Back Down to Earth

[Filmrezension] Crimson Peak

"Sie ist wie unsere eigene Jane Austen. Starb sie nicht als alte Jungfer?" - "Eigentlich wäre ich lieber Mary Shelley, sie starb als Witwe."

STORY
Edith Cushing ist eine aufgeweckte, junge Frau, deren größter Traum es ist, Schriftstellerin zu werden. Als sie eines Tages auf den schönen und gleichzeitig düsteren Thomas Sharpe trifft und dieser seine Begeisterung für ihren Roman ausdrückt, verfällt sie ihm schnell - und nach ihrer schnellen Hochzeit zieht sie mit ihm und seiner Schwester Lucille in deren verfallenes Haus in England. Doch die brüchigen Böden und das durchlässige Dach dort sind bald nicht mehr Ediths einzige Sorge: Geister scheinen sie zu verfolgen, und Lucille benimmt sich äußerst eigenartig. Aber als das Geheimnis endlich gelüftet wird, ist schon beinahe alles zu spät...

MEINE MEINUNG
Von Guillermo del Toro, der wohl für seine Regie bei "Pans Labyrinth" und "Pacific Rim" am bekanntesten sein dürfte, haben wir länger nichts gehört - er ist noch immer Drehbuchautor von "The Strain" und hat einige Horrorfilme mitproduziert, aber länger keinen eigenen geschaffen. Nun ist er mit "Crimson Peak", einem Gruselfilm der alten Art, wieder da und bringt ein fulminantes Cast mit. Um ehrlich zu sein mangelt es ihm dafür aber an einer fulminanten Geschichte.

Von Mia Wasikowska bin ich spätestens seit "Stoker" ein großer Fan, und auch hier liefert sie als Edith eine Glanzleistung ab - wenn ihr Charakter auch teilweise sehr naiv und gutgläubig angelegt ist. Ihr Misstrauen und ihre Stärke zum Ende hin machen das aber wieder wett. Tom Hiddleston ist der undurchschaubare Thomas, der einerseits Dinge verbirgt, andererseits aber auch deutlich etwas für Edith empfindet, und der sich hin- und hergerissen fühlt zwischen ihr und seiner Schwester. Diese, Lucille, ist die beste Figur des Filmes und von Jessica Chastain zum Fürchten glaubwürdig dargestellt. Die kühle Arroganz, durchbrochen von Anfällen größter Tobsucht, sind wunderbar gespielt. Charlie Hunnam nimmt leider nur eine sehr kleine Rolle ein, die ich für sein Talent als zu unzureichend und langweilig empfand. Einen schönen Auftritt hat dafür aber Jim Beaver, der einigen aus "Supernatural" bekannt sein dürfte, als Ediths Vater - wenn dieser auch nicht lange anhält.

Guillermo del Toro selbst hat den Film noch vor dem Start als "Gothic Romance" bezeichnet, und damit hat er recht. Es ist kein Horrorfilm und übernatürliche Elemente gibt es bis auf die Geister nur wenige. Diese sind dafür großartig animiert, keine weißen Schemen, sondern stattdessen leichenähnliche Wesen, die so aussehen wie sie gestorben sind. Sie bringen eine sehr gruselige Atmosphäre mit sich, wozu auch das düstere, knarrende Haus beiträgt, das tatsächlich nicht durch CGI entstanden ist, sondern an dem monatelang gewerkelt wurde. Genauso für Gänsehaut sorgt aber auch immer wieder die Tonerde, die das Haus umgibt, und die sich wie Blut durch den Schnee frisst und allem eine makabere Färbung gibt. Hinzu kommen noch die großartigen Kostüme, die zur Zeit um 1900 passen und dem Ganzen einen opulenten Schliff geben.

Neben all dieser Aufmachung verblasst die Geschichte selbst aber stark. Die Liebesgeschichte kommt nicht wirklich bei einem an, vor allem nicht die Wandlung von Thomas, und das Geheimnis errät man spätestens, als Edith krank zu werden beginnt. Es gibt keine wirklichen Überraschungen: Nicht bei der Beziehung der Geschwister, nicht bei den Motiven der Geister, nicht beim Ende - vor allem nicht da, denn dieses wird bereits in der Anfangsszene angedeutet. Dennoch, das kann man dem Film nicht absprechen, bleibt er konsequent und zieht auch den Schluss komplett durch, ohne dort noch einmal in Kitsch zu verfallen. Letztendlich sorgt das aber nicht dafür, dass er einem im Gedächtnis bleibt.

FAZIT
"Crimson Peak" hat ein großartiges Cast, bei dem vor allem Mia Wasikowska und Jessica Chastain hervorstechen, eine wunderschöne, düstere Kulisse und eine gruselig angehauchte Liebesgeschichte, die allerdings nicht ganz überzeugt. Genauso verhält es sich auch mit dem Inhalt: Der ist nicht originell und nicht überraschend genug, als dass man sich wirklich viel draus machen würde. Regisseur und Autor Guillerome del Toro hätte darauf ein wenig mehr Augenmerk legen können. So bleibt es von mir bei knappen 3,5 Punkten.



   Kommentare:

  1. Seit Pans Labyrinth hat mich von Guillermo del Toro nichts mehr so richtig aus den Socken gehauen. Bei Pacific Rim sah zwar alles optisch genial aus, aber es mangelte an der Story. Leider scheint das auch diesmal der Fall zu sein :/ Trotzdem werde ich ihn mir glaub ich ansehen. Wenigstens sieht er schön aus! :)

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    1. "Pans Labyrinth" habe ich leider noch nicht gesehen, will ich aber unbedingt. Geht mir ansonsten aber genauso - "Pacific Rim" fand ich ziemlich doof und "The Strain" wird immer schlechter (wobei er da ja aber auch keine Regie mehr führt).

      Schön sieht er aber auf jeden Fall wirklich aus und in vielen Szenen tröstet das auch über die Geschichte hinweg. Besonders Ton, der immer wieder wie Blut durch den Schnee kommt, sieht einfach großartig aus ;) Wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß, solltest du ihn noch schauen!

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