Back Down to Earth


[ETC] Rock am Ring 2018: Was war das bitte für ein saugeiles Wetter?

Ich glaube nicht, dass ich es hier irgendwann schon einmal erwähnt habe (vermutlich gab es keinen Anlass), aber ich hasse es zu zelten. Ich hasse es wirklich. Keine sanitären Anlagen in unmittelbarer Nähe, Duschen ist größtenteils ein Wunschtraum und das Essen ist einseitig und meistens eher fad.

Trotzdem war ich Anfang Juni auf meinem ersten Festival überhaupt. Was wird das hier also? Der Bericht einer Rockmusik-liebenden und Zelten-hassenden Person, die mit ihren 1,60m in den meisten Fällen zu klein ist, etwas zu sehen, wenn andere Menschen vor ihr stehen. Rate ich euch also davon ab, ein Festival zu besuchen? Natürlich nicht.

Die Anreise 

Ein Tipp: Leiht euch kein Auto, von dem ihr nicht wisst, in welchem Zustand es ist. Logisch eigentlich - kann man trotzdem erwähnen. Die Freundin, die den Wagen bekommen hat, musste leider noch Freitagmorgen in die Werkstatt, um das Abblendlicht austauschen zu lassen - und so haben wir uns erst mit zwei Stunden Verspätung in Köln getroffen. Ankunft auf dem Gelände also: Um 17 Uhr. Die erste Band, die ich sehen wollte - The Night Game - spielte da schon.

Man rate, welches unser Auto war...
Also haben wir erst einmal unsere Bändchen geholt, uns durch die Menge gekämpft und umgeschaut, bevor wir unseren ganzen Kladderadatsch vom Parkhaus zum Green Camping schleppten. Aufbau des Zeltes: Um 21:30 Uhr. Genial. Einen Vorteil hatte es: Bis dahin hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten die restlichen (zwei) Bands wunderbar genießen.

Das Line-Up

 
Dieses Jahr haben viele gemotzt. Erstaunlicherweise waren für mich aber so einige Künstler dabei, die ich schon immer live sehen wollte. Shinedown, Avenged Sevenfold, Marylin Manson, Muse, Rise Against - eine ziemlich gesunde Mischung, bei der für jeden etwas dabei ist. Außerdem ist es natürlich immer möglich, von einer Stage zur nächsten zu wandern und so Unbekanntes zu entdecken - das ist uns jedenfalls mehrmals so gegangen. Und wenn Leerlauf ist, hat man immerhin Zeit, mal ein paar Nüsse zu essen.

Das Zelten

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Zelten hasse? Ich denke, ich kann es nicht oft genug wiederholen. Nachts ist es unangenehm kühl, aber sobald am Morgen die Sonne auf den Stoff scheint, verwandelt sich die Behausung in eine Sauna - das ist doch Mist. Wer das freiwillig macht, ist mir schon mal von grundauf suspekt. Da wir jede Nacht erst gegen 03:30 am Zelt waren, blieben uns also nicht mehr als 4 Stunden Schlaf, bevor uns Lautstärke und Hitze aus dem Schlaf rissen. Aber Müdigkeit gehört bei Festivals dazu.

Nur eine mobile Dusche, die würde ich mir persönlich wünschen, dann wäre das Ganze auch direkt angenehmer. 3 Euro für eine Dusche ohne Vorhang (aber immerhin mit Spiegeln und Föhns) sind ein Luxus, den wir uns auch nur einmal gegönnt haben. Ansonsten muss mit Katzenwäsche vorlieb genommen werden - die anderen riechen schließlich auch nicht besser. 

Hinzu kommen natürlich die endlos langen Fußmärsche. Eine halbe Stunde zum Festivalgelände, eine halbe Stunde zurück zum Zeltplatz...Mein tägliches Ziel von 10.000 Schritten habe ich jeden Tag weit übertroffen. Da musste man sich zwischenzeitlich irgendwann einfach mal irgendwo auf den Boden setzen, um ausruhen zu können. Zum Glück war ja wenigstens das Wetter der Wahnsinn mit lauschigen 20 Grad, sodass man es sich gut gehen lassen konnte.


Der Freitag

An diesem Tag (bzw. eher Abend, wenn man unsere Ankunft bedenkt) war das Programm für mich eher schwach, mit wenig hartem Rock und 30 Seconds to Mars, die ich sehr langweilig finde. Eins muss man Jared Leto aber lassen: Entertainen kann er. Musikalisch war das Ganze allerdings eher mäßig. So richtig gut wurde es dementsprechend also erst um 01:15 in der Nacht auf Samstag, als Marylin Manson auf der Crater Stage auftrat und zwar weniger skurril war als erwartet, dafür aber genau die richtigen Songs gespielt hat. Da wir nicht so früh da waren wie geplant, sind wir in der Nacht noch dem Moshpit entgangen - was man von den folgenden Tagen nicht sagen kann.

Der Samstag

An diesem Tag waren wir deutlich erfolgreicher. Bei Nothing More und The Maine waren wir jeweils zufällig und glücklicherweise an den Stages und haben die Programme mitgenommen - was sich sehr gelohnt hat. Die ersten wichtigen Bands war aber Black Stone Cherry, gefolgt von, natürlich, Shinedown, die eine richtig gute Show abgeliefert haben - bei der wir im ersten Moshpit des Tages gelandet sind. Mit meiner bescheidenen Größe traue ich mich nicht dort hinein, um nicht nieder getrampelt zu werden, aber ich liebe es, der wilden Menge zuzuschauen. Abgesehen von den vielen Crowdsurfern - irgendwann nervt es einfach, ständig aufzupassen, dass einem niemand auf den Kopf fällt -, war es ein geniales Erlebnis, die Band live zu sehen.



Nach einem Snack haben wir uns dann das Ende von Snow Patrol angeschaut, um rechtzeitig bei Muse sein zu können, und das war eine gute Entscheidung: Matt hat zwar ausnehmend wenig mit den Fans gesprochen, muss man leider sagen, dafür hat die Band aber eine großartige Show abgeliefert mit vielen rockigen Liedern, aber auch zwei Akustik-Versionen. 


Das Highlight des Abends hat jedoch erneut auf der Crater Stage stattgefunden, an der wir sowieso den Großteil der Tage verbracht haben. Heavy Metal-Band Avenged Sevenfold durfte ich dort nämlich zum ersten Mal live erleben und es war der W-A-H-N-S-I-N-N. Wir haben natürlich den Fehler begangen, uns in die 7. Reihe vorzuarbeiten, nicht ahnend, dass es dort keinen Moshpit geben, sondern dass einfach alles ein Moshpit sein würde. Dementsprechend mussten wir leider von einem netten Festival-Besucher gerettet werden, als meine Freundin zum zweiten Mal drohte unterzugehen. Glück für uns: Etwas weiter hinten durften wir dann ein komplettes Lied auf den Schultern erleben und der Ausblick war großartig. 



Der Sonntag

Am Sonntag ging es später als am vorherigen Tag so richtig für uns los. Ursprünglich wollten wir uns noch PVRIS anschauen, aber da wir Probleme mit dem Auto hatten, waren wir erst zu Good Charlotte richtig dabei, die uns allerdings nicht großartig umgehauen haben. Wichtiger war uns natürlich sowieso Rise Angainst danach, wo es erneut ziemlich heftig zu ging - sodass wir uns innerhalb der ersten 10 Minuten in der Masse verloren. 



Und uns erst drei Stunden später, nach den Foo Fighters, wiederfanden. Die Band habe ich also allein erlebt - und auch so war es ein tolles Gefühl. Trotz von einer Erkältung angegriffener Stimme hat Dave Grohl über 2 Stunden durchgehalten, die Jungs haben improvisiert, gescherzt und Erinnerungen geteilt - genau so fühlt man sich als Zuschauer ernst genommen.

Zum Abschluss konnten wir dann noch - wieder vereint - die Gorillaz genießen, die auch mit vielen unbekannten Songs mitreißen konnten - und als dann endlich Feel Good kam, war sowieso niemand mehr zu halten.

Das Fazit

Es lässt sich nicht leugnen: Rock am Ring ist ziemlich teuer geworden, vor allem durch das viele Allerlei, für das man zahlen muss. Andererseits muss man auch sagen, dass für die 180 € für das Festival-Ticket (2. Preisstufe) und die 50€ für das Camping-Ticket 5 Übernachtungen und knapp 80 Bands drin sind. Wer die Musikrichtungen mag, wird seinen Spaß haben. Vor allem erlebt man größtenteils ein Gefühl der Einheit: In der Schlange für die Toiletten entstehen tiefschürfende Gespräche, auf dem Zeltplatz lauscht man den Kommentaren der Mitcamper und Free Hugs gibt es immer und überall. Und schon für das Feeling lohnt es sich dann eigentlich doch. 

Habt ihr schon ein Festival besucht?
  

   Kommentare:

  1. Sali, Sonne.
    Dito ist mir die Faszination vieler für Zelten oder Wohnmobilen fremd geblieben; mag aber auch bereits darin begründet liegen, daß ich Reisen per se nicht sonderlich bevorzuge. My home still is my castle, I guess. :-)
    Im Übrigen sehe ich mir die Ferne lieber via Medium "Film" an - ähnlich wie Konzerte oder Festivals (yep, ich habe in meinem Leben noch keinen Gig besucht).
    Nicht unerwähnt sollte beim Zelten (und dem Bedürfnis zu Nächtigen) auch die Penetranz der Kleinstfauna sein, die zu Luft, Land & Wasser über erhebliche Truppenbewegungen verfügen kann.

    Der Moshpit...nicht wirklich gentlemen-like anwesenden Damen unfreiwillig den Status von "Wurfgeschossen" zu verpassen. Nope. Diesbezüglich halte ich es mehr mit Kathleen Hanna & Ihrem Motto fürs Publikum "Girls to the front!".

    bonté

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    1. ...ein musikalischer Nachschlag sei mir noch erlaubt. :-)
      Die Neuaufnahme eines drei Jahrzehnte alten Songs von The Cult - die Gitarre ist Feinschliff!

      https://www.youtube.com/watch?v=_SdIV5By2E0
      for your consideration

      & um richtig in meinen Jugendjahren aufzuschlagen - The Cure von '79

      https://www.youtube.com/watch?v=-CtgAgTqx0w
      for your consideration

      bonté



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Die Bloggerin

Kittyzer, 22 Jahre alt, früher als Sonne bekannt. Gebürtige Niedersachsin, die für die Arbeit nach Rheinland-Pfalz gezogen ist. Schreibt über Bücher, Filme, Serien und Mainz. Um mehr zu erfahren, → klicke hier

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