Back Down to Earth

[Buchrezension] Der Preis der Ewigkeit - Aimee Carter

Meine Mutter zögerte, dann nahm sie mich beim Arm und führte mich zur Tür. "Ich will dich nicht beunruhigen, aber..." "Aber was?" In mir krampfte sich alles zusammen. War das Schlimmste passiert? Waren Henry oder Milo tot? "Mom - aber was?"
Ihre Augen flackerten und sie senkte die Lider. "Es ist Kronos", gestand sie heiser. "Er hat uns den Krieg erklärt."

INHALT
9 Monate hat Kate in der Gefangenschaft von Kronos, dem gefährlichen Titanen, zugebracht. 9 Monate hat sie die Qualen durch ihre Erzfeindin durchgestanden - und das schwanger von Henry, ihrem Ehemann und dem Gott der Unterwelt. Dieser hat jedoch keine Ahnung, wo sie sich befindet und kann sie daher nicht retten. Der Titan hat derweil mit der Zerstörung der Erde begonnen. Kate sieht bereits das Ende ihres Lebens und das ihres Kindes vor sich - bis Kronos ihr einen Handel vorschlägt: Er verschont sie, ihr Kind und die Menschen, wenn sie sich im anschließt. Dafür müssen jedoch die Götter sterben. Wofür soll sie sich entscheiden? Für die gesamte Welt oder für ihre Familie?

MEINE MEINUNG
Aimee Carters Trilogie um Kate und ihre Schwierigkeiten in der Welt der Götter findet mit "Der Preis der Ewigkeit" nun ihren Abschluss. Während ich Band 1 anfangs noch gut fand, ließ meine Begeisterung nach, sobald ich mich wenigstens ansatzweise mit der griechischen Mythologie beschäftigte - denn diese wird in den Romanen nur als Rahmen genutzt, der die Geschichte zusammenhält, und um die Fantasy-Aspekte einbauen zu können. Ansonsten haben die Götter äußerst wenig Sinn und Zweck, was üZeit ber die gesamte nicht an Lächerlichkeit verliert, wenn man bedenkt, dass Zeus, Hades etc als Charaktere fungieren und sich doch so gar nicht ihren Rollen entsprechend verhalten.

Kate ist noch immer das naive und dümmliche kleine Mädchen aus den beiden vorherigen Bänden. Immer und immer wieder wird ihr gesagt, sie solle sich heraushalten, solle aufhören mit ihrem Märtyrer-Komplex und sich nicht dauernd in Gefahr begeben - und wie immer tut sie genau das Gegenteil. Sicherlich ist es kein schönes Gefühl, nutzlos zu sein, aber hätte sie nur einmal auf andere gehört, wären viele Probleme gar nicht erst entstanden. Die übrigen Figuren bleiben ansonsten auch hauptsächlich in ihren festen Rollen: Henry als ach so sanfter und fast schon unerträglich liebevoller Beschützer, der sich einmal mehr für Kates Dummheiten opfert; ihr Freund James als Lichtblick und witziger Zeitgefährte; ihre Mutter als diejenige, die sich immer wieder herumschubsen lässt, obwohl sie verdamm-mich-noch-eins Demeter ist! Immerhin werden einige kleinere Geheimnisse um ein paar Figuren gelüftet - und Kronos verhält sich als einziger, gemeinsam mit Calliope so, wie man das von einem Gott - oder Titan - erwarten würde.

Denn genau da liegt das Problem der Bücher: Aimee Carter hat das mit der Mythologie einfach nicht auf die Reihe bekommen. Die Götter sind nicht gierig, auf ihren eigenen Vorteil bedacht und pausenlos lüstern, nein, sie haben menschliche Namen angenommen und entschuldigen sich die ganze Zeit für ihre Missetaten. Ich weiß bis jetzt nicht, wer eigentlich welcher Gott sein sollte, weil dies völlig unersichtlich war, und allgemein wirkt es doch reichlich komisch, wenn all diese herrschaftlichen Wesen um Kate herumscharwenzeln, wenn sie sich in den alten Sagen doch grundsätzlich einfach nahmen, was sie wollten - ob es nun die eigenen Kinder oder Verwandten waren oder nicht. Abgesehen davon begreift Protagonistin Kate selbst auch einfach partout nicht, was Götter ausmacht. Sie bezeichnet viele dieser in wechselnder Reihenfolge als Arschlöcher, giftet Persephone dafür an, während ihrer Gefangenschaft [!] bei Henry Affären gehabt zu haben und ist andauernd beleidigt. Das zerrt auf die Dauer an den Nerven.

Eines jedoch muss man dem Buch zugute halten: Es ist spannend und es ist unterhaltsam. Insbesondere Fans von viel Herzschmerz werden hier wieder auf ihre Kosten kommen, denn wie immer ist es ein einziges Hin und Her zwischen allen Charakteren, die etwas füreinander empfinden. Immerhin trifft die Autorin zum Ende hin eine recht mutige Entscheidung und entschädigt so für einige lächerliche Kompromisse zuvor - über das kitschige Ende kann dies aber nicht hinwegtäuschen. Das Ganze ist die gesamte Zeit über recht pathetisch und manchmal sogar schwülstig, zum Schluss nimmt das aber noch einmal eine Ecke zu - man muss es mögen. ich scheine mich über den Zeitraum des Erscheinens der drei Bücher enorm davon weg bewegt zu haben, sodass es jetzt gar nicht mehr meins ist. Für jeden gelten muss das aber nicht.

FAZIT
"Der Preis der Ewigkeit" ist der dritte Band der "Goddess"-Reihe von Aimee Carter und kann leider nicht das retten, was die Vorgänger versaut haben. Die griechische Mythologie ist noch immer ein Witz, denn die Götter verhalten sich absolut widersprüchlich. Zudem kommt Hauptfigur Kate mal wieder überhaupt nicht auf den grünen Zweig und versteht die offensichtlichsten Dinge nicht - ein No-Go für mich. Wer die anderen beiden Teile mochte, wird auch hier wahrscheinlich seinen Spaß haben. Ich bin so ganz froh, dass es vorbei ist. 2,5 Punkte.


Titel: Der Preis der Ewigkeit
Originaltitel: The Goddess Inheritance
Reihe: The Goddess Test
Autor: Aimee Carter
Übersetzer: Freya Gehrke
Verlag: Mira Taschenbuch
Seitenzahl: 300 Seiten
ISBN-13: 978-3862788699
Bereitgestellt durch Blogg dein Buch


   Kommentare:

  1. Grüß Dich, Sonne.
    Die griechischen Götter waren schon ein Pack von Halodries. Im Grunde unterschied sie von den (gern) drangsalierten Menschen nur ihre olympische Machtfülle.
    Ein Schelm wer die Parallelen zur Neuzeit zieht. :-D

    Die Defizite des Romans erinnern mich spontan an Petersens Herangehensweise an seine Schlachtplatte 'Troja'. Nur während des Kampfs zwischen Hektor & Achilles flakert kurz das Potenzial der gesamten Sage auf. Nope!

    Angenehm verbrachten Montag?

    bonté

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  2. @RoM:
    Ja, da hast du wohl Recht. Die Götter wie die Menschen und zu allem Überdruss sehen sich viele Menschen auch noch als Götter an, missbrauchen ihre Macht. De Sagen spiegeln einiges wider, nur eben in die andere Richtung ;)

    An "Troja" kann ich mich kaum noch erinnern - das letzte Mal ist lange her -, nur noch an Brad Pitts Oberkörper, natürlich :D Sollte ich vielleicht noch mal schauen, was mir da so auffällt...

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