Back Down to Earth


[Filmrezension] Bohemian Rhapsody


"Du bist eine Legende, Fred." - "Wir alle sind Legenden. Aber du hast Recht. Ich bin eine Legende."

STORY
Die Geschichte einer der größten Rockbands der Welt beginnt 1970, als es dem jungen Freddie Mercury (damals noch Farrokh Bulsara) gelingt, als Lead-Sänger Teil der Band Smile zu werden. Mit seinem exzentrischen Stil und seiner Fähigkeit, das Publikum mitzureißen und so lässt der Erfolg nicht lange auf sich warten - im Zuge dessen die Band um ihn, Brian May, Roger Taylor und später auch John Deacon sich in Queen umbenennt. Nach dem ersten Nummer-1-Hit "Bohemian Rhapsody" geht der Hype um die Gruppe erst richtig los. Doch der Erfolg hat auch seine Schattenseiten, und Mercury, der privat eher schüchtern und verschlossen ist, scheint der Ruhm zu Kopf zu steigen...

MEINE MEINUNG
Um die bekanntesten Lieder von Queen zu kennen, muss man nicht unbedingt ein riesiger Fan oder in den 60ern geboren worden sein - die Band ist einfach Kult, und es kann sich wohl kaum jemand Klassikern wie "Another One Bites the Dust" entziehen. Oder eben "Bohemian Rhapsody", ein episches Lied und Titelgeber für den Film, der allerdings, das wird früh deutlich, weit weniger ein Biopic über die Band im Ganzen ist als über den Leadsänger. Das ist etwas enttäuschend, wenn man bedenkt, dass Mercury sowieso immer im Focus stand und hier die Chance vertan wurde, auch auf die anderen Mitglieder einmal intensiv einzugehen.

Eines ist aber sicher: Wir können froh sein, dass die beiden noch bestehenden Band-Mitglieder Brian May und Roger Taylor sich gegen Sacha Baron Cohen ausgesprochen haben, denn so darf uns Rami Malek eine Darbietung zeigen, die sich gewaschen hat. Die Posen, die Mimik, der Gang - vergleicht man diese Augenblicke mit alten Aufnahmen, ist die Ähnlichkeit unglaublich. Auch Lucy Boynton als die lebenslange Freundin Mary und Ben Hardy, Gwilym Lee und Joseph Mazzello als Bandmitglieder wissen zu überzeugen. Schade ist, dass Paul Prenter sehr stark dämonisiert wird: Auch wenn Zeugenaussagen vermuten lassen, dass er kein besonders guter Mensch war, grenzt das Ganze doch schon fast an Verleumdung - und dass der Mann bereits vor Mercury verstarb, macht es nicht wirklich besser.

Trotzdem gelingt es dem Film oftmals, einen gewissen Sog zu entwickeln, was wohl vor allem der weiterhin großartigen und mitreißenden Musik zuzuschreiben ist. Es wird allerdings auch deutlich, dass die Drehbuchautoren sich so einige Freiheiten genommen haben - von Daten, die nicht stimmen, bis zum Zerwürfnis innerhalb der Gruppe, das es so eigentlich nie gab. Dadurch, und auch weil viele Ereignisse relativ kurz und im Zeitraffer abhandelt werden, fehlt teilweise die Liebe zum Inhalt. Die Nachstellung der Videodrehs und Aufnahmen, der Kontroversen um den Frontman sowie der atmosphärischen Konzerte sind großartig gelungen, keine Frage, aber Freddies fiktionalisierte Trennung von der Band nimmt etwas von der Zusammengehörigkeit und sorgt dafür, dass sich nur noch mehr auf ihn konzentriert wird. Dafür wird dann das Band Aid-Konzert als Höhepunkt in voller Länge ausgespielt, was toll aussieht, aber die wichtigsten Parts, nämlich das viel zu frühe Ende, auslässt - ein vielleicht schönes, aber irgendwie auch unwahres Ende. Man ist zum Schluss so vielleicht beseelt von den Songs, aber auch enttäuscht von dem Gefühl, dass etwas fehlte.

FAZIT 
"Bohemian Rhapsody" hat mit Rami Malek seinen perfekten Hauptdarsteller gefunden, und das macht einen Großteil seines Sogs aus - abgesehen von der Musik natürlich. Mir persönlich fehlte das Augenmerk auf die restlichen Bandmitglieder und teilweise auch ein bisschen das Herzblut. Wer sich mit der Geschichte Queens wirklich auskennt, könnte hier eventuell enttäuscht werden. 3 Punkte. 

  

   Kommentare:

  1. Aloha, Sonne.
    Ein wenig erscheint der Film wie ein Bio-Pic, nach Zahlen gemalt. Rein auf Nummer sicher. Mehr langes Musikvideo, denn an der Band selbst interessiert. Ein Musical im Grunde. Bessere Filme (auch Doku) über Rockstars gab es 2018 indes - gut, weniger auf einen Hochglanz poliert.
    Über Marianne Faithful oder Joan Jett...

    bonté

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  2. Ich bin kein Fan der Band, aber wie du schon sagtest: Auch als Nicht-Fan kennt man die bekannten Lieder und ich muss unweigerlich mitsingen. Aus dem Grund bin ich jetzt aber auch nicht ins Kino und werde mir den Film mal gemütlich auf der Couch anschauen, wenn er denn bei Prime im Abo ist. Denke mal da könnte er am ehesten landen. Mein Dad hingegen ist ja großer Fan und würde den Film deshalb auch gerne sehen. Schade aber, dass man manches wieder aufbauscht und fiktionale Elemente mit einbaut, denke das hätte man hier bestimmt nicht gebraucht. Trotzdem begeistert der Film aktuell ja alle, da bin ich echt gespannt ihn mal selbst zu sehen.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar, da fühle ich mich geehrt, dass du deine Pause kurz unterbrichst :P.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass Disney da mitgesprochen hat, weil es schon auffällig ist, dass eine Serie nach der anderen jetzt vor dem Start von Disney + abgesetzt werden. Ich denke, dass man sich vorbehalten möchte die Figuren zu nutzen. Anders kann ich mir die Absetzungswelle nicht erklären, zumal jetzt auch laut einem unabhängigen institut Daredevil zu den drei erfolgreichsten Serien von Netflix zählen soll. Gibt ja immer wieder Institute die das irgendwie errechnen und da dann doch Listen zusammenstellen. Somit sehe ich keinen Grund wieso Netflix die Serie hätte absetzen sollen, die Beliebtheit wird schon mit einem Blick auf Twitter ersichtlich. Der Satz man wird die Figur im Marvel-Universum wiedersehen war ja auch ein Hinweis darauf, dass irgendwas mit ihr geplant ist. Nur ob Charlie Cox dann die Rolle erneut spielt ist fraglich und genau das ärgert mich. Ich fand ihn so genial als Daredevil.

    Habe jetzt am Wochenende mit der 3. Staffel angefangen und bisher gefällt sie mir echt gut. Jessica Jones hatte ich bisher ja noch nicht gesehen, steht aber noch auf der Watchliste. Bei Punisher wird es für mich noch mal hart, denn da fand ich die erste Staffel schon so toll.

    Disney Plus werde ich mir auch nicht zulegen. Finde den Trend eh bedenklich, da das für uns als Kunde am Ende negativ ist. Plane zu dem Thema aber noch einen Podcast oder einen seperaten Beitrag zu.

    Ja das habe ich jetzt auch mitbekommen, dass es ja schon im April weitergeht, habe ich mich sehr gefreut, denn die Wartezeiten sind ja schon echt heftig. Jup der fehlt mir auch. Finde die Katze zwar trotzdem mega süß, aber es fehlt. Denke aber mal sie wollten das einfach etwas erwachsener gestalten und habe sich deshalb dafür entschieden ihn nicht sprechen zu lassen.

    Ich wünsche dir auch einen erfolgreichen Dezember :). Habe jetzt einen Beitrag mit mehreren Rezensionen in der Pipeline, sodass ich dann doch noch ein paar Serien abhaken kann xD. Auf dem Weg ist es halt doch etwas leichter, als jeder Serie einen eigenen Post zu widmen.

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Die Bloggerin

Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, → klicke hier

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