Back Down to Earth

[Buchrezension] Eleanor & Park - Rainbow Rowell

"Ich wollte dir etwas schenken, von dem niemand weiß außer dir", sagte er und strich sich den Pony aus der Stirn. "Etwas, das du nicht deiner Mutter erklären musst...Ich wollte dir erst einen richtig schönen Stift kaufen, aber dann..."
Er sah zu, wie sie das Geschenk öffnete, was sie nervös machte. Sie zerriss versehentlich das Papier. Er nahm es ihr ab, und sie öffnete die kleine graue Schachtel.
Innen lag ein Kettchen. Ein dünnes Silberkettchen mit einem kleinen Anhänger, einem silbernen Stiefmütterchen.
"Ich kann verstehen, wenn du es nicht annehmen kannst", sagte Park.
Sie sollte es nicht nehmen, aber sie wollte es.

INHALT
Nach einem Jahr bei Freunden der Familie, zieht Eleanor zurück zu ihrer Mutter, den Geschwistern und dem trinkenden Stiefvater. Nun ist sie die Neue an ihrer Schule, und wie das im Jahr 1986 so ist, ist für ihre unkonventionelle Art nicht wirklich viel Toleranz übrig. Gezwungenermaßen setzt sie sich im Bus, weil ihr niemand anderes Platz macht, neben Park - und wochenlang können die beiden sich nicht wirklich leiden. Doch mit der Zeit kommen sie sich über Umwege näher  - und helfen sich gegenseitig in den schlimmsten Momenten, ohne Vorurteile und ohne Gegenleistungen zu erwarten. Doch die Liebe, die bald aus ihrer tiefen Freundschaft wird, ist nicht bei allen gern gesehen...

MEINE MEINUNG
"Eleanor & Park" ist der zweite Roman der gefeierten und regelrecht gehypten amerikanischen Autorin Rainbow Rowell, und nach langem Warten der Fans nun auch auf Deutsch erschienen. Im August des Jahres 1986 spielend, beschäftigt sich die Geschichte mit dem Rassismus in einem kleinen Vorort, einer Freundschaft abseits jeglicher Äußerlichkeiten und mit familiären Problemen. Viele Themen, die in ihrer Vielfältigkeit überzeugen können, das Buch aber manchmal etwas zu überfüllt wirken lassen. Erzählt wird dabei abwechselnd aus den personalen Sichten der Protagonisten, wobei der Schreibstil überwiegend jugendlich-frisch, im Satzbau manchmal aber auch verwirrend abgehackt ist.

Eleanor ist eine nicht ganz einfache Protagonistin - wenn ihr etwas nahe geht, wird sie schnell ärgerlich und stößt andere zurück, und Freundlichkeit ist auch allgemein nicht ihre größte Stärke. Aufgrund der Verhältnisse in ihrer Familie kann man dies jedoch größtenteils verstehen und wegen ihrer besonderen, in keine Schublade passenden Art, muss man sie sowieso ins Herz schließen. Park ist der Sanftere der beiden und gutmütig und liebevoll zeigt er Eleanor, was es bedeutet, wirklich gemocht zu werden - dafür muss er aber im Gegensatz zu ihr auch erst noch lernen, nicht zu viel auf die Meinung anderer zu geben. Sehr gut ausgearbeitet sind auch die Familien der beiden: Die eine vereint in Angst und Armut, die andere teilweise zerbrochen an zu hohen Erwartungen. Nebenfiguren wie Freunde und auch Widersacher bleiben aber so blass, dass sie teilweise leider nur schemenhaft wirken.

Rainbow Rowells Ziel, eine Geschichte zu erzählen, die sich komplett gegen Stereotype stellt und dem Rassismus die Stirn bietet, ist lobenswert und in großen Teilen sehr gut gelungen: Eleanor ist es egal, dass Park Asiate und nicht besonders groß ist [in einer Zeit des Fremdenhasses] und Park lernt alle Aspekte, wegen der sie gemobbt wird, an ihr lieben. Aber abgesehen von diesen Punkten macht sich die Autorin ihre Erzählung recht einfach - denn ausländische Mitbürger werden kaum behelligt, wogegen Eleanor stark belästigt wird, was doch etwas unglaubwürdig wirkt. Ansonsten aber wird mithilfe vieler Hinweise und Details wunderbar das Jahr 1986 beschrieben, das einem mit seinen Kassetten und Plattenspielern wieder ganz nah kommt.

Schön ist auch, wie langsam und realistisch die Autorin die Beziehung entstehen lässt - von anfänglicher Abneigung über kleine Gemeinsamkeiten bis hin zu langen Gesprächen über Comics und Musik. Die Chemie zwischen Eleanor und Park stimmt einfach, weswegen man die beiden sehr gern begleitet. Als sie ein Paar werden, gibt es ein paar arg kitschige Szenen, doch abgesehen von diesen Ausrutschern ist es eine äußerst realitätsnahe Verbindung. Zum Ende hin spitzen sich die Ereignisse noch einmal zu und die Liebe der beiden wird auf eine harte Probe gestellt. Während die Geschehnisse, die zum Schluss führen, erneut authentisch wirken und überzeugen können, hat mir aber das Ende leider weniger gefallen: Ohne die großen, brennenden Fragen und Eleanors Verhalten zu klären, wird der Leser einfach sich selbst überlassen. Und so gerne ich offene Enden eigentlich auch mag und so sehr es hier auch zum Nachdenken anregt - ein paar Antworten wären durchaus schön gewesen.

FAZIT
Rainbow Rowells "Eleanor & Park" ist ein Statement gegen Vorurteile mit einem besonderen und sich wunderbar ergänzenden Paar. Viele Nebenfiguren bleiben aber leider sehr blass, das Thema Rassismus wird für die Zeit und den Ort nur wenig angesprochen, und das Ende war mir persönlich zu offen. Wer aber auf der Suche nach einer romantischen wie glaubwürdigen Liebesgeschichte ist, wird hier auf jeden Fall seine Freude haben. Sehr gute 3,5 Punkte!



Titel: Eleanor & Park
Originaltitel: Eleanor & Park
Autor: Rainbow Rowell
Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Verlag: Hanser
Seitenzahl: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3446247406


   Kommentare:

  1. Ah, da kommen sie so langsam, die etwas kritischeren Rezensionen. Danke für die ehrliche Meinung. Bislang bin ich an dem Buch erfolgreich vorbeigegangen, weil einfach ALLE so davon geschwärmt haben und dann bin ich immer ein bisschen skeptisch. Ich werde allerdings wohl doch mal einen Blick riskieren - denn deine Bewertung ist ja nun wirklich nicht schlecht.

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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    1. Also 3,5 Punkte können sich bei mir wirklich durchaus sehen lassen. Ich fand nur eben grade den Part mit dem Rassismus - wo es doch grade deswegen wirklich im Jahr 1986 spielt - zu lasch und zu einfach abgespult, weil hier niemand wirklich mit Hass konfrontiert wird und sich im Gegenteil eher alle auf Eleanor einschießen. Lesenswert ist es aber auf jeden Fall aufgrund dieser Beziehung, in der das Innere einfach viel mehr zählt, was richtig schön ist ;)
      Solltest du es dennoch versuchen, wünsche ich dir viel Freude damit!

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  2. Ich bin ja nie so auf dem Laufenden, was gerade aktuell an Büchern erscheint, deswegen habe ich auch von Rainbow Rowell noch nie gehört (ist das ein echter Name?)
    Naja, jedenfalls fnde ich das Cover von "Eleanor & Park" total schön! Auch die Geschichte könnte mich gefallen, ich werde das mal im Auge behalten :)

    Wie immer jedenfalls eine schöne Rezension!

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    1. Also soweit ich weiß, ist das tatsächlich der echte Name der Autorin - habe jedenfalls noch nichts Gegenteiliges gehört. Etwas ungewöhnlich, aber hat einen starken Wiedererkennungswert, was? :D

      Ich denke, das könnte insgesamt ein Buch für dich sein, grade weil du ja - soweit ich dich kenne - sicherlich eine Vorliebe für Liebesgeschichten hast, in denen Vorurteile gar keine Rolle spielen. Und das wird hier ziemlich gut umgesetzt. Das Cover entspricht da zum größten Teil ganz dem Inhalt ;)

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    2. Ach ja und danke wie immer für das Kompliment ;)

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  3. Danke dir für die ehrliche und nachvollziehbare Rezi! Ich bin eh nicht der Fan von Gegenwartsgeschichten im Jugendbuchbereich, bin aber doch schon einige Male über das Buch gestolpert. Ich denke mal, ich warte da lieber ein Buch ab, was mich mehr von den Socken hauen könnte ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Also sehr unterhaltsam und schön zu lesen ist das Buch allemal - ich denke aber auch, dass du bei der eigentlichen Prämisse des Rassismus, die doch etwas mäßig umgesetzt wurde, und ein paar kitschigen Szenen Kritik üben würdest. Soweit ich gehört habe, soll "Fangirl" der selben Autorin das beste Buch sein - vielleicht ist ja das etwas für dich ;)

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