Back Down to Earth

[Filmrezension] Can a Song Save Your Life?

"Und? Hast du dich selbst gefunden?" - "Ich weiß nicht." - "Nun, du hast jedenfalls einen Bart gefunden. Er ist enorm!"

Mein nächster Kinobesuch:STORY
Die junge Musikerin Gretta sucht in New York ihr Glück. Während sie gerade daran arbeitet, ihre Musikkarriere in Gang zu bringen, verlässt sie allerdings ihr langjähriger Freund Dave für eine Frau, die er grade erst kennengelernt hat. Gretta trauert, bis sie schließlich von Dan entdeckt wird, einem Plattenproduzenten, der allerdings schon länger keinen Erfolg mehr hatte. Er sieht Gretta während eines Konzerts auf einer kleinen Bühne im New Yorker East Village - und ist sofort von ihrem großen Talent überzeugt. Zusammen wollen beide den Neuanfang stemmen. Doch Gretta möchte, wenn überhaupt, ein ganz besonderes Album aufnehmen, und so lässt Dan die Band nicht im Studio sondern an verschiedenen Orten der Stadt spielen: In der U-Bahn, auf Booten, in kleinen Gassen. Und so entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, die ihnen gegenseitig hilft, wieder auf die Füße zu kommen.

MEINE MEINUNG
Wenn wir mal vom Titel des deutschen Verleihs absehen - wer kommt denn auf "Can a Song Save Your Life" statt "Begin Again"? -, besitzt der neue Film von John Carney [bekannt für "Once"] zwar keine sonderlich neue, aber doch schöne Prämisse. Denn die gesamten 104 Minuten drehen sich eigentlich hauptsächlich um die Liebe zur Musik, um die Art wie sie zu begeistern weiß und eine Freundschaft, die auf ihrer Basis entsteht. Ein Feel Good-Movie also, das weiß man ab der ersten Sekunde, und genau das bleibt er auch bis zum Ende.

Keira Knightley spielt ihre niedlich-naive Figur der Gretta sehr überzeugend und ist dabei so zuckersüß, dass es nicht möglich ist, sie nicht zu mögen. Ihre leicht sprunghafte Art macht sie realistisch, gleichzeitig merkt man jedoch besonders in den Szenen mit ihrem Ex-Freund Dave, dass sie Stärke besitzt. Mark Ruffalo ist erneut in der Rolle eines eher abgehalfterten Mannes zu sehen, und erneut ist er in dieser auch sehr überzeugend. Natürlich verändert er sich im Laufe der Zeit, bleibt seiner etwas unkonventionellen Linie jedoch treu. Adam Levine gibt hier sein Kinodebüt und ist in seinem Schauspiel durchaus solide, wobei er insgesamt natürlich mehr singt als dass er wirklich eine große Rolle darstellt. Klasse ist auch wieder einmal Hailee Steinfeld, hier als halb-rebellische, halb-sehnsuchtsvolle Tochter, die endlich ihr Potenzial ausschöpfen darf. Die Nebenfiguren bleiben leider sehr blass, da sie aber auch oftmals recht unwichtig sind, kann man darüber hinwegsehen.

Natürlich ist die Story recht konventionell und beginnt mit zwei mehr oder weniger zerbrochenen Persönlichkeiten, die sich dann gemeinsam zusammenraufen und etwas auf die Beine stellen. Außerdem will der Film weitaus mehr independent erscheinen als er wirklich ist - das sieht man schon daran, dass der Soundtrack in Wirklichkeit achtzehn Euro kostet und in der Geschichte selbst nur einen. Während des Schauens vergisst man all das jedoch, denn mit seiner Authentizität und der gut gelaunten, aber nicht zu quirligen Stimmung lässt einen das Ganze sofort in die Handlung eintauchen. Man lacht mit den Figuren, freut sich mit ihnen oder ärgert sich über manche Entscheidung. Wobei hier allerdings kein Charakter etwas weltbewegend Dummes fabriziert, sondern die Entwicklungen und Taten realistisch bleiben. So darf das gern öfter sein!

Und dann die Musik, ja, zwischenzeitlich fast ein bisschen zu viel, aber nur fast, weil sie so passend gewählt ist und, das merkt man einfach, so voller Liebe steckt. Man kann sich nicht davon abhalten, selbst immer wieder mit zu wippen und selbst wenn es völlig neue Songs sind, überkommt einen manchmal der Gedanke, dass man jetzt gern mitsingen würde. Keira Knightley singt ihre Lieder übrigens auch selbst - und hat eine tolle Stimme. Bis zum Ende bleibt der gesamte Film so mitreißend, niedlich und stimmungsvoll. Natürlich, das Happy End ist wie erwartet, aber irgendwo doch auch nicht, und so passt auch das. Wer also einen Stimmungsaufheller sucht, der wird ihn in hier ganz bestimmt finden.

FAZIT
"Can a Song Save Your Life" ist hauptsächlich ein Musikfilm und als ein solcher muss man den Stil und auch die Songs wahrscheinlich mögen, um sich richtig fallen lassen zu können. Ist das jedoch gegeben, erwartet einen ein gefühlvoller, fröhlicher und absolut schöner Film mit tollen Szenen. Von mir gibt es dafür sehr gute 4 Punkte!



   Kommentare:

  1. Ich glaube, den muss ich jetzt auch mal schauen. Kenne Keira Knightley eigentlich nur aus "Anna Karenina", vielleicht mag ich sie ja auch in ertwas anderem :-D

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  2. Den hab ich auch neulich gesehen.
    Das mit dem Titel habe ich mich auch schon gefragt. Ich finde es sowieso so unnötig, einen Titel zu ändern, aber die Originalsprache beizubehalten. Entweder übersetzen oder den Titel so lassen! Wobei "Can A Sing Save Your Life" insofern passt, dass er sich ja umbringen wollte (wie er sagt) und dann ihren Song hört.

    Feel-Good-Movie ist wirklich die beste Bezeichnung. Der Film ist so süß und macht gute Laune, sodass man mit einem strahlenden Lächeln aus dem Kino kommt.

    Keira Knightley ist eine meiner Lieblingsschauspielerinnen. Ich finde sie hier auch wieder toll. Mark Ruffalo sieht man öfter in solchen Rollen, hab ich das Gefühl. Er macht das aber auch sehr gut. Von Adam Levine war ich dafür, dass er eigentlich kein Schauspieler ist, auch recht beeindruckt.
    Du hast recht: Die Nebenfiguren sind nicht sehr vielschichtig, aber das ist ja eigentlich auch egal, weil es schließlich um Dan und Gretta geht.

    Stimmt, die Story ist tatsächlich sehr konventionell und ich finde es auch schade, dass der Soundtrack nicht wirklich 1 Dollar kostet. Ich wette, der wurde auch nicht wirklich live aufgenommen. Dabei hätte ich das echt cool gefunden.
    Also ich fand die Musik nicht zu viel, aber ich mag ja auch Musicals und weiß ja, dass du die nicht so magst ;). Mitsingen wollte ich auch das ein oder andere Mal. Ich würde mir den Soundtrack ja auch sofort kaufen, wenn er nicht so teuer wäre.

    Diese quirlige Stimmung fand ich auch toll und das Ende auch, weil es nicht ganz so ist, wie man erwartet oder befürchtet hätte. Es ist kitschig und klischeehaft genug für Romantiker, aber gleichzeitig offen und ungewöhnlich genug für Realisten ;).

    Freut mich, dass du den Film auch mochtest! :)

    LG
    Charlie

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  3. @Juna:
    Keira Knightley ist eine sehr vielseitige Schauspielerin, von daher ist der Film schon allein wegen ihr sehr sehenswert! Solltest du ihn schauen, wünsche ich dir viel Spaß ;)

    @Charlie:
    Ja, irgendwo passt der Titel schon, aber ich finde einfach, dass er sehr amateurhaft klingt und so gar keine Melodie hat. Der Originaltitel gefällt mir einfach besser ;)

    Ansonsten aber sind wir uns wieder vollkommen einig - ich finde, man braucht einfach mal so einen Film, der vielleicht qualitativ nicht mega ist, aber eben einfach ein bisschen fröhlich macht.

    Hundertpro wurde der Soundtrack in Wirklichkeit nicht irgendwo in der Stadt aufgenommen :D Ist aber halt dann schon irgendwie Abzocke, einem da 18€ abknöpfen zu wollen, und im Film großspurig von einem zu sprechen...Aber darüber kann man hinwegsehen.

    Und genau - es ist zwar das übliche Happy End am Schluss, aber eben doch nicht so wie es hätte sein können, schon fast hätte sein müssen. Wobei meine Romantiker-Freundin, mit der ich drin war, definitiv enttäuscht war über das Nicht-Zusammenkommen der beiden :D

    Danke für deinen ausführlichen Kommentar!

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