Back Down to Earth

[Buchrezension] Young Elites: Die Gemeinschaft der Dolche - Marie Lu

Er streift den Handschuh wieder über und der verstörende Anblick weicht dem von schwarzem, blutbeflecktem Leder. Von Macht.
"Trage deine Makel mit Stolz", sagt er sanft. "Es sind Zeichen - dafür, dass du etwas Besonderes bist. Und wenn du eine von uns wirst, werde ich dich lehren, sie einzusetzen wie ein Mörder sein Messer." Seine Augen werden schmal. Sein dünnes Lächeln wirkt plötzlich gefährlich. "So. Und nun sag mir, kleine Wölfin. Willst du all jene, die dich gequält haben, bestrafen oder nicht?" 

Bildergebnis für young elites deutschINHALT
Vor einigen Jahren ging das sogenannte Blutfieber unter den Menschen um - und während es die erkrankten Erwachsenen tötete, ließ es Kinder meistens entstellt zurück. Diese werden nun "Malfettos" genannt, gefürchtet und gehasst. Die junge Adelina ist eine von ihnen, was ihr Vater sie jeden Tag wieder spüren lässt. Als er sie eines Tages verkaufen will, flieht sie und gerät der Inquisition in die Hände. Vor dem sicheren Tod rettet sie eine Gruppe junger Malfettos, die mit besonderen Gaben ausgestattet sind und sich "die Dolche" nennen. Sie haben vor, auch ihre Fähigkeiten hervorzubringen. Doch in Adelina schwelt der Hass auf alles und jeden, und so bringt sie nicht nur sich in Gefahr, sondern auch die anderen...

MEINE MEINUNG
Marie Lu konnte sich mit ihrer "Legend"-Trilogie eine große Fanbase aufbauen, hatte mich damals aber bereits mit dem 1. Band verloren. Ihre neue Reihe um die "Young Elites" geht nun jedoch in eine völlig andere Richtung: Angesiedelt in einer düsteren und brutalen Welt wartet sie mit einer schwierigen Protagonistin auf - und einem schwachen Worldbuilding, das mir einiges an Lesefreude genommen hat. Da kommt auch der bildliche, oft etwas abgehackte Schreibstil nicht wirklich gegen an - vor allem, weil dieser auch noch durch die erste recht langweilige und ergebnislose Hälfte untergraben wird.

Adelina ist eine Protagonistin, die man so selten in Jugendbüchern finden. Sie ist schon keine Antiheldin mehr, denn eigentlich ist sie nur "anti". Voller Hass und Angst zieht sie ihre Kräfte aus den düstersten Winkeln ihrer Seele, misstraut jedem, schwelgt immer wieder in ihrer Wut. Sie will durchaus Gutes tun, doch ihr Inneres liegt in Scherben, die sie nicht wieder zusammensetzen kann. Leider überrascht sie zwischenzeitlich mit einer absurden Naivität und Dummheit, die so gar nicht zu ihrem sonstigen Wesen passen. Die Dolche, bei denen sie Unterschlupf findet und die sie ihre Gabe lehren wollen, heben sich allerdings gar nicht mal so sehr ab. Auch sie begehen Morde und verbreiten Schrecken, sehen sich selbst aber als Friedensbringer und verurteilen Adelina doch für ihre Art. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch. Besonders Love-Interest Enzo fand ich überraschend langweilig in seiner klischeehaften Zwiespältigkeit.

Inhaltlich geht es mindestens so düster zu wie in Adelinas Gedankenwelt, was dem geneigten Leser gefallen kann. Teilweise erinnern die Zustände in dieser italienisch angehauchten High Fantasy-Welt an die im Dritten Reich: Die Ausgrenzungen und Beschimpfungen der Malfettos sind an der Tagesordnung und sogar vor Verbrennungen wird nicht zurückgeschreckt. Die Autorin zeichnet hier ein erschreckendes und bedrückendes Bild. Und auch die Fähigkeiten der Begabten sind gut ausgearbeitet - insbesondere Adelinas Gabe der Illusion ist etwas Besonderes und ihr Lernen, das mit einem Abdriften in noch dunkleres Gefilde verbunden ist, ist toll zu beobachten. Nur leider wirkt der Rest nicht richtig ausgearbeitet, insbesondere die ominösen Schauplätze mit ihren Eigenheiten erscheinen wie hingeworfen. Warum fliegen riesige Rochen am Himmel? Und weshalb in aller Welt gibt es drei Monde? Erklärungen dafür gibt es keine, was ernüchtert. Dafür reißt der Schluss ziemlich vieles wieder raus: Erschreckend, überraschend und erbarmungslos werden hier viele Fortschritte wieder zunichte gemacht, sodass Band 2 spannend beginnen dürfte.

FAZIT
Ich scheine kein großer Fan mehr von Marie Lus Geschichten zu werden - auch ihre neue Reihe konnte mich beim ersten Band nicht vollständig von sich überzeugen. Die düstere Protagonistin und der geringere Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte haben allerdings dazu geführt, dass mir "Die Gemeinschaft der Dolche" besser gefallen hat als "Legend". Eventuell wird da ja im 2. Band auch noch eins draufgesetzt. Knappe 3,5 Punkte.
 

Titel: Die Gemeinschaft der Dolche
Originaltitel: The Young Elites
Reihe: The Young Elites
Autor: Marie Lu
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Verlag: Loewe
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3-7855-8353-1

   Kommentare:

  1. Ja, das dürfte auch ohne Likör schmecken, solange du ordentlich Ahornsirup reinhaust! :D

    Und mittlerweile funktioniert wieder alles und es scheint auch kein bleibender Schaden entstanden zu sein - ich hoffe jetzt einfach mal das beste!

    Ich habe "The Young Elites" und auch die beiden Folgebände schon auf Englisch gelesen und sie haben mir leider überhaupt nicht gefallen.
    Adelina mochte ich wie du auch nicht wirklich, weil sie einfach prinzipiell gegen ALLES ist, jeden von sich wegstößt und sich ständig so aufführt, als wäre sie der ärmste Mensch der Welt. Das ändert sich auch leider in Band 2 und 3 nicht und wird sogar noch schlimmer, sodass ich die Bücher irgendwann am liebsten gegen die Wand geschmissen hätte! :D

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    1. Oh wie schade, dass dir Band 2 und 3 nicht besser gefallen haben als Band 1. Ich dachte, der Sinn der Sache wäre, Adelina eine Wandlung durchmachen zu lassen und sie so letztendlich auf das Licht zuzuführen, sozusagen...Obwohl ich ihre düstere Art ja eigentlich recht interessant fand.
      Damit hast du mich grade ein wenig abgeschreckt, ich werde die beiden Nachfolger wohl nicht allzu schnell beginnen :D

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  2. Das Buch steht auch auf meiner Lesewunschliste, aber nach deiner Kritik werde ich wohl noch etwas warten. Ich mag es zwar auch düster und gerade wenn der Fokus nicht auf der Liebesgeschichte liegt, ist das ein großer Pluspunkt. Jedoch mag ich es nicht, wenn der Schreibstil abgehackt und ziemlich einfach gestrickt ist. Und auch wichtige Erklärungen, sollten immer dabei sein, sonst frustiert mich das. Werde das Buch sicherlich irgendwann noch lesen, aber vorher habe ich noch so vieles im Regal, das mich etwas mehr reizt.

    Danke auch für deine liebe Antwort.
    Dankeschön :). Das Teenie Drama ist nicht von der Hand zu weißen, gut ist ja auch eine Jugendserie, somit findet man da schon einige Klischees. Aber wie dir gefällt mir die Optik unglaublich gut und ich mag den Mystery Anteil und die Darsteller. Ist bei mir so eine kleine Guilty Pleasure geworden, die ich mir einfach mittlerweile echt gerne anschaue und mich auch auf die neue Folge freue.

    Ich war bei Beyond auch erst skeptisch. Habe ja schon einige Serien aus dem Genre gesehen und viele gingen in die Richtung, aber die Rezensionen waren hier wirklich richtig positiv und viele haben darauf hingewiesen, dass die Storyline zwar erstmal bekannt ist, man dann aber wirklich spannende Wendungen einbaut und da was eigenes draus macht. Die Quoten bestätigen das ja erstmal auch. Ich hoffe somit, dass die Serie mal bei Netflix landet, da könnte ich mir die ziemlich gut vorstellen im Moment, weil man ja doch schon einige Jugendserien als Deutschlandpremieren im Angebot hat.

    Von Legion habe ich die Trailer auch schon gesehen. Ich bin ja immer skeptisch, weil es mittlerweile so viele Comic Verfilmungen gibt und so viele noch dazu kommen, aber die ersten Kritiken zum Piloten sind ja auch unfassbar gut und die Idee dahinter hat mich auch angesprochen. Bei Iron Fist werde ich wohl wegen dem Hauptdarsteller mal reinschauen. Ich mag ja Daredevil ganz gerne, bin schon ziemlich gespannt auf The Punisher, aber alle Marvel Serien habe ich auf Netflix jetzt noch nicht gesehen. Luke Cage kam ja jetzt auch nicht bei allen so gut an. Mal gucken.

    Ah okay, vielleicht sollte ich doch mal reinschauen. Die Folgen gehen ja auch nur 30 Minuten, sodass das ja perfekt für zwischendurch ist. Eine Freundin von mir war auch ganz begeistert und hat die Serie echt in einem Tag durchgeschaut.

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    1. Ich meinte nicht, dass der Schreibstil einfach ist, sondern passend zur Handlung und zu den Gedankengängen von Adelina in soweit "abgehackt", dass die Spannung und ihre Selbstzweifel gut beim Leser ankommen ;)
      Die fehlenden Erklärungen und das eher schwache Worldbuilding waren definitiv auch meine größten Kritikpunkte. Aber eventuell wird das in den Nachfolgern ja noch besser angegangen.

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