Back Down to Earth

[Filmrezension] The Hateful Eight

"Hängen muss man nur miese Bastarde. Aber miese Bastarde muss man hängen."

INHALT
Aufgrund eines Schneesturms muss die Kutsche, in dem der zukünftige Sheriff von Red Rock, sowie die Kopfgeldjäger Major Marquis Warren und John Ruth mit dessen Gefangener Daisy Domergue sitzen, bei Minnies Miederwarenladen Halt machen. Dort anwesend sind bereits vier andere zwielichtige Reisende, und während die vielen Personen auf engstem Raum so lange zusammengepfercht sind, entspinnt sich ein düsteres Kammerspiel. Und bald sind sich Warren und Ruth sicher, dass mindestens einer der anderen mit Domergue unter einer Decke steckt. Nur wer?

MEINE MEINUNG
Quentin Tarantinos Filme mag man oder man mag sie nicht. Es ist nicht zu verleugnen, dass er einen sehr eigensinnigen Stil hat, teilweise wirr erzählt und es mit seinen Gewaltorgien gern übertreibt - aber gerade das macht seine Filme auch aus, und deswegen schaue ich sie mir immer wieder gern an. "The Hateful Eight" ist nach seinem letzten Streifen nun wieder ein Western, spielt aber im Gegensatz dazu im tiefsten Winter in Wyoming. Unterteilt ist der Film selbstverständlich in Kapitel, deren Titel grundsätzlich eine Vorahnung auf die Geschehnisse geben, aber nie zu viel vorweg nehmen. Das Interessanteste am Film ist aber natürlich die Drehweise im 65-mm-Format, die durch ihre Weite und die damit entstehende Atmosphäre stark beeindruckt.

Im Gegensatz zu "Django Unchained" kann man hier eigentlich von keinem eindeutigen Protagonisten sprechen. Zwar hat Samuel L. Jackson als skrupelloser, vulgärer Warren die meiste Screen-Zeit, auch die drei anderen, die mit ihm in einer Kutsche saßen, erhalten aber immer wieder starke und eigene Szenen. Großartig ist Jennifer Jason Leigh als durchtriebene, irre scheinende Domergue, und ebenso überzeugen kann Kurt Russell, wenn er ihr als "Der Henker" John Ruth eins auf den Deckel gibt. Der zu Anfang noch wenig herausstechende Walton Goggins als Sheriff kann zum Ende hin richtig aufdrehen und spielt den spannenden Wandel seiner Figur famos. Aber auch die Nebenfiguren sind perfekt besetzt - allen voran Tim Roth, der Oswaldo Mobray spielt und dabei in seinem Grinsen ein wenig an Christoph Waltz erinnert, während er seinem Charakter aber dennoch eine eigene Note gibt. Und wer sich nicht allzu stark mit Filmseiten und Rezensionen beschäftigt, darf sich am Ende auch noch über einen sehr interessanten Gastauftritt freuen.

Die Geschichte ist, vor allem für einen Tarantino, aber doch ein bisschen dünn. Letztendlich dreht sich der ganze Film tatsächlich nur um das Misstrauen zwischen den Reisenden und den Verbündeten von Domergue. Allerdings bedeutet das nicht, dass das Ganze dadurch öde ist - dafür sorgen die skurrilen Dialoge und tollen Darsteller. Zugegeben, den ersten Teil nur in der Kutsche empfand ich als etwas zu lang, sobald die vier jedoch in der Hütte ankommen, zieht die Spannung richtig an. Und das, obwohl in den ersten zwei Dritteln komplett das für Tarantino normale epische Gemetzel fehlt. Stattdessen hat die Handlung etwas von einem Kammerspiel, wenn sich die Figuren beäugen und beleidigen und gegenseitig provozieren. Aufgelockert wird die Stimmung immer wieder nicht nur durch Wortwitz, sondern auch durch urkomische Situationen.

Nach langen Gesprächen, in denen viele rassistische und frauenfeindlichen Sprüche und Witze und unerhört oft das N-Wort vorkommen, besinnt sich der Regisseur und Drehbuchautor im letzten Teil dann doch auf seine üblichen Vorlieben und präsentiert uns einen Ausbruch an Gewalt, der sich gewaschen hat. Das weiß man und das kennt man, wenn man schon einmal einen Film von ihm gesehen hat, wobei auch ich sagen muss, dass mir für eine Szene durchaus die einfache Erzählung gereicht hätte, denn die Ermordung Unschuldiger so zu zeigen, ist nicht unbedingt nötig. Davon abgesehen aber erfüllt das Gemetzel durchaus seinen Zweck und gipfelt schlussendlich in einer ungleichen Partnerschaft, die man so am Anfang nicht voraussieht. Und ob nun von den beteiligten Charakteren im Verlaufe der Gespräche die Wahrheit gesagt wurde oder nicht - das darf man sich dann selbst denken.

FAZIT
"The Hateful Eight" ist nicht Tarantinos bester Film, dafür ist die Geschichte etwas zu einfach gehalten. Und ein bestimmter Teil an den Gewaltdarstellungen hat auch mir - einer Liebhaberin des Splatters - weniger gefallen. Davon abgesehen ist es aber ein spannender Film voller großartiger Darsteller und faszinierender Dialoge. Knappe 4 Punkte!




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