Back Down to Earth

[Filmrezension] Brautalarm

INHALT
Das Leben der mit sich selbst unzufriedenen Annie geht gerade drunter und drüber. Geldnot und Liebeskummer sind nur zwei der Sorgen, mit denen sich die Mitdreißigerin rumärgern muss. Doch nicht, dass sie mit sich selbst schon genug beschäftigt ist: Jetzt eröffnet Freundin Lillian auch noch freudestrahlend, sie wolle heiraten und Annie solle ihre Trauzeugin werden. Selbstverständlich möchte Annie ihre langjährige Freundin nicht enttäuschen, sondern deren Hochzeit so perfekt wie möglich gestalten. Um den Schein vor den anderen Brautjungfern zu wahren, heißt es für Annie, in den sauren Apfel zu beißen und die absonderlichen und kostspieligen Hochzeitsrituale über sich ergehen zu lassen. Ebenso wie die Intrigen von Lillians neuer Freundin Helen, die unbedingt Trauzeugin werden und Kristen vom Thron der besten Freundin stoßen will...

MEINE MEINUNG
Nach den vielen positiven Rückmeldungen und dem wahnsinnigen Erfolg dieses Films hatte ich extrem hohe Erwartungen - vielleicht tatsächlich zu hohe. Trotzdem kann man wohl von einem Film erwarten, dass er da wenigstens ansatzweise herankommt, was man von Brautalarm nur bedingt behaupten kann.

Ein weiblicher Hangover sollte der Streifen sein, zum Brüllen und zu Lachtränen rührend. In allererster Linie ist er aber perfekt zum Fremdschämen. Die vier Brautjungfern benehmen sich hier wirklich so lächerlich und so kindisch, dass es mindestens dreimal zu lauten, einstimmigen Seufzern im Kinosaal kam. Sei es da, dass sich Helen und Kristen gegenseitig mit ihren Reden anlässlich der Verlobung zu übertrumpfen versuchen und sich mindestens sechsmal am Mikrofon abwechselnd [was sehr ermüdend ist] oder, dass Becca und Rita im Flugzeug unter Alkoholeinfluss erkennen, dass sie lesbische Neigungen haben oder dass Megan ihren Sitznachbarn damit zuquatscht, sie übernehme die erste Wache, da er Air-Marshall sei - peinlicher geht es zwischendurch wirklich nicht mehr. Und obwohl Hangover ebenso manchmal sehr geschmacklos ist, so musste ich mich da trotzdem nicht so fremdschämen wie hier. Und das liegt nicht nur daran, dass dort Männer die Hauptpersonen sind.

Das Drehbuch, geschrieben von Kristen Wiig, der Darstellerin der Annie, selbst, weist erhebliche Macken auf. Zum einen, ist die Story einfach absolut stereotyp - Annies Leben läuft nicht wie es soll, ihr Lover ist ein Arsch und sie trifft einen tollen anderen Typen, den sie aber sofort vergrault. Am Ende vertragen sich alle und es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. Warum müssen in Frauenfilmen grundsätzlich noch fehlplatziertes und schwachsinniges Drama eine Rolle spielen? Diese blödsinnigen Streitereien, die Traurigkeit, weil die Freundschaften zu zerbrechen drohen und die Frustration darüber, schon wieder keinen Lover zu haben, ziehen den ganzen Film erheblich runter und lässt ihn von einer Komödie zu einem nichtssagenden Haufen überzogener Emotionen werden. 

Dafür, dass der Film ebenso sehr viele Brüller verspricht, habe ich nur dreimal richtig gelacht und das waren auch die besten Stellen. Gleichzeitig war eine davon auch wirklich eklig und eine sehr zum Fremdschämen, aber wenigstens dort überwog die Absurdität der Gags. Ansonsten herrschte zumindest bei mir aber vor allem das Ekelgefühl vor - wieder einmal muss hier unbedingt gefurzt und gekotzt werden, dass sich die Balken biegen, ebenso muss sich Annie hier natürlich auch andauernd total zum Affen machen.

Eine gute Sache hat der Streifen immerhin: Die Darstellerinnen sind sich für gar nichts zu schade - sie spielen nach einer Lebensmittelvergiftung sich in die Hose machende Frauen, sie spielen zickende Weiber, die Männer nicht einmal für 1000 Dollar nehmen würden oder tun großkotzig und sind hinterher ganz klein. Die Rollen sind gut geschauspielert worden, erwecken im Zuschauer aber trotzdem kein Gefühl der Nähe oder gar des Verständnisses - sie sind einfach gnadenlos überzogen. Trotzdem sollte hier Melissa McCarthy hervorgehoben werden, die viele wohl schon als Sookie aus  den Gilmore Girls kennen. Sie spielt ihre krasse und kranke Rolle mit viel Hingabe und macht so einiges wieder wett.

Einzig den Polizisten mochte ich sehr, auch wenn er natürlich der nette und liebevolle ohne Macken ist, der Richtige eben - aber das sei ihm verziehen, denn Chris O'Dowd macht seine Sache hier wirklich gut, ebenso wie Ekelpaket Ted, der von Jon Hamm sehr authentisch verkörpert wird.

Das Ende ist genau wie erwartet und hegt keine großen Überraschungen, ist alles in allem aber ganz nett - mit rockiger Girlie-Musik unterlegt wird hier geheult und gelacht und vertragen. Sicherlich nichts wirklich besonderes, aber es ist okay. Was allerdings dem gesamten Film noch einmal einen kräftigen Tiefschlag gegeben hat, ist die letzte Szene, in der Megan ein Video von sich und ihrem neuen Lover dreht - in dem sie widerliches Zeug mit einem riesigen Sandwich machen. Das hat die meisten Kinobesucher, und auch mich, angeekelt das Gesicht verziehen lassen.

FAZIT
Alles in allem sehe ich Brautalarm nicht als einen Film, den man sich unbedingt anschauen muss. Wie so oft habe ich hier wieder eine gänzlich andere Meinung als die meisten anderen, aber ich kann nichts dafür - der Film ist die meiste Zeit über leider einfach nur mies.



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