Back Down to Earth

[Buchrezension] Stigmata - Beatrix Gurian

"Das ist aber komisch", sagt Tom. "Unglaubwürdig, irgendwie."
Philipp zuckt mit den Schultern. "Leute, hier ist doch alles verrückt."
Er hat recht, es ist unfassbar, dass ich nichts davon gemerkt habe, wie mein Bett hierher getragen worden ist.
Dieses schwarze Loch in meinem Kopf, dort wo meine Erinnerung sein sollte, breitet sich aus und stülpt sich über mein Inneres.
Und irgendwie denke ich zum ersten Mal, dass ich nichts dagegen hätte, wenn es mich einfach verschlingen würde und alles vorbei wäre.

INHALT
Nachdem ihre Mutter bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, versinkt die junge Emma in tiefer Trauer. Bis sie einen Brief erhält - mit der Einladung in ein Jugendcamp, wo sie angeblich Antworten auf ihre Fragen erhalten soll. Dort angekommen erwarten sie nicht nur ein heruntergekommenes Schloss, seltsam agierende Leiter und gruselige Fotos, die unter ihrem Kopfkissen auftauchen, auch scheinen mit den vier Jugendlichen, einschließlich ihr, gruselige Psychospiele getrieben zu werden. Emma versucht herauszufinden, was vor sich geht und entdeckt dabei einiges, das sie daran zweifeln lässt, ob ihre Mutter überhaupt tot ist...

MEINE MEINUNG
Ein Mystery-Thriller namens "Stigmata" - nicht selten, aber doch immer wieder ein spannendes Thema. Autorin Beatrix Gurian verbindet in ihrem Roman Grusel, Fiktion und Realität einigermaßen geschickt miteinander - wozu aber sicherlich auch die in die Handlung eingebundenen und thematisch passenden Bilder beitragen, die immer wieder zu finden sind. Der Schreibstil ist jugendgerecht, die Protagonistin erzählt aus der Ich-Perspektive und zwischenzeitlich geben auch Briefe bzw. Tagebucheinträge aus früheren Jahren einen Einblick in die Gedankenwelt anderer Personen. Schade ist, dass der Buchtitel im Gesamten eigentlich recht wenig mit dem Inhalt zu tun hat und mehr oder weniger Aufmerksamkeit heischend wirkt.

Protagonistin Emma hat nach dem Tod ihrer Mutter eine Phase der Trauer, aus der sie erst erwacht, als sie erfährt, dass es vielleicht kein Unfall war - ja, ihre Mutter vielleicht sogar noch lebt. Sie ist durchaus eine starke Person, die sich nicht alles gefallen lässt, gleichzeitig erschien sie mir manchmal jedoch etwas egoistisch, etwa indem sie alle anderen die Arbeit machen lässt, damit sie sich auf die Suche nach Antworten machen kann. Die anderen Charaktere bleiben leider einigermaßen blass und scheinen nur der Spannung halber zwischenzeitlich Misstrauen erweckende Züge zu entwickeln. Besonders die Leiter des Camps entwickeln kaum eigenes Leben und viele Fragen bleiben offen.

Spannend ist der Roman dafür überwiegend. Schließlich möchte der Leser genauso sehr wie Emma wissen, was nun genau mit ihrer Mutter geschehen ist, was es mit dem verfallenen Schloss auf sich hat und mit den gruseligen Dingen, die dort geschehen. Die Atmosphäre wird dabei nur noch geheimnisvoller durch die Fotos, die in ihrem düsteren Grün sehr schaurig wirken. Schade ist allerdings, dass an anscheinend wahllosen Stellen Erinnerungen einer bestimmten Person eingeschoben werden, durch die man Emma mehrere Schritte voraus ist. Kommt diese dann schließlich auch an diesen Punkt, werden ihre Erkenntnisse dennoch endlos wiedergekäut, was zumindest für mich ermüdend war.

Außerdem sind die Ereignisse im Schloss, Emmas schaurige Erfahrungen und das Arrangieren der vier unterschiedlichen Teenager untereinander viel spannender als die Geschichte einer ungewollten Schwangerschaft in der Vergangenheit, die mir viel zu ausführlich erzählt wurde. Darauf ist es möglicherweise auch zurückzuführen, dass am Ende alles gehetzt und viel zu kurz wirkt - die übliche komplette Offenlegung des Plans durch den Täter, der mich leider gar nicht überraschen konnte, und ein zu kurz wirkender Abschluss wirkten auf mich, als hätte Beatrix Gurian keine Zeit mehr gehabt. Nach dem guten Anfang hat mir hier etwas Spektakuläres eindeutig gefehlt.

FAZIT
Beatrix Gurians "Stigmata" besitzt eine spannende und gruselige Grundidee, die mir jedoch zu wenig originell und streckenweise auch zu langweilig erzählt wurde. Die stimmungsvollen Bilder machen die fehlenden wirklich originellen Ideen und den viel zu kurz geratenen Schluss leider nicht wett. Von mir gibt es dafür nur gute 2,5 Punkte.



Titel: Stigmata
Originaltitel: -
Autor: Beatrix Gurian
Übersetzer: -
Verlag: Arena
Seitenzahl: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3401069999



   Kommentare:

  1. Grüß Dich, Sonne.
    Schwungvoll steigt die Autorin in den Sattel, vollführt mit dem Lipizaner einige Trabfiguren, nur um sich dann im Unterholz zu vergaloppieren. Kurz vor finito wird dann, in den Steigbügeln stehend, ein hektischer Schlußspurt absolviert. Fertig ist der Roman!

    Dieses Durchmangeln einer Erzähl- & Figurenstruktur, das Verpressen der Auflösung in die letzten 10 Seiten, an Wandhaken abgehangene Nebencharaktere - Unsitten, die mir recht verbreitet erscheinen...

    bonté

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  2. RoM:
    Genau das Gefühl habe ich auch, dass dieses hektische und kurz wirkende Ende besonders im Genre des Thrillers immer häufiger wird, als wüssten die Autoren selbst eigentlich gar nicht so genau, wie sie ihre Idee denn nun beenden wollen. Vermiest zumindest mir oftmals die komplette Lektüre, denn eigentlich müsste doch grade der Schluss einen umhauen!

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