Back Down to Earth

[Buchrezension] Elemental Assassin: Spinnenkuss - Jennifer Estep

"Ich heiße Gin, und ich töte Menschen."
Unter normalen Umständen hätte meine Geständnis überraschtes Keuchen ausgelöst. Bleiche Gesichter. Nervöse Schweißausbrüche. Unterdrückte Schreie. Ein, zwei umgeworfene Stühle, weil die Leute zu entkommen versuchten, bevor ich mein Messer in ihrer Brust versenkte - oder in ihrem Rücken. Solange die Verletzung zum Tode führte, war ich nicht besonders wählerisch.
Aber nicht hier.
"Hi, Gin", antworteten vier Leute unisono, in perfektem Einklang und dumpfer Monotonie. 

17970356INHALT
Gin Blanco ist eine Auftragsmördern und wird "die Spinne" genannt, weil sie sich so gut in Geduld üben kann und sich am liebsten an ihre Opfer anschleicht. Doch bei ihrem neusten Auftrag wird sie betrogen - und ist plötzlich das Ziel von Polizei, anderen Killern und einer gefährlichen Luftmagierin. Um nicht alles zu verlieren, muss sich Gin mit dem Cop Donovan Caine einlassen. Dieser hasst sie jedoch, seit sie seinen Partner tötete...

MEINE MEINUNG
Jennifer Esteps "Mythos Academy" hat auch in Deutschland viele Fans, kein Wunder, dass nun also ebenfalls die eigentlich früher gestartete "Elemental Assassin"-Reihe übersetzt wird, die im Englischen tatsächlich schon 11 Bände umfasst. Diese ist weitaus blutiger und definitiv an Erwachsene gerichtet. Wie auch sonst, wenn die Protagonistin eine Auftragsmörderin ist - da sollte es schließlich hart und düster zugehen. Die Autorin nutzt dazu ihren aussagekräftigen Schreibstil schon recht gut: Das Ganze ist atmosphärisch, die Beschreibungen bildhaft und insgesamt lässt sich das gesamte Buch gut weglesen.

Gin verhält sich in vielerlei Hinsicht genauso, wie man das von einer Killerin erwartet: Sie ist kühl und distanziert, konzentriert sich auf ihre Jobs und nicht besonders auf die Motive dafür, außerdem besitzt sie große körperliche Stärke. Durch ihre Zuneigung zu ihrem Mentor und dessen Sohn wirkt sie gleichzeitig jedoch auch recht menschlich. Ganz sicher ist sie nicht der originellste Charakter, der je erschaffen wurde, es genügt jedoch, damit man sich trotz ihres speziellen Handwerks gut mit ihr identifizieren kann. Ihr Love Interest Donovan ist insofern sehr interessant, weil er eigentlich die meiste Zeit über schlecht gelaunt ist, dies aber auf eine geheimnisvolle und attraktive Art. Er hegt einigen Groll und ist ganz sicher nicht vor Schwächen gefeit, aber seine Coolness machen ihn definitiv zu einem würdigen Partner für Gin.

Noch besser hingegen gefiel mir deren Ziehbruder Finn, ein Schnösel [wenn er nicht grade illegale Geschäfte erledigt] und Frauenheld sondergleichen, allerdings mit einem Herz aus Gold. Wenn es darauf ankommt, steht er für seine Lieben ein und ist sich dann für nichts zu schade. Sympathisch machen ihn natürlich auch seine flotten Sprüche. Die Nebencharaktere sind allesamt hauptsächlich sehr skrupellos und sehr böse. Überraschungen gibt es dort kaum welche, vor allem nicht im Bezug auf die Entwicklungen, blass bleibt aber dennoch keine der Figuren.

Die Geschichte selbst beginnt schnell und blutig mit einem Auftrag von Gin - verliert sich dann jedoch ein wenig im Info-Dumping über ihre Welt und ihre Arbeit. Keine Frage, der Leser muss eingeführt werden, um sich in der Gedankenwelt der Protagonistin zurechtfinden zu können, hier kommt dies jedoch zu stark Schlag auf Schlag. Nach einer kleineren Durststrecke geht es dann jedoch richtig los, und von da an lässt einen die Story nicht mehr aus ihren Fängen. Immer mehr Fragen werden aufgeworfen: Wer ist es, der Gin als Sündenbock für die eigenen Taten sehen will? Wer hat ihren Mentor umgebracht? Ihre einzige Möglichkeit ist es nun, Donovan Caine zurate zu ziehen, einen der wenigen guten Cops in einer Stadt voller Korruption und Gewalt. Die brutalen Verhältnisse werden explizit, aber glaubwürdig, geschildert und vermitteln so eine ganz eigene Atmosphäre.

Die Beziehung zwischen Caine und Gin ist nicht besonders originell, da sie wie so oft hauptsächlich auf körperlicher Anziehung beruht, die nicht im Zaum gehalten werden kann, dennoch vermute ich hier noch eine große Steigerung. Beide sind ziemliche Kick Ass-Figuren, weswegen der Action-Fan hier absolut auf seine Kosten kommt. Es gibt Verfolgungsjagden, Spionage, Blut und Mord, ganz viel Mord. Das alles wird gewürzt mit einer Prise neuartiger Fantasy, und fertig ist eine Reihe, die man weiterverfolgen muss. Bis zum Ende bleibt das Werk spannend und mitreißend, um dann mit einer gut gewählten - wenn auch nicht ganz unerwarteten - Enthüllung zu schließen, die den Folgeband unumgänglich macht.

FAZIT
"Spinnenkuss" ist der Auftakt einer Reihe, daher kommt es zu Anfang zu einem etwas ausartenden Informations-Input. Danach allerdings wird das Ganze sehr blutig, sehr actionreich und sehr packend. Ich bin froh, dass Band 2,  "Spinnentanz", schon im April dieses Jahres erscheint. Gute 4 Punkte von mir!


Titel: Spinnenkuss
Originaltitel: Spider's Bite
Reihe: Elemental Assassin
Autor: Jennifer Estep
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
Verlag: Piper
Seitenzahl: 448 Seiten
ISBN-13: 978-3492269407

   Kommentare:

  1. Die Idee hinter der Serie klingt echt spannend, aber die Anzahl der bereits in englisch veröffentlichten Bände schreckt mich irgendwie ab... bei so langen Reihen halte ich einfach nie durch. ;)

    LG Hanna

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  2. Servus, Sonne.
    Laß mich raten... :-)
    Die einführende Szene spielt bei einem Treff der Anonymen...ja was eigentlich?! Killer.

    Ich denke, die einzige Möglichkeit für einen Killer, eine Auftragsmörderin dem Publikum näher zu komnen, besteht darin lediglich andere Fieslingen zu meucheln, oder ein Herz zu bekommmen*.
    Oder schwarzhumorig überdreht, im Ansatz.

    Wie ist Gin hier gewichtet?

    bonté


    * 'Leon'

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  3. @Nabura:
    Das kann ich durchaus verstehen, dass einen die Anzahl der erschienen Bücher erst einmal erschreckt. Geht mir ebenso, da kommt man meistens einfach nicht hinterher. Aber es lohnt sich aufgrund der Story durchaus!

    @RoM:
    Nicht ganz richtig, der Tipp mit der Anfangs-Szene - tatsächlich spielt diese in einer Irrenanstalt ;)
    Gin bleibt bis zum Ende des 1. Bandes durchaus kühl, grausam und berechnend, aber ihre Liebe zu ihrem Mentor [also, dem verstorbenen] macht sie menschlich. Daher kann man sich mit ihr auf verquere Weise identifizieren.

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