Back Down to Earth


[Filmrezension] Downsizing

"Keine Sorge, Darling. Wie er selbst sagt, nichts, was er macht oder will, funktioniert."

Bildergebnis für downsizingINHALT
Paul und Audrey Safranek leben ein einfaches, aber gutes Leben - und träumen doch von mehr. Diese Wunschvorstellung könnte in Erfüllung gehen, als ein norwegischer Wissenschaftler aufgrund der drohenden Überbevölkerung der Welt ein Verfahren entwickelt, mit dem Menschen auf die Grüße von knapp 13 Zentimetern geschrumpft werden können. Die Lebenserhaltungskosten sinken dadurch extrem, weshalb purer Luxus möglich ist. Paul und Audrey beschließen, die Chance wahrzunehmen und melden sich zur Prozedur an. Doch alles kommt ganz anders als gedacht und die Welt der kleinen Menschen ist lange nicht so perfekt, wie es den Interessenten vorgegaukelt wurde...

MEINE MEINUNG
Regisseur Alexander Payne ist bekannt für seine Familiendramen und Tragikkomödien - und auch "Downsizing" schlägt teilweise eine ähnliche Richtung ein. hat aber auch starke Elemente einer Gesellschaftskritik und -satire. Die Erwartungen an das Ganze sollte man jedoch definitiv nicht zu stark an die Trailer koppeln, denn diese versprechen einen ziemlich anderen Film als er einem geboten wird. Die Idee ist genial und der Detailreichtum fasziniert, das Gesamtwerk wirkt allerdings leider ein wenig inkonsistent, weil ihm der rote Faden ab und zu verloren zu gehen scheint.

Nach einigen Ausflügen in die Action- und Science-Fiction-Welt ist Matt Damon in diesem Film mal wieder der gutmütige, leicht trottelige Normalo, der sich nur nach Frieden und einem besseren Leben sehnt. Paul Safranek ist eher ein Mitläufer als ein Macher, er ist liebenswert, aber auch relativ langweilig. Die Show wird ihm jedoch sowieso von Newcomerin Hong Chau gestohlen, die ab der zweiten Hälfte als Ngoc Lan auftritt und in ihrer trockenen und herrischen, aber mütterlichenArt für richtig gute Stimmung sorgt. Und Christoph Waltz darf endlich mal wieder nicht der Bösewicht sein - sein
Dušan ist Pauls Nachbar, ein lebensfroher, nicht ganz legal handelnder Slowake, der durch seine Mimik geniale Momente schafft.

Die Idee, dass das Problem der Überbevölkerung, Ressourcenvernichtung und Umweltverschmutzung mit der Schrumpfung der Menschheit angegangen wird, ist großartig und führt zu einigen moralischen wie gesellschaftskritischen Fragen. Es ist eine sehr nahe Zukunft, die uns hier präsentiert wird, und die man sich durchaus vorstellen kann. Allerdings ist der Film damit auch nichts Halbes und nichts Ganzes, denn neben diesen Aspekten will er auch eine Selbstfindungsgeschichte, eine Komödie und zu einem kleinen Teil eine Romanze sein. So werden viele Zeitsprünge genutzt, um schneller voranzukommen, was einen aber immer wieder aus der Geschichte reißt, und nach der ersten Hälfte (die wunderbar diese neue Welt und ihre Eigenarten beleuchtet, aber auch ein wenig langweilt) habe ich mich bei einem der vielen Stimmungswechsel doch gefragt, was genau nun eigentlich die Story ist. Dafür ist der zweite Teil, wirklich, wirklich witzig, was vor allem an der neuen weiblichen Protagonistin liegt. Und auch das Ende passt und bildet einen überwiegend runden Abschluss - wäre der Mittelteil nicht gewesen, es hätte ein wirklich guter Film en können.

FAZIT 
"Downsizing" spielt wunderbar mit tollen Ideen und moralischen, gesellschaftlichen Fragen.  Storytechnisch wirkt dieser Genremix aber unausgegoren und ein wenig planlos, so witzig die zweite Hälfte auch ist. Insgesamt unterhaltsam, aber der große Aha-Effekt bleibt aus. Gute 3 Punkte.



 

   Kommentare:

  1. Latha math, Sonne.
    Wieso sich Verleihe heute noch etwas von verfälschenden Trailern versprechen bleibt ein Rätsel.
    Erst recht zwiesplältig bei einem Film, der sich in Satire & Gesellschaftskritik geben will.

    Der Film an sich wußte mich nicht weiter zu reizen - einfach weil Alexander Payne eher im Format "Langeweile" filmt.

    Wenn Paul so vom Luxus träumt - den Schrumpfungsprozess gibt es für lau!?
    Die Infrastruktur gratis oder ist sie auch verkleinert?

    bonté

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    1. Ich könnte mir vorstellen, dass es zum Teil daran liegt, um eine bestimmte Entwicklung bei den Ehepartnern nicht zu spoilern, was durchaus nicht dumm war. Trotzdem hat der Trailer ein anderes Stimmungsbild gezeigt, als es dann letztendlich im großen Ganzen gab.

      Es gibt so Regisseure, mit denen kann man wohl einfach nichts anfangen - so wie ich mit den Cohen-Brüdern. "The Descendants" mochte ich tatsächlich sehr gern, aber das ist halt alles Geshcmackssache. "Downsizing" hatte zumindest ein paar sehr witzige Szenen.

      Das Ganze wird so erklärt, dass in der Welt der Kleinen durch den kleineren Lebensraum, die geringeren Produktionskosten etc alles sehr viel günstiger ist. So ist das Kapital des Ehepaars in der Welt über eine Million wert. Kann ich nicht beurteilen, wie realistisch das wäre :D

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    2. ...mit den Feuilleton-Lieblingen, den Coen-Brüdern, kann ich ähnlich bis rein garnichts anfangen. 'Fargo' ist einfach zum erfrieren langweilig. Von den nervenden Figuren fange ich besser nicht an... :-)

      bonté

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  2. Okay, von dem Film habe ich irgendwie noch überhaupt nichts gehört und er ist komplett an mir vorbeigegangen? :D

    Ich denke, ich werde es auf jeden Fall nochmal mit dem Witcher probieren, weil ich es gar nicht mag, Spiele nicht zu beenden. Vielleicht gefällt es mir dann ja besser, mal sehen!
    Und ich kann die Frustration bei Horizon Zero Dawn nachvollziehen - ich bin an einer Stelle auch wirklich eeewig festgehangen und hätte die PS4 dann am liebsten aus dem Fenster geworfen :D

    Ganz liebe Grüße!

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    1. Ich bin gar nicht sicher, ob mich das überrascht - ein Kassenschlager war der Film jetzt nicht. Auf DVD könnte er ganz nett sein, die zweite Hälfte ist wirklich witzig.

      Und ich freue mich sehr, wenn du es mit dem Witcher noch einmal probierst. Wer weiß, vielleicht muss es nur die richtige Zeit sein :D

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