Back Down to Earth

[Buchrezension] Getrübter Blick - Maria Zaffarana

"Du bist besessen, Robert! Besessen von diesen zwei Spinnern", schrie sie mittlerweile hysterisch. Hemmungslos.
Ihr Gesicht zur Maske verzerrt. Wie eine grässliche Furcht einflößende Maske. Die Wut hatte ihr schönes Antlitz völlig entstellt. Er war entsetzt. Geschockt. Gelähmt. Wehrlos. Alles zugleich. In seinem Kopf drehte sich alles. Sein Mund war pelzig. Das Atmen fiel ihm schwer. Er keuchte. Rang nach Luft. Dann ein letztes Aufbäumen.

INHALT
Seit vielen Nächten schon leidet Robert unter einer Kräfte zehrenden Schlaflosigkeit. Seine daraus resultierende Angespanntheit macht ihm auch die Tage schwer. Erst als er durch einen Auftrag als Journalist den Professor Rostoff und dessen blinde Tochter Runa kennen lernt, kann er sich ein wenig fallen lassen - denn die beiden scheinen ihn zu verstehen und ihm zuzuhören. Doch Runa prophezeit Robert, dass er in großer Gefahr schwebe, und bald scheint sich ihre Aussage zu bewahrheiten: Denn seine Freundin Nina agiert unter Eifersucht auf seine Freundschaft mit der anderen Frau wie eine Furie. Und bald fürchtet sich Robert entsetzlich...

MEINE MEINUNG
Maria Zaffaranas Independent-Roman "Getrübter Blick" erzählt die Geschichte eines aufgrund von Schlafmangel psychisch labilen Mannes, der unaufhaltsam in einen Strudel aus Furcht, Vorwürfen und Eifersucht gezogen wird. Beinahe die gesamten Geschehnisse werden aus der personalen Sicht des Protagonisten geschildert, zum Ende hin kommen jedoch auch noch ein paar andere Personen zu Wort. Wer sich übrigens wirklich von den Ereignissen überraschen lassen will, sollte es vermeiden, den Klappentext zu lesen, weil dieser ziemlich weit in der Handlung vorgreift und so ein Teil der Spannung verfliegt.

Robert ist ein Charakter, mit dem man sich nicht so leicht anfreunden kann. Er ist extrem unterwürfig im Bezug auf seine Freundin Nina, reagiert dafür auf andere Personen häufig harsch und aufbrausend. Diese Eigenschaften werden letztendlich zwar geklärt, machen den Zugang aber dennoch schwer - auch wenn dieser vielleicht gar nicht unbedingt gewährleistet werden soll. Die geheimnisvolle und blinde Runa ist eine überwiegend in sich ruhende Frau, die manchmal jedoch auch ihre kryptischen Momente hat und solche voller brutaler Wahrheit. Ihre Beweggründe sind meistens zu verstehen und auch ihr Umgang mit ihrer Krankheit ist durchaus nachzuvollziehen. Nina dann ist mehr oder weniger die Antagonistin mit ihrer aufbrausenden, bösen und abfälligen Art. Leider lernt man ihre andere Seite kaum kennen, prinzipiell ist das für die Handlung aber auch nicht nötig.

Insgesamt würde ich den ganzen Roman vielleicht weniger als Psychothriller, dafür mehr als Charakterstudie beschreiben. Denn Protagonist Robert macht sehr oft ausgedehnte Spaziergänge, in denen er versucht, seinen Gefühlen und Problemen auf den Grund zu kommen, wirkliche Enthüllungen gibt es erst sehr weit am Ende, und auch sonst wird viel über Emotionen, Lügen und Verhaltensweisen gesprochen. Sehr geschickt gelingt es der Autorin ansonsten, die Atmosphäre mit dem Fortlaufen der Handlung immer drückender werden zu lassen. Wo es anfangs noch kleinere Lichtblicke gibt, finden sich die Figuren irgendwann kaum noch zurecht, wissen nicht mehr, was richtig ist und was falsch. Das wird insbesondere durch den sehr abgehackten Schreibstil deutlich, der auch Roberts wild kreiselnde Gedanken gut einfängt.

Allerdings kann ich dem Buch auch nicht die ein oder andere Länge absprechen. Gerade die vielen, vielen Ausflüge des Hauptcharakters durch die Landschaft sind zäh, weil sie so gehäuft auftreten, und in seinen Gesprächen sowohl mit Runa als auch mit Nina kaut er mehr oder weniger immer das Gleiche durch. Außerdem ist da noch das Ende: Die Enthüllung ist gut, glaubwürdig erklärt und macht Sinn, der Schluss entbehrt jedoch jeder Authentizität. An einem solchen Ort wie dem, an dem die letzten Szenen spielen, sind Geschehnisse wie sie stattfinden einfach nicht möglich. Um die Auflösung nicht zu spoilern, kann ich darauf nicht näher eingehen, dieser eher wenig durchdachte Abschluss hat mir aber leider so gar nicht gefallen.

FAZIT
"Getrübter Blick" ist ein Independent-Roman - das merkt man vom Sprachstil her aber nur an wenigen Stellen, was man sonst nicht von jedem selbst veröffentlichten Buch sagen kann. Die Atmosphäre ist dicht, die Charaktere sind gebrochen, gewöhnungsbedürftig und anders. Leider hat der Roman aber auch seine Längen und der Schluss ist eher wenig realistisch. Insgesamt für Leser, die sich vom Einheitsbrei lösen wollen, aber eine durchaus lesenswerte Alternative. Gute drei Punkte.



Titel: Getrübter Blick
Originaltitel: -
Autor: Maria Zaffarana
Übersetzer: -
Verlag: CreateSpace Independent
Seitenzahl: 262 Seiten
ISBN-13: 978-1505395129



   Kommentare:

  1. Hallo Du! :)

    Habe dich für "Sisterhood of the World Bloggers Award" nominiert! Würde mich freuen wenn du mitmachst, schau einfach mal auf meine Seite! :)

    Viele liebe Grüße,
    Lisa
    http://mydrugsofchoice.blogspot.de/2015/01/sisterhood-award-1.html

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    1. Ich danke dir für deine Nominierung! Ich werde dir, soweit ich es nicht vergesse, die Tage noch auf deinem Blog antworten. Ich fühle mich immer sehr geehrt, mache bei solchen Awards aber leider schon lange nicht mehr mit, weil sie mir zu viele Kapazitäten wegnehmen und, ja.
      Aber ich freue mich trotzdem sehr, danke dir also ;)

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  2. Das klingt gar nicht schlecht! Ich mag eigentlich gar keine Independen-Bücher, weil ich da das Gefühl habe, dass das Lektorat fehlt, aber du sagst ja, dass das hier nicht so ist. Das weckt mein Interesse ;-)
    Besonders auf die Auflösung bin ich jetzt natürlich sehr neugierig.

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    1. Hier gibt es zwar zwischenzeitlich mal ein paar Fehler, aber man merkt doch deutlich, dass am Text gearbeitet wurde. Von daher brauchst du dir an dieser Stelle keine Sorgen zu machen ;)
      Solltest du das Buch lesen, wünsche ich dir viel Freude daran und an der Auflösung!

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