Back Down to Earth

[Filmrezension] Source Code

"Gehst du mit mir einen Kaffee trinken?" - Oh, oh ja!" - "Aber entschuldige mich kurz, ich muss...ich muss mal kurz die Welt retten." - "Ich wusste, er ist nur schüchtern."

INHALT
Eine Eilmeldung im Fernsehen: Kurz vor Chicago explodierte ein Personenzug – es gab keine Überlebenden. Wenig später erwacht Colter Stevens in genau diesem Zug – im Körper eines anderen Mannes und an der Seite der jungen Christina. Nach und nach begreift der Kampfpilot: Er ist im „Source Code“. Dank dieser Technologie kann Stevens den Körper eines anderen Menschen übernehmen – für acht Minuten vor dessen Tod. Sein Auftrag: Finde die Bombe und schalte den Bombenleger aus. Wieder und wieder durchlebt Stevens die Katastrophe und setzt das Puzzle mit Christinas Hilfe zusammen. Die Zeit drängt, denn ein weiterer, viel größerer Anschlag droht.

MEINE MEINUNG
Das Thema dieses Films hat es mir total angetan, denn ich liebe solche Sci-Fi-Thriller-Streifen [was für ein Wort]. Atemberaubende Spannung und Action in einer Welt in der Zukunft, in der wir noch nicht leben. Der Source Code ist hier das tragende oder auch einzig dargestellte Element der neuen Zukunft, ein Etwas, durch das hier mithilfe der Besitznahme eines anderen Körpers, der in etwa dieselben Eigenschaften besitzt [Größe, Statur, etc], ein Anschlag verhindert werden soll. Beziehungsweise ein zweiter Anschlag, denn der erste ist in diesem Zug, in dem sich Captain Colter Stevens nun wiederfindet, war Ziel der ersten Bombe. Die zweite ist eine schmutzige und sollte er es nicht schaffen, den Attentäter rechtzeitig zu identifizieren, so würden Millionen von Menschen sterben. So weit die Story.

Jake Gyllenhaal als Captain hat mich hier mal wieder von der ersten Minute an überzeugt. Er erwacht in einem Zug und wird von einer Frau mit Sean angesprochen. Er weiß nicht, wie er an diesen Ort gekommen und wer die Frau ist, er weiß nur: etwas stimmt nicht. Seine Verwirrung und seinen Ärger darüber, dass er nicht weiß, was los ist, kommen sehr überzeugend rüber. Er beobachtet die Menschen und Situationen, um mehr herauszufinden, wodurch der Zuschauer mit ihm gemeinsam die Details bemerkt, die auch die Male danach wieder auftauchen.

Christina wird von Michelle Monaghan dargestellt und wirkt ebenso überzeugend wie Gyllenhaal. Die beiden sind ein super Team, die Chemie stimmt und gemeinsam sorgen sie sogar für den ein oder anderen Lacher. Monaghans Mimik hat mir besonders gut gefallen, ihre Verwirrung, wenn Sean sich absolut anders aufführt als normal, ihr immer wiederkehrender Anfangssatz, der aber jedes Mal auf eine andere Reaktion trifft - nur weiß sie das nicht. Für sie ist es ja jedes Mal das erste Mal.

Was man aus dem Trailer nicht erfährt, ist der Aspekt, dass auch Captain Colter Stevens selbst nicht weiß, wo er sich befindet, wenn er grade nicht im Zug ist. Er hat keine Ahnung, was los und was der Source Code ist, er kennt nur den Namen der Frau, die ihm gegenüber sitzt und ihm Fragen stellt und Anweisungen gibt - Goodwin. Gespielt wird diese von Vera Farmiga, die ich vorher noch gar nicht kannte - hier hegte ich aber sofort totale Sympathie für sie. Sie spielt grandios die Frau, die kühl und beherrscht vorgehen muss, es aber aufgrund ihres guten Herzens einfach nicht schafft, unnahbar gegenüber Stevens zu bleiben. Am Ende führt sie eine entscheidende Handlung durch, die ich sehr passend fand. Durch sie erfährt er auch, was es mit dem Source Code auf sich hat - den wesentlichen Aspekt seines Aufenthalts darin erkennt er aber erst durch Christina im Zug.

Diese Suche nach der Wahrheit macht einen entscheidenderen Teil der Handlung aus als die Suche nach dem Attentäter, wovon man vorher noch nichts weiß. Ich fand es an einigen Stellen geradezu unglaubwürdig, dass Stevens sich nur um seine eigenen Probleme kümmert und nicht darum, dass eine atomare Bombe gezündet und die Stadt vernichten soll. Natürlich ist es wichtig, dass er alles erfährt, aber er kümmert sich gleichzeitig so wenig um die bevorstehende Katastrophe, dass das auf mich nicht mehr ganz nachvollziehbar wirkte.

Dafür finde ich seine Wandlung im Laufe des Films sehr authentisch. Erst ist er der Verwirrte, der nicht versteht, weshalb er Sean heißt, in einem Zug sitzt, und nach acht Minuten in die Luft fliegt. Nach einigen Malen wird er aber skrupelloser und verärgert bei zwei bis drei Versuchen die anderen Passagiere so sehr, dass es zu einer Schlägerei kommt. Das Problem bei der Sache ist einfach, dass er keine Ahnung hat, wo er den Attentäter suchen soll. Womit auch wieder ein kleiner Makel auftut - warum können ihm Goodwin und ihr Chef nicht Tipps geben, damit er den Täter findet? In gewisser Weise müssen die beiden doch schon einmal mit der Suche nach jemandem zugebracht haben, sonst wären sie nicht eingesetzt worden für diesen Fall! Aber wahrscheinlich wurde das einfach so gestaltet, um die Spannung im Film aufrecht zu erhalten.

Das Ende des Streifens ist dadurch auch grandios geworden. Der Zuschauer kann sie nicht sicher sein, was nun Realität ist und was Fiktion, was das echte Leben und welches die Parallelwelt. Das lässt einen mit einem seltsamen Gefühl zurück, einem zufriedenen und gleichzeitig unbefriedigten, sodass gewiss ist, dass man noch lange darüber nachdenkt und jede Situation noch einmal durchspielt, um herauszufinden, was los ist. Ich denke, ich habe es herausgefunden - aber sicher kann man sich ja nie sein, oder?

FAZIT
Ein grandioser Film mit zwar dem ein oder anderen Abstrich, der aber mit seiner Spannung, seinen tollen Schauspielern, den klasse Effekten und der ebenso guten Story in den positiven Aspekten überwiegt. Mein Highlight des Monats Juni [da er zum dem Zeitpunkt lief] und eine klare Empfehlung!


   Kommentare:

  1. ich LIEBE diesen Film.
    Der ist ja fast so gut wie Brokeback Mountain. Okay, genauso. Man kann es nicht vergleichen, sind ja ganz unterschiedliche Genres...
    JAKE GYLLENHAAL! *__*

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  2. @Lotti: Mit Brokeback Mountain kann man den jetzt, finde ich, GAR NICHT vergleichen, BM hat da doch ein bisschen mehr Tiefe und man heult eindeutig mehr :D Und BM übertrifft Source Code um Längen, denn ersteres hätte hier keine 5 Filmrollen, sondern 50.000 ;)

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  3. na ja, ich bin gar kein BM Fan aber Source Code fand ich klasse! Habe den Film von Anfang an super gefunden, nur das Ende hat mich ein klein wenig gestört...

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  4. Hi Sonne!
    Irgendwann wird Stevens klar, daß er immer wieder diese 8 Minuten zur Verfügung hat und sich Zeit bei seiner Zeitreise laßen kann.

    Für Goodwin & Co braucht es lediglich der erste Einsatz der Zeitmaschine sein. Sie bewegen sich auf ähnlichem Neuland wie Stevens "vor Ort".
    Jedenfalls eine gute Filmwahl Deinerseits!
    Vielleicht interessiert Dich danach das Debüt des Regisseurs. 'Moon' ist ein Hammer an Science Fiction Film...
    ...sorry - ich schütte Dich ein wenig mit Tips zu!

    bonté

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  5. @RoM:
    Ich muss ehrlich sagen, ich habe schon wieder so keinerlei Ahnung, was mich da beschäftigt hat - es ist zu lange her und ich habe den Film nie wieder gesehen O.o Ich kann mich nur noch grob erinnern, leider...
    Ich bin mir aber relativ sicher, schonmal von "Moon" gehört zu haben, das ist der mit Sam Rockwell, richtig? Ich glaube, ich mache mir jetzt eine Liste, sonst komme ich da nicht hinterher :D

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