Back Down to Earth

[Buchrezension] Für alle Tage, die noch kommen - Teresa Driscoll

Tatsächlich wollte Melissa sich nicht daran erinnern müssen, wie wunderbar sich mit ihrer Mutter alles angefühlt hatte. Je öfter sie diesen Traum hatte, desto mehr bemühte sie sich, Eleanor dabei nicht ins Gesicht zu blicken. Denn wenn sie sich nachts im Traum erlaubte, in das schöne Gesicht ihrer Mutter zu schauen, die sie liebevoll anlächelte, das wusste Melissa, würde sie nicht mehr in der Lage sein, den nächsten Morgen, den nächsten Tag, die ganze Woche zu bewältigen.

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/41SUt3jpZIL._SX301_BO1,204,203,200_.jpgINHALT
Vor 17 Jahren ist Melissas Mutter an Krebs gestorben - für sie als damals Achtjährige ein Schock, weil ihr die Krankheit verschwiegen wurde. Nun, als Erwachsene, hat sie noch immer Angst vor Bindung und lehnt auch den Heiratsantrag ihres Freundes und ihrer großen Liebe Sam ab. Doch dann geschieht etwas Überraschendes: Von einem Anwalt erhält sie ein Buch, das von ihrer Mutter stammt und in dem sie Ratschläge gibt und Anekdoten erzählt. Und mit den Worten ihrer Mutter lernt Melissa langsam, Vertrauen zu fassen...

MEINE MEINUNG
Teresa Driscoll verarbeitet das schwierige und doch oft genutzte Thema Krebs in ihrem Debüt einmal ganz anders: Statt der Protagonistin ist deren Mutter Eleanor an der Krankheit gestorben, was sie nachhaltig geprägt hat. "Für alle Tage, die noch kommen" nutzt dabei wechselnde Erzähler, sodass auch Eleanor selbst in der Vergangenheit zu Wort kommt, wodurch man ihre Gründe für das Schweigen durchaus nachvollziehen kann. Der Schreibstil ist angenehm und insbesondere die Rezepte laden regelrecht zum Nachkochen ein. Leider sind dafür aber die Dialoge teilweise etwas plump und hölzern geraten - ob das aber nur an der Übersetzung liegt, vermag ich nicht zu beurteilen.

Melissa ist teilweise eine sehr schwierige Hauptfigur, weil sie sich über lange Zeit vor allen Veränderungen versteckt und gerne vor schwierigen Entscheidungen davon läuft - da bleiben auch ihre Motive teilweise blass. Zum Glück macht sie eine glaubwürdige Entwicklung durch und wird einem zum Ende hin immer sympathischer. Etwas anders verhält es sich mit ihrem Freund Sam, den man von Anfang an mit seiner besonnenen und zärtlichen Art ins Herz schließt. Genauso geht es einem auch mit Melissas Vater Max, der zwar noch immer trauert, aber auch ins Leben zurück finden will. Und Eleanor selbst rundet das Bild mit ihrer gutmütigen Art wunderbar ab. Etwas störend bei den Figuren ist nur, dass sie ausnahmslos alle großen beruflichen Erfolg haben und grundsätzlich von allen, auch Fachleuten, hoch angesehen werden, was ich doch als etwas unrealistisch empfunden habe.

Teresa Driscoll versteht es wunderbar, die verschiedenen, allesamt überaus lecker klingenden Rezepte sinnvoll über Erinnerungen und Rückblicke mit ihrer Geschichte zu verbinden, sodass man ihre große Bedeutung verstehen kann. Die Abschnitte rund um Eleanors Leben, ihre Krankheit und ihre Entscheidung, Melissa nichts zu sagen, sind dabei eindeutig die interessantesten - und auch die intensivsten, weil sie in der Ich-Perspektive verfasst sind. Sowohl bei Melissas als auch Max' Kapiteln hatte ich teilweise das Gefühl, dass sie durchaus ein wenig mehr Kürze hätten vertragen können. So drehen sich Melissas Gedanken immer und immer wieder um dieselben Ängste und Max verbringt extrem viel Zeit damit, für eine Kollegin zu schwärmen.

Mit dem Thema Krebs und Tod wird dafür aber sehr sensibel umgegangen, und auch Melissas Wut über das frühe, abrupte Verlassenwerden, und sei es schon 17 Jahre her, ist durchaus verständlich. Doch Schwermütigkeit sucht man zum Glück trotzdem vergebens, denn neben der Krankheit stehen vor allem die Themen Liebe, Familie und Zusammenhalt im Vordergrund, durch die es immer wieder zu berührenden und auch frohen Momenten kommt. Bis zum Ende bleibt die Geschichte aufgrund der vielen ausstehenden Entscheidungen fesselnd, auch wenn der Ausgang letztendlich natürlich eher vorhersehbar ist. Weil am Schluss jedoch alle Stränge sehr schön aufgelöst werden, kann man darüber gut hinwegsehen.

FAZIT
Teresa Driscolls Debütroman "Für alle Tage, die noch kommen" basiert auf ihren eigenen Erfahrungen mit der Krankheit Krebs, was man in den Details auch merkt. Die Dialoge sind jedoch manchmal ein wenig steif und einige Szenen deutlich zu lang - auch wenn viele andere dafür mit ihrer Emotionalität überzeugen können. Letztendlich gibt es von mir 3,5 Punkte.



Titel: 
Für alle Tage, die noch kommen

Originaltitel: Recipes for Melissa
Autor: Teresa Driscoll
Übersetzer: Carola Fischer
Verlag: Droemer Knaur
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-65371-5


   Kommentare:

  1. Das klingt eigentlich total schön, muss ich sagen - da kann ich bestimmt auch über die Dialoge wegsehen ;-) Behalte ich im Blick, danke!

    PS: Besonders die Rezepte find ich ja toll, was sind das denn für welche?

    AntwortenLöschen
  2. Oh Gott, ich habe das Buch grade nicht neben mir liegen - aber es gibt auf jeden Fall ein Rezept für Marmelade, eines für Kekse und eines für ein Fleischgericht, alles sehr, sehr lecker vom Klang her ;)

    Solltest du es tatsächlich lesen, wünsche ich dir viel Freude daran, es hat wirklich wunderschöne Momente!

    AntwortenLöschen

Empfohlener Beitrag

[Serienrezension] Tote Mädchen lügen nicht

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
hide

Meine aktuelle Lektüre

Meine aktuelle Lektüre
"Tote Helden" von Michael Peinkofer [34/528]

Mein letzter Kinobesuch

Mein letzter Kinobesuch
"John Wick: Chapter 2" am 16.02.
Folge mir auf Facebook
Folge mir auf Twitter