Back Down to Earth

[Buchrezension] Auracle - Gina Rosati

Aus dem unteren Stock kommt der Geruch von Kaffee. Ich folge ihm nach unten in die Küche, wo Taylors Eltern um zwei stumme Handys herumschleichen, die auf zwei großen Arbeitsplatten aus Granit liegen. In ihren Auren mischen sich Wut, Sorge und Hoffnung. Wenn ich mich jetzt materialisieren und ihnen erzählen könnte, was mit ihrer Tochter passiert ist, würde ich es tun? Oder würde ich ihnen ihren winzigen Hoffnungsschimmer ein kleines bisschen länger lassen?
Es ist eine lächerliche Frage, denn die beiden können mich ohnehin nicht sehen und Taylor ist nun einmal tot. Trotzdem...
Ich würde ihnen ihr kleines bisschen Hoffnung lassen.

INHALT
Seit sie denken kann besitzt Anna die Fähigkeit des Astralreisens - sie kann ihre menschliche Hülle verlassen und ohne Körper an die verschiedensten Orte reisen. Doch als sie so einmal wieder unterwegs ist, passiert etwas Schreckliches: Schulkameradin Taylor stirbt und deren Seele nistet sich in Annas Körper ein! Annas einzige Hilfe ist Rei, ihr bester Freund, doch Taylor versucht indessen, diesen zu verführen...

MEINE MEINUNG
Gina Rosatis "Auracle" handelt vom Astralreisen und bedient sich da eines nicht ganz neuen, aber doch noch relativ frischen, Handlungsstranges: Dem der Inbesitznahme des eigenen Körpers durch eine andere Person. Hierbei wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur erzählt, der Schreibstil ist jugendlich und gut zu lesen. Ein wenig albern fand ich jedoch die strikte Vermeidung von Schimpfwörtern - gibt es irgendwelche Jugendlichen, die nicht damit um sich schmeißen? In einer Tour muss das ja nicht sein, aber diese Lösung ist meiner Meinung dafür eher wenig glaubhaft.

Protagonistin Anna ist sympathisch und nett, durchaus ein Charakter zum Identifizieren und insgesamt jemand zum lieb haben. Ihre sensible, aber zumeist fröhliche, Art bringt einen des Öfteren zum Lachen - nur ihr schwieriger Hintergrund kommt meiner Meinung nach in ihrer Persönlichkeit nicht genug zum Tragen, wenn man bedenkt, welche Rolle dieser im Laufe der Handlung noch spielt. Ihr bester Freund Rei zeichnet sich vor allen durch seinen übergroßen Beschützerinstinkt aus, der manchmal ein bisschen nervt. Ansonsten aber ist er ein ruhiger, liebevoller Junge, den man aufgrund seiner freundlichen Art gut leiden kann.

Die zickige Taylor, eingebildet und von sich selbst überzeugt, ist der typische Antagonist, den man nicht leiden kann und zum Teufel wünscht. Auch wenn mir ihr Charakter als ichbezogene, hübsche Schnepfe manchmal etwas zu übertrieben erschien, so erfüllt dies doch seinen Zweck: Man hofft, genau wie Anna, dass sie schnellstmöglich wieder aus deren Körper verschwindet. Die sonstigen Figuren sind recht interessant und durchaus glaubwürdig gestaltet, besonders der wütende Seth, bleiben aber die meiste Zeit über eher blass.

Gina Rosati versteht es, durch verschiedene Handlungsstränge Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Es gibt nämlich nicht nur das Problem, dass Annas Körper von einer anderen Person besetzt worden ist und dass das junge Mädchen sich in seinen besten Freund verliebt, sondern auch familiäre Probleme, die Polizei, ein paar Intrigen und eine Gerichtsverhandlung spielen eine größere Rolle. Zwischenzeitlich wird das alles ein wenig viel auf einmal, insgesamt halten sich die verschiedenen Aspekte aber gut die Balance. Und auch die Liebesgeschichte ist durchaus niedlich und romantisch, nimmt aber vor allem keinen allzu großen Platz ein. Störend ist hierbei nur, dass Anna sich mehr oder weniger erst verknallt, als sie bemerkt, wie durchtrainiert Rei ist...

Fesselnd ist der Roman also fast durchweg, und auch die Astralreisen tragen da ihren Teil zu bei. Annas Ausflüge an wunderschöne Orte sind nett zu beobachten, ebenso ist es auch ihre Entwicklung vom eher unsicheren Mädchen zu einer starken jungen Frau, die sich etwas zutraut. Schade fand ich allerdings, dass auf die Auren, die sie sehen kann, wenn sie nicht in ihrem Körper ist, nicht weiter eingegangen wird. Darüber kann man aber hinwegsehen, denn der Autorin gelingt es ansonsten, gut zu unterhalten. Gegen Ende wird das Spannungslevel noch einmal angehoben und die Probleme letztendlich insgesamt nicht überraschend, aber auf jeden Fall zufrieden stellend zu lösen, sodass letztendlich ein positives Gefühl bleibt.

FAZIT
"Auracle" von Gina Rosati besitzt keine übermäßig originelle Grundidee, aber sehr interessante Ansätze, wenn auch einige Thematiken sehr klischeehaft sind. Die Charaktere selbst laden durchaus zum Mitfühlen ein und der Roman ist die meiste Zeit über recht spannend - ein sehr nettes Buch für Zwischendurch eben. 3,5 Punkte!



Titel: Auracle
Originaltitel: Auracle
Autor: Gina Rosati
Übersetzer: Stephanie Lochner
Verlag: bloomoon
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3760789071
Bereitgestellt von Blogg dein Buch

   Kommentare:

  1. Hey, tolle Rezension! Ich denke, dass dieses Buch auf meine Wunschliste wandern wird. :)
    Es gefällt mir, wie du deine Rezensionen schreibst. :)
    So ähnlich mache ich das auch.

    Lasse mal liebe Grüße hier, Sani

    AntwortenLöschen
  2. @literatur-diskussion:
    Vielen Dank für das Kompliment! Freut mich, wenn ich dir bei der Entscheidung mehr oder weniger helfen konnte ;)

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