Back Down to Earth

[Buchrezension] Bye Bye, Crazy Chick! - Joe Schreiber

Ich hielt die Waffe weiter auf sie gerichtet, während ich sie entsicherte. Auf einmal hörte ich die Geräusche der Stadt. [...] Ich roch Kaffee und Zigaretten und Parfüm und nasse Bäume. Ich schmeckte all das in der Luft. Alles war unglaublich lebendig, wie mein Herz und meine Lunge, die wie verrückt pumpten, die meine Brust vibrieren und meinen Schädel pochen ließen.
Unsere Blicke begegneten sich, und ich sah, dass Gobi ein wenig lächelte. Sie genoss die Sache.
"Warte", sagte sie.

Inhalt:
Perrys Austauschschülerin Gobi aus Litauen ist irgendwie seltsam. Er kommt einfach nicht an das Mädchen mit den fettigen Haaren und den sackartigen Klamotten heran, dabei lebt es schon neun Monate bei ihm. Und nun zwingen seine Eltern ihn auch noch dazu, mit ihr auf den Abschlussball zu gehen! Widerwillig nimmt er sie mit - und lässt sich damit auf eine rasante Hetzjagd durch halb New York ein, mit Schüssen, Schmerzen und Toten. Denn Gobi ist eigentlich jemand ganz anderes...

Buchaufmachung:
Das Cover ist ein echter Eyecatcher. Das Rot sticht sehr hervor, der Typ mit den zwei Waffen passt sehr zur Story. Die schwarzen Spitzen, die einen Kreis um ihn herum bilden, wirken gefährlich und bringen das Absurde und Heftige des Inhalts absolut zum Ausdruck.
Alle Kapitel werden von Auszügen aus den Bewerbungsaufgaben verschiedener Universitäten geziert, die immer sehr gut zum jeweiligen Kapitel passen.

Meine Meinung:
Ich liebe solche Geschichten! Schon immer haben es mir Hetzjagden, Auftragskiller und wilde Schießereien angetan, und all das versprach das Buch. Der Klappentext klang famos - und genau das ist auch das Buch.

Alles fängt langsam an. Perry erzählt von seinem Leben und seiner Austauschschülerin Gobi, die sehr zurückgezogen ist und kaum redet. Er findet sie okay, aber das war es auch schon. Groß ist daher sein Entsetzen, als er erfährt, dass er mit ihr zum Abschlussball soll, obwohl er einen Auftritt mit seiner Band hat. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als einen Plan zu entwickeln, nach dem er das Mädchen spätestens um halb 10 zuhause abgesetzt haben will. Dass das nicht klappt ist irgendwie klar...

Die ersten 50 Seiten plätschern ein wenig dahin, sind aber nicht unspannend. Perrys Leben ist sehr geprägt von den Vorschriften seines Vaters und dessen Traum, dass er Anwalt wird. So verläuft alles sehr geregelt und auch Gobi bringt nichts Neues in die Familie, so still und unnahbar wie sie ist. Insbesondere wenn man den wahren Klappentext kennt, freut man sich schon sehr darauf, was Perry darüber denkt, wer das Mädchen wirklich ist. Bis er das herausfindet dauert es auch nicht lange und ab da wird es richtig lustig.

Witz ist hier eindeutig vorhanden. Dieser ist zwar etwas makaber und besteht auch viel aus Situationskomik, aber ich zumindest musste sehr lachen. Und trotzdem wird von der Spannung nichts eingebüßt, denn es geht richtig zur Sache. Es wird brutal, blutig und rasant, ich konnte kaum noch Luft holen, so sehr jagte ein Ereignis das nächste. Hier gibt es keinen Höhepunkt, denn im Grunde ist das gesamte Buch einer und das hat mir wirklich sehr gefallen. Es fesselt und lässt nicht mehr los, man will nur wissen, was geschieht und wie es weitergeht.

Joe Schreibers Stil ist sicherlich keine Meisterleistung, passt aber perfekt. Wer denkt in solchen Momenten schon in akkuraten Sätzen? Trotzdem ist das Buch nicht zu umgangssprachlich geschrieben, worüber ich sehr froh bin. Ich hasse dieses bemüht jugendliche, das meist nicht richtig rüberkommt. Die Beschreibungen New Yorks wirken sehr authentisch und ich sah regelrecht vor mir, wie sie dort durch die besagten Gebiete rasen und dabei alles umfahren, was nicht niet- und nagelfest ist.

Perry ist trotz seines grauenhaften Namens ein sehr sympathischer Protagonist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich auf jeden Fall nicht alles gefallen lässt. Zwar muss er auch viel einstecken, dennoch gibt er nicht auf und bleibt stark; er weiß, was er will und er weiß, was er nicht will. Auf jeden Fall weiß er letzteres am Ende des Abends. Er wirkt sehr glaubwürdig und nachvollziehbar, man kann mit ihm mitfiebern, mitzittern und ihn anfeuern, wenn er wieder einmal versucht, sein Leben zu retten.

Gobis Geschichte ist etwas konstruiert, meiner Meinung nach. Zwar ist alles schlüssig und gut zu verstehen, trotzdem hat man so etwas schon sehr oft gelesen, es war nicht mehr neu, sondern etwas einfallslos im Gegensatz zum Rest. Trotzdem ist dies kein allzu großer Mangel, denn ihre Coolness und ihr Auftreten haben das um Längen wieder wett gemacht. Man schließt sie einfach ins Herz, obwohl das komplett surreal ist, und man kann sie auch verstehen. Ihr Reiz ist hauptsächlich das Geheimnisvolle, das sie umgibt, ihre Sprüche, die sie immer wieder bringt und ihre nicht zu durchschauenden Gefühle Perry gegenüber. Ich musste einfach wissen, was es mit ihr auf sich hat und war letztendlich zwar nicht sonderlich überrascht, aber auch nicht enttäuscht.

Leider muss ich sagen, dass mich das Buch aber dennoch sehr an "Collateral" mit Tom Cruise erinnert hat - beziehungsweise, im Grunde war es komplett dasselbe und nur das Grundgerüst ist anders. Eine Idee von einem Film abzukupfern finde ich keine feine Masche, weshalb es auch einen halben Punkt Abzug gibt. Eigentlich hätte es mehr gegeben, aber da ich so gefesselt war, bringe ich es einfach nicht über das Herz.

Fazit:
Die drei Worte auf dem Klappentext des Buches beschreiben es wirklich ganz exzellent: "Rabenschwarz. Durchgeknallt. Rasiermesserscharf." Er ist witzig, rasant, abgedreht und unheimlich spannend. Im Grunde alles hat mich vollständig überzeugt und daher 4,5 Punkte.


Das Buch auf der Verlagswebsite: Klick

Herzlichen Dank für das Leseexemplar!
http://aufbau-verlag.de

  1 Kommentar:

  1. Wow echt toller Blog! Bin nun Leserin ;)
    Hast du den Header selbst gemacht also die Bäume und so?
    Bin Neuling und würde mich über deinen Besuch auf meinem Blog freuen :)
    Liebste Grüße
    Corinna

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