Back Down to Earth

[Buchrezension] Geborgen: In unendlicher Weite - Veronica Rossi

Die Finger ihrer verletzten Hand zuckten, ganz ohne ihr Zutun.
Sie versuchte, die Faust zu ballen, in der Hoffnung, dass die Hand langsam heilte. Stattdessen musste sie feststellen, dass sich ihre Finger jetzt gar nicht mehr bewegten. Ihre Hand schien nicht mehr zu ihr zu gehören.
Tränen verschleierten ihren Blick, und sie konnte nicht mehr klar denken.
Sie sprang auf, rannte die Rampe hinunter und tauchte in die Nacht ein.

INHALT
Nach langer Suche, vielen Entbehrungen und der Enthüllung einiger Geheimnisse scheint nun endlich klar, wie Aria mit Perry und seinem Stamm, den Tiden, zur Blauen Stille gelangen kann. Dies ist auch von größter Wichtigkeit, denn die Ätherstürme werden schlimmer, dauern länger an und könnten bald erneut die gesamte Erde in Beschlag nehmen. Doch Cinder, der Einzige, dem es möglich wäre, die Ätherwand um die Blaue Stille zu durchbrechen, wurde entführt - und das von Sable, dem Anführer der Hörner und einem äußerst gefährlichen Mann. Aria und Perry müssen sich gemeinsam mit ein paar Freunden auf die gefährliche Mission begeben, Cinder zurückzuholen...

MEINE MEINUNG
Mit "Geborgen" findet die Trilogie um Aria und Perry, die gemeinsam auf der Suche sind nach einem Ort, an dem sie sicher sind vor den gefährlichen Ätherstürmen, ein Ende. Veronica Rossi bleibt auch im finalen Band ihrer bisherigen Erzählung treu und lässt uns die Kapitel abwechselnd aus der Sicht eines der beiden Protagonisten genießen. So erhält man Einblicke in die Gedanken und Gefühle beider Charaktere, die sich so unterschiedlich verhalten und doch gemeinsam so im Einklang sind. Nur einen kleinen Kritikpunkt gibt es: Manchmal verliert man, trotz der personalen Erzählweise, für kurze Zeit den Überblick, wer nun eigentlich spricht, auch wenn Namen genannt werden. Dies kommt zum Glück aber nur selten vor.

So oder so sind die beiden Charaktere, die sich über die Bücher weiterentwickelt haben und zu Protagonisten geworden sind, die man eigentlich nicht mehr missen möchte. Aria ist von der verwöhnten Siedlerin zu einer starken jungen Frau geworden, die alles dafür einsetzt, die ihr ans Herz Gewachsenen zu beschützen. Perry ist noch immer nicht der Wortgewandteste, aber er hat gelernt, sich zu öffnen und auch Hilfe zuzulassen. Und Roar hat einen für ihn sehr besonderen Menschen verloren und ist daher verbittert und traurig - dennoch blitzt auch immer wieder seine freche und herzensgute Art durch. Bösewicht Sable ist ansonsten zwar ebenfalls eine Figur, die Gefühle in einem auslöst [auch wenn es nur negative sind wie Hass und Abscheu], dennoch war er mir als Einziger etwas zu klischeehaft und zu abgebrüht dargestellt.

Die Geschichte nimmt den Leser an der Stelle wieder auf, an der sie ihn am Ende des 2. Bandes zurückgelassen hat: Die Tiden haben Unterschlupf in einer Höhle gesucht, und Hess und Sable versuchen mit dem entführten Cinder in die Blaue Stille zu gelangen. Keine Frage also, dass Aria und Perry sich überlegen müssen, wie sie die Flucht ihrer Feinde verhindern können. Einige Ereignisse kann man sich sicherlich schon bald denken, ebenso wie den Ausgang des allerersten Plans - Veronica Rossi versteht es jedoch trotzdem brillant, einen nicht nur immer wieder auf falsche Fährten zu locken, sondern auch mit Wendungen zu überraschen. Dazu gehört sicherlich auch, dass man sich bei einzelnen Figuren selten sicher sein kann, auf welcher Seite sie stehen, was das Ganze nur noch spannender macht.

Zwischenzeitlich kommt es auch zu kleineren romantischen Parts und auch der Aspekt der Freundschaft kommt nicht zu kurz, wodurch man sich wieder von den verschiedenen Beziehungsgeflechten begeistern lassen kann. Diese Momente treten jedoch nie so in den Vordergrund, dass sie verhindern würden, dass die Story selbst sinnvoll voran getrieben werden kann. Und obwohl man sich an einem Punkt fragt, wie es sein kann, dass das Buch nur noch 150 Seiten bis zum Ende hat, wird - in Anbetracht dessen - doch alles überraschend glaubwürdig und passend gelöst. Natürlich gibt es einen Showdown und natürlich kommt einiges nicht ganz unerwartet, aber auf diese Weise ist der Schluss auch genau so wie man ihn sich gewünscht und erhofft hat - nämlich authentisch, ein kleines bisschen dramatisch und nebenbei auch etwas fürs Herz. 

FAZIT
"Geborgen: In unendlicher Weite" ist ein absolut gelungener Abschluss einer sehr gut durchdachten und begeisternden Trilogie. Aria und Perry sind einem sowohl einzeln als auch als Paar so ans Herz gewachsen, dass man sie kaum gehen lassen mag - aber gleichzeitig haben sie einen würdigen Schluss erhalten. Ich kann die Buchreihe jedem nur empfehlen! Knappe, aber verdiente, 5 Punkte.



Titel: Geborgen
Originaltitel: Into the Still Blue
Autor: Veronica Rossi
Übersetzer: Heinrich Koop, Franca Fritz
Verlag: Oetinger
Seitenzahl: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3789146220



   Kommentare:

  1. Ja, Ja und nochmals JA! Ich kann alles genauso unterschreiben und lobe dich hier mit mal wieder für deinen tollen, aussagekräftigen Schreibstil.
    Mir ist so eine tolle Meinung zum Buch nicht gelungen, das kündige ich hier mit schon mal an :D <3

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  2. Wie schön, dir hat es also doch noch einmal ein Stückchen besser gefallen ;) Na da war ja alle Sorge umsonst^^ Größtenteils war ich auch zufrieden, nur manches war mir etwas zu einfach gelöst. Aber alles in allem gelungen.

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  3. Ich habe deine Rezension aus Vorsicht nicht gelesen, ist ja immerhin doch der dritte Band und ich hab nicht mal den ersten gelesen! ;) Wollte ich aber schon immer. Mittlerweile will ich mich aber mehr von Dystopien entfernen, weil ich einfach zu viele gelesen habe, finde ich. Anstatt innovativ, finde ich viele Geschichten eintönig und vorhersehbar. Aber dein Reihenfazit macht ja neugierig :O

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  4. @Lisa:
    Haha, danke dir :D Aber, ich glaube, ich erwähnte es schon mal: Mach dich nicht selbst so runter, klar?! ;)

    @Tina:
    Mir gefiel die Reihe ja sowieso ein bisschen besser als dir, von daher war es so überraschend jetzt nicht :D Hab auch ne Weile zwischen 4,5 und 5 geschwankt, mich dann aber doch für das Bessere entschieden, um das Gesamtbild zu würdigen ;)

    @Sandra:
    Ich kann verstehen, dass du dich ein wenig von Dystopien distanzieren willst - viele ähneln sich definitiv sehr, viel Neues findet man einfach nur noch selten. Die Reihe von Veronica Rossi ist aber definitiv noch einen Blick wert - weil sie auch ganz anders aufgebaut ist als viele andere. Solltest du es mal versuchen, wünsche ich dir viel Spaß!

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