meiner Statistik glaube ich noch nie dran, aber ich bin einfach nicht eher dazu gekommen. Irgendwie finde ich momentan keine Zeit für nichts, weswegen ich bisher auch erst ein Buch gelesen habe. "The Witcher 3" ist momentan aber auch spannender als jede Lektüre, muss ich zugeben.

# Gelesen im März: 5 Bücher

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1. The Extinction Cycle: Verpestet von Nicholas Sansbury Smith [knappe 4*]
2. Delirium von Lauren Oliver [knappe 2*]
3. Empire of Storms: Pakt der Diebe von Jon Skovron [sehr gute 4*]
4. Forever 21 von Lilly Crow [1*]
5. Sweetgirl von Travis Mulhauser [gute 3*]

Durchschnittliche Seitenzahl pro Buch: 400
Gelesene Seiten: 2000
Gelesene Seiten pro Tag: ca. 64
Durchschnittsbewertung: 2,8*
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Neuzugänge: 6
Abgelesen: 5
Neuer SuB-Stand April: 71

# Geschaut im März: 1 Serie

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1. Iron Fist: Staffel 1, Folgen 1-4 [2,5*] - Abgebrochen, Kurzspot folgt

Nachdem ich im März so begeistert von meinen gelesenen Büchern war, ist im März wieder alles vorbei gewesen. "Forever 21" war einfach ungaublich schlecht, "Delirium" leider auch nur unweit besser. Ich hoffe, im April noch mindestens ein Highlight zu lesen.

 Und da ich, wie oben bereits erwähnt, den größten Teil meiner Freizeit mit "The Witcher 3" beschäftigt war (geniales Game sage ich als Hasserin von RPGs!), habe ich im März auch nur ein wenig "Iron Fist" geschaut - und nach nicht einmal der Hälfte der Folgen auch wieder gelassen. Die ganze wenig originelle Geschichte konnte mich nicht packen, ich hasse alle Charaktere und die Iron Fist sieht nur albern aus. Die "Defenders" im August werde ich also ohne dieses Vorwissen schauen, bzw. ich lasse mich einfach von Freunden und dem Internet spoilern.

Da ich so spät dran bin und teilweise schon kaum noch differenzieren kann, was ich eigentlich im März und was im April gelesen/geschaut habe, lasse ich die Neustarts im Kino diesen Monat weg. Viel Interessantes (abgesehen von den Guardians) läuft eh nicht.

Wie war euer März?

[Serienrezension] Tote Mädchen lügen nicht


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"Einige von euch waren bemüht. Niemand war bemüht genug. Nicht mal ich selbst."

STORY
Hannah Baker hat Selbstmord begangen. Das ist eine Tatsache, die Clay Jensen noch immer nicht versteht. Er hat sie geliebt - und er kann sich nicht erklären, was sie zum Suizid getrieben hat. Dann findet er eines Tages vor der Haustür ein Paket für ihn. Der Inhalt: 7 Kassetten, besprochen von Hannah. Auf jeder Kassettenseite befindet sich ein Grund für ihren Selbstmord, insgesamt sind es 13. Und Clay ist einer von ihnen...

MEINE MEINUNG
Natürlich habe auch ich, damals, den Roman von Jay Asher gelesen, der wochenlang auf den Bestsellerlisten stand und den sogar die Mitschüler kannten, die ein Buch sonst nicht einmal schief anschauten. Aber es ist eben auch ganz schön lange her, ich habe also einiges vergessen. Prinzipiell eigneten sich die 13 Kassettenseiten natürlich großartig für eine Serie mit 13 Folgen. Eine Kassenseite = eine Folge also. Für die Verfilmung eines Buches mit 300 Seiten war dieses Ziel aber teilweise zu hoch gesteckt. So konnten mich insbesondere die ersten 4 Folgen von "Tote Mädchen lügen nicht" noch nicht wirklich mitreißen - zu viel Sendezeit wurde mit dem ewig gleichen leeren Blick von Clay, seinem anstrengenden Trotz und den Streitereien zwischen den Jugendlichen gefüllt. Das bessert sich im Laufe der Staffel, trotzdem schleichen sich immer mal wieder Längen ein, die es in der Vorlage nicht gab.

Wett gemacht werden diese vor allem durch die vielseitigen Jungschauspieler. Die bisher unbekannte Katherine Langford spielt mit intensivem Feingefühl die schöne und mutige, aber auch verletzliche und teilweise egoistische Hannah, die so viel Schmerz empfindet und doch lange nicht die Hoffnung aufgibt. Clay habe ich in der Serie als deutlich anstrengender empfunden als im Buch: Sehr weinerlich und über lange Zeit auch anstrengend passiv gibt er gerne anderen die Schuld. Erst in den letzten Folgen gelingt es ihm, mit Eigeninitiative Sympathien zu gewinnen, und diese Wandlung stellt Dylan Minette gut dar. Kate Walsh als einziges wirklich bekanntes Gesicht ist als verzweifelte, verständnislose und wütende Mutter absolut glaubwürdig. Die Mitschüler von Hannah und Clay ließen sich leider schon im Buch wunderbar in Schubladen packen und das hat sich auch in der Serie nicht geändert: Mit dem Schulschwarm, dem Stalker, der Cheerleaderin und dem Latino werden so ungefähr alle Klischees bedient. Allerdings sind die Charaktere immerhin auch recht divers - definitiv ein Pluspunkt.

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Hannah am Ende ihrer Kräfte
Sowohl Buch als auch Serie beginnen mit den schwächeren Gründen für Hannahs Suizid und steigern sich dann immer mehr, alles nimmt jedoch nach der ersten, leider nicht letzten, Rufschädigung seinen Lauf. Diese ist gewissermaßen das Anfang vom Ende, danach geht es bergab. Beide Medien zeigen eindrücklich, wie stark sich so etwas auf die Psyche eines Menschen auswirken kann - und wie schnell die Anzeichen von ernsthaften Problemen übersehen werden können. Hannah wird so oft verletzt, so oft gedemütigt, und auch wenn sie sich mit ihrer Naivität und Suche nach Aufmerksam des Öfteren selbst in solche Situationen manövriert, gibt das dennoch niemandem das Recht, sie so zu behandeln. Absichtlich schonungslos zeigt die Serie all die schrecklichen Momente, die man im Buch nur erzählt bekommt, die Kamera wird nicht züchtig weggedreht oder die Dramatik heruntergespielt. Es wird drauf gehalten, bis es unangenehm wird, weil es unangenehm ist. Mobbing geschieht - nicht immer auf so drastische Weise wie hier, aber Suizid ist und bleibt leider die zweithäufigste Todesursache unter Jugendlichen.

Genau dafür wird sensibilisiert. Es fällt schwer, Hannah in ihrem Leid zuzusehen, und es ist sowohl für die Figuren als auch für den Zuschauer ein langsamer Prozess, das alles zu verkraften. Die Veränderung zum Schlechten, die Trauer und die Einsamkeit werden insbesondere durch Farbwechsel verdeutlicht: Während die Vergangenheit in warmen, hellen Farben erstrahlt, ist in der Gegenwart alles kalt und grau. Ein Kniff, der es einem nicht nur leichter macht, die Zeitebenen voneinander zu unterscheiden, sondern auch eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Allerdings, und das finde ich schade, wurde in die 13 Folgen dann doch wieder so viel reingepresst, auch einiges, was sich nicht im Roman findet - der Rechtsstreit, Clays Alleingänge, die Verschwörung der anderen Jugendlichen -, sodass die Zeit letztendlich nicht reicht, um alles aufzulösen. Der Schluss ist für meinen Geschmack zu offen durch die vielen unbeantworteten Fragen und hebt sich damit stark von dem des Buches ab. Das schreit nach einer 2. Staffel, was sich mit dem Konzept jedoch eigentlich nicht verträgt. Hier darf man wohl gespannt sein, was Netflix daraus macht.

FAZIT
"Tote Mädchen lügen nicht" hatte eine Verfilmung schon lange dringend nötig, um auch die Menschen für das Thema Mobbing zu sensibilisieren, die nicht lesen. Letztendlich ist die Serie etwas zu lang geworden, schafft es aber trotzdem, Hannahs Verzweiflung und die Umstände gefühlvoll, aber eindringlich zu porträtieren. Gute 4 Punkte.

ÜBRIGENS
Wer die Serie geschaut hat, sollte sich auch das darauffolgende "Behind the Reasons" nicht entgehen lassen, das eindrücklich von den Hintergründen und den Entscheidungen der Produktion berichtet, die dazu geführt haben, die Serie so zu drehen und nicht anders. Für etwaige Tränen wird nicht gehaftet.



[Buchrezension] Wenn nachts der Ozean erzählt - Zana Fraillon

Maá sagt, ich soll mir das Essen nie zu genau ansehen, und wenn ich Fliegen oder Würmer darin finde, erklärt sie mir jedes Mal, dass ich besonderes Glück habe, weil ich auf diese Weise Eiweiß bekomme. Einmal habe ich sogar einen menschlichen Zahn in meinem Reis gefunden. "Hey Maá, bringt der auch Glück?", fragte ich und Maá sah ihn an und sagte: "Wenn du Zahn brauchst." Sie lachte lange über ihren Witz. Dabei war er eigentlich überhaupt nicht lustig.

INHALT
Der junge Subhi ist ein Kind in einem australischen Flüchtlingslager. Er ist dort geboren worden und kennt die Welt "draußen" hinter dem Zaun nicht, seine Heimat ist das Camp. Er vertreibt sich seine Zeit damit, mit einer Quietscheente zu sprechen und auf das Nachtmeer zu warten, das sein Vater ihm von weit her schickt. Seine Tage sind heiß und eintönig - bis eines Nachts plötzlich ein fremdes Mädchen im Lager steht. Jimmie heißt es und kommt von draußen. Die Beiden ergänzen sich perfekt: Er liest ihr das Buch ihrer Mutter vor, sie erzählt ihm Geschichten von hinter dem Zaun. Schnell werden sie zu heimlichen Freunden. Doch als sich die Lage im Flüchtlingscamp immer weiter zuspitzt, scheint es unmöglich, sich weiter zu sehen...

MEINE MEINUNG
Die Flüchtlingskrise ist uns noch frisch im Gedächtnis, das Leid der Menschen in Kriegsgebieten wie Syrien noch lange nicht vorbei. Und doch lässt das Interesse immer mehr nach, die Grenzen sind schon länger mehr oder weniger zu, Flüchtlinge werden in Camps inhaftiert oder sterben auf dem Weg in eines der sicheren Länder. Gerade an diesem Punkt in Zana Fraillons "Wenn nachts der Ozean erzählt" so wichtig. Ohne den Zeigefinger zu erheben zeigt es wie wichtig es ist, Menschlichkeit zu zeigen und Kriegsflüchtlinge nicht wie Verbrecher zu behandeln. Protagonist Subhi erzählt seine herzergreifende Geschichte aus der Ich-Perspektive und trotz seiner leicht naiven, kindlichen Stimme beschreibt der die Umgebung und die Umstände so wunderschön-traurig, so intelligent, dass das keine Probleme bereitet. Immer mal wieder gibt es auch Kapitel aus Jimmies Sicht, die privilegierter ist als er, aber viele Gedanken mit ihm teilt und ihn wunderbar ergänzt. Vor allem wird eines wieder ganz deutlich: Kinder kennen keinen Rassismus.

Subhi ist ein für sein Alter sehr gewitzter Junge voller Träume und Fantasie. Mit seiner jungen Unschuldigkeit ist er der perfekte Erzähler: Er sieht zwar auch die Grausamkeit einiger der Aufseher und den Dreck des Camps, aber er findet auch in den kleinen Dingen immer wieder einen Grund zur Freude. Er traut sich oft nicht, für sich einzustehen und lässt daher seine Badeente in diesen Momenten für sich sprechen. Im Laufe der Handlungen wird er aber immer mutiger - und findet letztendlich auch die Kraft, über sich hinauszuwachsen. Jimmie ist neugieriger und abenteuerlustiger als Subhi, schließlich traut sie sich ganz allein in das Flüchtlingscamp, verfolgt aber genau wie er ihre eigenen Träume. Sie hat ein gut entwickeltes Unrechtsbewusstsein und insbesondere die Hingabe, mit der sie Subhi eine Freude machen will, lässt sie sehr sympathisch werden. Und auch bei den Nebenfiguren hat die Autorin voll ins Schwarze getroffen: Mit Subhis bestem Freund Eli, der ihn wie ein Löwe beschützt; seiner zickigen Schwester, die sich trotzdem um ihn kümmert und dem Aufseher Harvey, der sich als einziger für die Menschen einsetzt, wird das Buch wunderbar lebendig.

Die erste Hälfte beschäftigt sich größtenteils mit der Einführung in die Lebensumstände und der Charakterisierung der Personen. Vielfach erwähnt Subhi sein "Nachtmeer", das ihm, so glaubt er, von seinem Vater geschickt wird und das ihm die verschiedensten Schätze bringt. Vieles, was in diesen Nächten geschieht, ist nicht real, eine Mischung aus Metaphorik und Fantasie - darauf muss man sich einlassen. Die Freundschaft zwischen Jimmie und Subhi ist dafür umso glaubwürdiger, obwohl die beiden sehr schnell einen Draht zueinander finden. Zwischen ihnen herrscht ein Verständnis ohne vieler Worte zu bedürfen, was sehr berührt. Genauso wie die Art, wie sie füreinander einstehen. Füreinander überwinden sie ihre größten Ängste und geben sich gegenseitig Kraft. Als sich im letzten Drittel dann die Zustände im Camp geradezu überschlagen, wird es richtig dramatisch, sowohl für Jimmie als auch für Subhi. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist es nicht mehr möglich, sich von den Seiten loszureißen, weil man so stark mit den Charakteren mitfühlt, mitleidet und mithofft. Letztendlich bleibt ein leiser Hoffnungsschimmer, aber auch viel Traurigkeit über die Erlebnisse der Flüchtlinge. Das Nachwort zu den Umständen in Australien und auch anderen Ländern sollte unbedingt gelesen werden.

FAZIT
Es macht ziemlich betroffen, dass ein Buch wie dieses noch immer so dringend notwendig ist. Zana Fraillon erzählt in "Wenn nachts der Ozean erzählt" eindrücklich, sensibel und menschlich die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem australischen Mädchen und einem Flüchtlingsmädchen. Zwischenzeitlich wird auf einiges zu detailreich eingegangen, berührend ist der Roman nichtsdestotrotz. Knappe 4,5 Punkte.


Originaltitel: The Bone Sparrow
Reihe: Nein
Autor: Zana Fraillon
Übersetzer: Claudia Max
Verlag: cbt
Seitenzahl: 288 Seiten
ISBN-13: 978-3-570-16476-1

[Filmvorstellung] Es war einmal in Deutschland + Gewinnspiel

Es ist soweit, im Kino startet heute ein neuer Film über und rund um den 2. Weltkrieg. Klingt abschreckend? Muss es nicht.

"Es war einmal in Deutschland" ist die Verfilmung der teils biographischen Romane von Michel Bergmann, die von den Erlebnissen seines Onkels in Nachkriegsdeutschland handeln. Und das gar nicht mal düster und moralisierend, sondern stattdessen überwiegend komisch, manchmal tragisch. Die Hauptrolle spielt Moritz Bleibtreu, die weibliche Nebenrolle ist mit Antje Traue besetzt.

Aber worum geht es genau?
Bildergebnis für es war einmal in deutschland plakatIm Nachkriegsdeutschland 1946 schlagen sich der Jude David Bermann und seine Freunde, die der Verfolgung durch die Nazis nur knapp entkommen sind, als wahre Überlebenskünstler durch. Mit Witz, Tricks und Dreistigkeit umgarnen sie an den Haustüren der Stadt Frankfurt am Main die dort lebenden Damen und verkaufen allerlei Kram wie Bettwäsche und Handtücher, um damit so schnell es geht die Ausreise in die USA oder nach Palästina finanzieren zu können. Doch die amerikanische Offizierin Sara Simon ist ihnen auf den Fersen. Sie ist klug und schön, aber dafür bohrt sie unerbittlich besonders in Davids Vergangenheit herum: Warum nur besitzt er zwei Pässe? Und wie kann es sein, dass er nach einem Besuch auf dem Obersalzberg mit Hitler in Kontakt stand?


Der Film spricht dich an?
Dann hast du jetzt die Chance, 1x2 Kinotickets dafür zu gewinnen! Verrate mir einfach, was du dir von der Tragikomödie versprichst. Bitte hinterlasse eine E-Mail-Adresse oder andere Möglichkeit, um dich zu kontaktieren. Den Gewinner werde ich dann am 11.04.2017 mit random.org auslosen und in den Kommentaren bekannt geben.

Disclaimer: Teilnehmen darf jeder, der in Deutschland wohnhaft und über 16 Jahre alt ist. Die Adresse werde ich an Pure Online weitergeben, damit der Gewinn versendet werden kann. Sie wird ausschließlich zu diesem Zweck genutzt.

Ich wünsche allen viel Glück!

[Buchrezension] Sweetgirl - Travis Mulhauser

Der Schnee blieb jetzt schon auf der Motorhaube liegen. Sie unterbrachen die Radiosendung für eine Unwetterwarnung, und nach dem Sirenenton meldete sich Lester Hoffstead, der beliebteste Wettermann im Norden Michigans. Aufgeregt ratterte er die düsteren Prognosen herunter, die er von seinem Doppler-Radar ablas, bis ich mit einer heftigen Bewegung das Radio ausschaltete. Nichts für ungut, Lester, aber dass ein verdammter Blizzard unterwegs war, merkte ich selbst.
Ich stemmte die Tür auf und spürte den Ansturm der Kälte. Ich zog die Schnur meiner Kapuze zu und und lief los, suchte Deckung unter den Bäumen.

Coverbild Sweetgirl von Travis Mulhauser, ISBN-978-3-423-26126-5INHALT
Mal wieder ist die 16-jährige Percy auf der Suche nach ihrer drogensüchtigen Mutter. Seit diese sich wieder den Rauschmitteln zugewandt hat, ist die Schülerin so etwas wie die Erwachsene im Haus. Doch dieses Mal tobt ein Schneesturm, als sie sich auf die Suche begibt, was die Sache deutlich erschwert. Ihre erste Anlaufstelle ist der gefährliche Dealer Shelton, der nicht nur einen der Abstürze ihrer Mutter verursacht hat. Doch stattdessen findet Percy in seinem Haus ein halb erfrorenes Baby. Sie kann das kleine Mädchen nicht einfach dort liegen lassen, also nimmt sie es mit. Und wird fortan von Shelton durch Schnee und Eis gejagt, denn er scheint zu allem bereit.

MEINE MEINUNG
Ein rauer, kalter Winter in Michigan und eine Suche, aus der eine Flucht wird, das sind die Ausgangspunkte von Travis Mulhausers Roman "Sweetgirl". Ein ehrlicher, schnörkelloser Roman um ein junges Mädchen, das viel zu früh erwachsen werden musste, und einen brutalen Kriminellen, der seine eigenen Taten auch noch für richtig hält. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Percy und der personalen Perspektive von Shelton erzählt. Der Stil wird in seinen Kapiteln deutlich einfacher und dreckiger, was die beiden Stimmen gut voneinander abgrenzt.

Percy ist eine absolut toughe Protagonistin: Früh hat sie lernen müssen, auf sich selbst und zusätzlich ihre Mutter aufzupassen, weshalb sie es sich nicht leisten kann, lange zu überlegen. Sie handelt sicherlich etwas überstürzt, aber sie ist auch erst 16 Jahre alt und zeigt dafür einiges an Mut und Weitsicht. Ihre intelligente, emphatische Art lässt sie nur noch sympathischer werden. Shelton wirkt anfangs wie im Klappentext angekündigt: Unterbelichtet und brutal nimmt er keine Rücksicht auf Verluste. Dass seine Lebensweise größtenteils damit zusammen hängt, dass er schon früh wegen seines Aussehens gehänselt wurde, wird erst später klar. Er macht zwar tatsächlich eine kleine Entwicklung durch, allerdings verbringt er trotzdem seine meiste Zeit mit Drogen, was bald ermüdet. Nebenfiguren gibt es nur wenige: Percys Mutter im Drogenrausch, die selten weiß wo sie ist, oder ihr Stiefvater in spe, der zwar Alkoholiker ist, aber ein gutes Herz besitzt. Sie unterstützen die Geschichte, haben aber nicht so einen großen Stellenwert wie Percy und Shelton.

Egal zu welcher Jahreszeit man den Roman liest, die Kälte Michigans, die verschneiten Berge und der eisige Wind greifen auf einen über. Die Beschreibungen sind realistisch, atmosphärisch und prägnant, manchmal aber auch regelrecht poetisch. Percys Flucht verläuft jedoch anders als ich mir das vorgestellt hatte: Der Feind ist weniger der bedrohliche Shelton als viel mehr der Winter, der sich ihr immer wieder in den Weg stellt. Das Ganze hätte mir deutlich besser gefallen ohne die Kapitel aus Sheltons Sicht, die bereits nach kurzer Zeit sehr eintönig wirkten. Er geht in den Wald, um das Kind zu suchen, atmet Lachgas ein, geht in seine Hütte zurück, raucht einen Joint, geht wieder raus, und so weiter und so fort. Teilweise sind die Geschehnisse durchaus skurril, vor allem die Art und Weise wie irgendwann Leichen den Weg säumen, aber witzig ist hier nichts. Schwarzer Humor hin oder her, es geht ums nackte Überleben, da kann man wenig lustig finden. Leider lässt die Spannung auf den letzten 50 Seiten enorm nach, weil das Ganze doch schneller vorbei ist als gedacht. Der Schluss stellt zufrieden, weil er einen positiven Ausblick gibt - aber irgendwie hatte ich mir mehr erwartet.

FAZIT
Travis Mulhauser fängt die klirrende Kälte Michigans in "Sweetgirl" wunderbar ein, wodurch die Flucht durch die Berge noch dramatischer wird. Allerdings lässt die Spannung durch häufige Wiederholungen in den Kapiteln des Dealers immer wieder nach und das große Etwas fehlt. Für verschneite Winterabende (oder zur Abkühlung im Sommer) aber sicherlich das Richtige. Gute 3 Punkte.
 

Bildergebnis für sweetgirl travis
Titel: Sweetgirl
Originaltitel: Sweetgirl
Reihe: Nein
Autor: Travis Mulhauser
Übersetzer: Sophie Zeitz
Verlag: dtv premium
Seitenzahl: 256 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-26126-5

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