Back Down to Earth

[Buchrezension] Die Vernichteten - Ursula Poznanski

"Ich will eure Geschichte hören", erklärt Aramonn nach kurzem Nachdenken. "Vom Anfang bis zum Ende."
"Die ist lang", gebe ich zu bedenken.
"Deshalb führen wir euch auch in unsere Siedlung." Mit erhobenem Speer winkt Aramonn seine Leute zusammen. "Und...Mädchen? Versuch nicht, mit weiszumachen, dass du und der kleine Blonde Dornen seid. Das kauft euch nur jemand ab, der blind und taub ist." Er weist auf die Lederkappe an seinem Kopf. "Mir fehlt zwar ein Auge, aber das zweite ist doppelt scharf."

INHALT
Ria ist dahintergekommen, was sowohl die Sphären als auch die Clans planen: Sich gegenseitig zu vernichten, nur auf unterschiedliche Weisen. Und obwohl sie sich mittlerweile selbst als Außenbewohnerin sieht und Freunde und Vertraute in den sogenannten "Primitiven" gefunden hat, weiß sie, dass sie den Anschlag auf die Kuppelbewohner verhindern muss. Doch Gegner stellen sich ihr in den Weg, und ein funktionierender Plan scheint nicht in Sicht. Das ganze Vorhaben ist extrem unsicher - und bringt auch die Leben ihrer Freunde in Gefahr...

MEINE MEINUNG
Mit "Die Vernichteten" bringt Ursula Poznanski ihre dystopische Trilogie um Sphärenbewohnerin Ria, die einer Intrige zum Opfer fiel, zum Ende. In den beiden vorhergegangenen Bänden hat man die Figuren auf ihrem Weg von der Lüge, die sie jahrelang gelebt haben, zur Wahrheit, die dafür umso schmerzlicher ist, begleitet und mit ihnen gemeinsam erschreckende wie auch manchmal erfreuliche Erkenntnisse erlangt. Diese gibt es daher im Abschluss nicht mehr in einer solchen Fülle, weniger spannend ist er dafür jedoch nicht.

Da man Ria nun schon zwei Bücher lang begleiten durfte, fällt es einem auch in diesem nicht schwer, sich wieder in sie hineinzuversetzen. Noch immer ist sie die nachdenkliche und wortgewandte junge Frau, die im Gegensatz zu so vielen Romanfiguren erst überlegt, bevor sie etwas tut - was sie einem immer wieder sympathisch werden lässt. Auch Sandor wird in seinem Pflichtbewusstsein und seiner Sorge um die Menschen, die ihm am Herzen liegen, ausgebaut und ist ein lebendiger, authentisch wirkender Charakter. Tycho kann wieder mit seiner Begeisterung für technische Spielereien berühren, während Aureljo einem festgelegten Weg folgt. Aber auch neue Bekanntschaften macht man - etwa mit den Clanmitgliedern der westlichen Linie, die die ein oder andere Überraschung für einen bereithalten. Die Entwicklung der Charaktere, auch der der Feinde, ist definitiv eine Stärke der Autorin, was auch dazu beiträgt, dass der gesamte Roman so überzeugend und glaubwürdig daherkommt.

Erneut haben Ria und ihre Freunde in "Die Vernichteten" eine lange und beschwerliche Reise vor sich. Sie müssen versuchen, ein Gegenmittel zu finden ebenso wie einen Weg, sowohl die Machenschaften der Sphären als auch der Clans zu verhindern. Dafür müssen sie weite Strecken und mitunter auch längere Wartezeiten auf sich nehmen, denn die Feinde kommen ihnen immer wieder in die Quere. Das bedeutet zwischenzeitliche Ruhepausen und nicht besonders viel Action - was aber nicht bedeuten soll, dass es langweilig wäre. Durch Rias Gedankengänge, ihre spannende Art zu denken und die immer wieder aufkommenden Probleme, die sie lösen muss, bleibt das Ganze fesselnd und mitreißend. Schade ist nur, dass die meisten Enthüllungen eben bereits in den Vorgängern getätigt werden, sodass hier keine großen Überraschungen mehr aufkommen.

Während ich in Band 2 nur schlecht rein kam und mich die erste Zeit eher langweilte, fühlte ich mich hier in der geschaffenen Welt gleich wieder wie nur kurz weggewesen. Und das, obwohl Kämpfe größtenteils ausbleiben. Es geht eher um die Macht der Worte und der Überzeugung, und das Können in genau diesem Bereich darf Ria hier erneut eindrucksvoll unter Beweis stellen, etwas, das sich von anderen Reihen des Genres stark abhebt. Am Ende bleibt einem als Leser dann nur noch die Zufriedenheit über den würdigen Abschluss, der lange nicht alles vorwegnimmt und das ein oder andere der Vorstellungskraft über-, den Leser jedoch nicht in der Luft hängen lässt. Nur eines noch: Romantikfans sollten sich in dieser Hinsicht nicht allzu große Hoffnungen machen, davon gibt es nicht viel - ist aber bei den Geschehnissen auch eher nebensächlich.

FAZIT
"Die Vernichteten" ist ein mitreißender und insgesamt runder Abschluss von Ursula Poznanskis Dystopien-Trilogie um die Sphären und Clans. Leider gibt es nur noch wenige Geheimnisse zu lüften, was ein wenig der Neugierde nimmt - ansonsten jedoch ist dieser Teil nach dem für mich etwas langatmigeren mittleren wieder packend und glaubwürdig gelungen. 4,5 Punkte und eine absolute Empfehlung für die ganze Reihe!



Titel: Die Vernichteten
Originaltitel: -
Autor: Ursula Poznanski
Übersetzer: -
Verlag: Loewe
Seitenzahl: 528 Seiten
ISBN-13: 978-3785575482



   Kommentare:

  1. Kann ich dir nur zustimmen Sonne! Ich bin auch deutlich besser in den Band reingekommen, als in den vorherigen. Aber wahrscheinlich auch, weil sie zu Beginn eben nicht so "festsaßen". Mit den wenigen Geheimnissen ist mir auch aufgefallen und fand es etwas schade... Vielleicht hätte sie doch nicht allzu viel in Band 2 verraten dürfen :)

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  2. Hallo, Sonne.
    Daß die Romantik hier eher in den "Anhängen" zu such ist, bleibt kosequent. Irgendwie ist Leuten beim abenteuergespickten Dauerlaufen, dem Ent-intrigieren & Verstand in Hohlschädel bringen, nicht noch nach geraspeltem Süßholz zumute*.

    Genehme Lektüre demnach.

    bonté


    *zudem strähnt die Frisur
    , das Outfit ist verdreckt über tagealten Schweiß ganz zu schweigen

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  3. ...u n d ich stelle fest, daß meine Rechtschreibung wie die Grammatik auch schon besser waren!

    hüstel

    bonté

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  4. ...wie ich sehe ist das Buch, das Du eben liest, das selbe, das ich vor zwei Tagen erworben habe.

    Die Welt bleibt klein! :-)

    bonté

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  5. @Tina:
    Ja, das habe ich auch gedacht - es war zwar sehr erfrischend, mal nicht mehr so im Dunkeln zu tappen vor dem 3. Band [was viele Trilogien-Schreiber ja gern machen, einen so im Regen stehen lassen], gleichzeitig wünscht man sich aber eben auch zuletzt noch ein paar Überraschungen.
    Naja, schon meckern auf hohem Niveau, ne ;) Ich freue mich, dass unsere Meinungen sich mal wieder sehr ähneln!

    @RoM:
    Genau! Ich finde es fürchterlich, wenn die Protagonisten auf beschwerlichen, schrecklichen Reisen durchgehend nichts anderes zu tun haben als sich nach jemandem zu verzehren. Das gibt's einfach nicht! Daher ist das so schön realistisch hier; wahrscheinlich auch das, was den Fans so gefällt ;)
    [Und also ehrlich, eine strähnende Frisur, ein No-Go!]
    An deiner Rechtschreibung & Grammatik habe ich ansonsten nicht viel auszusetzen, jeder vertippt sich mal :D
    Ich wünsche dir übrigens mehr Erfolg mit "Die Achse meiner Welt" - es hat mich nach den ersten 70 sehr guten, stimmungsvollen Seiten arg mit dem üblichen Sülz-Kotelett-Chick-Lit-Krams enttäuscht. Hrmpf. Bin immer noch ein bisschen sauer.

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  6. ...oha!
    Ich stelle mir eben "Sülz-Kotelet" als literarisches Menü vor.
    Weil ich mein Leberwurstbrot gern mit Honig verfeinere - sieh mich gespannt!
    :-)

    bonté

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