Back Down to Earth

[Buchrezension] Empire of Storms: Pakt der Diebe - Jon Skovron

"Unglaublich, oder?" Seine roten Augen glänzten im dämmrigen Licht des Mondes, das durch das Fenster fiel. "Die Mittel und der Einfallsreichtum, die die Leute darauf verwenden, etwas Neues zu finden, das sie verdummen lässt."
Sie musste tatsächlich kurz lachen.
"Ich bin übrigens Red", sagte er und hielt ihr die Hand hin.
"Mein Name ist Bleak Hope", sagte sie und ergriff sie. "Obwohl die meisten mich nur Hope nennen."
Sein Lächeln kehrte zurück. "Hope und Red. Das klingt gut zusammen, findest du nicht?"

INHALT
Als er mit acht Jahren ein Waisenkind wird, findet sich der junge Red in der Paradieskehre wieder - der Unterstadt von New Laven, wo es schmutzig ist und vor Verbrechern wimmelt. Zum Glück findet er in der Bewohnerin Sadie eine Mentorin, die ihn alles lehrt, was er wissen muss, um zu überleben. Und bald hat er ein Ziel: Der größte Dieb von allen zu werden. Währenddessen ergeht es Hope auf den Südlichen Inseln ganz ähnlich: Nachdem Biomanten des Imperiums alle Bewohner ihres Dorfes getötet haben, wird auch sie zur Waisin. Sie hat das Glück, bei den Vinchen, fähigen Mönchskriegern, aufgenommen zu werden - und verbotenerweise unterweist sie einer davon in der Kunst des Kampfes. Jahre später ist sie eine wahre Kriegerin. Als sie von Rache getrieben in New Laven auf Red trifft, schließen die beiden einen Pakt: Nicht eher zu ruhen, als dass sie die Biomanten gestürzt haben...

MEINE MEINUNG
Angefangen hat er im Young Adult-Fantasy-Bereich, nun ist er bei der Adult Fantasy angekommen: Jon Skovrons Auftakt der "Empire of Storms"-Trilogie ist ein Schmuckstück des Genres. Natürlich gibt es einige altbekannte Storyelemente, wie etwa das grausame und  unterdrückendes Imperium, die strikte Unterteilung in Arm und Reich und die beginnende Rebellion. Aber das sind gleichzeitig auch die Punkte, die High Fantasy ausmachen, und hier werden sie wunderbar mit einer ganz eigenen Geschichte verwoben. Erzählt wird "Pakt der Diebe" aus der personalen Sicht von Red und Hope, später kommt auch noch eine gewisse Brigga Linn zu Wort. Der Schreibstil ist wortgewaltig, einnehmend und detailreich, besonders in den Dialogen in der Kehre aber auch ziemlich vulgär, woran man sich erst gewöhnen muss.

Red ist ein charmanter Protagonist, den man mit seiner vorlauten Klappe und seinem jugendlichen Übermut schnell ins Herz schließt. Wie es sich für einen Jungen in seinem Alter gehört, will er sich natürlich ständig beweisen - aber über seine Intelligenz und sein gutes Herz kann er damit nicht hinweg täuschen. Hope ist das ziemliche Gegenteil von ihm: Ihr halbes Leben hat sie bei Mönchen verbracht, keuschen, aber teilweise grausamen Männern. Zuneigung hat sie nur durch ihren Meister Hurlo und später durch den Kapitän Carmichael erfahren, doch wen sie liebt, den verliert sie auch. Da ist es nicht verwunderlich, dass ihr Vertrauen eher schwer fällt. Trotzdem ist sie jemand, der sich für andere einsetzt, und auch wenn sie ein wenig zu perfekt ist, ist sie durchaus sympathisch. Seine große Stärke zeigt der Autor aber mit seinen Nebenfiguren. Sadie die Ziege, Reds raue und gleichzeitig gutmütige Mentorin; sein treuer bester Freund Filler und seine freiheitsliebende Kumpanin Nessel, sie alle lassen das Buch hinreißend lebendig werden.

Tatsächlich dauert es eine ganze Weile bis zum ersten Aufeinandertreffen der Protagonisten und in diese Phase haben sich ehrlich gesagt auch ein paar Längen eingeschlichen - vor allem, weil es seine Zeit dauert, mit den Formulierungen und der Welt warm zu werden. Nachdem man aber hinein gefunden hat, lassen die Geschehnisse einen bald nicht mehr los. Red schlägt sich auf den Straßen herum, während Hope erst trainiert wird und dann auf Seefahrt geht - in beiden Welten ist das Leben auf jeden Fall nicht einfach. Eine Prise Piraterie und eine ganze Handvoll Action tun ihr Übriges, um bei Laune zu halten. So richtig hatte mich das Buch dann aber erst, als die beiden sich endlich begegnen, denn gemeinsam sind sie ein großartiges Gespann, das sich perfekt ergänzt. Ab der Hälfte gibt es kaum noch eine ruhige Minute, ein Kampf folgt auf den nächsten, ohne dabei auf ein gutes Maß Witz zu verzichten. Natürlich wird es zum Ende hin dramatisch - und die Ausgangslage für den nächsten Band ist eine gänzlich andere. Aber das macht es nur umso spannender.

FAZIT
Ich habe meine Zeit gebraucht, um völlig in diese gewalttätige, schmutzige und vulgäre Welt einzutauchen, die Jon Skovron in "Pakt der Diebe" erschaffen hat. Nachdem ich jedoch die Charaktere lieb gewonnen hatte, gab es kein Entkommen mehr. Eine wendungsreiche, spannende Geschichte, auf die in Band 2 wahrscheinlich noch eine Schippe drauf gelegt wird. Sehr gute 4 Punkte!


Bildergebnis für hope and red
Originaltitel: Hope and Red
Reihe: Empire of Storms
Autor: Jon Skovron
Übersetzer: Michelle Gyo
Verlag: Heyne
Seitenzahl: 592 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-31785-7

   Kommentare:

  1. Bore da, Sonne.

    Anmerkenswert erscheint mir - wenn auch für den Roman wohl eher beiläufig in der Gewichtung - die Erwähnung von keuschen Mönchen & deren (teilweisen) Grausamkeit. Modern, die Verleugnung der eigenen Sexualität auf Kosten einer Triebabfuhr via grausamer Gewalteinlagen.
    Ein Machtspiel.

    Als Gedanke in den Teich geworfen...

    bonté

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    1. Tatsächlich ist die Grausamkeit eben jeder Mönche der Grund dafür, weshalb Protagonistin Hope auch ihr zweites Zuhause verliert. Insofern beschäftigt sich der Autor damit sogar ein wenig mehr. Etwas Neues ist es natürlich trotzdem nicht. Und ob dieses Verhalten nun modern ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich eher nicht...

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    2. ..."modern" trifft meine Intension vielleicht nicht so exakt. Aktuell, trifft es wohl besser. All die halbseidenen Moralapostel (jedweder Coleur), die von Sünde, Fleischeslust oder Selbstbefleckung schwaddronieren, nur um den Fuss in die Köpfe anderer zu bekommen.
      Pikant wird es es dann, wenn die selben Moralos dann urplötzlich eine Centurie Jungfrauen denjenigen - post mortem - in Aussicht stellen, wenn sie sich nur zu willfährigen Idioten instrumentalisieren lassen.

      Kritisches Denken sollte daher wirklich nicht zum Auslaufmodel werden - denke (sic!) ich. :-)

      bonté

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  2. Juhu, ich freue mich gerade, dass es dir auch gefallen hat. Zwar nicht gaaanz so gut wie mir, aber immerhin 4 gute Sterne. Du hättest es vielleicht doch auf Englisch lesen sollen, da kommt die Sprache einfach noch einmal viel besser rüber. Ich bin gerade an Buch 2 dran und bin echt erstaunt, dass es NOCH brutaler geht. Der Autor ist echt immer wieder für einen Schocker gut oO

    Aber wieder gut und von Mittelbandsyndrom keine Spur!

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Ich freue mich, dass es dich freut :D Ich glaube, als ich begonnen habe mit Lesen war nicht so ganz die Zeit des Buches, ich hab relativ lange gebraucht zum Reinkommen. Kann mir aber vorstellen, dass das mit Band 2 dann deutlich schneller geht. Den will ich auch auf jeden Fall lesen, vor allem, wenn du sagst, dass es genauso gut weitergeht. Ich wünsche dir noch viel Spaß damit!

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