Back Down to Earth

[Buchrezension] Als die schwarzen Feen kamen - Anika Beer

Ein letztes Mal rang sie nach Atem - dann ließ sie die Realität endgültig los und erlaubte dem Nebel, sie davonzutragen. Flüchtig spürte sie noch, wie eine Hand sich fest um ihre schloss, bevor auch dieses Gefühl verblasste. Die Sofakissen unter ihr verschwanden. Kühle Feuchtigkeit strich an ihr vorbei. Eine Krähe schrie. Der Boden unter ihr war kalt und hart.
Und als sie die Augen wieder öffnete, war Gabriels Wohnung fort. Sie war auf der anderen Seite.

INHALT
Marie träumt seit einiger Zeit wieder von den Feen, die auch die Träume ihrer Kindheit bevölkerten und den Menschen die Lebensenergie stehlen. Die Wesen machen ihr Angst, doch bis auf ihren Therapeuten scheint ihr niemand zu glauben. Doch dann wird sie von Gabriel angesprochen, einem gutaussehenden, ruhigen Zwölftklässler. Er kann die Schatten der Menschen sehen und das, was darin verborgen ist - so auch Maries Feen. Diese haben einen Weg in die Realität gefunden und bringen Böses in die Welt. Gemeinsam müssen Gabriel und Marie versuchen, sie aufzuhalten...

BUCHAUFMACHUNG
Die grüne, irgendwie neblig erscheinende Gestaltung des Werkes passt perfekt, weil der Ursprungsort der Feen ebenso neblig ist. Die schwarzen Schmetterlinge auf dem Cover stellen die kleinen Wesen dar, denn oft werden diese in der Geschichte mit Schmetterlingen verglichen. Alles zusammen, auch mit der schemenhaften Gestalt im Hintergrund, wirkt sehr geheimnisvoll und sieht einfach klasse aus.

MEINE MEINUNG:
Anika Beers Debüt "Als die schwarzen Feen kamen" erweckte bei mir durch Gestaltung und Klappentext einen regelrechten Drang, es zu lesen. Ich hatte hohe Erwartungen und demnach auch einige Zweifel, ob es diese erfüllen kann. Aber Skepsis ist hier fehl am Platz: Das Buch hat es wirklich in sich!

Von Anfang an zog die Geschichte mich in ihren Bann. Der Schreibstil ist einfach und auf Jugendliche zugeschnitten, wirkt dabei aber keinesfalls kindlich. Die Geschehnisse sind absolut spannend und die meiste Zeit  über sehr schwierig zu durchschauen, denn der Leser tappt genauso im Dunkeln wie die Protagonisten. Marie erzählt die meiste Zeit aus der 3. Person von ihren Erlebnissen und kommt einem so sehr schnell nah. Immer wieder gibt es auch Passagen aus Gabriels Sicht, in denen beschrieben wird, was bei ihm passiert. Eingeschobene sogenannte "Interludien" erzählen von der Obsidianstadt und den Vorgängen dort, was alles noch mysteriöser werden lässt.

Marie ist eine sympathische Hauptfigur, mit der man sich sehr schnell identifizieren kann. Sie fürchtet sich vor den Feen, ihren Albträumen und den Anfällen, die sie in stark belastenden Situationen bekommt. Gleichzeitig kann sie aber auch sehr stark sein und sich für andere Menschen einsetzen, jedenfalls zum Ende hin. Während sie anfangs noch ein wenig schwach wirkt und sich von ihrer dominanten besten Freundin erdrücken lässt, weiß sie später, was sie will. Gabriel hingegen wirkt von Anfang an sehr erwachsen, ist aber keiner dieser unnahbaren, geheimnisvollen Kerle, was ich als sehr erfrischend empfand. Er will Marie helfen, er ist freundlich und sehr liebenswert, hat aber auch seine dunklen Seiten. Dadurch, dass er die Schatten sehen kann, kennt er auch seinen eigenen und muss permanent gegen diesen ankämpfen, was ihn manchmal sehr verletzlich macht.

Über die meisten Nebenfiguren erfährt man nicht allzu viel, dennoch wirken auch sie lebendig und authentisch. Dr. Roth, Maries Therapeut, scheint ein netter und verständnisvoller, beinahe schon väterlicher, Mann zu sein, den man gern in ihrer Nähe weiß - auch wenn ihm etwas seltsames anhaftet. Maries beste Freundin Theresa könnte eigentlich ganz lieb sein, sie ist allerdings viel zu ich-bezogen, um sich um jemand anderen als sich selbst zu kümmern, weswegen ich schnell eine Abneigung gegen sie hegte. Trotzdem  wirkte sie nicht übertrieben, solche Personen gibt es ja nun zu Genüge - und ich gewisser Weise bringt sie auch alles ins Rollen.

Anika Beer treibt die Geschichte unaufhaltsam voran und lässt den Leser gebannt an den Seiten kleben. Immer wieder wirft sie neue Fragen auf, löst hier mal ein Geheimnis und stellt gleich ein neues Hindernis in den Weg. Alles hat seinen Sinn - sowohl Maries Feen als auch der Schwächeanfall ihrer Mutter oder Gabriels Biest. Vieles hängt irgendwie zusammen und ergibt mit fortschreitender Handlung ein Ganzes. Ich war gefesselt, während es immer spannender wurde und konnte mich kaum noch losreißen; wollte es auch gar nicht. Nicht nur die keimenden Gefühle zwischen Marie und Gabriel habe ich gern verfolgt, auch der Rest ließ mir den Atem stocken, vor allem in den mysteriösen Szenen, die zwischendurch glatt gruselig wurden.

Unaufhaltsam kommt der Höhepunkt dann näher, die Spannung nimmt noch einmal zu und dann ist er da: Maries letzter Kampf, ihr Kampf gegen die Feen und für das Gute. Letzte Geheimnisse werden aufgedeckt und der Showdown kommt, ist beinahe schon fulminant und toll gemacht. Endlich ergeben auch die Interludien Sinn [wobei sich dieser ja schon vorher erschloss] und alle Teile zusammen bilden ein Bild, auf das ein schönes, gut abschließendes Ende folgt.

FAZIT
"Als die schwarzen Feen kamen" ist keine Romantasy, weiß aber dennoch viele Emotionen unterzubringen. Viel mehr jedoch steht die toll ausgearbeitete Geschichte im Vordergrund, die fesselt und mitnimmt auf eine wunderbare, spannende Reise. Anika Beer überzeugt mit sympathischen Charakteren und einem ausgeklügelten Plot - gern würde ich mehr von ihr lesen! 4,5 Punkte.

 
Titel: Als die schwarzen Feen kamen
Originaltitel: -
Reihe: Nein
Autor: Anika Beer
Übersetzer: -
Verlag: cbj
Seitenzahl: 448 Seiten
ISBN-13: 978-3570401477

  1 Kommentar:

  1. So, nun aber komme ich endlich mal dazu, deine Rezis zu lesen. Also dieses Buch interessiert mich und doch wieder nicht. Warum weiß ich nicht - vielleicht weil es einfach zu viele, neue "Jugend"-Bücher derzeit gibt? Deine Rezi ist wirklich schön und informativ geworden. Macht auf jeden Fall neugierig und ich werde es mal im Hinterkopf behalten.

    Liebe Grüße
    Reni

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