Back Down to Earth

[Buchrezension] Jamies Quest: Aufgabe gesucht - Cornelia und Dominic Franke

"Hör gut zu, mein alter Freund, ich möchte, dass du stets einen Wächter..."
"Wozu..."
"...einen Wächter an deiner Seite hast. Und du die Anzahl der Wächter auf dem Bombax-Fest erhöhst. Wenn mein Instinkt mich nicht täuscht, fängt die Aufregung gerade erst an."
Viisas quakte traurig, leckte sich über die Lippen und nickte. "Das fürchte ich auch."

INHALT
Eigentlich möchte Jamie, nachdem sein Vormittag überhaupt nicht nach seinen Vorstellungen verlaufen ist, nur sein neues RPG am PC starten und sich ein wenig ablenken. Doch kurz nach dem Starten des Spiels wird er plötzlich ohnmächtig - und findet sich in einer Welt wieder, die der des Games sehr ähnelt. Ist er etwa in diese hinein gezogen worden? Jamie möchte gerne an einen verrückten Traum glauben, aber die Hinweise darauf, dass dem nicht so ist, häufen sich. Laut den Menschen, die er an diesem neuen Ort trifft, scheint er als sogenannter "Wanderer" eine wichtige Aufgabe zu haben. Dabei will er doch eigentlich nur nach Hause! Stattdessen scheint allerdings ein schwerer und gefährlicher Weg vor ihm zu liegen...

MEINE MEINUNG
Cornelia und Dominic Franke haben mit dem selbstständigen Verlegen ihren Abenteuer-Fantasy-Romans "Jamies Quest: Aufgabe gesucht" ein Risiko auf sich genommen - es aber geschafft, ihrem Roman nicht nur ein ansprechendes Äußeres zu verleihen, sondern diesen auch mit vielen originellen Ideen zu spicken. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass inhaltlich wie auch sprachlich doch noch ein bisschen hätte herausgeholt werden können. Erzählt wird die Geschichte zum größten Teil aus der personalen Sicht von Jamie, immer wieder kommt jedoch sein Beschützer Grumdir zu Wort.

Jamie ist ein sympathischer etwa 18-jähriger, dem man so auf der Straße begegnen könnte - er ist etwas unreif, hat aber Humor; weiß oft nicht, was er will und und glaubt eigentlich immer, Recht zu haben. Er macht viele Fehler, was ihn menschlich macht, aus diesen lernt er jedoch größtenteils nicht, wodurch er sich und andere immer wieder in Gefahr bringt. Sein Kumpane Hannes, den er kurz nach seiner Ankunft in der neuen Welt trifft, ergänzt ihn jedoch da, wo es ihm ein wenig fehlt: Hannes ist treu, ein bisschen unschuldig und kann Entscheidungen besser abschätzen, auch wenn er Jamie letztendlich trotzdem meistens folgt. Die anderen Figuren wirken ansonsten noch ein wenig unausgereift. Grumdir ist, man kann es vom Namen ableiten, ein bisschen grummelig und muss die meiste Zeit über hinter Jamie herlaufen, außer, dass er immer wieder die gleichen Gedankengänge abspult [darüber, dass er auf Jamie aufpassen muss und das eigentlich nicht will], erlangt seine Figur jedoch kaum Tiefe. So verhält es sich dann leider auch mit der Magd Lana, Jamies Freundin Olive oder auch dem Bürgermeister Viisas.

Die Welt selbst erinnert tatsächlich zu großen Teilen an die aus RPGs bekannten mittelalterlichen Plätze, an denen man dort Abenteuer erlebt. Während die Beschreibungen insbesondere der Bedrohungen, wie etwa dem Schattenhain und den darin lebenden Tanteln, äußerst gut gelungen ist, passten für mich jedoch einige Dinge nicht zusammen - zum Beispiel, dass es auf der einen Seite Schänken und altmodische Kleidung gibt, der Bürgermeister allerdings ein Vorzimmer mit Sekretärin besitzt. Ganz abgesehen davon, dass dieser Bürgermeister ein menschengroßer Frosch ist, dessen Kumpanen im Sumpf leben und sprechen können. Ich kam nicht umhin, das ein wenig albern zu finden. Was mich jedoch am meisten störte, war Jamies ewig lange Weigerung während der ersten etwa 120 Seiten, anzuerkennen, dass er nicht träumt. Sicherlich, er sollte sich auch nicht zu schnell mit der Situation anfreunden, aber selbst als sich die Hinweise auf die Echtheit häufen und er immer wieder bemerkt, dass alles sehr realistisch wirkt, hält er noch daran fest, was irgendwann wirklich nervig wurde.

Zum Glück wird sich hier irgendwann gefangen, und ab diesem Punkt geht es auch mit der Spannung steil bergauf. Wo es vorher vor sich hinplätscherte und nicht so recht voran kam, versucht sich Jamie nun wirklich an der schwierigen Aufgabe, seine Aufgabe zu finden - und das ist gar nicht so einfach. Denn alles ist anders als bei den vorherigen Wanderern, und während einige Morde an ihm in Auftrag gegeben werden, muss er sich außerdem gegen riesige Spinnen zur Wehr setzen. Die Kämpfe sind actionreich und durchaus auch blutig und wissen in ihren Beschreibungen zu überzeugen, ebenso wie das Ende sowohl durch seine Wendungen erfreut als auch durch einige weitere Fantasy-Gestalten. Auch wenn mir eine Auflösung in Teilen relativ schnell klar war, bleiben doch genug große Fragen offen, um Lust auf den nächsten Band zu machen. Vielleicht geht es in dem ja von Anfang an so richtig los.

FAZIT
"Aufgabe gesucht" ist der erste Band von Cornelia und Dominic Frankes Reihe um Jamie Bell, der durch sein Computerspiel in eine ihm völlig fremde Welt gelangt. Der Anfang ist sehr schleppend und die Nebenfiguren sind noch ausbaufähig, aber nach den ersten hundert Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Insgesamt ist für die Nachfolger einiges an Potenzial zu erkennen - da könnte noch etwas Großes kommen. Für Band 1 gibt es von mir daher gute 2,5 Punkte.


Titel: Aufgabe gesucht
Originaltitel: -
Reihe: Jamies Quest
Autor: Dominic und Cornelia Franke
Übersetzer: -
Verlag: -
Seitenzahl: 380 Seiten
ISBN-13: 978-3000469350

   Kommentare:

  1. Schöne Rezi. Schade, dass dir das Buch nicht so sehr gefallen hat. Ich hab es auch gelesen (Rezi kommt noch), aber meine Bewertung fällt höher aus. Ich versteh deine Kritik, seh es dann aber nicht so eng. ;)

    Viele Grüße
    Valentina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin leider extrem kritisch, das muss ich immer wieder zugeben, und deshalb fallen mir so kleine Makel grundsätzlich stark auf. Weiterlesen würde ich trotzdem, weil mir die Autorin auch einige sehr interessante Dinge über die Entwicklung erzählt hat. Mal sehen, ob ich dazu dann auch komme ;)
      Mich freut ansonsten, dass dir das Buch besser gefallen hat als mir. Schlecht ist es ja nun definitiv nicht!

      Löschen
  2. Vom Konzept her erinnert mich das Ganze etwas an "Erebos", bei dme auch ein real erlebtes Videospiel im Vordergrund steht. Mir geht es im Moment nur leider so, dass ich wenig zum Lesen komme. Dementsprechend suche ich mir eher die Verlagsveröffentlichungen heraus und habe kaum einen Blick für Selbstveröffentlichungen. Danke dir für deinen Einblick Sonne!

    Liebe Grüße,
    Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. An "Erebos" wurde ich anfangs auch sehr erinnert, ist ja eine ähnliche Ausgangssituation. Insgesamt gestaltet sich die Geschichte aber ganz anders, auch von den Charakteren und der Prämisse her.
      Mir geht es aber ansonsten wie dir - Indie-Romane gehen eigentlich grundsätzlich an mir vorbei, weil ich da gar kein Auge für habe. Schade eigentlich, wobei ich grade die eigentlich lieber unterstützen würde.

      Ich danke dir für deinen Kommentar ;)

      Löschen
  3. Hey Sonne,
    Jamies Quest ist mir jetzt auch schon öfter begegnet und leider spricht es mich nicht so sehr an. Schon von Cover her ... und die Story ... ich weiß nicht. Mir geht es wie Tina, ich muss gerade schauen, wie ich zum lesen komme und da will ich schon vorher gut selektieren. Deine Meinung zeigt, dass ich es nicht lesen muss :-)
    Grüß dich lieb,
    Damaris

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also "Jamies Quest" ist insofern lesenswert, als dass die Autoren gemeinsam eine wirklich große und gut durchdachte Vision ihrer Geschichte haben - nur ist das Ganze in Band 1 noch nicht komplett ausgereift gewesen. Deine Bedenken kann ich daher total verstehen. Ich habe, wie ich schon bei Tina schrieb, auch so meine Schwierigkeiten, bei dem Markt der Selfpublishing-Titel am Ball zu bleiben und schaffe das auch wegen der Vorherrschaft der Verlage so gut wie gar nicht...
      Aber wenn dich schon die Geschichte des Buches hier nicht anspricht, dann solltest du die Finger davon lassen - denn davon wird nicht abgewichen ;)

      Löschen

Der Blog wird 7!

Meine aktuelle Lektüre

Meine aktuelle Lektüre
"Ich bin nicht tot" von Anne Frasier [14/432]

Mein letzter Kinobesuch

Mein letzter Kinobesuch
"Paddington 2" am 02.12.

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
hide
Folge mir auf Facebook
Folge mir auf Twitter