Back Down to Earth

[Laberparade] Side Effects

"Notrufzentrale?" - "Ich brauche Hilfe! Es wurde jemand ermordet!"

STORY
Emily Taylor und ihr Ehemann Martin sind ein glückliches Paar, das im Wohlstand lebt. Doch der Broker Martin verliert wegen Insiderhandels nicht nur sein Geld, sondern auch seine Freiheit. Während Martin im Gefängnis sitzt, stürzt Emily in ein psychisches Loch und hat mit Depressionen zu kämpfen. Vier Jahre später wird Martin entlassen, doch die erneute Veränderung überfordert die junge Frau vollends...

MEINE MEINUNG

CHARAKTERE
Emily ist eine schwer depressive Frau, die unter einer erdrückenden Traurigkeit leidet, weshalb sich der Zuschauer kaum mit ihr identifizieren kann bzw. dies auch gar nicht will. Das tut der Figur aber keinen Abbruch, ist sie doch realistisch gezeichnet - wenn auch bald klar wird, dass noch etwas hinter ihrer Geschichte steckt. Dr. Banks ist ein guter, nachdenklicher Psychiater, der allerdings aufgrund seiner vielen Arbeit nicht immer genug Zeit aufbringen kann, um allen Patienten zu helfen. Er ist sympathisch, bleibt aber auch etwas fern. Emilys Ehemann Martin ist fürsorglich, liebevoll und definitiv jemand zum gern haben, wohingegen Emilys ehemalige Psychiaterin Dr. Siebert beinahe die ganze Zeit über sehr undurchschaubar bleibt, was ihren Charakter mysteriös und spannend macht.

SCHAUSPIELER
Rooney Mara als Emily und Jude Law als Dr. Banks übernehmen beide die Hauptrollen, bei denen nicht gesagt werden kann, welche nun die wichtigere ist. Jude Law macht die Verzweiflung seines Charakters darüber, was mit seinem Leben passiert, sehr deutlich und ist in jeder Situation glaubwürdig, während Rooney Mara als depressive, kranke Frau fast schon erschreckend überzeugend ist. Channing Tatum als Ehemann hat nicht viel Spielzeit, ist aber zufriedenstellend. Nur Catherine Zeta-Jones erschien mir in ihrem Schauspiel manchmal zu übertrieben oder auch untertrieben - sie wirkte mir definitiv zu viel permanent-geschockt, auch wenn es gar nicht wirklich passte.

GESCHICHTE
Während es anfangs aussieht, als ginge es in "Side Effects" um eine Frau, die versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen, so merkt man schon nach kurzer Zeit, dass der Film die Genre-Betitelung "Thriller" sehr verdient hat. Soderbergh versteht es geschickt, die ein oder anderen Fäden zu ziehen und den Zuschauer lange im Dunkeln zu lassen, während die interessanten Einstellungen und Kamerafahrten - besonders die zu Anfang - beeindrucken. In der Hälfte des Streifens erwartet einen eine überraschende und mitreißende Wendung, ab der man sich spätestens nicht mehr losreißen kann. Und auch, wenn einige Dinge, wie beispielsweise das letztendliche Motiv, sehr konstruiert wirken, hält einen das Ganze doch in Atem und lässt einen später noch lange darüber nachdenken.  

SPASSFAKTOR
Im Laufe der Handlung entwickelt sich zwischen den verschiedenen Charakteren eine Art Kammerspiel, das äußerst spannend und geradezu schockierend zu beobachten ist. Intrigen, Lügen, Aufhetzung, Verrat und Leidenschaft, all diese Elemente spielen eine Rolle und machen den Film zu einem sehr interessanten. Und auch wenn nichts davon wirklich "Spaß" macht, so ist das Ganze doch überaus fesselnd und bis zum Ende hin in weiten Teilen gut durchdacht - sodass man sich während der Psycho-Spielchen durchaus wohl fühlen kann, soweit das denn geht.

FAZIT
"Side Effects" ist Steven Soderberghs vorerst letzte Regie-Arbeit, und nach einigen eher mittelmäßigen Filmen liefert er hier einen sehenswerten und vor allem wirklich spannenden Thriller ab, den man sich schon aufgrund der Besetzung ansehen sollte. [Knappe] 4 Punkte!



   Kommentare:

  1. Oh jetzt will ich ihn noch lieber sehen als vorher! :)

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    1. Dann kann ich nur sagen: Schau ihn, es lohnt sich ;)

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  2. Einen feinen Mai, Sonne.
    Zu Soderbergh geht ja das Gerücht, er würde gern eine zwölfstündige Serie in die Gänge werfen. Danach würde ihn das Metier ja weiterhin interessieren. ;-)

    Wann immer ich in die Augen von Miss Zeta-Jones blicke, sehe ich lediglich emotionale Leere. Als wäre sie an der Darstellung nicht weiter beteiligt.
    Für den Film wohl eine passende "Lösung", denn ich schätze ihren Part als antagonistisch ein. Stichwort "Feldversuch".

    Stimmt. Auch ernste Filme können einem etwas geben. Richtig erzählt, beeindruckend gespielt und ohne tieffliegende Zaunpfähle.

    Mein letzter Film war jetzt übrigens 'Dredd'. Karl Urban als Helmträger, Olivia Thirlby als Telepathin und Lena Headey als bad, bad Mom. Solider SF-Actioneer für "ab 18".

    bonté

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    1. Eine zwölfstündige Serie? Klingt ja eher kurz...was muss ich mir denn darunter vorstellen? ;)

      Catherine Zeta-Jones ist in Sachen Schauspielerei auch nicht meine Favorotin, wobei ich sie sonst jetzt nicht schlecht finde. Hier allerdings fiel sie ziemlich aus der Rolle. Wobei das nichts mit der Emotionalität zu tun hat [die für ihre Rolle in der Tat passte], sondern eher mit der Glaubwürdigkeit...

      "Dredd" werde ich mir sicherlich auch mal ansehen, reizt mich schon. Scheint ja aber sehr blutig zu sein. Wobei auch "Safe" mit Statham FSK 18 hat, was mir völlig unsinnig erscheint ;)

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    2. Nichts Genaues ist mir zu Soderbergh bis dato bekannt. Wahrscheinlich wäre eine Serie bei HBO, vermutbar in Richtung Bio-Pic. Du siehst - ich rate!

      Die "18" bei 'Dredd' ist eher das gewohnt Übliche. Also nix in Richtung 'Saw', 'Hostel' oder ähnlicher Magengeschwüre. Macht einfach Laune!

      bonté

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  3. Schön, dass es eine Review zu diesem Film gibt... oder eher eine Labberparade, die dir wie immer wunderbar gut gelungen ist. Mich hat der Film total überrascht. Ich glaube, wäre ich nicht in der Sneak Preview gewesen, hätte es lange gedauert, bis ich ihn mir mal anschaut hätte. Rooney Mara hat ihre Rolle wirklich fantastisch gemeistert, sodass ich bei der Wendung doch ganz schön überrascht war. Besonders gefallen hat mir aber Jude Law, der mich oftmals zum Schmunzeln brachte, vor allem mit seiner späteren "NICHT MIT MIR"-Reaktion. Sein Charakter faszinierte mich auch am meisten, weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass einem in der Realität wohl etwas ähnliches passieren könnte - alle kehren einem dem Rücken zu und alte Sünden werden ausgegraben. Schon glaubwürdig und höchst spannend in Szene gesetzt. Bei Zeta-Jones kann ich dir dann auch zustimmen. Sie gehörte schon eher zum schwächsten Glied des Films, ebenso wie das letztendliche Motiv, dass ich auch etwas an den Haaren herbeigezogen fand. Da hätte sich bestimmt eine bessere Lösung gefunden. Aber im Ganzen gesehen, störte mich das eher weniger. Vier Filmrollen passen da wunderbar. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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    1. Dir wie immer vielen lieben Dank für das Kompliment zur Laberparade ;)

      Hach, ich war ja leider noch nie in einer Sneak [bei uns werden die äußerst selten angeboten], aber ich würde auch gern mal so überrascht werden. Wobei ich Angst hätte, in einen Horrorfilm zu geraten, das wäre ja nichts für mich...

      Ansonsten kann ich dir nur zustimmen: Jude Law und Rooney Mara stimmen hier als Protagonisten, vor allem er überzeugt sehr. Sind wir ja eigentlich auch gewohnt ;) Und nun, die Catherine...die wird sich wohl nie zu meiner Lieblingsschauspielerin aufschwingen. Fand ich aber auch etwas schade, dass da Potenzial zum Motiv verschwendet wurde.

      Es freut mich sehr, dass wir uns hier mal wieder so einig sind!

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  4. P. S. Ich hoffe dann wieder mal stark auf eine Review zu "Ironman 3" von dir!!! Ich habe ihn am Dienstag gesehen und fand ihn grandios. Viel, viel, viel besser als der ziemlich schwächelnde zweite Teil. Nun kehrt Toni Stark endlich mal wieder zu den Wurzeln des ersten Teils zurück und auch hier gibt es wieder eine tolle Wendung, mit der ich mal wieder nicht gerechnet hätte. Sehr witzig irgendwie. :)

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    1. "Iron Man 3" werde ich leider erst voraussichtlich am Montag gucken, dauert also leider noch etwas - aber dann gibt's auf jeden Fall eine Rezension! Ich bin schon echt gespannt, vor allem, wenn du sagst, dass er so gut ist wie in Teil 1. Ich freue mich!

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