Back Down to Earth


[Buchrezension] Internment-Chronicles: Fallende Stadt - Lauren DeStefano

"Was ist denn, Dad?", sagt Lex. "Du verbreitest Panik."
"Morgan muss sofort nach unten kommen. Der König hat befohlen, dass sich heute Nacht jeder in seiner Wohnung aufzuhalten hat. Auf den Gleisen lag eine Leiche."
Ein entrückter Teil von mir nimmt die Worte kaum wahr, aber ein anderer muss die Frage stellen. "Hat es einen Unfall gegeben?"
"Nein, mein Herz", sagt er. "Die anderen Wachmänner und ich untersuchen die Sache. Ein Mädchen wurde ermordet."

INHALT
Internment ist eine Stadt in den Wolken, die sich selbst versorgt und dem Paradies gleicht: Sie ist sicher, es gibt keine Armut und das Leben ist genau geregelt - von der Geburt über den Ehepartner bis zum Tod. Das alles kennt die 16-jährige Morgan, und bisher hat sie sich kaum daran gestört. Die Umstände ihrer Familie sind zwar alles andere als einfach, aber ihre Freunde und ihr Verlobter haben ihr immer Halt gegeben. Bis plötzlich eine Schulkameradin tot auf den Gleisen gefunden wird: ermordet. Auf einmal stellt sich Morgan alle Fragen, die sie immer unterdrückt hat. Und bald schon fragt sie sich, ob Internment wirklich so gut ist, wie sie immer geglaubt hat.

MEINE MEINUNG
Lauren DeStefano liebt Dystopien, so scheint es jedenfalls, denn nach ihrer "Land ohne Lilien"-Trilogie spielen auch die Internment Chronicles in einer Welt, die von einem totalitären Staat (bzw. erneut einem König) regiert wird. "Fallende Stadt" spielt aber im Himmel - ein ungewöhnlicher Ort für solch einen Roman. Begeistern kann wieder der wunderschöne Schreibstil der Autorin, der ihr erschaffenes System und die Menschen vor den Augen des Lesers lebendig werden lässt. Allerdings hat sich auch die ein oder andere Länge eingeschlichen.

Morgan ist mit ihren jungen 16 Jahren eine überraschend starke Protagonistin, die man gern begleitet. Natürlich ist sie nicht vor Naivität und schlechten Entscheidungen gefeit, aber sie besitzt auch einiges an Mut und traut sich, die richtigen Fragen zu stellen. Ihr Verlobter Basil kann ebenso überzeugen: Er ist eher der ruhige, beschützerische Typ, aber ohne dabei je über sie zu bestimmen. Allgemein können besonders die Nebenfiguren begeistern: Morgans beste Freundin Pen etwa, eine starke junge Frau, die allerdings voll in ihrer Liebe zu Internment aufgeht; oder auch ihr Bruder Lex, der vor Jahren versucht hat, vom Rand der Stadt zu springen, und der seitdem blind ist. In der Charakterisierung dieser Figuren zeigt DeStefano ihre ganze Stärke und fesselt mit den unterschiedlichen Ansichten.

Auch der Weltentwurf ist interessantE eine Stadt im Himmel, deren strikte Gesetze ein gutes Zusammenleben sichern sollen. Es gibt Listen darüber, wer sterben und wer ein Kind bekommen darf; spätere Ehepaare werden schon im Kindesalter zusammengeführt - aber eine Möglichkeit, die Stadt zu verlassen, gibt es nicht. Morgans wachsendes Gefühl, eingesperrt zu sein, überträgt sich auch auf den Leser, wodurch eine intensive Atmosphäre geschaffen wird, und besonders ihre Träume danach, selbst zu springen, oder zumindest etwas Neues zu sehen, sind nachvollziehbar. Allerdings hat das Buch in der Mitte einiges an Leerlauf, wo nur wenig passiert, Morgan selbst nicht recht von der Stelle kommt und die Überraschungen fehlen. Dafür wird dann am Schluss noch einmal alles aufgefahren und der Grundstein für die kommenden zwei Bände gelegt. Teil 2 ist im Mai auf Deutsch erschienen, Teil 3 folgt im Juni.

FAZIT 
Lauren DeStefano hat einen ganz besonderen Schreibstil, der auch in "Fallende Stadt" wieder in seinen Bann zieht. Die Idee ist neu, die Charaktere bieten viel Potenzial zur Identifikation - nur die Spannung lässt teilweise etwas zu wünschen übrig. Gute 3,5 Punkte.

   Kommentare:

  1. Salut, Sonne.
    Das Utopia der kontrolierten Sorglosigkeit trägt bereits in sich den Keim des Untergangs, weil Menschen nach ihren Freiheiten streben. Von daher hat das Thema nie seinen Reiz verloren.
    Es stimmt, der Mensch gibt sich Gesetze, um das Zusammenleben aller zu ermöglichen. Wann immer sie aber die Grenze zur Gleichschaltung des Einzelnen überschreiten, sollten der Alarm hochfahren.
    Internment hat natürlich all die Merkmale einer, per Diktat gleichgeschalteten, Gemeinschaft, die zum Untergang verdammt ist. Per Listen festgelegte Tode/Geburten, festgelegte Ehen - demnach also alle Menschen in der Stadt perma-bindungswillig & hetero wären. Die Definition einer künstlichen Gesellschaft per se...

    bonté

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    1. "sollte der Alarm hochfahren" - das ist wohl das Stichwort. Tut er nämlich oft genug nicht. Wie man gut an den Ländern sieht, die sich aktuell gerade eine Diktatur schaffen. Und so sind Dystopien weiterhin beliebt, weil das Thema gruselig und doch oftmals gar nicht so weit weg von der Realität ist.

      Und ja, der Aspekt Heterosexualität bzw. das Verschweigen der Homosexualität wird hier auch einmal angesprochen, um ehrlich zu sein aber nicht wahnsinnig ausführlich. Das ist immer schwierig, wenn es um die normalen cis-Figuren geht.

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    2. ...stimmt, die Führerverherrlichung feiert wieder allerlei Urstände. Aber ein Blick in die Geschichte scheint manchen bereits zuviel der Anstrengungen. Lieber läßt man/frau für sich "denken". Und später wußte wieder niemand von nix...

      Erzkonservative Gesellschaften rühmen sich gern einer "moralischen Überlegenheit", weil es allerlei "Verderbtheiten" bei ihnen nicht gäbe. Anmerkenswerterweise sind allerdings Gewalt, Mord & Todschlag (im Namen der eigenen Ideologie) bestens beleumundet. Schizophrenie der Überheblichkeiten...

      bonté

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