Back Down to Earth

[Filmrezension] 50/50 - Freunde fürs [Über]leben

"Mom, was machst du da?" - "Ich mache dir grünen Tee. In der Today-Show hieß es, grüner Tee verringere das Krebs-Risiko um 15 Prozent." - "Aber...ich hab' doch schon Krebs."

STORY
Adam ist erst 27 Jahre jung, als er mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wird. Bis dahin lebte er sein gesundes, glückliches und relativ unbeschwertes Leben mit seiner Freundin. 50/50 stehen seine Chancen auf Heilung, und Adam muss sich plötzlich damit beschäftigen, dass sein Leben bald zu Ende sein könnte. Gemeinsam mit seinem besten Freund und seiner Familie versucht er die Stadien, die diese Krankheit mit sich bringt, zu bewältigen: Schock, Verleugnung, Widerstand und schließlich Akzeptanz.

MEINE MEINUNG
Seth Rogen ist nicht unbedingt mein liebster Schauspieler, sind seine Witze doch oft eher zu dick aufgetragen und stark unter der Gürtellinie, weswegen ich ungern Produktionen mit ihm anschaue [und sei er auch nur eine Nebenrolle wie hier]. Für "50/50" wollte ich jedoch gern einmal darüber hinweg sehen, ist die Geschichte doch wirklich schön angelegt. Und zum Glück wollte ich es noch einmal versuchen - denn diesen Film sollte man sich nicht entgehen lassen!

Schon seit einigen Wochen leidet Adam unter Schmerzen an der Wirbelsäule, zum Arzt hat er es bisher allerdings nicht geschafft. Zu sehr ist er damit beschäftigt, seinen Artikel für das Radio, bei dem er arbeitet, fertig zu schreiben und nebenbei noch seine feste Freundin sowie seinen besten Freund zu beschäftigen. Als es allerdings schlimmer wird, lässt er sich doch untersuchen - Diagnose: Krebs. Von nun an muss Adam kämpfen, gemeinsam mit seiner Familie und seinen Freunden...Schnell beginnt die eigentliche Story, eine lange Einführung in das Leben des Protagonisten wird vermieden. Wie das aussieht, wird allerdings auch so schnell klar und im Laufe der Handlung deutlicher. Durch das schnelle Voranschreiten ist man sofort mittendrin und anfängliche Längen bleiben aus.

Joseph Gordon-Levitt spielt den todkranken Adam erwartungsgemäß grandios. Sein Minenspiel ist besonders in Filmen wie diesen unheimlich bewegend und mitreißend. Nie wirkt er überzogen oder gar unglaubwürdig, trotz seiner Krankheit und der damit verbundenen Dramatik kann man sich stets mit ihm identifizieren. Für mich gehört er zu den ganz großen und ist zu Recht dieses Jahr noch in einigen weiteren interessanten Filmen zu sehen. Seth Rogen ist da wie immer eher der abgedrehte. Seine Witze sind auch hier hauptsächlich auf Sex und alles damit verbundene gerichtet, dennoch gelingt es ihm, dabei tatsächlich mal unterhaltsam zu sein. Er wirkt die meiste Zeit über mehr oder weniger wie der letzte, den man beim Kampf ums Überleben dabei haben will, aber es wird auch klar, dass er sich um seinen Freund sorgt und sich mit dem Krebs auseinander setzt. Zum ersten Mal war Rogen mir tatsächlich sympathisch.

Anna Kendrick, die vielen aus den "Twilight"-Filmen bekannt sein dürfte, darf nach dem tollen "Up in the Air" endlich wieder zeigen, dass sie tatsächlich schauspielerisches Talent besitzt. Ihre Rolle als unerfahrene, aber sehr menschliche und warmherzige Therapeutin Katherine steht ihr gut. Sie ist zwar mehr oder weniger niedlich, wirkt aber dennoch authentisch und liebenswürdig. Anjelica Huston als sorgenvolle Mutter ist nicht oft zu sehen, dann jedoch unerwartet rührend, auch wenn ihr Charakter extrem stereotyp ist. Besonders gefiel mir bei den Nebenfiguren jedoch Freundin Rachael, ein Ekelpaket sondergleichen und wie immer klasse gespielt von Bryce Dallas Howard.

Natürlich, den Plot gab es in den letzten zwei, drei Jahren zur Genüge - "Restless", "Love life", "Kein Mittel gegen Liebe", sie alle handelten vom Krebs und dem aussichtslosen Kampf dagegen. Hier jedoch ist etwas Entscheidendes anders: Die Chance auf Heilung. In diesem Film gibt es endlich einmal Aussicht auf ein Happy End, was dem Ganzen einen Teil der erdrückenden Traurigkeit nimmt. Zu Herzen rührend ist es trotzdem, schließlich ist ein guter Ausgang nicht sicher. Regisseur Jonathan Levine gelingt dabei die Gradwanderung zwischen Witz und Tragik exzellent, ein seltenes Phänomen. Hier kann man sowohl Lachen als auch Weinen, die ganze Zeit über. Und gerade diese Mischung macht den Zauber aus, der bis zum Ende hin erhalten bleibt und auch nach dem Ende nicht einfach verschwindet.

FAZIT
Wer hätte gedacht, dass Summit Entertainment auch guten Filmen eine Chance gibt? "50/50" ist ein wunderschöner, berührender Film über Krebs und den Umgang damit, ohne bei dem Thema jedoch unsäglich zu deprimieren. Er ist witzig und dabei trotzdem sehr berührend, was vor allen an den tollen Darstellern liegt. 4,5 verdiente Punkte!



   Kommentare:

  1. Tolle Rezi. Der Film klingt echt klasse. Muss ich mir auch unbedingt anschauen. Die Idee kommt mir irgendwie bekannt vor..

    Liebe Grüße, Diti

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  2. Hi!
    Freut mich ungemein, daß Dir der Film so zu gefallen wußte. Bei ernsten Themen wie Krebs oder Aids winken nicht wenige vor einem Kinobesuch ab. Aber in dieser Form ist die Thematik gut aufgehoben.

    bonté

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  3. @Diti:
    Der Film IST auch klasse - mit Joseph Gordon-Levitt muss das auch eigentlich so sein ;) Schau ihn dir an, ich denke, er wird dir gefallen!

    @RoM:
    Mich freut's auch sehr - hätte mich doch andernfalls stark deprimiert. Mit solchen Thematiken habe ich ansonsten auch definitiv kein Problem, weder mit AIDS oder Krebs noch mit Inzest oder ähnlich "kontroversem". Diese Themen sind wichtig. Es muss für mich auch nicht unbedingt witzig sein - "Love life" aus 2011 war beispielsweise für mich einer DER Filme des Jahres und das, wo er so gar nicht lustig war ;)

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  4. Habe den Film auch vorgestern gesehen! Oh Gott...was fand ich den traurig..musste zum Ende hin sogar weinen wie ein Schlosshund. Aber ich schiebe das gerne auf dei Hormone ;)

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  5. @Ayanea:
    Ich musste zum Glück nur ein bisschen weinen, weil's so schön war - hab schon mehr geheult :D Aber das Ende fand ich auch wirklich, wirklich toll!

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