Back Down to Earth

[Buchrezension] Bin mal kurz tot - Lance Rubin

"Taryn, warte...", rufe ich ihr nach, halbherzig, obwohl ich sie doch wirklich aufhalten möchte. Millie sitzt auf der anderen Seite des Raums und hat alles mit angesehen. Ihr Blick ruht immer noch auf mir, als wäre ich ein halbwegs interessanter Film.
"Dein Hals ist purpurn", informiert sie mich.
Ich lehne mich auf der Couch zurück und schließe die Augen.
"Bist du schon tot?", fragt Paolo.
Bin mal kurz tot
INHALT
Denton wird sterben - und zwar bald, möglicherweise schon in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Eine neue Technologie macht es den Menschen mittlerweile möglich, ihren Todeszeitpunkt zu kennen und so vorher bereits ihre eigene Beerdigungszeremonie zu erleben. Und Denton wird nun mit 17 Jahren sterben, aber irgendwie geht davor noch einmal alles schief. Er erwacht im Bett eines anderen Mädchens, erfährt geheime Informationen über seine tote Mutter, entdeckt lilafarbene Flecken an seinem Körper und muss sich mit dem eifersüchtigen Exfreund seiner Freundin auseinandersetzen. Und dann scheinen auch noch zwielichtige Gestalten hinter ihm her zu sein...

MEINE MEINUNG
Lance Rubin spielt in seinem Debüt "Bin mal kurz tot" auf eigentlich originelle Weise mit dem Thema des Sterbens, verbunden mit absurden Verwicklungen und leichten Thrillerelementen. Alle Bewohner der Welt kennen durch ein technisches Verfahren ihr Todesdatum und können sich so darauf vorbereiten. Doch so spannend diese Idee auch ist, so wenig durchdacht scheint sie größtenteils auch, insbesondere im Bezug auf den Realismus. Wie schließlich soll mithilfe von Genetik das mögliche Ableben ermittelt werden, wenn es auf einen Unfall oder Mord zurückzuführen ist? Hier fehlen die Erklärungen, was die Atmosphäre schon von Beginn an stört.

Denton ist der 17-jährige Protagonist, der sich mit seinem kurz bevorstehenden Tod auseinandersetzen muss. Aufgrund dessen kann man seine teilweise überzogenen Reaktionen und seine Panik auch nachvollziehen. Dennoch verhält er sich oftmals mehr wie ein pubertierender 14-jähriger in seinen Aussagen und ganz besonders in seinem Verhalten, das von seltsam bis peinlich reicht. Sein Kumpel Paolo gefiel mir persönlich in seiner ironischen Weise und seiner lockeren Art besser, auch wenn auch er teilweise sehr unreif wirkt - wobei das kein Einzelfall ist, denn fast alle Charaktere machen irgendwann mindestens einen Aufstand. Zum Glück gibt es aber auch ein paar überraschende Entwicklungen, die davon wenigstens ein wenig ablenken.

Die Geschichte selbst hat sehr viel Potenzial: Denton könnte so viel tun, noch so viel erleben, und auch die Geheimnisse rund um seine Mutter, die Regierung und seinen Hautausschlag sind vielversprechend. Doch Lance Rubin konzentriert sich stattdessen größtenteils darauf, wie der Junge seine letzten Tage zubringt: Mit einer Beerdigungszeremonie und einer unangenehmen Rede, lauter gleichförmigen Gesprächen mit den Familienmitgliedern und einem Schulball. Zwischenzeitlich kommt etwas Spannung auf, wenn Denton versucht, herauszufinden, was eigentlich am Tag zuvor geschehen ist und auch, wenn er neuen Puzzleteilen auf die Spur kommt - das passiert jedoch so selten, dass schnell gähnende Langeweile entsteht.

Auch der Humor hat bei mir leider die meiste Zeit über gar nicht gezündet - die Witze sind oftmals albern und platt, meistens auch anzüglich, ohne dabei mit Originalität zu punkten. Alles hat man schon mal irgendwie gehört und gelesen, dazu zählt auch die verworrene Situation, dass Denton im Bett eines Mädchens aufgewacht ist, das nicht seine Freundin ist. Zum Glück wird es jedoch auf den letzten 50 Seiten doch noch einmal fesselnd - läuft aber eben auch auf den 2. Teil hinaus. Gerade zu dem Zeitpunkt, an dem Action und Antworten ins Haus stehen, ist Schluss. Und um sich den weiteren Verlauf antun zu wollen, war das Vorhergegangene leider zu wenig.

FAZIT
Lance Rubins Idee, seinen Protagonisten in "Bin mal kurz tot" seine zwei letzten Tage erleben zu lassen, voller Verwirrungen und skurriler Begebenheiten, ist klasse und hätte das Buch zu etwas ganz Besonderem machen können. Leider geht es aber hauptsächlich um belanglose Liebeleien und inhaltslose Gespräche, wodurch Langeweile vorprogrammiert ist. Erst zum Ende hin wird es spannender, aber das reißt den Rest auch nicht mehr wirklich heraus. Gute 2 Punkte.



Titel: Bin mal kurz tot

Originaltitel: Denton Little's Death Date
Autor: Lance Rubin
Übersetzer: Frauke Meier
Verlag: ivi
Seitenzahl: 352
ISBN-13: 978-3-492-70334-5


   Kommentare:

  1. Huhu :)

    Schade, als ich deine Inhaltsangabe und die Anfänge gelesen habe, dachte ich echt: Hey, das ist mal ne tolle Idee. Wenn dann nichts draus gemacht wird ist das echt bedauerlich. Werde wohl die Finger davon lassen. Danke für die Rezi!

    Liebe Grüße
    Ivy

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    1. Die Idee fand ich auch wirklich total klasse - nur eben nicht wirklich gut erklärt, besonders im Bezug auf die Authentizität. Ansonsten hat natürlich nicht jeder den gleichen Humor wie ich, von daher könntest du durchaus gut unterhalten werden - gibt ja auch viele Leser, die es sehr witzig fanden. Vielleicht hilft dir ja eine Leseprobe weiter, um es sicher zu wissen ;)
      Ich danke dir ansonsten für den Kommentar!

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