Back Down to Earth

[Filmrezension] The Call - Leg nicht auf!

"Hören Sie mir zu. Tun Sie dem Mädchen nicht weh. Lassen Sie sie gehen. Sie müssen das nicht tun." - "Das hab ich schon."

STORY
Jordan Turner arbeitet in der Notruf-Zentrale. Sie ist bei ihren Mitarbeitern beliebt und scheint mit ihrem Freund Officer Paul Phillips das große Los gezogen zu haben. Mit dem Anruf der jungen Casey Welson rückt dies jedoch schlagartig in den Hintergrund. Für die Telefonistin beginnt ein wahrer Alptraum, bei dem es um Leben und Tod geht, denn Casey wurde auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums betäubt und anschließend entführt. Nun befindet sich das Mädchen in dem Kofferraum des Täters, der es versäumt hat, seinem Opfer das Handy abzunehmen...

MEINE MEINUNG
"The Call" verfolgt, das wird schnell klar, ein beliebtes Prinzip und lässt dabei auch die Klischees nicht aus: Eine Person erhält einen Notruf, versucht zu helfen, wird hysterisch, und ermittelt schließlich auf eigene Faust. Hier wurde dieses Grundgerüst aber überraschend spannend und sogar glaubwürdig umgesetzt, sodass man sich tatsächlich nicht vorkommt, wie in der x-ten Aufwärmung eines schon bekannten Stoffes. Und das, obwohl Halle Berry die Hauptrolle spielt...

Diese kann ich normalerweise nämlich eigentlich gar nicht leiden, weil sie eine so theatralische Art und eine furchtbar nervige Ausstrahlung hat. Hier, mit neuer Frisur, die ihr ein sehr viel lockereres Aussehen gibt, kann sie mit ihrer Mimik jedoch tatsächlich überzeugen, wenn ihr Charakter auch sehr blass bleibt. Ebenso verhält es sich mit den übrigen Figuren bis auf den Entführer, wenn die Schauspieler selbst auch durchweg glaubwürdig ihre Rollen verkörpern - vor allem Abigail Breslin als Opfer Casey. Am überraschendsten ist aber die schon fast gruselig gute Performance des Psychopathen-Darstellers Michael Eklund, der absolut authentisch den sehr irren Kidnapper spielt.

Die Geschichte selbst ist, wie schon gesagt, nicht wirklich neu und strotzt vor Stereotypen und Altbekanntem. Außerdem handeln einige der Charaktere extrem irrational und zum Ende hin fast schon dumm - mal ganz abgesehen davon, dass es reichlich unlogisch ist, dass eine einzige Telefonistin das findet, was 100 Polizisten vergeblich gesucht haben. Davon abgesehen jedoch ist "The Call" ein sehr spannender Thriller, der von Anfang an fesselt und sogar eine recht interessante Erklärung für das Verhalten des Psychopathen liefert, auch, wenn diese noch weiter hätte ausgearbeitet werden können. 

Die ersten 70 Minuten sind absolut fesselnd und lassen das Adrenalin in den Adern pulsieren, denn Jordans Versuche, Casey über das Telefon zu helfen, obwohl sie nicht weiß, wo sich das Mädchen befindet, sind durchaus eindrucksvoll. Dann jedoch ermittelt Jordan einfach auf eigene Faust, und von da an geht es leider bergab. Spannend ist das Ganze immer noch, keine Frage, aber die Glaubwürdigkeit lässt ab hier eher zu wünschen übrig - und der Schluss befriedigt dann leider kein bisschen. Denn das, was da passiert, ist nicht in Ordnung und kann von niemandem akzeptiert werden, erst recht nicht von einer Notruf-Telefonistin. Und so bleibt es dann eben doch nur bei einem guten, aber nicht überragenden Thriller.

FAZIT
"The Call" ist tatsächlich nicht so schlecht wie ich das befürchtet habe, und für einen solch kommerziellen Film schon regelrecht brutal. Der Cast ist überzeugend - sogar Halle Berry - und die Story bleibt spannend, wird am Ende jedoch reichlich unglaubwürdig und vor allem ärgerlich. Ansehen kann man sich den Thriller aber auf jeden Fall mal bei einem entspannten DVD-Abend. Dafür gibt's von mir knappe 4 Punkte.



   Kommentare:

  1. Salut, Sonne.
    Vorgeblich soll Miss Berry Männer zur Ekstase hin verzücken und Kritiker das hohe Liede der Kunst anstimmen laßen (wohl auch Männer!). Persönlich sehe ich hier in beiden Fällen nur etwas Ödnis in der Landschaft.

    Wobei ich mich auch einmal von Gegenteilen überzeugen laße - immerhin steht in meiner Sammlung auch ein Julia Roberts Thriller... :-)

    Ein ziemlich gut geratener Film des Nicht-auflegen-Dramas ist für mich jetzt 'Cellular'(2004)gewesen. Hier ist die Action nachvollziehbarer auf die Palme getrieben.

    Witzig an dem obigen Plot ist der Umstand, daß die Entführte mobil telefoniert. Orten via Handy, Polizei, SWAT irgendwer!?
    Aber dann kann ja die amerikanische Heldin nicht die Justiz in die eigene Hand nehmen. "Stand your ground" eben!

    Immerhin aber, Du wurdest nicht in den Schlummer geödet.

    bonté

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    1. Nun, du weißt ja, auch ich bin kein Fan der Frau Berry. Die ist mir viel zu unnatürlich. Hier macht sie aber tatsächlich keinen schlechten Job - wie du schon sagst, es gibt halt auch Ausnahmen ;)

      Zum Orten: Das Mädchen benutzt ein Wegwerfhandy, das ihre Freundin bei ihr vergessen und dass der Entführer nicht gefunden hat. Daher kann sie nicht geortet werden. Ergibt alles Sinn, keine Sorge :D

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