Back Down to Earth

[Filmrezension] Offroad

"Sag mal, was redet ihr da eigentlich?" - "Dem Philip ist grad' eine Kokainplatte runtergefallen. Und dann hab ich ihm gesagt, dass man die Reste nicht mit 'nem Handbesen auffegen kann, weil das zu dreckig ist." 

STORY
Meike führt ein absolut geregeltes Leben ohne große Höhepunkte oder unvorhersehbaren Kurven. Nach ihrem erfolgreichen Abitur studierte sie ein BWL und steht jetzt kurz davor die Firma ihres Vaters zu übernehmen. Auch die Heirat mit ihrem Verlobten Phillip ist nicht mehr in weiter Ferne. Doch tief in ihrem Inneren möchte Meike noch einmal ausbrechen, Abenteuer erleben. Als sie Max mit ihrer besten Freundin Denise auf frischer Tat ertappt, wird ihr ganzer Lebensplan zusätzlich aus den Angeln gehoben. Meike ersteigert aus Trotz einen Jeep - und findet in dessen Kofferraum 50 Kilo Kokain! Es beginnt eine turbulente Reise zwischen Drogenverkäufen und anderen Schlamasseln. Auf ihrem Weg durch halb Deutschland lernt sie auch den charmanten Salim kennen, der ihr aus so mancher Schwierigkeit helfen muss...

MEINE MEINUNG
Elyas M'Barek ist ja nun einer meiner deutschen Lieblingsschauspieler, daher konnte ich mir "Offroad" nicht entgehen lassen - zusammen mit Nora Tschirner konnte der Film eigentlich nur gut werden. Und über weite Strecken ist er das auch, allerdings doch auch ein wenig konstruiert und recht klischeehaft.

Die Storyline klingt neuartig und innovativ. Maike, Spießerin vom Land, ist eine Frau, die schon lange weiß, wie ihr Leben einmal aussehen wird: langweilig, mit Mann und Kindern, vorherbestimmt von ihren Eltern. Eigentlich ist sie ja ganz zufrieden...aber andererseits will sie auch endlich einmal etwas wagen. So landet ein alter Jeep in ihren Händen, der - wie sie später herausfindet - vollgepackt ist mit Kokain. Nach einigen kläglichen Verkaufs-Versuchen trifft sie Salem. Und der sieht nicht nur klasse aus, er weiß auch noch, wie man den Stoff loswird...

Ganz so originell wie er scheint ist der Plot allerdings nicht. Schnell wird klar, dass er in manchen Punkten auf die stereotype Art der deutschen Komödien hinausläuft: Frau und Typ wollen sich, haben aber Probleme, ein Paar zu werden, sehen sich eine Weile nicht und am Ende ist alles schön. Zwar gibt es hier einige Aspekte, die anders sind, doch im Grunde bleibt es bei diesem Gerüst. Auch die Geschichte um Meikes Freund, der sie mit der besten Freundin betrügt, habe ich schon hundert Mal gesehen - schade, meiner Meinung nach hätte das weggelassen werden können!

Die Figuren selbst sind interessant. Maike ist eine eigentlich sehr spießige und vernünftige Person, doch irgendwann will sie nur noch ausbrechen. Selbst dann ist sie jedoch so gut wie nie ausgelassen, sondern bevorzugt eher einen sehr trockenen Sarkasmus und ist im Allgemeinen eher die Ernste, was Nora Tschirner wunderbar rüberbringt. Elyas M'Barek ist der gut aussehende, Frauen-mordende Typ, wie wir ihn kennen und lieben. Er ist witzig, eine coole Socke, aber auch sehr süß verletzlich, was ihn menschlicht und sympathisch macht.

Philip, Meikes Ex, taucht interessanterweise im letzten Drittel noch einmal durchgehend auf, wobei er es schafft, dass man ihm permanent eine verpassen möchte [ich kann es nicht anders sagen]. Die Rolle des scheinheiligen Mistkerls wird von Max von Pufendorf klasse verkörpert. Nur die drei "Bösewichte" der Geschichte waren mir ein wenig zu arg vertrottelt, zu arg unlogisch. Eher von der seichten Sorte und vor allem sehr blass gehalten, was ich schade fand.

Auch die Witze sind eher spärlich gesät - wenn, dann aber richtig! Die meiste Zeit vermittelt der Streifen einfach nur ein Gute-Laune-Feeling, ohne dass er zum Totlachen wäre. Einige gute Sprüche hat er, die einen auch zum Auflachen bringen, doch hauptsächlich fühlte ich mich von den Figuren und dem niedlichen Paar gut unterhalten. Die Chemie stimmte und das ist im Grunde die Hauptsache. Außerdem müssen noch die interessant gesetzten Schnitte genannt werden, die Akzente setzen und es immer wieder wirken lassen, als hätte man kurz weggeschaut. Anfangs noch ungewöhnlich, wirkt das schnell auf die Atmosphäre ein, die dadurch dichter und greifbarer wird, als wäre man live dabei.

Letztendlich bleibt der erwartete Showdown aus. Nach einem verpatzten großen Kokain-Verkauf, der wirklich witzig endete, findet Meike etwas heraus, was sie zutiefst enttäuscht. Hier endet der Teil der wilden Verfolgungsjagden und stoppt stattdessen bei dem "Kampf" um die Beziehung. Die Action fehlte mir, dafür ist der Schluss wirklich schön und richtig zum Aufseufzen. Und bevor der Abspann einsetzt, gibt es noch einmal etwas für die Lachmuskeln, sodass der Film gut ausklingt.

FAZIT
"Offroad" ist zwar zwischenzeitlich recht klischeehaft und in manchen Aspekten wie das normale Grundgerüst unserer deutschen Komödien. Trotzdem unterhält er und macht Spaß, die Hauptcharaktere sind sympathisch und laden zum Mitfühlen ein. Der Humor wird sparsam eingesetzt, aber dann oftmals so gut, dass es zu lauten Lachern kommt. Insgesamt ist er nicht überragend - aber definitiv sehenswert.



   Kommentare:

  1. Der Film könnte auch durchaus was für mich sein. Schaut nach einem Film für zwischendurch aus. Tolle Rezi, danke für den Tipp.

    Liebe Grüße, Diti

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  2. Da ich sowohl Nora Tschirner als auch Elyas M'Barek sehr gerne mag, würde ich den Film auch total gerne sehen... muss mal sehen was mein Männchen dazu sagt :D

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