Back Down to Earth

[Filmrezension] In Time

STORY
In einer Welt, in der man ab 25 Jahren nicht mehr altert und mit 26 stirbt, wenn nicht zusätzliche Lebenszeit erarbeitet wird, kämpft Will mit vielen anderen aus der Zone der Armen jeden Tag ums Überleben. Als er von einem Fremden mit viel Zeit beschenkt wird, dringt Will in die Zone der Reichen vor, die auf Kosten der Armen Zeit im Überfluss haben und praktisch unsterblich sind. Will sucht nach Wegen, das diktatorische System zu stürzen, ist aber längst auf dem Radar der Time Keeper, die ihn unbarmherzig jagen.

MEINE MEINUNG
Der etwas verwirrende Plot hat mich ja nun von Anfang an skeptisch gemacht - warum sollte in einer neuen Epoche mit Zeit gehandelt werden? Und wie soll das bitte technisch funktionieren? Leider wurden genau diese Aspekte nicht hinreichend genug geklärt, weswegen ich letztendlich doch ein wenig enttäuscht bin...

Viele eingebrachte Aspekte sind sehr interessant und regen zum Nachdenken an. Gesellschaftskritik gibt es hier im hohen Maße: Sei es an der skrupellosen Regierung, den ausbeutenden Reichen oder den daraus resultierenden Plünderungen und Raubzügen. Vieles davon kann auch auf unsere Zeit angewendet werden - aber dennoch kam mir das alles viel zu kurz und zu oberflächlich vor. Durch die eingeschobene und recht unnütze Liebesbeziehung rückt das wirklich Wichtige zu sehr in den Hintergrund, wodurch der Streifen viel zu flach gerät.

Besonders aber störte mich die schlecht erklärte und zwischenzeitlich auch konfuse Story. Ich habe immer noch keine Ahnung, wie es zu diesem neuen System kam, wie dieses funktioniert und wie die einzelnen Zonen eingeteilt wurden. Wie kann es sein, dass die Menschen sterben, wenn die Zeit auf ihren Uhren abgelaufen ist und wie funktionieren diese? Diese und noch einige andere Fragen habe ich mir im Laufe des Filmes oft gestellt und keine wurde mir beantwortet...Schade, da hätte viel rausgeholt werden können!

Dafür ist die Besetzung sehr interessant, denn kein einziger Charakter ist hier über 25, weil ab da niemand mehr altert. So kann es sein, dass Olivia Wilde Wills 50jährige Mutter spielt, obwohl sie noch unter 30 ist und auch so aussieht. Dieses Detail hat mir sehr gefallen, aber auch ansonsten waren die Jungschauspieler sehr gut gewählt. Justin Timberlake überzeugt durch seine Mimik und seine guten Stunts, auch wenn sein Charakter nicht wirklich ausgefeilt ist. Amanda Seyfried sieht mit der Frisur zwar etwas seltsam aus, wirkte aber überzeugend und authentisch, besonders, als sie sich gegen ihren Vater stellt. Dass sie allerdings so schnell verzeiht, dass sie eigentlich Wills Geisel ist, kam mir doch etwas unlogisch vor.

Richtig Speed macht vor allem Cilian Murphy, hier wieder einmal als Bösewicht, wobei diese Bezeichnung in diesem Fall nicht ganz stimmt. Er kämpft für seine Überzeugungen und für das, was sein Leben ausmacht, weswegen ich mir für ihn ein anderes Ende gewünscht hätte. In jedem Fall aber fand ich es wieder einmal klasse, ihn mit einer Waffe in der Hand die Straße entlang wetzen zu sehen - denn so mögen wir ihn doch am liebsten! Auch Alex Pettyfer als skrupelloser Fortis gefiel mir hier super, als Bösen würde ich ihn gern öfter sehen. Nur Vincent Kartheiser als Philippe Weis erschien mir zu stereotyp und unglaubwürdig, um wirklich für Nervenkitzel zu sorgen.

Die Spannung lässt leider erheblich zu wünschen übrig - besonders die ersten 30 Minuten langweilen schrecklich. Zwar wird eine gute Einführung vorgenommen, in der man Will Salas und dessen Lebensumstände im Ghetto kennenlernt, doch trotzdem fehlt es hier erheblich an Action. Auch als unser Protagonist mit der vielen Zeit, die er geschenkt bekommen hat, ins Viertel der Reichen zieht und die reiche Sylvia kennen lernt, wird es nicht unbedingt fesselnder. Es kommt zu ein paar Zwischenfällen mit Verfolgungsjagden und Schießereien, aber zumindest mir kam es nicht nahe, es wurde nicht spannend und berührte sowieso schon mal gar nicht. Da ist einfach kein Gefühl in der Storyline, was den Streifen so unspektakulär wirken lässt.

Auch das Ende ist mehr als enttäuschend - denn ein Showdown ist praktisch nicht vorhanden. So einen kurzen und unbefriedigenden "Kampf", wenn man ihn denn so nennen kann, habe ich in einem Actionfilm schon lange nicht mehr gesehen. Die Idee, die Will und Sylvia verfolgen, ist zwar interessant, bleibt aber seltsam unerklärt.. Offene Enden mag ich, ja, aber nicht, wenn der Zuschauer so im Ungewissen gelassen wird. Doch so passt sich der Schluss eben dem Rest an - mittelmäßig fängt es an, mittelmäßig geht es weiter und mittelmäßig endet es schließlich auch.

FAZIT
Von "In Time" hatte ich mehr erwartet, schließlich ist die Besetzung ja nun wirklich klasse ausgewählt, vor allem die Bösewichte. Leider aber gibt es zu viele ungeklärte Aspekte und dafür viel zu wenig Spannung und Gefühl. Ich wurde weder überrascht noch positiv beeindruckt. Der Film ist nicht schlecht - aber auch nicht sonderlich sehenswert. 3 Punkte.



   Kommentare:

  1. Wieder mal eine sehr gut geschriebene Rezension, die sich auch mit meinem Eindruck von dem Film deckt!

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  2. Ich werde trotz der negativen Kritik mir den Film selbst anschauen. Habe jedoch vorher mehr erwartet und gehe nun mit einer anderen Haltung an den Film heran.

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  3. Dies ist nun schon die dritte "geht so" Bewertung zum Film. Sehr gut geschrieben. Dennoch werde ich mir den Film ansehen, da ich ein großer Amanda Seyfried Fan bin.

    Liebe Grüße, Diti

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