Back Down to Earth

[Buchrezension] Stolen Mortality - Jennifer Benkau

Der Regen setzte ein. Endlich. Es fielen schwere, dicke Tropfen, die vom Wind herumgeschleudert wurden und aus allen Richtungen kamen. Das Wasser lief ihm über das Gesicht, tropfte aus seinen Haaren und hatte seine dünne Kleidung schnell durchdrungen. Innerhalb von Sekunden war er klitschnass. In einiger Entfernung kläffte der Fuchs. Der abebbende Todesschrei eines Tiers folgte, vermutlich eine Ratte. Dann wieder Stille.
"Eine ganze Welt voller Dämonen. Einer grausamer als der andere." Jamian warf den Dolch von sich, sah zum Himmel und ließ sich die schweren Tropfen ins Gesicht fallen. "Wer mag sich das nur ausgedacht haben? Und warum?"

Bildergebnis für stolen mortality benkauINHALT
Um seinen jüngeren Bruder Junias zu schützen, nimmt Jamian Bryonts die Verantwortung für dessen Fehler auf sich - und erhält zur Strafe die Unsterblichkeit, die er nie wollte. Zu dieser Zeit trifft er auch die schöne Vampirin Laine, die ihm vom ersten Augenblick an den Kopf verdreht. Doch die beiden sind Feinde, und außerdem verfolgt sie düstere und gefährliche Pläne. Pläne, die auch mit ihm zu tun haben...

MEINE MEINUNG
Jennifer Benkau ist nicht nur die Autorin der "Dark Canopy"/"Dark Destiny"-Dilogie, sie ist auch die Verfasserin des von mir sehr geschätzten "Phönixfluch". Mit "Stolen Mortality" erscheint nun ihr eigentliches Erstlingswerk, das von düsteren Vampiren, starken Wächtern, Freundschaft und Liebe handelt, und diese vier Elemente gut vereint. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der personalen Sicht von Junias, Laine und Jamian, weshalb man in jede der Hauptfiguren einen guten Einblick erhält.

Jamian ist dabei jedoch der definitive Protagonist, schließlich hat er auch das schwerste Schicksal: Nicht nur wird ihm die Sterblichkeit genommen, auch muss er seinen Bruder vor Unheil bewahren und gegen seine Gefühle für eine gefährliche Blutsaugerin ankämpfen. Dabei wird er von anderen als sehr friedfertig beschrieben, mir erschien er jedoch eher draufgängerisch und mutig - was nicht schlimm ist, mit dem Bild der anderen eben nur nicht übereinstimmt. Die Vampirin Laine hat eine stark ausgeprägte dunkle Seite, die sie anfangs recht unnahbar macht. Mit der Zeit und mit ihrer wachsenden Zuneigung zu Jamian wie zu seinen Prinzipien wird sie einem jedoch immer sympathischer, bis man sie und ihre vorlaute, aber auch verletzliche, Art ins Herz schließt.

Junias ist ganz anders als sein älterer Bruder - nicht nur ist er sehr viel stärker, er ist auch weniger umsichtig und ein echter Hitzkopf. So bringt er nicht nur sich das ein oder andere Mal in Gefahr. Gleichzeitig macht ihn das aber auch zu einem interessanten Charakter mit Ecken und Kanten, vor allem, weil er die Pubertät und ihre rebellische Natur verkörpert. Die übrigen Figuren blieben für mich etwas blass, da man nur durch die Erzähler etwas über sie erfährt, das ist jedoch nicht weiter schlimm, geht es doch schließlich eher um die erwähnten Hauptfiguren.

Die Geschichte selbst punktet vor allem dadurch, dass die Vampire hier keine Tierblut-trinkenden Schmusemonster, sondern stattdessen wirklich oftmals gierige und gewalttätige Schreckensgestalten sind, die von den Wächtern - wie es Jamian und Junias welche sind - in Schach gehalten werden müssen. Trotz der also sehr interessanten und gut durchdachten Story, hat der Roman jedoch besonders zum Anfang hin so seine Längen. Die Ausgangssituation mag noch so gut sein, Jennifer Benkau verstrickt sich zu sehr in Unwichtigem und scheint manchmal regelrecht das Ziel vor Augen zu verlieren. Das macht sie dann aber zum Glück mit ihren schönen Beschreibungen und den leidenschaftlichen, aber nicht übertriebenen Romantik-Szenen wieder wett.

Ab etwa Seite 100 bessert sich der Eindruck der Langatmigkeit dann auch, und das Ganze nimmt Fahrt auf. Zwar ist durchaus zu merken, dass dies der Erstling der Autorin ist - nicht alle Dialoge sitzen perfekt und manche Fäden versanden -, insgesamt ist die Geschichte aber komplex und ausgeklügelt genug, um zu überzeugen. Besonders am Ende werden dann alle Register gezogen, und es kommt nicht nur zu einem toll gestalteten Kampf, sondern auch zu sehr bedrückenden, aber passenden Szenen, die in einen Schluss münden, der traurig und melancholisch, jedoch sehr zufrieden, zurücklässt.

FAZIT
"Stolen Mortality" ist Jennifer Benkaus zuerst geschriebenes Buch, was man an der ein oder anderen Stelle auch wahrnimmt. Nicht alles sitzt perfekt, aber das ist im Großen und Ganzen gar nicht so schlimm. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und auch die Geschichte überzeugt, was die kleineren Kritikpunkte überwiegt. Für Fans von düsteren Romanen eine Empfehlung! 3,5 Punkte.


Originaltitel: -
Reihe: Nein
Autor: Jennifer Benkau
Übersetzer: -
Verlag: Sieben Verlag
Seitenzahl: 360 Seiten
ISBN-13: 978-3864431111

   Kommentare:

  1. Schöne Rezension! Das Buch spricht mich doch ziemlich direkt an - kannst du also gern auf der Liste drauf lassen ;)

    Obwohl ich jetzt gedacht hab - aufgrund von deinen ganzen Punkten, dass du mehr als 3,5 gibst. Aber nun gut, du hast ja besseres von ihr gelesen.

    Die Namen irritieren mich grad noch auf den ersten Blick, aber damit kommt man dann sicher gut klar, oder?
    Mehr habe ich gerade auch nicht mehr zu sagen...

    Liebste Grüße :*

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  2. Hey Sonne, ich bin genau deiner Meinung. Würde ich nicht nur volle Sterne vergeben, wären es auch 3,5 geworden. Ich fand den Stil von J. Benkau schon erkennbar, die DC-Dilogie aber trotzdem ein Stück besser. Obwohl das ja schwer zu vergleichen ist, weil es zwei komplett unterschiedliche Themengebiete sind. Trotzdem war Stolen Mortality ein gutes Buch. Für einen Erstling sogar sehr gut, da kommen viele auch nach einigen Büchern nicht ran :-)
    Und oh, du liest gerade Die Dämonenfängerin 1. Das ist eines der wenigen Bücher, die viele sehr gut fanden, ich aber relativ schnell genervt war (Becks Ausdrucksweise!! Schrecklich!!). Gab bei mir, nur 2S. Bin auf deine Meinung gespannt :-)
    LG,
    Damaris

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  3. @Lisa:
    Wie süß, dass du mir immer sagst, was ich auf der Liste behalten soll und was nicht :D Hätte ich eh drauf gelassen, so :P
    Und also das Buch fand ich durchaus echt nicht schlecht, aber es hat halt doch so seine Macken, da konnte ich nicht mehr geben. Ich habe halt hauptsächlich das Positive genannt, weil das Buch eben gut ist und ich die Leute nicht abschrecken möchte.
    Und das mit den Namen wirst du sicherlich verkraften, schließlich kaufst du dir Bücher, in denen der Prota Tylan MacGillivray heißt :D

    @Damaris:
    Schön, dass wir einer Meinung sind! Mir ging es ebenso wie dir - "Stolen Mortality" ist wirklich gut, vor allem, wenn man bedenkt, dass es eben der erste Roman ist. Wir haben ja nun beide schon so einige schlechte Debüts gelesen ;) Dieses Buch ist unverkennbar düster und atmosphärisch, aber eben nicht ganz so perfekt wie "Dark Canopy/Destiny". Aber ich würde von Jamian & Junias definitiv gern noch mehr lesen!

    Und tja, "Die Dämonenfängerin" habe ich schon wieder abgebrochen - war irgendwie auch nicht meins. Hmm. Ich habe offensichtlich Probleme mit den typischen beliebten Jugendbuchreihen :D

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