Back Down to Earth

[Buchrezension] The Diviners: Aller Anfang ist böse - Libba Bray

"Ich bin es, die Bestie, der Drache aus vergangenen Zeiten. Und es werden mich sehen alle Augen und zittern vor mir."
Der Fremde sprach noch weiter, aber Tommy hörte längst nichts mehr. Er hatte den Blick auf die zum Leben erwachte Dunkelheit, all das Unsägliche, das sich in ihre bewegte, und die sich wandelnde Gestalt des Fremden geheftet, der sich bedrohlich vor ihm auftürmte.
"B-bitte...", stieß er mit krächzender Stimme hervor.
Aber der Fremde lächelte nur.
"Was für vollkommene Hände", sagte er und die Dunkelheit senkte sich über sie.

INHALT
Die junge Evie besitzt eine besondere Gabe: Sie kann den Gegenständen anderer Menschen deren größte Geheimnisse entnehmen. Doch als sie diese Fähigkeit auf einer Party zeigt, geht das nach hinten los und sie wird kurzerhand von ihren Eltern nach New York geschickt. Was ihr ehrlich gesagt gar nicht so schlecht gefällt, denn dort kann sie endlich etwas erleben. Doch plötzlich geht ein Mörder in der Stadt um, der seine Opfer brutal hinrichtet. Getrieben von Neugier findet sich Evie bald in den Ermittlungen wieder. Und bemerkt, dass sie nicht die Einzige mit solchen Gaben ist wie sie sie hat, und dass sie und die anderen Manhattan möglicherweise vor etwas sehr Bösem bewahren müssen...

MEINE MEINUNG
Libba Bray wagt sich mit ihrer neuen Reihe, "The Diviners", an das Amerika der 20er Jahre heran, das vor Leben pulsiert. Schnell wird deutlich, wie viel Arbeit die Autorin in ihre Recherchen gesteckt hat, denn nicht nur wirkt die Erzählung überaus detailgetreu, sondern man hat wirklich das Gefühl, in genau diesem Jahrzehnt gelandet zu sein und ein wenig die Kulisse von "The Great Gatsby" mitzuerleben. Das ist aber irgendwo auch das Problem: Denn es wird auf diese Weise auch sehr viel drum herum erzählt. Das Buch hat 704 Seiten und ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, dass das Ganze nicht von der Stelle kommt und gut und gern 200 Seiten einfach hätten gekürzt werden können.

Evie ist eine Protagonistin, die man nicht wirklich mag. Ihre Arroganz und ihr Egoismus machen es einem manchmal sehr schwer, eine Verbindung zu ihr aufzubauen, weil sie so oberflächlich ist. Und auch, wenn Mädchen aus gutem Hause in diesen Jahren sicherlich oftmals die Vergnügungen suchten, ist bei ihr doch nur wenig Weiterentwicklung zu erkennen, weshalb man mit ihr wenig warm wird. Anders ergeht es einem da mit ihren guten Freundinnen Theta und Mable - die eine offenherzig, frech und laut; die andere zurückhaltend und brav. Beide ergänzen Evie um ein paar Eigenschaften, die sie nicht besitzt, was die Mädchen zu einem guten Dreiergespann macht. Sam ist der übliche, vorlaute und gutaussehende Love-Interest von Evie; Jericho der geheimnisvolle und schweigsame zweite Kerl im Dreieck; und mit Memphis kommt dann noch ein Charakter hinzu, der aus der unteren Schicht stammt. Leider sind viele ihrer Grundzüge aber zu klischeehaft, als dass die Figuren alle wirklich lebendig wirken könnten.

Und das, obwohl Libba Bray so viel Wert darauf legt, diese in der Welt zu etablieren. Immer wieder wechselt sie die Perspektive, sodass jeder mal zu Wort kommt. Dies hat aber auch zur Folge, dass manchmal seitenweise nichts passiert, was auch nur im Ansatz zu der Geschichte um den Mörder Naughty John beitragen könnte. Stattdessen wird in winzigen Details und Anspielungen von den Fähigkeiten der Diviners berichtet, aber auch hier kommt die Geschichte nicht richtig voran. Stattdessen wird ellenlang von verschiedenen Partys und Evies Gier nach Aufmerksamkeit berichtet, was bald ermüdend wirkt. Dabei könnte alles so schön sein! Die Atmosphäre der 20er ist dicht und packend und die verschiedenen Details laden zum Schwelgen ein.  Und dann sind da die Mord-Szenen, die einem immer wieder eine Gänsehaut verursachen, weil sie so wunderbar blutig, gruselig und erschreckend gestaltet sind. Nur reicht das eben leider nicht, um dauerhaft bei der Stange zu halten, wenn man nie das Gefühl hat, dass man dem großen Geheimnis um den Täter und auch die Bestimmung der Diviners je großartig näher kommt.

FAZIT
Libba Bray erschafft in "The Diviners: Aller Anfang ist böse" eine rundum gelungene Atmosphäre der 20er Jahre, die einen manchmal wünschen lässt, selbst in diesem Jahrzehnt zu leben. Doch ihre originelle Idee um sogenannte Diviners und brutale Morde versackt oft in Belanglosigkeiten, weil die vorangige Protagonistin des Ganzen so egoistisch und oberflächlich ist. Wer hiermit jedoch keine Probleme hat, dürfte in diesem Buch eine gefällige Lektüre finden. Von mir gibt es 3 Punkte.



Titel: Aller Anfang ist böse
Originaltitel: The Diviners
Autor: Libba Bray
Übersetzer: Barbara Lehnerer
Verlag: dtv
Seitenzahl: 704 Seiten
ISBN-13: 978-3423760966



   Kommentare:

  1. Ich liebe ja "Der große Gatsby" und die ganze Zeit, deshalb steht das Buch auch noch weit oben auf meiner Wunschliste. Bei mir steht schon fast die Beschreibung der 20er Jahre im Vordergrund haha :D Bin gespannt wie mir das Buch gefällt und ob mir die Idee der Diviners mehr zusagen kann.

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    1. Ich stimme dir da vollkommen zu - die 20er sind eine spannende, aufregende Zeit gewesen, weswegen ich viele der Szenen auch sehr mochte. Genauso, wie ich auch den Gatsby gerne mag. Aber hier wurde das Ganze manchmal einfach ZU aussschweifend. Das Buch hat halt 700 Seiten, und wenn da auf 300 nichts passiert, die Handlung selbst überhaupt nicht voran kommt, dann wird es irgendwann langweilig.
      Aber ich hoffe sehr, dass es dir da anders ergehen wird und wünsche schon mal viel Spaß!

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  2. Hmm, oje schade dass es dir dann doch nicht soo gut gefallen hat. Ich habs seit der Buchmesse pausiert, komme derzeit überhaupt nicht zum Lesen und wollte es dann fortsetzen, wenn ich mehr am Stück Zeit hab. Vielleicht jetzt am WE. Mal sehen, den Anfang fand ich gut. Aber die Prota ist mir auch schon aufgefallen, bin mir noch nicht sicher, ob ob es mich stört ,D

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    1. Den Anfang fand ich auch total klasse, stimmungsvoll und interessant, weil es halt in einer so anderen Zeit spielt. Aber leider passiert danach auch einfach nicht mehr, als dass Evie von einem Mord zum anderen rennt und dazwischen nur Parties feiert *seufz*
      Ich hoffe aber, dass es dir besser gefällt. Vielleicht bist du empfänglicher für die Zwischentöne. Ich schäme mich auch ein bisschen, weil ich es so langweilig fand, wo sich Libba Bray doch so viel Mühe gegeben hat... :/

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