Back Down to Earth

[Buchrezension] Unsere verlorenen Herzen - Krystal Sutherland

Muz war dazu übergegangen, seine Haare über mein Gesicht, Brust und Arme zu verteilen. "Kannst du...Igitt, Murray, steig endlich von mir runter!"
"Ich markiere mein Territorium", erklärte er. "Ich will dich nicht verlieren!"
Ich warf Lola einen Blick zu. "Aus diesem Grund bin ich Single."
La schüttelte den Kopf. "Glaub mir, das ist nicht der Grund."
Ich erschlaffte und ließ es zu, dass Murray mich mit seinen fettigen Haaren salbte. Wenn Grace jemals Zeugin so mancher merkwürdiger Vorgänge werden würde, die in diesem Kellerraum stattfanden, würde sie auf der Stelle Reißaus nehmen. 
Das allein war Grund genug, sie nie, nie, nie hierher einzuladen.

INHALT
Mit inzwischen 17 Jahren war Henry noch nie verliebt, hat noch nie die Höhen und Tiefen einer Beziehung erleben können - bis er seiner neuen Mitschülerin Grace begegnet. Diese kleidet sich in unförmige Jungsklamotten, müffelt manchmal ein bisschen und lässt Nähe nur ungern zu. Für Henry ist sie ein Buch mit sieben Siegeln, die er unbedingt lösen möchte. Die beiden verstehen sich fast auf Anhieb und als sie ihn eines Tages auf einer Party küsst, schwebt er auf Wolke 7. Nur scheint sie sich nicht auf ihn einlassen zu können, und bald schon ist sich Henry nicht mehr sicher, ob sich der Kampf wirklich lohnt.

MEINE MEINUNG
"Unsere verlorenen Herzen" ist ein typisches Jugendbuch rund um die erste Liebe, Freundschaft und Herzschmerz - und gleichzeitig überhaupt kein typisches Jugendbuch, denn nicht nur geht es auch um Verlust, Schuldgefühle und Trauer, Autorin Krystal Sutherland macht auch sehr deutlich, dass die erste Liebe nicht immer auch die große sein muss. Der Schreibstil ist wie vom Genre gewohnt spritzig und locker, mit Dialogen, die wie aus dem echten Leben wirken (und manchmal herrlich absurd werden).

Henry ist ein wunderbarer männlicher Protagonist, den man quasi sofort ins Herz schließt. Er ist ein wenig naiv und gutgläubig, aber gerade das macht auch einen Teil seines Charmes aus - neben seinem tollen Sinn für Humor und seiner Liebenswürdigkeit. Grace ist schwer zu durchschauen und wirkt anfangs, wie von anderen Figuren selbst angesprochen, wie das berühmte Manic Pixie Dream Girl ohne Hintergrund und nur dafür da, dem Hauptcharakter zur Weiterentwicklung zu verhelfen. Tatsächlich berührt aber ihre Vergangenheit und sie hat ganz klar ihren eigenen Willen, ihre eigenen Sorgen und Nöte. Henrys beste Freunde Lola und Murray sind davon abgesehen aber noch einmal eine Klasse für sich - Lola ist diejenige, die Henry immer wieder auch teils radikal auf den Boden der Tatsachen zurückholen muss, während Murray ganz der selbstverliebte, aber urkomische Australier ist. Der einzige Kritikpunkt bei den Figuren ist die teilweise Übertreibung, und dass die Eltern, so cool sie auch sind, doch unglaubwürdig locker mit den Kindern umgehen.

Die ersten und die letzten etwa 100 Seiten sind die besten des Buches: Man begleitet Henry dabei, wie er sich Hals über Kopf in Grace verliebt und später, wie er damit umgeht, dass die Beziehung lange nicht so läuft, wie er sich das gewünscht und vor allem erträumt hat. Besonders die witzigen Gespräche der Freunde, inklusive der Streits und Kabbeleien zwischen Henry und Grace, bringen einen immer wieder zum Lachen, und gleichzeitig gibt es Szenen, die einen direkt ins Mark treffen. Die Längen im Mittelteil, als sich das Paar immer und immer wieder im Kreis dreht, sind da durchaus zu verkraften. Besonders, weil dieses Werk ein so wichtiges ist, denn selten wird der Tod so direkt, so ungeschönt und so berührend in Jugendbüchern thematisiert. Es gibt Liebesgeschichten, die sind für die Ewigkeit, aber manchmal sind es eben nicht die eigenen. Das zu verstehen, zu akzeptieren, ist hart und wird wunderschön umgesetzt. Der Schluss lässt einen, würde ich behaupten, unter Garantie ein wenig melancholisch zurück. Nicht alles kann immer perfekt sein, und das zu verdeutlichen, gelingt dem Roman auf besondere Weise.

FAZIT
Krystal Sutherland hat mit ihrem Debüt "Unsere verlorenen Herzen" ein Buch geschrieben, das einen ebenso lachen lässt, wie es einen betroffen macht. Sensibel, aber trotzdem ungeschönt und damit sehr realistisch setzt sie sich mit dem Thema Verlust auseinander, ohne kitschig oder pathetisch zu werden. Zwischendurch kommt es zu ein paar Längen, aber diese nehmen dem Ganzen nicht die Wichtigkeit. Gute 4 Punkte.

Meine Empfehlung für Leser von Liebesgeschichten, die auch in die Tiefe gehen dürfen.




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