Back Down to Earth

[Buchrezension] Noch weniger Sex und ich wäre ein Pandabär - Justin Halpern

Dann machte ich das Licht aus, und wir hatten etwa anderthalb Minuten lang Sex. In meinen vielen tausend Fantasien war es immer nur darum gegangen, exakt eine Person zu befriedigen: mich selbst. Doch erst, als ich jetzt auf ihr herumrobbte wie ein Zombie, der sich anschickt, einen schlafenden Camper zu zerfleischen, wurde mir klar, was für Komplikationen der Sex zu zweit so mit sich brachte. Ich musste versuchen, die Sache für sie genauso angenehm zu gestalten wie für mich. Ich trug Verantwortung. Und spätestens, als mir klar wurde, dass der Spaß nicht allzu lange dauern würde, musste ich mir eingestehen, dass ich keinen Schimmer hatte, wie ich das anstellen sollte. 

INHALT
Justin Halpern möchte seiner langjährigen Freundin Amanda einen Heiratsantrag machen - und bittet seinen Vater um Rat. Dieser sagt ihm, er solle über all die Frauen seines Lebens nachdenken und entscheiden, ob diese nun die Eine sei. Und so macht sich Justin auf und tritt eine Reise in die Vergangenheit an. Eine Reise, die ihn jedes einzelne seiner Fettnäpfchen noch einmal durchleben lässt.

MEINE MEINUNG
Justin Halpern wurde 2009 mit seinem Twitter-Account "Shit My Dad Says" bekannt, in dem er all die Weisheiten seines Vaters festhält. Nach dem gleichnamigen Buch folgt nun der neuste Streich des jungen Mannes: "Noch weniger Sex und ich wäre ein Pandabär" [dieser Satz taucht im Buch übrigens nicht auf] fasst seine Erfahrungen mit den Frauen, die ihm schon immer ein wenig Angst gemacht haben und sowieso eher wenig von ihm wollten, auf sehr humoristische Weise zusammen. Ob nun alles den Tatsachen entspricht, kann ich nicht beurteilen - absolut witzig ist das Ganze aber in jedem Fall.

Der Autor beschreibt sich und seine Freunde/Familie/Bekannten selbst, und das so realistisch, dass man in vielen Belangen wirklich glauben kann, dass diese genau so existieren und sich die Geschehnisse mit diesen auch genau so zugetragen haben. Er selbst lässt wirklich keine Peinlichkeit aus, hat eine unstillbare Sehnsucht nach Frauen [schließlich bekommt er einfach selten eine ab], aber leider gleichzeitig auch irgendwie Angst vor ihnen. Und viel schlimmer: Erfahrung hat er ebenso wenig. Da steht ihm natürlich sein Vater zur Seite, der ihm immer wieder verbal eine runterhaut, um ihn auf den Boden zurückzuholen. Aber auch die anderen Figuren haben so ihre ein oder anderen genialen Aussagen auf Lager, und ob diese nun wirklich auf diese Weile gefallen sind oder nicht, ist irgendwie auch egal - sie sind einfach super witzig.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal bei einem Buch so gelacht habe. Die Absurditäten, die dem Protagonisten hier geschehen, gepaart mit den trockenen und sarkastischen Kommentaren des Vaters sowie der völligen Ignoranz der Frauen ist das ein oder andere Mal wirklich zum Schreien komisch. Und das sage ich als weibliche Leserin! Dazu muss aber auch gesagt werden, dass man Humor rund um Sexualität mögen muss, denn diese macht den größten Teil des Werkes aus. Justin klaut Pornos, erlebt sein erstes Mal , wird von seinem Vater mehr oder weniger aufgeklärt und erhält reihenweise Körbe von Frauen - aber er kämpft sich weiter und versucht, seinen Traum zu leben, und das muss man ihm dann doch irgendwie anrechnen.

Man kann also sagen, dass der Roman nicht nur ungemein gut unterhält, sondern auch noch eine schöne Botschaft verbreitet: Egal, wie viel schief läuft, irgendwann klappt es. Schließlich will der Erzähler, und das ist die Ausgangssituation, der Frau seines Lebens einen Antrag machen. Auf dem Weg dort hin gibt es sicherlich ein paar kleinere Längen, letztendlich gelangt der Autor jedoch mit Bravour zu einem urkomischen und gut schließenden Ende, das einen hinterher fast schon zwingt, sich sofort einen Twitter-Account zu erstellen und ihm erst einmal zu folgen.

FAZIT
"Noch weniger Sex und ich wäre ein Pandabär" ist, darüber muss man sich im Klaren sein, so etwas wie eine kleine Biographie über Justin Halperns Leben mit den Frauen. Das Ganze ist aber in kurze Geschichten unterteilt, die man schnell weglesen kann, und dabei so witzig, dass ein lautes Lachen an der einen oder anderen Stelle unvermeidlich ist. Leser, die nach einem richtig humorvollen Buch suchen, sind hier definitiv an der richtigen Stelle! 4,5 Punkte von mir.



Titel: Noch weniger Sex und ich wäre ein Pandabär
Originaltitel: I Suck at Girls
Autor: Justin Halpern
Übersetzer: Lorenz Stern
Verlag: Manhattan
Seitenzahl: 224 Seiten
ISBN-13: 978-3442547128

   Kommentare:

  1. Hört sich ja wirklich gut an. Danke für die Rezension, denn bei dem Titel hätte ich das Buch wahrscheinlich eher links liegen gelassen. ;)

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  2. Grüß Dich, Sonne.
    Eigentlich will ich ja hoffen, daß Justin H. die Eigenschau satirisch überzeichnet, ironisch ausschmückt. Denn die Einsicht, daß schöner Sex mit mehr als dem eigenen Ego zu tun hat, kommt ihm hier reichlich spät (im Gegensatz zu seinem frühen Kommen).

    Zudem - sonderlich reif für eine lange Bindung scheint er mir eh nicht zu sein. Er ist sich ja seiner Gefühle dabei nicht sicher.

    Ist wohl eher als Aufhänger gedacht, für eine Reihe von Anekdoten...

    Aus meiner ungelesenen Distanz heraus wundert es mich ja, daß Justin so ein Beziehungs-Torfkopf geworden sein soll, wenn Dad stets einen weisen (?) Spruch liefert.
    Erziehungsr-Resistenz?!
    Oder für die Story erdacht.
    Du siehst, ich hege Zweifel an der Eins-zu-eins-Realität. Aber voll in Ordnung, solange er dies nicht behauptet.

    Bleibt wohl richtig, den Jungs weniger miese Pornos nahe zu legen. Die sind in ähnlicher Weise kontraproduktiv wie die Lustfeindlichkeit der meisten Religionen.

    Interessiert Dich die anstehende Buchmesse?

    bonté

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  3. @Katie:
    Ich muss ja sagen, ich fand grade den Titel so genial, weshalb ich das Buch unbedingt lesen wollte :D Wenn du auf leichte, witzige und abgedrehte Lektüre stehst, dann könnte der Roman aber definitiv etwas für dich sein! ;)

    @RoM:
    Nun ja, nur weil der Vater immer wieder den einen oder anderen Spruch raushaut, muss das ja nicht heißen, dass das Gleiche dann auch für den Sohnemann gilt. Mal abgesehen davon, dass die Ratschläge schon des Öfteren eher unter die Gürtellinie gingen und daher schon prinzipiell wahrscheinlich nicht wahrgenommen wurden :D
    Ich denke, die Realität spielt hier aber auch keine große Rolle [jedenfalls für mich nicht]. Soll ja nur unterhalten und einige Stunden gut schmökern lassen, und das ist hier definitiv wunderbar gelungen ;)
    Zur Buchmesse: Naja, Interesse ist schon da, aber ich spare mir den Besuch. Betonung auf "spare" - hingehen würde ich gern und den Eintritt könnte ich mir leisten, aber 60€ für das Zugfahren mag ich echt nicht ausgeben, so viel ist es mir definitiv nicht wert. Daher bleibe ich zuhause und bin genervt von den ganzen Posts, sodass ich mich verschanze und erst wieder rauskomme, wenn alles vorbei ist :D

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