Back Down to Earth


[Filmrezension] Mary Poppins' Rückkehr

"Alles ist möglich. Selbst das Unmögliche."

STORY
Es ist das Jahr 1930: Jahrzehnte, nachdem sie das Kindermädchen der Banks-Zöglinge war, kehrt Mary Poppins zurück, um den Geschwistern erneut beizustehen und auch Michaels Kindern zu einer sorgenfreieren Kindheit zu verhelfen. Denn die Familie droht ihr Haus an die Bank zu verlieren und kann dem nur entgehen, indem wichtige Dokumente gefunden werden. Mary Poppins allerdings geht es hauptsächlich darum, sowohl den Geschwistern als auch den Kindern die Freude am Leben wieder näher zu bringen - und entführt letztere dazu in magische Welten und melodische Musical-Einlagen.

MEINE MEINUNG
Mary Poppins, eine Ikone der Filmgeschichte quasi - ein Kindermädchen, mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, das 1964 in jede Familie Einzug hielt. 54 Jahre hat es gedauert, bis mit "Mary Poppins' Rückkehr" nun ein Nachfolger auf der Leinwand flimmert, obwohl Disney schon damals Fortsetzungen geplant hatte. Der Autorin der Reihe allerdings missfiel die Adaption, weswegen das Vorhaben nie umgesetzt werden konnte. Was hätte sie wohl zu dieser Wiederkehr der Nanny gesagt, die sich nun deutlich mehr der Vorlage entsprechend verhält, ansonsten aber im Grunde ganz ähnliche Probleme lösen muss wie schon im Original? Ist das Ganze eigentlich wirklich ein zweiter Teil, oder doch eher ein Remake?

Obwohl Lieder, Farbenspiel und Einfachheit der Geschichte schon auf Kinder angelegt ist, hatte ich das Gefühl, hauptsächlich sei der Film doch für die Erwachsenen gedacht, die schon in den 70ern den Film gesehen haben. Oder Erwachsene wie mich, die später damit in Berührung kamen. Für die ganz junge Generation wird er wahrscheinlich wenig Interessantes zu bieten haben: Zu langsam schreitet die Geschichte voran, zu sehr werden einige Lieder in die Länge gezogen. Diese haben leider auch nicht den Wiedererkennungswert der alten. "The Royal Doulton Music Hall" hat mich ein wenig an "Supercalifragilistischexpialigetisch" erinnert und auch "Stellt euch das nur mal vor" ist eingängig, aber in der zweiten Hälfte zieht sich besonders das Lied der Laternenentzünder extrem, auch wenn die Kunststücke und Tanzeinlagen toll sind. 

Die großartige Emily Blunt rettet vieles. Diese Frau kann einfach alles spielen und als Mary Poppins begeistert sie einerseits mit einer gewissen Arroganz und Strenge, und andererseits einem bezaubernden Funkeln in den Augen, wenn es um ihre magischen Kunststücke geht. Lin-Manuel Miranda geht in seiner Rolle als Jack völlig auf, Ben Wishaw dagegen als schwacher erwachsener Michael eher unter. Toll sind die Gastauftritte einiger bekannter älterer Stars, allerdings wird die Geschichte zum Ende hin etwas konfus und das große Problem - der Familie zu helfen, das Haus zu behalten, auf einfachste Weise gelöst. Letztendlich ist das Ganze ein Feel-Good-Film, der durchaus zum Schmunzeln und (imaginären) Mitklatschen einlädt, der einem aber nicht sonderlich stark im Gedächtnis bleibt.

FAZIT 
Während des Schauens hat mich "Mary Poppins' Rückkehr" gut unterhalten können, besonders weil Emily Blunt eine großartige Protagonistin abgibt. Leider ist der Erinnerungswert geringer als man es erwartet und die Geschichte ist doch sehr auf Kinder zugeschnitten dafür, dass sich die meisten (Erwachsenen) den Film wahrscheinlich eher des Nostalgiefaktors wegen ansehen. Insgesamt sehenswert, aber nicht weltbewegend. 3,5 Punkte.

 

[Buchrezension] Anansi Boys - Neil Gaiman

Das Schlimmste an Fat Charlies Vater war schlicht und einfach dies: Er war peinlich.
Nun sind natürlich alle Eltern peinlich. Das liegt in der Natur der Sache. Eltern sind peinlich einfach dadruch, dass sie existieren, während Kinder ab einem bestimmten Alter von Natur aus nicht anders können, als im Boden zu versinken vor Verlegenheit, Scham und Schmach, sofern sie mit ihren Eltern auch nur zusammen auf der Straße gesehen werden. 
Fat Charlies Vater aber hatte all dies zu einer Kunstform erhoben, und er erfreute sich daran [...].

INHALT
Seit Fat Charlie Nancy denken kann, ist ihm sein Vater unfassbar peinlich. So peinlich, dass er lieber nach England gezogen ist, als mit ihm weiter das Land zu teilen. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass er selbst im Allgemeinen kein besonders charmanter und beliebter Mensch ist - im Gegensatz zu seinem Vater, dem alles zuzufliegen scheint. Bis dieser stirbt und Fat Charlie nach der Beerdigung nicht nur erfährt, dass sein Vater ein Gott war, sondern auch den Tipp erhält, auf absurde Weise einen ihm bisher vollkommen unbekannten Bruder zu kontaktieren. In angetrunkenem Zustand geht er dem nach - aber wie hätte er ahnen sollen, dass dies sein gesamtes Leben durcheinander bringen würde? Denn kurz darauf steht Spider vor der Tür, der, wie sich herausstellt, die göttlichen Fähigkeiten ihres gemeinsamen Vaters geerbt hat. Und der sich nicht nur an Charlies Verlobte heranmacht, sondern  ihm auch deutlich gefährlichere Probleme bereitet...

MEINE MEINUNG
Momentan scheint eine Hoch-Zeit zu sein für Fantasy- und Science-Fiction-Autoren, deren Bücher zu Serien verfilmt werden. Nicht nur Stephen Kings und Margaret Atwoods Stoffe werden adaptiert, auch hinter den Geschichten von Neil Gaiman ist man seit einiger Zeit vermehrt her. "American Gods" habe ich letztes Jahr begeistert geschaut, "Good Omens" gibt es in den nächsten Monaten - "Anansi Boys", lose verknüpft mit ersterem, erwartet bisher aber keine Adaption. Meine Chance also, endlich mal die Lektüre vorher zu schaffen. Und das lohnt sich: Denn es sind nicht nur die Ideen des Autors, die zu überzeugen wissen, sondern auch sein unverwechselbarer Stil voller Wortwitz, kleiner Anekdoten, Geschichten über die Götter, und skurriler Dialoge.

Und natürlich, ganz besonders, seine Charaktere. Da ist zum einen Protagonist Fat Charlie, der eigentlich gar nicht dick ist, nur blieb der Name in seiner Kindheit hängen. Er ist ein sehr weicher Kerl ohne rechtes Selbstbewusstsein und ohne den Mut, für sich einzustehen. Sein Bruder bringt zwar sein komplettes Leben durcheinander, hilft ihm aber auch, seine Schwächen zu sehen und daran zu arbeiten. Spider ist nämlich das genaue Gegenteil: Gutaussehend, arrogant und gesegnet mit göttlichen Fähigkeiten kann er Menschen ganz einfach dazu bringen, zu tun, was er will. Lange hat ihm das nichts ausgemacht - aber vielleicht entdeckt er ja doch sein Gewissen? Zusätzlich zu den beiden tauchen in der Geschichte nicht nur zwei junge Damen auf (von der ich aber nur eine interessant fand), sondern auch vier deutlich ältere, die manchmal hilfreich sind, Charlie sehr oft aber auch Steine in den Weg legen. Und dann sind da natürlich noch die Götter. Anders als in "American Gods" sind diese hier Tierwesen: Manche verschmitzt und listig, andere hasserfüllt und auf Rache sinnend. Sie nehmen gar keinen besonders großen Raum ein, wissen aber in ihren jeweiligen Momenten zu begeistern.

Im Gegensatz zu "American Gods" - oder sagen wir, der Serien-Form davon - wirkt das Umfeld der Protagonisten deutlich weniger düster. Es gibt zwar mindestens einen Antagonisten, der auch vor Gewalttaten nicht zurück schreckt, und einige der Götter hegen keine guten Absichten, inhaltlich dreht alles sich aber viel mehr um die schwierige Beziehung der Brüder zueinander und Charlies Entwicklung zu einem stärkeren Selbst. Versöhnung und Familie nehmen goße Parts der Handlung ein, wunderbar unterlegt von passendem Humor. Zwischenzeitlich hätte der Bezug auf die Götter ein bisschen größer sein können, und der permanente Wechsel zwischen Präsens und Präteritum in den Erzählungen über diese hat mich doch sehr irritiert. Dafür entschädigen allerdings die letzten 100 Seiten, auf denen sich die Ereignisse überschlagen, alle Charaktere zusammen geführt und einige Geheimnisse enthüllt werden. Zuletzt endet die Geschichte sehr zufrieden stellend - aber ich hätte dennoch Lust, noch einmal in die Welt zurück zu kehren.

FAZIT 
"Anansi Boys" spielt in derselben Welt wie auch "American Gods", die beiden hängen - nach meinem Verständnis - aber nur sehr lose zusammen. So ist es kein Problem, das eine ohne das andere zu lesen. Neil Gaimans Schreibstil ist ein Genuss und voller humorvoller Details, seine Charaktere sind liebenswert und voller Fehler. Ein wenig mehr noch hätte es sich um die Götter drehen können, aber so ist das Ganze eine überzeugende Geschichte um zwei Brüder, die ungewollt zusammen arbeiten müssen. Lesenswert! 4 Punkte.

 https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiKo3CMRbJacWWIZXNe49WavQqBieLYCCkuZxoQ7HKibMsjNqaldjVCT7diVt0lFHVd9C10OmVGP65t-thdt4dcZywhjQMe0rekSFj0-BbR_35C3pFwvyA4C32SCQhOFRAVM02QByD2bns5/s1600/Bewertungssymbol.pnghttps://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiKo3CMRbJacWWIZXNe49WavQqBieLYCCkuZxoQ7HKibMsjNqaldjVCT7diVt0lFHVd9C10OmVGP65t-thdt4dcZywhjQMe0rekSFj0-BbR_35C3pFwvyA4C32SCQhOFRAVM02QByD2bns5/s1600/Bewertungssymbol.pnghttps://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiKo3CMRbJacWWIZXNe49WavQqBieLYCCkuZxoQ7HKibMsjNqaldjVCT7diVt0lFHVd9C10OmVGP65t-thdt4dcZywhjQMe0rekSFj0-BbR_35C3pFwvyA4C32SCQhOFRAVM02QByD2bns5/s1600/Bewertungssymbol.pnghttps://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiKo3CMRbJacWWIZXNe49WavQqBieLYCCkuZxoQ7HKibMsjNqaldjVCT7diVt0lFHVd9C10OmVGP65t-thdt4dcZywhjQMe0rekSFj0-BbR_35C3pFwvyA4C32SCQhOFRAVM02QByD2bns5/s1600/Bewertungssymbol.png
https://www.luebbe.de/eichborn/buecher/fantasy-buecher/anansi-boys/id_6919423

[Buchrezension] Wie Eulen in der Nacht - Maggie Stiefvater

"Ach Mama, Judith, ihr macht ein Drama daraus", begann Beatriz.
"Du bist genau wie dein Vater", fauchte Antonia.
Weder Fransisco noch Beatriz gingen auf diese Bemerkung ein; das taten sie nie.
"Was soll denn so gefährlich daran sein, es über diesen Jungen laufen zu lassen", beharrte Joaquin. "Für die Pilger, die hier leben, tun wir auch nicht weniger."
"Wir können nicht nichts tun", fügte Beatriz hinzu.
"Hört gut zu, ihr alle. Die Dunkelheit eines Soria breitet sich so rasant aus wie keine, die ihr je gesehen habt." Antonias Stimme klang eisern. "Ich verbiete euch allen, nach Daniel zu suchen. Nur über meine Leiche!"

INHALT
Im kleinen Städtchen Bicho Raro ist der Name Programm: Es ist bevölkert von mehr oder weniger "verrückten Käuzen". Denn dort leben tatsächliche Heilige, die Wunder wirken können, weshalb der versteckte Ort immer wieder von Pilgern aufgesucht wird. Diese wollen die in ihnen schlummernde Dunkelheit und damit auch ihre Probleme besiegen. Doch sie müssen, um ein zweites Wunder zu erhalten und so geheilt zu werden, auch selbst etwas dafür tun - und das erscheint den meisten fast unmöglich. Die Sorias, eine Familie von aktuellen und ehemaligen Heiligen, würden gern helfen, da die Stadt von Wundersuchenden bald überquillt, doch sie haben sich selbst ein Verbot auferlegt - denn ihre Dunkelheit ist die schlimmste von allen und endet oftmals tödlich. Dann allerdings bricht Daniel, der momentane Heilige, eben jenes Verbot, zum Entsetzen seiner gesamten Familie. Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf...

MEINE MEINUNG
Maggie Stiefvater ist eine dieser Autorinnen, deren Ideen ich immer wieder faszinierend finde, bei der ich mir jedoch nie sicher sein kann, ob mich auch die Umsetzung überzeugt. So war es auch von Beginn an mit "Wie Eulen in der Nacht", einer Geschichte um Heilige, die Wunder wirken, dem Genre des "Magic Realism" zugeordnet. Magic Realism? Hier spielen die Ereignisse in der realen Welt, die magischen Elemente sollen in dieser jedoch bestimmte Punkte hervorheben. Bicho Raro ist also eine eigentlich normale Stadt mit normalen Menschen - in der allerdings, gänzlich unerklärt, Wunder geschehen. Die Autorin lebt dafür einmal mehr ihren detailreichen, zauberhaften Stil aus, schwelgt dieses Mal sogar regelrecht darin. Sie schreibt auf eine ganz eigene Art, legt sich nicht auf einen Erzähler fest, gibt manchmal einen Ausblick auf die Zukuft und manchmal einen Rückblick auf die Vergangenheit. So weiß man nie, was man als nächstes erwarten muss, allerdings scheint darüber auch ein wenig der Inhalt verloren zu gehen.

Wie immer sind die Figuren das Kernstück der Geschichte, die alle ihre Eigenarten haben: Beatriz, das "Mädchen ohne Gefühle", das sehr wohl welche besitzt, es nur nicht weiß. Joaquin, Moderator eines Piraten-Radiosenders, jung und sprunghaft. Daniel, der als Heiliger alles für eine Pilgerin riskiert. Eben jene Pilgerin, Marisita, auf die es seit ihrem Wunder ununterbrochen regnet. Sie und viele weitere sind sehr besonders, allerdings werden sie mehr beschrieben, als dass sie ihre Eigenschaften wirklich unter Beweis stellen können. Insbesondere überrascht, wie sehr die Autorin dieses Mal auf Liebe auf den ersten Blick setzt - statt wie sonst die Gefühle schwelen zu lassen, sind sie dieses Mal quasi direkt da. Das sorgt zwar insbesondere zwischen Beatriz und dem Besucher Pete für tolle, teils auch witzige Momente, aber nicht dafür, dass man die Vertrautheit groß nachvollziehen könnte.

Vielleicht liegt es daran, dass man den Charakteren nur bedingt nahe kommt, dass auch die Geschichte einen nur schwer zu greifen weiß. Insbesondere auf den ersten 150 - 200 Seiten geschieht relativ wenig, außer dass die Umstände des Städtchens und dessen Bewohner erläutert werden. Lange Zeit ist nicht einmal ganz klar, worum genau es eigentlich geht: Eine Familie, deren Mitglieder wieder zueinander finden müssen? Zwei Liebesgeschichten? Wunder, die aus einem selbst kommen müssen? Selbst als Daniel die sogenannte Dunkelheit über sich bringt, dauert es sehr lange, bis die anderen Figuren überhaupt einmal wirklich reagieren, was unweigerlich Langeweile mit sich bringt. Zum Glück gibt es aber die letzten 100 Seiten, auf denen es endlich zu teils überraschenden, teils traurigen und teils glatt aberwitzigen Wendungen kommt. Wenn nur die zwei Drittel zuvor genau so gewesen wären - es hätte eine wirklich fesselnde Geschichte sein können.

FAZIT 
"Wie Eulen in der Nacht" wartet, wie alle Bücher von Maggie Stiefvater, mit einer faszinierenden Idee auf - aber, wie es mir ebenfalls schon öfter passiert ist, konnte es mich dennoch nicht komplett begeistern. Trotz der nur 300 Seiten fällt der Inhalt etwas schmal aus, stattdessen wird sich sehr stark auf den Schreibstil und die Zusammenhänge konzentriert. Das letzte Drittel ist allerdings mitreißend genug, dass es noch für gute 3 Punkte reicht. Muss man ausprobieren!

https://www.droemer-knaur.de/buch/9595588/wie-eulen-in-der-nacht#

[Serienrezension] Maniac


"Was denken Sie stimmt nicht mit Ihnen?" - "Ich bin krank. Und ich bin nichts wert."


STORY
Annie wird seit einigen Jahren von Erinnerungen an ihre jüngere Schwester gequält, die nach einem Streit ums Leben kam, und vergräbt sich in ihrer Depression, die sie mithilfe von illegalen Pillen in vollen Zügen auslebt. Owen ist Sohn eines Moguls, wird allerdings aufgrund schizophrener Züge von der Familie geächtet - und nimmt seine verschriebenen Tabletten nicht. Beide gelangen auf Umwegen in eine Medikamentenstudie, die ihnen verspricht, sie von allem Leid zu befreien. Doch das Gerät, das das Ganze kontrolliert, beginnt bald verrückt zu spielen. Und das wird für die beiden zur echten Gefahr.

MEINE MEINUNG
Lange ist es her, dass Jonah Hill und Emma Stone zusammen gearbeitet haben - zuletzt waren sie gemeinsam in "Superbad" zu sehen, dieser schrulligen, abgedrehten Komödie. Abgedreht ist ein Wort, das einem auch zu "Maniac" einfällt, der Serie von "True Detective"-Regisseur Cary Joji Fukunaga, der auch am Drehbuch mitschrieb. Von Anfang an ist die Welt, in der sie spielt, schwer einzuordnen: Einerseits arbeiten die Menschen noch mit Computern wie von vor zwanzig Jahren und Smartphones gibt es nicht, andererseits lassen sich Essen und Reisen über sogenannte AdBuddies finanzieren und Wissenschaftler haben eine beeindruckende Künstliche Intelligenz erschaffen, wie es sie bei uns nicht gibt. Das ist erst einmal sehr irritierend, schafft aber auch einen total spannenden Retro-Sci-Fi-Vibe.

In diesem finden sich Annie und Owen wieder - insbesondere erstere brillant gespielt von Emma Stone, die wieder einmal verdeutlicht, warum ich mir quasi alles von ihr anschaue. Sie hat nicht nur eine großartige Ausstrahlung, sie lässt den Zuschauer am Schmerz über den Tod ihrer Schwester auch so intensiv teilhaben, dass man sich ihm nicht mehr entziehen kann. Ihr Gegenpart Owen leidet an Schizophrenie und wird deswegen seit Jahren von seiner Familie ausgenutzt und regelrecht verleugnet. Daher hat Jonah Hill in den ersten Folgen auch eher wenig mehr zu tun als verstört zu gucken. Erst als die Handlung voranschreitet und die beiden andere Rollen annehmen, darf er zeigen, was in ihm steckt. Besonders großartig aber auch: Sonoya Mizuno und Justin Theroux als Wissenschaftler der Studie, Sally Field als Mutter des letzteren, eine Pop-Therapeutin, die vor allem an sich selbst interessiert ist. Die Figuren haben alle ihre eigene Geschichte, und ob sie nun gut sind oder nicht, faszinierend sind sie allemal.

Annie und Owen in einer der Seelenlandschaften
Anders als bei vielen anderen Netflix-Serien braucht "Maniac" keine allzu lange Vorlaufzeit, um einen vollkommen in den Bann zu ziehen. Zugegeben: Der Streaming-Gigant hat die Serie auch nur von Paramount TV und Anonymous Content gekauft und nicht selbst produziert, das könnte also ein Grund sein. Trotzdem ist es erfrischend, nach der ersten Folge mit der Charakterexposition danach so schnell in das eigentliche Geschehen einzusteigen. Und als die beiden Hauptcharaktere dann ihre erste Reise in ihre Seelenlandschaft antreten - und sich dabei ungeplant erneut begegnen -, wird es wirklich spannend. Es ist überraschend, was für eine platonische wunderbare Chemie sich zwischen den beiden entwickelt, auch wenn Stone eher laut und Hill eher leise spielt. Neben den Themen Verlust und Sucht spielt auch die Familie eine große Rolle: Ob nun positiv (wenn auch traurig), wie in Annies Fall, negativ und voller Schuldgefühle wie bei Owen oder besitzergreifend und destruktiv wie bei Theroux' Wissenschaftler. Die Serie ist an manchen Stellen durchaus absurd und zum Schluss folgt eine relativ unglaubwürdige Fluchtszene, davon abgesehen ist aber der Gedanke, dass sich diese vollkommen unterschiedlichen Menschen gefunden haben, ein schöner.

FAZIT 
Ich glaube nicht, dass ich schon einmal etwas mit Emma Stone gesehen habe, das mir nicht gefallen hat - und genauso verhält es sich auch mit "Maniac", einer skurrilen Serie mit sehr besonderen Persönlichkeiten, einer Retro-futuristischen Welt und einer Thematik rund um Depression, Familie und Vergebung. Lässt man sich drauf ein, erwartet einen ein buntes und aufregendes Spektakel. 4,5 Punkte.


[Filmrezension] Bohemian Rhapsody


"Du bist eine Legende, Fred." - "Wir alle sind Legenden. Aber du hast Recht. Ich bin eine Legende."

STORY
Die Geschichte einer der größten Rockbands der Welt beginnt 1970, als es dem jungen Freddie Mercury (damals noch Farrokh Bulsara) gelingt, als Lead-Sänger Teil der Band Smile zu werden. Mit seinem exzentrischen Stil und seiner Fähigkeit, das Publikum mitzureißen und so lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten - im Zuge dessen die Band um ihn, Brian May, Roger Taylor und später auch John Deacon sich in Queen umbenennt. Nach dem ersten Nummer-1-Hit "Bohemian Rhapsody" geht der Hype um die Gruppe erst richtig los. Doch der Erfolg hat auch seine Schattenseiten, und Mercury, der privat eher schüchtern und verschlossen ist, scheint der Ruhm zu Kopf zu steigen...

MEINE MEINUNG
Um die bekanntesten Lieder von Queen zu kennen, muss man nicht unbedingt ein riesiger Fan oder in den 60ern geboren worden sein - die Band ist einfach Kult, und es kann sich wohl kaum jemand Klassikern wie "Another One Bites the Dust" entziehen. Oder eben "Bohemian Rhapsody", ein episches Lied und Titelgeber für den Film, der allerdings, das wird früh deutlich, weit weniger ein Biopic über die Band im Ganzen ist als über den Leadsänger. Das ist etwas enttäuschend, wenn man bedenkt, dass Mercury sowieso immer im Focus stand und hier die Chance vertan wurde, auch auf die anderen Mitglieder einmal intensiv einzugehen.

Eines ist aber sicher: Wir können froh sein, dass die beiden noch bestehenden Band-Mitglieder Brian May und Roger Taylor sich gegen Sacha Baron Cohen ausgesprochen haben, denn so darf uns Rami Malek eine Darbietung zeigen, die sich gewaschen hat. Die Posen, die Mimik, der Gang - vergleicht man diese Augenblicke mit alten Aufnahmen, ist die Ähnlichkeit unglaublich. Auch Lucy Boynton als die lebenslange Freundin Mary und Ben Hardy, Gwilym Lee und Joseph Mazzello als Bandmitglieder wissen zu überzeugen. Schade ist, dass Paul Prenter sehr stark dämonisiert wird: Auch wenn Zeugenaussagen vermuten lassen, dass er kein besonders guter Mensch war, grenzt das Ganze doch schon fast an Verleumdung - und dass der Mann bereits vor Mercury verstarb, macht es nicht wirklich besser.

Trotzdem gelingt es dem Film oftmals, einen gewissen Sog zu entwickeln, was wohl vor allem der weiterhin großartigen und mitreißenden Musik zuzuschreiben ist. Es wird allerdings auch deutlich, dass die Drehbuchautoren sich so einige Freiheiten genommen haben - von Daten, die nicht stimmen, bis zum Zerwürfnis innerhalb der Gruppe, das es so eigentlich nie gab. Dadurch, und auch weil viele Ereignisse relativ kurz und im Zeitraffer abhandelt werden, fehlt teilweise die Liebe zum Inhalt. Die Nachstellung der Videodrehs und Aufnahmen, der Kontroversen um den Frontman sowie der atmosphärischen Konzerte sind großartig gelungen, keine Frage, aber Freddies fiktionalisierte Trennung von der Band nimmt etwas von der Zusammengehörigkeit und sorgt dafür, dass sich nur noch mehr auf ihn konzentriert wird. Dafür wird dann das Band Aid-Konzert als Höhepunkt in voller Länge ausgespielt, was toll aussieht, aber die wichtigsten Parts, nämlich das viel zu frühe Ende, auslässt - ein vielleicht schönes, aber irgendwie auch unwahres Ende. Man ist zum Schluss so vielleicht beseelt von den Songs, aber auch enttäuscht von dem Gefühl, dass etwas fehlte.

FAZIT 
"Bohemian Rhapsody" hat mit Rami Malek seinen perfekten Hauptdarsteller gefunden, und das macht einen Großteil seines Sogs aus - abgesehen von der Musik natürlich. Mir persönlich fehlte das Augenmerk auf die restlichen Bandmitglieder und teilweise auch ein bisschen das Herzblut. Wer sich mit der Geschichte Queens wirklich auskennt, könnte hier eventuell enttäuscht werden. 3 Punkte. 

  

[Buchrezension] Die Sprache der Dornen - Leigh Bardugo

Man diskutiert darüber, wie Yeva Luchova wirklich aussah, ob ihr Haar wie poliertes Gold oder von glänzendem Schwarz war, ob ihre Augen so blau wie Saphire oder oder grün wie frisches Gras waren. Uns geht es aber nicht um die Einzelheiten ihrer Schönheit, sondern um ihre Macht, und so reicht es, wenn wir wissen, dass Yeva vom Moment ihrer Geburt an entzückend war.
Sie war so wunderschön, dass die Hebamme, die ihrer Mutter beistand, das weinende Neugeborene an sich riss und sich mit ihm im Wäscheschrank einschloss, wo sie darum flehte, dass man ihr noch einen Augenblick gewährte, um in Yevas Gesicht zu blicken. Sie weigerte sich, wieder herauszukommen und das Baby loszulassen, bis der Herzog endlich nach einer Axt schickte und die Tür einschlagen ließ.

INHALT
Die Welt der Grischa ist ebenso beeindruckend, wie sie gefährlich ist: Magische Fähigkeiten, tödliche Feinde und brodelnde Rebellionen prägen die verschiedenen Länder. Und jedes von ihnen hat seine eigenen Sagen: Rawka etwa besitzt eine ganz eigene Version von Hänsel und Gretel, in Fjerda erzählt man sich dagegen eine herzzerreißende Geschichte über Meerjungfrauen. Sie alle bringen diese besonderen Länder näher, die von so vielen unterschiedlichen Menschen und Talenten bevölkert werden. Und sie alle begeistern mit ihren eigenen Motiven und Ideen, die in den Bann ziehen und lange nicht mehr loslassen.

MEINE MEINUNG
Wer einmal ein Buch von Leigh Bardugo gelesen hat, weiß, dass man bei ihr eigentlich immer gut aufgehoben ist: Die Beschreibungen, die alles zum Leben erwecken; die authentischen Dialoge; die fulminanten Ideen und Showdowns - das alles macht jedes ihrer Werke zu einem besonderen Lesevergnügen. "Die Sprache der Dornen" ist allerdings keiner ihrer Romane, sondern stattdessen eine Kurzgeschichtensammlung, deren Sagen in den Ländern von "Glory or Grave" und dem "Grisha Verse" spielen. Und obwohl ich eigentlich kein großer Fan so kurzer Erzählungen bin, wurde ich hier einmal mehr vollkommen in den Bann gezogen.

Das liegt zum Teil natürlich an der Aufmachung, die direkt ins Auge springt. Nicht nur ist die Sammlung wunderschön gebunden mit einem vom Original übernommenen Cover, auch die Innengestaltung ist ein wahrer Augenschmaus - mit komplett bunter Schrift, die teilweise sogar mitten in der Erzählung die Farbe wechselt, und wunderschönen Verzierungen am Rand, die mit Fortschreiten der Handlung einen Rahmen bilden. Am Ende jeder Geschichte erwartet den Leser ein zauberhaft illustriertes Bild, das grundsätzlich so voller Details steckt, dass man sich daran kaum sattsehen kann.

Im Nachwort berichtet die Autorin darüber, wie manche Märchen bei ihr als junges Mädchen einen unguten Nachgeschmack hinterlassen haben - weil das Ziel der weiblichen Protagonistin es oft war, zum Schluss geheiratet zu werden, oder weil der wahre Bösewicht in "Hänsel und Gretel" für sie eigentlich der Vater war, der sich nicht gegen seine Frau durchsetzen konnte. Dass ihre eigenen Geschichten anders werden sollten, merkt man sehr deutlich, und das ist auch gut so! Nicht nur können die weiblichen Figuren hier starke Heldinnen sein, sie dürfen auch mal die Rolle des Bösewichts einnehmen. Neben den Neuerzählungen von "Hänsel und Gretel" und der "Kleinen Meerjungfrau", hat mich besonders direkt die erste Geschichte um Ayama begeistert, bei der ich auch nichts gegen einen kompletten Roman hätte. Jede der Geschichten besitzt eine leise Botschaft, wie man es von Märchen kennt, auf die ein- oder zweimal etwas zu sehr mit dem Finger gedeutet wird. Davon abgesehen aber beinhalten die Buchdeckel knapp 200 Seiten schönste Fantasy-Literatur.

FAZIT 
Dass auch ich mich dem Hype um Leigh Bardugos Welt der Grischa nicht entziehen kann, ist kein Geheimnis - aber wer hätte gedacht, dass auch ihre Kurzgeschichten so zu begeistern wissen? Um auf so wenigen Seiten immer wieder so fesseln zu können, ist schon einiges an Talent notwendig, und das entdeckt man hier auf jeder Seite. Wunderschöne Erzählungen, die mal auf düstere, mal auf zauberhafte Weise in andere Welten einladen. 5 Punkte!

  
https://www.droemer-knaur.de/buch/9595864/die-sprache-der-dornen#

[Buchrezension] Oliver Parkins: Die Entdeckung von Carsalen - Patrick L. Blockum

"Du scheinst tatsächlich über gewisse Fähigkeiten zu verfügen", fuhr Panzini sinnend fort. "Unter anderen Umständen hätten wir uns auf diese Weise gar nicht begegnen dürfen. Vielleicht bist du tatsächlich derjenige, den wir suchen."
"Was hat das alles zu bedeuten, Mr Panzini?", flüsterte Oliver und konnte den Blick nicht von den durchdringenden Augen des Zirkusdirektors abwenden.
"Es hat zu bedeuten, mein guter Junge, dass du möglicherweise eine große Zukunft vor dir hast. Doch liegt sie nicht in dieser Welt."

INHALT
Fairie's Willow im Jahr 1917: Der erste Weltkrieg ist in vollem Gange und Unterhaltung ist eher knapp. Kein Wunder also, dass der junge Oliver Parkins und sein bester Freund Alfie begeistert sind, als plötzlich ein Wanderzirkus ihre kleine Stadt besucht. Doch der Zirkus ist nicht ohne Grund dort - Gauklerfürst Alfonso Panzini kommt aus einer anderen Welt, und er ist auf der Suche nach einem besonderen Jungen, der eine Prophezeiung erfüllen und damit die Menschheit retten soll. Und Oliver scheint der Gesuchte zu sein! Gemeinsam mit Alfie wird er vom Direktor nach Carsalen geführt, ein wundersames Land voller seltsamer Gestalten und Geschehnisse. Doch etwas Böses lauert, das alles vernichten will. Und nur die drei können es aufhalten...

MEINE MEINUNG
Sprechende Tiere, ein zauberhafter Zirkus und eine überraschende und seltsame Welt - "Die Entdeckung von Carsalen" ist ein von vielen originellen Ideen bereichertes Debüt, das den Anfang der Reihe um Oliver Parkins bildet. Patrick L. Blockum hat einen sehr angenehmen Stil, der besonders bei den authentischen Dialogen überzeugt, dabei aber nicht immer dem Alter der Protagonisten entsprechend kindgerecht bleibt, was für junge Leser kompliziert sein könnte. Am besten kann man die Erzählweise wohl als allwissend einordnen - zwar dreht sich das Ganze hauptsächlich um den jungen Oliver, doch auch die Beweggründe und Gedanken seiner Begleiter erfährt man immer wieder aus dem Text.

Oliver Parkins ist ein mutiger, aber trotzdem bescheidener Hauptcharakter, der einem schnell ans Herz wächst. Er ist schon relativ erwachsen für seine elf Jahre und ist sich seiner Verantwortung durchaus bewusst. Was allerdings an ihm so besonders sein soll, dass er die gesamte Welt retten kann, wird nicht wirklich ersichtlich. Gleichzeitig erleichtert das den kindlichen Lesern, sich in jedem Fall mit ihm zu identifizieren. Alfie ist eindeutig der frechere der beiden Freunde, der kein Blatt vor den Mund nimmt und davon abgesehen größtenteils ans Essen denkt, was ihn sehr sympathisch macht. Und dann sind da noch der Gauklerfürst Panzini und sein sprechendes Eichhörnchen Rodolfo, die beide unterhaltsame und gewitzte Wegbegleiter sind. Die übrigen Charaktere tauchen größtenteils leider immer nur für einen kurzen Zeitraum auf und bleiben daher nicht wirklich im Gedächtnis, auch weil sie oft absichtlich kompliziert wirkende und leicht alberne Namen besitzen, die man sich kaum merken kann.

Carsalen als Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist ein sehr gut ausgearbeiteter Ort, der vom Aufbau ein wenig an die Ringreiche einer anderen Buchreihe erinnert, aber trotzdem viele eigene und originelle Eigenschaften vorzuweisen hat. Viele Fabelwesen wie Satyrn oder Elfen tauchen auf, haben aber oft noch einen kleinen Twist, der sie besonders macht. Teilweise übertreibt es der Autor aber stark in seinen Beschreibungen: Immer wieder erklärt eine der Figuren den beiden Jungen Dinge, die rein gar nichts mit der Handlung zu tun haben, und daher teilweise anfangen zu langweilen. Zudem ist die Handlung doch sehr einfach gestrickt, was für die Zielgruppe sicherlich gut ist, sich dann aber mit der zeitweise hoch gestochenen Sprache beißt. Durch die Einfachheit kommt es leider auch zu ein paar Logiklücken, die allerdings wohl nur älteren Lesern auffallen werden. Bis zum Ende bleibt unklar, warum genau Oliver nun der Auserwählte ist - da die Geschichte aber noch viele offene Punkte hat und die erste Begegnung mit dem bösen Zauberer noch aussteht, kann diese Erklärung in einem der erwarteten Folgebände noch kommen. Genaueres ist aber noch nicht bekannt.

FAZIT 
"Die Entdeckung von Carsalen" ist ein Debüt, was man dem Roman sprachlich aber kaum anmerkt. Es ist ganz klar ein Kinderbuch, allerdings nur bezogen auf den Inhalt - dafür ist der Schreibstil dann nämlich sehr erwachsen. Der Weltenaufbau und die Protagonisten wissen zu überzeugen. Mir fehlten jedoch ein wenig die Nebenfiguren und im Zwischenteil zogen sich die Geschehnisse etwas. Dafür knappe 3,5 Punkte.

https://www.verlag-atav.de/Oliver_Parkins

[Buchrezension] Mädchen aus dem Moor - S.K. Tremayne

Wie von selbst fährt meine Hand zum Mund, als sei ich im Begriff, etwas Schreckliches auszusprechen. 
Nein. Das kann ich meinem Mann nicht unterschieben, das kann ich noch nicht einmal denken. Welches Motiv hätte er denn haben sollen, warum hätte er es darauf anlegen sollen, mich loszuwerden? Darauf, dass ich einen tödlichen Unfall baue? Meine Gedanken wirbeln umher wie Flocken in einem Dartmoor-Schneesturm oben auf dem Skirr Hill. Und während ich über die Landstraße brettere, sitzen auf den Telegrafenmasten die Krähen und beobachten mich. 
Schwarze Federn, schwarze Augen.

INHALT
Seit einem schweren Autounfall, bei dem Kath Redway mit ihrem Auto in einen See stürzte, ist nichts mehr wie zuvor. Aber wie war es vorher überhaupt? An einer Amnesie leidend, kann sie sich nur an weniges von diesem schicksalshaften Tag erinnern, und auch die Woche davor liegt im Nebel. Was ist genau geschehen und wieso scheint alles darauf hinzudeuten, dass das Ganze kein Unfall war? Wer ist der Mann, den ihre Tochter im Moor zu sehen glaubt? Und woher kommt das Gefühl, dass die Menschen in ihrer Umgebung etwas vor ihr verheimlichen? Kath setzt alles daran, die Geheimnisse zu lüften, und bringt damit sich und ihre Familie in große Gefahr...

MEINE MEINUNG
Ein schwerer Unfall, der ein Familienleben zu zerstören scheint, eine verzweifelte Mutter und eine Spurensuche im nebligen Moor - das klingt äußerst spannend und äußerst atmosphärisch. S. K. Tremayne ist Bestsellerautor und für seine schaurigen Ideen bekannt, was auch beim "Mädchen aus dem Moor" nicht anders ist. Größtenteils wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin erzählt, die - sehr angenehm - denselben Wissensstand wie der Leser besitzt. Zwischenzeitlich kommen auch noch ihre Schwägerin und ihr Ehemann zu Wort, die deutlich kryptischer berichten, was das Rätselraten umso spannender macht.

Es ist allerdings gar nicht so einfach, einen Zugang zu einer Hauptfigur zu erlangen, die sich selbst eigentlich gar nicht mehr kennt, die nicht weiß, welche Erinnerungen wahr sind und mit welchen ihr Gehirn vielleicht versucht hat, die Lücken zu füllen. Sicher ist aber: Sie ist eine liebende Mutter, die beinahe alles für ihre Tochter tun würde. Diese, Lyla, ist trotz oder auch wegen ihrer Eigenarten ein kleiner Schatz: Sie besitzt eindeutig autistische Züge, die sehr authentisch geschildert und nicht als Effekthascherei genutzt werden. Ihr Trauma durch die Geschehnisse ist nachzuvollziehen und sorgt das ein oder andere Mal tatsächlich für einen Kloß im Hals. Die anderen Figuren bleiben teilweise eher blass - besonders mit dem Ehemann Adam konnte ich mich gar nicht anfreunden, der anstatt zu hinterfragen nur beschuldigt, was nie anständig verurteilt wird.

Atmosphärisch ist der gesamte Thriller aber auf jeden Fall sehr packend - während Kath verschiedene Orte aufsucht, um ihre Erinnerung wieder zu erlangen, macht sie nicht nur schreckliche Entdeckungen, sondern beginnt sich bald auch zu fragen, wem sie eigentlich überhaupt vertrauen kann. Da läuft es einem schon kalt den Rücken hinunter. Im Mittelteil dreht sich das Ganze allerdings ein wenig zu sehr im Kreis, und die Auflösung ist doch relativ stark an den Haaren herbei gezogen. Es gibt ein Motiv, sogar eine Vorgeschichte, das hat mir aber nicht gereicht, um alle Geschehnisse und vor allem die Vorgehensweise des Strippenziehers zu erklären. Niemand kann ahnen, wie die Zielperson reagieren wird und seine Pläne daher so genau ausführen. Das hat dem Showdown leider einiges an Spannung genommen. Der Schluss ist gut gewählt und zufrieden stellend - aber nach dem Nebel und der Düsternis fehlt auch hier irgendwie noch der letzte große Knall.

FAZIT
"Mädchen aus dem Moor" besitzt eine gute Grundidee, deren Umsetzung besonders mit der dichten Atmosphäre und einigen schaurigen Geschehnissen überzeugen kann. Charaktere und Auflösung stimmten mich allerdings nicht komplett zufrieden. Gute 3 Punkte und insbesondere eine Empfehlung für Fans des Moores.

https://www.droemer-knaur.de/buch/9596838/maedchen-aus-dem-moor#

Die Bloggerin

Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, → klicke hier

2019 Reading Challenge

2019 Reading Challenge
Kittyzer has read 2 books toward her goal of 50 books.
hide

Aktuelle Lektüre

Aktuelle Lektüre
"Die Tierkriegerin und das Ende der Menschheit" von Felicity Green [34/356]

Letzter Kinobesuch

Letzter Kinobesuch
"Dumbo" am 03.04.
-->