Back Down to Earth

[Buchrezension] Sieben Nächte in Tokio - Cecilia Vinesse

Ich zog den Arm weg und stolperte nach draußen auf den engen Flur, vorbei an zahllosen Zimmern voll anderer Leute und anderer Songs. Voll anderer Nächte.
Ich ging nicht auf die Toilette. An einem Fenster blieb ich stehen, lehnte die Stirn gegen das kühle Glas und sah nach unten. Es war, als kippte ich in ein Meer aus Menschen und Nacht und hellen Neonlichtern.
Ich wollte nur noch nach Hause.

9783423761499INHALT
Seit vier Jahren lebt Sophia in Tokio und hat in der bunten, typisch-japanischen Stadt ihr Heimat gefunden. Gemeinsam mit ihren besten Freunden Mika und David zieht sie durch die Straßen, fühlt sich frei und lebendig. Doch in einer Woche wird das alles vorbei sein, denn mit ihrer Familie wird sie wieder in die Staaten ziehen - und Sophia ist fest entschlossen, die letzten 7 Tage in vollen Zügen zu genießen. Jedenfalls bis sie erfährt, dass Jamie zurückkehrt. Jamie, der Junge, der ihr vor drei Jahren das Herz gebrochen hat und der wirklich der letzte ist, den sie sehen will. Doch bereits nach kurzer Zeit fühlt sie sich in seiner Gegenwart so wohl wie früher. Was den Abschied nicht unbedingt einfacher macht...

MEINE MEINUNG
Autorin Cecilia Vinesse hat selbst mal in Tokio gelebt, da ist es kein Wunder, dass ihr Debüt genau dort spielt. Ein aufregender Ort für eine aufregende Liebesgeschichte, eine Kulisse, die man selten in Romanen findet. Leider wirkt der Ort in "Sieben Nächte in Tokio" teilweise auch genauso: Wie eine Kulisse. Die Protagonisten sind trotzdem amerikanisch, Interaktionen auf japanisch oder mit Einwohnern gibt es kaum. Das ist schade, weil das Gefühl für die Stadt so - trotz der offenkundigen Kenntnisse über Essen und Karaoke - ein wenig auf der Strecke bleibt. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Protagonistin, die einen mit ihrer jungen, authentischen Stimme aber durchaus fesselt.

Nachdem sie ihre anfängliche ständige Eifersucht abgelegt hat, kann man Sophia definitiv als Sympathieträgerin bezeichnen. Unsicher und unerfahren zwar, aber ihre Gefühle bezüglich des Umzugs und auch ihrer Freunde sind absolut nachvollziehbar - insbesondere ihre Befürchtung, dass sie sich in den USA nie wieder so wohlfühlen wird. Love-Interest Jamie ist jedoch definitiv der Star des Buches: Ein fröhlicher, offener und liebevoller Nerd wie man sich ihn nur wünschen kann. Das ist ein bisschen klischeehaft, aber auch äußerst bezaubernd. Mit Sophias aufgedrehter Freundin Mika und dem eingebildeten David konnte ich eher weniger anfangen, dafür ist die Wandlung von dessen Freundin Caroline von der geduldeten Begleiterin zur echten Freundin toll zu beobachten.

Schon nach kurzer Zeit nimmt die Geschichte rund um die eigenen Wurzeln, Familie und Freundschaft einen vollends gefangen. Nicht nur Sophia und Jamie kommen sich näher, auch die Beziehung zu ihrer Schwester und ihrer Mutter wird aufgrund der bevorstehenden Veränderungen enger. Die Liebesgeschichte kommt nicht zu kurz, wird zum Glück aber nur selten kitschig, und besitzt das richtige Maß an Authentizität. Leider nimmt 100 Seiten vor Schluss aber noch einmal komplett unnötiges Drama seinen Lauf, das zumindest ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte - nachdem sich die Figuren doch sonst relativ wenig pubertär verhalten haben. Zum Glück bekommt die Geschichte allerdings die Kurve und damit auch noch ein schönes, geradezu nostalgisches Ende, ohne einen besonderen Twist herbei zu zaubern. So bleibt ein zufriedenes Gefühl zurück und irgendwie auch ein bisschen der Wunsch, Sophia und Jamie noch einmal zu begegnen.

FAZIT
"Sieben Nächte in Tokio" besticht durch das Setting in der japanischen Metropole, nutzt dieses aber leider zu wenig, um richtig besonders zu sein. Die Figuren sind überwiegend liebenswert und die Liebesgeschichte niedlich - wäre das Drama im letzten Drittel nicht gewesen, hätte das ein perfektes Wohlfühlbuch werden können. So gibt es aber immer noch gute 3,5 Punkte.


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Titel: Sieben Nächte in Tokio
Originaltitel: Seven Days of You
Reihe: Nein
Autor: Cecilia Vinesse
Übersetzer: Stephanie Singh
Verlag: dtv
Seitenzahl: 304 Seiten
ISBN-13: 978-3-423-76149-9

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