Back Down to Earth

[Buchrezension] Skin: Das Lied der Kendra - Ilka Tampke

Ein dunkles Gewicht senkte sich auf mich herab, und ich sackte am Tisch in mich zusammen. Anscheinend war ich mit Wissen begabt, besaß aber nicht genug Verstand und Intuition, um es gut zu nutzen.

INHALT
Britannien im Jahre 43 n. Chr.: Die junge Ailia ist als Säugling auf der Türschwelle der Stammesküche gefunden und seitdem von der Kochmutter großgezogen worden. Dadurch kann sie ein behütetes Leben führen - doch das Unwissen über ihre Herkunft nagt an ihr. Denn in Caer Cad, wo sie lebt, erhält man von der Mutter ein Tier-Totem, eine Haut, und da Ailia diese nicht kennt, werden ihr Wissen und Anerkennung verwehrt. Aber dann trifft sie eines Tages am Fluss den faszinierenden Taliesin und erkennt durch die Treffen mit ihm, dass besondere Fähigkeiten in ihr schlummern. Und dass sie eventuell die einzige Rettung für ihren Stamm ist, jetzt, wo die Armee der Römer näher rückt - bereit, all ihre Landsleute auszulöschen...

MEINE MEINUNG
Das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung, eine düstere, wenig zivilisierte und völlig andere Zeit. Faszinierend, von einem so alten Britannien zu lesen, den Sitten und Bräuchen der Menschen. Zwar entstammen diese natürlich einem Fantasy-Roman rund um Stämme, die den "Müttern" (ergo Göttern) huldigen, doch die Lebensweise und insbesondere die Bedrohung durch die Römer ist historisch akkurat und damit sehr spannend. Leider macht der ziemlich dröge Stil, der keine Atmosphäre oder Nähe schafft, vieles zunichte und lässt es selten zu, dass man von den Geschehnissen wirklich gefesselt ist.

Hinzu kommt eine furchtbare Protagonistin. Ailia ist nicht perfekt und prinzipiell ist das positiv - denn wer will schon lesen, wie jemand alles richtig macht? Doch Ailia ist leider der Egoismus in Person: Sie hat trotz ihrer Hautlosigkeit so viele Privilegien und will doch immer noch mehr, sie vernachlässigt kranke oder im Sterben liegende Personen, um bei ihrem Liebsten zu sein und hält sich äußerst selten an wichtige Anweisungen. Ihre Selbstzweifel sind zwar teilweise verständlich, nerven aber irgendwann, und das Schlimmste: Sie lernt nicht aus ihren Fehlern, was sie unerträglich macht. Ihr Love-Interest Taliesin verhält sich oft ebenso egoistisch wie sie, bleibt ansonsten aber vollkommen blass und austauschbar, ohne besondere Eigenschaften. Die Nebenfiguren sind da überzeugender: Die gutmütige, schützende Kochmutter, die weise Stammesführerin Fraid oder der Gereiste Llywd, sie alle wecken einzeln mehr Gefühle in einem als die Protagonisten zusammen.

Die Geschichte selbst hätte so gut sein können: Die Bedrohung durch die Römer und Ailia als die einzige Rettung, obwohl sie keine Haut und damit auch keine Identität hat. Ihr Weg zu den Müttern, ihre Berufung, ihr Wissenserwerb - so viele tolle Ideen, die so schlecht umgesetzt werden. Das Ganze beginnt schon mit der sofortigen Liebe zwischen Ailia und Taliesin, die nicht nachvollziehen ist, für Ailia aber der gesamte Lebensinhalt. Sie vergisst bei ihm grundsätzlich alles um sich herum und er ist ihr einziger wirklicher Antrieb. Denn Frauen können ja nicht ohne Mann. Ansonsten passiert auf den ersten 200 Seiten sehr, sehr wenig: Immer wieder Diskussionen über das Verhalten den Römern gegenüber, Ailias Hin- und Hergerissenheit zwischen ihrer Liebe zu Taliesin und ihrem Verlangen nach dem schönen Ruther (ein Dreieck, wer hätte das gedacht) und ihre vielen, vielen Missgeschicke. Inhaltlich ist das Ganze also äußerst mau.

Für einen solchen Roman hat die Protagonistin auch relativ viel Sex - prinzipiell ja nicht schlimm, aber nach einer recht verstörenden solchen Szene mit einem Fisch, war es zumindest für mich mit der Glaubwürdigkeit vorbei. Weder als Ailia ihre Bestimmung findet, noch als etwaige Bedrohungen immer näher rücken, konnte ich dem Ganzen noch etwas abgewinnen. Einzig dezent fesselnd ist der schwelende Hass zwischen Ailia und einer anderen Frau, die ein Geheimnis über das Mädchen kennt und es nicht preisgeben will, weil - natürlich, Ailia sie schlecht behandelt hat. Erst zum Ende hin entfaltet das Buch dann endlich sein Potenzial und überrascht mit brutaler, unnachgiebiger Gewalt als Konsequenz der vorherigen Geschehnisse. Ob das reicht, um den Folgeband lesen zu wollen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

FAZIT
"Skin: Das Lied der Kendra" hätte so genial sein können: Eine tolle Idee und ein großartiges Setting sprachen sehr dafür. Aber die Umsetzung ist langweilig und die Protagonistin so egoistisch wie die Liebesgeschichte öde. Ilka Tampke hat hier leider keine gute Arbeit geleistet. Von mir gibt es dafür ganz knappe 2 Punkte.



Titel: Das Lied der Kendra
Originaltitel: Skin
Autor: Ilka Tampke
Übersetzer: Barbara Ostrop
Verlag: Penhaligon
Seitenzahl: 480 Seiten
ISBN-13: 978-3-7645-3143-0



   Kommentare:

  1. Verdammt, echt ein Griff ins Klo. Und ich hab es auch hier stehen :(
    Also, dass das 1. Jahrhundert dargestellt wird, finde ich ja auch wirklich klasse - darüber liest man sonst nicht unbedingt etwas! Aber der Rest... Die Protagonisten klingen wirklich ätzend. Genauso wie der Sex mit dem Fisch oO Obwohl ich mich auch schon etwas darauf freue, es zu lesen - da kann man sich sicherlich gut darüber lustig machen :D
    Hm.. das Ende war also noch mal gut. Schwierige Sache... Obwohl ich mir sicher bin, dass du nicht weiterlesen wirst ;)

    Liebste Grüße <3
    Und ich habe die Nachricht im FB nicht vergessen, nur so gut wie keine Zeit und wenn doch, dann nutze ich sie anders - wie zum Beispiel so hier! :D

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    1. Ja, was soll ich sagen - du sollst halt Bücher erst kaufen, wenn ich sie gelesen habe, Mensch :D

      Naja, aber mach dir nicht zu große Sorgen - ist ja nun schon oft genug passiert, dass wir Bücher ganz unterschiedlich empfunden haben. Siehe grade aktuell "Legend"! Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass du dem Fisch-Sex viel abgewinnen kannst xD

      Und nein, weiterlesen werde ich definitiv nicht, dafür war mir das Ganze zu egal ;)

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