Back Down to Earth

[Buchrezension] Die Insel der besonderen Kinder - Ransom Riggs

"Eigentlich sollte ich es dir nicht sagen", begann sie. "Aber gewöhnliche Menschen können nicht durch Zeitschleifen gehen."
Ich dachte einen Moment lang nach, aber es ergab für mich keinen Sinn. "An mir ist nichts Besonderes. Ich bin der durchschnittlichste Mensch, der dir je begegnet ist."
"Das bezweifle ich sehr", erwiderte sie. "Abe verfügte über eine seltene und sehr besondere Gabe etwas, das sonst niemand beherrscht."
Und dann sah sie mir in die Augen und sagte: "Er konnte die Monster sehen."

Inhalt:
Früher bekam Jacob von seinem Großvater immer fantastische Geschichten erzählt - allerdings im eher gruseligen Sinne. Denn Abraham berichtete seinem Enkel von besonderen Kindern, die allerlei Dinge konnten - schweben, Feuer erzeugen, oder Felsbrocken stemmen. Doch je älter Jacob wurde, desto weniger glaubte er daran, bis die Erzählungen schließlich aufhörten.
Jetzt ist sein Großvater tot - ermordet durch, wie er glaubt, ein Wesen mit drei langen, grausigen Zungen. Jacob macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und fährt mit seinem Vater auf die Insel, auf der Abraham einst lebte - und auf der ihm klar wird, dass vielleicht doch nicht alles nur erfunden war...

Buchaufmachung:
Irgendwie macht mir dieses Cover immer wieder Angst. Das durch den Schatten unter sich schwebend aussehende Mädchen vor dem giftgrünen Hintergrund mit der schwarzen Umrandung und dann wieder den grünen, sehr schönen Ranken, wirkt ziemlich düster. Auch wenn ich mich frage, warum anscheinend Olive auf dem Bild abgebildet ist, wo sie doch eine Nebenfigur ist...Wahrscheinlich sollte die Gestaltung aber einfach Interesse erregen und das ist gelungen - ich liebe diese Ranken an den Ecken! Klasse gelungene Aufmachung.

Meine Meinung:
Viel hat man gehört über dieses Buch - viel positives vor allem. Und da die Story wirklich innovativ und frisch klang, war ich ganz, ganz, ganz gespannt, vor allem natürlich auf die Fotografien. Und was bin ich glücklich, sagen zu können, dass sie tatsächlich nicht das einzige Gute am Buch sind!

Die Geschichte beginnt witzig - die ersten zwanzig Seiten musste ich oftmals schmunzeln und war begeistert von der authentischen Art, mit der der Autor Jacob seine Sicht erzählen lässt. Durch die Beschreibungen des täglichen Lebens wirkt dieser sofort sehr sympathisch. Das Verhältnis zu seinem Großvater wird ebenfalls gleich dargebracht, auch dessen wachsende Paranoia, was dem lockeren Anfang doch gleich einen leicht traurigen Beigeschmack gibt. Und innerhalb von zwei Seiten ändert sich dann alles und die gesamte Erzählung wird düster und ein wenig gruselig. Jacob sieht etwas, was er nie hätte sehen wollen und ist plötzlich ganz allein mit seinen Gedanken, seinen Gefühlen. Er erhofft sich, alles zu vergessen, indem er herausfindet, wie langweilig Grandpa Portmans Leben damals in dem Heim, in dem laut ihm auch die besonderen Kinder lebten, eigentlich war. Aber grade das entpuppt sich als vollkommen verkehrt...

Ransom Riggs schafft es wunderbar, die Geschichte spannend und energiegeladen zu erzählen. Zwar dauert es einige Zeit, bis Jacob endlich den Weg auf die Insel findet, dennoch wird es kein bisschen langweilig -  schließlich muss er ja noch einige Rätsel lösen und versuchen, seinen Vater von der Idee abzubringen, er sei verrückt...Als er dann allerdings immer mehr herausfindet und schließlich auch die Wahrheit hinter den Geschichten entdeckt, wird es richtig gut. Die Fotografien, die so wunderbar echt wirken [was sie ja im Grunde sogar sind: Maximal geringfügig nachbearbeitet], untermalen das Geschehende perfekt und geben ihm einen noch düsteren Anstrich. Meist konnte ich mir die Besonderen so auch noch viel besser vorstellen - allerdings wurde auch manchmal nicht klar, was die Kinder auf den Bildern denn nun so Besonderes können, denn nicht immer wird genug drauf eingegangen.

Der Schreibstil ist genauso, wie ich mir das erhofft hatte - zwar jugendlich, aber zum Glück nicht umgangssprachlich oder sogar im Slang - was hier natürlich auch komplett unpassend gewesen wäre. Durch die authentischen Beschreibungen der Insel und deren Bewohnern kam eine fast schon mysteriöse, unheimliche Stimmung auf, denn der Ort ist wirklich...ungewohnt. Ohne Strom oder Netz, mit nur einem Telefon und Fremden gegenüber misstrauischen Menschen. Auch das alte verfallene Heim wurde so gut beschrieben, dass es mir glatt einen Schauer über den Rücken jagte.

Auch die Charaktere sind gut gelungen - allen voran natürlich Jacob. Er ist mutig, intelligent und liebenswürdig. Seine Stärke ist es, Zusammenhänge schnell zu erfassen und oft sehr überlegt zu handeln - er war mir sehr sympathisch. Allerdings hat er trotzdem keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, dafür fehlte mir das Besondere, das die anderen Kinder besaßen - Olive, die Bleischuhe tragen muss um auf dem Boden zu bleiben, Enoch, der Tote zum Leben erwecken kann, Bronwyn, ein Felsen stemmendes Mädchen. Natürlich ist auch Jacob kein normaler Mensch, aber dennoch fehlte mir bei ihm etwas.

Auch fand ich es sehr schade, dass hier unbedingt eine Liebesgeschichte verwoben werden musste - eine Liebesgeschichte, die für mich vollkommen fehl am Platze wirkte, die aber schon von Anfang an unausweichlich war. Meiner Meinung nach hätte diese hier gut weggelassen werden können, denn kein einziges Mal habe ich irgendwo einen Hauch dieser Zuneigung nachfühlen können - hier wurde leider akut das Sprichtwort "show, don't tell" vernachlässigt. Und ebenfalls etwas bedauerlich fand ich auch, dass ich leider von Anfang ahnte, wer am Ende der Böse sein würde, was, wie ich finde, nicht passieren darf. Für mich war dieser Teil leider gar nicht überraschend.

Der Showdown ist dafür noch einmal richtig gut - spannend, aufregend und ein bisschen brutal, jedenfalls in der Mitte des 10. Kapitels. Es kommen keine besonderen Wendungen auf, dennoch ist es ein Kampf ums Überleben und daher nervenaufreibend. Ich war zwar nicht direkt hibbelig, aber dennoch gespannt auf den Ausgang der Geschichte, mit dem mich der Autor letztendlich auch zufriedengestellt hat - ohne einen besonderen Cliffhanger, was mal eine schöne Ausnahme bildet.

Fazit:
Mit "Die Insel der besonderen Kinder" hat Ransom Riggs den Auftakt einer innovativen, spannenden und interessanten Jugendbuch-Trilogie geschaffen. Die Liebesgeschichte und der Bösewicht hätten besser ausgearbeitet sein können, die positiven Punkte überwiegen aber, weswegen ich die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen werde. 4 Punkte!


Das Buch auf der Verlagswebsite: Hier klicken

Mein Dank für das Rezensionsexemplar!

http://pan-verlag.de

  1 Kommentar:

  1. Eine wirklich sehr schön geschriebene Rezension. Überall nur positive Bewertungen, da bin ich ja froh es im Regal stehen zu haben und hoffentlich bald lesen zu können.

    Liebe Grüße, Diti

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