Back Down to Earth

[Serienrezension] Absentia

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"Aber welche Art Cop sind Sie? Die Art, die Fälle schließt - oder die Art, die sie auch löst?"

STORY
6 Jahre lang war FBI-Agentin Emily Byrne verschwunden - und wurde letztendlich für tot erklärt. Ihr Mord wurde dem vermuteten Serienmörder Conrad Harlow angelastet. Doch dann wird sie nach einem Hinweis in einer Hütte in einem Wald entdeckt, ohne Erinnerung an die Tortur, aber schwer traumatisiert. In ihr altes Leben kann sie nicht zurück kehren: Ihr Mann hat erneut geheiratet, und seine Frau erzieht Emilys Sohn als ihren eigenen. Und als wäre das nicht schlimm genug, geschehen in der näheren Umgebung erneute Morde und bald ist Emily die Hauptverdächtige...

MEINE MEINUNG
Stana Katic fasst nach dem unrühmlichen Ende von "Castle" wieder Fuß - nicht nur als Hauptdarstellerin, sondern auch als Executive Producer. Wie ihre vorherige Serie ist auch "Absentia" im Crime-Genre angesiedelt, allerdings nicht in der "Murder of the Week"-Manier. Stattdessen bauen alle Folgen aufeinander auf und erzählen die Geschichte von Emily, die nach ihrer Entführung ihre Unschuld an einigen Mordfällen beweisen muss. Dass die Staffel (oder Serie, über eine Fortführung ist noch nichts bekannt) aber zehn Folgen umfasst, ist nur dem Umstand geschuldet, dass die Charaktere laufend vollkommen abstruse Schlussfolgerungen ziehen, die die Handlung offensichtlich strecken sollen. Zudem werden nicht einmal alle Fragen geklärt: Eine der Figuren wird etwa als Liebhaber von Torture Porn enttarnt, doch dieser Aspekt wird nach der Folge nie wieder aufgegriffen.

Schauspielerisch ist das Ganze durchaus auf durchschnittlichem bis hohem Level angesiedelt. Insbesondere Stana Katic selbst gelingt es gut, die Handlung zu tragen und die Mischung aus traumatisiertem Entführungsopfer und tougher, alles auf Spiel setzender Agentin zu porträtieren. Patrick Heusinger ist der (ein wenig blass gezeichnete) Exmann Nick, der einem anfangs noch sympathisch ist, sich dann aber zunehmend in Dinge verrennt - genauso wie Polizist Tommy, der sich genau wie alle anderen Cops komplett auf eine Lösung versteift. Cara Theobold dürfte einigen eventuell aus Netflix' "Crazyhead" bekannt sein, aber auch sie ereilt das gleiche Schicksal wie die anderen Charaktere: Irgendwann trifft sie nur noch komplett überzogene Entscheidungen, die einem ihre Figur verleiden.

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Emily, nachdem sie gefunden wurde
Eigentlich ist die Serie gar nicht so schlecht - zumindest nicht in den ersten drei bis vier Folgen. In diesen erscheint die Story noch einigermaßen plausibel, man begleitet Emily dabei, wie sie sich wieder in der Welt zurechtfinden muss und wie sie immer wieder Visionen und grausame Erinnerungen überfallen. Spätestens ab dem zweiten Mord geht es dann aber richtig bergab. Es ergibt einfach keinen Sinn, dass alle sich auf sie als Mörderin versteifen, denn in den meisten Fällen hat sie weder einen Grund, noch Zeit dafür gehabt. Wie und wieso sollte sich jemand selbst solche Verletzungen zufügen und sich fast in einem Wassertank ertränken? Wieso sollte man die einzigen Personen umbringen, die Hinweise auf die eigene Entführung haben? Die Schlussfolgerungen von Polizei und FBI ergeben vorne und hinten keinen Sinn, sie sind einfach nur ein Mittel, um Spannung zu erzeugen. Selbst als es um die Sicherheit von Emilys Sohn geht, ist sie die Verdächtige, was den Zuschauer einfach nur fassungslos mit dem Kopf schütteln lässt. Die Auflösung am Ende (der einzige Grund, dran zu bleiben) ist dann auch denkbar banal und uninspiriert - man denke an die Enttäuschung über Red John in "The Mentalist" und schon weiß man, wie man sich hier fühlt. Dass es eine weitere Staffel geben soll, ist nach der letzten Szene wahrscheinlich. Ich werde aber nicht mehr einschalten.

FAZIT 
Es ist schön, Stana Katic wieder auf dem Bildschirm zu sehen - aber ich hätte mir für sie ein besseres Projekt gewünscht. "Absentia" beginnt spannend, gerät aber ab der Hälfte der Staffel in eine Abwärtsspirale aus dummen Entscheidungen, absurden Zufällen und ungelösten Fragen. Wer irgendwann schon einmal eine Crime-Serie gesehen hat, kann hiervon die Finger lassen. 2 Punkte.

 


   Kommentare:

  1. Soo jetzt bin ich auch dazu gekommen deine Rezension komplett zu lesen und du hast recht: Damit verschwende ich nicht meine Zeit. Finde ich schade, dass man das so verhunzt hat, denn die Handlung klingt ja erstmal spannend und der Cast auch nicht schlecht. Gerade, dass es mal kein Case of the Week Format ist, fand ich interessant. Schade also, dass man das in die Länge gezogen hat. Für mich gibt es ja auch nichts Schlimmeres, wenn Figuren total idiotische Entscheidungen treffen, die man nicht versteht. Das hat mich schon bei Fear the Walking Dead bei einigen Charakteren genervt, wobei da die Handlung dann mit der Zeit besser wurde. Aber gerade läuft einfach so viel Gutes, dass ich meine Zeit nicht mit einer Serie verschwenden möchte, die dann nur durchschnittlich ist. Vielleicht hätte man das eher auf eine Mini serie auslegen sollen mit drei oder vier Folgen.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ah das freut mich zu hören, dass ich dich dann trotzdem neugierig machen konnte. Ich liebe das Genre ja und finde, dass es im Moment wenige Serien in die Richtung gibt. Deshalb freue ich mich da über jede neue Bestellung und "The Bold Type" trifft da komplett meinen Geschmack, was ich gar nicht erwärtet hätte. Die Zugfahrten sind da glaube ich echt perfekt für, denn die Serie kann man super binge watchen und wird gut unterhalten.

    Bei den Marvel-Serien finde ich das aber, da schleichen sich immer Längen ein, sodass man da ein paar weniger Episoden hätte machen können bzw. die Folgenlänge kürzen könnte. Meine Ausnahme ist ja "The Punisher", denn da gabs in meinen Augen überhaupt keine Längen. Jessica Jones habe ich ja noch gar nicht gesehen. In der Regel sind kürzere Staffeln aber echt positiv, vor allem da es ja auch was positives ist, wenn eine Serie so gut ist das man noch mehr Folgen hätte. Das heißt ja es gab keine Längen und die Spannung wurde konstant aufrecht erhalten. Das fand ich bei Teen Wolf auch immer so schön. 12 Folgen waren da perfekt. Füller gibt es da keinen einzigen.

    Musst mir dann unbedingt verraten, wie du die Serie fandest und ob sie deinen Geschmack getroffen hat.

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  2. G'Day, Sonne.
    Im Grunde wäre ja das Rätsel um Emily Byrnes jahrelange Verschwinden Stoff genug, um sich in zehn Folgen darüber auszulassen. Zu schweigen von den Folgen für ihr Leben.
    Offensichtlich klopfen die Macher hier aber lieber wieder die altgewohnten Plot-Schemata ab, anstatt sich auf den Kern ihrer Story zu konzentrieren.

    Habe ich Dir gegenüber bereits die Nachtod-Serie "The Good Place" erwähnt?

    Und eine zweite Doku über den Künstler Andy Goldsworthy läuft jenseits des Kanals an...

    https://www.youtube.com/watch?v=rAx-HsXjLvA
    for your consideration

    bonté

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