Back Down to Earth

[Filmrezension] Hangover 3

"Weißt du überhaupt, worum es hier geht?" - "Natürlich. Phil macht die ganze Arbeit, ich bin sein Assistent und du stehst rum und guckst blöd."

STORY
Für Alan ändert sich alles, als sein Vater stirbt und er in eine schwere Lebenskrise stürzt. Er steht kurz davor, in eine Nervenklinik für psychisch Kranke eingeliefert zu werden. Alan fehlen seine drei besten Freunde und nach dem Tod seines Vaters versucht er, sich mit durchgeknallten Ideen von der Trauer und dem Frust abzulenken. Nur das Wolfsrudel in Form von Phil, Stu und Doug kann ihm jetzt noch helfen. Die Freunde entscheiden sich, sich ihren trauernden Kumpel Alan zu schnappen und mit ihm wieder nach Las Vegas zu fahren, um ihn abzulenken und gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Doch natürlich geht wieder alles schief. Bald hat es das Wolfsrudel mit einem fiesen Gangsterboss zu tun, der Doug entführt und von den drei Chaoten fordert, dass sie Mr. Chow für ihn finden, der dem Gangsterboss 21 Millionen Dollar gestohlen hat...

MEINE MEINUNG
Nachdem der 1. Teil der "Hangover" Reihe 2009 so ein bombastischer Erfolg  gewesen ist, waren die Erwartungen an den 3. natürlich dementsprechend extrem hoch - auch, wenn schon der mittlere Streifen nachgelassen hatte. Ich persönlich hatte schon im Vorfeld versucht, meine Freude etwas zu zügeln, schließlich ist der Film bei Kritikern nicht sonderlich gut weggekommen. Wirklich viel genützt hat das allerdings nicht...

Zach Galifianakis steht als 42-jähriger, aber noch zuhause lebender und anscheinend etwas zurückgebliebener, Alan dieses Mal definitiv im Vordergrund - nicht nur geraten die Freunde wie immer überhaupt erst durch ihn in ihre schreckliche Situation, er hat auch wieder allerlei Dummheiten im Kopf und findet letztendlich vielleicht sogar eine neue Person, der ihm Halt geben kann. Insgesamt haben sich die Figuren bis zum Abschluss aber nicht wirklich weiter entwickelt: Stu ist noch immer der gleiche Angsthase, jedoch genial gespielt von Ed Helms, Schönling Bradley Cooper reißt seine blasse Charakter-Zeichnung nur mit seiner Mimik raus, und alte Bekannte wie Chow alias Ken Jeong oder Heather Graham als Jade sind ganz witzig, können einen aber kaum berühren.

Das Problem, was "Hangover 3" hat, ist folgendes: Es ist eigentlich eine Komödie, besitzt aber so viele Action-Elemente, dass das Ganze zu einem halbherzigen Thriller mit einer wirklich lahmen Story und für diese Art von Film zu vielen Leichen verkommt. Schade! Wo in den vorherigen Teilen der Charme darin bestand, aufzuklären, was in der Nacht davor fürchterliches passiert ist, gibt es hier nur Verfolgungsjagden, Unfälle, zwei Bösewichte und eine Menge absurder Handlungsstränge. Klar, verrückt waren auch schon die Vorgänger, da allerdings gehörte das dazu. Hier gibt es so viele Logiklücken - beispielsweise, das ein Auto mit zwei Leichen im Kofferraum einfach auf der Straße abgestellt wird -, dass das schon nicht mehr witzig ist.

Es gibt allerdings nicht nur Schlechtes am Film, denn er hat durchaus seine guten Momente. Auch wenn das Ganze manchmal etwas zu sentimental und übertrieben wird, gibt es doch einige nette Witze, die zum Lachen bringen und einen auch später noch grinsen lassen, und auch der Soundtrack ist wieder spitzenmäßig. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch auch viele Sprüche, die nicht zünden oder gar nach hinten losgehen - die Szene mit der Giraffe zum Beispiel ist im kompletten Streifen viel weniger lustig als es im Trailer den Anschein hat. Man könnte fast sagen: Die einzige wirklich zum Totlachen witzige Stelle ist die letzte, was deutlich macht, wie selten das Gesamtbild hier stimmt. Insgesamt hat Regisseur Todd Philips mit dem Abschluss der "Hangover"-Reihe leider kein Glanzstück hingelegt. Jedenfalls nicht, wenn man mehr erwartet hat.

FAZIT
Die positiven Meinungen zu "Hangover 3" kann ich nur in geringen Maßen nachvollziehen. Der ganze Film ist ziemlich abstrus, überzogen und wenig sinnvoll. Natürlich, Teil 1 & 2 waren das auch nicht, hier hatte das Ganze aber noch eine gewisse kranke Eleganz. Hier ist es nur noch krank. Schade drum! Die 3 Punkte gibt's nur, weil ich Teil 1 dennoch immer wieder gern schaue.



   Kommentare:

  1. Hallo Sonne.
    Eine Diagnose-App würde wohl eindeutig auf "Serieitis" schließen. Du weißt schon - Krug, Brunnen, Scherben. Alle machen mit; des Geldes & der Vertragsklausel wegen. Die Kohle ist nachvollziehbar - zumal im schnellslebigen Showbiz. Mich stört dann aber eher die phantasielose Ideenlosigkeit, die sich Bahn bricht. Der fade Aufguß vom Spülwasser (ich salbadere jetzt allgemein, nicht zum obigen Film).
    Dabei liegt alles bereit. ABER schnell wird der Story die Zwangsjacke umgeschnallt. "Keine Experiment!". Allerhöchstens Hanebüchenes zur optischen Ablenkung, als Füllmaterial.

    Genug der Suada. Der neue Richard Linklater-Film startet Donnerstags und ich kann mir nahezu sicher sein 'Before Midnight' erst auf DVD zu sehen. Die umliegenden Kinos sind stopfvoll mit dem Üblichen. Gosh - ich lamentiere schon wieder!
    Sorry... ;-)

    Nebenher frage ich mich, wann "2Broke Girls" endlich auf Scheibe erscheint. :-(

    bonté

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    1. Ich stimme dir zu - der Fluch bei "Hangover" ist definitiv, dass nach dem grandiosen ersten Teils noch Fortsetzungen kamen, des Geldes wegen. Das merkt man. Das Ganze war eben nie auf drei Filme ausgelegt, und so ist das Ganze oftmals echt arg am Limit. Schade eigentlich...

      "Before Midnight" - der auch mir sehr interessiert - läuft bei uns glaube ich im Kino für Kenner. Nützt mir aber nix, geht ja eh keiner mit mir hin ;) Von daher wird es auch bei mir die DVD werden!

      Und ich habe grade nachgeschaut - das hatte ich gar nicht gewusste, dass es von "2 Broke Girls" noch keine deutschen Staffeln gibt! Famos! Wobei das Original hier ja nun besser ist ;) Dennoch: Seltsam.

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  2. Ach ja schade. Ich habe bisher nur den ersten Teil gesehen und fand ihn damals auch super. Die Fortsetzungen haben mich aber irgendwie nie so wirklich gereizt. Deine negative/durchschnittliche Meinung deckt sich gut mit dem, was ich bisher über den Film gelesen habe. Dabei wollten die Macher aus dem 3. Teil ja den BESTEN der Reihe rausholen. Das ist wohl voll daneben gegangen. Mein Lieblingsfilmkritiker meinte, dass der Abspann das wohl beste am ganzen Film ist. Oh, oh... ;)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Hallo Reni.
      Darf ich jetzt spontan vermuten, daß im Abspann die verpatzten Szenen gezeigt werden!? :-)

      bonté

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    2. @RoM:
      Nicht ganz. Fotos gibt es keine. Aber etwas anderes altbekanntes ;)

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    3. Huhu Reni,
      lieben Dank für deinen Kommentar! Ich find's klasse, dass du bei "Hangover" bisher standhaft geblieben bist und nur den 1. Teil geschaut hast. Gute Entscheidung! So wird dir der Gesamteindruck nicht vermiest. Ich würde dabei bleiben, denn es lohnt sich für die paar Witze und ein paar Szenen mit dem schönen Bradley Cooper nicht ganz, sich Teil 1 kaputt zu machen ;)
      Und ja, die Szene nach dem Abspann ist definitiv die beste, was, wie ich ja auch oben erwähne, ziemlich schade ist. Wäre der ganze Film so gewesen - erstklassig!
      Nun ja...

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