Back Down to Earth

[Filmrezension] Non-Stop

"Ich bin kein guter Vater. Ich bin kein guter Mensch. Aber ich entführe dieses Flugzeug nicht. Ich versuche es zu retten!"

STORY
Air Marshal Bill erscheint auf den ersten Blick nicht wirklich vertrauenswürdig: Nicht nur ist er Alkoholiker und aufgrund von privaten Problemen depressiv, er hasst seinen Job auch noch und das Fliegen noch dazu - alles denkbar schlechte Voraussetzungen für seinen Beruf. Dann jedoch erhält er auf einem Flug nach London plötzlich Drohungen: Werden keine 150 Millionen auf ein bestimmtes Konto überwiesen, so stirbt alle 20 Minuten ein Mensch. So sehr Bill seine Arbeit auch hasst, er weiß, was er zu tun hat und macht sich fieberhaft auf die Suche nach dem Erpresser. Aber dieser ist schlau und lässt ihn bald selbst als den Täter erscheinen...

MEINE MEINUNG
Liam Neeson ist bekannt für die actiongeladenen Thriller, in denen er normalerweise - ähnlich wie Bruce Willis - mehr oder weniger allein die Menschheit rettet [oder einen Bruchteil davon]. Nach "Taken" und Taken 2" ist "Non-Stop" nun auch endlich wieder einer, der mich vom Trailer her überzeugen konnte. Und tatsächlich hält er auch genau das, was er verspricht: Er ist wenig sinnvoll, dafür aber kurzweilig, spannend und voller Testosteron.

Liam Neesons Charakter Bill ist, nun ja, was soll man sagen: Einfallslos. Gebeutelt von Schicksalsschlägen, ruppig, depressiv. Was es mit dem allem auf sich hat, ist schon in Szene 1 klar, dennoch macht der Schauspieler seine Sache gut, soweit die wenigen Ecken und Kanten der Figur es halt zulassen. Julianne Moore ist der weibliche Charakter mit der meisten Screen-Zeit und überzeugt wie gewohnt durch Mimik und Gestik; Newcomerin Michelle Dockery spielt die verängstigte Stewardess Nancy sehr glaubwürdig und insbesondere die panischen und oft auch verärgerten Passagiere machen ihre Sache außerordentlich gut. Keine der Personen ist besonders ausgeklügelt, das macht hier aber nicht wirklich viel aus.

Denn was an dieser Stelle an Originalität fehlt, wird von der dichten Atmosphäre und der mitreißenden Geschichte wieder wett gemacht. Sicherlich, auch diese strotzt nur so vor Stereotypen und besitzt das ein oder andere Logikloch - wer in diesen Film jedoch mit der Prämisse geht, eine von vorn bis hinten durchdachte Story geboten zu bekommen, hat sich sowieso den falschen ausgesucht. Wer Lust hat auf ein spannendes Spektakel im Whodunit-Stil, ist hier richtig. Denn das Ganze ist ein einziges Rätselraten, immer wieder gibt es neue Verdächtige, die genauso schnell entlastet werden wie es schwer war, sie überhaupt zu finden. Der Täter könnte jeder sein: Eines der Crew-Mitglieder, einer der Reisenden, sogar Bills Sitznachbarin, der er so gern vertrauen würde. 

Auf diese Weise und indem sich nicht einmal der Zuschauer traut, irgendwem im Flugzeug Glauben zu schenken, lässt die Spannung eigentlich nie nah. Zugegeben, für einen Action-Thriller gibt es hier geradezu wenig wirkliche Kämpfe - davon hätte es durchaus den ein oder anderen mehr geben können -, dafür sind diese dann auch wirklich gut choreographiert. Liam Neeson gelingt es, den Film überwiegend allein zu tragen und ihn dennoch auch für das weibliche Publikum zu einem wahren Spektakel werden zu lassen. Da mag das Ende auch ein wenig unnötig verkitscht sein: Die Auflösung ist trotz leichtem Patriotismus gut gelungen und überraschend, und insgesamt kann man zufrieden sein. Mission erfüllt!

FAZIT
"Non-Stop" ist pures Popcorn-Kino mit einer nicht ganz dichten Geschichte, aber einem guten Cast und einer tollen Atmosphäre. Genialität sollte man nicht erwarten, auf einen spannenden und mitreißenden Thriller darf man sich jedoch gefasst machen. Sehenswert! Knappe 4 Punkte.




   Kommentare:

  1. Den schaue ich mir auch noch an und jetzt bin ich noch gespannter als zuvor ;-)

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  2. Grüß Dich, Sonne.
    Mr. Neeson ist ein Schauspieler, der es in virilen Rollen nie nötig hat den Macker raushängen zu laßen. Du nimmst ihm einfach ab, daß er einen Bösegeier verprügeln kann. Ohne Posing!

    Ein who the fuck is it in einem Flugzeug birgt natürlich Potenzial - wenn auch nicht schlau von X. Läßt sich allerdings verkraften, wenn man/frau während des Films in Spannung gehalten wird. Logiklöcher nerven ja einen erst bei Langeweile.

    Miss Dockery konnte ich bereits in 'Hannah' (wenn auch nur kurz) sehen. Und Scoot aus 'Monsters' findet sich auch noch an Bord.

    Wenn einem der Erpresser, die Täterin nicht penetrant auffällt, hat sich das Autorenteam richtig Mühe gegeben. Nicht schlecht.

    Gute Kinozeit also.

    bonté

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  3. @Juna:
    Warst du schon drin? Deine Meinung würde mich selbstverständlich interessieren ;)

    @RoM:
    Logiklöcher gibt es hier natürlich auch das ein oder andere - eben wie der Täter hier tatsächlich in einem Flugzeug geglaubt hat, nicht gefasst zu werden. Wobei er es schon recht geschickt angestellt hat ;) Ich konnte da dieses Mal aber wahrhaftig drüber hinwegsehen, denn die Spannung und die guten schauspielerischen Leistungen machen einfach viel wieder wett.
    Und bei Neeson kann ich dir selbstverständlich nur zustimmen ;)

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