Back Down to Earth

[Buchrezension] Firefight - Brandon Sanderson

"Ah, da bist du ja, Jon. Das ging ja wirklich schnell."
Die ruhige Bemerkung ließ mich beinahe bis zu den Sternen auffahren. Ich drehte mich um und richtete das Gewehr aus.
Neben dem Prof stand auf einmal eine ältere schwarze Frau mit runzliger Haut und weißem Haar, das sie zu einem Knoten zusammengebunden hatte. Um den Hals trug sie ein modisches Tuch, das trotzdem irgendwie großmütterlich wirkte. Über Bluse und Hosen hatte sie sich eine weiße Jacke angezogen.
Regalia, die Herrscherin von Manhattan, war da drüben direkt vor mir erschienen.
Ich jagte ihr eine Kugel durch den Kopf.

INHALT
Steelheart ist tot und Newcago eigentlich frei von seiner tyrannischen Herrschaft, doch die Rächer haben keine Zeit zu ruhen - denn immer wieder kommen neue Epics in die Stadt, um sie zu vernichten. Bald wird klar, dass diese Angriffe von Regalia ausgehen, die die Gewalt über Manhattan besitzt, und dass diese die Rächer aus irgendeinem Grund zu sich locken will. Um herauszufinden, was sie plant, stoßen David, der Prof und Tia zur dort ansässigen Rächerzelle. Die ganze Aktion wird problematisch, als zusätzlich der gefährliche Obliteration auftaucht, um alles in Schutt und Asche zu zerlegen. Und als David dann auch noch Firefight wiedertrifft, für die sein Herz schlägt, ist das Chaos perfekt...

MEINE MEINUNG
Brandon Sandersons völlig anderer Blick auf Superhelden hat uns 2013 (bzw. 2014 in der Übersetzung) einen großartigen Fantasy-Auftakt geliefert. Nach den schwerwiegenden Ereignissen und Enthüllungen zum Ende hin, schließt "Firefight" nun nur kurze Zeit später daran an. Protagonist David berichtet selbstverständlich wieder aus der Ich-Perspektive und beglückt die Leser mit seinen eigenwilligen Vergleichen und Metaphern, auch wenn diese selbst für seine Belange manchmal aus dem Ruder laufen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, und besonders die Dialoge können mit ihrer realistischen Ungezwungenheit völlig überzeugen.

David ist nicht mehr ganz so naiv wie zu Beginn von "Steelheart", hat seinen Glauben an das Gute im Menschen aber nie abgelegt - was ihn so menschlich macht. Er versucht, in allen das Beste zu sehen und hadert mit Schuldgefühlen, die man absolut nachvollziehen kann. Nachdem man Megan im Vorgänger größtenteils als unfreundliche Zicke kennen gelernt hat, darf sie hier nun eine weichere Seite zeigen, die man durchaus sehr gern an ihr sieht. Der Prof ist wieder wunderbar einschüchternd und undurchschaubar, Tia pragmatisch wie eh und je. Bei den Neuzugängen ist besonders Regalia ein richtig guter Charakter: Schwer einzuschätzen und in ihren Motiven den Umständen entsprechend irgendwie verständlich, können sich ihre vielen Facetten durchaus sehen lassen. Ebenso verhält es sich mit den drei neuen Rächern Val, Exel und Missy, die sich von misstrauisch über seltsam bis zu tollpatschig sehr voneinander abheben.

Nach Steelheart im 1. Teil geht es nun gleich um drei große Epics - Regalia, Obliteration und Firefight nämlich. Letztere ist zurecht auch Titelgeberin, den sie ist diejenige, die den Ausschlag gibt dafür, dass David sich fragt, ob alle Epics böse sein müssen. Nach seinen Rachegelüsten zuvor sind es nun seine Zweifel, die ihn antreiben und die ihn verschiedenen Theorien nachgehen lassen, um Licht ins Dunkel zu bringen. So kann er selbst schon ein Rätsel der Epics lösen und kommt im Verlaufe der Handlung auch den anderen immer näher. Denn man könnte im Grunde fast sagen, dass es im Buch tatsächlich um vier Epics geht - und den letzteren lernt er auf ganz besondere Weise kennen, die Antworten bereithält, aber auch weitere Fragen aufwirft. Es ist also jetzt schon abzusehen, dass es im finalen Band nicht langweilig werden wird.

Zwischenzeitlich gibt es ein paar etwas zu langatmige Momente mit etwas zu viel Geplänkel, ansonsten jedoch folgt eine actionreiche Szene auf die andere, und durch die unterschwellige Bedrohung, die nie nachlässt, ist man auch als Leser immer auf der Hut. Ein bisschen Romantik gibt es, diese hält sich jedoch sehr stark in Grenzen und untergräbt so nie die eigentliche Geschichte. Die Geschehnisse zum Ende hin sind dann besonders schockierend, weil man so nicht damit gerechnet hätte, aber sie sind auch einleuchtend - denn so ist jetzt schon klar, gegen welchen alles abverlangenden Gegner sich die Rächer im letzten Band wappnen müssen (neben dem Titel gebenden natürlich). Und eins ist dabei unvermeidbar: Auch für den Leser wird das ein haarsträubender Kampf.

FAZIT
"Firefight" ist nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, kommt an diesen aber sehr nah heran. Durchdachte Figuren, eine originelle Geschichten und viele unerwartete Wendungen lassen es einem recht selten langweilig werden - Autor Brandon Sanderson kann einfach erzählen. Da bleibt am Ende nur noch die Vorfreue auf "Calamity". Knappe 4,5 Punkte!


Titel: Firefight
Originaltitel: Firefight
Reihe: The Reckoners
Autor: Brandon Sanderson
Übersetzer: Jürgen Langowski
Verlag: Heyne fliegt
Seitenzahl: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3-453-26900-2


   Kommentare:

  1. Ich hab Band 1 noch gar nicht gelesen, daher habe ich mir hier auch nur das Fazit angesehen, aber das klingt ja toll! Wird wohl ein Weihnachtswunsch ;)

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    1. Ich hoffe sehr, dass du den ersten Teil zu Weihnachten erhalten hast, alles andere wäre eine riesige Enttäuschung ;) So oder so, hoffe ich, du kannst es bald lesen. Und dabei wünsche ich dir viel Spaß!

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    2. Ich hoffe sehr, dass du den ersten Teil zu Weihnachten erhalten hast, alles andere wäre eine riesige Enttäuschung ;) So oder so, hoffe ich, du kannst es bald lesen. Und dabei wünsche ich dir viel Spaß!

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