Back Down to Earth

[Buchrezension] Die Achse meiner Welt - Dani Atkins

"Hilfe!", rief ich. "Bitte anhalten! Hilfe!"
Ich stürzte nach vorn und versuchte zu laufen, während ich gleichzeitig die Arme hochriss, um den Fahrer auf mich aufmerksam zu machen. Das war meine letzte schlechte Idee an einem Abend voller schlechter Ideen. Laufen ist keine Option, wenn man kaum stehen kann - geschweige denn sehen. Ich stürzte kopfüber dem Boden und der Bewusstlosigkeit entgegen, als die nahenden Autoscheinwerfer in den Sternenhimmel hinaufleuchteten.

INHALT
Ein Abend vor 5 Jahren hat Rachels Leben zerstört: Um sie vor dem sicheren Tod zu retten, opferte ihr bester Freund Jimmy damals sich selbst. Ohne ihn und gezeichnet mit einer entstellenden Narbe, führt Rachel von nun an ein Leben ohne Glück und Freude. Bei einem Wiedertreffen mit alten Freunden aus der Zeit vor dem Unglück erleidet sie schließlich einen Zusammenbruch. Und als sie im Krankenhaus erwacht, traut sie ihren Augen kaum: Vor ihr steht Jimmy - kerngesund! Rachel weiß nicht mehr, welches Leben ihr richtiges ist und versucht verzweifelt, herauszufinden, was eigentlich los ist...

MEINE MEINUNG
Parallelwelten haben etwas an sich, das sicherlich nicht nur mich ungemein fasziniert - dieses Gedankenexperiment rund um gleichzeitig existierende Welten, in denen doch so viel unterschiedliches geschieht. Genau darum scheint es laut Klappentext auch in Dani Atkins' "Die Achse meiner Welt" zu gehen. Und anfangs beginnt der Roman auch mit einem tragischen Schicksalsschlag, der jedoch plötzlich wie ausgelöscht scheint - ein Paralleluniversum also? Letztendlich ist das Ganze dann aber doch übliches Chick-Lit ohne Überraschungen und mit vielen Klischees.

Rachel ist nach dem Unglück eine von Leid gezeichnete Frau, die im eigenen Selbstmitleid versinkt - das ist zugegebenermaßen aber zu verstehen. Als sie dann jedoch im Krankenhaus aufwacht und bemerkt, dass ihr Leben perfekt ist; so, wie es hätte sein können, beginnt sie, sich komplett irrational zu verhalten: Sie will den Menschen beweisen, dass dieses Leben falsch ist, verrennt sich in Zweifel und ist regelrecht davon besessen, alles wieder kaputt zu machen, etwas, das ich absolut nicht nachvollziehen konnte. Die anderen Figuren bleiben dafür überwiegend sehr blass bzw. unausgereift - Matt zum Beispiel ist mal beschützend und gut meinend, dann wieder der herablassende Schnösel, und das völlig ohne Sinn und Verstand. Die beste Freundin Sarah taucht nur sporadisch auf und kann nicht wirklich kennengelernt werden; Jimmy ist freundlich, liebevoll und ohne Makel. Am besten leiden konnte ich Sarahs Verlobten Dave, und das, obwohl dieser nur in einer Szene auftaucht.

Wäre der Roman eine Geschichte über Rachels Umgang mit dem Verlust ihres wohlgeordneten Lebens und ihrem besten Freund Jimmy, hätte er berührend und mitreißend werden können. So, wie es die ersten 70 Seiten sind, in denen man das Geschehen, das damals zum Tod führte, miterlebt, sowie Rachels Jahre des Elends, da sie sich selbst nicht verzeihen kann, dass Jimmy gestorben ist, weil sie im Moment der Gefahr nicht schlau genug war, sich zu bewegen. Ihre Unfähigkeit hätte ausgebügelt werden können, wenn ihr die Möglichkeit gegeben worden wäre, zu sich selbst zu finden. Stattdessen jedoch wird die einfache Art der Erzählung genommen und einfach ein anderes Leben für sie aus dem Hut gezaubert. Und ab da geht es steil bergab, denn obwohl die Jahre, an die Rachel sich lebhaft erinnert, schrecklich waren, voller Schmerz und Trauer, will sie unbedingt dorthin zurück und nimmt dafür sogar in Kauf, dass alle Menschen in ihrer Umgebung sie für verrückt halten. Das soll einer verstehen!

So macht sie sich also mit Jimmy auf die Suche nach Spuren an das Leben, das sie kennt. Die Beiden stoßen auf keinerlei neue Erkenntnisse, trotzdem geht das Buch noch 150 Seiten so weiter. Langweilige Beschreibungen reihen sich an langweilige Dialoge, nur durchbrochen von Rachels erneuter Blindheit für die Gefühle der Menschen um sie herum. Und trotzdem gelingt es der Autorin famoserweise, das Ganze extrem kitschig werden zu lassen - besonders zum Ende hin. Das dann übrigens genauso kommt, wie man sich das schon vom Klappentext her gedacht hat. Abgesehen davon, dass nicht einmal genannt wird, warum der Schluss kommt wie er kommt, ist dieser eben erneut vollkommen ohne Überraschungen und bar jeder Originalität, und lässt so nur furchtbar enttäuscht zurück.

FAZIT
"Die Achse meiner Welt" von Dani Atkins ist eines jener Bücher, die vielversprechend anfangen und dann aufgrund einer Idee, die gut hätte sein können, es aber leider nicht ist, nichtssagend versanden. Zudem besitzt der Roman leider auch noch eine Protagonistin, die partout nicht weiß, was sie will und Entscheidungen trifft, die nicht nachzuvollziehen sind. Dafür gibt es von mir nur schwache 2 Punkte.


Titel: Die Achse meiner Welt
Originaltitel: Fractured
Reihe: Nein
Autor: Dani Atkins
Übersetzer: Birgit Dr. Moosmüller
Verlag: Droemer Knaur
Seitenzahl: 320 Seiten
ISBN-13: 9783426515396

   Kommentare:

  1. Man sieht das Buch momentan auf so vielen Blogs. Ich finde der Klappentext klingt auch echt toll. Ich will es mir auch umbedingt kaufen :)
    LG♥

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  2. Du kannst so gut mit Worten jonglieren und weißt dich besser auszudrücken als ich. Bei mir liest man den Frust voll raus :D
    Du gibst dem ganzen noch ein elegantes Gewand!
    Sehr schön geschrieben <3 Trotzdem ein doofes Buch...^^

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  3. Oh wei, das sollte meine Erwartungen an das Buch vermutlich dämpfen... Na ja, gekauft ist es schon, also muss ich da auch noch durch ^^

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  4. Hi, Sonne.
    Ordentlich, wohlformuliert, mit Schmackes in die Tonne platziert. Ich mag Besprechungen bei denen die Leidenschaft mitkommt.

    Aus der Distanz meiner diesbezüglichen Jungfräulichkeit (not yet read), erscheint mir Rachels Ablehnung des Ideals interessierend.
    Vom Ende hängt dann natürlich alles vorherige ab, stimmt.

    Sehr konträr ausfallende Urteile bisher. Full strike! oder Totalcrash. Ein "nett" habe ich noch nicht gelesen. Kontrovers.
    Anmerkenswert.

    bonté

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  5. Ui schade :( Hatte das Buch mal ins Auge gefasst, aber 2,5 Sterne ist mir einfach zu wenig. Letztes Jahr hatte ich so einige tolle berührende Bücher dabei. Dieses Jahr bin ich da mehr nur auf der Suche :-/

    Liebe Grüße,
    Tina

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  6. @Bücher Nis:
    Äh - ja, also, eigentlich rate ich in meiner Rezension ja eigentlich vom Kauf ab ;) Aber man sollte es natürlich eigentlich immer selbst probieren!

    @Lisa:
    Vielen Dank für deine Komplimente, da werde ich ja ganz rot <3
    Aber mach dich nicht runter! Wenn man frustriert ist über ein Buch, dann darf man das auch gern zeigen!

    @Ivy:
    Ich wünsche dir sehr, dass es dir besser ergeht als mir! Wenn man die Protagonistin mag, wird einem sicherlich auch das Buch selbst gefallen ;) Viel Spaß!

    @RoM:
    Vielen Dank für dein Kompliment, ich freue mich!
    Im Prinzip hätte ich es auch sehr interessant gefunden, dass Rachel sich so vehement gegen ihr nun perfektes Leben wehrt - aber leider wird dem Leser überhaupt nicht klar, warum sie dies tut, weil sie einfach nur mault, aber nichts diesbezüglich erklärt. Das war das, was mich so gestört hat.
    Ich hoffe sehr, dass es dir besser geht und du zur "Strike!"-Gruppe gehören wirst ;)

    @Tina:
    Es sind sogar nur 2 Punkte, hatte da nur vergessen, das halbe Buch zu löschen :D Ich fand's echt ziemlich mies, nichtssagend einfach, kitschig und nervtötend. Besonders da du ja auch schon wirklich schöne, tiefgehende Bücher gelesen hast, solltest du es hiermit meiner Meinung nach eher nicht probieren...
    Und wenn du auf der Suche bist: "Bird und ich und der Sommer, in dem ich fliegen lernte" kann ich da nur empfehlen ;) "Glücksdrachenzeit" soll auch ganz toll sein!

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