Back Down to Earth

[Kurzspots] Vielleicht lieber morgen, Ganz weit hinten, Sherlock, No Country for Old Men, Invasion

Der Januar ist bei mir - wie irgendwie jedes Jahr - der Monat der Filme. Es laufen gefühlte tausend Streifen im Kino an, und auch diejenigen, die es auf DVD oder im Free-TV gibt, lassen mir einfach keine Ruhe. Daher folgen nun so kurz nach den letzten Kurzspots schon die nächsten. Und damit ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann, sind auch gleich zwei Stück für die Film ab(c)!-Challenge dabei ;)

Vielleicht lieber morgen
mit Logan Lerman, Emma Watson, Ezra Miller
Der junge Charlie kommt auf die Highschool - und durch seine Schüchternheit findet er keinen Anschluss. Noch immer macht ihm ein schwerer psychischer Zusammenbruch vor einiger Zeit zu schaffen. Doch dann trifft er auf Sam und Patrick, zwei Seniors, und die beiden geben ihm endlich Halt...

"Vielleicht lieber morgen" gilt bei vielen Film-Fans als einer der schönsten und berührendsten für Teenager der letzten Jahre - und ich kann ihnen jetzt nur zustimmen. Die Buchvorlage habe ich nie gelesen, weil mir der Schreibstil nicht zusagt, aber nach der Sichtung der Adaption überlege ich da doch noch einmal. Die Geschichte ist weitaus tiefgründiger als man zuerst vermuten könnte: Es geht nicht nur um Freundschaft und Familie, es geht auch um Missbrauch, Depressionen und Selbstmord. Charlie hat schreckliche Dinge durchgemacht, und Sam und Patrick scheinen die einzigen zu sein, die ihn aus seiner Traurigkeit herausholen können. Dabei sind die Künste der Schauspieler fantastisch, allen voran meiner Meinung nach Ezra Millers, der so unglaublich sympathisch und witzig ist, dass man ihn einfach lieben muss. Bis zum Ende bleibt der Film fesselnd und authentisch, wenn auch ein oder zwei kleinere Fremdschäm-Szenen nicht ausbleiben. Zuschauer, die nah am Wasser gebaut sind, sollten sich zum Ende hin übrigens dringend Taschentücher bereit halten! Von mir gibt es 4,5 Punkte.

Ganz weit hinten
mit Liam James, Sam Rockwell, Toni Collette
Duncan muss die Sommerferien mit seiner Mutter und deren neuem Freund verbringen, obwohl er viel lieber bei seinem Vater wäre. Seine Familie geht ihm auf die Nerven, und die meiste Zeit ist er eher einsam. Dies ändert sich jedoch, als er den älteren Owen kennen lernt, der sich bald zu einem väterlichen Freund entwickelt - und ihm endlich zeigt, was es heißt, sich etwas zu trauen.

Eigentlich ist dieser Streifen so ein typischer Coming-of-Age-Film für Jugendliche - ein junger Protagonist hat die üblichen Teenie-Probleme und findet die erste Liebe. Doch gleichzeitig ist "Ganz weit hinten" wieder ganz anders, vor allem eines: Realistischer. Duncan ist der missmutige 14jährige, den wir alle kennen; sein Stiefvater, herrlich gespielt von Steve Carrell, ist ein Arschloch; und das Mädchen, das er mag, kann er irgendwie nicht richtig ansprechen. Als er jedoch Owen begegnet, ändert sich alles. Dieser behandelt ihn nicht wie ein Kind, sondern wie einen Erwachsenen, und mit seinen lockeren Sprüchen ist er unheimlich witzig. Es kam nicht selten vor, dass ich laut aufgelacht habe, weil er so herrlich ironisch ist. Wer Sam Rockwell vorher nicht mochte, wird ihn hinterher auf jeden Fall lieben. Ansonsten hat das Ganze viel von einer Tragikkomödie und wird zwischenzeitlich auch äußerst ernst. Gleichzeitig besitzt er aber einen wunderbaren Feel-Good-Tenor durch Duncans Wandlung zu einem selbstbewussten, glücklichen Jungen. Meine Empfehlung für einen lauen Sommer-Abend! 4 Punkte.

Sherlock
mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Rupert Gravis
John Watson kehrt aus Afghanistan zurück und sucht eine günstige Wohnung - die er erhält, indem er bei Sherlock Holmes einzieht, einem Egozentriker durch und durch. Aber ebenso auch einem absoluten Genie...

Jaja, die britische Serie "Sherlock" ist mittlerweile mehr oder weniger Kult und es ist eine Schande, dass ich erst vor kurzem richtig damit angefangen habe. Auf deutsch gefiel mir das Ganze aber auch nicht so recht, als ich mal reingeschaut habe [obwohl ich sonst absolut nicht gegen Synchronisationen bin]. Nun habe ich es aber einfach mal auf Englisch versucht und kann mich den begeisterten Stimmen jetzt total anschließen: Die Serie ist genial gemacht, so viel ist sicher! Nicht nur, dass der Stoff sehr elegant in die heutige Zeit übertragen wurde, auch die Fälle sind klasse aufgebaut. Jede Staffel besitzt nur 3 Folgen à anderthalb Stunden, was erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, dann aber außerordentlich gut gefällt. Benedict Cumberbatch und Martin Freeman spielen grandios, ebenso wie die Nebendarsteller - allen voran natürlich der des Moriarty. Während die erste Staffel noch ganz gut ist, steigert sich die zweite zu einem Feuerwerk an Spannung und Witz. Absolut und ohne Einschränkungen empfehlenswert! 4,5 Punkte.

No Country for Old Men
mit Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones
An einem Tatort findet Llewelyn Moss einen Koffer voll Geld - und nimmt ihn kurzerhand mit. Nicht lange dauert es jedoch, bis ihm der Killer Chigurh auf den Fersen ist, der zu allem bereit scheint. Sheriff Bell versucht derweil, Moss zu beschützen, aber die Bösen sind ihm immer einen Schritt voraus...

Ich oute mich hiermit: Den Filmen der Coen-Brüder kann ich einfach nichts abgewinnen, da kann ich tun, was ich will. Weder "Burn After Reading" noch "Ein [un]möglicher Härtefall" konnten mir zusagen und nun reiht sich dort auch "No Country for Old Men" ein - "True Grit" ist in der Tat der einzige Film der beiden Regisseure, den ich je für gut befunden habe. Irgendwie ist mir die ganze Story einfach immer zu konfus, und so ist es auch hier der Fall. Den roten Faden habe ich nie so recht gefunden oder gleich wieder verloren, und um die Geschehnisse, die ohne viel Sprache abgehandelt werden, überhaupt zu verstehen, muss man hinterher im Grunde eine Zusammenfassung lesen. Ich weiß nicht, ob dies in der Romanvorlage ebenso war, mir gefiel das jedenfalls nicht. Da mögen die Schauspieler noch so genial sein - ich habe mich schrecklich gelangweilt und war permanent verwirrt. 2 Punkte.

Invasion
mit Nicole Kidman, Daniel Craig, Jackson Bond
Carol Bennell stellt eines Tages fest, dass sich die Menschen um sie herum plötzlich seltsam verhalten - emotionslos und kalt. Die Medien sprechen bald von einer Grippe-Epidemie, doch Carol weiß, dass etwas anderes vor sich geht. Und sie tut alles, um ihren Sohn davor zu schützen...

"Invasion" ist so ein ganz typischer Science-Fiction-Katastrophen-Alien-Film, der zwar ungemein spannend ist, aber nicht so recht weiß, ob er nun Fisch oder Fleisch sein will. Irgendwie gibt es da nämlich ein paar zu viele Themen in der Storyline: Zum einen die Invasion von außen, dann das Verschwinden von Carols Sohn, ebenso aber auch noch eine Liebesgeschichte. Hinzu kommt, dass Carol zu Anfang doch sehr plötzlich und geradezu wie aus dem Nichts feststellt, dass sich die Menschen in ihrer Umgebung sonderbar benehmen, bevor die Geschehnisse auch schon ihren Lauf nehmen. Keine Frage, der Film ist fesselnd und an der ein oder anderen Stelle auch durchaus schön scheußlich bis gruselig [weswegen ich die FSK-12 für unangebracht halte], insgesamt ist die Geschichte jedoch nicht ausgereift und originell genug, und zum Ende hin wird das Ganze zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen. Schade, Potenzial verschenkt! 3 Punkte.

   Kommentare:

  1. Also ich finde die deutsche Synchro bei Sherlock eigentlich echt gut, aber das könnte auch daran liegen, dass ich es anstrengend finde auf Englisch zu gucken, weil ich britisches Englisch so schwer verstehe :D Wie dem auch sei, auf die deutsche Synchro der nun erschienenen 3.Staffel konnte ich nicht warten, also hab ichs auch mal auf Englisch geguckt. Ich liebe diese Serie einfach!!

    Und es freut mich, dass dir Vielleicht lieber morgen auch so gut gefallen hat. Das Buch fand ich auch sehr schön, aber ich habe es ja auch erst nach dem Film gelesen denn ich glaube davor wäre es irgendwie auch nicht so mein Fall gewesen ;)

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  2. "Vielleicht lieber morgen" wollte ich mir gestern angucken. Dann habe ich gesehen, dass es eine Buchverfilmung ist und jetzt will ich das Buch vermutlich erstmal lesen :D

    Auf jeden Fall hast du mich jetzt noch neugieriger auf den Film gemacht :)

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  3. Moin moin, Sonne.
    Ich denke, man/frau sieht es Oliver Hirschbiegels Ausflug nach Hollywood an, daß ihm das Studio dreingeredet hat. Der "Höhepunkt" ist dann der Nachdreh mit anderem Regisseur.
    Hollywood hat schon ein großes Talent dafür internationale Talente zu verbrennen.
    Gut - der beste "Die Körperfresser Kommen" ist noch immer der in S/W.

    Ich schätze die Briten sehr für ihre Mini-Series & Kurzstaffeln. In der Regel wird hier nichts zerfasert, aufgebläht oder mit Füll-Episoden beschwert. Herrlich direkt.
    @Katie - ich lege bei der ersten Sichtung im englischen Original gern die deutschen Untertitel unter.

    Ich denke Du kannst Stephen Chbosky auch noch zu seinem Roman folgen. Immerhin hat er Dich mit Regie & Skript bereits überzeugt.

    Mal sehen wie Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" jetzt auf die Leinwand gelegt wurde.
    Aber bis dahin ist wieder Sommer.

    bonté

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  4. Moin moin, Sonne.
    Ich denke, man/frau sieht es Oliver Hirschbiegels Ausflug nach Hollywood an, daß ihm das Studio dreingeredet hat. Der "Höhepunkt" ist dann der Nachdreh mit anderem Regisseur.
    Hollywood hat schon ein großes Talent dafür internationale Talente zu verbrennen.
    Gut - der beste "Die Körperfresser Kommen" ist noch immer der in S/W.

    Ich schätze die Briten sehr für ihre Mini-Series & Kurzstaffeln. In der Regel wird hier nichts zerfasert, aufgebläht oder mit Füll-Episoden beschwert. Herrlich direkt.
    @Katie - ich lege bei der ersten Sichtung im englischen Original gern die deutschen Untertitel unter.

    Ich denke Du kannst Stephen Chbosky auch noch zu seinem Roman folgen. Immerhin hat er Dich mit Regie & Skript bereits überzeugt.

    Mal sehen wie Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" jetzt auf die Leinwand gelegt wurde.
    Aber bis dahin ist wieder Sommer.

    bonté

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  5. ...wie ich sehe hat mich Blogger gleich 2x geladen. Eine Variante des Sabotierens von Kommentaren vielleicht!?
    :-D

    bonté

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  6. @Katie:
    Da hast du natürlich recht - britisches Englisch ist definitiv ein Krampf. Ist genauso wie wenn man James McAvoy zuhört mit seinem schottischen Akzent :D Daher gucke ich das meistens mit Untertiteln ;) Ich muss jetzt auch wirklich mal weitermachen...
    Wie gesagt, "Vielleicht lieber morgen" werde ich vielleicht noch lesen, aber ich bin nicht sicher. Der Film aber ist auf jeden Fall wirklich so schön wie ja zum Beispiel auch du gesagt hast - hat mich schon fast überrascht!

    @real-booklover:
    Ich freue mich sehr, dass ich bei dir noch ein bisschen mehr Interesse für "Vielleicht lieber morgen" wecken konnte ;) Ich wünsche dir sowohl bei der Lektüre als auch beim Anschauen des Filmes viel Spaß!

    @RoM:
    Das ist wohl wahr, Hollywood ist die beste Verbrennungsanlage. Und das nicht nur im Sinne von Verschandelung des Talents, sondern auch in Hinsicht auf die Menschen selbst, die sich kaputt machen dafür - bestes Beispiel grade Philip Seymour Hoffman...
    Ansonsten, schönere Themen: Ich weiß, dass Chbosky das Drehbuch beigesteuert und Regie geführt hat, dennoch ist ein Schreibstil in Romanen ja noch mal etwas anderes, und der gefiel mir beim reinlesen einfach so gar nicht. Mal schauen aber, ob ich es nicht doch noch einmal versuche ;)
    Und zu "Das Schicksal ist ein mieser Verräter": Der Trailer sieht, wie ich finde, schonmal klasse aus, ich bin also mal gespannt...

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