Back Down to Earth

[Laberparade] Die Auslese - Joelle Charbonneau

Plötzlich fällt mir ein, dass alles Mögliche dort draußen vor der Tür warten könnte. Ich schiebe Zeens Kommunikator in das Seitenfach meiner Tasche, greife ein letztes Mal hinein und hänge sie mir dann über die Schulter. Als die Uhr auf null umspringt, stehe ich auf und halte die kleine, schwarze Pistole in der Hand.
Eine Seite der Metallkiste schwingt auf, und eine aufgezeichnete blecherne Stimme teilt mir mit: "Runde vier der Auslese hat nun begonnen."

KLAPPENTEXT
Nach den verheerenden Fehlern der Vergangenheit war sich die Gesellschaft einig, dass nur noch die Besten politische Macht ausüben dürfen. Von nun an sollten die Psychologen darüber urteilen, in wessen Händen die Zukunft des Landes liegen sollte. So entstand die Auslese. 
Cia ist sechzehn und damit eine der Jüngsten, die zu den Prüfungen antreten, die darüber entscheiden, ob man für ein Amt geeignet ist. Zunächst ist sie von Stolz erfüllt – bis die erste Kandidatin stirbt. Jetzt breitet sich Angst aus, und Cia erkennt: Nur die Besten überleben…

MEINE MEINUNG

SCHREIBSTIL
Dem Genre Jugendbuch angepasst, ist Joelle Charbonneaus Stil flüssig und einfach zu lesen, ohne umständliche, aber auch ohne wirklich begeisternd bildliche Beschreibungen und hauptsächlich von kürzeren Sätzen geprägt. Erzählt wird die Geschichte im Präsens aus der Ich-Perspektive von Cia, was zum Verständnis des gesamten Systems und der einzelnen Tests enorm beiträgt. Ansonsten ist die Schreibweise nicht wirklich außergewöhnlich oder gar atemberaubend, dafür jedoch so locker gehalten, dass die Seiten, auch durch die vielen Absätze, nur so dahinfliegen.

CHARAKTERE
Die Protagonistin Cia ist durchaus ein sympathisches Mädchen, das man mit einigem Interesse auf seinem Weg begleitet - stark, mutig und schlau gelingt es ihr immer wieder, sich aus den gefährlichsten Situationen zu manövrieren. Genau das ist aber auch ihr Problem, denn sie ist so perfekt, dass es absolut langweilig ist. Ein einziges Mal begeht sie einen Fehler, ansonsten kann sie Fallen anscheinend 100 Meter gegen den Wind riechen, und sie durchschaut jeden noch so durchdachten Plan. Das ist nach einiger Zeit dann leider nur noch geringfügig glaubwürdig. Ihr Love Interest Tomas bleibt dann extrem blass, sodass es ihm nicht vergönnt ist, Cias Langweiligkeit aufzuwiegen. Stattdessen dackelt er ihr die meiste Zeit eher treu hinterher. Nur gegen Ende überrascht er tatsächlich mit einigen Zügen. Die restlichen Figuren sind überwiegend entweder verschlagen oder freundlich, alles bleibt mehr oder weniger Schwarz-Weiß, und auch die Entwicklungen einiger von ihnen sind so stark vorauszusehen, dass kein Charakter wirklich überzeugen kann.

STORY
An sich ist die Geschichte ansonsten total interessant - wenn auch mit den üblichen dystopischen Klischees behaftet. Das Problem ist eben einfach, dass sich der Roman stark an den Rennern des Genres orientiert, und das sage ich als eine, die Vergleiche zwischen unterschiedlichen Werken grundsätzlich verabscheut. Hier jedoch ist die Ähnlichkeit mit "Die Tribute von Panem" einfach nicht zu übersehen: Die Kandidaten bekämpfen sich gegenseitig, ja, werden sogar dazu angehalten; am Anfang der 4. Prüfung steigt Cia aus einer Box; sie kriegt Pakete mit wichtigen Dingen geschenkt; und Mutanten gibt es auch noch...Wer da nicht stutzig wird, muss meiner Meinung nach ein Brett vor dem Kopf haben. Charbonneau bringt aber auch eigene Idee ein, so ist es nicht. Insbesondere die Aspekte um die Arbeit von Cias Vater sowie die Prozesse zur Klärung des kontaminierten Wassers fand ich überaus interessant. Ansonsten aber schwächelt das Ganze leider oftmals in den Details.

UMSETZUNG
Nichtsdestotrotz ist das Buch unheimlich fesselnd und einen gewissen Unterhaltungsfaktor will ich ihm trotz des öfter eher düsteren Themas absolut nicht absprechen. Die Romantik fand ich zwar eher unnötig, voraussehbar und langweilig, ansonsten jedoch gibt es immer wieder kleinere Überraschungen im Verlauf, die mich durchaus begeistern konnten. Nur im Showdown circa 30 Seiten kam bei mir dann wieder die Frage auf, ob die Lektoren des Romans eigentlich überhaupt darüber nachgedacht haben. [Vorsicht, kleiner Spoiler!] Schließlich sind Cia und Tomas lange Zeit mit einem Kandidaten unterwegs - aber erst direkt vor dem Ende setzt dieser seinen Plan in die Tat um, sie zu töten, während er dies schon längst hätte machen können, während sie schliefen? Interessante Logik...[Spoiler Ende!] Kurz danach endet das Werk dann mit einigen offenen Fragen und einem eher seltsamen letzten Satz, insgesamt aber einem definitiv Interesse weckenden Schluss, der über einiges hinwegtröstet - jedoch nicht über alles.

FAZIT
"Die Auslese" hat keine besonders originelle Grundgeschichte und bleibt einem leider besonders durch die vielen Parallelen zu "Die Tribute von Panem" im Gedächtnis. Protagonistin Cia ist so perfekt, dass sie mich richtig anödete, dennoch kann ich nicht sagen, dass das Buch nicht spannend ist - denn es fesselt die gesamte Zeit über sehr, hat nur eben definitiv seine Schwächen. Ich gebe knappe 3 Punkte und bin mal gespannt, ob sich Joelle Charbonneau in Band 2 wohl steigern kann...


Titel: Die Auslese
Originaltitel: The Testing
Reihe: The Testing
Autor: Joelle Charbonneau
Übersetzer: Marianne Schmidt
Verlag: Penhaligon
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3764531171

   Kommentare:

  1. Halllo Sonne.
    Ein klein wenig schnippisch könnte man/frau auf den Trichter kommen, es mit dem Handlungsskript für ein V-Spiel zu tun zu haben. Protagonistische Fehlerfreiheit, Figurenklischees, ein Sidekick, nebst Shootout.
    Dystopie von der Stange!?

    Das System hinter der "Auswahl" eignet sich bestens für die Füße; denn welche Charakteristika zeichnet das Meucheln der Mitbewerber aus?!
    Ein Komplott also, ein pervertiertes Verfahren?
    Hier wären die Ansätze für eine notwendige Steigerung, wie Du sagst.

    Immerhin - doch spannend.

    bonté

    post scriptum
    wie fühlst Du Dich sechsstellig?
    :-)

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  2. Sonne, das kann ich genau so unterschreiben. Diese Laberparade könnte auch ich geschrieben haben :-) War für mich auch kein schlechtes Buch, aber eben so gar nix neues. Cia perfekt, Thomas blass - so war's!
    Eine Kleinigkeit noch, ich glaube die Story ist im Präsens, Ich-Form geschrieben ;-)
    LG,
    Damaris

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  3. @RoM:
    Eine "Dystopie von der Stange", genau - damit triffst du es gut. Leider überschwemmt das Genre den Markt, und so findet man kaum noch Innovatives. So ist das eben auch mit diesem Werk, weshalb ich die allgemeine Begeisterung nicht nachvollziehen kann...
    Und ich bezweifle ja, dass die Autorin sich groß steigern kann, die Genialität der Protagonistin wird sich kaum ändern, leider.
    Und: Mit 100.000 Aufrufen fühle ich mich nicht anders als vorher. Wie auch. Das sagt ja nichts aus! Ist nur immer ganz interessant zu sehen ;)
    Wie üblich, danke für den Kommentar!

    @Damaris:
    Bei dir habe ich ja auch einen Kommentar zur Rezension hinterlassen und da ja schon festgestellt, dass wir überwiegend einer Meinung sind. Schon schade, Potenzial wäre da gewesen, aber besonders bei den Charakteren wurde es, wie du ja auch sagst, leider nicht genutzt.
    Und danke für die Verbesserung, da hatte ich mich verschrieben und jetzt gleich ausgebessert ;)

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