Back Down to Earth

[Buchrezension] Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B - Teresa Toten

Sie stiegen ins Auto, und Mr Stone drehte sich zu den beiden Jungs um. "Adam, schön dich zu sehen, mein Junge."
"Danke, Sir." Und schon fuhren sie los.
Mein Junge. Adam liebte es, wenn Mr Stone das sagte. Siebzehn, neunzehn, einundzwanzig, dreiundzwanzig...
"Alter?", flüsterte Ben. "Zählst du?"
"Ja." Adam nickte. Fünfundzwanzig, siebenundzwanzig, neunundzwanzig, einundreißig.
Ben sackte auf dem Rücksitz zusammen. "Kein Problem, okay? Entspann dich, alles dufte."
"Danke, Mann." Eins, drei, fünf, sieben...

INHALT
Einmal in der Woche muss Adam zur Gruppentherapie, denn er leidet an verschiedenen Zwangsstörungen. Eigentlich findet er die Leute da doof, ganz zu schweigen von den Gesprächen und Übungen. Doch dann ist mit einem mal ein neues Mädchen da - Robyn. Und Adam weiß, sie ist das Mädchen seiner Träume. Egal, dass sie älter ist und größer und eine Klassenstufe über ihm: Er muss sie erobern! Und während er eigentlich so mit diesem einen Ziel beschäftigt ist, bemerkt er kaum, wie er auf dem Weg dahin ganz vielen Menschen Gutes tut...

MEINE MEINUNG
Teresa Toten erzählt in "Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13b" eine Geschichte über einen Jungen und seine große Liebe - klingt eigentlich recht normal. Anders ist aber, dass dieser Junge und dieses Mädchen sich in einer Gruppentherapie für Jugendliche mit Zwangsstörungen kennen lernen. Kein einfaches Thema, das der Autorin aber trotzdem sehr leicht von der Hand zu gehen scheint. Durch den jugendlichen und witzigen Schreibstil, der nie die Leben bestimmenden Probleme des der Charaktere vernachlässigt, gelingt es dem Leser schnell, sich völlig in die Geschichte fallen zu lassen.

So hat man auch keinerlei Schwierigkeiten damit, sich in Adam hinein zu versetzen. Er ist 15, jung naiv, eigentlich unbeschwert - wäre da nicht seine komplizierte Familie und seine Schwierigkeiten, unangenehme Situationen ohne Zählen zu überstehen. Mit seiner Einfühlsamkeit im Bezug auf andere Menschen und seine Ängste und Sorgen wirkt er glaubwürdig und absolut sympathisch. Ebenso sehr ins Herz schließt man Robyn mit ihrer ehrlichen Art und den Rest der Truppe mit all ihren Macken und Neurosen. Und Adams kleiner Halbbruder Sweetie mit seinen Eigenart und seiner Fixierung auf ihn ist in seiner kindlichen Neugierde so süß, dass man jedes Mal dahin schmilzt, wenn er einen Auftritt hat. Die einzige Figur, die mir etwas zu blass blieb, ist der beste Kumpel Ben, aber dies ist leicht zu verkraften. 

Während der Einstieg noch etwas schleppend beginnt, weil Adams einziges Thema mehr oder weniger seine Ziele sind, um Robyn zu beeindrucken, nimmt der Roman spätestens dann Fahrt auf, als man seine skurrilen Leidensgenossen so richtig kennen lernt. In der Gruppentherapie haben sich alle Jugendlichen ein Alter Ego zulegen dürfen - und so gibt es einen Wolverine, eine Snooki, eine Wonder Woman und weitere Superhelden [mit Ausnahme von Snooki natürlich, bei der auch Adam nicht weiß, wer oder was das eigentlich ist]. Ob diese Bezeichnungen nun zu den Figuren passen oder eher völlig gegensätzlich sind, sei mal dahingestellt; Fakt ist jedenfalls, dass es schon allein dadurch zu wunderbaren Situationen kommt. Teresa Toten gelingt es dabei auf famose Weise, die Zwänge unterhaltsam darzustellen, ohne sich je darüber lustig zu machen.

Natürlich ist nicht immer alles einfach. Auch wenn die Liebesgeschichte überraschend und erfreulich schnell in den Gang kommt, machen Adams Probleme innerhalb seiner Familie - mit der Mutter auf der einen Seite und dem Vater mit neuer Frau und Kind auf der anderen - ihm das Leben schwer, was sich auch in seinen Neurosen niederschlägt. Das wird zwischenzeitlich sehr traurig und lässt den Leser stark mitfühlen, gerät aber nie in die negativ-erdrückende Schiene. Und weil die Autorin eine nicht ganz überraschende, aber glaubwürdige und passende Lösung für alles findet, zaubert einem der Schluss auch wieder ein großes Lächeln aufs Gesicht und lässt einen mit einem richtig schönen Gefühl das Buch zuklappen.

FAZIT
Teresa Toten nimmt sich in "Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13b" einem Thema an, von dem ich in dieser humorvollen wie auch einfühlsamen Art noch nicht gelesen habe. Mit wunderbaren und besonderen Figuren und einer mitreißenden Geschichte nimmt sie einen schnell gefangen. Unbedingt zu empfehlen! Gute 4,5 Punkte.



Titel: Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B
Originaltitel: The Unlikely Hero of Room 13B
Autor: Teresa Toten
Übersetzer: Ann Lecker
Verlag: cbt
Seitenzahl: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3570163047
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